Kaltenbronn ist eine Häusergruppe, die zum Ortsteil Reichenbach eingemeindet nach Gernsbach gehört. Schon diese Beschreibung gibt Auskunft, dass es ein abgelegener Zipfel an der Passhöhe Schwarzmiss der Landstraße von Gernsbach-Hilpertsau und Bad Wildbad-Sprollenhaus sein muss. Inmitten dem Naturpark SchwarzwaldMitte/Nord und Landschaftsschutzgebiet Mittleres Murgtal - ein einzigartiges Hochmoorgebiet mit den beiden Holohseen und den Horn- und Wildseen. Wie konnte ein Kurhotel neben dem Forsthaus und dem Naturpark-Infozentrum den Weg in diese entlegene Region schaffen?
Für die frühere Obrigkeit war nicht die Naturschönheit dieser
einmaligen Gegend interessant sondern die Jagd – genauer die Auerhahnjagd. Es
war nicht verwunderlich, dass der damalige Markgraf von Baden sich ein Jagdhaus
für die jährliche Auerhahnjagd bauen ließ. Was natürlich in dieser
gottverlassenen Gegend zu erwarten war, es wurde eingebrochen und die Wilderer
hausten in den Räumlichkeiten. Um Abhilfe zu schaffen, wurde dem aus Tirol
eingewanderten Holzfäller, Mathias Heiter, 1761 erlaubt in den Räumlichkeiten
zu wohnen und nach dem Rechten zu schauen. Um dem Ehepaar ein zusätzliches Einkommen
zu ermöglichen, wurde ihm der Weinausschank genehmigt. Zusätzlich brannte er Enzianschnaps
in einer kleinen Brennhütte. Einmal im Jahr, wenn der Markgraf zur Jagd kam,
zog er mit der Famile so lang in die muffige Brennhütte. 1794 brannte das
Jagdhaus ab.
Die Großherzogliche Verwaltung konnte die Brandruine 1808 abreißen
lassen. In den folgenden Neubau zog der Waldhüter und Beijäger Fritz mit
Familie ein. Als der Großherzog wieder Freude an der Auerhahnjagd bekam, wurde
ein sehr großzügiger Anbau für den Großherzog und Gefolge gebaut. Für die
Familie des Waldhüters gab es bald Gelegenheit, den kargen Lohn des Beijägers
aufzubessern. Denn ganz im Zeitgeist der Romantik suchten Adel und Bürgertum
die Naturidylle – dafür bot sich das Holohgebiet mit seinen Mooren und Seeen
an. Zusätzlich wurde auf dem Holoh 1856 ein 15 m hoher Holzturm als
Ausichtsgelegheit errichtet.
Dem Großherzog ging der Kontakt mit Reisenden, Kurgästen,
Forstbeamten und Jagdgästen mit der Zeit zu weit, denn 1870 ließ er gegenüber
ein großherzogliches Jagdhaus erbauen. Auch der Jagdhüter bekam sein eigenes
Domizil. Für das leerstehende Gebäude musste nun eine neue Verwendung gefunden
werden. Da der Fremdenverkher sich positive entwickelte, bot sich eine
Gastwirtschaft an. Die Forstverwaltung hatte Interesse, das der neue Pächter
vier Pferde hält, um für den Forst Fuhrdienste übernehmen zu können.
Aber das Problem mit den Pächtern war, dass sie entweder gute Wirte
oder lautstarke Fuhrleute waren. Aber beides ließ sich nicht gut vereinen,
obwohl der Fremdenverkehr zunahm, denn 1897 wurde der Holohturm gebaut und
mitlerweile hatte der Schwarzwaldverein den Westweg über den Holoh geschaffen.
1905 übernahm endlich mit Franz Mast aus Forbach ein Fachmann die
Pacht auf dem Kaltenbronn, er als gelernter Koch und Konditor. Mit Pferden
konnte er auch umgehen, denn er musste im Winter mit diesen die Wege räumen.
Eine neue Saison hatte sich mittlerweile aufgetan: 1896 wurde der
Ski-Club-Pforzheim gegründet. Plötzlich kam das Laufen mit den hölzernen
Schneeschuhen in Mode. Mast hatte nun ganzjährig mit dem Fremdenverkehr zu tun
– unterbrochen nur durch die beiden Welkriege. 1945 maschierten die Franzosen
über das Murgtal ein, waren überrascht hier oben in der Einöde ein
funktionierendes Gasthaus mit einem ordentlichen Weinvorrat zu finden. Leider
konnte nie geklärt werden, warum der erfolgreiche Wirt, Franz Mast, von Kugeln
durchsiebt am Kegelbach verbluten musste.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Anwesen auf dem Kaltenbronn in
Trümmern. Doch wider Erwarten war Andreas Sarbacher aus Reichental bereit, das
Anwesen bewohnbar zu machen und begann 1949 mit einem provisorischen Ausschank.
1951 war es soweit hergerichtet und erneuert, dass das Kurhotel Sarbacher
eröffnet werden konnte. Und dieses Erfolgsstory konnte in der Familie bis heute
fortgeführt werden.
