| Otto Goeringer 1853-1920 |
Bad Rippoldsau unter dem Kniebis am Ende des Wolftales war nicht nur bekannt wegen seines Klosters, das 1148 urkundlich erwähnt wurde sondern wegen seinen Mineralquellen, die das Bad bekannt gemacht hatten.
Die Fürsten von Fürstenberg hatten keine Kosten und Mühen gescheut, um das Bad in Rippoldsau wieder zu neuer Blüte zu führen. Jedoch erwies es sich als schwierig, den richtigen und vor allem tüchtigen Pächter zu finden. Vor dieser Frage stand der Fürst wieder mal 1777.
Der Fürst von Fürstenberg glaubte in Franz Xaver Goeringer (1749 – 1818) aus Bühl einen tüchtigen Pächter gefunden zu haben. Ausgestattet mit einem 20jährigen Pachtvertrag ging er schwungvoll an die Arbeit. Er ließ die Quellen neu fassen, um die vorhandenen 150 Gästezimmer im Bad zu füllen. Um dies schneller zu erreichen, ließ er ein „Spiel-Casino“ einrichten und Tanzveranstaltungen veranstalten.
Sein Sohn Xaver Philipp Jakob (1784 – 1821) übernahm das Erbe nach dem Tod des Vaters. Nach dem frühen Tod von Xaver Philipp Jakob übernahm sein Bruder Balthasar (1795 – 1865) das Bad, ebenso heiratete er die Frau seines Bruders mit ihren beiden Kindern. Sein Verdienst war der Erwerb des Bades in den Familienbesitz für 30.000 Gulden vom Fürsten von Fürstenberg. Er ließ die Geschichte von Rippoldsau aber auch ein französisches Werbeprospekt drucken, um das Bad bekannter zu machen. 45 Pferde brachten die Gäste von der Bahn in die frisch renovierten Räumlichkeiten oder mit der Kutsche nach Freiburg und Baden-Baden. Inzwischen gehörte der Großherzog von Baden, der Fürsten von Fürstenberg mit ihrem Gefolge neben den Bauernfürsten wie der Vogtsbur aus Kaltbrunn zu den regelmäßigen Gästen. Denn mittlerweile gehörte Rippoldsau nach Baden-Baden zu dem wichtigsten Kurort im Großherzogtum.
Da die Ehe von Balthasar Goeringer kinderlos blieb, übernahm Fritz (1817 – 1872) der Sohn von Xaver Phlipp Jakob das Erbe, der den Badeort weltbekannt machte. Blut- und Geldadel, Offiziere, Privatiers, Staatsmänner, Dichter und Gelehrte, Schwärmer und Philosophen gaben sich die Klinge in die Hand. Amerikaner und Russen kamen im Vierspänner von Baden-Baden auf Besuch. Um dem allem gerecht zu werden, baute Fritz Goeringer den Prachtbau „Fürstenbau“, bei dessen Erstellung die Badquelle gefunden und erschlossen wurde.
1872 übernahm Otto Goeringer (1853 – 1920) das Weltbad von seinem Vater und führte trotz des Krieges mit den Franzosen 70/71 dieses unverändert weiter. 1875 war die Königin von Schweden Mittelpunkt der Badgesellschaft. In den 80er Jahren waren die skandinavischen und niederländischen Monarchien ständig vertreten. Otto bot seinen Gästen neben den Kurmöglichkeiten: Billiardsaal, Tennisplätze, Croquetspielplatz, täglich dreimal Konzert im Freien usw, aber auch ließ er die Viktoria-Promenade“ an der Wolf anlegen. Ständig ließ er auch die Bauten erneuern, und 1908 baute er die „Villa Sommerberg“. 120 Bedienstete beschäftigte er während der Badesaison. Aber in der Zeit ab 1908 brachte dem Bad einen harten Existenzkampf, denn die enormen Kosten konnten nicht mehr erwirtschaftet werden. Otto Goeringer musste alles in eine Aktiengesellschaft umwandeln und zwei jüdische Bankiers beteiligen. Trotz allen Schwierigkeiten konnte Rippoldsau 25.024 Übernachtungen verzeichnen. 1920 verstarb der unvergessene Otto Goeringer.
1920 verkaufte die noch junge Witwe Julie Goeringer völlig überfordert ihre Anteile. In den 20er Jahren fraß die Inflation die Arbeit und Besitz von mehreren Generationen völlig auf.
Der Sohn Otto jun. wanderte daraufhin 1923 enttäuscht, verbittert und mittellos in die USA aus und kehrte nicht mehr zurück.




