Freitag, 7. August 2026

Was verbirgt sich hinter den Giersteinen im Murgtal


Bermersbach ein Ortsteil von Forbach liegt auf einer Terrasse 160 m über dem Murgtal. Auf einem langgezogenen Bergrücken vom Dorf Richtung Murgtal liegen drei 7x4x4 m mächtige Forbachgranitfelsen. Sie sind rund geschliffen und voller Rillen, die aussehen, als seien sie vom Wasser hineingegraben worden, obwohl die Murg mehr als hundert Meter tiefer verläuft. Die rätselhafte Steine sind seit 1940 als geschütztes Naturdenkmal eingetragen.

 

Die bizarren Felsen haben natürlich die Phantasie der Bevölkerung und Besucher angeregt. Heidnisch sollen die Steine sein und als Opfersteine gedient haben, in deren Rillen das Blut der Tiere (oder Menschen) hinabgeflossen ist. Auch das Dritte Reich hat diese Felsen als Opfersteine oder germanische Kultstätte vereinnahmt. Die Sagenwelt glaubte den Teufel bemühen zu müssen, der die Ausbreitung des Christentums im Murgtal hier verhindern wollte und in seiner Wut über seine nutzlosen Bemühungen die Krallen in den Fels geschlagen habe.

 

Die Giersteine sind einem ehemaligen Einwohner von Bermersbach, Klaus Schmich, nicht aus dem Sinn gegangen. Er hatte von seiner früheren Wohnung aus beobachtet, dass zum Zeitpunkt der Wintersonnwende, am 21. Dezember, die Giersteine eine Kimme bilden, die ziemlich genau auf den Doppelgipfel des Kipf oberhalb von Gausbach zielt., wo am Tag der Wintersonnwende die Sonne aufgeht. Hinzu kommt, dass in den 1950er Jahren in unmittelbarer Nähe der Giersteine Feuersteinmesser aus der Steinzeit gefunden wurden. Deswegen besteht die Vermutung, dass die Giersteine eine heidnische Versammlungsstätte war.

 

Der Glazial-Geologe, Prof. Dr Dieter Ortlam, hat in ganz Europa viele Auswaschungen ähnlicher Art freigelgt. Er ist der Überzeugung, dass die Steine ein Produkt der Eiszeit seien. Von Skandinavien her schoben sich die mehrere hundert Meter dicke Eispanzer über Mitteleuropa und damit auch über den Schwarzwald. Er brachte nicht nur Findlinge mit sondern formte auch die Landschaft. Über den Bergspitzen brach der Inland-Eispanzer zu „Igelspalten“ auf und Gletscherwasser schoss in der Sommerzeit tagsüber kubikmeterweise durch die Risse. Wo es auf den nackten Fels prallte entstanden Auskolkungen, vorausgesetzt, das Wasser führte Sand und Kies mit sich und konnte ständig abfließen. So schliff und sprudelte es immer tiefere Löcher und Abflussrinnen aus dem Fels, die als Gletschermühlen bezeichnet werden.

 

Die schwer zugängliche Gegend um Forbach wurde jedoch erst im 14. Jahrhundert besiedelt. Erst 1725 tauchte die Bezeichnung „Gierstein“ in einem Schriftstück auf allerdings mit dem Zusatz „Irrstein“ in Klammern. 1753 erfolgte dann die Gewannbezeichnung „Gierstein“ in einem Art Grundsteuerverzeichnis.

 

Der Besucher kann das interessante Naturgebilde mit dem herrlichen Rundblick auf das Murgtal verbinden. In Bermersbach befindet sich in der Festhalle des Ortes unter Führung des Heimatvereins das Murgtalmuseum, das sich mit den Lebensumständen früherer Generationen in der Region beschäftigt.



Freitag, 31. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter dem vergessenen Zwieselberg?


Wer von Bad Rippoldsau Klösterle vom Wolftal die kurvenreiche L 404 nach Freudenstadt fährt, kommt nicht nur von Baden nach Württemberg sondern oben auf der Höhe ca 8 km vor Freudenstadt im großen Waldgebiet auf eine kleine Rodungsinsel: “Zwieselberg” steht auf dem Ortsschild. Wenige Wohnhäuser, kleine bis mittlere Pensionen, allerdings auch ein Hotel und eine kleine Fachklinik, ein kleines Kirchlein machen einen gepflegten, parkartigen Eindruck. Der idyllische Ort setzt sich aus Ober- und dem wesentlich kleineren Unterzwieselberg (4 Häuser) mit insgesamt 70 Einwohnern zusammen.

Was veranlasst Menschen in dieser Waldabgeschiedenheit sesshaft zu werden? Während im ältesten Kartenwerk des Herzogtums Württemberg, dem” Gadner Atlas von 1592” am oberen Ende der Rippoldsauer Steige, auf württembergischen Gebiet “Priorwald” eingetragen ist, wird der heutige Zwieselberg in den “Schmittschen Karten von 1797” als “Pfaffenwald” bezeichnet. Und genauso war es, in einem 1486 geschlossenen Tauschvertrag zwischen den Geroldsecker und Schenkenzell sowie dem Rippoldsauer Prior kam der Wald in den Besitz des Rippoldsauer Nikolai-Klosters. So kam württembergisches Land in fürstlich fürstenbergischen Besitz.

Seit jeher fristeten in den unwegsamen, riesigen Waldungen Glasmacher, Pottaschesieder, Harzer und Köhler ihr Dasein. Der steigende Holzbedarf führte auch im oberen Quellgebiet der Kinzig zur Flößerei. War ein Waldteil kahlgeschlagen, mussten die Holzfäller weiterziehen, denn eine Ansiedlung war nicht gestattet. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts besiedelten einige Österreicher dieses Gebiet in unmittelbarer Nähe der Landesgrenze. Ob sie vom Kloster angeworben wurden oder sich zufällig niederließen, ist nicht überliefert. Ganz im Gegensatz zu den Holzfällern beteiligten sich die Zwieselberger Kolonisten an den Waldarbeiten, betrieben aber nebenher etwas Landwirtschaft für den Eigenbedarf. Durch den ständig steigenden Holzkohlebedarf der Christophtaler Hüttenwerke konzentrierte sich die Siedler in und um den Pfaffenwald auf die Produktion von Holzkohle. In einer Karte von 1674 wurde bereits der Pfaffenwald als “Rippoldsauer Kohlwald” bezeichnet.

Durch die zwischen dem Rippoldsauer Priorat und den Siedlern geregelten Verhältnisse blieben die Waldarbeiter in der Einsamkeit des Zwieselbergs von jeder weltlichen Obrigkeit unbehelligt. Sie waren über Jahrzehnte weder politisch noch verwaltungsmäßig einer bestimmten Gemeinde zugeordnet. Dies änderte sich, als der Oberamtmann und Klosterverwalter Friedrich Diez aus Alpirsbach 1734 von der Siedlung erfuhr. Er war der Ansicht, das Kloster Rippoldsau habe zwar Holzrechte im Pfaffenwald, nicht aber Hoheitsrechte. Sie seien württembergischen Untertanen und damit Alpirsbach zinspflichtig. Er verlangte 1734/35 eine Erbhuldigung aller männlichen Einwohnern. Der Prior dagegen drohte den Bewohnern im Falle der Erbhuldigung Aufkündigung der Wohnplätze und Vertreibung. Es kam wie es kommen musste: Die Männer von Unterzwieselberg nahmen die Huldigung vor, die Männer von Oberzwieselberg blieben dieser fern. Das Forstamt Freudenstadt war für die Auflösung, da die Siedlung die Jagd behindere und den Wilderer nur Unterschlupf gewähren würde. Die herzogliche Regierung schlug die Auflösung der Siedlung vor, denn damit wäre der ganze Streit gelöst. Der Alpirsbacher Oberamt plädierte für den Verbleib, da die Bewohner seit über 40 Jahren ein Wohnrecht erworben hätten. Die Zwieselbewohner hatten schnell erkannt, am besten wäre es das Problem einfach auszusitzen.

Die württembergischen Einwohner von Zwieselberg waren Katholiken obwohl die Württemberger evangelisch waren. Deswegen mussten die Kinder nach Bad Rippoldsau zum Schul- und Pfarrunterricht hinab steigen. Erst 1859 gab es die Möglichkeit einer katholischen Kirche und Unterricht in Freudenstadt. Zugezogene evangelischen Kinder mussten aber noch 2 1/2 Stunden bis 1873 hinab nach Reinerzau laufen, da der Zwieselberg Reinerzau verwaltungsmäßig zugeschlagen worden waren. Erst Jahre später war für sie ein Schulbesuch in Freudenstadt möglich. 1937 erhielt Zwieselberg eine katholische Kirche 1926 wurden die Zwieselberger nach langem Drängen nach Freudenstadt eingemeindet: Als “Freudenstadt Parzelle Zwieselberg”.

Freitag, 24. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter dem Höllental bei Freiburg?

General Moreau 1796

Das Höllental ist ein tief eingeschnittenes, teilweise schluchtartigen Tal östlich von Freiburg und führt von dem einladenden Himmelreich (Ortsteil von Buchenbach) hinauf auf den Schwarzwald nach Hinterzarten. Am Ende von Himmelreich engt sich das Tal ein. Nach dem Felsen mit der Ruine Falkenstein und dem Bahnhof Hirschsprung verengen sich die bis zu 130 m hohen Felsen beidseitig zum Hirschsprung. Ein Stelle, an der nur Straße und Rotbach Platz haben, während die Bahnstrecke in Felsentunnels die Engstelle passiert. Auf dem rechten Felsen steht ein Hirsch, der angeblich über die Engstelle sprang, um dem verfolgenden Jäger zu entkommen. (Siehe: Was verbirgt sich hinter dem Hirschsprung im Höllental?)

Das Höllental hieß früher Falkensteiner Steige -nach den Herrschern der Region, die Falkensteiner, die ihren Wegezoll erräubert hatten. Seit dem 12. Jahrhundert war sie nur ein mühsamer, miserabler Maultierpfad.  Außerdem hatten die wilden Hochwässer des Rotbachs alle Anstrengungen zunichte gemacht. Deswegen wurde zur Kelten- und Römerzeit die Wagensteig .benutzt.

Die 9 m enge Schlucht, die sich Rotbach und Maultierpfad teilen musste, wurde 1638 von 2.000 französischen Soldaten als Karrenweg verbreitert. 1755 haben frohnende Bauern den Höllentalweg weidlich befahrbar gemacht. Für die Hochzeitsreise von Marie-Antoinette auf ihrem Weg von Wien, Donaueschingen nach Paris zu ihrer Hochzeit mit dem späteren französischen König Ludwig XVI wurde am Karrenweg 1770 erhebliche Felsensprengungen vorgenommen und zu einem holperigen Chausseeweg ausgebaut.

Höllental als Name gab dieser Schlucht ein französisches Revolutionsheer, das 1796 nach verlorener Schlacht das Tal der Hölle glaubte hinter sich zu haben. 40.000 französische Soldaten mussten mit ihren Pferden, Geschützen und Wagen den riskanten Rückzug durch die enge Falkensteiner Staig antreten. Damals erzählten die Soldaten, die glücklich Freiburg erreicht hatten, sie seien dem “Val d’enfèr, dem Tal der Hölle” entkommen.

1885 wurde die Höllentalbahn mit Tunnels durch die Engstelle des Hirschsprung gedrückt. 1887 fand die Eröffnung der Höllentalbahn unter Anwesenheit des Großherzogs Friedrich I statt. Der Förderer und Reichstagsabgeordnete Franz Josef Faller sollte die Begrüßungsrede halten, starb aber wenige Minuten vor seinem Auftritt an einem Schlaganfall. Die heutige Strecke wurde 1851-1901 ausgebaut. Die Kuriosum in der Geschichte der Höllentalbahn war: 1923 konnte die Rheintalbahn von Amsterdam nach Basel nicht befahren werden konnte. Die französische Armee hatte nach dem Ersten Weltkrieg Offenburg und Appenweier besetzt. So musste der Umweg ab Karlsruhe über Pforzheim, Horb, Villingen und Donaueschingen durch das Höllental nach Freiburg geleitet werden. So gab es in jener Zeit einen Schlafwagen Frankfurt – Hinterzarten. Nach der Engstelle weitet sich das Tal nochmals bei Höllsteig. Das Hofgut Sternen, in dem Maria Antoinette damals Kaffee trank, liegt am Eingang der romantischen Ravennaschlucht mit ihrem berühmten Viadukt über der Schlucht. Kurz zuvor die bekannte 1148 erbaute Kapelle St Oswald. In mehreren steilen und sehr engen Kehren windet sich die Straße die 400 Höhenmeter auch nach Hinterzarten. Wegen des starken Verkehrs vor allem dem Schwerlastverkehr ist der Falkensteigtunnel im Bundesverkehrswegeplan 2030 mit wenig Erfolg aufgenommen worden.

Höllental 1902 mit Ravennabrücke


 

Freitag, 17. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter der Dynastie der Goeringer von Bad Rippoldsau?

Otto Goeringer 1853-1920

Bad Rippoldsau unter dem Kniebis am Ende des Wolftales war nicht nur bekannt wegen seines Klosters, das 1148 urkundlich erwähnt wurde sondern wegen seinen Mineralquellen, die das Bad bekannt gemacht hatten.

 

Die Fürsten von Fürstenberg hatten keine Kosten und Mühen gescheut, um das Bad in Rippoldsau wieder zu neuer Blüte zu führen. Jedoch erwies es sich als schwierig, den richtigen und vor allem tüchtigen Pächter zu finden. Vor dieser Frage stand der Fürst wieder mal 1777.

 

Der Fürst von Fürstenberg glaubte in Franz Xaver Goeringer (1749 – 1818) aus Bühl einen tüchtigen Pächter gefunden zu haben. Ausgestattet mit einem 20jährigen Pachtvertrag ging er schwungvoll an die Arbeit. Er ließ die Quellen neu fassen, um die vorhandenen 150 Gästezimmer im Bad zu füllen. Um dies schneller zu erreichen, ließ er ein „Spiel-Casino“ einrichten und Tanzveranstaltungen veranstalten.

 

Sein Sohn Xaver Philipp  Jakob (1784 – 1821) übernahm das Erbe nach dem Tod des Vaters. Nach dem frühen Tod von Xaver Philipp Jakob übernahm sein Bruder Balthasar (1795 – 1865) das Bad, ebenso heiratete er die Frau seines Bruders mit ihren beiden Kindern. Sein Verdienst war der Erwerb des Bades in den Familienbesitz für 30.000 Gulden vom Fürsten von Fürstenberg. Er ließ die Geschichte von Rippoldsau aber auch ein französisches Werbeprospekt drucken, um das Bad bekannter zu machen. 45 Pferde brachten die Gäste von der Bahn in die frisch renovierten Räumlichkeiten oder mit der Kutsche nach Freiburg und Baden-Baden. Inzwischen gehörte der Großherzog von Baden, der Fürsten von Fürstenberg mit ihrem Gefolge neben den Bauernfürsten wie der Vogtsbur aus Kaltbrunn zu den regelmäßigen Gästen. Denn mittlerweile gehörte Rippoldsau nach Baden-Baden zu dem wichtigsten Kurort im Großherzogtum.

 

Da die Ehe von Balthasar Goeringer kinderlos blieb, übernahm Fritz (1817 – 1872) der Sohn von Xaver Phlipp Jakob das Erbe, der den Badeort weltbekannt machte. Blut- und Geldadel, Offiziere, Privatiers, Staatsmänner, Dichter und Gelehrte, Schwärmer und Philosophen gaben sich die Klinge in die Hand. Amerikaner und Russen kamen im Vierspänner von Baden-Baden auf Besuch. Um dem allem gerecht zu werden, baute Fritz Goeringer den Prachtbau „Fürstenbau“, bei dessen Erstellung die Badquelle gefunden und erschlossen wurde.

 

1872 übernahm Otto Goeringer (1853 – 1920) das Weltbad von seinem Vater und führte trotz des Krieges mit den Franzosen 70/71 dieses unverändert weiter. 1875 war die Königin von Schweden Mittelpunkt der Badgesellschaft. In den 80er Jahren waren die skandinavischen und niederländischen Monarchien ständig vertreten. Otto bot seinen Gästen neben den Kurmöglichkeiten: Billiardsaal, Tennisplätze, Croquetspielplatz, täglich dreimal Konzert im Freien usw, aber auch ließ er die Viktoria-Promenade“ an der Wolf anlegen. Ständig ließ er auch die Bauten erneuern, und 1908 baute er die „Villa Sommerberg“. 120 Bedienstete beschäftigte er während der Badesaison. Aber in der Zeit ab 1908 brachte dem Bad einen harten Existenzkampf, denn die enormen Kosten konnten nicht mehr erwirtschaftet werden. Otto Goeringer musste alles in eine Aktiengesellschaft umwandeln und zwei jüdische Bankiers beteiligen. Trotz allen Schwierigkeiten konnte Rippoldsau 25.024 Übernachtungen verzeichnen. 1920 verstarb der unvergessene Otto Goeringer.

 

1920 verkaufte die noch junge Witwe Julie Goeringer völlig überfordert ihre Anteile. In den 20er Jahren fraß die Inflation die Arbeit und Besitz von mehreren Generationen völlig auf.

 

Der Sohn Otto jun. wanderte daraufhin 1923 enttäuscht, verbittert und mittellos in die USA aus und kehrte nicht mehr zurück.

 

Donnerstag, 9. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter der Nagoldsperre?

Vorsperre Freizeit

Die Nagold, einer der bedeutenden Schwarzwaldflüsse, entspringt in Urnagold, einem Ortsteil von Besenfeld in der Nachbarschaft nördlich von Freudenstadt. Heute haben sich die verschiedenen kleinen Gemeinden zur Gemeinde Seewald zusammengeschlossen. Sein Ende findet die Nagold nach 90 km in Pforzheim, da sie dort in die Enz mündet. Sie führen weiter zum Neckar und waren dadurch eine wichtige Floßverbindung über den Rhein nach Holland.

Das riesige Einzugsgebiet der Nagold entwässert den nordöstlichen Teil des Schwarzwaldes und bildete immer wieder vor allem im Winter den Grund für verheerende Hochwasser wie 1851 oder 1947/48 als jeweils das gesamte Nagoldtal überschwemmt war. Schon um die Jahrhundertwende kam der Plan auf, durch ein Rückhaltebecken oberhalb Altensteig die Nagold zu zähmen. Der ursprüngliche Plan, eine Talsperre oberhalb Altensteigs mit 50 Mio m³, der alle Probleme lösen sollte, hätte sich nur unter größten Schwierigkeiten verwirklichen lassen können. Deswegen entschlossen sich die Behörden für 4 kleinere Einzelspeicher bei Nagold, Zinsbach, Waldlach und Steinach. Der größte Speicher sollte aber mit 5,5 Mio m³ Wasser die Nagoldsperre werden. Insgesamt bringen die Speicher insgesamt 15 Mio m³ Wasser in ihren Becken zusammen.

Die Nagoldsperre dient dem Hochwasserschutz, lässt in Dürrezeiten mehr Wasser ins Tal fließen, dient gleichzeitig als Stromlieferant und erbringt 100 KW/h Dauerleistung an 300 Tagen im Jahr. In den letzten Jahren hat sich die Nagoldsperre zu einem weit über die Region bekannten Erholungspark entwickelt mit Schwimmen, Tauchen, Segel-, Surf- und Rudermöglichkeiten.

Von 1965 bis 1970 wurde das Projekt Nagoldsperre, das ein Einzugsgebiet von 39 km² beträgt, verwirklicht. Problem in der Planungsvorphase war, ob der Buntsandstein in diesem Gebiet sich überhaupt für ein Staubecken eignet. Der bewaldete Buntsandstein ist stark zerklüftet und deshalb ein ergiebiger Grundwasserspeicher. Aber für eine Stauhaltung ist er aber nicht dicht genug. 15.000 t Zement wurden im Gebirge eingepresst, um zu verhindern, dass zu viel Wasser unkontrolliert versickern kann oder der Erddamm möglichweise umströmt oder unterströmt werden kann.

Die Nagoldsperre besteht aus Becken: der Vor- und der Hauptsperre. Die Vorsperre mit 422.000 m³, hat ein Länge von 800 m und besitzt eine Fläche von 87.000 m². Der Damm der Vorsperre ist 11,50 m hoch, oben 4 m, am Fuß 55 m breit und 147 m lang. Die nachfolgende Hauptsperre mit 4.500.000 m³, hat ein Länge von 2.050 m und besitzt eine Fläche von 376.000 m². Der Damm der Hauptsperre ist 32,10 m hoch, oben 9,20 m, am Fuß 145 m breit und 145 m lang.

Das Gebiet um die Talsperre ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und umfasst eine Fläche von 650 ha. Segeln und Surfen ist nur auf der Hauptsperre vom 1.4. bis 30.9. erlaubt, Baden dagegen nur in der Vorsperre. Die Vor- und Hauptsperre dürfen mit kleinen Fahrzeugen ohne Motor befahren werden. Ebenso darf in beiden Becken getaucht werden.



Freitag, 3. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter dem schwäbischen Provinzbad Bad Teinach?

Bad Teinach 1852

Jedes gute Restaurant in Europa stellt das Teinacher Mieneralwasser dem Genießer auf den Tisch, aber kaum einer kennt das schwäbische Provinzbad Bad Teinachi ím Teinachtal
  Landkreis Calw, das Städtchen mit mal gerade 500 Einwohnern.

Dabei fing alles angeblich mit einem Hirsch an, der einen Jäger zur Quelle führte und so wurde der “Sauerbronne zu Dainach” 1472 erwähnt. Das kleine Teinach tat sich damals schwer, da Herrenalb, Liebenzell und Wildbad in nächster Umgebung ebenfalls Mineralwasser zu bieten hatten. Im Jahr 1710 ließ Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg ein Palais als Sommerresidenz errichten. Durch König Wilhelm I von Württemberg wurden in Teinach Badhaus, Trinkhalle, Badhotel erbaut und neue Quellen gebohrt. Deswegen führte Teinach schon sehr früh nämlich 1864 den Titel “Bad”, wenn auch die Führung des Prädikats “Heilbad” erst 1928 vom Innenministerium in Stuttgart verliehen wurde. 1864 war auch der Moment, in dem das gesamte Bad in private Hand verkauft wurde.

Carl Heinrich August Hofmann, der neue Besitzer des Bades, ließ kräftig ausbauen und erneuern, um 1865 die Wasserheilanstalt und das Mineralbad neu eröffnen zu können. Gleichzeitig wurde Dr Wilhelm Wurm die ärtzliche Direktion der Wasserheilanstalt und des Mineralbades übertragen

Wilhelm Albert Wurm (1831-1913)   in Nürnberg geboren, hatte in München Medizin studiert, sich intensive mit Hydrotheraphie beschäftigt, in verschiednen bayerischen Bädern und Wasserheilanstalten viel über Wasserheilverfahren erlernt.

In Bad Teinach entwickelte er sich mit wissenschaftlichem Ehrgeiz nicht nur zu einem hervorragenden Balneologen, wobei er durch sein speziellen Wasserkuren bemerkenswerte Heilerfolge erzielt hat. Die Wasserkuren waren häufig mit Diät, Gymnastik, Massage sowie etwa nötigen pharmazeutischen Präparaten verbunden. Dem Wandern schrieb er einen bedeutenden Wert zur Gesundheitsförderung zu. Gerade der überreizte Stadtmensch findet hierbei die Harmonie für Körper und Seele. Hier empfahl er das herrliche Gebirgsklima um Teinach und die balsamische Ausdünstung der Nadelholzwaldungen. Sein Engagement auf diesem Gebiet führte dazu, dass er eines der Gründungsmitglieder des Württembergischen Schwarzwaldvereins wurde.

Kranken, denen eine direkte Kur an der Quelle unmöglich war, wurden “Teinacher-Hirschquelle-Pastillen” als Hausmittel bei katarrjlischen Zuständen, Husten angeboten und zugesandt.

Auch literarisch wurde Bad Teinach auch versorgt. Dr Wurm schrieb 1866 sein erstes Buch über das “Königliche Bad Teinachi m württembergischen Schwarzwald”. Diese Abhandlung war ein solcher Erfolg, das im Laufe von 38 Jahren noch weitere sieben erweiterte Ausgaben folgten.

Die erfolgreiche Arbeit zwischen Dr Wurm und dem Besitzer Carl Hoffmann ging leider durch Krankheit von Carl Hoffmann zu Ende. Eine Zeit lang konnte Dr Wurm bei den verschiedenen Besitzern des Bades Modernisierungen und erfoderliche Unterhaltungsprogramme durchsetzten. Aber es war unverkennbar mit der Zeit, dass der Hauptaugenmerk von Bad Teinach auf der Vermarktung des Mineralwassers lag, als auf dem Kurbetrieb.

Heute hat die Krokusblüte in freier Wildbahn im Ortsteil Zavelstein mehr Aufmerksamkeit als der Badebetrieb in Bad Teinach.

Freitag, 26. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter dem Vogel, der die Welt eroberte?

Kuckucksuhr 1790

Auf den nachgebauten ersten Schwarzwälder Uhren ist die Jahreszahl 1640 vermerkt. Dies ist aber reine Phantasie. Der erste Nachweis einer Schwarzwälder Uhr ist in einem Schreiben des Bergrichters Huber in Hofsgrund 1634 an den Bergverwalter Franz zu finden. Er habe dem Kaufmann Lichtenbahn in Basel ein “Ührlein” geschenkt. Das kann aber nicht als Ernst zunehmender Beweis angesehen werden.

Einer der ersten Schwarzwälder Uhren besaß im Jahre 1667 der Pfarrverweser von Neukirch, Peter Kalteisen, ein Mönch von St Peter. Er hat sie von der Familie Kreuz vom Glashof in Waldau erworben. Ein anderer Hinweis deutete auf Lorenz Frey, genannt Hackbretterlenz, wohnhaft in den Spirzen bei Himmelreich. Auch er baute Uhren. Und ein weiterer Hinweis führt nach St Georgen zu Simon Henninger, der hölzerne Unruhuhren fertigte. Er lebte um 1690.

Die ersten Nachbauten der Uhren hatten einen Balken als Waage und einen Stein als Gewicht. Aber sehr bald begnügten sich die Schwarzwälder Bastler nicht, das fremde Vorbild nachzubauen sondern bastelten an eigenen Wegen.

So trat um 1740 an die Stelle der Waage das Pendel, zuerst vor dem Zifferblatt als “Kuhschwanzpendel”. Mit der Zeit reizte es zu allerhand Erfindungen, die den Hang zum unterhaltenden Spielwerk verraten: Uhren mit beweglichen Figuren und Köpfen, mit rollenden Augen. Da gibt es “Männleuhren” in dutzenden Varianten: Kapuziner, die Glocken läuten, Bauern die Holz sägen und Schweine erschlagen oder aber grausig als “Enthauptungsuhr”. Aber damit war der Einfallsreichtum nicht erschöpft, denn neben den bewegenden Figuren kommen kurze Zeit später Musikuhren dazu. Am Ende stand die Spieluhr mit pneumatischen und mechanischen Musikwerken.

Prägend für die Uhrenentwicklung waren Mitte 1700 die Schottenuhren mit ihrem hochgezogenen Uhrenschild von Johann Dilger vom Schottenhof im Jostal bei Neustadt. Kleiner waren die Uhren von Jakob Herbstrieth aus Hinterzarten 1790 mit einem Durchmesser von 9,5 cm. Die Sorg Uhr 1830 von Joseph Sorg aus Neustadt schaffte es mit einem Durchmesser von 6 cm.

Zu den ersten Automatenuhren zählt die weltbekannte Uhr mit dem Kuckuck, die sein Türle öffnet, aus dem geöffneten Türle herauswippt, die Stunde ausruft und wieder verschwindet. Die erste Kuckucksuhr soll von Franz Ketterer, dem “Treyerfranz” (Dreher”, Bauer auf dem Höfle in Schönwald) 1730 gebastelt haben. Seine Idee holte er bei Beobachtungen des Blasebalgs an der Kirchenorgel. Seine ersten Uhren hatten Lackschild, Kuhschwanzpendel und zunächst unbewegliche Vögel ohne Türchen. Zur gleichen Zeit mit Ketterer fertigten auch der “Gosenmichele” (Michael Dilger aus Neukirch) und der “Jägerstieger” (Mathias Hummel” aus Waldau) Kuckucksuhren. Wer von den dreien den Vogel und Türchen beweglich gemacht hat, wird sich wohl nie aufklären lassen. Dagegen erzählte Georg Rombach aus Eschbach (1731-1804), wie er im Westen Nordamerikas einen Farmer und dessen Sohn in einer Kneipe erschreckte, als plötzlich der Kuckuck erschien und die Stunde schlug. Die beiden hielten das für Zauberei.

Im letzten Jahrhundert wechselte die Kuckucksuhr oft die Form. Leider ist sie hierbei immer kitschiger geworden. Wir begegnen ihr als Rahmenuhr mit Hinterglasmalereien. 1858 hat die Furtwanger Uhrmacherschule Versuche aufgenommen, den Kuckuck durch andere Tiere zu ersetzen: meckernde Ziege, bellender Hund oder einen schreienden Esel. Nichts hat sich durchgesetzt. Eine entscheidende Änderung ergab sich bei der Kuckucksuhr durch eine Ausschreibung der Furtwanger Uhrmacherschule, da diese um 1850 nach neuen Formen suchte. Hier setzte sich als Vorbild die Bahnhäusle entlang der neuen Eisenbahnstrecken von Friedrich Eisenlohr durch. Auf den rechteckigen Zifferblattträger kam ein gleichschenkliges Dreieck als Dach. Die Form der Bahnhäusleuhr war geboren. Schmuckwerk in Form von Blumen, Blätter wurden mit Jagdstücken ergänzt. Heute gibt es Kuckucksuhren mit bewegenden Figuren und Musikwalzen mit Melodien wie “Die Mühle im Schwarzwald”.

Der grüblerische verspielte Sinn des Wälders zeitigte auch seine beste Leistung, die astronomische Uhr. Bereits um 1760 brachte Capar Dorer vom Reinerhof in Schönwalda als erster den Lauf von Sonne, Mond und Sterne an seinen Uhren. Thaddäus Rinderle, Mönch des Klosters St Peter, krönte diese Bemühungen mit einer astronomisch-geographischen Uhr 1787.

Astronomische Uhr Rinderle 1787