Freitag, 26. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter dem Vogel, der die Welt eroberte?

Kuckucksuhr 1790

Auf den nachgebauten ersten Schwarzwälder Uhren ist die Jahreszahl 1640 vermerkt. Dies ist aber reine Phantasie. Der erste Nachweis einer Schwarzwälder Uhr ist in einem Schreiben des Bergrichters Huber in Hofsgrund 1634 an den Bergverwalter Franz zu finden. Er habe dem Kaufmann Lichtenbahn in Basel ein “Ührlein” geschenkt. Das kann aber nicht als Ernst zunehmender Beweis angesehen werden.

Einer der ersten Schwarzwälder Uhren besaß im Jahre 1667 der Pfarrverweser von Neukirch, Peter Kalteisen, ein Mönch von St Peter. Er hat sie von der Familie Kreuz vom Glashof in Waldau erworben. Ein anderer Hinweis deutete auf Lorenz Frey, genannt Hackbretterlenz, wohnhaft in den Spirzen bei Himmelreich. Auch er baute Uhren. Und ein weiterer Hinweis führt nach St Georgen zu Simon Henninger, der hölzerne Unruhuhren fertigte. Er lebte um 1690.

Die ersten Nachbauten der Uhren hatten einen Balken als Waage und einen Stein als Gewicht. Aber sehr bald begnügten sich die Schwarzwälder Bastler nicht, das fremde Vorbild nachzubauen sondern bastelten an eigenen Wegen.

So trat um 1740 an die Stelle der Waage das Pendel, zuerst vor dem Zifferblatt als “Kuhschwanzpendel”. Mit der Zeit reizte es zu allerhand Erfindungen, die den Hang zum unterhaltenden Spielwerk verraten: Uhren mit beweglichen Figuren und Köpfen, mit rollenden Augen. Da gibt es “Männleuhren” in dutzenden Varianten: Kapuziner, die Glocken läuten, Bauern die Holz sägen und Schweine erschlagen oder aber grausig als “Enthauptungsuhr”. Aber damit war der Einfallsreichtum nicht erschöpft, denn neben den bewegenden Figuren kommen kurze Zeit später Musikuhren dazu. Am Ende stand die Spieluhr mit pneumatischen und mechanischen Musikwerken.

Prägend für die Uhrenentwicklung waren Mitte 1700 die Schottenuhren mit ihrem hochgezogenen Uhrenschild von Johann Dilger vom Schottenhof im Jostal bei Neustadt. Kleiner waren die Uhren von Jakob Herbstrieth aus Hinterzarten 1790 mit einem Durchmesser von 9,5 cm. Die Sorg Uhr 1830 von Joseph Sorg aus Neustadt schaffte es mit einem Durchmesser von 6 cm.

Zu den ersten Automatenuhren zählt die weltbekannte Uhr mit dem Kuckuck, die sein Türle öffnet, aus dem geöffneten Türle herauswippt, die Stunde ausruft und wieder verschwindet. Die erste Kuckucksuhr soll von Franz Ketterer, dem “Treyerfranz” (Dreher”, Bauer auf dem Höfle in Schönwald) 1730 gebastelt haben. Seine Idee holte er bei Beobachtungen des Blasebalgs an der Kirchenorgel. Seine ersten Uhren hatten Lackschild, Kuhschwanzpendel und zunächst unbewegliche Vögel ohne Türchen. Zur gleichen Zeit mit Ketterer fertigten auch der “Gosenmichele” (Michael Dilger aus Neukirch) und der “Jägerstieger” (Mathias Hummel” aus Waldau) Kuckucksuhren. Wer von den dreien den Vogel und Türchen beweglich gemacht hat, wird sich wohl nie aufklären lassen. Dagegen erzählte Georg Rombach aus Eschbach (1731-1804), wie er im Westen Nordamerikas einen Farmer und dessen Sohn in einer Kneipe erschreckte, als plötzlich der Kuckuck erschien und die Stunde schlug. Die beiden hielten das für Zauberei.

Im letzten Jahrhundert wechselte die Kuckucksuhr oft die Form. Leider ist sie hierbei immer kitschiger geworden. Wir begegnen ihr als Rahmenuhr mit Hinterglasmalereien. 1858 hat die Furtwanger Uhrmacherschule Versuche aufgenommen, den Kuckuck durch andere Tiere zu ersetzen: meckernde Ziege, bellender Hund oder einen schreienden Esel. Nichts hat sich durchgesetzt. Eine entscheidende Änderung ergab sich bei der Kuckucksuhr durch eine Ausschreibung der Furtwanger Uhrmacherschule, da diese um 1850 nach neuen Formen suchte. Hier setzte sich als Vorbild die Bahnhäusle entlang der neuen Eisenbahnstrecken von Friedrich Eisenlohr durch. Auf den rechteckigen Zifferblattträger kam ein gleichschenkliges Dreieck als Dach. Die Form der Bahnhäusleuhr war geboren. Schmuckwerk in Form von Blumen, Blätter wurden mit Jagdstücken ergänzt. Heute gibt es Kuckucksuhren mit bewegenden Figuren und Musikwalzen mit Melodien wie “Die Mühle im Schwarzwald”.

Der grüblerische verspielte Sinn des Wälders zeitigte auch seine beste Leistung, die astronomische Uhr. Bereits um 1760 brachte Capar Dorer vom Reinerhof in Schönwalda als erster den Lauf von Sonne, Mond und Sterne an seinen Uhren. Thaddäus Rinderle, Mönch des Klosters St Peter, krönte diese Bemühungen mit einer astronomisch-geographischen Uhr 1787.

Astronomische Uhr Rinderle 1787


 

Freitag, 19. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter dem Hotel Sarbacher in Kaltenbronn?


Kaltenbronn ist eine Häusergruppe, die zum Ortsteil Reichenbach eingemeindet nach Gernsbach gehört. Schon diese Beschreibung gibt Auskunft, dass es ein abgelegener Zipfel an der Passhöhe Schwarzmiss der Landstraße von Gernsbach-Hilpertsau und Bad Wildbad-Sprollenhaus sein muss. Inmitten dem Naturpark SchwarzwaldMitte/Nord und Landschaftsschutzgebiet Mittleres Murgtal - ein einzigartiges Hochmoorgebiet mit den beiden Holohseen und den Horn- und Wildseen. Wie konnte ein Kurhotel neben dem Forsthaus und dem Naturpark-Infozentrum den Weg in diese entlegene Region schaffen?

Für die frühere Obrigkeit war nicht die Naturschönheit dieser einmaligen Gegend interessant sondern die Jagd – genauer die Auerhahnjagd. Es war nicht verwunderlich, dass der damalige Markgraf von Baden sich ein Jagdhaus für die jährliche Auerhahnjagd bauen ließ. Was natürlich in dieser gottverlassenen Gegend zu erwarten war, es wurde eingebrochen und die Wilderer hausten in den Räumlichkeiten. Um Abhilfe zu schaffen, wurde dem aus Tirol eingewanderten Holzfäller, Mathias Heiter, 1761 erlaubt in den Räumlichkeiten zu wohnen und nach dem Rechten zu schauen. Um dem Ehepaar ein zusätzliches Einkommen zu ermöglichen, wurde ihm der Weinausschank genehmigt. Zusätzlich brannte er Enzianschnaps in einer kleinen Brennhütte. Einmal im Jahr, wenn der Markgraf zur Jagd kam, zog er mit der Famile so lang in die muffige Brennhütte. 1794 brannte das Jagdhaus ab.

Die Großherzogliche Verwaltung konnte die Brandruine 1808 abreißen lassen. In den folgenden Neubau zog der Waldhüter und Beijäger Fritz mit Familie ein. Als der Großherzog wieder Freude an der Auerhahnjagd bekam, wurde ein sehr großzügiger Anbau für den Großherzog und Gefolge gebaut. Für die Familie des Waldhüters gab es bald Gelegenheit, den kargen Lohn des Beijägers aufzubessern. Denn ganz im Zeitgeist der Romantik suchten Adel und Bürgertum die Naturidylle – dafür bot sich das Holohgebiet mit seinen Mooren und Seeen an. Zusätzlich wurde auf dem Holoh 1856 ein 15 m hoher Holzturm als Ausichtsgelegheit errichtet.

Dem Großherzog ging der Kontakt mit Reisenden, Kurgästen, Forstbeamten und Jagdgästen mit der Zeit zu weit, denn 1870 ließ er gegenüber ein großherzogliches Jagdhaus erbauen. Auch der Jagdhüter bekam sein eigenes Domizil. Für das leerstehende Gebäude musste nun eine neue Verwendung gefunden werden. Da der Fremdenverkher sich positive entwickelte, bot sich eine Gastwirtschaft an. Die Forstverwaltung hatte Interesse, das der neue Pächter vier Pferde hält, um für den Forst Fuhrdienste übernehmen zu können.

Aber das Problem mit den Pächtern war, dass sie entweder gute Wirte oder lautstarke Fuhrleute waren. Aber beides ließ sich nicht gut vereinen, obwohl der Fremdenverkehr zunahm, denn 1897 wurde der Holohturm gebaut und mitlerweile hatte der Schwarzwaldverein den Westweg über den Holoh geschaffen.

1905 übernahm endlich mit Franz Mast aus Forbach ein Fachmann die Pacht auf dem Kaltenbronn, er als gelernter Koch und Konditor. Mit Pferden konnte er auch umgehen, denn er musste im Winter mit diesen die Wege räumen. Eine neue Saison hatte sich mittlerweile aufgetan: 1896 wurde der Ski-Club-Pforzheim gegründet. Plötzlich kam das Laufen mit den hölzernen Schneeschuhen in Mode. Mast hatte nun ganzjährig mit dem Fremdenverkehr zu tun – unterbrochen nur durch die beiden Welkriege. 1945 maschierten die Franzosen über das Murgtal ein, waren überrascht hier oben in der Einöde ein funktionierendes Gasthaus mit einem ordentlichen Weinvorrat zu finden. Leider konnte nie geklärt werden, warum der erfolgreiche Wirt, Franz Mast, von Kugeln durchsiebt am Kegelbach verbluten musste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Anwesen auf dem Kaltenbronn in Trümmern. Doch wider Erwarten war Andreas Sarbacher aus Reichental bereit, das Anwesen bewohnbar zu machen und begann 1949 mit einem provisorischen Ausschank. 1951 war es soweit hergerichtet und erneuert, dass das Kurhotel Sarbacher eröffnet werden konnte. Und dieses Erfolgsstory konnte in der Familie bis heute fortgeführt werden.

Freitag, 12. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter 192 Jahre Ketterer Getriebe?

Benedikt 1805-71

Zwei junge Uhrmacherbrüder, Benedikt (1805-1871) und der jüngere Martin Ketterer vom Philippenhof in Vöhrenbach-Langenbach waren bereit nach England zu gehen, um als Uhrmacherhändler das große Geld zu verdienen, denn die Schwarzwälderuhren waren zur Zeit der Industrialisierung in England sehr gefragt. Die entstehende Arbeiterschaft konnte sich nicht die teuren Metalluhren aber die billigen Schwarzwälder Holzuhren leisten. Der Anteil am elterlichen Hof diente als „Existenzgründungskredit“. Sie gründeten 1832 in Portsmouth das Unternehmen „Ketterer & Co“. Schon nach 10 Jahren kehrte Benedikt als wohlhabender Unternehmer nach Langenbach zurück, löste seinen Kredit ab und baute in Furtwangen eine Uhrenwerkstatt. Vierzehn Jahre später folgte ihm sein Bruder Felix, sie gründeten „Benedikt Ketterer & Söhne“

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Schwarzwälder Uhrenmarkt wegen den Konkurrenzverhältnissen immer schwieriger. Da zu jener Zeit der Gasverbrauch für Heizung und Beleuchtung stieg, erinnerte Benedikt Ketterer sich an die Gaszähler, die er aus seiner Englandzeit kannte. Schon 1851 verkaufte Benedikt Ketterer seine selbstkonstruierten Gaszähler an die Stadt Freiburg. Zwanzig Jahre später kamen mit dem Aufbau der öffentlichen Wasserversorgung die Wasseruhren hinzu.

Felix 1847-1911

Nach dem Tode von Benedikt Ketterer 1871 übernahm sein ältester Sohn Felix (1847-1911) zuerst mit seiner Mutter Klara das Unternehmen, denn zusätzlich hatte er 1870 mit dem Aufbau einer Regulatorenfertigung begonnen, in der er arbeitsteilig Uhren produzieren ließ. Sie ging 1900 in der bekannte „Badische Uhrenfabrik“ –auch „Baduf“ genannt- auf, deren Teilhaber und technischer Direktor er wurde.

Aber auch die vom Vater übernommene Firma „Benedikt Ketterer Söhne“ entwickelte sich unter seiner Leitung zum größten Arbeitgeber in Furtwangen und beschäftigte 396 Mitarbeiter. Die Fabrikation von Zähl- und Registraturwerken sowie Armaturen für Gas-, Wasser- und Elektrizitätsmesser wurde systematisch weiter ausgebaut. Beispielsweise kamen selbstkassierende Gasverkäufer 1912 hinzu d. h. sie gaben gegen Münzeinwurf eine bestimmte Menge Gas frei.

Als die Kapazitäten der Wasserturbine nicht mehr die Stromversorgung der Produktion garantieren konnte, erwarb Felix Ketterer 1890 die „Rote Mühle“. Er ließ dort ein Turbinenhaus errichten. Die 1100 m bis zu den Werkstätten wurden mit Leitungsdrähten überspannt, die von 27 Stangen gehalten worden sind. Die Badische Regierung hielt die Anlage für sehr gefährlich. Aber siehe da, die angeschlossenen Maschinen liefen an, die Werkshallen glänzten im hellsten Licht. 1898 wurde das heute restaurierte Fabrikgebäude erbaut. 1893 kam der Eisenbahnanschluss der Bregtalbahn hinzu. Über sie wurde nicht nur exportiert sondern auch Ruhrkohle importiert. Das ermöglichte eine Tiegelgießerei. Dieses florierende Unternehmen wurde 1944 an die drei Söhne von Oskar Ketterer verkauft. Einer der Brüder, Lothar, erwarb die Anteile der Brüder und dessen Sohn Bernhard formte den Weltmarktführer „Ketterer Druckguss“.

Oskar 1881-1944

Aber nun zurück zu „ Ketterer Getriebe“, der Sohn von Felix Ketterer, Oskar (1881-1946), wurde in der Uhrmacherschule in Furtwangen in der Konstruktion und Bau von Elektrizitätszähler ausgebildet. Schon 1901 wurden die ersten Stromzähler ausgeliefert. Das führte zur Deutschen Zählergesellschaft 1924, die in Furtwangen und später in Vöhrenbach Zähler produzierte. Weiterhin baute er noch die „Ketterer Galwanik“ in Furtwangen und eine Gaszählerfabrik in Karlsruhe. 1911 wurde der Schwager von Oskar Ketterer, Ernst Hepting, in die Geschäftsführung aufgenommen. Im wachsenden Unternehmen kam Anfang der 20er 
Jahre ein weiterer Schwager, Emil Jäger, dazu. Die von Ihm vorgenommen Ausflüge in die Radiotechnik wurde aber wieder zugunsten der Getriebetechnik aufgegeben.

Heute produziert Ketterer Söhne seit 1984 unter der Leitung von Odin Jäger alles, was mit Getrieben zu tun hat, von der Jalousie über die Markise zu den höhenverstellbaren Schreibtischen oder Sondergetrieben für Operationsmikroskopie und Krankenstühlen.

 

 

 

Freitag, 5. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter dem Gassenfeger "Schwarzwaldmädel"?


Vor 75 Jahren wurde der erfolgreichste Film überhaupt über und mit dem Schwarzwald sowie seinen Trachten in die Kinos gestellt. Im Laufe der Jahre hat er 16 Mio Zuschauer begeistert und erwies sich als der erfolgreichste Gassenfeger aller Zeiten. Ursprünglich war er die Verfilmung der gleichnamigen Operette von Leon Jessel. Sie war schon dreimal ohne nennenswerten Erfolg verfilmt worden (1920, 1929 und 1933).

Aber kurz nach dem 2. Weltkrieg, nach Leid, Entbehrung und Hunger traf der Film die richtige Grundstimmung der Bevölkerung. Als erster Farbfilm mit seinen farbenträchtigen Trachten und den Schwarzwälder Erholungslandschaften vermittelte der Film die Sehnsucht nach Frieden, Erholung und einfach nach besseren Zeiten. Der Kassenreißer war ab 1950 nicht nur in deutschen Kinos zu sehen sondern auch in Frankreich, 1953 in Portugal und 1955 in der damaligen DDR.

Sonja Zimmermann, Rudolf Prack und Paul Hörbiger in den Hauptrollen drehten den Film im Juni mit der herrlichen Kulisse von St Peter, mit seinem ehemaligen Benediktienerkloster und barocken Klosterkirche – heute Pfarrkirche. In der lieblichen Umgebung blühten zu jener Zeit die Obstbäume, der Blick schweifte bergaufwärts zum höher gelegenen ehemaligen Kloster St Märgen und dem Feldberg. Weitere Drehorte waren Baden-Baden und Garmisch sowie immer wieder Landschaftsaufnahmen vom Schwarzwald. Alle Innenaufnahmen wurden in den Studios der UFA Berlin-Tempelhof gedreht.

Im Mittelpunkt standen die farbprächtigen Trachten des Schwarzwaldes und hier vor allem der rote Bollenhut. Die beschwingten Operettenlieder, die üppigen Revueeinlagen und aufwendigen Kamerafahrten durch eine zauberhafte Schwarzwaldlandschaft machten den Film legendär. Garniert wurde dies mit einer Eisrevue und Bauerntanz, Bühnenball, Spielbankszenen in Baden-Baden, einem schwäbischen Volksfest und erstmals in Farbe einen Trachtenumzug. Die Handlung, eine Dreieckgeschichte sorgt für Verwicklungen, doch die harmoniesüchtige, heitere Welt endet als happy end –und die Geigen erklingen dazu.

Zur Premiere des Films am 7. September 1950 im Universum-Lichtspiel-Theater in Stuttgart erschien Sonja Zimmermann in einer zusammengewürfelten Schwarzwälder Tracht und einem roten Bollenhut. Die Schwarzwaldmaler Hasemann und Liebig sowie der Film vermittelten den Eindruck, dass der rote Bollenhut Schwarzwälder Tracht sei. Dieser wird allerdings nur in Gutach, Reichenbach, einem Ortsteil von Hornberg, Kirnbach einem Ortsteil von Wolfach und nur von unverheirateten Frauen getragen. Die verheirateten Frauen tragen einen schwarzen Bollenhut.

Das ZDF brachte 1973 mit dem Wagner-Sänger, Wolfgang Windgassen, und der amerikanischen Sopranistin, Janet Perry, sowie Dick Laan in den Hauptrollen den Film „Schwarzwaldmädel“ ins Fernsehen. Diesmal haben die Kirnbacher Kurrende (Bollenhut), die Volkstanzgruppe Oberwolfach, Trachtenkapelle St Ulrich und die Freiburger Domsängerknaben mitgewirkt.

Der Film „Schwarzwaldmädel“ erhielt 1951 ein Bambi für den geschäftlich erfolgreichsten Film. Die Filmkulisse von St Peter war von da an in aller Munde. Unzählige Touristen zog es nach St Peter und zum ehemaligen Kloster. Als 1993 Frau Ziemann anlässlich der 900 Jahrfeier des Ortes in St Peter logierte, wurde sie unter großem Beifall und in Begleitung der Dorf- Honoratioren vom Ortszentrum zum Festplatz mit der Kutsche gefahren.



Freitag, 29. Mai 2026

Was verbirgt sich hinter dem Feldberg - Teil 2?

Feldberg vomSchauinsland

Nach dem der 2. Weltkrieg beendet war, wurde natürlich der Feldberg von französischen Truppen, wie auch Hotels und Gaststätten, besetzt und erst nach Jahren freigegeben. Der Feldbergerhof wurde nach langwierigen Verhandlungen 1952 an den Besitzer zurückgegeben.

Langsam kam auch das Skifahren wieder auf. Den ersten Skilift auf dem Feldberg betrieb die französische Besatzungsmacht auf der Grafenmatt als Schlittenaufzug. Nur mit Mühen konnte die deutsche Behörden den Abbau der gefährlichen Anlage 1950 durchsetzen, da sie in keinster Weise den Vorschriften entsprach. 1951 wurde eine Schwebeseilbahn vom Feldbergerhof zum Bismarckdenkmal eingeweiht. 1952 kam ein Schlepplift auf der Grafenmatt dazu. Heute sind es 15 Lifte am Feldberg, die der Skifreizeit dienen.

Kaum hatten sich die Verhältnisse einigermaßen normalisiert, ging die Gemeinde Menzenschwand mit einem Gesuch 1950 an den damaligen badischen Staatspräsidenten Leo Wohlleb: Auflösung der Gemeinde Feldberg, da sie immer gegen diese Gründung waren und erhebliche Einbußen ohne entsprechenden Ausgleich gehabt hätten. Dem schlossen sich die Gemeinden Todtnau, St Wilhelm, Zastler und Bernau an. Allein Hinterzarten hielt sich zurück. Bis Mitte der 50er Jahre dauerten die Verhandlungen und Abfindungen bis die Zufriedenheit einkehrte, der Fortbestand der Gemeinde Feldberg gesichert war.

Mit geordneten Verhältnissen wurde auch wieder das traditionelle Viehhirtenfest auf den Hütten des Feldbergs gefeiert. 1945 hatten die Familie Kunz von der Todtnauer Hütte aus Dankbarkeit über die Heimkehr des Sohnes aus dem Krieg eine Waldkapelle, die Lautentiuskapelle, errichtet. Dort findet zum traditionellen Laurentiusfest am 10. August ein Feldgottesdienst mit dem Freiburger Erzbischofs statt.

Leider forderte auch die einstige Besatzungsmacht Unterstützung für sich. 1953 war eine 25x25 und 50 m hohe Richtfunkantenne der amerikanischen Sttreitkräfte neben dem Feldbergturm erbaut worden. Diese wurde 1968 durch zwei riesige “Ohren”, eine NATO-Radaranlage, ergänzt, mit der man weit in den Ostblock hineinhören konnte. Sie wurden 1998 abgebaut und das Gelände renaturiert.

1959 verkaufte der Schwarzwaldverein den Friedrich-Luise-Turm an die Bundesvermögensverwaltung. Diese baute einen neuen, dritten 45 m hohen Turm, der für Radio und Fernsehen durch den Südwestfunk genutzt wurde. Aber wegen den technischen Fortschritten wurde 2003 ein neuer 82 m hoher Stahlbetonturm jetzt aber auf dem Feldberg selbst gebaut. Der alte Turm wurde nicht abgerissen und an die Gemeinde Feldberg verkauft. Dieser wurde dem Tourismus erschlossen und erhielt im 11. Stock eine Aussichtsplattform.

Gott sei Dank wurde bis heute Gleitschirmfliegen und Windkraftanlagen auf dem Feldberggebiet verboten.

1935 bis 1939 waren im Feldberggebiet Gämsen ausgewildert worden. Ein Bestand von 250  Gämsen hat sich bis heute eingependelt. Allerdings hat sich die Gämse auch auf andere Gebietei m Schwarzwald ausgedehnt. So wurden auch Gämsen im Schrambergergebiet, im Wolftal, im Gebiet Rottweil, ja bis Raum Pforzheim gezählt. Seit 2012 wurde auch ein Wolf im Gebiet Hinterzarten/Feldberg nachgewiesen.

Freitag, 22. Mai 2026

Was verbirgt sich hinter dem Feldberg - Teil 1?

Feldberg vom Schauinsland

Der Namen “Feldberg” ist erstmalig 965 in der Klosterchronik von St Blasien als “Veltperch” zu finden. Ansiedlungen im Feldberggebiet waren 1130 beim Feldsee oder 1238 als Kloster im St Wilhelminer Tal zu finden. Ab dem frühen Mittelalter diente der Feldberg als ertrageiches Weidefeld. 1365 zahlte der Vogt von Todtnau einen Gulden für das Weiderecht. Im Laufe der Jahre bauten die umliegenden Gemeinden Viehhütten auf dem großen Rücken des Feldberges. So entstanden allmählich die Todtnauer, St Wilhelminer, Zastler, Baldenweger und Menzenschwander Hütte in der Einsamkeit des Berges. Begünstigt wurde der Weidebetrieb in jener Zeit durch den großen Holzverbrauchs des Bergbaus und vor allem der Glashütten. Vereinzelt verirrten sich auch Besucher auf den Feldberg, wie Fürstabt Gerbert von St Blasien 1783 in seiner Schrift “Historia Nigrae Silvae” verriet. In dieser beschrieb er nach der ersten Nacht, wie er und seine Begleiter mit “einer schleunigsten Flucht über den rauhen, jähen und steinigen Rücken des Berges zu fliehen hatten”.

Geordnete Besucherzahlen waren erst mit dem Bau eines Karrenweges 1848/49 von Todtnau, Zeiger, Bärental nach Altglashütten möglich. So kam zugleich die Überlegung der Feldberggemeinden auf, anlässlich der Vermählung des Großherzogenpaars in Erinnerung einen Turm zu bauen. 1858 stand der 12 m hohe “Friedrich-Luise-Turm”auf dem Gipfel. Damit war der Bann gebrochen:  1863 wurde mit dem Bau des Feldbergerhofs begonnen, dessen erster Pächter Augustin Mayer aus Menzenschwand war. Während der einsamen Wintermonaten auf dem Feldberg wird berichtet, dass er oft mit seinen beiden Bernhardiner Hunden unterwegs war, um Verirrte und Vermisste zu suchen.1864 wurde der Badische Schwarzwaldverein in Freiburg gegründet.1885 wurde eine neue Straße von Todtnau zum Feldberg gebaut, die erst 1934 eine Teerdecke erhielt! 1887 wurde die Höllentalbahn eingeweiht, so dass durch die verbesserte Infrastruktur die Sommerfrischler zunahmen. 1896 wurde ebenfalls auf dem Seebuck das Bismarck-Denkmal in Gedenken an den ehemaligen Reichskanzler Bismarck errichtet.

1891 wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen, denn der französische Diplomat Dr Pillet fuhr mit seinen Schneeschuhen auf dem Feldberg. Ein erschrockener Bauer fragte ihn, wo er das Fasnetskostüm wohl her habe. Damit war die Wintersaison eröffnet. In deren Folge entstanden weitere Gasthäuser: Hebelhof 1907, 1914 Jägermatt und 1924 das Caritas-Haus. 1913 war ein neuer 21 m hoher Turm wieder auf dem Seebuck des Feldbergs vom Schwarzwaldverein erbaut worden, nachdem Todtnau 1877 sich weigert hatte für die Reparaturkosten weiter gerade zu stehen. 1913 war zur Überraschung der Besucher Artur Faller mit einem Doppeldecker auf dem Feldberg gelandet. Glücklicherweise wurde der Expansion Einhalt geboten, denn 1937 wurde der Feldberg unter strengen Naturschutz gestellt.

Schwierig für die Entwicklung des Fremdenverkehrs auf dem Feldberg war, dass verschiedene Gemeinden hier zusammenstießen: Bernau, Brandenberg, Hinterzarten, Menzenschwand, St Wilhelm, Todtnau und Zastler. Was nur in Zeiten des 3. Reiches möglich war, geschah 1939. Mit einem Federstrich wurden den Gemeinden 805 ha Gelände -nämlich das Feldberggebiet- ohne zu fragen enteignet und die Gemeinde Feldberg aus der Taufe gehoben. Ansprüche der Gemeinden sollten später geregelt werden. Denn auf dem Feldberg sollte Großes entstehen. Eine 20 km lange Untertunnelung des Feldberges vom Wiesental bis zur Dreiseeenbahn mit einem unterirdischen Bahnhof bei der Menzenschwander Hütte, sollte die Voraussetzung für ein “St Moritz des Feldbergs” sein. Hotels, Sportsiedlungen mit Olympischen Dorf, Freibad, Eislaufstadition und Rathaus sollten den äußeren Rahmen geben. Der Zweite Weltkrieg brachte viel Leid und Zerstörung, aber wenigstens hat er diese gigantischen Pläne verhindert.

Donnerstag, 14. Mai 2026

Was verbirgt sich hinter der Fürstlich Fürstenbergischen Glashütte Seebach?

Glasbläserei 1820

Die klassischen Glashütten zählten acht bis zehn Glasbläser, die pachteten von der Obrigkeit einen Bezirk Wald zum Ernten des Holzes, stellten Holzfäller, Schürer und Pottaschesieder an und entrichteten ihren Obolus immer gemeinsam. Aber jeder Glasbläser hatte seinen eigenen Ofen und vertrieb die Glaswaren über Glasträger auf eigene Rechnung. Später entwickelten sich auch Unternehmerglashütten. Die Glashütte vor Seebach sollte einzigartig im Schwarzwald eine Dienstleistungs-Glashütte werden.

Ausgangspunkt aller Überlegungen waren die riesigen Waldungen des Fürsten von Fürstenberg im Seebachtal und dem heutigen Glaswaldsee 5 km unterhalb von Bad Rippoldsau im Wolftal. Graf Albrecht zu Fürstenberg hatte der Stadt Straßburg 100.000 Klafter (300.000 m³) Brennholz angeboten aber keine Kaufzusage erhalten. Die Sorge der Verwendung des Holzes drückte den Grafen sehr. Außerdem hatte er zusätzlich Sorgen wegen der Verhältnisse in seinem „Sauerbrunnen“ in Rippoldsau. Hier bedurfte es einer ordnenden Hand. Vielleicht ließe sich beide Probleme miteinander lösen, überlegte der Wolfacher Oberamtmann Branz und verfolgte die Idee einer Glashütte vor Seebach. Ein lediger Glasbläser muss her, der auch die Tochter des Rippoldsauer Bademeister Jergen Schmidts heiratet, um diesen auch noch ersetzen zu können.

Branz fand schließlich einen jugendlichen Glasmacher namens Haug, dessen Eignung war zumindest nicht verheiratet zu sein. Mit diesem wanderte er 1587 das Seebachtal hinauf, um dessen Eignung zur Herrichtung eine Glashütte zu erkunden. Denn so könnten „hauß und güeter nit in fremde händ kommen“. Aber Haug erklärte dem Oberamtmann, „es sey viel zu winterlich und das Tdall auch zu eng; er besorg, man wirde auch mangel an sandt haben. Holz sey sonst genuog vorhanden“.  Ob der Eindruck von Jergen Schmidts Tochter auch das Urteil des jungen Glasmachers beeinflusst hatte, ist nicht überliefert. Auf jeden Fall wurde die Idee einer Glashütte für die Botteln des Sauerbads nicht mehr aufgegeben.

Erst 100 Jahre später erzählen die Akten wieder was über die Glashütte vor Seebach. Wie erwartet erwiesen sich die Arbeitsmöglichkeiten als ungünstig, so dass der damalige Glasmacher sich mit seinen Klagen an den Grafen Maximilian Franz in Stühlingen wandte. Die Holzversorgung war so schlecht, dass der Graf 1681 die Saumseligkeit des Hüttenmeisters  Peter Schmidt für die Beschaffung der nötigsten Roh- und Betriebsstoffe rüffelte und auch die Bereitschaft des Wolfacher Oberamts tadelte, der Hütte die nötigen Holzarbeiter zur Verfügung zu stellen.

Um alle Probleme zu lösen und um die Ertragskraft schlesischer Glashütten zu erreichen, wurde 1681 ein einzigartiger Dienstleistungsvertrag mit dem Glasmacher Johann Sigmund von Ellwangen geschlossen. Er wurde zum Glasschreiber für vier Stände der Seebacher Glashütte bestellt und war durch einen Eid an den Landesherrn gebunden. Meister wie Helfer waren allesamt Angestellte des Grafen und mussten ihren Erlös abgeben. Als jährliche Besoldung erhielt Johann Sigmund neben der Wohnung und Besoldung fünfzig Gulden und Korn von  der Wolfacher Schaffnei. Diese Organisationsform sollte 3 Jahre halten und war dem Bergbaubetrieb nachgebildet.

Nach dem Tode des Grafen verpachtete seine Frau die Glashütte 1684 an den Physikus der Herrschaft Kinzigtal, Dr Chorhummel und Johann Vogt aus Wolfach. Die Pacht sollte bis Ende 1687 dauern. Die Lösung die Glashütte an Unternehmer zu verpachten kann nicht lukrativ gewesen sein. Aus Unterlagen geht hervor, dass die Glasmacher Thomas Sigwarth und Samuel Staadler die Hütte für nur 30 Gulden Jahreszins gepachtet hatten. Wie lange die Hütte noch nach 1688 in Betrieb war ist nicht bekannt. Ein erneuter Versuch 1795 eine neue Hütte zu gründen, wurde auf Grund der gemachten Erfahrungen vom Fürsten abgelehnt.

Schwarzwälder Flaschen Museum Triberg