Freitag, 21. August 2026

Was verbirgt sich hinter den Wuhren im Südschwarzwald?

Heidenwuhr mit Abzweigung

Der südliche Schwarzwald ist eine typische Gletscherlandschaft mit tiefen Trogtälern und trockenen Hochebenen, aus denen das Wasser rasch abstürzt. Die Wuhren waren künstlich angelegte Wasserläufe mit geringem Gefälle, die das verhinderten. Aus den Hochebenen von 700 bis 800 m Höhe mit wasserreichen Gletschermulden wurden entwässert und trockene, tiefer liegende Gebiete mit wenig Wasservorkommen versorgt und für landwirtschaftliche Erzeugung nutzbar gemacht. Mühlen aller Art, Sägen, Hammerwerke, Dorfbrunnen oder später Gewerbe- und Industriebetriebe und deren Turbinen mussten mit Wasser versorgt werden. Es gibt 3 größere Wuhrensysteme

 

Heidenwuhr: 10 km lang. Beginnt in einer Wiese bei Atdorf als „Schneckenbach“. Der größte Teil des Baches wird unterhalb von Atdorf bei der „Hasnrütti“ gefasst und fließt in vielen Windungen zwischen Bergalingen und Willaringen durch, Jungholz und am Kühmoos vorbei. Schließlich auf den letzte 70 m durch einen Stollen in den Bergsee, und aus diesem wieder im Stollen heraus. Mehrere Kanäle dienten zur Versorgung einzelner Betriebe und das zog sich bis nach Bad Säckingen und als „Gießen“ zum Rhein hinunter. Der Bergsee diente seit 1805 als Ausgleichsbecken zur Gewährleistung einer konstanten Wasserversorgung.

 

Hännerwuhr: 11,5 km lang. Entnimmt nördlich von Hottingen aus der Murg Wasser (Parkplatz), führt es beim Dreispitz über die Wasserscheide, verläuft im Wald bis bis zur Wasserteile oberhalb Hänner und vereinigt sich in Oberhof mit dem Sägebach Bei Oberhof lief es sogar über Dämme, Brücken und über die Straße und führt bei Laufenburg in den Rhein. Die älteste Urkunde des Hännerwuhrs stammt von 1207 zwischen der Fürstäbtissin von Säckingen und dem Grafen von Habsburg. Den Unterhalt des Wuhrs wird heute von einer Genossenschaft geleistet.

 

Hochsaler Wuhr: 21,4 km lang. Sie beginnt im Quellgebiet der Murg südlich von Herrischried, Hogschier, bei Oberwihl wird sogar die Wasserscheide überwunden. Das Hochsaler Wuhr hat das Seltenwuhr als seitliches Wuhr zur Verstärkung der Wassermenge hinzu, und von ihr zweigt 1,3 km nördlich von Rotzel das Rotzelwuhr (1,8 km lang) mittels Wasserteiler ab. Das Rotzelwuhr vereinigt sich mit dem Andelsbach und fließt bei Laufenburg in den Rhein. Das Hochsaler Wuhr verzweigt sich dann nochmals in zwei Arme. Der eine fließt bei Luttingen, der andere bei Laufenburg in den Hochrhein. Die älteste Urkunde weist von 1335 des Klosters Säckingen auf eine „wasserfurte“ hin. Der Unterhalt der Wuhre leistet heute der Wasser- und Bodenverband „Hochsaler Wuhre“

 

Zu den drei genannten größeren Wuhrensystemen kommen neben anderen kleinen Wuhren noch das Rüsswihler Wuhr 2,7 km lang bei Rüsswhil südlich von Görwihl, hinzu

 

Eine technische Meisterleistung war sicher das Berauer Wuhr (ursprünglich 10 km lang), das als ehemalige Wuhr inzwischen wieder freigelegt wurde. Es führte Wasser der Mettnau nach Berau, um das Kloster Berau mit Wasser und zusätzlich zwei Mühlen zu versorgen. So wurde auf der Höhe mit Wasser aus der Mettma die Klostermühle angetrieben. Vieles spricht dafür, dass das Wuhr nicht 1117  mit dem Kloster errichtet wurde sondern aus der Bronzezeit stammt.

 

Das Wassersystem der Wuhren ist schon sehr alt. 1207 bestätigt eine Urkunde einen Vergleich  zwischen dem Kloster Säckingen und dem Grafen Habsburg-Laufenburg über den Wasserverbrauch aus dem Heidenwuhr. Die älteste Urkunde vom Hännerwuhr stammt ebenfalls von 1207, vom Hochsaler Wuhr von 1453.

 

Für die Verteilung des Wassers bestanden genaue Absprachen, die auf Holztafeln geschrieben waren und später als Wässerungsbriefe wichtige Dokumente der Eigentümer waren. Nach den Ortsvögten war der Wuhrenknecht der wichtigste Mann im Dorf und der Umgebung. Er wurde vom Wuhrenausschuß und dem Wuhrenmeister gewählt, eingesetzt und überwacht, denn die Einhaltung der seit Jahrhunderten geltenden Wuhrenordnung war die lebensnotwendige Voraussetzung für das Funktionieren der Wirtschaft im Hotzenwld.

Hännerwuhr mit entnahmestelle aus der Murg


 

 

Freitag, 14. August 2026

Was verbirgt sich hinter dem Hirschsprung im Höllental?

Hirschsprung im Höllental 1887

Im Dreisamtal führt die B 31 von Freiburg nach Hinterzarten hoch. Nach dem lieblich einladenden Himmelreich werden die Felsen immer höher und engen die Straße und Bach immer mehr ein. An der engsten Stelle, an der nur noch Straße und Bach Platz haben und Felsen beidseitig senkrecht herabbrechen, steht auf dem rechten Felsen ein bronzener Hirsch. Dem staunenden Besucher wird erzählt, dass der Hirsch da oben stände, weil er in seiner Not der Verfolgung durch Jäger und Hund den Sprung über das Tal gewagt hatte, um seinen Häschern zu entkommen. Ungläubiges Staunen bei den einen, ein prüfender Blick nach oben, um das Erzählte wegen der Entfernung nicht zu glauben.

In Wirklichkeit wurde der erste Hirsch aus Holz im September 1856 anläßlich der Hochzeit von Großherzog Friedrich II von Baden mit Luise von Preußen durch die Gemeinde Falkenstein aufgestellt. Das jungvermählte Paar besuchte die Insel Mainau und der Weg dahin führte über Freiburg, Höllental und Donaueschingen.

Der hölzerne Hirsch hielt bis 1874 den Stürmen und Regen stand und wurde anläßlich der Versammlung der deutschen Forstämter in Freiburg erneuert, denn diese unternahmen einen Ausflug ins Höllental. Vier Jahre hielt der Hirsch dem widrigen Wetter stand, bis ein kräftiger Sturm den morschen Hirsch vom Felsen fegte. Acht Jahre blieb der Felsen ohne Schmuck.

Zur Einweihung der Höllentalbahn 1887 durch den Großherzog Friedrich II musste natürlich ein neuer Hirsch wieder auf den Felsen. Neumann beschreibt die Stelle in seinem Buch “Der Schwarzwald”: Die Felsen treten von beiden Seiten sich so nahe, dass die Straße nur durch Sprengung neben dem Bach Raum gewinnen konnte, während die Bahnlinie der Bergwand in drei Tunnels durchbricht. Die Enge, der Hirschsprung, ist die großartigste Stelle des Tales und darf sich mit den wildesten Talschluchten aller Mittelgebirge an die Seite stellen.

Dieses Mal hielt der dritte hölzerne Hirsch bis 1904 bevor er durch Wind und Wetter zu Grunde ging. Der Initiative von Hermann Fauler, Mitbesitzer der Eisenwerke Freiburg und Falkensteig ist es zu verdanken, dass unter Mithilfe der Behörden und zahlreicher Unterstützer ein Hirsch in Kupfertreibarbeit 2 m hoch und 200 kg schwer 1907 auf den Felsen kam.

Dort hielt er erstaunliche Weise 103 Jahre die Wacht über den Hirschsprung, bis er 2010 im Zuge von Felssanierungsarbeiten vom Sockel geholt wurde, um aufgefrischt zu werden. Erstaunlicher Weise mussten die Schlosser feststellen, dass der Hirsch 35 Einschusslöcher aufwies. Diese stammten wohl von den vorbeiziehenden französischen Truppen, die 1945 ihre Siegesfreude am Hirschen auf dem Felsen ausließen.

Und nun wird den Besuchern auch weiterhin die Geschichte vom verfolgten Hirsch erzählt werden, der sich durch einen Sprung über das Höllental gerettet haben soll.



 

Freitag, 7. August 2026

Was verbirgt sich hinter den Giersteinen im Murgtal


Bermersbach ein Ortsteil von Forbach liegt auf einer Terrasse 160 m über dem Murgtal. Auf einem langgezogenen Bergrücken vom Dorf Richtung Murgtal liegen drei 7x4x4 m mächtige Forbachgranitfelsen. Sie sind rund geschliffen und voller Rillen, die aussehen, als seien sie vom Wasser hineingegraben worden, obwohl die Murg mehr als hundert Meter tiefer verläuft. Die rätselhafte Steine sind seit 1940 als geschütztes Naturdenkmal eingetragen.

 

Die bizarren Felsen haben natürlich die Phantasie der Bevölkerung und Besucher angeregt. Heidnisch sollen die Steine sein und als Opfersteine gedient haben, in deren Rillen das Blut der Tiere (oder Menschen) hinabgeflossen ist. Auch das Dritte Reich hat diese Felsen als Opfersteine oder germanische Kultstätte vereinnahmt. Die Sagenwelt glaubte den Teufel bemühen zu müssen, der die Ausbreitung des Christentums im Murgtal hier verhindern wollte und in seiner Wut über seine nutzlosen Bemühungen die Krallen in den Fels geschlagen habe.

 

Die Giersteine sind einem ehemaligen Einwohner von Bermersbach, Klaus Schmich, nicht aus dem Sinn gegangen. Er hatte von seiner früheren Wohnung aus beobachtet, dass zum Zeitpunkt der Wintersonnwende, am 21. Dezember, die Giersteine eine Kimme bilden, die ziemlich genau auf den Doppelgipfel des Kipf oberhalb von Gausbach zielt., wo am Tag der Wintersonnwende die Sonne aufgeht. Hinzu kommt, dass in den 1950er Jahren in unmittelbarer Nähe der Giersteine Feuersteinmesser aus der Steinzeit gefunden wurden. Deswegen besteht die Vermutung, dass die Giersteine eine heidnische Versammlungsstätte war.

 

Der Glazial-Geologe, Prof. Dr Dieter Ortlam, hat in ganz Europa viele Auswaschungen ähnlicher Art freigelgt. Er ist der Überzeugung, dass die Steine ein Produkt der Eiszeit seien. Von Skandinavien her schoben sich die mehrere hundert Meter dicke Eispanzer über Mitteleuropa und damit auch über den Schwarzwald. Er brachte nicht nur Findlinge mit sondern formte auch die Landschaft. Über den Bergspitzen brach der Inland-Eispanzer zu „Igelspalten“ auf und Gletscherwasser schoss in der Sommerzeit tagsüber kubikmeterweise durch die Risse. Wo es auf den nackten Fels prallte entstanden Auskolkungen, vorausgesetzt, das Wasser führte Sand und Kies mit sich und konnte ständig abfließen. So schliff und sprudelte es immer tiefere Löcher und Abflussrinnen aus dem Fels, die als Gletschermühlen bezeichnet werden.

 

Die schwer zugängliche Gegend um Forbach wurde jedoch erst im 14. Jahrhundert besiedelt. Erst 1725 tauchte die Bezeichnung „Gierstein“ in einem Schriftstück auf allerdings mit dem Zusatz „Irrstein“ in Klammern. 1753 erfolgte dann die Gewannbezeichnung „Gierstein“ in einem Art Grundsteuerverzeichnis.

 

Der Besucher kann das interessante Naturgebilde mit dem herrlichen Rundblick auf das Murgtal verbinden. In Bermersbach befindet sich in der Festhalle des Ortes unter Führung des Heimatvereins das Murgtalmuseum, das sich mit den Lebensumständen früherer Generationen in der Region beschäftigt.



Freitag, 31. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter dem vergessenen Zwieselberg?


Wer von Bad Rippoldsau Klösterle vom Wolftal die kurvenreiche L 404 nach Freudenstadt fährt, kommt nicht nur von Baden nach Württemberg sondern oben auf der Höhe ca 8 km vor Freudenstadt im großen Waldgebiet auf eine kleine Rodungsinsel: “Zwieselberg” steht auf dem Ortsschild. Wenige Wohnhäuser, kleine bis mittlere Pensionen, allerdings auch ein Hotel und eine kleine Fachklinik, ein kleines Kirchlein machen einen gepflegten, parkartigen Eindruck. Der idyllische Ort setzt sich aus Ober- und dem wesentlich kleineren Unterzwieselberg (4 Häuser) mit insgesamt 70 Einwohnern zusammen.

Was veranlasst Menschen in dieser Waldabgeschiedenheit sesshaft zu werden? Während im ältesten Kartenwerk des Herzogtums Württemberg, dem” Gadner Atlas von 1592” am oberen Ende der Rippoldsauer Steige, auf württembergischen Gebiet “Priorwald” eingetragen ist, wird der heutige Zwieselberg in den “Schmittschen Karten von 1797” als “Pfaffenwald” bezeichnet. Und genauso war es, in einem 1486 geschlossenen Tauschvertrag zwischen den Geroldsecker und Schenkenzell sowie dem Rippoldsauer Prior kam der Wald in den Besitz des Rippoldsauer Nikolai-Klosters. So kam württembergisches Land in fürstlich fürstenbergischen Besitz.

Seit jeher fristeten in den unwegsamen, riesigen Waldungen Glasmacher, Pottaschesieder, Harzer und Köhler ihr Dasein. Der steigende Holzbedarf führte auch im oberen Quellgebiet der Kinzig zur Flößerei. War ein Waldteil kahlgeschlagen, mussten die Holzfäller weiterziehen, denn eine Ansiedlung war nicht gestattet. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts besiedelten einige Österreicher dieses Gebiet in unmittelbarer Nähe der Landesgrenze. Ob sie vom Kloster angeworben wurden oder sich zufällig niederließen, ist nicht überliefert. Ganz im Gegensatz zu den Holzfällern beteiligten sich die Zwieselberger Kolonisten an den Waldarbeiten, betrieben aber nebenher etwas Landwirtschaft für den Eigenbedarf. Durch den ständig steigenden Holzkohlebedarf der Christophtaler Hüttenwerke konzentrierte sich die Siedler in und um den Pfaffenwald auf die Produktion von Holzkohle. In einer Karte von 1674 wurde bereits der Pfaffenwald als “Rippoldsauer Kohlwald” bezeichnet.

Durch die zwischen dem Rippoldsauer Priorat und den Siedlern geregelten Verhältnisse blieben die Waldarbeiter in der Einsamkeit des Zwieselbergs von jeder weltlichen Obrigkeit unbehelligt. Sie waren über Jahrzehnte weder politisch noch verwaltungsmäßig einer bestimmten Gemeinde zugeordnet. Dies änderte sich, als der Oberamtmann und Klosterverwalter Friedrich Diez aus Alpirsbach 1734 von der Siedlung erfuhr. Er war der Ansicht, das Kloster Rippoldsau habe zwar Holzrechte im Pfaffenwald, nicht aber Hoheitsrechte. Sie seien württembergischen Untertanen und damit Alpirsbach zinspflichtig. Er verlangte 1734/35 eine Erbhuldigung aller männlichen Einwohnern. Der Prior dagegen drohte den Bewohnern im Falle der Erbhuldigung Aufkündigung der Wohnplätze und Vertreibung. Es kam wie es kommen musste: Die Männer von Unterzwieselberg nahmen die Huldigung vor, die Männer von Oberzwieselberg blieben dieser fern. Das Forstamt Freudenstadt war für die Auflösung, da die Siedlung die Jagd behindere und den Wilderer nur Unterschlupf gewähren würde. Die herzogliche Regierung schlug die Auflösung der Siedlung vor, denn damit wäre der ganze Streit gelöst. Der Alpirsbacher Oberamt plädierte für den Verbleib, da die Bewohner seit über 40 Jahren ein Wohnrecht erworben hätten. Die Zwieselbewohner hatten schnell erkannt, am besten wäre es das Problem einfach auszusitzen.

Die württembergischen Einwohner von Zwieselberg waren Katholiken obwohl die Württemberger evangelisch waren. Deswegen mussten die Kinder nach Bad Rippoldsau zum Schul- und Pfarrunterricht hinab steigen. Erst 1859 gab es die Möglichkeit einer katholischen Kirche und Unterricht in Freudenstadt. Zugezogene evangelischen Kinder mussten aber noch 2 1/2 Stunden bis 1873 hinab nach Reinerzau laufen, da der Zwieselberg Reinerzau verwaltungsmäßig zugeschlagen worden waren. Erst Jahre später war für sie ein Schulbesuch in Freudenstadt möglich. 1937 erhielt Zwieselberg eine katholische Kirche 1926 wurden die Zwieselberger nach langem Drängen nach Freudenstadt eingemeindet: Als “Freudenstadt Parzelle Zwieselberg”.

Freitag, 24. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter dem Höllental bei Freiburg?

General Moreau 1796

Das Höllental ist ein tief eingeschnittenes, teilweise schluchtartigen Tal östlich von Freiburg und führt von dem einladenden Himmelreich (Ortsteil von Buchenbach) hinauf auf den Schwarzwald nach Hinterzarten. Am Ende von Himmelreich engt sich das Tal ein. Nach dem Felsen mit der Ruine Falkenstein und dem Bahnhof Hirschsprung verengen sich die bis zu 130 m hohen Felsen beidseitig zum Hirschsprung. Ein Stelle, an der nur Straße und Rotbach Platz haben, während die Bahnstrecke in Felsentunnels die Engstelle passiert. Auf dem rechten Felsen steht ein Hirsch, der angeblich über die Engstelle sprang, um dem verfolgenden Jäger zu entkommen. (Siehe: Was verbirgt sich hinter dem Hirschsprung im Höllental?)

Das Höllental hieß früher Falkensteiner Steige -nach den Herrschern der Region, die Falkensteiner, die ihren Wegezoll erräubert hatten. Seit dem 12. Jahrhundert war sie nur ein mühsamer, miserabler Maultierpfad.  Außerdem hatten die wilden Hochwässer des Rotbachs alle Anstrengungen zunichte gemacht. Deswegen wurde zur Kelten- und Römerzeit die Wagensteig .benutzt.

Die 9 m enge Schlucht, die sich Rotbach und Maultierpfad teilen musste, wurde 1638 von 2.000 französischen Soldaten als Karrenweg verbreitert. 1755 haben frohnende Bauern den Höllentalweg weidlich befahrbar gemacht. Für die Hochzeitsreise von Marie-Antoinette auf ihrem Weg von Wien, Donaueschingen nach Paris zu ihrer Hochzeit mit dem späteren französischen König Ludwig XVI wurde am Karrenweg 1770 erhebliche Felsensprengungen vorgenommen und zu einem holperigen Chausseeweg ausgebaut.

Höllental als Name gab dieser Schlucht ein französisches Revolutionsheer, das 1796 nach verlorener Schlacht das Tal der Hölle glaubte hinter sich zu haben. 40.000 französische Soldaten mussten mit ihren Pferden, Geschützen und Wagen den riskanten Rückzug durch die enge Falkensteiner Staig antreten. Damals erzählten die Soldaten, die glücklich Freiburg erreicht hatten, sie seien dem “Val d’enfèr, dem Tal der Hölle” entkommen.

1885 wurde die Höllentalbahn mit Tunnels durch die Engstelle des Hirschsprung gedrückt. 1887 fand die Eröffnung der Höllentalbahn unter Anwesenheit des Großherzogs Friedrich I statt. Der Förderer und Reichstagsabgeordnete Franz Josef Faller sollte die Begrüßungsrede halten, starb aber wenige Minuten vor seinem Auftritt an einem Schlaganfall. Die heutige Strecke wurde 1851-1901 ausgebaut. Die Kuriosum in der Geschichte der Höllentalbahn war: 1923 konnte die Rheintalbahn von Amsterdam nach Basel nicht befahren werden konnte. Die französische Armee hatte nach dem Ersten Weltkrieg Offenburg und Appenweier besetzt. So musste der Umweg ab Karlsruhe über Pforzheim, Horb, Villingen und Donaueschingen durch das Höllental nach Freiburg geleitet werden. So gab es in jener Zeit einen Schlafwagen Frankfurt – Hinterzarten. Nach der Engstelle weitet sich das Tal nochmals bei Höllsteig. Das Hofgut Sternen, in dem Maria Antoinette damals Kaffee trank, liegt am Eingang der romantischen Ravennaschlucht mit ihrem berühmten Viadukt über der Schlucht. Kurz zuvor die bekannte 1148 erbaute Kapelle St Oswald. In mehreren steilen und sehr engen Kehren windet sich die Straße die 400 Höhenmeter auch nach Hinterzarten. Wegen des starken Verkehrs vor allem dem Schwerlastverkehr ist der Falkensteigtunnel im Bundesverkehrswegeplan 2030 mit wenig Erfolg aufgenommen worden.

Höllental 1902 mit Ravennabrücke


 

Freitag, 17. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter der Dynastie der Goeringer von Bad Rippoldsau?

Otto Goeringer 1853-1920

Bad Rippoldsau unter dem Kniebis am Ende des Wolftales war nicht nur bekannt wegen seines Klosters, das 1148 urkundlich erwähnt wurde sondern wegen seinen Mineralquellen, die das Bad bekannt gemacht hatten.

 

Die Fürsten von Fürstenberg hatten keine Kosten und Mühen gescheut, um das Bad in Rippoldsau wieder zu neuer Blüte zu führen. Jedoch erwies es sich als schwierig, den richtigen und vor allem tüchtigen Pächter zu finden. Vor dieser Frage stand der Fürst wieder mal 1777.

 

Der Fürst von Fürstenberg glaubte in Franz Xaver Goeringer (1749 – 1818) aus Bühl einen tüchtigen Pächter gefunden zu haben. Ausgestattet mit einem 20jährigen Pachtvertrag ging er schwungvoll an die Arbeit. Er ließ die Quellen neu fassen, um die vorhandenen 150 Gästezimmer im Bad zu füllen. Um dies schneller zu erreichen, ließ er ein „Spiel-Casino“ einrichten und Tanzveranstaltungen veranstalten.

 

Sein Sohn Xaver Philipp  Jakob (1784 – 1821) übernahm das Erbe nach dem Tod des Vaters. Nach dem frühen Tod von Xaver Philipp Jakob übernahm sein Bruder Balthasar (1795 – 1865) das Bad, ebenso heiratete er die Frau seines Bruders mit ihren beiden Kindern. Sein Verdienst war der Erwerb des Bades in den Familienbesitz für 30.000 Gulden vom Fürsten von Fürstenberg. Er ließ die Geschichte von Rippoldsau aber auch ein französisches Werbeprospekt drucken, um das Bad bekannter zu machen. 45 Pferde brachten die Gäste von der Bahn in die frisch renovierten Räumlichkeiten oder mit der Kutsche nach Freiburg und Baden-Baden. Inzwischen gehörte der Großherzog von Baden, der Fürsten von Fürstenberg mit ihrem Gefolge neben den Bauernfürsten wie der Vogtsbur aus Kaltbrunn zu den regelmäßigen Gästen. Denn mittlerweile gehörte Rippoldsau nach Baden-Baden zu dem wichtigsten Kurort im Großherzogtum.

 

Da die Ehe von Balthasar Goeringer kinderlos blieb, übernahm Fritz (1817 – 1872) der Sohn von Xaver Phlipp Jakob das Erbe, der den Badeort weltbekannt machte. Blut- und Geldadel, Offiziere, Privatiers, Staatsmänner, Dichter und Gelehrte, Schwärmer und Philosophen gaben sich die Klinge in die Hand. Amerikaner und Russen kamen im Vierspänner von Baden-Baden auf Besuch. Um dem allem gerecht zu werden, baute Fritz Goeringer den Prachtbau „Fürstenbau“, bei dessen Erstellung die Badquelle gefunden und erschlossen wurde.

 

1872 übernahm Otto Goeringer (1853 – 1920) das Weltbad von seinem Vater und führte trotz des Krieges mit den Franzosen 70/71 dieses unverändert weiter. 1875 war die Königin von Schweden Mittelpunkt der Badgesellschaft. In den 80er Jahren waren die skandinavischen und niederländischen Monarchien ständig vertreten. Otto bot seinen Gästen neben den Kurmöglichkeiten: Billiardsaal, Tennisplätze, Croquetspielplatz, täglich dreimal Konzert im Freien usw, aber auch ließ er die Viktoria-Promenade“ an der Wolf anlegen. Ständig ließ er auch die Bauten erneuern, und 1908 baute er die „Villa Sommerberg“. 120 Bedienstete beschäftigte er während der Badesaison. Aber in der Zeit ab 1908 brachte dem Bad einen harten Existenzkampf, denn die enormen Kosten konnten nicht mehr erwirtschaftet werden. Otto Goeringer musste alles in eine Aktiengesellschaft umwandeln und zwei jüdische Bankiers beteiligen. Trotz allen Schwierigkeiten konnte Rippoldsau 25.024 Übernachtungen verzeichnen. 1920 verstarb der unvergessene Otto Goeringer.

 

1920 verkaufte die noch junge Witwe Julie Goeringer völlig überfordert ihre Anteile. In den 20er Jahren fraß die Inflation die Arbeit und Besitz von mehreren Generationen völlig auf.

 

Der Sohn Otto jun. wanderte daraufhin 1923 enttäuscht, verbittert und mittellos in die USA aus und kehrte nicht mehr zurück.

 

Donnerstag, 9. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter der Nagoldsperre?

Vorsperre Freizeit

Die Nagold, einer der bedeutenden Schwarzwaldflüsse, entspringt in Urnagold, einem Ortsteil von Besenfeld in der Nachbarschaft nördlich von Freudenstadt. Heute haben sich die verschiedenen kleinen Gemeinden zur Gemeinde Seewald zusammengeschlossen. Sein Ende findet die Nagold nach 90 km in Pforzheim, da sie dort in die Enz mündet. Sie führen weiter zum Neckar und waren dadurch eine wichtige Floßverbindung über den Rhein nach Holland.

Das riesige Einzugsgebiet der Nagold entwässert den nordöstlichen Teil des Schwarzwaldes und bildete immer wieder vor allem im Winter den Grund für verheerende Hochwasser wie 1851 oder 1947/48 als jeweils das gesamte Nagoldtal überschwemmt war. Schon um die Jahrhundertwende kam der Plan auf, durch ein Rückhaltebecken oberhalb Altensteig die Nagold zu zähmen. Der ursprüngliche Plan, eine Talsperre oberhalb Altensteigs mit 50 Mio m³, der alle Probleme lösen sollte, hätte sich nur unter größten Schwierigkeiten verwirklichen lassen können. Deswegen entschlossen sich die Behörden für 4 kleinere Einzelspeicher bei Nagold, Zinsbach, Waldlach und Steinach. Der größte Speicher sollte aber mit 5,5 Mio m³ Wasser die Nagoldsperre werden. Insgesamt bringen die Speicher insgesamt 15 Mio m³ Wasser in ihren Becken zusammen.

Die Nagoldsperre dient dem Hochwasserschutz, lässt in Dürrezeiten mehr Wasser ins Tal fließen, dient gleichzeitig als Stromlieferant und erbringt 100 KW/h Dauerleistung an 300 Tagen im Jahr. In den letzten Jahren hat sich die Nagoldsperre zu einem weit über die Region bekannten Erholungspark entwickelt mit Schwimmen, Tauchen, Segel-, Surf- und Rudermöglichkeiten.

Von 1965 bis 1970 wurde das Projekt Nagoldsperre, das ein Einzugsgebiet von 39 km² beträgt, verwirklicht. Problem in der Planungsvorphase war, ob der Buntsandstein in diesem Gebiet sich überhaupt für ein Staubecken eignet. Der bewaldete Buntsandstein ist stark zerklüftet und deshalb ein ergiebiger Grundwasserspeicher. Aber für eine Stauhaltung ist er aber nicht dicht genug. 15.000 t Zement wurden im Gebirge eingepresst, um zu verhindern, dass zu viel Wasser unkontrolliert versickern kann oder der Erddamm möglichweise umströmt oder unterströmt werden kann.

Die Nagoldsperre besteht aus Becken: der Vor- und der Hauptsperre. Die Vorsperre mit 422.000 m³, hat ein Länge von 800 m und besitzt eine Fläche von 87.000 m². Der Damm der Vorsperre ist 11,50 m hoch, oben 4 m, am Fuß 55 m breit und 147 m lang. Die nachfolgende Hauptsperre mit 4.500.000 m³, hat ein Länge von 2.050 m und besitzt eine Fläche von 376.000 m². Der Damm der Hauptsperre ist 32,10 m hoch, oben 9,20 m, am Fuß 145 m breit und 145 m lang.

Das Gebiet um die Talsperre ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und umfasst eine Fläche von 650 ha. Segeln und Surfen ist nur auf der Hauptsperre vom 1.4. bis 30.9. erlaubt, Baden dagegen nur in der Vorsperre. Die Vor- und Hauptsperre dürfen mit kleinen Fahrzeugen ohne Motor befahren werden. Ebenso darf in beiden Becken getaucht werden.



Freitag, 3. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter dem schwäbischen Provinzbad Bad Teinach?

Bad Teinach 1852

Jedes gute Restaurant in Europa stellt das Teinacher Mieneralwasser dem Genießer auf den Tisch, aber kaum einer kennt das schwäbische Provinzbad Bad Teinachi ím Teinachtal
  Landkreis Calw, das Städtchen mit mal gerade 500 Einwohnern.

Dabei fing alles angeblich mit einem Hirsch an, der einen Jäger zur Quelle führte und so wurde der “Sauerbronne zu Dainach” 1472 erwähnt. Das kleine Teinach tat sich damals schwer, da Herrenalb, Liebenzell und Wildbad in nächster Umgebung ebenfalls Mineralwasser zu bieten hatten. Im Jahr 1710 ließ Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg ein Palais als Sommerresidenz errichten. Durch König Wilhelm I von Württemberg wurden in Teinach Badhaus, Trinkhalle, Badhotel erbaut und neue Quellen gebohrt. Deswegen führte Teinach schon sehr früh nämlich 1864 den Titel “Bad”, wenn auch die Führung des Prädikats “Heilbad” erst 1928 vom Innenministerium in Stuttgart verliehen wurde. 1864 war auch der Moment, in dem das gesamte Bad in private Hand verkauft wurde.

Carl Heinrich August Hofmann, der neue Besitzer des Bades, ließ kräftig ausbauen und erneuern, um 1865 die Wasserheilanstalt und das Mineralbad neu eröffnen zu können. Gleichzeitig wurde Dr Wilhelm Wurm die ärtzliche Direktion der Wasserheilanstalt und des Mineralbades übertragen

Wilhelm Albert Wurm (1831-1913)   in Nürnberg geboren, hatte in München Medizin studiert, sich intensive mit Hydrotheraphie beschäftigt, in verschiednen bayerischen Bädern und Wasserheilanstalten viel über Wasserheilverfahren erlernt.

In Bad Teinach entwickelte er sich mit wissenschaftlichem Ehrgeiz nicht nur zu einem hervorragenden Balneologen, wobei er durch sein speziellen Wasserkuren bemerkenswerte Heilerfolge erzielt hat. Die Wasserkuren waren häufig mit Diät, Gymnastik, Massage sowie etwa nötigen pharmazeutischen Präparaten verbunden. Dem Wandern schrieb er einen bedeutenden Wert zur Gesundheitsförderung zu. Gerade der überreizte Stadtmensch findet hierbei die Harmonie für Körper und Seele. Hier empfahl er das herrliche Gebirgsklima um Teinach und die balsamische Ausdünstung der Nadelholzwaldungen. Sein Engagement auf diesem Gebiet führte dazu, dass er eines der Gründungsmitglieder des Württembergischen Schwarzwaldvereins wurde.

Kranken, denen eine direkte Kur an der Quelle unmöglich war, wurden “Teinacher-Hirschquelle-Pastillen” als Hausmittel bei katarrjlischen Zuständen, Husten angeboten und zugesandt.

Auch literarisch wurde Bad Teinach auch versorgt. Dr Wurm schrieb 1866 sein erstes Buch über das “Königliche Bad Teinachi m württembergischen Schwarzwald”. Diese Abhandlung war ein solcher Erfolg, das im Laufe von 38 Jahren noch weitere sieben erweiterte Ausgaben folgten.

Die erfolgreiche Arbeit zwischen Dr Wurm und dem Besitzer Carl Hoffmann ging leider durch Krankheit von Carl Hoffmann zu Ende. Eine Zeit lang konnte Dr Wurm bei den verschiedenen Besitzern des Bades Modernisierungen und erfoderliche Unterhaltungsprogramme durchsetzten. Aber es war unverkennbar mit der Zeit, dass der Hauptaugenmerk von Bad Teinach auf der Vermarktung des Mineralwassers lag, als auf dem Kurbetrieb.

Heute hat die Krokusblüte in freier Wildbahn im Ortsteil Zavelstein mehr Aufmerksamkeit als der Badebetrieb in Bad Teinach.

Freitag, 26. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter dem Vogel, der die Welt eroberte?

Kuckucksuhr 1790

Auf den nachgebauten ersten Schwarzwälder Uhren ist die Jahreszahl 1640 vermerkt. Dies ist aber reine Phantasie. Der erste Nachweis einer Schwarzwälder Uhr ist in einem Schreiben des Bergrichters Huber in Hofsgrund 1634 an den Bergverwalter Franz zu finden. Er habe dem Kaufmann Lichtenbahn in Basel ein “Ührlein” geschenkt. Das kann aber nicht als Ernst zunehmender Beweis angesehen werden.

Einer der ersten Schwarzwälder Uhren besaß im Jahre 1667 der Pfarrverweser von Neukirch, Peter Kalteisen, ein Mönch von St Peter. Er hat sie von der Familie Kreuz vom Glashof in Waldau erworben. Ein anderer Hinweis deutete auf Lorenz Frey, genannt Hackbretterlenz, wohnhaft in den Spirzen bei Himmelreich. Auch er baute Uhren. Und ein weiterer Hinweis führt nach St Georgen zu Simon Henninger, der hölzerne Unruhuhren fertigte. Er lebte um 1690.

Die ersten Nachbauten der Uhren hatten einen Balken als Waage und einen Stein als Gewicht. Aber sehr bald begnügten sich die Schwarzwälder Bastler nicht, das fremde Vorbild nachzubauen sondern bastelten an eigenen Wegen.

So trat um 1740 an die Stelle der Waage das Pendel, zuerst vor dem Zifferblatt als “Kuhschwanzpendel”. Mit der Zeit reizte es zu allerhand Erfindungen, die den Hang zum unterhaltenden Spielwerk verraten: Uhren mit beweglichen Figuren und Köpfen, mit rollenden Augen. Da gibt es “Männleuhren” in dutzenden Varianten: Kapuziner, die Glocken läuten, Bauern die Holz sägen und Schweine erschlagen oder aber grausig als “Enthauptungsuhr”. Aber damit war der Einfallsreichtum nicht erschöpft, denn neben den bewegenden Figuren kommen kurze Zeit später Musikuhren dazu. Am Ende stand die Spieluhr mit pneumatischen und mechanischen Musikwerken.

Prägend für die Uhrenentwicklung waren Mitte 1700 die Schottenuhren mit ihrem hochgezogenen Uhrenschild von Johann Dilger vom Schottenhof im Jostal bei Neustadt. Kleiner waren die Uhren von Jakob Herbstrieth aus Hinterzarten 1790 mit einem Durchmesser von 9,5 cm. Die Sorg Uhr 1830 von Joseph Sorg aus Neustadt schaffte es mit einem Durchmesser von 6 cm.

Zu den ersten Automatenuhren zählt die weltbekannte Uhr mit dem Kuckuck, die sein Türle öffnet, aus dem geöffneten Türle herauswippt, die Stunde ausruft und wieder verschwindet. Die erste Kuckucksuhr soll von Franz Ketterer, dem “Treyerfranz” (Dreher”, Bauer auf dem Höfle in Schönwald) 1730 gebastelt haben. Seine Idee holte er bei Beobachtungen des Blasebalgs an der Kirchenorgel. Seine ersten Uhren hatten Lackschild, Kuhschwanzpendel und zunächst unbewegliche Vögel ohne Türchen. Zur gleichen Zeit mit Ketterer fertigten auch der “Gosenmichele” (Michael Dilger aus Neukirch) und der “Jägerstieger” (Mathias Hummel” aus Waldau) Kuckucksuhren. Wer von den dreien den Vogel und Türchen beweglich gemacht hat, wird sich wohl nie aufklären lassen. Dagegen erzählte Georg Rombach aus Eschbach (1731-1804), wie er im Westen Nordamerikas einen Farmer und dessen Sohn in einer Kneipe erschreckte, als plötzlich der Kuckuck erschien und die Stunde schlug. Die beiden hielten das für Zauberei.

Im letzten Jahrhundert wechselte die Kuckucksuhr oft die Form. Leider ist sie hierbei immer kitschiger geworden. Wir begegnen ihr als Rahmenuhr mit Hinterglasmalereien. 1858 hat die Furtwanger Uhrmacherschule Versuche aufgenommen, den Kuckuck durch andere Tiere zu ersetzen: meckernde Ziege, bellender Hund oder einen schreienden Esel. Nichts hat sich durchgesetzt. Eine entscheidende Änderung ergab sich bei der Kuckucksuhr durch eine Ausschreibung der Furtwanger Uhrmacherschule, da diese um 1850 nach neuen Formen suchte. Hier setzte sich als Vorbild die Bahnhäusle entlang der neuen Eisenbahnstrecken von Friedrich Eisenlohr durch. Auf den rechteckigen Zifferblattträger kam ein gleichschenkliges Dreieck als Dach. Die Form der Bahnhäusleuhr war geboren. Schmuckwerk in Form von Blumen, Blätter wurden mit Jagdstücken ergänzt. Heute gibt es Kuckucksuhren mit bewegenden Figuren und Musikwalzen mit Melodien wie “Die Mühle im Schwarzwald”.

Der grüblerische verspielte Sinn des Wälders zeitigte auch seine beste Leistung, die astronomische Uhr. Bereits um 1760 brachte Capar Dorer vom Reinerhof in Schönwalda als erster den Lauf von Sonne, Mond und Sterne an seinen Uhren. Thaddäus Rinderle, Mönch des Klosters St Peter, krönte diese Bemühungen mit einer astronomisch-geographischen Uhr 1787.

Astronomische Uhr Rinderle 1787


 

Freitag, 19. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter dem Hotel Sarbacher in Kaltenbronn?


Kaltenbronn ist eine Häusergruppe, die zum Ortsteil Reichenbach eingemeindet nach Gernsbach gehört. Schon diese Beschreibung gibt Auskunft, dass es ein abgelegener Zipfel an der Passhöhe Schwarzmiss der Landstraße von Gernsbach-Hilpertsau und Bad Wildbad-Sprollenhaus sein muss. Inmitten dem Naturpark SchwarzwaldMitte/Nord und Landschaftsschutzgebiet Mittleres Murgtal - ein einzigartiges Hochmoorgebiet mit den beiden Holohseen und den Horn- und Wildseen. Wie konnte ein Kurhotel neben dem Forsthaus und dem Naturpark-Infozentrum den Weg in diese entlegene Region schaffen?

Für die frühere Obrigkeit war nicht die Naturschönheit dieser einmaligen Gegend interessant sondern die Jagd – genauer die Auerhahnjagd. Es war nicht verwunderlich, dass der damalige Markgraf von Baden sich ein Jagdhaus für die jährliche Auerhahnjagd bauen ließ. Was natürlich in dieser gottverlassenen Gegend zu erwarten war, es wurde eingebrochen und die Wilderer hausten in den Räumlichkeiten. Um Abhilfe zu schaffen, wurde dem aus Tirol eingewanderten Holzfäller, Mathias Heiter, 1761 erlaubt in den Räumlichkeiten zu wohnen und nach dem Rechten zu schauen. Um dem Ehepaar ein zusätzliches Einkommen zu ermöglichen, wurde ihm der Weinausschank genehmigt. Zusätzlich brannte er Enzianschnaps in einer kleinen Brennhütte. Einmal im Jahr, wenn der Markgraf zur Jagd kam, zog er mit der Famile so lang in die muffige Brennhütte. 1794 brannte das Jagdhaus ab.

Die Großherzogliche Verwaltung konnte die Brandruine 1808 abreißen lassen. In den folgenden Neubau zog der Waldhüter und Beijäger Fritz mit Familie ein. Als der Großherzog wieder Freude an der Auerhahnjagd bekam, wurde ein sehr großzügiger Anbau für den Großherzog und Gefolge gebaut. Für die Familie des Waldhüters gab es bald Gelegenheit, den kargen Lohn des Beijägers aufzubessern. Denn ganz im Zeitgeist der Romantik suchten Adel und Bürgertum die Naturidylle – dafür bot sich das Holohgebiet mit seinen Mooren und Seeen an. Zusätzlich wurde auf dem Holoh 1856 ein 15 m hoher Holzturm als Ausichtsgelegheit errichtet.

Dem Großherzog ging der Kontakt mit Reisenden, Kurgästen, Forstbeamten und Jagdgästen mit der Zeit zu weit, denn 1870 ließ er gegenüber ein großherzogliches Jagdhaus erbauen. Auch der Jagdhüter bekam sein eigenes Domizil. Für das leerstehende Gebäude musste nun eine neue Verwendung gefunden werden. Da der Fremdenverkher sich positive entwickelte, bot sich eine Gastwirtschaft an. Die Forstverwaltung hatte Interesse, das der neue Pächter vier Pferde hält, um für den Forst Fuhrdienste übernehmen zu können.

Aber das Problem mit den Pächtern war, dass sie entweder gute Wirte oder lautstarke Fuhrleute waren. Aber beides ließ sich nicht gut vereinen, obwohl der Fremdenverkehr zunahm, denn 1897 wurde der Holohturm gebaut und mitlerweile hatte der Schwarzwaldverein den Westweg über den Holoh geschaffen.

1905 übernahm endlich mit Franz Mast aus Forbach ein Fachmann die Pacht auf dem Kaltenbronn, er als gelernter Koch und Konditor. Mit Pferden konnte er auch umgehen, denn er musste im Winter mit diesen die Wege räumen. Eine neue Saison hatte sich mittlerweile aufgetan: 1896 wurde der Ski-Club-Pforzheim gegründet. Plötzlich kam das Laufen mit den hölzernen Schneeschuhen in Mode. Mast hatte nun ganzjährig mit dem Fremdenverkehr zu tun – unterbrochen nur durch die beiden Welkriege. 1945 maschierten die Franzosen über das Murgtal ein, waren überrascht hier oben in der Einöde ein funktionierendes Gasthaus mit einem ordentlichen Weinvorrat zu finden. Leider konnte nie geklärt werden, warum der erfolgreiche Wirt, Franz Mast, von Kugeln durchsiebt am Kegelbach verbluten musste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Anwesen auf dem Kaltenbronn in Trümmern. Doch wider Erwarten war Andreas Sarbacher aus Reichental bereit, das Anwesen bewohnbar zu machen und begann 1949 mit einem provisorischen Ausschank. 1951 war es soweit hergerichtet und erneuert, dass das Kurhotel Sarbacher eröffnet werden konnte. Und dieses Erfolgsstory konnte in der Familie bis heute fortgeführt werden.

Freitag, 12. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter 192 Jahre Ketterer Getriebe?

Benedikt 1805-71

Zwei junge Uhrmacherbrüder, Benedikt (1805-1871) und der jüngere Martin Ketterer vom Philippenhof in Vöhrenbach-Langenbach waren bereit nach England zu gehen, um als Uhrmacherhändler das große Geld zu verdienen, denn die Schwarzwälderuhren waren zur Zeit der Industrialisierung in England sehr gefragt. Die entstehende Arbeiterschaft konnte sich nicht die teuren Metalluhren aber die billigen Schwarzwälder Holzuhren leisten. Der Anteil am elterlichen Hof diente als „Existenzgründungskredit“. Sie gründeten 1832 in Portsmouth das Unternehmen „Ketterer & Co“. Schon nach 10 Jahren kehrte Benedikt als wohlhabender Unternehmer nach Langenbach zurück, löste seinen Kredit ab und baute in Furtwangen eine Uhrenwerkstatt. Vierzehn Jahre später folgte ihm sein Bruder Felix, sie gründeten „Benedikt Ketterer & Söhne“

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Schwarzwälder Uhrenmarkt wegen den Konkurrenzverhältnissen immer schwieriger. Da zu jener Zeit der Gasverbrauch für Heizung und Beleuchtung stieg, erinnerte Benedikt Ketterer sich an die Gaszähler, die er aus seiner Englandzeit kannte. Schon 1851 verkaufte Benedikt Ketterer seine selbstkonstruierten Gaszähler an die Stadt Freiburg. Zwanzig Jahre später kamen mit dem Aufbau der öffentlichen Wasserversorgung die Wasseruhren hinzu.

Felix 1847-1911

Nach dem Tode von Benedikt Ketterer 1871 übernahm sein ältester Sohn Felix (1847-1911) zuerst mit seiner Mutter Klara das Unternehmen, denn zusätzlich hatte er 1870 mit dem Aufbau einer Regulatorenfertigung begonnen, in der er arbeitsteilig Uhren produzieren ließ. Sie ging 1900 in der bekannte „Badische Uhrenfabrik“ –auch „Baduf“ genannt- auf, deren Teilhaber und technischer Direktor er wurde.

Aber auch die vom Vater übernommene Firma „Benedikt Ketterer Söhne“ entwickelte sich unter seiner Leitung zum größten Arbeitgeber in Furtwangen und beschäftigte 396 Mitarbeiter. Die Fabrikation von Zähl- und Registraturwerken sowie Armaturen für Gas-, Wasser- und Elektrizitätsmesser wurde systematisch weiter ausgebaut. Beispielsweise kamen selbstkassierende Gasverkäufer 1912 hinzu d. h. sie gaben gegen Münzeinwurf eine bestimmte Menge Gas frei.

Als die Kapazitäten der Wasserturbine nicht mehr die Stromversorgung der Produktion garantieren konnte, erwarb Felix Ketterer 1890 die „Rote Mühle“. Er ließ dort ein Turbinenhaus errichten. Die 1100 m bis zu den Werkstätten wurden mit Leitungsdrähten überspannt, die von 27 Stangen gehalten worden sind. Die Badische Regierung hielt die Anlage für sehr gefährlich. Aber siehe da, die angeschlossenen Maschinen liefen an, die Werkshallen glänzten im hellsten Licht. 1898 wurde das heute restaurierte Fabrikgebäude erbaut. 1893 kam der Eisenbahnanschluss der Bregtalbahn hinzu. Über sie wurde nicht nur exportiert sondern auch Ruhrkohle importiert. Das ermöglichte eine Tiegelgießerei. Dieses florierende Unternehmen wurde 1944 an die drei Söhne von Oskar Ketterer verkauft. Einer der Brüder, Lothar, erwarb die Anteile der Brüder und dessen Sohn Bernhard formte den Weltmarktführer „Ketterer Druckguss“.

Oskar 1881-1944

Aber nun zurück zu „ Ketterer Getriebe“, der Sohn von Felix Ketterer, Oskar (1881-1946), wurde in der Uhrmacherschule in Furtwangen in der Konstruktion und Bau von Elektrizitätszähler ausgebildet. Schon 1901 wurden die ersten Stromzähler ausgeliefert. Das führte zur Deutschen Zählergesellschaft 1924, die in Furtwangen und später in Vöhrenbach Zähler produzierte. Weiterhin baute er noch die „Ketterer Galwanik“ in Furtwangen und eine Gaszählerfabrik in Karlsruhe. 1911 wurde der Schwager von Oskar Ketterer, Ernst Hepting, in die Geschäftsführung aufgenommen. Im wachsenden Unternehmen kam Anfang der 20er 
Jahre ein weiterer Schwager, Emil Jäger, dazu. Die von Ihm vorgenommen Ausflüge in die Radiotechnik wurde aber wieder zugunsten der Getriebetechnik aufgegeben.

Heute produziert Ketterer Söhne seit 1984 unter der Leitung von Odin Jäger alles, was mit Getrieben zu tun hat, von der Jalousie über die Markise zu den höhenverstellbaren Schreibtischen oder Sondergetrieben für Operationsmikroskopie und Krankenstühlen.

 

 

 

Freitag, 5. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter dem Gassenfeger "Schwarzwaldmädel"?


Vor 75 Jahren wurde der erfolgreichste Film überhaupt über und mit dem Schwarzwald sowie seinen Trachten in die Kinos gestellt. Im Laufe der Jahre hat er 16 Mio Zuschauer begeistert und erwies sich als der erfolgreichste Gassenfeger aller Zeiten. Ursprünglich war er die Verfilmung der gleichnamigen Operette von Leon Jessel. Sie war schon dreimal ohne nennenswerten Erfolg verfilmt worden (1920, 1929 und 1933).

Aber kurz nach dem 2. Weltkrieg, nach Leid, Entbehrung und Hunger traf der Film die richtige Grundstimmung der Bevölkerung. Als erster Farbfilm mit seinen farbenträchtigen Trachten und den Schwarzwälder Erholungslandschaften vermittelte der Film die Sehnsucht nach Frieden, Erholung und einfach nach besseren Zeiten. Der Kassenreißer war ab 1950 nicht nur in deutschen Kinos zu sehen sondern auch in Frankreich, 1953 in Portugal und 1955 in der damaligen DDR.

Sonja Zimmermann, Rudolf Prack und Paul Hörbiger in den Hauptrollen drehten den Film im Juni mit der herrlichen Kulisse von St Peter, mit seinem ehemaligen Benediktienerkloster und barocken Klosterkirche – heute Pfarrkirche. In der lieblichen Umgebung blühten zu jener Zeit die Obstbäume, der Blick schweifte bergaufwärts zum höher gelegenen ehemaligen Kloster St Märgen und dem Feldberg. Weitere Drehorte waren Baden-Baden und Garmisch sowie immer wieder Landschaftsaufnahmen vom Schwarzwald. Alle Innenaufnahmen wurden in den Studios der UFA Berlin-Tempelhof gedreht.

Im Mittelpunkt standen die farbprächtigen Trachten des Schwarzwaldes und hier vor allem der rote Bollenhut. Die beschwingten Operettenlieder, die üppigen Revueeinlagen und aufwendigen Kamerafahrten durch eine zauberhafte Schwarzwaldlandschaft machten den Film legendär. Garniert wurde dies mit einer Eisrevue und Bauerntanz, Bühnenball, Spielbankszenen in Baden-Baden, einem schwäbischen Volksfest und erstmals in Farbe einen Trachtenumzug. Die Handlung, eine Dreieckgeschichte sorgt für Verwicklungen, doch die harmoniesüchtige, heitere Welt endet als happy end –und die Geigen erklingen dazu.

Zur Premiere des Films am 7. September 1950 im Universum-Lichtspiel-Theater in Stuttgart erschien Sonja Zimmermann in einer zusammengewürfelten Schwarzwälder Tracht und einem roten Bollenhut. Die Schwarzwaldmaler Hasemann und Liebig sowie der Film vermittelten den Eindruck, dass der rote Bollenhut Schwarzwälder Tracht sei. Dieser wird allerdings nur in Gutach, Reichenbach, einem Ortsteil von Hornberg, Kirnbach einem Ortsteil von Wolfach und nur von unverheirateten Frauen getragen. Die verheirateten Frauen tragen einen schwarzen Bollenhut.

Das ZDF brachte 1973 mit dem Wagner-Sänger, Wolfgang Windgassen, und der amerikanischen Sopranistin, Janet Perry, sowie Dick Laan in den Hauptrollen den Film „Schwarzwaldmädel“ ins Fernsehen. Diesmal haben die Kirnbacher Kurrende (Bollenhut), die Volkstanzgruppe Oberwolfach, Trachtenkapelle St Ulrich und die Freiburger Domsängerknaben mitgewirkt.

Der Film „Schwarzwaldmädel“ erhielt 1951 ein Bambi für den geschäftlich erfolgreichsten Film. Die Filmkulisse von St Peter war von da an in aller Munde. Unzählige Touristen zog es nach St Peter und zum ehemaligen Kloster. Als 1993 Frau Ziemann anlässlich der 900 Jahrfeier des Ortes in St Peter logierte, wurde sie unter großem Beifall und in Begleitung der Dorf- Honoratioren vom Ortszentrum zum Festplatz mit der Kutsche gefahren.



Freitag, 29. Mai 2026

Was verbirgt sich hinter dem Feldberg - Teil 2?

Feldberg vomSchauinsland

Nach dem der 2. Weltkrieg beendet war, wurde natürlich der Feldberg von französischen Truppen, wie auch Hotels und Gaststätten, besetzt und erst nach Jahren freigegeben. Der Feldbergerhof wurde nach langwierigen Verhandlungen 1952 an den Besitzer zurückgegeben.

Langsam kam auch das Skifahren wieder auf. Den ersten Skilift auf dem Feldberg betrieb die französische Besatzungsmacht auf der Grafenmatt als Schlittenaufzug. Nur mit Mühen konnte die deutsche Behörden den Abbau der gefährlichen Anlage 1950 durchsetzen, da sie in keinster Weise den Vorschriften entsprach. 1951 wurde eine Schwebeseilbahn vom Feldbergerhof zum Bismarckdenkmal eingeweiht. 1952 kam ein Schlepplift auf der Grafenmatt dazu. Heute sind es 15 Lifte am Feldberg, die der Skifreizeit dienen.

Kaum hatten sich die Verhältnisse einigermaßen normalisiert, ging die Gemeinde Menzenschwand mit einem Gesuch 1950 an den damaligen badischen Staatspräsidenten Leo Wohlleb: Auflösung der Gemeinde Feldberg, da sie immer gegen diese Gründung waren und erhebliche Einbußen ohne entsprechenden Ausgleich gehabt hätten. Dem schlossen sich die Gemeinden Todtnau, St Wilhelm, Zastler und Bernau an. Allein Hinterzarten hielt sich zurück. Bis Mitte der 50er Jahre dauerten die Verhandlungen und Abfindungen bis die Zufriedenheit einkehrte, der Fortbestand der Gemeinde Feldberg gesichert war.

Mit geordneten Verhältnissen wurde auch wieder das traditionelle Viehhirtenfest auf den Hütten des Feldbergs gefeiert. 1945 hatten die Familie Kunz von der Todtnauer Hütte aus Dankbarkeit über die Heimkehr des Sohnes aus dem Krieg eine Waldkapelle, die Lautentiuskapelle, errichtet. Dort findet zum traditionellen Laurentiusfest am 10. August ein Feldgottesdienst mit dem Freiburger Erzbischofs statt.

Leider forderte auch die einstige Besatzungsmacht Unterstützung für sich. 1953 war eine 25x25 und 50 m hohe Richtfunkantenne der amerikanischen Sttreitkräfte neben dem Feldbergturm erbaut worden. Diese wurde 1968 durch zwei riesige “Ohren”, eine NATO-Radaranlage, ergänzt, mit der man weit in den Ostblock hineinhören konnte. Sie wurden 1998 abgebaut und das Gelände renaturiert.

1959 verkaufte der Schwarzwaldverein den Friedrich-Luise-Turm an die Bundesvermögensverwaltung. Diese baute einen neuen, dritten 45 m hohen Turm, der für Radio und Fernsehen durch den Südwestfunk genutzt wurde. Aber wegen den technischen Fortschritten wurde 2003 ein neuer 82 m hoher Stahlbetonturm jetzt aber auf dem Feldberg selbst gebaut. Der alte Turm wurde nicht abgerissen und an die Gemeinde Feldberg verkauft. Dieser wurde dem Tourismus erschlossen und erhielt im 11. Stock eine Aussichtsplattform.

Gott sei Dank wurde bis heute Gleitschirmfliegen und Windkraftanlagen auf dem Feldberggebiet verboten.

1935 bis 1939 waren im Feldberggebiet Gämsen ausgewildert worden. Ein Bestand von 250  Gämsen hat sich bis heute eingependelt. Allerdings hat sich die Gämse auch auf andere Gebietei m Schwarzwald ausgedehnt. So wurden auch Gämsen im Schrambergergebiet, im Wolftal, im Gebiet Rottweil, ja bis Raum Pforzheim gezählt. Seit 2012 wurde auch ein Wolf im Gebiet Hinterzarten/Feldberg nachgewiesen.

Freitag, 22. Mai 2026

Was verbirgt sich hinter dem Feldberg - Teil 1?

Feldberg vom Schauinsland

Der Namen “Feldberg” ist erstmalig 965 in der Klosterchronik von St Blasien als “Veltperch” zu finden. Ansiedlungen im Feldberggebiet waren 1130 beim Feldsee oder 1238 als Kloster im St Wilhelminer Tal zu finden. Ab dem frühen Mittelalter diente der Feldberg als ertrageiches Weidefeld. 1365 zahlte der Vogt von Todtnau einen Gulden für das Weiderecht. Im Laufe der Jahre bauten die umliegenden Gemeinden Viehhütten auf dem großen Rücken des Feldberges. So entstanden allmählich die Todtnauer, St Wilhelminer, Zastler, Baldenweger und Menzenschwander Hütte in der Einsamkeit des Berges. Begünstigt wurde der Weidebetrieb in jener Zeit durch den großen Holzverbrauchs des Bergbaus und vor allem der Glashütten. Vereinzelt verirrten sich auch Besucher auf den Feldberg, wie Fürstabt Gerbert von St Blasien 1783 in seiner Schrift “Historia Nigrae Silvae” verriet. In dieser beschrieb er nach der ersten Nacht, wie er und seine Begleiter mit “einer schleunigsten Flucht über den rauhen, jähen und steinigen Rücken des Berges zu fliehen hatten”.

Geordnete Besucherzahlen waren erst mit dem Bau eines Karrenweges 1848/49 von Todtnau, Zeiger, Bärental nach Altglashütten möglich. So kam zugleich die Überlegung der Feldberggemeinden auf, anlässlich der Vermählung des Großherzogenpaars in Erinnerung einen Turm zu bauen. 1858 stand der 12 m hohe “Friedrich-Luise-Turm”auf dem Gipfel. Damit war der Bann gebrochen:  1863 wurde mit dem Bau des Feldbergerhofs begonnen, dessen erster Pächter Augustin Mayer aus Menzenschwand war. Während der einsamen Wintermonaten auf dem Feldberg wird berichtet, dass er oft mit seinen beiden Bernhardiner Hunden unterwegs war, um Verirrte und Vermisste zu suchen.1864 wurde der Badische Schwarzwaldverein in Freiburg gegründet.1885 wurde eine neue Straße von Todtnau zum Feldberg gebaut, die erst 1934 eine Teerdecke erhielt! 1887 wurde die Höllentalbahn eingeweiht, so dass durch die verbesserte Infrastruktur die Sommerfrischler zunahmen. 1896 wurde ebenfalls auf dem Seebuck das Bismarck-Denkmal in Gedenken an den ehemaligen Reichskanzler Bismarck errichtet.

1891 wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen, denn der französische Diplomat Dr Pillet fuhr mit seinen Schneeschuhen auf dem Feldberg. Ein erschrockener Bauer fragte ihn, wo er das Fasnetskostüm wohl her habe. Damit war die Wintersaison eröffnet. In deren Folge entstanden weitere Gasthäuser: Hebelhof 1907, 1914 Jägermatt und 1924 das Caritas-Haus. 1913 war ein neuer 21 m hoher Turm wieder auf dem Seebuck des Feldbergs vom Schwarzwaldverein erbaut worden, nachdem Todtnau 1877 sich weigert hatte für die Reparaturkosten weiter gerade zu stehen. 1913 war zur Überraschung der Besucher Artur Faller mit einem Doppeldecker auf dem Feldberg gelandet. Glücklicherweise wurde der Expansion Einhalt geboten, denn 1937 wurde der Feldberg unter strengen Naturschutz gestellt.

Schwierig für die Entwicklung des Fremdenverkehrs auf dem Feldberg war, dass verschiedene Gemeinden hier zusammenstießen: Bernau, Brandenberg, Hinterzarten, Menzenschwand, St Wilhelm, Todtnau und Zastler. Was nur in Zeiten des 3. Reiches möglich war, geschah 1939. Mit einem Federstrich wurden den Gemeinden 805 ha Gelände -nämlich das Feldberggebiet- ohne zu fragen enteignet und die Gemeinde Feldberg aus der Taufe gehoben. Ansprüche der Gemeinden sollten später geregelt werden. Denn auf dem Feldberg sollte Großes entstehen. Eine 20 km lange Untertunnelung des Feldberges vom Wiesental bis zur Dreiseeenbahn mit einem unterirdischen Bahnhof bei der Menzenschwander Hütte, sollte die Voraussetzung für ein “St Moritz des Feldbergs” sein. Hotels, Sportsiedlungen mit Olympischen Dorf, Freibad, Eislaufstadition und Rathaus sollten den äußeren Rahmen geben. Der Zweite Weltkrieg brachte viel Leid und Zerstörung, aber wenigstens hat er diese gigantischen Pläne verhindert.

Donnerstag, 14. Mai 2026

Was verbirgt sich hinter der Fürstlich Fürstenbergischen Glashütte Seebach?

Glasbläserei 1820

Die klassischen Glashütten zählten acht bis zehn Glasbläser, die pachteten von der Obrigkeit einen Bezirk Wald zum Ernten des Holzes, stellten Holzfäller, Schürer und Pottaschesieder an und entrichteten ihren Obolus immer gemeinsam. Aber jeder Glasbläser hatte seinen eigenen Ofen und vertrieb die Glaswaren über Glasträger auf eigene Rechnung. Später entwickelten sich auch Unternehmerglashütten. Die Glashütte vor Seebach sollte einzigartig im Schwarzwald eine Dienstleistungs-Glashütte werden.

Ausgangspunkt aller Überlegungen waren die riesigen Waldungen des Fürsten von Fürstenberg im Seebachtal und dem heutigen Glaswaldsee 5 km unterhalb von Bad Rippoldsau im Wolftal. Graf Albrecht zu Fürstenberg hatte der Stadt Straßburg 100.000 Klafter (300.000 m³) Brennholz angeboten aber keine Kaufzusage erhalten. Die Sorge der Verwendung des Holzes drückte den Grafen sehr. Außerdem hatte er zusätzlich Sorgen wegen der Verhältnisse in seinem „Sauerbrunnen“ in Rippoldsau. Hier bedurfte es einer ordnenden Hand. Vielleicht ließe sich beide Probleme miteinander lösen, überlegte der Wolfacher Oberamtmann Branz und verfolgte die Idee einer Glashütte vor Seebach. Ein lediger Glasbläser muss her, der auch die Tochter des Rippoldsauer Bademeister Jergen Schmidts heiratet, um diesen auch noch ersetzen zu können.

Branz fand schließlich einen jugendlichen Glasmacher namens Haug, dessen Eignung war zumindest nicht verheiratet zu sein. Mit diesem wanderte er 1587 das Seebachtal hinauf, um dessen Eignung zur Herrichtung eine Glashütte zu erkunden. Denn so könnten „hauß und güeter nit in fremde händ kommen“. Aber Haug erklärte dem Oberamtmann, „es sey viel zu winterlich und das Tdall auch zu eng; er besorg, man wirde auch mangel an sandt haben. Holz sey sonst genuog vorhanden“.  Ob der Eindruck von Jergen Schmidts Tochter auch das Urteil des jungen Glasmachers beeinflusst hatte, ist nicht überliefert. Auf jeden Fall wurde die Idee einer Glashütte für die Botteln des Sauerbads nicht mehr aufgegeben.

Erst 100 Jahre später erzählen die Akten wieder was über die Glashütte vor Seebach. Wie erwartet erwiesen sich die Arbeitsmöglichkeiten als ungünstig, so dass der damalige Glasmacher sich mit seinen Klagen an den Grafen Maximilian Franz in Stühlingen wandte. Die Holzversorgung war so schlecht, dass der Graf 1681 die Saumseligkeit des Hüttenmeisters  Peter Schmidt für die Beschaffung der nötigsten Roh- und Betriebsstoffe rüffelte und auch die Bereitschaft des Wolfacher Oberamts tadelte, der Hütte die nötigen Holzarbeiter zur Verfügung zu stellen.

Um alle Probleme zu lösen und um die Ertragskraft schlesischer Glashütten zu erreichen, wurde 1681 ein einzigartiger Dienstleistungsvertrag mit dem Glasmacher Johann Sigmund von Ellwangen geschlossen. Er wurde zum Glasschreiber für vier Stände der Seebacher Glashütte bestellt und war durch einen Eid an den Landesherrn gebunden. Meister wie Helfer waren allesamt Angestellte des Grafen und mussten ihren Erlös abgeben. Als jährliche Besoldung erhielt Johann Sigmund neben der Wohnung und Besoldung fünfzig Gulden und Korn von  der Wolfacher Schaffnei. Diese Organisationsform sollte 3 Jahre halten und war dem Bergbaubetrieb nachgebildet.

Nach dem Tode des Grafen verpachtete seine Frau die Glashütte 1684 an den Physikus der Herrschaft Kinzigtal, Dr Chorhummel und Johann Vogt aus Wolfach. Die Pacht sollte bis Ende 1687 dauern. Die Lösung die Glashütte an Unternehmer zu verpachten kann nicht lukrativ gewesen sein. Aus Unterlagen geht hervor, dass die Glasmacher Thomas Sigwarth und Samuel Staadler die Hütte für nur 30 Gulden Jahreszins gepachtet hatten. Wie lange die Hütte noch nach 1688 in Betrieb war ist nicht bekannt. Ein erneuter Versuch 1795 eine neue Hütte zu gründen, wurde auf Grund der gemachten Erfahrungen vom Fürsten abgelehnt.

Schwarzwälder Flaschen Museum Triberg

Freitag, 8. Mai 2026

Was verbirgt sich hinter der Plotzsäge von Bad Herrenalb?

Plotzsäge Bad Herrenalb

Im Schwarzwald war in früher Zeit nur die Plotz- bzw Klopfsäge bis 1840 bekannt Sie war billig in der Herstellung, da nur das Sägeblatt aus Metall war. Wasserkraft war ja genügend vorhanden.

Mit dem Wasserrad a dreht sich auch der Wellenbaum, der hier zwei Nocken c und d trägt. Sie werfen das Gatter e nacheinander nach oben; beim Zurückfallen in Folge der Schwerkraft geschieht der Sägeschnitt. Die Ruten f fangen dabei das herabfallende Gatter elastisch auf. Das Gewicht des schweren Gatters übernehmen zum Teil die Langbäume g. Beim Aufschlagen des Gatters auf die Ruten entsteht ein weithin schallendes Geräusch: Auf schwäbisch “plotzen” oder alemannisch “klopfen”. Daher der Name für den Sägetyp.

Als eine der ältesten Sägemühlen im Schwarzwald ist die Plotzsäge Bad Herrenalb mit einem 6 m oberschlächtigen Wasserrad im heutigen Loffenau anzusehen. Ursprünglich wurde sie im 13. Jahrhundert gebaut und befand sich im Besitz der Ebensteiner als Lehen des Bistums Speyer und kam 1297 an das Kloster Herrenalb. Im alten Lagebuch des Klosters Herrenalb, “der Erneuerung des Burarizins” von 1508 wird sie zum Dorf Loffenau gehörig an der obersten Alb im Gaistal aufgezählt. Denn von diesem Zeitpunkt bis 1582 hatte das Kloster sie an die Bewohner von Loffenau verliehen. Danach kam sie lehensweise an Gernsbacher Schiffer, darunter der Murgschiffer Jakob Kast. Krieg, Verwüstung und Pest verhinderten von 1634 bis 1671 einen Zinsertrag. 1697 brannte die Plotzsäge ab und wurde im gleichen Jahr wieder nach technisch neuestem Stand mit einem Hochgang, einem Kammradgetriebe sowie eisernen Wellen und Beschlägen aufgebaut.

Seit 1880 befindet sich in einem Teil des Gebäudekomplexes ein Waldgasthaus betrieben durch die Familie Kübler in 10. Generation. Die ersten 5 Generationen waren noch als Holzsäger tätig. Das noch vorhanden Holzsägewerk wurde 1699 erstellt und bis heute im Original funktionsfähig erhalten. Insgesamt rund 800 Jahre an einem Standort.

Im Löffeltal zwischen Hnterzarten und Höllsteig steht ebenfalls eine wieder 1982 in Gang gesetzte Klopfsäge. Sie ist 1828 vom Klingenhof damals gebaut worden. Allerdings stand schon 1640 im oberen Löffeltal die erste Klopfsäge. Sie gehörte zum damaligen Rößlehof.

Als mit der Säkularisierung 1806 der Müllbann des Klosters St Blasien aufgehoben wurde, wurde im oberen Wiesental in Fröhnd eine Klopfsäge gebaut. Sie war noch bis 1956 zum Einschneiden von Holz in Betrieb. Durch Initiative der Fröhnder Freunde konnte die Säge bis heute funktionsfähig erhalten werden und wurde nicht wie geplant abgerissen. Sie ist die einzige funktionsfähige Klopfsägei m Schwarzwald, die noch an ihrem ursprünglichen Standort geblieben ist.

Es gibt noch eine funktionsfähige Klopfsäge im Gutacher Freilichtmuseum “Vogtsbauernhof” zu besichtigen, die aber nicht an ihrem ursprünglichen Standort steht.