Freitag, 3. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter dem schwäbischen Provinzbad Bad Teinach?

Bad Teinach 1852

Jedes gute Restaurant in Europa stellt das Teinacher Mieneralwasser dem Genießer auf den Tisch, aber kaum einer kennt das schwäbische Provinzbad Bad Teinachi ím Teinachtal
  Landkreis Calw, das Städtchen mit mal gerade 500 Einwohnern.

Dabei fing alles angeblich mit einem Hirsch an, der einen Jäger zur Quelle führte und so wurde der “Sauerbronne zu Dainach” 1472 erwähnt. Das kleine Teinach tat sich damals schwer, da Herrenalb, Liebenzell und Wildbad in nächster Umgebung ebenfalls Mineralwasser zu bieten hatten. Im Jahr 1710 ließ Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg ein Palais als Sommerresidenz errichten. Durch König Wilhelm I von Württemberg wurden in Teinach Badhaus, Trinkhalle, Badhotel erbaut und neue Quellen gebohrt. Deswegen führte Teinach schon sehr früh nämlich 1864 den Titel “Bad”, wenn auch die Führung des Prädikats “Heilbad” erst 1928 vom Innenministerium in Stuttgart verliehen wurde. 1864 war auch der Moment, in dem das gesamte Bad in private Hand verkauft wurde.

Carl Heinrich August Hofmann, der neue Besitzer des Bades, ließ kräftig ausbauen und erneuern, um 1865 die Wasserheilanstalt und das Mineralbad neu eröffnen zu können. Gleichzeitig wurde Dr Wilhelm Wurm die ärtzliche Direktion der Wasserheilanstalt und des Mineralbades übertragen

Wilhelm Albert Wurm (1831-1913)   in Nürnberg geboren, hatte in München Medizin studiert, sich intensive mit Hydrotheraphie beschäftigt, in verschiednen bayerischen Bädern und Wasserheilanstalten viel über Wasserheilverfahren erlernt.

In Bad Teinach entwickelte er sich mit wissenschaftlichem Ehrgeiz nicht nur zu einem hervorragenden Balneologen, wobei er durch sein speziellen Wasserkuren bemerkenswerte Heilerfolge erzielt hat. Die Wasserkuren waren häufig mit Diät, Gymnastik, Massage sowie etwa nötigen pharmazeutischen Präparaten verbunden. Dem Wandern schrieb er einen bedeutenden Wert zur Gesundheitsförderung zu. Gerade der überreizte Stadtmensch findet hierbei die Harmonie für Körper und Seele. Hier empfahl er das herrliche Gebirgsklima um Teinach und die balsamische Ausdünstung der Nadelholzwaldungen. Sein Engagement auf diesem Gebiet führte dazu, dass er eines der Gründungsmitglieder des Württembergischen Schwarzwaldvereins wurde.

Kranken, denen eine direkte Kur an der Quelle unmöglich war, wurden “Teinacher-Hirschquelle-Pastillen” als Hausmittel bei katarrjlischen Zuständen, Husten angeboten und zugesandt.

Auch literarisch wurde Bad Teinach auch versorgt. Dr Wurm schrieb 1866 sein erstes Buch über das “Königliche Bad Teinachi m württembergischen Schwarzwald”. Diese Abhandlung war ein solcher Erfolg, das im Laufe von 38 Jahren noch weitere sieben erweiterte Ausgaben folgten.

Die erfolgreiche Arbeit zwischen Dr Wurm und dem Besitzer Carl Hoffmann ging leider durch Krankheit von Carl Hoffmann zu Ende. Eine Zeit lang konnte Dr Wurm bei den verschiedenen Besitzern des Bades Modernisierungen und erfoderliche Unterhaltungsprogramme durchsetzten. Aber es war unverkennbar mit der Zeit, dass der Hauptaugenmerk von Bad Teinach auf der Vermarktung des Mineralwassers lag, als auf dem Kurbetrieb.

Heute hat die Krokusblüte in freier Wildbahn im Ortsteil Zavelstein mehr Aufmerksamkeit als der Badebetrieb in Bad Teinach.

Freitag, 26. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter dem Vogel, der die Welt eroberte?

Kuckucksuhr 1790

Auf den nachgebauten ersten Schwarzwälder Uhren ist die Jahreszahl 1640 vermerkt. Dies ist aber reine Phantasie. Der erste Nachweis einer Schwarzwälder Uhr ist in einem Schreiben des Bergrichters Huber in Hofsgrund 1634 an den Bergverwalter Franz zu finden. Er habe dem Kaufmann Lichtenbahn in Basel ein “Ührlein” geschenkt. Das kann aber nicht als Ernst zunehmender Beweis angesehen werden.

Einer der ersten Schwarzwälder Uhren besaß im Jahre 1667 der Pfarrverweser von Neukirch, Peter Kalteisen, ein Mönch von St Peter. Er hat sie von der Familie Kreuz vom Glashof in Waldau erworben. Ein anderer Hinweis deutete auf Lorenz Frey, genannt Hackbretterlenz, wohnhaft in den Spirzen bei Himmelreich. Auch er baute Uhren. Und ein weiterer Hinweis führt nach St Georgen zu Simon Henninger, der hölzerne Unruhuhren fertigte. Er lebte um 1690.

Die ersten Nachbauten der Uhren hatten einen Balken als Waage und einen Stein als Gewicht. Aber sehr bald begnügten sich die Schwarzwälder Bastler nicht, das fremde Vorbild nachzubauen sondern bastelten an eigenen Wegen.

So trat um 1740 an die Stelle der Waage das Pendel, zuerst vor dem Zifferblatt als “Kuhschwanzpendel”. Mit der Zeit reizte es zu allerhand Erfindungen, die den Hang zum unterhaltenden Spielwerk verraten: Uhren mit beweglichen Figuren und Köpfen, mit rollenden Augen. Da gibt es “Männleuhren” in dutzenden Varianten: Kapuziner, die Glocken läuten, Bauern die Holz sägen und Schweine erschlagen oder aber grausig als “Enthauptungsuhr”. Aber damit war der Einfallsreichtum nicht erschöpft, denn neben den bewegenden Figuren kommen kurze Zeit später Musikuhren dazu. Am Ende stand die Spieluhr mit pneumatischen und mechanischen Musikwerken.

Prägend für die Uhrenentwicklung waren Mitte 1700 die Schottenuhren mit ihrem hochgezogenen Uhrenschild von Johann Dilger vom Schottenhof im Jostal bei Neustadt. Kleiner waren die Uhren von Jakob Herbstrieth aus Hinterzarten 1790 mit einem Durchmesser von 9,5 cm. Die Sorg Uhr 1830 von Joseph Sorg aus Neustadt schaffte es mit einem Durchmesser von 6 cm.

Zu den ersten Automatenuhren zählt die weltbekannte Uhr mit dem Kuckuck, die sein Türle öffnet, aus dem geöffneten Türle herauswippt, die Stunde ausruft und wieder verschwindet. Die erste Kuckucksuhr soll von Franz Ketterer, dem “Treyerfranz” (Dreher”, Bauer auf dem Höfle in Schönwald) 1730 gebastelt haben. Seine Idee holte er bei Beobachtungen des Blasebalgs an der Kirchenorgel. Seine ersten Uhren hatten Lackschild, Kuhschwanzpendel und zunächst unbewegliche Vögel ohne Türchen. Zur gleichen Zeit mit Ketterer fertigten auch der “Gosenmichele” (Michael Dilger aus Neukirch) und der “Jägerstieger” (Mathias Hummel” aus Waldau) Kuckucksuhren. Wer von den dreien den Vogel und Türchen beweglich gemacht hat, wird sich wohl nie aufklären lassen. Dagegen erzählte Georg Rombach aus Eschbach (1731-1804), wie er im Westen Nordamerikas einen Farmer und dessen Sohn in einer Kneipe erschreckte, als plötzlich der Kuckuck erschien und die Stunde schlug. Die beiden hielten das für Zauberei.

Im letzten Jahrhundert wechselte die Kuckucksuhr oft die Form. Leider ist sie hierbei immer kitschiger geworden. Wir begegnen ihr als Rahmenuhr mit Hinterglasmalereien. 1858 hat die Furtwanger Uhrmacherschule Versuche aufgenommen, den Kuckuck durch andere Tiere zu ersetzen: meckernde Ziege, bellender Hund oder einen schreienden Esel. Nichts hat sich durchgesetzt. Eine entscheidende Änderung ergab sich bei der Kuckucksuhr durch eine Ausschreibung der Furtwanger Uhrmacherschule, da diese um 1850 nach neuen Formen suchte. Hier setzte sich als Vorbild die Bahnhäusle entlang der neuen Eisenbahnstrecken von Friedrich Eisenlohr durch. Auf den rechteckigen Zifferblattträger kam ein gleichschenkliges Dreieck als Dach. Die Form der Bahnhäusleuhr war geboren. Schmuckwerk in Form von Blumen, Blätter wurden mit Jagdstücken ergänzt. Heute gibt es Kuckucksuhren mit bewegenden Figuren und Musikwalzen mit Melodien wie “Die Mühle im Schwarzwald”.

Der grüblerische verspielte Sinn des Wälders zeitigte auch seine beste Leistung, die astronomische Uhr. Bereits um 1760 brachte Capar Dorer vom Reinerhof in Schönwalda als erster den Lauf von Sonne, Mond und Sterne an seinen Uhren. Thaddäus Rinderle, Mönch des Klosters St Peter, krönte diese Bemühungen mit einer astronomisch-geographischen Uhr 1787.

Astronomische Uhr Rinderle 1787


 

Freitag, 19. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter dem Hotel Sarbacher in Kaltenbronn?


Kaltenbronn ist eine Häusergruppe, die zum Ortsteil Reichenbach eingemeindet nach Gernsbach gehört. Schon diese Beschreibung gibt Auskunft, dass es ein abgelegener Zipfel an der Passhöhe Schwarzmiss der Landstraße von Gernsbach-Hilpertsau und Bad Wildbad-Sprollenhaus sein muss. Inmitten dem Naturpark SchwarzwaldMitte/Nord und Landschaftsschutzgebiet Mittleres Murgtal - ein einzigartiges Hochmoorgebiet mit den beiden Holohseen und den Horn- und Wildseen. Wie konnte ein Kurhotel neben dem Forsthaus und dem Naturpark-Infozentrum den Weg in diese entlegene Region schaffen?

Für die frühere Obrigkeit war nicht die Naturschönheit dieser einmaligen Gegend interessant sondern die Jagd – genauer die Auerhahnjagd. Es war nicht verwunderlich, dass der damalige Markgraf von Baden sich ein Jagdhaus für die jährliche Auerhahnjagd bauen ließ. Was natürlich in dieser gottverlassenen Gegend zu erwarten war, es wurde eingebrochen und die Wilderer hausten in den Räumlichkeiten. Um Abhilfe zu schaffen, wurde dem aus Tirol eingewanderten Holzfäller, Mathias Heiter, 1761 erlaubt in den Räumlichkeiten zu wohnen und nach dem Rechten zu schauen. Um dem Ehepaar ein zusätzliches Einkommen zu ermöglichen, wurde ihm der Weinausschank genehmigt. Zusätzlich brannte er Enzianschnaps in einer kleinen Brennhütte. Einmal im Jahr, wenn der Markgraf zur Jagd kam, zog er mit der Famile so lang in die muffige Brennhütte. 1794 brannte das Jagdhaus ab.

Die Großherzogliche Verwaltung konnte die Brandruine 1808 abreißen lassen. In den folgenden Neubau zog der Waldhüter und Beijäger Fritz mit Familie ein. Als der Großherzog wieder Freude an der Auerhahnjagd bekam, wurde ein sehr großzügiger Anbau für den Großherzog und Gefolge gebaut. Für die Familie des Waldhüters gab es bald Gelegenheit, den kargen Lohn des Beijägers aufzubessern. Denn ganz im Zeitgeist der Romantik suchten Adel und Bürgertum die Naturidylle – dafür bot sich das Holohgebiet mit seinen Mooren und Seeen an. Zusätzlich wurde auf dem Holoh 1856 ein 15 m hoher Holzturm als Ausichtsgelegheit errichtet.

Dem Großherzog ging der Kontakt mit Reisenden, Kurgästen, Forstbeamten und Jagdgästen mit der Zeit zu weit, denn 1870 ließ er gegenüber ein großherzogliches Jagdhaus erbauen. Auch der Jagdhüter bekam sein eigenes Domizil. Für das leerstehende Gebäude musste nun eine neue Verwendung gefunden werden. Da der Fremdenverkher sich positive entwickelte, bot sich eine Gastwirtschaft an. Die Forstverwaltung hatte Interesse, das der neue Pächter vier Pferde hält, um für den Forst Fuhrdienste übernehmen zu können.

Aber das Problem mit den Pächtern war, dass sie entweder gute Wirte oder lautstarke Fuhrleute waren. Aber beides ließ sich nicht gut vereinen, obwohl der Fremdenverkehr zunahm, denn 1897 wurde der Holohturm gebaut und mitlerweile hatte der Schwarzwaldverein den Westweg über den Holoh geschaffen.

1905 übernahm endlich mit Franz Mast aus Forbach ein Fachmann die Pacht auf dem Kaltenbronn, er als gelernter Koch und Konditor. Mit Pferden konnte er auch umgehen, denn er musste im Winter mit diesen die Wege räumen. Eine neue Saison hatte sich mittlerweile aufgetan: 1896 wurde der Ski-Club-Pforzheim gegründet. Plötzlich kam das Laufen mit den hölzernen Schneeschuhen in Mode. Mast hatte nun ganzjährig mit dem Fremdenverkehr zu tun – unterbrochen nur durch die beiden Welkriege. 1945 maschierten die Franzosen über das Murgtal ein, waren überrascht hier oben in der Einöde ein funktionierendes Gasthaus mit einem ordentlichen Weinvorrat zu finden. Leider konnte nie geklärt werden, warum der erfolgreiche Wirt, Franz Mast, von Kugeln durchsiebt am Kegelbach verbluten musste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Anwesen auf dem Kaltenbronn in Trümmern. Doch wider Erwarten war Andreas Sarbacher aus Reichental bereit, das Anwesen bewohnbar zu machen und begann 1949 mit einem provisorischen Ausschank. 1951 war es soweit hergerichtet und erneuert, dass das Kurhotel Sarbacher eröffnet werden konnte. Und dieses Erfolgsstory konnte in der Familie bis heute fortgeführt werden.

Freitag, 12. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter 192 Jahre Ketterer Getriebe?

Benedikt 1805-71

Zwei junge Uhrmacherbrüder, Benedikt (1805-1871) und der jüngere Martin Ketterer vom Philippenhof in Vöhrenbach-Langenbach waren bereit nach England zu gehen, um als Uhrmacherhändler das große Geld zu verdienen, denn die Schwarzwälderuhren waren zur Zeit der Industrialisierung in England sehr gefragt. Die entstehende Arbeiterschaft konnte sich nicht die teuren Metalluhren aber die billigen Schwarzwälder Holzuhren leisten. Der Anteil am elterlichen Hof diente als „Existenzgründungskredit“. Sie gründeten 1832 in Portsmouth das Unternehmen „Ketterer & Co“. Schon nach 10 Jahren kehrte Benedikt als wohlhabender Unternehmer nach Langenbach zurück, löste seinen Kredit ab und baute in Furtwangen eine Uhrenwerkstatt. Vierzehn Jahre später folgte ihm sein Bruder Felix, sie gründeten „Benedikt Ketterer & Söhne“

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Schwarzwälder Uhrenmarkt wegen den Konkurrenzverhältnissen immer schwieriger. Da zu jener Zeit der Gasverbrauch für Heizung und Beleuchtung stieg, erinnerte Benedikt Ketterer sich an die Gaszähler, die er aus seiner Englandzeit kannte. Schon 1851 verkaufte Benedikt Ketterer seine selbstkonstruierten Gaszähler an die Stadt Freiburg. Zwanzig Jahre später kamen mit dem Aufbau der öffentlichen Wasserversorgung die Wasseruhren hinzu.

Felix 1847-1911

Nach dem Tode von Benedikt Ketterer 1871 übernahm sein ältester Sohn Felix (1847-1911) zuerst mit seiner Mutter Klara das Unternehmen, denn zusätzlich hatte er 1870 mit dem Aufbau einer Regulatorenfertigung begonnen, in der er arbeitsteilig Uhren produzieren ließ. Sie ging 1900 in der bekannte „Badische Uhrenfabrik“ –auch „Baduf“ genannt- auf, deren Teilhaber und technischer Direktor er wurde.

Aber auch die vom Vater übernommene Firma „Benedikt Ketterer Söhne“ entwickelte sich unter seiner Leitung zum größten Arbeitgeber in Furtwangen und beschäftigte 396 Mitarbeiter. Die Fabrikation von Zähl- und Registraturwerken sowie Armaturen für Gas-, Wasser- und Elektrizitätsmesser wurde systematisch weiter ausgebaut. Beispielsweise kamen selbstkassierende Gasverkäufer 1912 hinzu d. h. sie gaben gegen Münzeinwurf eine bestimmte Menge Gas frei.

Als die Kapazitäten der Wasserturbine nicht mehr die Stromversorgung der Produktion garantieren konnte, erwarb Felix Ketterer 1890 die „Rote Mühle“. Er ließ dort ein Turbinenhaus errichten. Die 1100 m bis zu den Werkstätten wurden mit Leitungsdrähten überspannt, die von 27 Stangen gehalten worden sind. Die Badische Regierung hielt die Anlage für sehr gefährlich. Aber siehe da, die angeschlossenen Maschinen liefen an, die Werkshallen glänzten im hellsten Licht. 1898 wurde das heute restaurierte Fabrikgebäude erbaut. 1893 kam der Eisenbahnanschluss der Bregtalbahn hinzu. Über sie wurde nicht nur exportiert sondern auch Ruhrkohle importiert. Das ermöglichte eine Tiegelgießerei. Dieses florierende Unternehmen wurde 1944 an die drei Söhne von Oskar Ketterer verkauft. Einer der Brüder, Lothar, erwarb die Anteile der Brüder und dessen Sohn Bernhard formte den Weltmarktführer „Ketterer Druckguss“.

Oskar 1881-1944

Aber nun zurück zu „ Ketterer Getriebe“, der Sohn von Felix Ketterer, Oskar (1881-1946), wurde in der Uhrmacherschule in Furtwangen in der Konstruktion und Bau von Elektrizitätszähler ausgebildet. Schon 1901 wurden die ersten Stromzähler ausgeliefert. Das führte zur Deutschen Zählergesellschaft 1924, die in Furtwangen und später in Vöhrenbach Zähler produzierte. Weiterhin baute er noch die „Ketterer Galwanik“ in Furtwangen und eine Gaszählerfabrik in Karlsruhe. 1911 wurde der Schwager von Oskar Ketterer, Ernst Hepting, in die Geschäftsführung aufgenommen. Im wachsenden Unternehmen kam Anfang der 20er 
Jahre ein weiterer Schwager, Emil Jäger, dazu. Die von Ihm vorgenommen Ausflüge in die Radiotechnik wurde aber wieder zugunsten der Getriebetechnik aufgegeben.

Heute produziert Ketterer Söhne seit 1984 unter der Leitung von Odin Jäger alles, was mit Getrieben zu tun hat, von der Jalousie über die Markise zu den höhenverstellbaren Schreibtischen oder Sondergetrieben für Operationsmikroskopie und Krankenstühlen.

 

 

 

Freitag, 5. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter dem Gassenfeger "Schwarzwaldmädel"?


Vor 75 Jahren wurde der erfolgreichste Film überhaupt über und mit dem Schwarzwald sowie seinen Trachten in die Kinos gestellt. Im Laufe der Jahre hat er 16 Mio Zuschauer begeistert und erwies sich als der erfolgreichste Gassenfeger aller Zeiten. Ursprünglich war er die Verfilmung der gleichnamigen Operette von Leon Jessel. Sie war schon dreimal ohne nennenswerten Erfolg verfilmt worden (1920, 1929 und 1933).

Aber kurz nach dem 2. Weltkrieg, nach Leid, Entbehrung und Hunger traf der Film die richtige Grundstimmung der Bevölkerung. Als erster Farbfilm mit seinen farbenträchtigen Trachten und den Schwarzwälder Erholungslandschaften vermittelte der Film die Sehnsucht nach Frieden, Erholung und einfach nach besseren Zeiten. Der Kassenreißer war ab 1950 nicht nur in deutschen Kinos zu sehen sondern auch in Frankreich, 1953 in Portugal und 1955 in der damaligen DDR.

Sonja Zimmermann, Rudolf Prack und Paul Hörbiger in den Hauptrollen drehten den Film im Juni mit der herrlichen Kulisse von St Peter, mit seinem ehemaligen Benediktienerkloster und barocken Klosterkirche – heute Pfarrkirche. In der lieblichen Umgebung blühten zu jener Zeit die Obstbäume, der Blick schweifte bergaufwärts zum höher gelegenen ehemaligen Kloster St Märgen und dem Feldberg. Weitere Drehorte waren Baden-Baden und Garmisch sowie immer wieder Landschaftsaufnahmen vom Schwarzwald. Alle Innenaufnahmen wurden in den Studios der UFA Berlin-Tempelhof gedreht.

Im Mittelpunkt standen die farbprächtigen Trachten des Schwarzwaldes und hier vor allem der rote Bollenhut. Die beschwingten Operettenlieder, die üppigen Revueeinlagen und aufwendigen Kamerafahrten durch eine zauberhafte Schwarzwaldlandschaft machten den Film legendär. Garniert wurde dies mit einer Eisrevue und Bauerntanz, Bühnenball, Spielbankszenen in Baden-Baden, einem schwäbischen Volksfest und erstmals in Farbe einen Trachtenumzug. Die Handlung, eine Dreieckgeschichte sorgt für Verwicklungen, doch die harmoniesüchtige, heitere Welt endet als happy end –und die Geigen erklingen dazu.

Zur Premiere des Films am 7. September 1950 im Universum-Lichtspiel-Theater in Stuttgart erschien Sonja Zimmermann in einer zusammengewürfelten Schwarzwälder Tracht und einem roten Bollenhut. Die Schwarzwaldmaler Hasemann und Liebig sowie der Film vermittelten den Eindruck, dass der rote Bollenhut Schwarzwälder Tracht sei. Dieser wird allerdings nur in Gutach, Reichenbach, einem Ortsteil von Hornberg, Kirnbach einem Ortsteil von Wolfach und nur von unverheirateten Frauen getragen. Die verheirateten Frauen tragen einen schwarzen Bollenhut.

Das ZDF brachte 1973 mit dem Wagner-Sänger, Wolfgang Windgassen, und der amerikanischen Sopranistin, Janet Perry, sowie Dick Laan in den Hauptrollen den Film „Schwarzwaldmädel“ ins Fernsehen. Diesmal haben die Kirnbacher Kurrende (Bollenhut), die Volkstanzgruppe Oberwolfach, Trachtenkapelle St Ulrich und die Freiburger Domsängerknaben mitgewirkt.

Der Film „Schwarzwaldmädel“ erhielt 1951 ein Bambi für den geschäftlich erfolgreichsten Film. Die Filmkulisse von St Peter war von da an in aller Munde. Unzählige Touristen zog es nach St Peter und zum ehemaligen Kloster. Als 1993 Frau Ziemann anlässlich der 900 Jahrfeier des Ortes in St Peter logierte, wurde sie unter großem Beifall und in Begleitung der Dorf- Honoratioren vom Ortszentrum zum Festplatz mit der Kutsche gefahren.



Freitag, 29. Mai 2026

Was verbirgt sich hinter dem Feldberg - Teil 2?

Feldberg vomSchauinsland

Nach dem der 2. Weltkrieg beendet war, wurde natürlich der Feldberg von französischen Truppen, wie auch Hotels und Gaststätten, besetzt und erst nach Jahren freigegeben. Der Feldbergerhof wurde nach langwierigen Verhandlungen 1952 an den Besitzer zurückgegeben.

Langsam kam auch das Skifahren wieder auf. Den ersten Skilift auf dem Feldberg betrieb die französische Besatzungsmacht auf der Grafenmatt als Schlittenaufzug. Nur mit Mühen konnte die deutsche Behörden den Abbau der gefährlichen Anlage 1950 durchsetzen, da sie in keinster Weise den Vorschriften entsprach. 1951 wurde eine Schwebeseilbahn vom Feldbergerhof zum Bismarckdenkmal eingeweiht. 1952 kam ein Schlepplift auf der Grafenmatt dazu. Heute sind es 15 Lifte am Feldberg, die der Skifreizeit dienen.

Kaum hatten sich die Verhältnisse einigermaßen normalisiert, ging die Gemeinde Menzenschwand mit einem Gesuch 1950 an den damaligen badischen Staatspräsidenten Leo Wohlleb: Auflösung der Gemeinde Feldberg, da sie immer gegen diese Gründung waren und erhebliche Einbußen ohne entsprechenden Ausgleich gehabt hätten. Dem schlossen sich die Gemeinden Todtnau, St Wilhelm, Zastler und Bernau an. Allein Hinterzarten hielt sich zurück. Bis Mitte der 50er Jahre dauerten die Verhandlungen und Abfindungen bis die Zufriedenheit einkehrte, der Fortbestand der Gemeinde Feldberg gesichert war.

Mit geordneten Verhältnissen wurde auch wieder das traditionelle Viehhirtenfest auf den Hütten des Feldbergs gefeiert. 1945 hatten die Familie Kunz von der Todtnauer Hütte aus Dankbarkeit über die Heimkehr des Sohnes aus dem Krieg eine Waldkapelle, die Lautentiuskapelle, errichtet. Dort findet zum traditionellen Laurentiusfest am 10. August ein Feldgottesdienst mit dem Freiburger Erzbischofs statt.

Leider forderte auch die einstige Besatzungsmacht Unterstützung für sich. 1953 war eine 25x25 und 50 m hohe Richtfunkantenne der amerikanischen Sttreitkräfte neben dem Feldbergturm erbaut worden. Diese wurde 1968 durch zwei riesige “Ohren”, eine NATO-Radaranlage, ergänzt, mit der man weit in den Ostblock hineinhören konnte. Sie wurden 1998 abgebaut und das Gelände renaturiert.

1959 verkaufte der Schwarzwaldverein den Friedrich-Luise-Turm an die Bundesvermögensverwaltung. Diese baute einen neuen, dritten 45 m hohen Turm, der für Radio und Fernsehen durch den Südwestfunk genutzt wurde. Aber wegen den technischen Fortschritten wurde 2003 ein neuer 82 m hoher Stahlbetonturm jetzt aber auf dem Feldberg selbst gebaut. Der alte Turm wurde nicht abgerissen und an die Gemeinde Feldberg verkauft. Dieser wurde dem Tourismus erschlossen und erhielt im 11. Stock eine Aussichtsplattform.

Gott sei Dank wurde bis heute Gleitschirmfliegen und Windkraftanlagen auf dem Feldberggebiet verboten.

1935 bis 1939 waren im Feldberggebiet Gämsen ausgewildert worden. Ein Bestand von 250  Gämsen hat sich bis heute eingependelt. Allerdings hat sich die Gämse auch auf andere Gebietei m Schwarzwald ausgedehnt. So wurden auch Gämsen im Schrambergergebiet, im Wolftal, im Gebiet Rottweil, ja bis Raum Pforzheim gezählt. Seit 2012 wurde auch ein Wolf im Gebiet Hinterzarten/Feldberg nachgewiesen.

Freitag, 22. Mai 2026

Was verbirgt sich hinter dem Feldberg - Teil 1?

Feldberg vom Schauinsland

Der Namen “Feldberg” ist erstmalig 965 in der Klosterchronik von St Blasien als “Veltperch” zu finden. Ansiedlungen im Feldberggebiet waren 1130 beim Feldsee oder 1238 als Kloster im St Wilhelminer Tal zu finden. Ab dem frühen Mittelalter diente der Feldberg als ertrageiches Weidefeld. 1365 zahlte der Vogt von Todtnau einen Gulden für das Weiderecht. Im Laufe der Jahre bauten die umliegenden Gemeinden Viehhütten auf dem großen Rücken des Feldberges. So entstanden allmählich die Todtnauer, St Wilhelminer, Zastler, Baldenweger und Menzenschwander Hütte in der Einsamkeit des Berges. Begünstigt wurde der Weidebetrieb in jener Zeit durch den großen Holzverbrauchs des Bergbaus und vor allem der Glashütten. Vereinzelt verirrten sich auch Besucher auf den Feldberg, wie Fürstabt Gerbert von St Blasien 1783 in seiner Schrift “Historia Nigrae Silvae” verriet. In dieser beschrieb er nach der ersten Nacht, wie er und seine Begleiter mit “einer schleunigsten Flucht über den rauhen, jähen und steinigen Rücken des Berges zu fliehen hatten”.

Geordnete Besucherzahlen waren erst mit dem Bau eines Karrenweges 1848/49 von Todtnau, Zeiger, Bärental nach Altglashütten möglich. So kam zugleich die Überlegung der Feldberggemeinden auf, anlässlich der Vermählung des Großherzogenpaars in Erinnerung einen Turm zu bauen. 1858 stand der 12 m hohe “Friedrich-Luise-Turm”auf dem Gipfel. Damit war der Bann gebrochen:  1863 wurde mit dem Bau des Feldbergerhofs begonnen, dessen erster Pächter Augustin Mayer aus Menzenschwand war. Während der einsamen Wintermonaten auf dem Feldberg wird berichtet, dass er oft mit seinen beiden Bernhardiner Hunden unterwegs war, um Verirrte und Vermisste zu suchen.1864 wurde der Badische Schwarzwaldverein in Freiburg gegründet.1885 wurde eine neue Straße von Todtnau zum Feldberg gebaut, die erst 1934 eine Teerdecke erhielt! 1887 wurde die Höllentalbahn eingeweiht, so dass durch die verbesserte Infrastruktur die Sommerfrischler zunahmen. 1896 wurde ebenfalls auf dem Seebuck das Bismarck-Denkmal in Gedenken an den ehemaligen Reichskanzler Bismarck errichtet.

1891 wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen, denn der französische Diplomat Dr Pillet fuhr mit seinen Schneeschuhen auf dem Feldberg. Ein erschrockener Bauer fragte ihn, wo er das Fasnetskostüm wohl her habe. Damit war die Wintersaison eröffnet. In deren Folge entstanden weitere Gasthäuser: Hebelhof 1907, 1914 Jägermatt und 1924 das Caritas-Haus. 1913 war ein neuer 21 m hoher Turm wieder auf dem Seebuck des Feldbergs vom Schwarzwaldverein erbaut worden, nachdem Todtnau 1877 sich weigert hatte für die Reparaturkosten weiter gerade zu stehen. 1913 war zur Überraschung der Besucher Artur Faller mit einem Doppeldecker auf dem Feldberg gelandet. Glücklicherweise wurde der Expansion Einhalt geboten, denn 1937 wurde der Feldberg unter strengen Naturschutz gestellt.

Schwierig für die Entwicklung des Fremdenverkehrs auf dem Feldberg war, dass verschiedene Gemeinden hier zusammenstießen: Bernau, Brandenberg, Hinterzarten, Menzenschwand, St Wilhelm, Todtnau und Zastler. Was nur in Zeiten des 3. Reiches möglich war, geschah 1939. Mit einem Federstrich wurden den Gemeinden 805 ha Gelände -nämlich das Feldberggebiet- ohne zu fragen enteignet und die Gemeinde Feldberg aus der Taufe gehoben. Ansprüche der Gemeinden sollten später geregelt werden. Denn auf dem Feldberg sollte Großes entstehen. Eine 20 km lange Untertunnelung des Feldberges vom Wiesental bis zur Dreiseeenbahn mit einem unterirdischen Bahnhof bei der Menzenschwander Hütte, sollte die Voraussetzung für ein “St Moritz des Feldbergs” sein. Hotels, Sportsiedlungen mit Olympischen Dorf, Freibad, Eislaufstadition und Rathaus sollten den äußeren Rahmen geben. Der Zweite Weltkrieg brachte viel Leid und Zerstörung, aber wenigstens hat er diese gigantischen Pläne verhindert.

Donnerstag, 14. Mai 2026

Was verbirgt sich hinter der Fürstlich Fürstenbergischen Glashütte Seebach?

Glasbläserei 1820

Die klassischen Glashütten zählten acht bis zehn Glasbläser, die pachteten von der Obrigkeit einen Bezirk Wald zum Ernten des Holzes, stellten Holzfäller, Schürer und Pottaschesieder an und entrichteten ihren Obolus immer gemeinsam. Aber jeder Glasbläser hatte seinen eigenen Ofen und vertrieb die Glaswaren über Glasträger auf eigene Rechnung. Später entwickelten sich auch Unternehmerglashütten. Die Glashütte vor Seebach sollte einzigartig im Schwarzwald eine Dienstleistungs-Glashütte werden.

Ausgangspunkt aller Überlegungen waren die riesigen Waldungen des Fürsten von Fürstenberg im Seebachtal und dem heutigen Glaswaldsee 5 km unterhalb von Bad Rippoldsau im Wolftal. Graf Albrecht zu Fürstenberg hatte der Stadt Straßburg 100.000 Klafter (300.000 m³) Brennholz angeboten aber keine Kaufzusage erhalten. Die Sorge der Verwendung des Holzes drückte den Grafen sehr. Außerdem hatte er zusätzlich Sorgen wegen der Verhältnisse in seinem „Sauerbrunnen“ in Rippoldsau. Hier bedurfte es einer ordnenden Hand. Vielleicht ließe sich beide Probleme miteinander lösen, überlegte der Wolfacher Oberamtmann Branz und verfolgte die Idee einer Glashütte vor Seebach. Ein lediger Glasbläser muss her, der auch die Tochter des Rippoldsauer Bademeister Jergen Schmidts heiratet, um diesen auch noch ersetzen zu können.

Branz fand schließlich einen jugendlichen Glasmacher namens Haug, dessen Eignung war zumindest nicht verheiratet zu sein. Mit diesem wanderte er 1587 das Seebachtal hinauf, um dessen Eignung zur Herrichtung eine Glashütte zu erkunden. Denn so könnten „hauß und güeter nit in fremde händ kommen“. Aber Haug erklärte dem Oberamtmann, „es sey viel zu winterlich und das Tdall auch zu eng; er besorg, man wirde auch mangel an sandt haben. Holz sey sonst genuog vorhanden“.  Ob der Eindruck von Jergen Schmidts Tochter auch das Urteil des jungen Glasmachers beeinflusst hatte, ist nicht überliefert. Auf jeden Fall wurde die Idee einer Glashütte für die Botteln des Sauerbads nicht mehr aufgegeben.

Erst 100 Jahre später erzählen die Akten wieder was über die Glashütte vor Seebach. Wie erwartet erwiesen sich die Arbeitsmöglichkeiten als ungünstig, so dass der damalige Glasmacher sich mit seinen Klagen an den Grafen Maximilian Franz in Stühlingen wandte. Die Holzversorgung war so schlecht, dass der Graf 1681 die Saumseligkeit des Hüttenmeisters  Peter Schmidt für die Beschaffung der nötigsten Roh- und Betriebsstoffe rüffelte und auch die Bereitschaft des Wolfacher Oberamts tadelte, der Hütte die nötigen Holzarbeiter zur Verfügung zu stellen.

Um alle Probleme zu lösen und um die Ertragskraft schlesischer Glashütten zu erreichen, wurde 1681 ein einzigartiger Dienstleistungsvertrag mit dem Glasmacher Johann Sigmund von Ellwangen geschlossen. Er wurde zum Glasschreiber für vier Stände der Seebacher Glashütte bestellt und war durch einen Eid an den Landesherrn gebunden. Meister wie Helfer waren allesamt Angestellte des Grafen und mussten ihren Erlös abgeben. Als jährliche Besoldung erhielt Johann Sigmund neben der Wohnung und Besoldung fünfzig Gulden und Korn von  der Wolfacher Schaffnei. Diese Organisationsform sollte 3 Jahre halten und war dem Bergbaubetrieb nachgebildet.

Nach dem Tode des Grafen verpachtete seine Frau die Glashütte 1684 an den Physikus der Herrschaft Kinzigtal, Dr Chorhummel und Johann Vogt aus Wolfach. Die Pacht sollte bis Ende 1687 dauern. Die Lösung die Glashütte an Unternehmer zu verpachten kann nicht lukrativ gewesen sein. Aus Unterlagen geht hervor, dass die Glasmacher Thomas Sigwarth und Samuel Staadler die Hütte für nur 30 Gulden Jahreszins gepachtet hatten. Wie lange die Hütte noch nach 1688 in Betrieb war ist nicht bekannt. Ein erneuter Versuch 1795 eine neue Hütte zu gründen, wurde auf Grund der gemachten Erfahrungen vom Fürsten abgelehnt.

Schwarzwälder Flaschen Museum Triberg

Freitag, 8. Mai 2026

Was verbirgt sich hinter der Plotzsäge von Bad Herrenalb?

Plotzsäge Bad Herrenalb

Im Schwarzwald war in früher Zeit nur die Plotz- bzw Klopfsäge bis 1840 bekannt Sie war billig in der Herstellung, da nur das Sägeblatt aus Metall war. Wasserkraft war ja genügend vorhanden.

Mit dem Wasserrad a dreht sich auch der Wellenbaum, der hier zwei Nocken c und d trägt. Sie werfen das Gatter e nacheinander nach oben; beim Zurückfallen in Folge der Schwerkraft geschieht der Sägeschnitt. Die Ruten f fangen dabei das herabfallende Gatter elastisch auf. Das Gewicht des schweren Gatters übernehmen zum Teil die Langbäume g. Beim Aufschlagen des Gatters auf die Ruten entsteht ein weithin schallendes Geräusch: Auf schwäbisch “plotzen” oder alemannisch “klopfen”. Daher der Name für den Sägetyp.

Als eine der ältesten Sägemühlen im Schwarzwald ist die Plotzsäge Bad Herrenalb mit einem 6 m oberschlächtigen Wasserrad im heutigen Loffenau anzusehen. Ursprünglich wurde sie im 13. Jahrhundert gebaut und befand sich im Besitz der Ebensteiner als Lehen des Bistums Speyer und kam 1297 an das Kloster Herrenalb. Im alten Lagebuch des Klosters Herrenalb, “der Erneuerung des Burarizins” von 1508 wird sie zum Dorf Loffenau gehörig an der obersten Alb im Gaistal aufgezählt. Denn von diesem Zeitpunkt bis 1582 hatte das Kloster sie an die Bewohner von Loffenau verliehen. Danach kam sie lehensweise an Gernsbacher Schiffer, darunter der Murgschiffer Jakob Kast. Krieg, Verwüstung und Pest verhinderten von 1634 bis 1671 einen Zinsertrag. 1697 brannte die Plotzsäge ab und wurde im gleichen Jahr wieder nach technisch neuestem Stand mit einem Hochgang, einem Kammradgetriebe sowie eisernen Wellen und Beschlägen aufgebaut.

Seit 1880 befindet sich in einem Teil des Gebäudekomplexes ein Waldgasthaus betrieben durch die Familie Kübler in 10. Generation. Die ersten 5 Generationen waren noch als Holzsäger tätig. Das noch vorhanden Holzsägewerk wurde 1699 erstellt und bis heute im Original funktionsfähig erhalten. Insgesamt rund 800 Jahre an einem Standort.

Im Löffeltal zwischen Hnterzarten und Höllsteig steht ebenfalls eine wieder 1982 in Gang gesetzte Klopfsäge. Sie ist 1828 vom Klingenhof damals gebaut worden. Allerdings stand schon 1640 im oberen Löffeltal die erste Klopfsäge. Sie gehörte zum damaligen Rößlehof.

Als mit der Säkularisierung 1806 der Müllbann des Klosters St Blasien aufgehoben wurde, wurde im oberen Wiesental in Fröhnd eine Klopfsäge gebaut. Sie war noch bis 1956 zum Einschneiden von Holz in Betrieb. Durch Initiative der Fröhnder Freunde konnte die Säge bis heute funktionsfähig erhalten werden und wurde nicht wie geplant abgerissen. Sie ist die einzige funktionsfähige Klopfsägei m Schwarzwald, die noch an ihrem ursprünglichen Standort geblieben ist.

Es gibt noch eine funktionsfähige Klopfsäge im Gutacher Freilichtmuseum “Vogtsbauernhof” zu besichtigen, die aber nicht an ihrem ursprünglichen Standort steht.



Freitag, 1. Mai 2026

Was verbirgt sich hinter den Schwarzwälder Klöster mit der französischen Revolution?

Kloster St Blasien 1874

Vor 1789 glaubte man, dass in den Schwarzwälder Klöster die Welt noch in Ordnung gewesen sei. Die Mönche pflegten das Gebet und Gesang, forschten, lehrten und widmeten sich der Wissenschaft. Überall entstanden im 18. Jahrhundert Neubauten der Klöster, ohne dass diese notwendig gewesen wären. Die neuen Klosterbauten St Trudpert, St Peter, St Blasien, St Märgen, St Ulrich, Tennenbach, Gengenbach, Ettenheimmüster, Lichtental und Frauenalb sahen wie Schlösser aus, wurden aber zu Ehren Gottes gebaut. Dabei dienten sie der Hofhaltung der Äbte wie weltliche Herrscher und dementsprechend wurde getafelt. In St Blasien tranken sie aus silbernen und vergoldeten Bechern, der Abt von St Trudpert ging zur Jagd, der von St Peter trug eine Bibliothek wie ein Herrscher zusammen.

Mit Beginn der französischen Revolution 1789 gelangten auch auf den Schwarzwald bald die Schockwellen. Die Äbtissin von Frauenalb benötigte militärische Hilfe, um ihre Untertanen zu besänftigen. Ebenso in Ettenheimmünster begehrten die Untertanen gegen den Krummstab auf. Vor den Toren des Klosters Allerheiligen zogen bewaffnete Bauern auf. Auf dem Hotzenwald waren die Salpeterer zwischen 1727 und 1755 in drei Kriegen schon gegen das Kloster St Blasien gezogen und nur brutale Gewalt des Hofes in Wien stellte die Ordnung wieder her. Die Welt der Klöster war in Unordnung geraten. Verschlimmert wurde es in Vorderösterreich durch die Reformen der Klöster von Kaiser Joseph II: Klöster ohne Erziehungsauftrag sollten aufgelöst werden. So berichtet der Abt von St Peter 1782, dass die Klarissinnen zu Freiburg ihre weltlichen Kleider anziehen und das Kloster verlassen müssen. Die Kartäuser laufen schon lange mit Perücken und Weltkleider herum. Aber der Riss reichte mitten in die Klöster hinein. In den Konventen machten sich Unruhen bereit, denn die Gerüchte, dass die Klöster aufgelöst werden würden, machten sich breit.

Die ohnehin vorhandene Spaltung wurde durch die vielen französischen Flüchtlingen verstärkt, da diese in den rechtsrheinischen Klöstern Zuflucht suchten. So berichtete Abt Speckle, dass es in Freiburg nur so von Emigranten wimmelte. Der größere Teil diente nicht der Sittenverbesserung. Die Geistlichen sind Müßiggänger, die übrigen behaupteten noch ihren Adelsstolz mit all den negativen Begleiterscheinungen. Im Kloster Ettenheimmünster, das zum Bistum Straßburg gehörte, sammelten sich neben Soldaten und Seminaristen auch Benediktiner  aus den elsässischen Klöstern. Zu allem kam 1790 noch Kardinal von Rohan, Fürstbischof von Straßburg, mit Sack, Pack und Gefolge, weil er in Straßburg nicht mehr sicher war.

Viele Mönche verließen in damaliger Zeit ihre Klöster und liefen zur Revolution über. Ein Grund war sicherlich, dass manche Mönche sich mit dem Orden, dem sie angehörten, innerlich sich nicht mehr identifizierten. Sie waren nur dem Kloster beigetreten, das ihnen eine sonst ganz unerreichbare Bildung und Stellung bot. Die Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Orden konnte leicht in Ablehnung umschlagen, wenn man sah, wie oft der arme Mann ausgenutzt wurde.

So war es wohl die Französische Revolution in den Schwarzwälder Klöster die Klärungs- und Entscheidungsprozesse beschleunigte, die ohnehin längst fällig waren. Im Kloster zu bleiben lohnte sich nicht mehr, denn der Reichsdeputationsausschuss machte mit den Klöstern kurzen Prozess, in dem er sie säkularisierte. Baden war sicherlich ein Hauptgewinner an Land, Leuten, Geld von den katholischen Bistümer, Stifte und Klöster.

Mit großer Verbitterung und Trauer sah Abt Speckle, dass die Mitbrüder ihn bei der ersten Gelegenheit verlassen hatten., dass selbst die, die im Kloster blieben, des klösterlichen Lebens überdrüssig waren. Keiner ging mehr mit zum Chorgebet, das einst im Mittelpunkt stand: “Ich bete die Metten ganz allein in der Stille auf dem oberen Chor“, so der verbitterte Abt.

Freitag, 24. April 2026

Was verbirgt sich hinter Brigach und Breg?

Bregquelle bei Martinskapelle
Über viele Jahrhunderte ging der Streit um die Frage, wo entspringt die Donau und mit welcher Länge durchfließt sie halb Europa bis ins Schwarze Meer? Sind es 2811 oder 2857 km Länge? Viele Wissenschaftler haben sich die Köpfe zerbrochen: Im Mittelalter war die Vorstellung der Ursprung der Donau liege hinter der Eschinger Burg, daher der Name –Donau-Eschingen. Überliefert ist, dass König Maximilian 1499 die Donauquelle in Donaueschingen besuchte.  Er ließ rund um die Quelle Zelte aufstellen und veranstaltete ein Fest, bei dem man Reigen um die Quelle tanzte. Auch der berühmte Kosmograph Sebastian Münster besuchte kaum 40 Jahre später die Donauquelle, beschrieb die gefasste Quelle und überlieferte, dass der Abfluss der Quelle  nur zwei Steinwürfe vom Schloss in die Brigach flösse. Von diesem Punkt ab sei von der Donau die Rede, die dann einen Büchsenschuss weiter Richtung Süden die Breg aufnehme. Der Züricher Arzt und Mathematiker Johann Scheuzer schoss aber den Vogel 1711 ab, als er kurzerhand die Quelle vom Inn, der höchstgelegenen Quelle, zur Donauquelle erklärte.

Nach allgemeiner, anerkannter wissenschaftlicher Definition, gilt der längste Zufluss als Quellfluss. Da beißt die Maus keinen Faden ab, es ist die Breg: Die Bregquelle liegt auf 1.078 m auf der Martinskapelle im Katzensteig bei Furtwangen und ist 45 km lang bis zum Zusammenfluss mit der Brigach bei Donaueschingen. Eine Tafel an der Quelle weist auf den Beginn der geographischen Längenmessung der Donau hin. Die Breg fließt durch Furtwangen, das Schönenbachertal, Vöhrenbacher Ried vermittelt eine Vorstellung wie früher die die meisten Talauen im Bregtal ausgesehen haben, ab Vöhrenbach nutzen mehrere Wasserkraftwerke die Breg, das Hochwasserrückhaltebecken bei Wolterdingen, bei Hüfingen gliedert sich die Breg in drei Arme: einmal zum Kofenweiher als Naherholungsgebiet, an den Weiher mit Kraftwerk, bei der Seemühle und den Mühlenkanal, ab Hüfingen sind es noch 4 km an Allmendshofen vorbei bis zum Zusammenfluss mit der Brigach.

Die Quelle des zweiten Zuflusses der Donau, die Brigach bringt es auf 40 km bis zum Zusammenfluss
mit der Breg und liegt im Keller des 450 Jahre alten Hirzbauernhofes 930 m hoch und wird in einen kleinen Teich vor dem Hof geleitet. Der Hof liegt im Obertal von Brigach, heute ein Ortsteil von St Georgen. Über Brigach zum ehemaligen Klosterweiher in St Georgen geht der Weg der Brigach nach Villingen, dort versuchten die Schweden 1634 mit einem Staudamm die Brigach aufzustauen, um Villingen zur Kapitulation zu zwingen, was nicht gelang, über das Brigachtal wird Donaueschingen durchflossen.

Die sogenannte Donauquelle mit ihrem Donaubach liegt in einer Ecke des Schlossgartens des Fürsten zu Fürstenberg: Viele Leute sehen heute noch dies als Quelle der Donau an, die seit Überlieferungen des 14. Jahrhunderts dokumentiert ist. Es ist eine kunstvoll gefasste Karstquelle, sie ist der Wasseraustrittsort eines Karstgrundwasserleiters in einem Karsystem mit einer Schüttung von 60 bis 120 l/s und mündet heute nach 100 m unterirdischen Leitungen in die Brigach. Früher floss sie als offener Bach durch den Schlosshof. 1910 wurde im Auftrag von Kaiser Wilhelm II ein Donautempel am Ausfluss in die Brigach errichtet.

Früher bestand hier ein Sumpfgebiet, das man im 18. Jahrhundert trockenlegte. Vor 1828 bestand eine viereckige Fassung um die Quelle. Sie ist eine von 22 Quellen im Umfeld des Zusammenflusses von Breg und Brigach. 1875 wurde die Quelle von Fürst Karl Egon III als kreisrundes Quellbecken  gestaltet. Die Figurengruppe zeigt wie die „Mutter Baar ihrer jungen Tochter Donau den Weg in die Ferne weist“. Sie kam 1896 hinzu. Seit 2013/2015 wurde die Donauquelle einer grundlegenden technisch wie denkmalpflegerisch anspruchsvollen Sanierung unterzogen. Nach Genehmigung des Innenministeriums in Stuttgart 2022 dürfen Furtwangen als auch Donaueschingen entgegen der Wissenschaft die Bezeichnung „Donauquellenstadt“ tragen.

Donauquelle Donaueschingen


Freitag, 17. April 2026

Was verbirgt sich hinter dem Schwarzwaldmaler Hasemann?

Dabei war Wilhelm Hasemann überhaupt kein Schwarzwälder und sollte ursprünglich sich gar nicht der Malerei verschreiben: 1850 in Mühlberg, Sachsen,  in den Haushalt eines Schlossers geboren, sollte das elterliche Geschäft übernehmen und absolvierte eine dreijährige Schlosserlehre, obwohl seine Neigung und Begabung schon früh erkennbar war. Fürsprecher und Lehrer bestärkten die Eltern, die Talente der Malerei des Sohnes zu fördern. Im Dezember 1865 ging der Vater mit all den Unterlagen zur Königlichen Akademie der Künstler, um Erkundigungen einzuziehen und kam mit der Anmeldung des Sohnes zurück. 1866 bis 1872 erfolgte das Studium auf der Königlichen Akademie, 1873 bis 1879 schloss sich das  der Großherzoglichen Kunstschule in Weimar an. Anstatt wie üblich eine Italienreise anzuschließen, wurde ihm empfohlen, wenigstens in der damals bekannte Künstlerstadt München mit seinen vielen Ateliers zu arbeiten.

Berthold Auerbach hatte mit seinen „Schwarzwälder Dorfgeschichten“ viel Erfolg. Auerbachs Verleger wollte die Novelle in einer illustrierten Prachtausgabe herauszubringen. Dafür wurde ein Illustrator gesucht und Hasemann der Vorschlag gemacht, eine Studienreise nach Gutach im Schwarzwald zu machen. Das Ansinnen reizte Hasemann, da er den landschaftlichen Charakter des Schwarzwaldes und deren Bewohner mit ihren eigenartigen Kostümen nicht kannte.

Beim Löwenwirt Aberle in Gutach logierte auf Empfehlung Hasemann 1880 und durchstreifte das Gutachtal und Umgebung. Blühende Obstbäume, prächtige Bauernhöfe und die jungen Mädchen in der malerischen Tracht mit ihrem roten Bollenhut faszinierten Hasemann. Er lernte die Triberger Wasserfälle kennen, den Schellenmarkt mit seinen Hirten auf dem Fohrenbühl. Er genoss den herrlichen Ausblick bis zum Straßburger Münster vom Farrenkopf aus. Es verwunderte nicht, den schnellen Entschluss von Hasemann, hier bleiben zu wollen.

Schon 1881 war Hasemann Mitorganisator und Betreuer der Gutacher Gruppe beim großen Trachtenumzug in Karlsruhe anlässlich der Silberhochzeit des Großherzogs. Die Gutacher Bollenhuttracht war wie öfters bei Trachtenfesten umjubelter Mittelpunkt. Zahlreiche Serien wurden von Hasemann bebildert, so auch für Hansjakob die Bücher „Vogt auf dem Mühlstein“, „Erinnerungen einer alten Schwarzwälderin“ und „Afra“.

Endgültig zum Gutacher wurde er, als er im Steinenbach ein altes Häuschen erwarb und im Dorf als Atelier wieder aufbauen ließ. Auch das Eheglück hielt 1889 Einzug, da Hasemann Luise Lichtenberg aus Mühlberg in sein neues Heim heimführte. Das vielfältige Schaffen des Künstlers war so umfangreich, dass die Gemeinde Gutach ihm und seiner Frau das Ehrenbürgerrecht von Gutach verliehen wurde. Die Schwester von Frau Hasemann hatte den späteren Professor Curt Liebig geheiratet, den es dann ebenfalls nach Gutach in die Künstlerkolonie zog.

Das Schaffen Hasemanns war immens, denn es entstanden Bilder vielfältiger Trachten der Schwarzwaldtäler Wolfach, Schapbach, der Kinzig, Elz und Glotter. Er versammelte die Trachten vor der Wallfahrtskirche in Triberg, auf dem Schellenmarkt der Schwarzwälder Hirtenbuben, auf Kirch-, Hochzeits- und Taufgängen.

Als Hasemann 1913 allzu früh verstarb, hat ein ganzes Dorf mit seiner Umgebung nah und fern getrauert und in einem nicht enden wollenden Trauerzug zu Grabe getragen. Geblieben ist die Vielzahl der Bilder über Gutach, und der Umgebung, die Trachten, die Menschen nah und fern und diese berichten heute noch vom Können und Beobachten eines großen Künstlers.

Durch Hasemann wurde die rote Bollenhuttracht, die nur in Gutach, Reichenbach, einem Ortsteil von Hornberg und Kirnbach, einem Ortsteil von Wolfach getragen wird, als Schwarzwäldertracht in der ganzen Welt bekannt.


Gutacher Tracht nach dem Kirchgang

Freitag, 10. April 2026

Was verbirgt sich hinter dem stillen Windgfällweiher?


Der Windgällweiher wurde mit dem Bau der Eisenbahn, der Dreiseeenbahn, über die Region hinaus bekannt- nämlich sie führt am Titisee, Windgfällweiher und dem Schluchsee entlang. Er liegt zwischen den Ortsteilen Altglashütten (Gemeinde Feldberg) und Aha (Gemeinde Schluchsee), gehört zur Gemeinde Lenzkirch und umfasst 20 ha.

Ursprünglich ein kleiner Moorsee, der ein Überbleibsel der letzten Eiszeit war, wurde erstmals 1895 von der Schraubenfabrik Falkau durch einen Staudamm im Norden ungefähr um 6 m aufgestaut und damit vergrößert. 1929 übernahm das Schluchseewerk den Weiher und wurde in das Zuflussssystem des Schluchsee integriert. Er nimmt das Wasser vom Feldsee kommenden über einen 10 km langen Hangkanal auf und läuft über einen offenen Überleitungskanal durch das Haslachtal in den Schluchsee ab.

Der südlich Teil des Sees und seine Umgebung sind seit 1940 als flächenhaftes Naturdenkmal deklariert. Seit 1950 steht der See unter Landschaftsschutz. Seit 2002 gilt ein Angelverbot wegen PCB-Ablagerungen aus früherer Zeit. Ansonsten wird das Wasser laufend von der Landesanstalt für Umwelt kontrolliert. Am bewaldeten Ostufer des Windgfällweihers liegt wenig auffällig ein Strandbad mit einem denkmalgeschützten Gebäude und der Möglichkeit Stehpaddeln zu erlernen oder zu frönen. Alles andere ist verboten.

2020 wollte die Fürstlich Fürstenbergische Forstverwaltung am Windgfällweiher einen Reisemobilpark mit 115 Stellplätzen bauen. Der Widerstand der einheimischen Bevölkerung unterstützt vom Schwarzwaldverein und Naturschutz war erheblich. Letztendlich sah der Gemeinderat von Lenzkirch ein, dass die Erhaltung der Naturlandschaft höher zu bewerten war und lehnte das Projekt ab.

Auch ein Hotel, Hotel Köhlerei am See, mit 14 Betten und Einkehrmöglichkeit bis zu 70 Personen liegt am nördlichen Ufer getrennt durch die Straße nach Raitenbuch. In diesem Jahr wurde das Hotel um ein Zimmer und einem Wintergarten erweitert. Auch erfreut sich das Eisschwimmen oder Eisbaden im Winter immer mehr an Beliebtheit.

Zu Anfang 2026 wurde bekannt, dass das Hotel Köhlerei sich um einen terassenförmigen Anbau an das jetzige Hotel plant und Planungsunterlagen eingereicht hat. Aus 13 Zimmer sollen 84 Zimmer in einem siebengeschossigen Bau werden - zusätzlich einem Spa-Außenbereich mit Pool. Die Schwierigkeit für diesem Projekt, es liegt in einem Landschaftsschutzgebiet d.h. die Landschaft soll in ihrer vorgefundenen Eigentümlichkeit und Einmaligkeit erhalten bleiben.

Damit beginnt der Kampf in den Institutionen. Den Gemeinderat von Lenzkirch würde den Ausbau begrüßen, da zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden und die zusätzliche Kurtaxe in die Gemeindekasse gespült werden. Dem steht Naturschutz entgegen, da Bergmolche und Grasfrösche in unmittelbarer Nähe laichen. Ausgleichsmaßnahmen wurden natürlich angeboten. Auch die Ökologie meldete sich zu Wort, da es einen Beschluss des Abwasserzweckverband verbietet, Neubauten zu errichten, so lange in Lenzkirch und Feldberg das marode Wassernetz nicht in Ordnung gebracht ist.

Die Behördengremien werden das Für und Wider abwägen, die Änderungen des Bebauungsplans begutachten und dann auf das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald blicken, denn die treffen die finale Entscheidung.

Oh Schwarzwald, Oh Heimat



Freitag, 3. April 2026

Was verbirgt sich hinter dem roten Bollenhut?

Der Bollenhut ist ein Strohhut, der seit etwa 1800 zur Tracht in drei Dorfgemeinden getragen wird: Gutach, Reichenbach (Ortsteil von Hornberg) und Kirnbach (Ortsteil von Wolfach). Die drei Dörfer gehörten zum Herzogtum Württemberg und waren seit 1534 evangelisch inmitten von katholischen Gemeinden.

Unverheirateten Frauen tragen die Bollen rot, bei verheirateten schwarz. Den roten Bollenhut dürfen Mädchen erstmals bei der Konfirmation bis zur Hochzeit tragen. Bei der Hochzeit wird die Hochzeitsschäppel getragen und danach der schwarze Bollenhut.

Der ursprüngliche Bollenhut betrug etwa 500 g und wuchs im Laufe der vielen Jahre auf bis zu 2 kg an. Der breitkrempige, weißgekalkte Strohhut trägt 14 auffallende, kreuzförmig angeordnete Bollen aus roter Wolle. Sichtbar sind nur 11 Bollen, weil 3 von darüberliegenden verdeckt werden. Unter dem Bollenhut wird eine schwarze seidene Haube getragen, die unter dem Kinn gebunden wird. Kleine Mädchen und alte Frauen tragen nur die Haube. Mittlerweile wird der Bollenhut mit Tracht noch zu Festtagen und bei Brauchtumsveranstaltungen getragen.

Fälschlicherweise wird der rote Bollenhut außerhalb des Schwarzwaldes als Schwarzwaldtracht eingestuft. Dies ist den vielfältigen Veröffentlichungen der farbenträchtigen Tracht durch verschiedenen Künstlern zu verdanken, wie von Charles Lallemand Ende der 1850er Jahre, Ludovico Wolfgang Hart, der 1864 die ersten Fotografien veröffentlichte oder  ab Ende der 1870er Jahre durch die Gutacher Künstlerkolonie mit Wilhelm Hasemann, Curt Liebich und Fritz Reiss. Dazu kam die Großherzogin Luise von Baden, die um die Jahrhundertwende bei ihren Schwarzwaldbesuchen  fälschlicherweise den roten Bollenhut trug. Den Rest zur Verkitschung trug der Film “Schwarzwaldmädel” aus dem Jahr 1950 bei. So wurde der Bollenhut immer mehr als Werbemittel für den gesamten Schwarzwald verwendet, leider bis hin zur Geschmacklosigkeit. Eine kleine Auswahl der Stilblüten von Werbeagenturen aus meiner Sammlung: "Schwarzwald Kitsch".

Ostergrüße einer Möbelfabrik, Gästebegrüßung im Steigenhaus in Höllsteig, IHK Zeitschrift “Im Südwesten”, Kreisverkehr vor Räucherei Schwarzwaldhof in Blumbeg, Osterhase aus St Georgen Genusswerkstatt, Hauben für Golfschläger, Inserat der Firma Presswerk Oberkirch, Werbung von Bofrost, Parkplatzverschönerung in Triberg. Oh, Schwarzwald: Sehnsucht Heimat!










Freitag, 27. März 2026

Was verbirgt sich hinter Alt-Waldshut?

Waldshut 1852

Am oberen Tor prangt auf blauen Wappengrund ein roter Löwe, weiß verziert, während das „Waldshuter Männle“ als Wappen über der Rathaustür auf die Häuser mit den Hotzenhauben blicken. Löwe und Hotzenwälder sind Wahrzeichen der Waldshuter Geschichte. Als Vorderösterreichische Festungsstadt hielt Waldshut 1468 den wochenlangen Angriffen der Schweizer Eidgenossenschaft tapfer stand und verhinderte so, dass das rechte Rheinufer schweizerisch wurde. Zum Dank wurde den Waldshutern der rot-weiß-rote Löwe als Wappentier zuerkannt. Noch heute wird jedes Jahr am Wochenende nach Maria Himmelfahrt 5 Tage lang die „Waldshuter Chilbi“ mit dem Schafsbock gefeiert. Der Legende nach wurde der letzte Schafsbock gemästet und auf der Festungsmauer auf und ab geführt. Die Schweizer sollen daraufhin die Belagerung abgebrochen haben, obwohl die Festungsmauern schon teilweise sturmreif geschossen worden waren.

Die Stadtbewohner schlossen sich 1524 mehrheitlich der Reformation an. Mit dem Prediger Balthasar Hubmaier gelang es, die Waldshuter Bevölkerung zur religiösen und politischen Revolution mit einer radikalreformatorischen Bewegung zu begeistern. Es kam zu einem regelrechten Bildersturm, kirchlichen Geräte wurden zerschlagen, Bilder und Statuen vernichtet. Die Reaktion der Regierung ließ nicht lange auf sich warten: Am 6. September 1525 wird die Stadt von österreichischen Truppen eingenommen, um wieder Ruhe und Ordnung herzustellen. Waldshut verlor viele Privilegien, wie die Selbstwahl des Bürgermeisters, denn in Zukunft war dies der Waldvogt der Regierung oder der rot-weiß-rote Löwe im Wappen durfte nicht mehr geführt werden.

In den folgenden Jahren wurde Waldshut von einer verheerenden Pestepedemie 1611 heimgesucht. Aber nicht nur diese sondern der 30jährige Krieg und die Erbfolgekriege brachten Durchzüge, Besetzungen und viel Leid in die Stadt. Dazu kamen die Salpeterkriege 1728-1748, in denen ein Teil der Bauern aus dem Hotzenwald ihre alten Rechte und Freiheiten vor allem gegen das Kloster St Blasien verteidigten. Zweimal versuchten die Salpeterer Waldshut zu stürmen, um dort inhaftierte Gesinnungsgenossen zu befreien.

Im Frieden von Lunéville wurde 1801 der Breisgau und Ortenau und damit Waldshut dem Herzog von Modena, einem Habsburger als Entschädigung von Napoleon für die Gebietsverluste in Italien zugesprochen. Im Frieden von Pressburg wurden 1805 dagegen der Breisgau und die Ortenau dem Großherzogtum Baden  endgültig zugesprochen. Zuvor war die Grenzziehung zwischen Württemberg und Baden sehr ungenau, so glaubten, die Württemberger große Teile des Breisgaus darunter auch Waldshut besetzen zu können. Was die Franzosen dann endgültig klärten.

Die Waldshuter Bürger waren über die neue Herrschaft unglücklich: Ein katholisches Land –Vorderösterreich- sollte von einem evangelischen Landesvater regiert werden. Auch das Prinzip der Selbstverwaltung der kommunalen Ebene der Wiener wurde durch die zentralistischen Grundsätze der Karlsruher ersetzt werden. Und das brachte viel Unruhe auf den Wald.