Freitag, 9. Oktober 2026

Was verbirgt sich hinter der Strohflechterei im Raum Furtwangen?

Strohflechterei Furtwangen 1910

Die weibliche Mode im Raum Furtwangen war ein Impuls für die Strohflechterei, wie uns die Votivtafeln der Triberger Wallfahrtskirche zeigen. Erst in den Jahren 1716 und später erscheinen die Frauen mit dem zylindrischen Strohhut. Davor haben es Filzhüte getan. (Was verbirgt sich hinter der Schwarzwälder Strohflechterei)
  Unvergessene Verdienste hat der Obervogt Huber (1756-1816) und seine Frau, um mit der Strohflechterei der hungernden Bevölkerung eine Verdienstmöglichkeit zu geben. (Was verbirgt sich hinter Theodor Huber, Obervogt von Triberg)

Nach dem Tode des Obervogts Huber 1816 wurde leider nach und nach die Feinflechterei mit gespaltenem Stroh vernachlässigt. Man wandte sich wieder dem groben Geflecht zu. Die Uhrmacherschule, 1850 gegründet, übernahm gewisse zentrale „Führungsaufgaben“ wie Ausbildung von Flechterinnen, Neugründung von Strohflechtschulen und Anbau von geeigneten Strohsorten, um der minderwertigen Entwicklung bei der Strohflechterei entgegen zu wirken. Mit Unterstützung der Uhrmacherschule wurde auch das Strohflechten im armen Odenwald eingeführt. Aber auch in heimischen Gefilden, wie dem armen Wiesental, wurde wie in St Blasien das Strohflechten eingeführt. Diese Aktivitäten waren insbesondere dem Leiter der Uhrmacherschule, Robert Gerwig, zu verdanken.

Mit Hilfe des Vorstands des Uhren-Gewerbevereins, Dr Joseph Duffner, war es möglich, eine Anfrage an das Großherzogliche Bezirksamt in Freiburg wegen Gründung einer Strohflechtschule zu richten: Gibt es eine geeignete Person dafür, welche Gemeinden beteiligen sich und welche Kosten übernimmt die Staatskasse?

Tatsächlich wurde in Cölestine Eisele geb. Kirner eine äußerst begabte Flechterin gefunden. Schon ab 1849 erteilte sie interessierten Mädchen in Ihrer Wohnung Flechtunterricht. Dieses Provisorium hatte sich verstetigt, so dass die 1850 gegründete Strohflechtschule ihr Domizil in der Privatwohnung von Frau Eisele hatte. Sie blieb mit wachsendem Erfolg mit ihrem Flechtunterricht bis zu ihrem Tode 1865 als Leiterin der Flechtschule. Erst mit dem Antritt der dritten Leiterin der Flechtschule, Fortunata Hippach, die von 1868 bis 1877 wirkte, wurde im Rathaus ein Raum für die Felchtschule eingerichtet.

Die Flechtschule bestand 77 Jahre bis 1927 und bildete zwischen 40 und 80 Mädchen pro Jahr aus. Allerdings ging mit 1927 die Zeit der Strohflechterei zu Ende. Sie wurde wegen mangeldem Interesse und zu schlechter Bezahlung des Geflechts mit Zustimmung des Bürgerausschusses geschlossen.

Neben verschiedenen Geflechthändler haben sich drei Strohhutfabrikanten etabliert. Die älteste Strohhutfabrik war die Firma „Jos. Duffner Söhne“, die 1860 von Dr Joseph Benedikt Duffner gegründet wurde. Im kamen die enge verwandtschaftliche Beziehungen zur weltbekannten Strohhuthandelsgesellschaft Faller Tritscheller & Cie in Lenzkirch zu Gute. Nach dem Tode 1865 übernahmen die beiden Söhne Gustav und Oskar das Unternehmen des Vaters und begannen mit der Fabrikation von Strohhüten. Im Jahre 1872 übernahm Gustav Duffner die Anteile von seinem Bruder. Er ließ Hüte aus Stroh, Litzen, Hanf, Roßhaargeflecht und Palmblättern flechten. Dazu kamen Strohtaschen und Körbchen. Er stellte von der früher üblichen Handbügelei auf hydraulische Pressen um. Verkauft wurde in alle europäischen Länder sowie Amerika. Mit dem Tode von Gustav Duffner 1895 wurde nur wenige später die Firma aus dem Firmenverzeichnis gestrichen.

Vollständigkeitshalber sei darauf hingewiesen, dass noch die „Strohutfabrik Joseph Kaiser“ in Furtwangen und „Strohhut-Fabrik Salomon Fehrenbach Sohn“ in Schönenbach produzierten.


Eisele Cölestine 1798-1865


Freitag, 2. Oktober 2026

Was verbirgt sich hinter dem Unterlauf der Schlücht?

Felsdurchbruch für die Schlücht

Die Schlücht mit einer Länge von 29 km entspringt in der Nähe von Rothaus und fließt durch den Schlüchtsee, nimmt die Mettma und Schwarza auf, die im System Schluchsee integriert sind. Nach der Mettmamündung ist das Tal so eng, dass der Fluss einen Felsdurchbruch bekam, um Platz für die Straße zu schaffen. Der Unterlauf der Schlücht wird mit der Witznauer Mühle von 1349 eingeläutet. Der Fluss zwängt sich zwischen den Steilhängen weiter nach Süden und mündet bei Waldshut in die Wutach.

Die Burg Gutenburg wurde im 10. Jahrhundert vom Kloster St Gallen zum Schutz seiner Besitzungen zwischen Alb und Schlücht errichtet und im 30jährigen Krieg zerstört. Abt Franz I von St Blasien ließ den verbliebenen Rest der Burg sprengen und niederbrennen, um zu vermeiden, dass Fremde diesen Stützunkt weiterhin verwenden könnten. Der Weiler Gutenburg bestehend aus ein paar Meierhöfe und der Mühle zur Versorgung der Burg war bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts eine selbstständige Gemeinde. Ab dann ein Ortsteil von Aichen, seit 1975 ein Ortsteil von Waldshut –Tiengen.

Bereits um 1538 wurde hier eine „Schloßmüli zu Guttenpurg“ zugehörig zur Burg Gutenburg genannt. Abt Franziskus von St Blasien verpflichtete sich 1660 in einem Vertrag mit Graf Johann Ludwig von Sulz zum Bau eines Eisenwerkes mit Drahtzug an der Schlücht oberhalb des Burgstalls der Gutenburg in der Schlüchtaue zu bauen. Wasserkraft war ja vorhanden. Das Kloster St Blasien hatte, wie zu jener Zeit üblich, schon verschiedene Eisenwerke gegründet: Tiefenstein 1519, Kutterau 1651 jeweils an der Alb, Eberfingen 1622 an der Wutach. Erz aus eigenen Gruben und Holz aus eigenen Wäldern fanden Verwendung.

Für 30 Jahre sollte Eisen geschmolzen und bearbeitet werden. 1661 war der Schmelzofen bereit. Die Voraussetzungen waren ideal, die Führung in Form des Hüttenverwalters und Laboranten jedoch nicht. So waren die Ergebnisse enttäuschend. Produziert wurden Guss- und Schmiederohren, auch Geschützrohre waren dabei, die meist gut waren aber auch starken Schwankungen in der Qualität unterlagen. Bei schlechtem Geschäftsgang wurden die Bohnerzgräber und Erzfuhrleute mit Schmiedeeisen bezahlt, die sie selbst zu Geld machen mussten. Auch Gläubiger des Klosters wurden mit schwer verkäuflichen Gütern aus Gutenburg bezahlt. Die Nachfrage nach Eisen ließ von 1687 nach, da das neue Hochofenwerk Albbruck große Mengen in hervorragender Qualität produzierte. Dazu kamen Konkurrenzunternehmen im badischen Markgräflerland (Oberweiler bei Badenweiler, Kandern, Hausen im Wiesental)

Das Kloster kündigte 1698 den Vertrag mit seinem damaligen Geschäftspartner von Schwarzenberg, da alle Möglichkeiten das Eisenwerk in unterschiedlichen Möglichkeiten weiterzuführen, scheiterten und schloss die Produktion zugunsten des Eisenwerks Eberfingen. Die Einrichtung wurde versteigert, der Schmelzofen und Gebäude eingerissen.

Die vorhandene Wasserkraft nutzte wieder ein Sägewerk, das Wehr liegt oberhalb an der Mündung des Elbachgrabens und garantiert ein Gefälle von 17 m. 1902 wurde ein Elektrizitätswerk von Ernst Oskar Tröscher aus Atzenbach erbaut und versorgte die umliegenden Gemeinden bis Tiengen mit Strom. 1904 wurde mit der überschüssigen Energie in der eigenen Holzschleiferei betrieben. 1920 erwarb ein Hugo Henselmann aus Laiz bei Sigmaringen das Unternehmen, produzierte Handels-Holzschliff, der an die verschiedenen Papierfabriken verkauft wurde. 1930 wurde die Herstellung von Pappe zusätzlich aufgenommen. Ab 1932 wurden erstmals Holzfaserdämmplatten, die bisher unbekannt waren, unter dem Namen „Gutex“ auf dem Markt vertrieben. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Werksanlage erneuert und erweitert. Heute wird das Familienunternehmen mit 300 Mitarbeitern in 4. Generation  von Claudio Thoma geführt.

Gutex in Aichen

 


Freitag, 25. September 2026

Was verbirgt sich hinter dem frühen Bau des Feldbergerhofs?

Feldbergerhof 1864

Wer heute auf den Feldberg wandert oder fährt, findet ein herrliches Naturschutzgebiet durch Wege, Straßen, Lifte und Lokale erschlossen, Die Besucherströme werden durch Ranger gelenkt, um die Natur zu erhalten. Das war nicht immer so…

1848/49 wurde ein Karrenweg von Todtnau, Zeiger, Bärental, Altglashütten nach Lenzkirch gebaut. Davor gab es nur Trampelpfade. Die heutige Trasse war erst 1885 gebaut worden und erhielt 1934 eine Teerdecke. Ein größere Aufmerksamkeit erhielt der Feldberggipfel erst durch den Bau des 12m hohen Friedrich-Luise-Turms anläßlich der Vermählung des Großherzogpaars. Ansonsten gab es nur die verschiedenen Viehhüten, die teilweise den einsamen Wanderer Trank und Vesper boten. Die Gemeinde Feldberg wurde erst 1939 von der Reichsregierung gegründet, ohne die beteiligten Gemeinden zu fragen.

Verschieden Bürger -genau 14 Einwohner aus Menzenschwand- gründeten 1860 eine Aktiengesellschaft mit dem Ziel ein Gast- und Kurhaus auf dem Feldberg zu bauen. Aber die Gemeinde Menzenschwand gab kein Gelände ab. Darauf wandten sich die Aktionäre an die Fürstlich Fürstenbergische Verwaltung, die ihnen an der Menzenschwander Gemarkungsgrenze, aber auf Gemarkung Bärental, zwei Morgen Grasweide mit etwas Wald überließ. So wurde 1863 mit dem Bau des Feldbergerhof für 13000 Gulden begonnen. Spätere etliche Erweiterungsbauten wurden auf Menzenschwander Gemarkung ausgeführt, so dass bei der Gründung der Gemeinde Feldberg 1939 die Gemarkungsgrenze zwischen Bärental und Menzenschwand durch den Hotelkomplex verlief.

In der lokalen Zeitung wurde zur Eröffnung 1824 über den neu errichteten Feldbergerhof berichtet: “Das Kurhaus steht vor Zuglüften geschützt, an einem Tannenforst angelehnt, der schattige Spaziergänge darbietet. Der Gasthof hat außer Speisesaal und Wirtshauszimmer, 18 Gastzimmer mit 21 Betten. Während sich die Luftkur von selber darbietet, kann auch Mineralwasser und Molkenkur gebracht werden. Die Bedienung ist eine prompte, die Preise mäßig und die Gefälligkeit des Wirtes unerschöpflich”.

Schon 1864 werden 800 Übernachtungen gezählt, darunter 58 Schweizer, 44 Franzosen und 40 Engländer. Aber im Kriegsjahr 1870 hat sich der Zahl der Übernachtungen schon halbiert. Zu verzeichnen waren laut Gästebuch natürlich die bekannten Maler in jener Zeit, aber auch die Professoren der Universitäten Freiburg und Heidelberg kamen auf den Feldberg. 1866 trafen sich bekannte Uhrenfabrikanten und Kaufleute jener Zeit aus Lenzkirch darunter Albert und Nikolaus Tritscheller sowie Franz-Josel Faller, um ein Zeichen zu setzen.

Aber all die positive Eintragungen im Gästebuch konnten nicht das große Problem überdecken – das Hotel rentierte sich für den Pächter kaum, da die langen Wintermonate das im Sommer Verdiente wieder auffraßen. Es wurde berichtet, dass Augustin Mayer in Fellkleidung, Schneereifen und Bergstock öfters in den einsamen Wintermonaten mit seinen beiden Bernhardiner Hunden unterwegs war, um nach Verirrten oder Vermissten zu suchen. So gab Maier Ende 1868 das Pachtverhältnis resigniert auf. Sein Nachfolger Reinhold Beckert hielt es 8 Jahre auf dem Feldbergerhof aus. Emil Hiss, der nächste Pächter schaffte es drei Jahre bis 1879. Hiss hatte aber einen jungen Gehilfen, Carl Mayer, eingestellt, der dann den Feldbergerhof pachtete und 1885 käuflich erwarb (siehe: Was verbirgt sich hinter Fanny Maier)

Eine Besserung auf dem Feldberg trat langsam erst 1891 ein, als mit dem französischen Diplomaten, Dr Pilet, der erste Schneeschuhläufer auf dem Feldberg auftauchte und eine Wintersaison langfristig einläutete.

Dienstag, 22. September 2026

Was verbirgt sich hinter der Begehrlichkeit, den Schliffkopf zu bauen?

Schliffkopf-Hotel

Der Schliffkopf ist ein 1055 hoher flacher Bergrücken an der B 500 zwischen der Zuflucht und dem Ruhestein. Er ist mit seiner hochmoorartigen Gipfelregion seit 1938 Naturschutzgebiet. Außerdem liegt er im FFH- und Vogelschutzgebiet. Aber er bietet auch einen herrlichen Ausblick über den Schwarzwald, Vorbergzone, Rheinebene und Vogesen sowie die Pfälzer Berge. An Tagen mit guter Sicht –oftmals im November- lieg Straßburg mit seinem Münster zum Greifen nahe. Die Schweizer und Österreichischen Alpen erscheinen am Horizont, der Bodensee ist als spiegelnde Wasserfläche zu sehen.

 

Es ist verständlich, dass solch ein Bergrücken zum Bebauen einlädt. Vom Württembergischen Schwarzwaldverein wurde 1891 mit Hilfe eines badischen Pionierbataillons der Pionierturm aus Holz (15 m) errichtet, um die Aussicht zu erhöhen. Doch 1909 musste der vorhandene Turm wegen Baufälligkeit gesperrt werden.

 

1911 wurde von Baiersbronner Schneeschuhläufer auf dem Schliffkopf die Schliffkopfhütte (Schindler Hütte) errichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg kam der Wunsch auf, einen Gedenkstein für die gefallenen Mitglieder des Schwäbischen Schneeschuhvereins aufzustellen. 1920 konnte der 3 t schwere Sandsteinfindling eingeweiht werden.

 

Auf dem Gebiet Ruhestein nahe beim Schliffkopf wurde 1924 eine K 65 Sprungschanze gebaut. Nach Streitereien zwischen dem Schwäbischen Schneeschuhverein und der Forstdirektion wurde die Vogelskopfschanze wieder abgerissen.

 

Auch gestaltete es sich äußerst schwierig, dem Wunsch des Schwäbischen Schneeschuhvereins zu entsprechen, ein Gedächtnishaus für die gefallenen Kameraden zu bauen. Die Streitereien mit der Forstdirektion zogen sich bis 1931 hin. Erst eine Ministerbewilligung, die sich über alle Bedenken hinwegsetzte, ermöglichte 1932 den Bau des Schliffkopfgedächtnishauses. Pächter waren Berta und Christian Fahrner aus Baiersbronn.

 

Nur wenige Tage nach der Eintragung des Naturschutzgebietes wurde von der Reichsregierung entschieden, dass die Organisation Todt die schon 1932 abgesteckte fehlende Straßenverbindung vom Ruhestein zur Zuflucht aus Gründen der Landesverteidigung zu bauen habe. Die Straße sollte durch das Naturschutzgebiet über die Höhe des Schliffkopfes hinweg gebaut werden. Nur dem energischen Einspruch des Landesamtes für Denkmalpflege war es zu verdanken, dass die Straße nicht über den Gipfel sondern an den Rand der Freiflächen gedrückt und 1942 fertiggestellt wurde.

 

Einschneidender als die Straße waren aber die militärischen Anlagen, die im Zuge der Westwallbefestigung 1938 auf dem Schliffkopf erstellt worden waren. Die großkalibrigen Flakstellungen auf dem Gipfel sollten die feindlichen Bomber in noch größere Höhen zwingen, um mehr Treibstoff zu verbrauchen. 1950 sollte auf dem Schliffkopf trotz des energischen Einspruchs des Naturschutzes ein 46 m hoher Kurzwellensender der französischen Armee gebaut werden, der dann später auf der Hornisgrinde erstellt wurde.

1973 entschied der Schwäbische Schneeschuhverein, das Gedächtnishaus an die Pächterfamilie Fahner zu verkaufen. Bettenhaus und Restaurant wurden angebaut. Schon 1980 wurde das Hotel um Hallenbad- und Freizeitbereich erweitert. 1991 brannte das Hotel bis auf die Grundmauern nieder. Von 1993 – 1995 wurde das Hotel unter vielen Schwierigkeiten mit großen finanziellem Aufwand mit Hilfe der Sparkasse Freudenstadt als modernes Wellenesshotel der Familie Fahrner wieder aufgebaut und bis heute von der Familie Fahner mit viel Erfolg betrieben wird.

1990 und 1999 pfiffen die Orkane Wiebke und Lothar mit ihren zerstörenden Kraft über die Schwarzwaldhöhen und legte viele Gipfel frei. 2003 wurde am Schliffkopf der Lotharpfad eingerichtet, um das Ausmaß zu dokumentieren.

Lotharpfad



 

 


Freitag, 11. September 2026

Was verbirgt sich hinter dem Poppelsee im Nordschwarzwald?


Wer die Bundesstrasse B 294 von Freudenstadt Richtung Pforzheim fährt, kann schon nach wenigen Kilometern die K4772 ins Enztal hinabfahren. Das Tal der Großen Enz, ein Tal voll geschichtlicher Hinweise auf die frühere wichtige Flößerei. Schon nach zwei, drei Kilometern liegt linker Hand ein geheimnisvoller See, der Poppelsee. Dieser wird vom Poppelbach, einem der Quellflüsse der Großen Enz, gespeist. Ebenso wie der seitliche Kaltenbach, der den “kleinen Bruder” des Poppelsees, den Kaltenbachsee, speist.

Bedeutend war für dieses abgelegene Gebiet der Vertrag 1342 zwischen dem Markgrafen von Baden und dem Grafen von Württemberg, in dem die Flößerei auf Würm, Nagold, Enz und Neckar geregelt wurde. Spätestens 1613 wurde die oberste Enz oberhalb der heutigen Petersmühle floßbar gemacht. 1750 wurde der Poppelsee und 1782 der Kaltenbachsee als Schwellweiher angelegt.

Der Poppelsee, zu dem früher ursprünglich die damals rechtsliegenden “Seewiesen” gehörten, soll eine Fläche von 21.000 m² mit einem Wasservorrat von 500.000 m³ umfasst haben. Nachweislich ist in einer alten Beschreibung des Kirchspiels Göttelfingen nachzulesen, dass 1750 der Poppelsee neu eingedämmt wurde. Er soll gegen 500 Schritt lang, 200 Schritt breit und an der tiefsten Stelle 9 m betragen haben. Das waren sicherlich um die 2 Mio m³ Wasservorrat. Auf einem 80 Fuß dicken Damm stand ein kleines Seehaus mit einer Haspel, mit der der Ausfluss des Sees für 6 Tage zur Flößerei gesteuert werden konnte. Während vom Kaltenbachsee der Wasservorrat nur für einen halben Tag zum Flößen reichte.

Aus den riesigen Wäldern der Umgebung, ja sogar aus dem württembergischen oberen Murgtal wurden mit Pferdewagen das Scheitholz auf die “Besenfelder Schwenke” gezogen und gelagert. Im Winter wurde das Holz mit Hornschlitten zum Spielberg gezogen und dort über ein Holzriese zum Kaltenbachsee gebracht. Durch enge Schleusen wurde dann das im Winter und Sommer aufgestaute Wasser mit der Holzfracht im Frühjahr und Herbst abgelassen. Dieses Wasser trug das Scheiterholz flußabwärts. Teilweise wurde das Holz bis Bietigheim-Bisingen geflößt. Als die Flößerei dann Mitte des 18. Jahrhunderts auch auf das Stammholz ausgedehnt wurde, mussten die Stauvorrichtungen vergrößert und dauerhaft umgebaut werden. Damals wurde von den Sägemühlen das geschnittenen Dielenholz auf Ochsenkarren hierher gezogen, um es auf Flößen Enz abwärts als Oblast transportiert werden zu können.

Im November 1944 brach der Damm nach sehr starken und lang anhaltenden Regenfällen aus, wobei der Damm restlos zerstört wurde. Die mächtigen Wassermassen des Popelsees, in einem mächtigen Schub frei und losgelassen, überschwemmten das ganze Enztal und erschreckten die Bewohner. So schnell wie das Wasser kam, so schnell war es auch wieder weg, deswegen hielten sich die Schäden in Grenzen und nicht wie bei einem verheerenden Hochwasser. Seit jener Zeit war der Poppelsee nahezu 30 Jahre ein vergessener stinkender Tümpel. Erst im Jahre 1969 wurde die Idee aufgegriffen, den Poppelsee durch Aufstauung des Poppelbaches wieder herzustellen. Es dauerte aber bis Anfang der 70er Jahre bis das Projekt nach vielfachen Auflagen realisiert werden konnte.

Heute ist er ein Idyll, der mit dem Kaltenbachsee zusammen zum Rundwandern einlädt, die Stille dieser Landschaft zu genießen.

Dienstag, 8. September 2026

Was verbirgt sich hinter dem Naturschutzgebiet Kaltenbronn - damals?

Kaltenbronn Wildsee Moor 1920er Jahre

Das Naturschutzgebiet Kaltenbronn liegt im Nordschwarzwald zwischen dem Murg und Enztal bzw den Städten Gernsbach und Bad Wildbad. Es erstreckt sich nordöstlich und südwestlich der Landstraße L 76 b aus dem Enztal kommend. Das Gebiet umfasst 1750 ha und die zwei Kilometer voneinander entfernten Naturschutzgebiete um den Wildsee, den Holohsee und die umgebenden Moore sowie die verbindenden Bann- und Schonwälder beim Gernsbacher Ortsteil Kaltenbronn.

Die Kaltenbronner Waldungen sind wahrscheinlich ursprünglich königliches Eigentum gewesen und dürfte um 1000 n. Chr. den Grafen Eberstein als Lehen gegeben worden sein. Der Ebersteiner Besitz verminderte sich in der Folgezeit durch Schenkungen, Erbteilungen und schlechte Wirtschaften immer mehr, so dass sie immer mehr Anteile des Waldbesitzes an die Grafen von Württemberg und die Markgrafen verkaufen mussten. Im Staatsvertrag von 1807 wurde dann die endgültige Grenze zwischen Baden und Württemberg festgelegt.

Der Zustand der Waldungen war in früheren Jahrhunderten sehr schlecht und mit heutigen Verhältnissen nicht zu vergleichen. Die Belastung des Waldgebietes mit zahlreichen Weide- und anderen Berechtigungen und der Mangel an Aufsichtspersonal machten eine Pflege des Waldes und die Wahrung einer nachhaltigen Nutzung fast unmöglich. Die erlassene Wald- und Forstordnungen beschäftigten sich mehr mit der Jagd als mit dem Forst. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Kaltenbronner Waldungen verwüstet und von großen Weidefeldern unterbrochen. Eine Besserung ergab es erst nach dem Verbot der Waldweide. Zahlreiche Köhler gewannen ihre Holzkohle, die damals für die Verhüttung der Erze unentbehrlich waren. Dazu kamen Pottaschesieder, Harzer, Pechsieder und Zundelschneider. Gleichzeitig fingen diese das Wildern an, stahlen das gute Holz und verkauften es. “Weiß ein Forstmann im Wald keinen Bescheid, der Zundelschneider kann ihn gewiß geben”, soweit der Volksmund.

Dazu kamen die Flößer, die schlagweise die Altbestände an Bäumen fällen ließen, um Floßholz zu gewinnen. Die Forstverwaltung ließ noch 1780 zusätzlich einen Seegraben anlegen, um das Wasser als Schwallwasser zum Flößen für das Scheitholz über die Eyach in die Enz zu benutzen. Durch das alljährliche Absenken des Wildsee entwickelte sich in der Umgebung ein Latschenurwald. Ein wilder See in einer scheußlichen Gegend wurde die Gegend um den Wildsee 1820 an der badisch württembergischen Grenze bezeichnet. Die Forstverwaltung wollte die kahlen Hochflächen mit Fichten anpflanzen und obendrein hat man das Torf abgestochen, um dies zum Heizen oder als Torfziegel zu verwenden. Da das Torf einen niederen Brennwert hat, wurde das Torfstechen bald wieder eingestellt. Ebenfalls hat das Trocknen der Torfstücke beim häufigen Regen unüberwindliche Probleme bereitet. Trotzdem tauchten immer wieder neue Pläne zur Torfgewinnung auf. Noch 1889 sollte eine Torfstreufabrik auf dem Holoh gebaut werden. 1902 wurde im Landtag ernsthaft die Idee einer Drahtseilbahn vom Murgtal auf den Holoh diskutiert, um das Torf kostengünstig ins Tal zu transportieren. 1919 wurde infolge der Kohleknappheit durch die Besetzung des Ruhrgebietes der Torfabbau auf der württembergischen Seite nochmals versucht. Baden hatte dies abgelehnt. Erst ab 1924 hat man das Moor sich selbst überlassen.

1856 wurde in Kaltenbronn ein 15 m hoher hölzerner Aussichtsturm gebaut, der 1897 diesen als 22 m hohen runden Steinturm, Kaiser-Wilhelm-Turm, ersetzte. Dieser wurde 1968 auf 27 m Höhe aufgestockt und bietet als Holoh-Turm heute einen herrlichen Ausblick auf das Naturschutzgebiet.

1927 wurde der badische Teil des Wildseemoors zum Naturschutzgebiet erklärt. Ein Jahr später folgte auch der württembergische Teil und 1940 wurde auch noch das Holohgebiet integriert. 1970 wurde das gesamte Wildseemoor zum Bannwald, 2000 zum Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn. Seit 2008 informiert im Ort Kaltenbronn das Infozentrum Kaltenbronn mit einem Naturmuseum über das 5760 ha große Natur- und Schutzgebiet Kaltenbronn.

Donnerstag, 27. August 2026

Was verbirgt sich hinter "WEHRLE Präzision als Prinzip" aus Furtwangen?

FX Wehrle1819-85

Das seit über 180 Jahre bestehende Unternehmen produziert heute Durchflussmessgeräte für Wasser, Wärme und Dienstleistungen. Verbunden ist die Herstellung von Gehäusen, Zählwerken und Getrieben aus Metall und Kunststoff. Das Unternehmen beschäftigt 260 Mitarbeiter und erreichte einen Umsatz 2024 von 38 Mio €. Für das Jahr 2025 rechnete das Unternehmen mit 43 Mio Umsatz laut Angaben aus „Wirtschaft im Südwesten“ der IHK Südlicher Oberrhein. Und doch wurde die Branche und Mitarbeiter aufgeschreckt, denn das Unternehmen wurde im Februar 2025 an die Schweizer Unternehmensgruppe „Sontex Group“  wegen Unternehmensnachfolge verkauft. Und dennoch ist es interessant auf den Werdegang des Unternehmens, das in 5. Generation Wehrle/Herth geführt wurde, zu schauen.

Das Unternehmen E. Wehrle ist aus der 1842 gegründeten Werkstatt für Spieluhren von Franz Xaver Wehrle (1819-1885), des „Wannen-Xaverle“ geboren in Langenbach, sesshaft in Schönenbach, hervorgegangen. Wehrle baute hauptsächlich Musikwerke, Drehorgeln und Spieluhren, die er nach Russland, Frankreich, Holland und England lieferte. Ebenso lieferte er für den Orchestrionsbauer „Imhof & Muckle“ komplette Spieluhren und Walzen. 1847 gehörte er zu den Mitbegründern des „Gewerbevereins für den uhrmachenden Schwarzwald“. Er beteiligte sich ebenfalls kapitalmäßig an der 1853 gegründeten Aktiengesellschaft für Taschenuhr-Fabrikation jeweils in Furtwangen.

E. Wehrle 1832-96

Direkt in der Nachbarschaft zu F. X. Wehrle hat ein Emilian Wehrle kunstvolle Kuckucks- und Trompetenuhren hergestellt. Nachdem Emilian Wehrle Norma, die Tochter von F.X. Wehrle, geheiratet hatte, wurden 1866 beide Werkstätten zusammengelegt. Sie wurden unter „Trompetenuhrenfabrikation E. Wehrle & Comp“ zusammengeführt, produziert wurde in den Räumlichkeiten von F. X. Wehrle. Die Erfahrung von F. X. Wehrle als Spieluhrmacher und Emilian Wehrle als genialer Uhrmacher ergänzten sich sehr erfolgreich. Die Trompeten- und Singvögeluhren von höchster Qualität, die sie produzierten, erhielten weltweit Auszeichnungen und Medaillen der großen Messen jener Zeit. Mittlerweile wurde als „E. Wehrle & Cie in Furtwangen – Trompeter-, Flöten- u. Mechanische Singvögel-Uhren-Fabrik“ produziert.

Nachdem 1880 die Konjunktur für Musikuhren zurückging, wurde die Firma A. Zimber, die elektrotechnische Artikel herstellte, übernommen. Die Fertigung von elektrischen Uhren hatte nicht richtig eingeschlagen. Aber mit Addiermaschinen und Schalter von Treppenhausbeleuchtungen konnte sich das Unternehmen über Wasser halten. 1885 starben F. X. Wehrle und 1896 Emilian Wehrle. Damit geht die Zeit der Uhrenherstellung endgültig zu Ende. Die Kinder von Emilian Wehrle wandern nach Amerika aus.

So übernimmt Julian, der Sohn von F.X. Wehrle, das Unternehmen. Er, der nicht nur Schreiner und Uhrmacher gelernt sondern auch die Musikschule besucht hatte, konnte mechanische Laufwerke herstellen. 1923 übergab Julian das kleine Unternehmen seinem Sohn Erwin, der ein neuer zukunftsweisendes Fabrikationsprogramm entwickelte. 1930 begann er mit der Herstellung von Bestandteilen für Wasserzähler. Damit ging die Entwicklung des Unternehmens wieder aufwärts. Mit der Bearbeitung von Reinnickel, ein Material, das beim Wasserzähler damals Vorschrift war, erreichte er große Erfolge. 1938 beschäftigte er schon 38 Mitarbeiter. Die Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde mit Kriegsfertigung überwunden.  Unglücklicherweise wurde der Betrieb von den Franzosen nach dem Kriege vollkommen demontiert.

Aber schon 1940 hatte sich Erwin Wehrle mit seiner Erfindung einer eigenen Spritzgussmaschine beschäftigt. Damit war mit dem Kunststoff eine neue Ära der Wasserzähler eröffnet. 1959 wird Eduard Herth, der die Tochter Friedhilde geheiratet hatte, Leiter der kaufmännische Abteilung. Erwin Wehrle stirbt 1971, seine Frau Renate übernimmt mit einem Herrn Vossler die Geschäftsführung. Da sie kinderlos  2001 stirbt, geht mit ihrem Tod der Besitz auf die Familie Herth über. Mit Georg Herth tritt 2002 die 5. Generation im Unternehmen an.