Freitag, 1. Mai 2026

Was verbirgt sich hinter den Schwarzwälder Klöster mit der französischen Revolution?

Kloster St Blasien 1874

Vor 1789 glaubte man, dass in den Schwarzwälder Klöster die Welt noch in Ordnung gewesen sei. Die Mönche pflegten das Gebet und Gesang, forschten, lehrten und widmeten sich der Wissenschaft. Überall entstanden im 18. Jahrhundert Neubauten der Klöster, ohne dass diese notwendig gewesen wären. Die neuen Klosterbauten St Trudpert, St Peter, St Blasien, St Märgen, St Ulrich, Tennenbach, Gengenbach, Ettenheimmüster, Lichtental und Frauenalb sahen wie Schlösser aus, wurden aber zu Ehren Gottes gebaut. Dabei dienten sie der Hofhaltung der Äbte wie weltliche Herrscher und dementsprechend wurde getafelt. In St Blasien tranken sie aus silbernen und vergoldeten Bechern, der Abt von St Trudpert ging zur Jagd, der von St Peter trug eine Bibliothek wie ein Herrscher zusammen.

Mit Beginn der französischen Revolution 1789 gelangten auch auf den Schwarzwald bald die Schockwellen. Die Äbtissin von Frauenalb benötigte militärische Hilfe, um ihre Untertanen zu besänftigen. Ebenso in Ettenheimmünster begehrten die Untertanen gegen den Krummstab auf. Vor den Toren des Klosters Allerheiligen zogen bewaffnete Bauern auf. Auf dem Hotzenwald waren die Salpeterer zwischen 1727 und 1755 in drei Kriegen schon gegen das Kloster St Blasien gezogen und nur brutale Gewalt des Hofes in Wien stellte die Ordnung wieder her. Die Welt der Klöster war in Unordnung geraten. Verschlimmert wurde es in Vorderösterreich durch die Reformen der Klöster von Kaiser Joseph II: Klöster ohne Erziehungsauftrag sollten aufgelöst werden. So berichtet der Abt von St Peter 1782, dass die Klarissinnen zu Freiburg ihre weltlichen Kleider anziehen und das Kloster verlassen müssen. Die Kartäuser laufen schon lange mit Perücken und Weltkleider herum. Aber der Riss reichte mitten in die Klöster hinein. In den Konventen machten sich Unruhen bereit, denn die Gerüchte, dass die Klöster aufgelöst werden würden, machten sich breit.

Die ohnehin vorhandene Spaltung wurde durch die vielen französischen Flüchtlingen verstärkt, da diese in den rechtsrheinischen Klöstern Zuflucht suchten. So berichtete Abt Speckle, dass es in Freiburg nur so von Emigranten wimmelte. Der größere Teil diente nicht der Sittenverbesserung. Die Geistlichen sind Müßiggänger, die übrigen behaupteten noch ihren Adelsstolz mit all den negativen Begleiterscheinungen. Im Kloster Ettenheimmünster, das zum Bistum Straßburg gehörte, sammelten sich neben Soldaten und Seminaristen auch Benediktiner  aus den elsässischen Klöstern. Zu allem kam 1790 noch Kardinal von Rohan, Fürstbischof von Straßburg, mit Sack, Pack und Gefolge, weil er in Straßburg nicht mehr sicher war.

Viele Mönche verließen in damaliger Zeit ihre Klöster und liefen zur Revolution über. Ein Grund war sicherlich, dass manche Mönche sich mit dem Orden, dem sie angehörten, innerlich sich nicht mehr identifizierten. Sie waren nur dem Kloster beigetreten, das ihnen eine sonst ganz unerreichbare Bildung und Stellung bot. Die Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Orden konnte leicht in Ablehnung umschlagen, wenn man sah, wie oft der arme Mann ausgenutzt wurde.

So war es wohl die Französische Revolution in den Schwarzwälder Klöster die Klärungs- und Entscheidungsprozesse beschleunigte, die ohnehin längst fällig waren. Im Kloster zu bleiben lohnte sich nicht mehr, denn der Reichsdeputationsausschuss machte mit den Klöstern kurzen Prozess, in dem er sie säkularisierte. Baden war sicherlich ein Hauptgewinner an Land, Leuten, Geld von den katholischen Bistümer, Stifte und Klöster.

Mit großer Verbitterung und Trauer sah Abt Speckle, dass die Mitbrüder ihn bei der ersten Gelegenheit verlassen hatten., dass selbst die, die im Kloster blieben, des klösterlichen Lebens überdrüssig waren. Keiner ging mehr mit zum Chorgebet, das einst im Mittelpunkt stand: “Ich bete die Metten ganz allein in der Stille auf dem oberen Chor“, so der verbitterte Abt.