Freitag, 12. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter 192 Jahre Ketterer Getriebe?

Benedikt 1805-71

Zwei junge Uhrmacherbrüder, Benedikt (1805-1871) und der jüngere Martin Ketterer vom Philippenhof in Vöhrenbach-Langenbach waren bereit nach England zu gehen, um als Uhrmacherhändler das große Geld zu verdienen, denn die Schwarzwälderuhren waren zur Zeit der Industrialisierung in England sehr gefragt. Die entstehende Arbeiterschaft konnte sich nicht die teuren Metalluhren aber die billigen Schwarzwälder Holzuhren leisten. Der Anteil am elterlichen Hof diente als „Existenzgründungskredit“. Sie gründeten 1832 in Portsmouth das Unternehmen „Ketterer & Co“. Schon nach 10 Jahren kehrte Benedikt als wohlhabender Unternehmer nach Langenbach zurück, löste seinen Kredit ab und baute in Furtwangen eine Uhrenwerkstatt. Vierzehn Jahre später folgte ihm sein Bruder Felix, sie gründeten „Benedikt Ketterer & Söhne“

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Schwarzwälder Uhrenmarkt wegen den Konkurrenzverhältnissen immer schwieriger. Da zu jener Zeit der Gasverbrauch für Heizung und Beleuchtung stieg, erinnerte Benedikt Ketterer sich an die Gaszähler, die er aus seiner Englandzeit kannte. Schon 1851 verkaufte Benedikt Ketterer seine selbstkonstruierten Gaszähler an die Stadt Freiburg. Zwanzig Jahre später kamen mit dem Aufbau der öffentlichen Wasserversorgung die Wasseruhren hinzu.

Felix 1847-1911

Nach dem Tode von Benedikt Ketterer 1871 übernahm sein ältester Sohn Felix (1847-1911) zuerst mit seiner Mutter Klara das Unternehmen, denn zusätzlich hatte er 1870 mit dem Aufbau einer Regulatorenfertigung begonnen, in der er arbeitsteilig Uhren produzieren ließ. Sie ging 1900 in der bekannte „Badische Uhrenfabrik“ –auch „Baduf“ genannt- auf, deren Teilhaber und technischer Direktor er wurde.

Aber auch die vom Vater übernommene Firma „Benedikt Ketterer Söhne“ entwickelte sich unter seiner Leitung zum größten Arbeitgeber in Furtwangen und beschäftigte 396 Mitarbeiter. Die Fabrikation von Zähl- und Registraturwerken sowie Armaturen für Gas-, Wasser- und Elektrizitätsmesser wurde systematisch weiter ausgebaut. Beispielsweise kamen selbstkassierende Gasverkäufer 1912 hinzu d. h. sie gaben gegen Münzeinwurf eine bestimmte Menge Gas frei.

Als die Kapazitäten der Wasserturbine nicht mehr die Stromversorgung der Produktion garantieren konnte, erwarb Felix Ketterer 1890 die „Rote Mühle“. Er ließ dort ein Turbinenhaus errichten. Die 1100 m bis zu den Werkstätten wurden mit Leitungsdrähten überspannt, die von 27 Stangen gehalten worden sind. Die Badische Regierung hielt die Anlage für sehr gefährlich. Aber siehe da, die angeschlossenen Maschinen liefen an, die Werkshallen glänzten im hellsten Licht. 1898 wurde das heute restaurierte Fabrikgebäude erbaut. 1893 kam der Eisenbahnanschluss der Bregtalbahn hinzu. Über sie wurde nicht nur exportiert sondern auch Ruhrkohle importiert. Das ermöglichte eine Tiegelgießerei. Dieses florierende Unternehmen wurde 1944 an die drei Söhne von Oskar Ketterer verkauft. Einer der Brüder, Lothar, erwarb die Anteile der Brüder und dessen Sohn Bernhard formte den Weltmarktführer „Ketterer Druckguss“.

Oskar 1881-1944

Aber nun zurück zu „ Ketterer Getriebe“, der Sohn von Felix Ketterer, Oskar (1881-1946), wurde in der Uhrmacherschule in Furtwangen in der Konstruktion und Bau von Elektrizitätszähler ausgebildet. Schon 1901 wurden die ersten Stromzähler ausgeliefert. Das führte zur Deutschen Zählergesellschaft 1924, die in Furtwangen und später in Vöhrenbach Zähler produzierte. Weiterhin baute er noch die „Ketterer Galwanik“ in Furtwangen und eine Gaszählerfabrik in Karlsruhe. 1911 wurde der Schwager von Oskar Ketterer, Ernst Hepting, in die Geschäftsführung aufgenommen. Im wachsenden Unternehmen kam Anfang der 20er 
Jahre ein weiterer Schwager, Emil Jäger, dazu. Die von Ihm vorgenommen Ausflüge in die Radiotechnik wurde aber wieder zugunsten der Getriebetechnik aufgegeben.

Heute produziert Ketterer Söhne seit 1984 unter der Leitung von Odin Jäger alles, was mit Getrieben zu tun hat, von der Jalousie über die Markise zu den höhenverstellbaren Schreibtischen oder Sondergetrieben für Operationsmikroskopie und Krankenstühlen.