| Kloster St Blasien 1874 |
Vor 1789 glaubte man, dass in den Schwarzwälder Klöster die Welt noch in Ordnung gewesen sei. Die Mönche pflegten das Gebet und Gesang, forschten, lehrten und widmeten sich der Wissenschaft. Überall entstanden im 18. Jahrhundert Neubauten der Klöster, ohne dass diese notwendig gewesen wären. Die neuen Klosterbauten St Trudpert, St Peter, St Blasien, St Märgen, St Ulrich, Tennenbach, Gengenbach, Ettenheimmüster, Lichtental und Frauenalb sahen wie Schlösser aus, wurden aber zu Ehren Gottes gebaut. Dabei dienten sie der Hofhaltung der Äbte wie weltliche Herrscher und dementsprechend wurde getafelt. In St Blasien tranken sie aus silbernen und vergoldeten Bechern, der Abt von St Trudpert ging zur Jagd, der von St Peter trug eine Bibliothek wie ein Herrscher zusammen.
Mit Beginn der
französischen Revolution 1789 gelangten auch auf den Schwarzwald bald die
Schockwellen. Die Äbtissin von Frauenalb benötigte militärische Hilfe, um ihre
Untertanen zu besänftigen. Ebenso in Ettenheimmünster begehrten die Untertanen
gegen den Krummstab auf. Vor den Toren des Klosters Allerheiligen zogen
bewaffnete Bauern auf. Auf dem Hotzenwald waren die Salpeterer zwischen 1727
und 1755 in drei Kriegen schon gegen das Kloster St Blasien gezogen und nur
brutale Gewalt des Hofes in Wien stellte die Ordnung wieder her. Die Welt der
Klöster war in Unordnung geraten. Verschlimmert wurde es in Vorderösterreich
durch die Reformen der Klöster von Kaiser Joseph II: Klöster ohne
Erziehungsauftrag sollten aufgelöst werden. So berichtet der Abt von St Peter
1782, dass die Klarissinnen zu Freiburg ihre weltlichen Kleider anziehen und
das Kloster verlassen müssen. Die Kartäuser laufen schon lange mit Perücken und
Weltkleider herum. Aber der Riss reichte mitten in die Klöster hinein. In den
Konventen machten sich Unruhen bereit, denn die Gerüchte, dass die Klöster
aufgelöst werden würden, machten sich breit.
Die ohnehin
vorhandene Spaltung wurde durch die vielen französischen Flüchtlingen
verstärkt, da diese in den rechtsrheinischen Klöstern Zuflucht suchten. So
berichtete Abt Speckle, dass es in Freiburg nur so von Emigranten wimmelte. Der
größere Teil diente nicht der Sittenverbesserung. Die Geistlichen sind
Müßiggänger, die übrigen behaupteten noch ihren Adelsstolz mit all den
negativen Begleiterscheinungen. Im Kloster Ettenheimmünster, das zum Bistum
Straßburg gehörte, sammelten sich neben Soldaten und Seminaristen auch
Benediktiner aus den elsässischen
Klöstern. Zu allem kam 1790 noch Kardinal von Rohan, Fürstbischof von Straßburg,
mit Sack, Pack und Gefolge, weil er in Straßburg nicht mehr sicher war.
Viele Mönche
verließen in damaliger Zeit ihre Klöster und liefen zur Revolution über. Ein
Grund war sicherlich, dass manche Mönche sich mit dem Orden, dem sie
angehörten, innerlich sich nicht mehr identifizierten. Sie waren nur dem
Kloster beigetreten, das ihnen eine sonst ganz unerreichbare Bildung und
Stellung bot. Die Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Orden konnte leicht in
Ablehnung umschlagen, wenn man sah, wie oft der arme Mann ausgenutzt wurde.
So war es wohl die
Französische Revolution in den Schwarzwälder Klöster die Klärungs- und
Entscheidungsprozesse beschleunigte, die ohnehin längst fällig waren. Im
Kloster zu bleiben lohnte sich nicht mehr, denn der Reichsdeputationsausschuss
machte mit den Klöstern kurzen Prozess, in dem er sie säkularisierte. Baden war
sicherlich ein Hauptgewinner an Land, Leuten, Geld von den katholischen
Bistümer, Stifte und Klöster.
Mit großer
Verbitterung und Trauer sah Abt Speckle, dass die Mitbrüder ihn bei der ersten
Gelegenheit verlassen hatten., dass selbst die, die im Kloster blieben, des
klösterlichen Lebens überdrüssig waren. Keiner ging mehr mit zum Chorgebet, das
einst im Mittelpunkt stand: “Ich bete die Metten ganz allein in der Stille auf
dem oberen Chor“, so der verbitterte Abt.






