Freitag, 24. April 2026

Was verbirgt sich hinter Brigach und Breg?

Bregquelle bei Martinskapelle
Über viele Jahrhunderte ging der Streit um die Frage, wo entspringt die Donau und mit welcher Länge durchfließt sie halb Europa bis ins Schwarze Meer? Sind es 2811 oder 2857 km Länge? Viele Wissenschaftler haben sich die Köpfe zerbrochen: Im Mittelalter war die Vorstellung der Ursprung der Donau liege hinter der Eschinger Burg, daher der Name –Donau-Eschingen. Überliefert ist, dass König Maximilian 1499 die Donauquelle in Donaueschingen besuchte.  Er ließ rund um die Quelle Zelte aufstellen und veranstaltete ein Fest, bei dem man Reigen um die Quelle tanzte. Auch der berühmte Kosmograph Sebastian Münster besuchte kaum 40 Jahre später die Donauquelle, beschrieb die gefasste Quelle und überlieferte, dass der Abfluss der Quelle  nur zwei Steinwürfe vom Schloss in die Brigach flösse. Von diesem Punkt ab sei von der Donau die Rede, die dann einen Büchsenschuss weiter Richtung Süden die Breg aufnehme. Der Züricher Arzt und Mathematiker Johann Scheuzer schoss aber den Vogel 1711 ab, als er kurzerhand die Quelle vom Inn, der höchstgelegenen Quelle, zur Donauquelle erklärte.

Nach allgemeiner, anerkannter wissenschaftlicher Definition, gilt der längste Zufluss als Quellfluss. Da beißt die Maus keinen Faden ab, es ist die Breg: Die Bregquelle liegt auf 1.078 m auf der Martinskapelle im Katzensteig bei Furtwangen und ist 45 km lang bis zum Zusammenfluss mit der Brigach bei Donaueschingen. Eine Tafel an der Quelle weist auf den Beginn der geographischen Längenmessung der Donau hin. Die Breg fließt durch Furtwangen, das Schönenbachertal, Vöhrenbacher Ried vermittelt eine Vorstellung wie früher die die meisten Talauen im Bregtal ausgesehen haben, ab Vöhrenbach nutzen mehrere Wasserkraftwerke die Breg, das Hochwasserrückhaltebecken bei Wolterdingen, bei Hüfingen gliedert sich die Breg in drei Arme: einmal zum Kofenweiher als Naherholungsgebiet, an den Weiher mit Kraftwerk, bei der Seemühle und den Mühlenkanal, ab Hüfingen sind es noch 4 km an Allmendshofen vorbei bis zum Zusammenfluss mit der Brigach.

Die Quelle des zweiten Zuflusses der Donau, die Brigach bringt es auf 40 km bis zum Zusammenfluss
mit der Breg und liegt im Keller des 450 Jahre alten Hirzbauernhofes 930 m hoch und wird in einen kleinen Teich vor dem Hof geleitet. Der Hof liegt im Obertal von Brigach, heute ein Ortsteil von St Georgen. Über Brigach zum ehemaligen Klosterweiher in St Georgen geht der Weg der Brigach nach Villingen, dort versuchten die Schweden 1634 mit einem Staudamm die Brigach aufzustauen, um Villingen zur Kapitulation zu zwingen, was nicht gelang, über das Brigachtal wird Donaueschingen durchflossen.

Die sogenannte Donauquelle mit ihrem Donaubach liegt in einer Ecke des Schlossgartens des Fürsten zu Fürstenberg: Viele Leute sehen heute noch dies als Quelle der Donau an, die seit Überlieferungen des 14. Jahrhunderts dokumentiert ist. Es ist eine kunstvoll gefasste Karstquelle, sie ist der Wasseraustrittsort eines Karstgrundwasserleiters in einem Karsystem mit einer Schüttung von 60 bis 120 l/s und mündet heute nach 100 m unterirdischen Leitungen in die Brigach. Früher floss sie als offener Bach durch den Schlosshof. 1910 wurde im Auftrag von Kaiser Wilhelm II ein Donautempel am Ausfluss in die Brigach errichtet.

Früher bestand hier ein Sumpfgebiet, das man im 18. Jahrhundert trockenlegte. Vor 1828 bestand eine viereckige Fassung um die Quelle. Sie ist eine von 22 Quellen im Umfeld des Zusammenflusses von Breg und Brigach. 1875 wurde die Quelle von Fürst Karl Egon III als kreisrundes Quellbecken  gestaltet. Die Figurengruppe zeigt wie die „Mutter Baar ihrer jungen Tochter Donau den Weg in die Ferne weist“. Sie kam 1896 hinzu. Seit 2013/2015 wurde die Donauquelle einer grundlegenden technisch wie denkmalpflegerisch anspruchsvollen Sanierung unterzogen. Nach Genehmigung des Innenministeriums in Stuttgart 2022 dürfen Furtwangen als auch Donaueschingen entgegen der Wissenschaft die Bezeichnung „Donauquellenstadt“ tragen.

Donauquelle Donaueschingen


Freitag, 17. April 2026

Was verbirgt sich hinter dem Schwarzwaldmaler Hasemann?

Dabei war Wilhelm Hasemann überhaupt kein Schwarzwälder und sollte ursprünglich sich gar nicht der Malerei verschreiben: 1850 in Mühlberg, Sachsen,  in den Haushalt eines Schlossers geboren, sollte das elterliche Geschäft übernehmen und absolvierte eine dreijährige Schlosserlehre, obwohl seine Neigung und Begabung schon früh erkennbar war. Fürsprecher und Lehrer bestärkten die Eltern, die Talente der Malerei des Sohnes zu fördern. Im Dezember 1865 ging der Vater mit all den Unterlagen zur Königlichen Akademie der Künstler, um Erkundigungen einzuziehen und kam mit der Anmeldung des Sohnes zurück. 1866 bis 1872 erfolgte das Studium auf der Königlichen Akademie, 1873 bis 1879 schloss sich das  der Großherzoglichen Kunstschule in Weimar an. Anstatt wie üblich eine Italienreise anzuschließen, wurde ihm empfohlen, wenigstens in der damals bekannte Künstlerstadt München mit seinen vielen Ateliers zu arbeiten.

Berthold Auerbach hatte mit seinen „Schwarzwälder Dorfgeschichten“ viel Erfolg. Auerbachs Verleger wollte die Novelle in einer illustrierten Prachtausgabe herauszubringen. Dafür wurde ein Illustrator gesucht und Hasemann der Vorschlag gemacht, eine Studienreise nach Gutach im Schwarzwald zu machen. Das Ansinnen reizte Hasemann, da er den landschaftlichen Charakter des Schwarzwaldes und deren Bewohner mit ihren eigenartigen Kostümen nicht kannte.

Beim Löwenwirt Aberle in Gutach logierte auf Empfehlung Hasemann 1880 und durchstreifte das Gutachtal und Umgebung. Blühende Obstbäume, prächtige Bauernhöfe und die jungen Mädchen in der malerischen Tracht mit ihrem roten Bollenhut faszinierten Hasemann. Er lernte die Triberger Wasserfälle kennen, den Schellenmarkt mit seinen Hirten auf dem Fohrenbühl. Er genoss den herrlichen Ausblick bis zum Straßburger Münster vom Farrenkopf aus. Es verwunderte nicht, den schnellen Entschluss von Hasemann, hier bleiben zu wollen.

Schon 1881 war Hasemann Mitorganisator und Betreuer der Gutacher Gruppe beim großen Trachtenumzug in Karlsruhe anlässlich der Silberhochzeit des Großherzogs. Die Gutacher Bollenhuttracht war wie öfters bei Trachtenfesten umjubelter Mittelpunkt. Zahlreiche Serien wurden von Hasemann bebildert, so auch für Hansjakob die Bücher „Vogt auf dem Mühlstein“, „Erinnerungen einer alten Schwarzwälderin“ und „Afra“.

Endgültig zum Gutacher wurde er, als er im Steinenbach ein altes Häuschen erwarb und im Dorf als Atelier wieder aufbauen ließ. Auch das Eheglück hielt 1889 Einzug, da Hasemann Luise Lichtenberg aus Mühlberg in sein neues Heim heimführte. Das vielfältige Schaffen des Künstlers war so umfangreich, dass die Gemeinde Gutach ihm und seiner Frau das Ehrenbürgerrecht von Gutach verliehen wurde. Die Schwester von Frau Hasemann hatte den späteren Professor Curt Liebig geheiratet, den es dann ebenfalls nach Gutach in die Künstlerkolonie zog.

Das Schaffen Hasemanns war immens, denn es entstanden Bilder vielfältiger Trachten der Schwarzwaldtäler Wolfach, Schapbach, der Kinzig, Elz und Glotter. Er versammelte die Trachten vor der Wallfahrtskirche in Triberg, auf dem Schellenmarkt der Schwarzwälder Hirtenbuben, auf Kirch-, Hochzeits- und Taufgängen.

Als Hasemann 1913 allzu früh verstarb, hat ein ganzes Dorf mit seiner Umgebung nah und fern getrauert und in einem nicht enden wollenden Trauerzug zu Grabe getragen. Geblieben ist die Vielzahl der Bilder über Gutach, und der Umgebung, die Trachten, die Menschen nah und fern und diese berichten heute noch vom Können und Beobachten eines großen Künstlers.

Durch Hasemann wurde die rote Bollenhuttracht, die nur in Gutach, Reichenbach, einem Ortsteil von Hornberg und Kirnbach, einem Ortsteil von Wolfach getragen wird, als Schwarzwäldertracht in der ganzen Welt bekannt.


Gutacher Tracht nach dem Kirchgang

Freitag, 10. April 2026

Was verbirgt sich hinter dem stillen Windgfällweiher?


Der Windgällweiher wurde mit dem Bau der Eisenbahn, der Dreiseeenbahn, über die Region hinaus bekannt- nämlich sie führt am Titisee, Windgfällweiher und dem Schluchsee entlang. Er liegt zwischen den Ortsteilen Altglashütten (Gemeinde Feldberg) und Aha (Gemeinde Schluchsee), gehört zur Gemeinde Lenzkirch und umfasst 20 ha.

Ursprünglich ein kleiner Moorsee, der ein Überbleibsel der letzten Eiszeit war, wurde erstmals 1895 von der Schraubenfabrik Falkau durch einen Staudamm im Norden ungefähr um 6 m aufgestaut und damit vergrößert. 1929 übernahm das Schluchseewerk den Weiher und wurde in das Zuflussssystem des Schluchsee integriert. Er nimmt das Wasser vom Feldsee kommenden über einen 10 km langen Hangkanal auf und läuft über einen offenen Überleitungskanal durch das Haslachtal in den Schluchsee ab.

Der südlich Teil des Sees und seine Umgebung sind seit 1940 als flächenhaftes Naturdenkmal deklariert. Seit 1950 steht der See unter Landschaftsschutz. Seit 2002 gilt ein Angelverbot wegen PCB-Ablagerungen aus früherer Zeit. Ansonsten wird das Wasser laufend von der Landesanstalt für Umwelt kontrolliert. Am bewaldeten Ostufer des Windgfällweihers liegt wenig auffällig ein Strandbad mit einem denkmalgeschützten Gebäude und der Möglichkeit Stehpaddeln zu erlernen oder zu frönen. Alles andere ist verboten.

2020 wollte die Fürstlich Fürstenbergische Forstverwaltung am Windgfällweiher einen Reisemobilpark mit 115 Stellplätzen bauen. Der Widerstand der einheimischen Bevölkerung unterstützt vom Schwarzwaldverein und Naturschutz war erheblich. Letztendlich sah der Gemeinderat von Lenzkirch ein, dass die Erhaltung der Naturlandschaft höher zu bewerten war und lehnte das Projekt ab.

Auch ein Hotel, Hotel Köhlerei am See, mit 14 Betten und Einkehrmöglichkeit bis zu 70 Personen liegt am nördlichen Ufer getrennt durch die Straße nach Raitenbuch. In diesem Jahr wurde das Hotel um ein Zimmer und einem Wintergarten erweitert. Auch erfreut sich das Eisschwimmen oder Eisbaden im Winter immer mehr an Beliebtheit.

Zu Anfang 2026 wurde bekannt, dass das Hotel Köhlerei sich um einen terassenförmigen Anbau an das jetzige Hotel plant und Planungsunterlagen eingereicht hat. Aus 13 Zimmer sollen 84 Zimmer in einem siebengeschossigen Bau werden - zusätzlich einem Spa-Außenbereich mit Pool. Die Schwierigkeit für diesem Projekt, es liegt in einem Landschaftsschutzgebiet d.h. die Landschaft soll in ihrer vorgefundenen Eigentümlichkeit und Einmaligkeit erhalten bleiben.

Damit beginnt der Kampf in den Institutionen. Den Gemeinderat von Lenzkirch würde den Ausbau begrüßen, da zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden und die zusätzliche Kurtaxe in die Gemeindekasse gespült werden. Dem steht Naturschutz entgegen, da Bergmolche und Grasfrösche in unmittelbarer Nähe laichen. Ausgleichsmaßnahmen wurden natürlich angeboten. Auch die Ökologie meldete sich zu Wort, da es einen Beschluss des Abwasserzweckverband verbietet, Neubauten zu errichten, so lange in Lenzkirch und Feldberg das marode Wassernetz nicht in Ordnung gebracht ist.

Die Behördengremien werden das Für und Wider abwägen, die Änderungen des Bebauungsplans begutachten und dann auf das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald blicken, denn die treffen die finale Entscheidung.

Oh Schwarzwald, Oh Heimat



Freitag, 3. April 2026

Was verbirgt sich hinter dem roten Bollenhut?

Der Bollenhut ist ein Strohhut, der seit etwa 1800 zur Tracht in drei Dorfgemeinden getragen wird: Gutach, Reichenbach (Ortsteil von Hornberg) und Kirnbach (Ortsteil von Wolfach). Die drei Dörfer gehörten zum Herzogtum Württemberg und waren seit 1534 evangelisch inmitten von katholischen Gemeinden.

Unverheirateten Frauen tragen die Bollen rot, bei verheirateten schwarz. Den roten Bollenhut dürfen Mädchen erstmals bei der Konfirmation bis zur Hochzeit tragen. Bei der Hochzeit wird die Hochzeitsschäppel getragen und danach der schwarze Bollenhut.

Der ursprüngliche Bollenhut betrug etwa 500 g und wuchs im Laufe der vielen Jahre auf bis zu 2 kg an. Der breitkrempige, weißgekalkte Strohhut trägt 14 auffallende, kreuzförmig angeordnete Bollen aus roter Wolle. Sichtbar sind nur 11 Bollen, weil 3 von darüberliegenden verdeckt werden. Unter dem Bollenhut wird eine schwarze seidene Haube getragen, die unter dem Kinn gebunden wird. Kleine Mädchen und alte Frauen tragen nur die Haube. Mittlerweile wird der Bollenhut mit Tracht noch zu Festtagen und bei Brauchtumsveranstaltungen getragen.

Fälschlicherweise wird der rote Bollenhut außerhalb des Schwarzwaldes als Schwarzwaldtracht eingestuft. Dies ist den vielfältigen Veröffentlichungen der farbenträchtigen Tracht durch verschiedenen Künstlern zu verdanken, wie von Charles Lallemand Ende der 1850er Jahre, Ludovico Wolfgang Hart, der 1864 die ersten Fotografien veröffentlichte oder  ab Ende der 1870er Jahre durch die Gutacher Künstlerkolonie mit Wilhelm Hasemann, Curt Liebich und Fritz Reiss. Dazu kam die Großherzogin Luise von Baden, die um die Jahrhundertwende bei ihren Schwarzwaldbesuchen  fälschlicherweise den roten Bollenhut trug. Den Rest zur Verkitschung trug der Film “Schwarzwaldmädel” aus dem Jahr 1950 bei. So wurde der Bollenhut immer mehr als Werbemittel für den gesamten Schwarzwald verwendet, leider bis hin zur Geschmacklosigkeit. Eine kleine Auswahl der Stilblüten von Werbeagenturen aus meiner Sammlung: "Schwarzwald Kitsch".

Ostergrüße einer Möbelfabrik, Gästebegrüßung im Steigenhaus in Höllsteig, IHK Zeitschrift “Im Südwesten”, Kreisverkehr vor Räucherei Schwarzwaldhof in Blumbeg, Osterhase aus St Georgen Genusswerkstatt, Hauben für Golfschläger, Inserat der Firma Presswerk Oberkirch, Werbung von Bofrost, Parkplatzverschönerung in Triberg. Oh, Schwarzwald: Sehnsucht Heimat!