Freitag, 25. Oktober 2024

Was verbirgt sich hinter dem Aschenputtel - Gemeinde Feldberg?

Rathaus Feldberg in Altglashütten

Im 10. Jahrhundert war das ganze Feldberggebiet von
  einem geschlossenen Urwald bedeckt. Im Norden und Westen des Feldberggebietes benötigte der Silberbergbau von Todtnau und Schauinsland riesige Mengen an Holz. Im Süden und Westen waren im 16./17. Jahrhundert es die Glashütten des Klosters St Blasien. Außerdem waren die schnell wachsenden Städte wie Freiburg über die Dreisam, Basel und Lörrach über die Wiese und das „Schmelz- und Eisenschmiedewerk Eberfingen“ an der Schweizer Grenze über die Gutach-Wutach zu versorgen.

 

So entstanden durch den Fürsten zu Fürstenberg auch im Osten des Feldberges mit seinen unerschlossenen Wäldern zwischen 1634 und 1707  die Glashütten „Altglashütten“ (1634) und „Neuglashütten“ (1682), beide auch als „Rotwasserglashütten“ bezeichnet sowie die Holzknechtsiedlungen „Falkau“ (1675) und „Bärental“ (1691).

 

Als die Wälder um Altglashütten erschöpft waren, zogen die Glaser nach Neuglashütten weiter. Die Spezialität der Glaser war neben den bekannten Gefäßen vor allem Glasscheiben in bester Qualität. Die weiße Erde ließen sie aus der Solothurner Gegend in der Schweiz kommen. Die Glasprodukte der Rotwasserglashütten hatten bei dem bedeutenden Schwarzwälder Glashandel diesseits des Rheins bis nach Frankfurt und bis nach Württemberg hinein einen guten Ruf. Als auch die Wälder um Neuglashütten kahlgeschlagen waren, bot der Fürst den Glaser der Rotwasserglashütten an, die Glashütte in Herzogenweiler zu übernehmen.

 

Das „Schmelz- und Eisenschmiedewerk Eberfingen“ (1624-1757) wurde 1622 gegründet. Dies waren der Graf von Sulz, der das Eisenerz aus dem Klettgau lieferte, der Landgraf von Stühlingen, der die Gebäude errichtete und der Abt von St Blasien, der das Holz aus der Gotteshausherrschaft Bonndorf über die Haslach, Wutach flössen ließ. 1639 wurde auch der Fürst von Fürstenberg durch Erbschaft am Hüttenwerk beteiligt und  konnte sich auch an den Holzlieferungen beteiligen. Als auf die Waldungen im Einzugsbereich der Haslach zurückgegriffen wurde, entstandenen die Siedlungen „Vorderfalkau“ (1658), Mittelfalkau (1669) und Hinterfalkau (1674).

 

Als die Wälder im Seebachtal und am  Feldsee durch die Holzfällerkolonnen geplündert wurden, entstand die Holzknechtsiedlung“ Beerenhalden“, 1737 „Beerenthal“ und ab den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts „Bärental“. Bis heute lässt sich nicht erklären, wie der Bär Eingang in das Stadtwappen von „Bärental“ gefunden hatte, da es dort gar keine Bären gab.

 

Die zurückgebliebenen Familien in den verschiedenen Siedlungen konnten sich mit der Fürstenbergischen Verwaltung einigen und nach und nach die Bestandsgüter übernehmen. Dadurch wuchsen mit der Zeit die Rodungssiedlungen zum Dorf. Was war von damals übrig geblieben?

 

Infolge der Uhrmacherei in der Region wurde 1827 eine Werkstatt, in der Schmiedeketten hergestellt wurden, in eine Drahtzieherei umgewandelt. Mit der Zeit entstand die „Draht- und Schraubenfabrik Falkau“, die das gesamt Uhrengewerbe im Hochschwarzwald belieferte. Bis zu 350 Mitarbeiter wurden beschäftigt. Es war das größte Unternehmen im Hochschwarzwald. Durch die wirtschaftliche Situation musste der Betrieb 1929 schließen.

 

Mit dem Bau der Dreiseeenbahn 1912 – 1926 erhielt „Bärental“ den höchsten Bahnhof in Deutschland mit 967 m und „Altglashütten“ ebenfalls einen Bahnanschluss.


Noch heute erinnert eine „Glasschauwerkstatt –Peter Eckhard“ in „Altglashütten“ an jene bedeutende Episode der Glasproduktion.

 

1939 wurden die Gemeindeteile des Feldberges nach „Bärental“ eingemeindet, die neue entstandene Gemeinde hieß „Feldberg“ und „Bärental“ blieb als Ortsteil erhalten. Gleichzeitig wurde „Neuglashütten“ nach „Altglashütten“ eingemeindet. Ab 1971 konnten sich die mal bedeutenden Gemeinden „Altglashütten“ und „Falkau“ als neue Gemeindeteile  der Gemeinde Feldberg schmücken, um als Höhenluftkurorte am Tourismusboom teilzuhaben.




Freitag, 18. Oktober 2024

Was verbirgt sich hinter der Familie Fackler aus Simonswald?

Simonswälder Tal

Die Familie Fackler war seit alters her ein Geschlecht, das im Glottertal und Simonswälder-Tal Wirte in den verschiedenen Gasthäusern stellte. Johann Michael Fackler aus Simonswald -geboren 1694- heiratete 1714 Anna Kapp aus dem Glottertal und wird dadurch Wirt auf dem Gasthaus „Engel“ im Glottertal. Der „Engel“ bleibt deswegen über 200 Jahre im facklerischen Familienbesitz. Johann Michael Fackler erwarb zusätzlich den „Hirschen“ in Altsimonswald.

 

Sein Sohn Mathias Fackler -geboren 1716- übernahm nicht nur den „Hirschen“ in Altsimonswald von seinem Vater sondern erwarb zusätzlich die „Krone“. Durch seinen frühen Tod 1754 und den baldigen Tod der Mutter verkaufte die noch junge Tochter Anna Maria Fackler -geboren 1738- den „Hirschen“. Sie begründete durch die Heirat mit dem Handelsmann Joseph Alexander Krebs als Stammmutter die Familie des Bankhauses Krebs in Freiburg. Eine Tochter, Maria Benedikta -geboren 1762-, wird die letzte Äbtissin des Klosters Wonnethal bei Kenzingen werden.

 

Der einzige Sohn von Mathias Fackler -geboren 1742- übernahm den „Engel“ von seiner Schwester Anna Maria. Nachdem sein Sohn Joseph -geboren 1773- den „Engel“ bewirtet hatte, hatte einer seiner Brüder, Franz Sales -geboren 1778-, durch die Heirat mit Maria Theresia Stehle 1799 den „Ochsen“ in Simonswald-Haslach übernommen.

 

1815 erhielt Franz Sales Fackler die Genehmigung zu einer Bierbrauerei neben dem Ochsen zu eröffnen. Die Kellereien waren schon vor den  Kriegen erstellt worden. Durch den Braubetrieb wurde er  bekannt und berühmt.  Da das Geschäft blühte, wurde er auch reich. Sein Bier verkaufte sich bis Karlsruhe, Freiburg und dem Elsaß. In den 20er und 30er Jahren stand der Ochsen auf dem Höhepunkt seines Glanzes, von dem er dann wieder absinken sollte.

 

Dass der Ochsenwirt einen Namen hatte, zeigte sich dadurch, dass er 1920 für fünf Jahre im Badischen Landtag in der zweiten Kammer Abgeordneter war. 1846 verstarb Franz Sales. Einer seiner Söhne, Franz Josef wurde Bierbrauer und führte 1835 die Brauerei weiter. Mit dem Tode seines Vaters verkaufte er die Brauerei an seinen Bruder Karl, der den „Ochsen“ übernommen hatte und zog nach Freiburg.

 

Da Simonswald-Haslach kein Rathaus besaß, wurde die Dorfpolitik im „Ochsen“ gemacht. In jenen Jahren gärten die revolutionären Ideen auch im Simonswälder-Tal. Hecker und Struwe hatten zur Revolution gerufen und wollten die Republik ausrufen. Alle sogenannten Vaterländischen hatten sich im „Ochsen“ und im Obertal im „Rebstock“ versammelt. Im „Ochsen“ tranken und sangen sie sich Mut an: „Hecker, Struwe und Robert Blum, kumm‘ mir bringe die Preuße um. D’Säbel gschliffe, d‘ Messer gewetzt, de Freiheitsbaum vor d‘ Kirchr‘ gesetzt“.

 

Nach der der Niederschlagung der Revolution 1849 musste Karl Fackler für mehrere Wochen ins Gefängnis. Die besten Jahre des „Ochsen“ waren vorbei. Da Karl die Kaufsumme nicht an seinen Bruder bezahlen konnte, kam die Brauerei in fremde Hände. Aber auch den „Ochsen“ ereilte 1862 das gleiche Schicksal.

Ochsen mit Nebengebäude vorne


 

Freitag, 11. Oktober 2024

Was verbirgt sich hinter Enzklösterle?


Die B 294 führt von Freudenstadt über Besenfeld nach Pforzheim. Kurz hinter Besenfeld und Urnagold führt die K 4772 über Poppeltal mit seiner seit Jahren bekannten Riesenrutsche hinab ins Tal der Großen Enz, die über Bad Wildbad nach Pforzheim führt. Die erste Ortschaft im Tal der Großen Enz ist Enzklösterle.

 

Wie schon der Ortsnamen verrät war der Ursprung der Gemeinde wohl ein Kloster, deren Spuren man heute vergeblich sucht. 1145 wurde tatsächlich das Kloster „Enza“ durch die Herren von Altensteig, Berneck und Vogtsberg in der Wäldereinsamkeit gegründet. Alles andere ist wohl in den Bereich der Sage zu verweisen. Um die Mönche an eine stramme Zucht zu gewöhnen, kam das Klösterlein unter die Aufsicht des Zisterzienser-Klosters Herrenalb. Die Erwartungen erfüllten sich jedoch nicht, denn nach dem sittlichen und ökonomischen Verfall wurde das Klösterlein 1445 aufgelöst und in den Maierhof „Enzhof“ umgewandelt.

 

Bedeutung bekam Enzklösterle als der Markgraf von Baden und der Graf von Württemberg 1342 einen Vertrag geschlossen haben, in dem sie die Flüsse Würm, Nagold, Enz und Neckar für die Flößerei geöffnet haben und 1600 Herzog Friedrich von Württemberg eine Holz- und Floßfaktorei errichten ließ, denn Holz war zur Genüge vorhanden. 1613 wurde die oberste Enz oberhalb der heutigen Petersmühle floßbar gemacht. 1750 wurde der Poppelsee und 1782 der Kaltenbachsee jeweils als Schwallweiher angelegt, um genügend Wasser für die Flößerei zu haben. Die Sägemühlen lieferten das geschnittene Dielenholz auf Ochsenkarren hier her, auf dass es auf Flößen die Enz abwärts transportiert werden konnte.

 

Selbst die Landesgrenze zwischen der Markgrafschaft Baden und dem Herzogtum Württemberg half mit die Flößerei auf der Enz zu fördern. Bei Schönmünzach wurde an der Landesgrenze –beim heutigen Klärweg- Scheiterholz aus der Murg mit einem Rechen gezogen, mit Pferdewagen auf die „Besenfelder Schwenke“ gezogen und gelagert. Im Winter wurde dann das Holz mit Hornschlitten zum Spielberg gezogen und von dort über eine Holzriese zum Kaltenbach Schwallweiher bei Gompelscheuer gebracht. Auf diese Weise wurde bis 1787 über den „Scheiterweg“ und dann weiter über die Enz geflößt.

 

Die Scheitholzflößerei, die hauptsächlich Brennholz lieferte, wurde in das Winterhalbjahr verlegt, um die Langholzflößerei nicht zu behindern. Sie wurde deswegen von Martini (11.11.) bis zum Ende April gelegt. Verschiedene Akkorde verpflichteten Enzklösterle die Holzgärten von Pforzheim, Bissingen, Vaihingen mit Brennholz zu beliefern. In ihnen wurde das angeschwemmte Scheitholz aus dem Wasser gezogen und gelagert. Die Flößerei hatte insgesamt aber zu immensen Schäden durch die Kahlschläge in den Wäldern geführt.

 

Der Straßen- und Eisenbahnbau, die Schäden und Behinderungen durch die Flößerei führten dann doch ziemlich schnell zum Ende der Flößerei. Um 1860 wird die Scheitholzflößerei eingestellt und 1913 geht das letzte Floß die Enz hinunter.

 

Der Haupterwerb der seit 1826 selbstständigen Gemeinde Enzklösterle waren alles was die riesigen Wälder hergaben: die Holzhauerei, Riesen, Flößerei egal ob Langholz oder Scheiterholz-, die Köhlerei, Kienrußbrunnen, Salpetergewinnung, Teerschwelen, Pottaschesieden und Kleesalzgewinnung. Die Spuren der Waldgewerbe sind heute noch zu sehen und werden für den Fremdenverkehr genutzt. In Enzklösterle sind noch heute eine funktionsfähige alte Kienrußhütte, Salbeofen und ein Floß nebst notwendigen Einrichtungen zu besichtigen und unterstützen damit den aufkommenden Fremdenverkehr.

Kienrußhütte in Enzklösterle


 

Freitag, 4. Oktober 2024

Was verbirgt sich hinter Hemingsways Eindrücke im Oberprechtal?

Oberprechtal 1920

Ernest Hemingway war im Jahr 1922 als Korrespondent vom Kanadischen „Toronto Star“ in Paris tätig. Er verließ mit einem Kollegen, Bill Bird, nebst Ehefrauen im August das heiße, stickige Paris, um über Straßburg und Freiburg eine Schwarzwaldwanderung mit Forellenfischen  zu unternehmen. Nachdem man in Triberg schon erste Erfahrungen mit der typischen deutschen Bürokratie wegen des Fischens gemacht hatte, stand eine Wanderung ins Oberprechtal an, wie Hemingway erählt:

„Nach einer siebenstündigen Wanderung von Triberg erreichte die illustre Gesellschaft einen steilen Waldhang.  Ganz in der Nähe lag eine Lichtung mit einer Sägemühle und einem Gasthaus, dem Forellenhof. Die Wanderer waren hungrig, betraten die Wirtsstube und wandten sich mit der Bitte an die Wirtsleute, ihnen zwei Doppelzimmer zu vermieten. Der Wirt lehnte brüsk ab: „Ihr kriegt hier kein Zimmer, nicht heute, nicht morgen niemals, ihr Ausländer“. Die Unfreundlichkeit ging soweit, dass er den Wanderer nicht einmal den Weg zum nächsten Gasthaus nannte oder auch nur die ungefähre Entfernung andeutete. Die Amerikaner bekommen hier den Groll der Einheimischen gegen die Siegermacht des 1. Weltkriegs zu spüren. Ohne den Hunger gestillt zu haben, zog man unverrichteter Dinge wieder ab und ging weiter in Richtung Oberprechtal.

Nach 6 km  heißer staubiger Straße kehrten die Touristen im Gasthaus „Rössle“ im Oberprechtal ein und stärkten sich mit einer ordentlichen Mahlzeit, wie dies im „Toronto Star“ berichte wurde: „Sie wurde vom Wirt selber aufgetragen, der unerschütterlich wie ein Ochse aussah und mitunter mit dem Suppenteller in der Hand stehen blieb und wie abwesend aus dem Fenster starrte. Seine Frau hatte ein Kamelgesicht, genau die unverwechselbare Kopfbewegung und den Ausdruck äußerster Stupidität, die man nur bei Trampeltieren und süddeutschen Bauersfrauen beobachten kann“.

Die Erfahrung mit den Schwarzwälder Gastwirtschaften hält Hemingway ebenfalls fest: „Alle diese Gasthäuser sind weiß getüncht und sehen von außen ordentlich und sauber aus, aber innen sind sie schmutzig, eins wie das andere. Die Bettlaken sind zu kurz, die Federbetten zu klumpig, die Matratzen hellrot, das Bier gut, der Wein schlecht. Beim Mittagessen muss man vorsichtig sein und aufpassen, dass das Stück Brot, das man erwischt, nicht sauer ist. Der Wirt versteht nie, was man sagt, seine Frau bindet sich die Schürze während sie den Kopf schüttelt. Die Deckenplatten sind schwarz vom Rauch. Die Hühner scharren im Vorgarten, und der Misthaufen dampft unter dem Schlafzimmer“.

In den Tagen im Oberprechtal hatten Hemingway und sein Begleiter William Bill Bird sich Angelkarten besorgt, wurden aber von Bauern mit Mistgabeln verjagt, da sie Ausländer waren. Die Nachwehen des verlorenen Krieges mit all ihrem Elend zeigten auch ihre Wirkung. Wurde er erwischt konnten am Schluss im inflationsgeplagten Deutschland bei Bauern und Behörden nur ein paar Dollarnoten weiterhelfen. Nur selten konnte er mit Erlaubnis eines Pächters angeln.

Hemingway beschrieb aber auch, dass er mit seiner Frau gewandert war und am oberen Tal mit einem schönen Forellenbach herauskam. Kein Bauernhof in Sicht, er steckte die Angelrute zusammen, seine Frau hielt talaufwärts und -abwärts Wache, und so konnte er seine Forellen fangen.

Aber heute alles vergessen, denn voller Stolz hängen im Gasthaus „Rössle“ im Oberprechtal die Bilder und Zeitungsartikel vom Kanadischen „Toronto Star“ vom Besuch Hemingways und seiner Begleitung.

Freitag, 27. September 2024

Was verbirgt sich hinter Ernest Hemingways Aufenthalt in Triberg?

Hemingway 1899-1961

Ernest Hemingway, der bekannteste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, wurde am 21.7.1899 in Oak Park Illinois geboren und starb am 1.7. 1961 in Ketchum Idaho.1953 wurde der bekannte Schriftsteller mit dem Pulitzer Preis und ein Jahr später mit dem Literatur Nobelpreis ausgezeichnet. 1922 war der Journalist für den Kanadischen „Toronto Star“ als Korrespondent nach Paris gegangen. Da zog es den begeisterten Forellenangler mit seiner Frau und dem Ehepaar Bird während dem stickig heißen August aus Paris in den Schwarzwald, um eine Forellenwanderung von Tal zu Tal zu machen. Soweit die Vorstellung der Reisegruppe.

Von Freiburg kommend wurde die Anreise nach Triberg mit dem Zug gemacht, bei dem sie eine fünfstündige Eisenbahnfahrt mit zweimal Umsteigen und vier Stunden im Gang stehen auf sich nehmen mussten, während dicke und unglückliche Deutsche und ihre dicken gelockten Frauen sich immer wieder mit unbekannter Absicht und ständig um Entschuldigung bittend an uns vorbeidrängelten. Der Schwarzwald sei nicht schwarz, wie der Namen vermuten lässt. Er besteht aus einer Bergkette, die von Eisenbahnstrecken, Tälern voller fruchtbarer Kartoffeläcker, Weideland, braune Schwarzwaldhäusern und kieselgründigen Forellenbächen durchzogen sind, allenthalben erblickt man riesige Hotels, betrieben von germanisierten Schweizern, die es in der Kunst, aus einem Metzger-Beefsteak vier zu machen, zu wahrer Meisterschaft gebracht hatten.

In Triberg angekommen, beeindruckt die aus einer einzigen, von steilen Hotels gesäumten steilen Straße. Es liegt in einem steilen Tal, durch das  im Winter eine kühle Brise wehen soll. Logiert wurde in der Königssuite im größten Hotel von Triberg, dem “Parkhotel Wehrle“. Durch die Inflation in Deutschland damals bedingt, bezahlte Hemingway umgerechnet 37 Cents pro Nacht. Aber so leicht einen Anglerplatz in Triberg zu finden, wie es in der kanadischen Provinz möglich war, ging hier nicht. Durch Vermittlung des Hoteliers, Paul Wehrle, bekam Hemingway ein Fischwasser von einem Freund des Hauses zur Pacht überlassen. Aber was die Angler nicht bedachten, war die deutsche Bürokratie, denn es war eine polizeiliche Genehmigung zum Fischen einzuholen. Die Folge war eine zweitätige Odyssee durch die Amtsstuben des Großherzogtum Badens. Um die Erlaubnis zum Fischfang zu erhalten, begab sich Hemingway schließlich mit Bill Bird zum Amtssitz des Bürgermeisters Johann de Pellegrini in Triberg.

Als sie schließlich in einer Schlange wartend zum Bürgermeister vorgelassen wurden, brachten Hemingway sein Anliegen vor: „Bitte Herr Bürgermeister. Wir wollen der Fischkarten. We wollen to gefischen goen“. Der Bürgermeister kurz und bündig:“Nix, nein!“ und zeigte streng auf die Tür. Unter der Hand wurde den beiden mitgeteilt, sie sollten sich im Nachbarort Nußbach um Fischkarten bemühen. Es kam wie es kommen musste, die beiden Frustierten gingen halt ohne Genehmigung zum Fischen und machten zwei Tage reiche Beute. Am dritten Tag plagte doch das schlechte Gewissen. Man begab sich nach Nußbach und fand den Bürgermeister nach längerem Suchen in einem Schuppen gegenüber dem Friedhof.

Hemingway berichtet: „Mr Bird spricht deutsch, aber er glaubt, er könnte es nicht. Ich spreche kein Deutsch, denke aber, dass ich es kann. Deswegen führe ich das Gespräch, obwohl mein Deutsch darin bestünde, dass ich Englisch mit italienischen Akzent spreche.“ „Ve wishen der Fischkarten“ sagte ich mit einer tiefen Verbeugung. Der Bürgermeister sah über seine Stahlbrille und sagte: „Ja!“ „Ve wischen der Fischkarten comme ca“, sagte er nochmals und zeigte eine Landkarte mit dem gewünschten Fischwasser. „Ja“, sagte der Bürgermeister: „Das ist gut Wasser!“. „Can we gefischen in it“, fragte ich. „Ja“ kam die abermalige Antwort des Bürgermeisters. So verbrachten die beiden die restlichen Tage in Triberg und fischten in der Gutach, im Vordertalbach und Elz auch mal mit und mal ohne Genehmigung.

Trotz alledem wurde an den Triberger Wasserfällen für seinen Urlaub in Triberg eine Plakette oberhalb der Obervogt-Huber-Tanne auf einem Felsbrocken angebracht.


Freitag, 20. September 2024

Was verbirgt sich hinter der Kapelle im Tennenbachtal?

Kloster Tennenbach

Wer von Emmendingen auf den Hausberg, dem Eichberg, wandert hat von der 43 m hohen Kanzel einen herrlichen Rundblick über den Schwarzwald, Vogesen und den Schweizer Jura. Beim Blick zum Hühnersedel fällt einem eine einsame Kapelle am Straßenrand im breiten Tennenbachtal auf. Diese Kapelle ist das einzige Überbleibsel eines mächtigen Klosters.

Das Zisterzienserkloster Tennenbach wurde um 1160 auf Initiative von Kloster Friensberg in der Nähe von Bern vom späteren Abt Hasso gegründet. Es entwickelte sich zu einem der bedeutendsten und größten Klöster im südwestdeutschen Raum. Ihm unterstanden die Zisterzienserinnenklöster Güntersthal, Lichtenthal, Wonnethal und Friedenweiler.

1723 zerstörte ein Brand viele Gebäude des Klosters. Allerdings trieb damals Abt Leo Münzer den Wiederaufbau des Barockklosters stattlicher denn je voran.  Doch schon 1782 war das Kloster von einer Aufhebungswelle des Kaisers Joseph II betroffen, wie alle vorderösterreichischen Klöster. Doch der mächtige Abt konnte dies bei einem Besuch in Wien abwenden. Aber nachdem die Säkularsierung als Entschädigung für den Verlust der linksrheinischen Gebiete beschlossen  worden war, hat das Großherzogtum Baden die Aufhebung des Klosters 1806 vorangetrieben.

Die 20 Ordensgeistliche und Laienbrüder verließen das Kloster, obwohl ihnen Wohnrecht zugesagt war. Der Großteil ging nach Kärnten und der Rest betätigte sich als Pfarrer und Lehrer in der Umgebung. Die Bibliothek wanderte 1809 zur Universität Freiburg, die Besitztümer des Klosters wurde verkauft. Dagegen war die großräumige aber abgelegene Abtei völlig unverkäuflich und damit ein schwerer Ballast für den badischen Domänenetat. Auch die Verpachtung als Strohmanufaktur oder Ähnliches, alles zerplatze wie Seifenblasen, als es um die Finanzen ging.

Wenn gar nichts geht, Soziales geht immer: Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 wurde die Region Aufmarschgebiet gegen Frankreich. Österreicher, Badener, Württemberger und Russen alles war da. Es diente 1813/14 als Lazarett, ebenso wie 1815 nach der Schlacht von Waterloo, als die Soldaten zurückfluteten. Gleichzeitig entwickelte sich in den leerstehenden Gebäuden die „Thennenbacher Colonie“ d.h. eine Bettler- und Asozialensiedlung, die sich zum Schrecken der Umgebung entwickelte. Bis 1835 wurde die Siedlung mit Gewalt geräumt,  die Personen notfalls nach Amerika abgeschoben, bis die Gebäude leerstanden. Diese wurden anschließend  demoliert und auf Abbruch versteigert. Das Tennenbacher Münster  wurde Stein für Stein abgebrochen und wieder als evangelische Ludwigs-Kirche in Freiburg aufgebaut. Sie sank 1944 nach einem Bombenangriff in Schutt und Asche.

Dass die abseits stehende gotische Kirchhof- oder Krankenkapelle als einziges Gebäude der Nachwelt erhalten blieb, war dem Umstand zu verdanken, dass der Erwerber sie nicht bezahlen konnte. Nach ihrer Entweihung 1836 diente die 1310 erbaute Kapelle als Geräteschuppen trotz aller Proteste des erzbischöflichen Ordinariats. 1898 wurde sie von Stadtpfarrer Sachs aus Emmendingen restauriert, ebenso 1957 renoviert.

Die der Muttergottes geweihte Kapelle zeigt über dem Eingang das Wappen des Abtes Antonius und die Jahreszahl 1721. 2011 wurde die „Schwarze Madonna“ feierlich aufgestellt. Sie stammte aus dem alten Kloster. Die Kapelle wird vorwiegend für Hochzeiten genutzt.

Kapelle Tennenbach 


 

 

 

Freitag, 13. September 2024

Was verbirgt sich hinter dem Hochschulort Schramberg?

R. Nacken 1884-1948

Sicherlich ist es für jede Stadt ein Wunsch oder eine besondere Auszeichnung, ein Hochschulstandort zu sein. Was sicherlich die wenigsten Leute wissen, war Schramberg in der Zeit von 1943-1948 ein Hochschulstandort: Das Mineralogische Institut der Universität Frankfurt unter Professor Dr Richard Nacken (1884-1971) war kriegsbedingt in den Räumen der H.A.U., Firma Junghans, untergebracht. Professor Nacken beschäftigte sich mit der hydrothermalen Mineralsynthese zur künstlichen Herstellung von Quarzen und Edelsteinen.

Das Oberkommando des Heeres hatte größtes Interesse an der Quarzforschung, denn die bisherigen Quarze kamen aus Südamerika, um die Probleme beim Nachschub zu umgehen, waren die künstliche Quarzforschung so wichtig. Quarz wurde als Frequenzstabilisator in Funkgeräten oder Radios verwendet,  da sie weitgehend hitze- und staubresistent sind. Deswegen übernahm der Reichsforschungsrat die Förderung der nunmehr als geheim eingestuften Arbeiten. Nach einem Jahr waren die ersten Kristalle künstlich gezüchtet. Nun wurden die Grundlagen der industriellen Quarzsynthese gelegt. Mittlerweile  standen das Institut und die Mitarbeiter unter dem Schutz von Rüstungsminister Albert Speer.

Wie es schon manche deutsche Großstadt getroffen hat, luden am 4. Oktober 1943 hunderte alleierte Bomber ihre Fracht über Frankfurt ab und legten ganze Stadteile in Schutt und Asche. Nicht getroffen wurde das Mineralogische Institut der Universität. Für dessen Leiter, Dr Nacken, war aber klar, dass er schleunigst diese Stadt mit seinem Institut verlassen musste.

Schramberg wurde aus verschiedenen Gründen ausgewählt: Das Atomprogramm wurde von Albert Speer in den Südwesten evakuiert, denn die Wissenschaftler wollte alle wegen einer eventuellen Niederlage im Westen sein, um im Osten den Russen nicht in die Hände zu fallen. Junghans war führend in der Rüstungsindustrie, Direktor Junghans war zum Wehrwirtschaftsführer aufgestiegen, das Unternehmen hatte seit 1941 ein umfassendes Stollensystem angelegt.

Die Wissenschaftler waren mittlerweile in der Lage, in vier Wochen ein Kristall von einem Kilogramm Gewicht zu züchten. Die Erfolge sprachen sich in den Fachkreisen herum, denn die Firma Telefunken interessierte sich für den Kauf der Patenten und die mögliche Industrieproduktion, die der konzerneigenen Leuchtstoff-Gesellschaft. Die Leuchtstoffkristalle könnten in der Radartechnik verwendet werden. Andererseits erschwerte der Vormarsch der Alliierten 1945 die Arbeit zusehends: Es fehlten immer wieder Materialien. Bis im April 1945 die französischen Panzer in Schramberg einrollten.

Die Alliierten, vor allem aber die Franzosen, wussten um die Bedeutung der Quarzsynthese und wollten diese für die Radiotechnik nutzen. Dr Nacken sollte das Institut für Hydrothermalsynthese wieder wie vor dem Kriege aufbauen, was auch geschah. Im August 1946  wurde Dr Nacken als Professor an die Universität Tübingen berufen. Gleichzeitig wollte er in Tübingen ebenfalls ein Institut für hydrothermale Mineralsynthese aufbauen. Als die französische Militärverwaltung dies bemerkte, da in Schramberg Geräte für Tübingen reserviert wurden, wurde Dr Nacken als Institutsleiter abgesetzt, durfte die Anlage nicht mehr betreten. Sein Stellvertreter wurde als neuer Leiter eingesetzt. In der weiteren Folge wurde die Forschungsstelle abgewickelt und mit Immanuel Franke als Leiter 1948 nach Paris verlagert.