Berthold Auerbach
hatte mit seinen „Schwarzwälder Dorfgeschichten“ viel Erfolg. Auerbachs
Verleger wollte die Novelle in einer illustrierten Prachtausgabe
herauszubringen. Dafür wurde ein Illustrator gesucht und Hasemann der Vorschlag
gemacht, eine Studienreise nach Gutach im Schwarzwald zu machen. Das Ansinnen
reizte Hasemann, da er den landschaftlichen Charakter des Schwarzwaldes und
deren Bewohner mit ihren eigenartigen Kostümen nicht kannte.
Beim Löwenwirt
Aberle in Gutach logierte auf Empfehlung Hasemann 1880 und durchstreifte das
Gutachtal und Umgebung. Blühende Obstbäume, prächtige Bauernhöfe und die jungen
Mädchen in der malerischen Tracht mit ihrem roten Bollenhut faszinierten
Hasemann. Er lernte die Triberger Wasserfälle kennen, den Schellenmarkt mit
seinen Hirten auf dem Fohrenbühl. Er genoss den herrlichen Ausblick bis zum
Straßburger Münster vom Farrenkopf aus. Es verwunderte nicht, den schnellen
Entschluss von Hasemann, hier bleiben zu wollen.
Schon 1881 war
Hasemann Mitorganisator und Betreuer der Gutacher Gruppe beim großen
Trachtenumzug in Karlsruhe anlässlich der Silberhochzeit des Großherzogs. Die
Gutacher Bollenhuttracht war wie öfters bei Trachtenfesten umjubelter
Mittelpunkt. Zahlreiche Serien wurden von Hasemann bebildert, so auch für
Hansjakob die Bücher „Vogt auf dem Mühlstein“, „Erinnerungen einer alten
Schwarzwälderin“ und „Afra“.
Endgültig zum
Gutacher wurde er, als er im Steinenbach ein altes Häuschen erwarb und im Dorf
als Atelier wieder aufbauen ließ. Auch das Eheglück hielt 1889 Einzug, da
Hasemann Luise Lichtenberg aus Mühlberg in sein neues Heim heimführte. Das
vielfältige Schaffen des Künstlers war so umfangreich, dass die Gemeinde Gutach
ihm und seiner Frau das Ehrenbürgerrecht von Gutach verliehen wurde. Die
Schwester von Frau Hasemann hatte den späteren Professor Curt Liebig
geheiratet, den es dann ebenfalls nach Gutach in die Künstlerkolonie zog.
Das Schaffen Hasemanns
war immens, denn es entstanden Bilder vielfältiger Trachten der
Schwarzwaldtäler Wolfach, Schapbach, der Kinzig, Elz und Glotter. Er versammelte
die Trachten vor der Wallfahrtskirche in Triberg, auf dem Schellenmarkt der
Schwarzwälder Hirtenbuben, auf Kirch-, Hochzeits- und Taufgängen.
Als Hasemann 1913
allzu früh verstarb, hat ein ganzes Dorf mit seiner Umgebung nah und fern
getrauert und in einem nicht enden wollenden Trauerzug zu Grabe getragen.
Geblieben ist die Vielzahl der Bilder über Gutach, und der Umgebung, die
Trachten, die Menschen nah und fern und diese berichten heute noch vom Können
und Beobachten eines großen Künstlers.
Durch Hasemann
wurde die rote Bollenhuttracht, die nur in Gutach, Reichenbach, einem Ortsteil
von Hornberg und Kirnbach, einem Ortsteil von Wolfach getragen wird, als
Schwarzwäldertracht in der ganzen Welt bekannt.
| Gutacher Tracht nach dem Kirchgang |