Freitag, 17. April 2026

Was verbirgt sich hinter dem Schwarzwaldmaler Hasemann?

Dabei war Wilhelm Hasemann überhaupt kein Schwarzwälder und sollte ursprünglich sich gar nicht der Malerei verschreiben: 1850 in Mühlberg, Sachsen,  in den Haushalt eines Schlossers geboren, sollte das elterliche Geschäft übernehmen und absolvierte eine dreijährige Schlosserlehre, obwohl seine Neigung und Begabung schon früh erkennbar war. Fürsprecher und Lehrer bestärkten die Eltern, die Talente der Malerei des Sohnes zu fördern. Im Dezember 1865 ging der Vater mit all den Unterlagen zur Königlichen Akademie der Künstler, um Erkundigungen einzuziehen und kam mit der Anmeldung des Sohnes zurück. 1866 bis 1872 erfolgte das Studium auf der Königlichen Akademie, 1873 bis 1879 schloss sich das  der Großherzoglichen Kunstschule in Weimar an. Anstatt wie üblich eine Italienreise anzuschließen, wurde ihm empfohlen, wenigstens in der damals bekannte Künstlerstadt München mit seinen vielen Ateliers zu arbeiten.

Berthold Auerbach hatte mit seinen „Schwarzwälder Dorfgeschichten“ viel Erfolg. Auerbachs Verleger wollte die Novelle in einer illustrierten Prachtausgabe herauszubringen. Dafür wurde ein Illustrator gesucht und Hasemann der Vorschlag gemacht, eine Studienreise nach Gutach im Schwarzwald zu machen. Das Ansinnen reizte Hasemann, da er den landschaftlichen Charakter des Schwarzwaldes und deren Bewohner mit ihren eigenartigen Kostümen nicht kannte.

Beim Löwenwirt Aberle in Gutach logierte auf Empfehlung Hasemann 1880 und durchstreifte das Gutachtal und Umgebung. Blühende Obstbäume, prächtige Bauernhöfe und die jungen Mädchen in der malerischen Tracht mit ihrem roten Bollenhut faszinierten Hasemann. Er lernte die Triberger Wasserfälle kennen, den Schellenmarkt mit seinen Hirten auf dem Fohrenbühl. Er genoss den herrlichen Ausblick bis zum Straßburger Münster vom Farrenkopf aus. Es verwunderte nicht, den schnellen Entschluss von Hasemann, hier bleiben zu wollen.

Schon 1881 war Hasemann Mitorganisator und Betreuer der Gutacher Gruppe beim großen Trachtenumzug in Karlsruhe anlässlich der Silberhochzeit des Großherzogs. Die Gutacher Bollenhuttracht war wie öfters bei Trachtenfesten umjubelter Mittelpunkt. Zahlreiche Serien wurden von Hasemann bebildert, so auch für Hansjakob die Bücher „Vogt auf dem Mühlstein“, „Erinnerungen einer alten Schwarzwälderin“ und „Afra“.

Endgültig zum Gutacher wurde er, als er im Steinenbach ein altes Häuschen erwarb und im Dorf als Atelier wieder aufbauen ließ. Auch das Eheglück hielt 1889 Einzug, da Hasemann Luise Lichtenberg aus Mühlberg in sein neues Heim heimführte. Das vielfältige Schaffen des Künstlers war so umfangreich, dass die Gemeinde Gutach ihm und seiner Frau das Ehrenbürgerrecht von Gutach verliehen wurde. Die Schwester von Frau Hasemann hatte den späteren Professor Curt Liebig geheiratet, den es dann ebenfalls nach Gutach in die Künstlerkolonie zog.

Das Schaffen Hasemanns war immens, denn es entstanden Bilder vielfältiger Trachten der Schwarzwaldtäler Wolfach, Schapbach, der Kinzig, Elz und Glotter. Er versammelte die Trachten vor der Wallfahrtskirche in Triberg, auf dem Schellenmarkt der Schwarzwälder Hirtenbuben, auf Kirch-, Hochzeits- und Taufgängen.

Als Hasemann 1913 allzu früh verstarb, hat ein ganzes Dorf mit seiner Umgebung nah und fern getrauert und in einem nicht enden wollenden Trauerzug zu Grabe getragen. Geblieben ist die Vielzahl der Bilder über Gutach, und der Umgebung, die Trachten, die Menschen nah und fern und diese berichten heute noch vom Können und Beobachten eines großen Künstlers.

Durch Hasemann wurde die rote Bollenhuttracht, die nur in Gutach, Reichenbach, einem Ortsteil von Hornberg und Kirnbach, einem Ortsteil von Wolfach getragen wird, als Schwarzwäldertracht in der ganzen Welt bekannt.


Gutacher Tracht nach dem Kirchgang