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| Kuckucksuhr 1790 |
Auf den nachgebauten ersten Schwarzwälder Uhren ist die Jahreszahl 1640 vermerkt. Dies ist aber reine Phantasie. Der erste Nachweis einer Schwarzwälder Uhr ist in einem Schreiben des Bergrichters Huber in Hofsgrund 1634 an den Bergverwalter Franz zu finden. Er habe dem Kaufmann Lichtenbahn in Basel ein “Ührlein” geschenkt. Das kann aber nicht als Ernst zunehmender Beweis angesehen werden.
Einer der ersten Schwarzwälder Uhren besaß im Jahre 1667 der
Pfarrverweser von Neukirch, Peter Kalteisen, ein Mönch von St Peter. Er hat sie
von der Familie Kreuz vom Glashof in Waldau erworben. Ein anderer Hinweis
deutete auf Lorenz Frey, genannt Hackbretterlenz, wohnhaft in den Spirzen bei
Himmelreich. Auch er baute Uhren. Und ein weiterer Hinweis führt nach St
Georgen zu Simon Henninger, der hölzerne Unruhuhren fertigte. Er lebte um 1690.
Die ersten Nachbauten der Uhren hatten einen Balken als Waage und
einen Stein als Gewicht. Aber sehr bald begnügten sich die Schwarzwälder
Bastler nicht, das fremde Vorbild nachzubauen sondern bastelten an eigenen
Wegen.
So trat um 1740 an die Stelle der Waage das Pendel, zuerst vor dem
Zifferblatt als “Kuhschwanzpendel”. Mit der Zeit reizte es zu allerhand
Erfindungen, die den Hang zum unterhaltenden Spielwerk verraten: Uhren mit
beweglichen Figuren und Köpfen, mit rollenden Augen. Da gibt es “Männleuhren”
in dutzenden Varianten: Kapuziner, die Glocken läuten, Bauern die Holz sägen
und Schweine erschlagen oder aber grausig als “Enthauptungsuhr”. Aber damit war
der Einfallsreichtum nicht erschöpft, denn neben den bewegenden Figuren kommen
kurze Zeit später Musikuhren dazu. Am Ende stand die Spieluhr mit pneumatischen
und mechanischen Musikwerken.
Prägend für die Uhrenentwicklung waren Mitte 1700 die Schottenuhren
mit ihrem hochgezogenen Uhrenschild von Johann Dilger vom Schottenhof im Jostal
bei Neustadt. Kleiner waren die Uhren von Jakob Herbstrieth aus Hinterzarten
1790 mit einem Durchmesser von 9,5 cm. Die Sorg Uhr 1830 von Joseph Sorg aus
Neustadt schaffte es mit einem Durchmesser von 6 cm.
Zu den ersten Automatenuhren zählt die weltbekannte Uhr mit dem
Kuckuck, die sein Türle öffnet, aus dem geöffneten Türle herauswippt, die Stunde
ausruft und wieder verschwindet. Die erste Kuckucksuhr soll von Franz Ketterer,
dem “Treyerfranz” (Dreher”, Bauer auf dem Höfle in Schönwald) 1730 gebastelt
haben. Seine Idee holte er bei Beobachtungen des Blasebalgs an der
Kirchenorgel. Seine ersten Uhren hatten Lackschild, Kuhschwanzpendel und
zunächst unbewegliche Vögel ohne Türchen. Zur gleichen Zeit mit Ketterer
fertigten auch der “Gosenmichele” (Michael Dilger aus Neukirch) und der
“Jägerstieger” (Mathias Hummel” aus Waldau) Kuckucksuhren. Wer von den dreien
den Vogel und Türchen beweglich gemacht hat, wird sich wohl nie aufklären
lassen. Dagegen erzählte Georg Rombach aus Eschbach (1731-1804), wie er im Westen Nordamerikas einen Farmer und dessen Sohn in einer Kneipe erschreckte, als plötzlich der Kuckuck erschien und die Stunde schlug. Die beiden hielten das für Zauberei.
Im letzten Jahrhundert wechselte die Kuckucksuhr oft die Form.
Leider ist sie hierbei immer kitschiger geworden. Wir begegnen ihr als
Rahmenuhr mit Hinterglasmalereien. 1858 hat die Furtwanger Uhrmacherschule
Versuche aufgenommen, den Kuckuck durch andere Tiere zu ersetzen: meckernde
Ziege, bellender Hund oder einen schreienden Esel. Nichts hat sich
durchgesetzt. Eine entscheidende Änderung ergab sich bei der Kuckucksuhr durch
eine Ausschreibung der Furtwanger Uhrmacherschule, da diese um 1850 nach neuen
Formen suchte. Hier setzte sich als Vorbild die Bahnhäusle entlang der neuen
Eisenbahnstrecken von Friedrich Eisenlohr durch. Auf den rechteckigen
Zifferblattträger kam ein gleichschenkliges Dreieck als Dach. Die Form der
Bahnhäusleuhr war geboren. Schmuckwerk in Form von Blumen, Blätter wurden mit
Jagdstücken ergänzt. Heute gibt es Kuckucksuhren mit bewegenden Figuren und
Musikwalzen mit Melodien wie “Die Mühle im Schwarzwald”.
Der grüblerische verspielte Sinn des Wälders zeitigte auch seine
beste Leistung, die astronomische Uhr. Bereits um 1760 brachte Capar Dorer vom
Reinerhof in Schönwalda als erster den Lauf von Sonne, Mond und Sterne an
seinen Uhren. Thaddäus Rinderle, Mönch des Klosters St Peter, krönte diese
Bemühungen mit einer astronomisch-geographischen Uhr 1787.
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| Astronomische Uhr Rinderle 1787 |

