Donnerstag, 27. August 2026

Was verbirgt sich hinter "WEHRLE Präzision als Prinzip" aus Furtwangen?

FX Wehrle1819-85

Das seit über 180 Jahre bestehende Unternehmen produziert heute Durchflussmessgeräte für Wasser, Wärme und Dienstleistungen. Verbunden ist die Herstellung von Gehäusen, Zählwerken und Getrieben aus Metall und Kunststoff. Das Unternehmen beschäftigt 260 Mitarbeiter und erreichte einen Umsatz 2024 von 38 Mio €. Für das Jahr 2025 rechnete das Unternehmen mit 43 Mio Umsatz laut Angaben aus „Wirtschaft im Südwesten“ der IHK Südlicher Oberrhein. Und doch wurde die Branche und Mitarbeiter aufgeschreckt, denn das Unternehmen wurde im Februar 2025 an die Schweizer Unternehmensgruppe „Sontex Group“  wegen Unternehmensnachfolge verkauft. Und dennoch ist es interessant auf den Werdegang des Unternehmens, das in 5. Generation Wehrle/Herth geführt wurde, zu schauen.

Das Unternehmen E. Wehrle ist aus der 1842 gegründeten Werkstatt für Spieluhren von Franz Xaver Wehrle (1819-1885), des „Wannen-Xaverle“ geboren in Langenbach, sesshaft in Schönenbach, hervorgegangen. Wehrle baute hauptsächlich Musikwerke, Drehorgeln und Spieluhren, die er nach Russland, Frankreich, Holland und England lieferte. Ebenso lieferte er für den Orchestrionsbauer „Imhof & Muckle“ komplette Spieluhren und Walzen. 1847 gehörte er zu den Mitbegründern des „Gewerbevereins für den uhrmachenden Schwarzwald“. Er beteiligte sich ebenfalls kapitalmäßig an der 1853 gegründeten Aktiengesellschaft für Taschenuhr-Fabrikation jeweils in Furtwangen.

E. Wehrle 1832-96

Direkt in der Nachbarschaft zu F. X. Wehrle hat ein Emilian Wehrle kunstvolle Kuckucks- und Trompetenuhren hergestellt. Nachdem Emilian Wehrle Norma, die Tochter von F.X. Wehrle, geheiratet hatte, wurden 1866 beide Werkstätten zusammengelegt. Sie wurden unter „Trompetenuhrenfabrikation E. Wehrle & Comp“ zusammengeführt, produziert wurde in den Räumlichkeiten von F. X. Wehrle. Die Erfahrung von F. X. Wehrle als Spieluhrmacher und Emilian Wehrle als genialer Uhrmacher ergänzten sich sehr erfolgreich. Die Trompeten- und Singvögeluhren von höchster Qualität, die sie produzierten, erhielten weltweit Auszeichnungen und Medaillen der großen Messen jener Zeit. Mittlerweile wurde als „E. Wehrle & Cie in Furtwangen – Trompeter-, Flöten- u. Mechanische Singvögel-Uhren-Fabrik“ produziert.

Nachdem 1880 die Konjunktur für Musikuhren zurückging, wurde die Firma A. Zimber, die elektrotechnische Artikel herstellte, übernommen. Die Fertigung von elektrischen Uhren hatte nicht richtig eingeschlagen. Aber mit Addiermaschinen und Schalter von Treppenhausbeleuchtungen konnte sich das Unternehmen über Wasser halten. 1885 starben F. X. Wehrle und 1896 Emilian Wehrle. Damit geht die Zeit der Uhrenherstellung endgültig zu Ende. Die Kinder von Emilian Wehrle wandern nach Amerika aus.

So übernimmt Julian, der Sohn von F.X. Wehrle, das Unternehmen. Er, der nicht nur Schreiner und Uhrmacher gelernt sondern auch die Musikschule besucht hatte, konnte mechanische Laufwerke herstellen. 1923 übergab Julian das kleine Unternehmen seinem Sohn Erwin, der ein neuer zukunftsweisendes Fabrikationsprogramm entwickelte. 1930 begann er mit der Herstellung von Bestandteilen für Wasserzähler. Damit ging die Entwicklung des Unternehmens wieder aufwärts. Mit der Bearbeitung von Reinnickel, ein Material, das beim Wasserzähler damals Vorschrift war, erreichte er große Erfolge. 1938 beschäftigte er schon 38 Mitarbeiter. Die Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde mit Kriegsfertigung überwunden.  Unglücklicherweise wurde der Betrieb von den Franzosen nach dem Kriege vollkommen demontiert.

Aber schon 1940 hatte sich Erwin Wehrle mit seiner Erfindung einer eigenen Spritzgussmaschine beschäftigt. Damit war mit dem Kunststoff eine neue Ära der Wasserzähler eröffnet. 1959 wird Eduard Herth, der die Tochter Friedhilde geheiratet hatte, Leiter der kaufmännische Abteilung. Erwin Wehrle stirbt 1971, seine Frau Renate übernimmt mit einem Herrn Vossler die Geschäftsführung. Da sie kinderlos  2001 stirbt, geht mit ihrem Tod der Besitz auf die Familie Herth über. Mit Georg Herth tritt 2002 die 5. Generation im Unternehmen an.

 

Freitag, 21. August 2026

Was verbirgt sich hinter den Wuhren im Südschwarzwald?

Heidenwuhr mit Abzweigung

Der südliche Schwarzwald ist eine typische Gletscherlandschaft mit tiefen Trogtälern und trockenen Hochebenen, aus denen das Wasser rasch abstürzt. Die Wuhren waren künstlich angelegte Wasserläufe mit geringem Gefälle, die das verhinderten. Aus den Hochebenen von 700 bis 800 m Höhe mit wasserreichen Gletschermulden wurden entwässert und trockene, tiefer liegende Gebiete mit wenig Wasservorkommen versorgt und für landwirtschaftliche Erzeugung nutzbar gemacht. Mühlen aller Art, Sägen, Hammerwerke, Dorfbrunnen oder später Gewerbe- und Industriebetriebe und deren Turbinen mussten mit Wasser versorgt werden. Es gibt 3 größere Wuhrensysteme

 

Heidenwuhr: 10 km lang. Beginnt in einer Wiese bei Atdorf als „Schneckenbach“. Der größte Teil des Baches wird unterhalb von Atdorf bei der „Hasnrütti“ gefasst und fließt in vielen Windungen zwischen Bergalingen und Willaringen durch, Jungholz und am Kühmoos vorbei. Schließlich auf den letzte 70 m durch einen Stollen in den Bergsee, und aus diesem wieder im Stollen heraus. Mehrere Kanäle dienten zur Versorgung einzelner Betriebe und das zog sich bis nach Bad Säckingen und als „Gießen“ zum Rhein hinunter. Der Bergsee diente seit 1805 als Ausgleichsbecken zur Gewährleistung einer konstanten Wasserversorgung.

 

Hännerwuhr: 11,5 km lang. Entnimmt nördlich von Hottingen aus der Murg Wasser (Parkplatz), führt es beim Dreispitz über die Wasserscheide, verläuft im Wald bis bis zur Wasserteile oberhalb Hänner und vereinigt sich in Oberhof mit dem Sägebach Bei Oberhof lief es sogar über Dämme, Brücken und über die Straße und führt bei Laufenburg in den Rhein. Die älteste Urkunde des Hännerwuhrs stammt von 1207 zwischen der Fürstäbtissin von Säckingen und dem Grafen von Habsburg. Den Unterhalt des Wuhrs wird heute von einer Genossenschaft geleistet.

 

Hochsaler Wuhr: 21,4 km lang. Sie beginnt im Quellgebiet der Murg südlich von Herrischried, Hogschier, bei Oberwihl wird sogar die Wasserscheide überwunden. Das Hochsaler Wuhr hat das Seltenwuhr als seitliches Wuhr zur Verstärkung der Wassermenge hinzu, und von ihr zweigt 1,3 km nördlich von Rotzel das Rotzelwuhr (1,8 km lang) mittels Wasserteiler ab. Das Rotzelwuhr vereinigt sich mit dem Andelsbach und fließt bei Laufenburg in den Rhein. Das Hochsaler Wuhr verzweigt sich dann nochmals in zwei Arme. Der eine fließt bei Luttingen, der andere bei Laufenburg in den Hochrhein. Die älteste Urkunde weist von 1335 des Klosters Säckingen auf eine „wasserfurte“ hin. Der Unterhalt der Wuhre leistet heute der Wasser- und Bodenverband „Hochsaler Wuhre“

 

Zu den drei genannten größeren Wuhrensystemen kommen neben anderen kleinen Wuhren noch das Rüsswihler Wuhr 2,7 km lang bei Rüsswhil südlich von Görwihl, hinzu

 

Eine technische Meisterleistung war sicher das Berauer Wuhr (ursprünglich 10 km lang), das als ehemalige Wuhr inzwischen wieder freigelegt wurde. Es führte Wasser der Mettnau nach Berau, um das Kloster Berau mit Wasser und zusätzlich zwei Mühlen zu versorgen. So wurde auf der Höhe mit Wasser aus der Mettma die Klostermühle angetrieben. Vieles spricht dafür, dass das Wuhr nicht 1117  mit dem Kloster errichtet wurde sondern aus der Bronzezeit stammt.

 

Das Wassersystem der Wuhren ist schon sehr alt. 1207 bestätigt eine Urkunde einen Vergleich  zwischen dem Kloster Säckingen und dem Grafen Habsburg-Laufenburg über den Wasserverbrauch aus dem Heidenwuhr. Die älteste Urkunde vom Hännerwuhr stammt ebenfalls von 1207, vom Hochsaler Wuhr von 1453.

 

Für die Verteilung des Wassers bestanden genaue Absprachen, die auf Holztafeln geschrieben waren und später als Wässerungsbriefe wichtige Dokumente der Eigentümer waren. Nach den Ortsvögten war der Wuhrenknecht der wichtigste Mann im Dorf und der Umgebung. Er wurde vom Wuhrenausschuß und dem Wuhrenmeister gewählt, eingesetzt und überwacht, denn die Einhaltung der seit Jahrhunderten geltenden Wuhrenordnung war die lebensnotwendige Voraussetzung für das Funktionieren der Wirtschaft im Hotzenwld.

Hännerwuhr mit entnahmestelle aus der Murg


 

 

Freitag, 14. August 2026

Was verbirgt sich hinter dem Hirschsprung im Höllental?

Hirschsprung im Höllental 1887

Im Dreisamtal führt die B 31 von Freiburg nach Hinterzarten hoch. Nach dem lieblich einladenden Himmelreich werden die Felsen immer höher und engen die Straße und Bach immer mehr ein. An der engsten Stelle, an der nur noch Straße und Bach Platz haben und Felsen beidseitig senkrecht herabbrechen, steht auf dem rechten Felsen ein bronzener Hirsch. Dem staunenden Besucher wird erzählt, dass der Hirsch da oben stände, weil er in seiner Not der Verfolgung durch Jäger und Hund den Sprung über das Tal gewagt hatte, um seinen Häschern zu entkommen. Ungläubiges Staunen bei den einen, ein prüfender Blick nach oben, um das Erzählte wegen der Entfernung nicht zu glauben.

In Wirklichkeit wurde der erste Hirsch aus Holz im September 1856 anläßlich der Hochzeit von Großherzog Friedrich II von Baden mit Luise von Preußen durch die Gemeinde Falkenstein aufgestellt. Das jungvermählte Paar besuchte die Insel Mainau und der Weg dahin führte über Freiburg, Höllental und Donaueschingen.

Der hölzerne Hirsch hielt bis 1874 den Stürmen und Regen stand und wurde anläßlich der Versammlung der deutschen Forstämter in Freiburg erneuert, denn diese unternahmen einen Ausflug ins Höllental. Vier Jahre hielt der Hirsch dem widrigen Wetter stand, bis ein kräftiger Sturm den morschen Hirsch vom Felsen fegte. Acht Jahre blieb der Felsen ohne Schmuck.

Zur Einweihung der Höllentalbahn 1887 durch den Großherzog Friedrich II musste natürlich ein neuer Hirsch wieder auf den Felsen. Neumann beschreibt die Stelle in seinem Buch “Der Schwarzwald”: Die Felsen treten von beiden Seiten sich so nahe, dass die Straße nur durch Sprengung neben dem Bach Raum gewinnen konnte, während die Bahnlinie der Bergwand in drei Tunnels durchbricht. Die Enge, der Hirschsprung, ist die großartigste Stelle des Tales und darf sich mit den wildesten Talschluchten aller Mittelgebirge an die Seite stellen.

Dieses Mal hielt der dritte hölzerne Hirsch bis 1904 bevor er durch Wind und Wetter zu Grunde ging. Der Initiative von Hermann Fauler, Mitbesitzer der Eisenwerke Freiburg und Falkensteig ist es zu verdanken, dass unter Mithilfe der Behörden und zahlreicher Unterstützer ein Hirsch in Kupfertreibarbeit 2 m hoch und 200 kg schwer 1907 auf den Felsen kam.

Dort hielt er erstaunliche Weise 103 Jahre die Wacht über den Hirschsprung, bis er 2010 im Zuge von Felssanierungsarbeiten vom Sockel geholt wurde, um aufgefrischt zu werden. Erstaunlicher Weise mussten die Schlosser feststellen, dass der Hirsch 35 Einschusslöcher aufwies. Diese stammten wohl von den vorbeiziehenden französischen Truppen, die 1945 ihre Siegesfreude am Hirschen auf dem Felsen ausließen.

Und nun wird den Besuchern auch weiterhin die Geschichte vom verfolgten Hirsch erzählt werden, der sich durch einen Sprung über das Höllental gerettet haben soll.



 

Freitag, 7. August 2026

Was verbirgt sich hinter den Giersteinen im Murgtal


Bermersbach ein Ortsteil von Forbach liegt auf einer Terrasse 160 m über dem Murgtal. Auf einem langgezogenen Bergrücken vom Dorf Richtung Murgtal liegen drei 7x4x4 m mächtige Forbachgranitfelsen. Sie sind rund geschliffen und voller Rillen, die aussehen, als seien sie vom Wasser hineingegraben worden, obwohl die Murg mehr als hundert Meter tiefer verläuft. Die rätselhafte Steine sind seit 1940 als geschütztes Naturdenkmal eingetragen.

 

Die bizarren Felsen haben natürlich die Phantasie der Bevölkerung und Besucher angeregt. Heidnisch sollen die Steine sein und als Opfersteine gedient haben, in deren Rillen das Blut der Tiere (oder Menschen) hinabgeflossen ist. Auch das Dritte Reich hat diese Felsen als Opfersteine oder germanische Kultstätte vereinnahmt. Die Sagenwelt glaubte den Teufel bemühen zu müssen, der die Ausbreitung des Christentums im Murgtal hier verhindern wollte und in seiner Wut über seine nutzlosen Bemühungen die Krallen in den Fels geschlagen habe.

 

Die Giersteine sind einem ehemaligen Einwohner von Bermersbach, Klaus Schmich, nicht aus dem Sinn gegangen. Er hatte von seiner früheren Wohnung aus beobachtet, dass zum Zeitpunkt der Wintersonnwende, am 21. Dezember, die Giersteine eine Kimme bilden, die ziemlich genau auf den Doppelgipfel des Kipf oberhalb von Gausbach zielt., wo am Tag der Wintersonnwende die Sonne aufgeht. Hinzu kommt, dass in den 1950er Jahren in unmittelbarer Nähe der Giersteine Feuersteinmesser aus der Steinzeit gefunden wurden. Deswegen besteht die Vermutung, dass die Giersteine eine heidnische Versammlungsstätte war.

 

Der Glazial-Geologe, Prof. Dr Dieter Ortlam, hat in ganz Europa viele Auswaschungen ähnlicher Art freigelgt. Er ist der Überzeugung, dass die Steine ein Produkt der Eiszeit seien. Von Skandinavien her schoben sich die mehrere hundert Meter dicke Eispanzer über Mitteleuropa und damit auch über den Schwarzwald. Er brachte nicht nur Findlinge mit sondern formte auch die Landschaft. Über den Bergspitzen brach der Inland-Eispanzer zu „Igelspalten“ auf und Gletscherwasser schoss in der Sommerzeit tagsüber kubikmeterweise durch die Risse. Wo es auf den nackten Fels prallte entstanden Auskolkungen, vorausgesetzt, das Wasser führte Sand und Kies mit sich und konnte ständig abfließen. So schliff und sprudelte es immer tiefere Löcher und Abflussrinnen aus dem Fels, die als Gletschermühlen bezeichnet werden.

 

Die schwer zugängliche Gegend um Forbach wurde jedoch erst im 14. Jahrhundert besiedelt. Erst 1725 tauchte die Bezeichnung „Gierstein“ in einem Schriftstück auf allerdings mit dem Zusatz „Irrstein“ in Klammern. 1753 erfolgte dann die Gewannbezeichnung „Gierstein“ in einem Art Grundsteuerverzeichnis.

 

Der Besucher kann das interessante Naturgebilde mit dem herrlichen Rundblick auf das Murgtal verbinden. In Bermersbach befindet sich in der Festhalle des Ortes unter Führung des Heimatvereins das Murgtalmuseum, das sich mit den Lebensumständen früherer Generationen in der Region beschäftigt.



Freitag, 31. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter dem vergessenen Zwieselberg?


Wer von Bad Rippoldsau Klösterle vom Wolftal die kurvenreiche L 404 nach Freudenstadt fährt, kommt nicht nur von Baden nach Württemberg sondern oben auf der Höhe ca 8 km vor Freudenstadt im großen Waldgebiet auf eine kleine Rodungsinsel: “Zwieselberg” steht auf dem Ortsschild. Wenige Wohnhäuser, kleine bis mittlere Pensionen, allerdings auch ein Hotel und eine kleine Fachklinik, ein kleines Kirchlein machen einen gepflegten, parkartigen Eindruck. Der idyllische Ort setzt sich aus Ober- und dem wesentlich kleineren Unterzwieselberg (4 Häuser) mit insgesamt 70 Einwohnern zusammen.

Was veranlasst Menschen in dieser Waldabgeschiedenheit sesshaft zu werden? Während im ältesten Kartenwerk des Herzogtums Württemberg, dem” Gadner Atlas von 1592” am oberen Ende der Rippoldsauer Steige, auf württembergischen Gebiet “Priorwald” eingetragen ist, wird der heutige Zwieselberg in den “Schmittschen Karten von 1797” als “Pfaffenwald” bezeichnet. Und genauso war es, in einem 1486 geschlossenen Tauschvertrag zwischen den Geroldsecker und Schenkenzell sowie dem Rippoldsauer Prior kam der Wald in den Besitz des Rippoldsauer Nikolai-Klosters. So kam württembergisches Land in fürstlich fürstenbergischen Besitz.

Seit jeher fristeten in den unwegsamen, riesigen Waldungen Glasmacher, Pottaschesieder, Harzer und Köhler ihr Dasein. Der steigende Holzbedarf führte auch im oberen Quellgebiet der Kinzig zur Flößerei. War ein Waldteil kahlgeschlagen, mussten die Holzfäller weiterziehen, denn eine Ansiedlung war nicht gestattet. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts besiedelten einige Österreicher dieses Gebiet in unmittelbarer Nähe der Landesgrenze. Ob sie vom Kloster angeworben wurden oder sich zufällig niederließen, ist nicht überliefert. Ganz im Gegensatz zu den Holzfällern beteiligten sich die Zwieselberger Kolonisten an den Waldarbeiten, betrieben aber nebenher etwas Landwirtschaft für den Eigenbedarf. Durch den ständig steigenden Holzkohlebedarf der Christophtaler Hüttenwerke konzentrierte sich die Siedler in und um den Pfaffenwald auf die Produktion von Holzkohle. In einer Karte von 1674 wurde bereits der Pfaffenwald als “Rippoldsauer Kohlwald” bezeichnet.

Durch die zwischen dem Rippoldsauer Priorat und den Siedlern geregelten Verhältnisse blieben die Waldarbeiter in der Einsamkeit des Zwieselbergs von jeder weltlichen Obrigkeit unbehelligt. Sie waren über Jahrzehnte weder politisch noch verwaltungsmäßig einer bestimmten Gemeinde zugeordnet. Dies änderte sich, als der Oberamtmann und Klosterverwalter Friedrich Diez aus Alpirsbach 1734 von der Siedlung erfuhr. Er war der Ansicht, das Kloster Rippoldsau habe zwar Holzrechte im Pfaffenwald, nicht aber Hoheitsrechte. Sie seien württembergischen Untertanen und damit Alpirsbach zinspflichtig. Er verlangte 1734/35 eine Erbhuldigung aller männlichen Einwohnern. Der Prior dagegen drohte den Bewohnern im Falle der Erbhuldigung Aufkündigung der Wohnplätze und Vertreibung. Es kam wie es kommen musste: Die Männer von Unterzwieselberg nahmen die Huldigung vor, die Männer von Oberzwieselberg blieben dieser fern. Das Forstamt Freudenstadt war für die Auflösung, da die Siedlung die Jagd behindere und den Wilderer nur Unterschlupf gewähren würde. Die herzogliche Regierung schlug die Auflösung der Siedlung vor, denn damit wäre der ganze Streit gelöst. Der Alpirsbacher Oberamt plädierte für den Verbleib, da die Bewohner seit über 40 Jahren ein Wohnrecht erworben hätten. Die Zwieselbewohner hatten schnell erkannt, am besten wäre es das Problem einfach auszusitzen.

Die württembergischen Einwohner von Zwieselberg waren Katholiken obwohl die Württemberger evangelisch waren. Deswegen mussten die Kinder nach Bad Rippoldsau zum Schul- und Pfarrunterricht hinab steigen. Erst 1859 gab es die Möglichkeit einer katholischen Kirche und Unterricht in Freudenstadt. Zugezogene evangelischen Kinder mussten aber noch 2 1/2 Stunden bis 1873 hinab nach Reinerzau laufen, da der Zwieselberg Reinerzau verwaltungsmäßig zugeschlagen worden waren. Erst Jahre später war für sie ein Schulbesuch in Freudenstadt möglich. 1937 erhielt Zwieselberg eine katholische Kirche 1926 wurden die Zwieselberger nach langem Drängen nach Freudenstadt eingemeindet: Als “Freudenstadt Parzelle Zwieselberg”.

Freitag, 24. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter dem Höllental bei Freiburg?

General Moreau 1796

Das Höllental ist ein tief eingeschnittenes, teilweise schluchtartigen Tal östlich von Freiburg und führt von dem einladenden Himmelreich (Ortsteil von Buchenbach) hinauf auf den Schwarzwald nach Hinterzarten. Am Ende von Himmelreich engt sich das Tal ein. Nach dem Felsen mit der Ruine Falkenstein und dem Bahnhof Hirschsprung verengen sich die bis zu 130 m hohen Felsen beidseitig zum Hirschsprung. Ein Stelle, an der nur Straße und Rotbach Platz haben, während die Bahnstrecke in Felsentunnels die Engstelle passiert. Auf dem rechten Felsen steht ein Hirsch, der angeblich über die Engstelle sprang, um dem verfolgenden Jäger zu entkommen. (Siehe: Was verbirgt sich hinter dem Hirschsprung im Höllental?)

Das Höllental hieß früher Falkensteiner Steige -nach den Herrschern der Region, die Falkensteiner, die ihren Wegezoll erräubert hatten. Seit dem 12. Jahrhundert war sie nur ein mühsamer, miserabler Maultierpfad.  Außerdem hatten die wilden Hochwässer des Rotbachs alle Anstrengungen zunichte gemacht. Deswegen wurde zur Kelten- und Römerzeit die Wagensteig .benutzt.

Die 9 m enge Schlucht, die sich Rotbach und Maultierpfad teilen musste, wurde 1638 von 2.000 französischen Soldaten als Karrenweg verbreitert. 1755 haben frohnende Bauern den Höllentalweg weidlich befahrbar gemacht. Für die Hochzeitsreise von Marie-Antoinette auf ihrem Weg von Wien, Donaueschingen nach Paris zu ihrer Hochzeit mit dem späteren französischen König Ludwig XVI wurde am Karrenweg 1770 erhebliche Felsensprengungen vorgenommen und zu einem holperigen Chausseeweg ausgebaut.

Höllental als Name gab dieser Schlucht ein französisches Revolutionsheer, das 1796 nach verlorener Schlacht das Tal der Hölle glaubte hinter sich zu haben. 40.000 französische Soldaten mussten mit ihren Pferden, Geschützen und Wagen den riskanten Rückzug durch die enge Falkensteiner Staig antreten. Damals erzählten die Soldaten, die glücklich Freiburg erreicht hatten, sie seien dem “Val d’enfèr, dem Tal der Hölle” entkommen.

1885 wurde die Höllentalbahn mit Tunnels durch die Engstelle des Hirschsprung gedrückt. 1887 fand die Eröffnung der Höllentalbahn unter Anwesenheit des Großherzogs Friedrich I statt. Der Förderer und Reichstagsabgeordnete Franz Josef Faller sollte die Begrüßungsrede halten, starb aber wenige Minuten vor seinem Auftritt an einem Schlaganfall. Die heutige Strecke wurde 1851-1901 ausgebaut. Die Kuriosum in der Geschichte der Höllentalbahn war: 1923 konnte die Rheintalbahn von Amsterdam nach Basel nicht befahren werden konnte. Die französische Armee hatte nach dem Ersten Weltkrieg Offenburg und Appenweier besetzt. So musste der Umweg ab Karlsruhe über Pforzheim, Horb, Villingen und Donaueschingen durch das Höllental nach Freiburg geleitet werden. So gab es in jener Zeit einen Schlafwagen Frankfurt – Hinterzarten. Nach der Engstelle weitet sich das Tal nochmals bei Höllsteig. Das Hofgut Sternen, in dem Maria Antoinette damals Kaffee trank, liegt am Eingang der romantischen Ravennaschlucht mit ihrem berühmten Viadukt über der Schlucht. Kurz zuvor die bekannte 1148 erbaute Kapelle St Oswald. In mehreren steilen und sehr engen Kehren windet sich die Straße die 400 Höhenmeter auch nach Hinterzarten. Wegen des starken Verkehrs vor allem dem Schwerlastverkehr ist der Falkensteigtunnel im Bundesverkehrswegeplan 2030 mit wenig Erfolg aufgenommen worden.

Höllental 1902 mit Ravennabrücke


 

Freitag, 17. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter der Dynastie der Goeringer von Bad Rippoldsau?

Otto Goeringer 1853-1920

Bad Rippoldsau unter dem Kniebis am Ende des Wolftales war nicht nur bekannt wegen seines Klosters, das 1148 urkundlich erwähnt wurde sondern wegen seinen Mineralquellen, die das Bad bekannt gemacht hatten.

 

Die Fürsten von Fürstenberg hatten keine Kosten und Mühen gescheut, um das Bad in Rippoldsau wieder zu neuer Blüte zu führen. Jedoch erwies es sich als schwierig, den richtigen und vor allem tüchtigen Pächter zu finden. Vor dieser Frage stand der Fürst wieder mal 1777.

 

Der Fürst von Fürstenberg glaubte in Franz Xaver Goeringer (1749 – 1818) aus Bühl einen tüchtigen Pächter gefunden zu haben. Ausgestattet mit einem 20jährigen Pachtvertrag ging er schwungvoll an die Arbeit. Er ließ die Quellen neu fassen, um die vorhandenen 150 Gästezimmer im Bad zu füllen. Um dies schneller zu erreichen, ließ er ein „Spiel-Casino“ einrichten und Tanzveranstaltungen veranstalten.

 

Sein Sohn Xaver Philipp  Jakob (1784 – 1821) übernahm das Erbe nach dem Tod des Vaters. Nach dem frühen Tod von Xaver Philipp Jakob übernahm sein Bruder Balthasar (1795 – 1865) das Bad, ebenso heiratete er die Frau seines Bruders mit ihren beiden Kindern. Sein Verdienst war der Erwerb des Bades in den Familienbesitz für 30.000 Gulden vom Fürsten von Fürstenberg. Er ließ die Geschichte von Rippoldsau aber auch ein französisches Werbeprospekt drucken, um das Bad bekannter zu machen. 45 Pferde brachten die Gäste von der Bahn in die frisch renovierten Räumlichkeiten oder mit der Kutsche nach Freiburg und Baden-Baden. Inzwischen gehörte der Großherzog von Baden, der Fürsten von Fürstenberg mit ihrem Gefolge neben den Bauernfürsten wie der Vogtsbur aus Kaltbrunn zu den regelmäßigen Gästen. Denn mittlerweile gehörte Rippoldsau nach Baden-Baden zu dem wichtigsten Kurort im Großherzogtum.

 

Da die Ehe von Balthasar Goeringer kinderlos blieb, übernahm Fritz (1817 – 1872) der Sohn von Xaver Phlipp Jakob das Erbe, der den Badeort weltbekannt machte. Blut- und Geldadel, Offiziere, Privatiers, Staatsmänner, Dichter und Gelehrte, Schwärmer und Philosophen gaben sich die Klinge in die Hand. Amerikaner und Russen kamen im Vierspänner von Baden-Baden auf Besuch. Um dem allem gerecht zu werden, baute Fritz Goeringer den Prachtbau „Fürstenbau“, bei dessen Erstellung die Badquelle gefunden und erschlossen wurde.

 

1872 übernahm Otto Goeringer (1853 – 1920) das Weltbad von seinem Vater und führte trotz des Krieges mit den Franzosen 70/71 dieses unverändert weiter. 1875 war die Königin von Schweden Mittelpunkt der Badgesellschaft. In den 80er Jahren waren die skandinavischen und niederländischen Monarchien ständig vertreten. Otto bot seinen Gästen neben den Kurmöglichkeiten: Billiardsaal, Tennisplätze, Croquetspielplatz, täglich dreimal Konzert im Freien usw, aber auch ließ er die Viktoria-Promenade“ an der Wolf anlegen. Ständig ließ er auch die Bauten erneuern, und 1908 baute er die „Villa Sommerberg“. 120 Bedienstete beschäftigte er während der Badesaison. Aber in der Zeit ab 1908 brachte dem Bad einen harten Existenzkampf, denn die enormen Kosten konnten nicht mehr erwirtschaftet werden. Otto Goeringer musste alles in eine Aktiengesellschaft umwandeln und zwei jüdische Bankiers beteiligen. Trotz allen Schwierigkeiten konnte Rippoldsau 25.024 Übernachtungen verzeichnen. 1920 verstarb der unvergessene Otto Goeringer.

 

1920 verkaufte die noch junge Witwe Julie Goeringer völlig überfordert ihre Anteile. In den 20er Jahren fraß die Inflation die Arbeit und Besitz von mehreren Generationen völlig auf.

 

Der Sohn Otto jun. wanderte daraufhin 1923 enttäuscht, verbittert und mittellos in die USA aus und kehrte nicht mehr zurück.