
Kaltenbronn Wildsee Moor 1920er Jahre
Das Naturschutzgebiet Kaltenbronn liegt im
Nordschwarzwald zwischen dem Murg und Enztal bzw den Städten Gernsbach und Bad
Wildbad. Es erstreckt sich nordöstlich und südwestlich der Landstraße L 76 b
aus dem Enztal kommend. Das Gebiet umfasst 1750 ha und die zwei Kilometer
voneinander entfernten Naturschutzgebiete um den Wildsee, den Holohsee und die
umgebenden Moore sowie die verbindenden Bann- und Schonwälder beim Gernsbacher
Ortsteil Kaltenbronn.
Die Kaltenbronner Waldungen sind
wahrscheinlich ursprünglich königliches Eigentum gewesen und dürfte um 1000 n.
Chr. den Grafen Eberstein als Lehen gegeben worden sein. Der Ebersteiner Besitz
verminderte sich in der Folgezeit durch Schenkungen, Erbteilungen und schlechte
Wirtschaften immer mehr, so dass sie immer mehr Anteile des Waldbesitzes an die
Grafen von Württemberg und die Markgrafen verkaufen mussten. Im Staatsvertrag
von 1807 wurde dann die endgültige Grenze zwischen Baden und Württemberg
festgelegt.
Der Zustand der Waldungen war in früheren
Jahrhunderten sehr schlecht und mit heutigen Verhältnissen nicht zu vergleichen.
Die Belastung des Waldgebietes mit zahlreichen Weide- und anderen
Berechtigungen und der Mangel an Aufsichtspersonal machten eine Pflege des
Waldes und die Wahrung einer nachhaltigen Nutzung fast unmöglich. Die erlassene
Wald- und Forstordnungen beschäftigten sich mehr mit der Jagd als mit dem
Forst. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Kaltenbronner Waldungen
verwüstet und von großen Weidefeldern unterbrochen. Eine Besserung ergab es
erst nach dem Verbot der Waldweide. Zahlreiche Köhler gewannen ihre Holzkohle,
die damals für die Verhüttung der Erze unentbehrlich waren. Dazu kamen
Pottaschesieder, Harzer, Pechsieder und Zundelschneider. Gleichzeitig fingen
diese das Wildern an, stahlen das gute Holz und verkauften es. “Weiß ein
Forstmann im Wald keinen Bescheid, der Zundelschneider kann ihn gewiß geben”,
soweit der Volksmund.
Dazu kamen die Flößer, die schlagweise die
Altbestände an Bäumen fällen ließen, um Floßholz zu gewinnen. Die
Forstverwaltung ließ noch 1780 zusätzlich einen Seegraben anlegen, um das
Wasser als Schwallwasser zum Flößen für das Scheitholz über die Eyach in die
Enz zu benutzen. Durch das alljährliche Absenken des Wildsee entwickelte sich in
der Umgebung ein Latschenurwald. Ein wilder See in einer scheußlichen Gegend
wurde die Gegend um den Wildsee 1820 an der badisch württembergischen Grenze
bezeichnet. Die Forstverwaltung wollte die kahlen Hochflächen mit Fichten
anpflanzen und obendrein hat man das Torf abgestochen, um dies zum Heizen oder
als Torfziegel zu verwenden. Da das Torf einen niederen Brennwert hat, wurde
das Torfstechen bald wieder eingestellt. Ebenfalls hat das Trocknen der
Torfstücke beim häufigen Regen unüberwindliche Probleme bereitet. Trotzdem
tauchten immer wieder neue Pläne zur Torfgewinnung auf. Noch 1889 sollte eine
Torfstreufabrik auf dem Holoh gebaut werden. 1902 wurde im Landtag ernsthaft
die Idee einer Drahtseilbahn vom Murgtal auf den Holoh diskutiert, um das Torf
kostengünstig ins Tal zu transportieren. 1919 wurde infolge der Kohleknappheit
durch die Besetzung des Ruhrgebietes der Torfabbau auf der württembergischen Seite
nochmals versucht. Baden hatte dies abgelehnt. Erst ab 1924 hat man das Moor
sich selbst überlassen.
1856 wurde in Kaltenbronn ein 15 m hoher hölzerner Aussichtsturm gebaut, der 1897 diesen als 22 m hohen runden Steinturm, Kaiser-Wilhelm-Turm, ersetzte. Dieser wurde 1968 auf 27 m Höhe aufgestockt und bietet als Holoh-Turm heute einen herrlichen Ausblick auf das Naturschutzgebiet.







