Freitag, 7. August 2026

Was verbirgt sich hinter den Giersteinen im Murgtal


Bermersbach ein Ortsteil von Forbach liegt auf einer Terrasse 160 m über dem Murgtal. Auf einem langgezogenen Bergrücken vom Dorf Richtung Murgtal liegen drei 7x4x4 m mächtige Forbachgranitfelsen. Sie sind rund geschliffen und voller Rillen, die aussehen, als seien sie vom Wasser hineingegraben worden, obwohl die Murg mehr als hundert Meter tiefer verläuft. Die rätselhafte Steine sind seit 1940 als geschütztes Naturdenkmal eingetragen.

 

Die bizarren Felsen haben natürlich die Phantasie der Bevölkerung und Besucher angeregt. Heidnisch sollen die Steine sein und als Opfersteine gedient haben, in deren Rillen das Blut der Tiere (oder Menschen) hinabgeflossen ist. Auch das Dritte Reich hat diese Felsen als Opfersteine oder germanische Kultstätte vereinnahmt. Die Sagenwelt glaubte den Teufel bemühen zu müssen, der die Ausbreitung des Christentums im Murgtal hier verhindern wollte und in seiner Wut über seine nutzlosen Bemühungen die Krallen in den Fels geschlagen habe.

 

Die Giersteine sind einem ehemaligen Einwohner von Bermersbach, Klaus Schmich, nicht aus dem Sinn gegangen. Er hatte von seiner früheren Wohnung aus beobachtet, dass zum Zeitpunkt der Wintersonnwende, am 21. Dezember, die Giersteine eine Kimme bilden, die ziemlich genau auf den Doppelgipfel des Kipf oberhalb von Gausbach zielt., wo am Tag der Wintersonnwende die Sonne aufgeht. Hinzu kommt, dass in den 1950er Jahren in unmittelbarer Nähe der Giersteine Feuersteinmesser aus der Steinzeit gefunden wurden. Deswegen besteht die Vermutung, dass die Giersteine eine heidnische Versammlungsstätte war.

 

Der Glazial-Geologe, Prof. Dr Dieter Ortlam, hat in ganz Europa viele Auswaschungen ähnlicher Art freigelgt. Er ist der Überzeugung, dass die Steine ein Produkt der Eiszeit seien. Von Skandinavien her schoben sich die mehrere hundert Meter dicke Eispanzer über Mitteleuropa und damit auch über den Schwarzwald. Er brachte nicht nur Findlinge mit sondern formte auch die Landschaft. Über den Bergspitzen brach der Inland-Eispanzer zu „Igelspalten“ auf und Gletscherwasser schoss in der Sommerzeit tagsüber kubikmeterweise durch die Risse. Wo es auf den nackten Fels prallte entstanden Auskolkungen, vorausgesetzt, das Wasser führte Sand und Kies mit sich und konnte ständig abfließen. So schliff und sprudelte es immer tiefere Löcher und Abflussrinnen aus dem Fels, die als Gletschermühlen bezeichnet werden.

 

Die schwer zugängliche Gegend um Forbach wurde jedoch erst im 14. Jahrhundert besiedelt. Erst 1725 tauchte die Bezeichnung „Gierstein“ in einem Schriftstück auf allerdings mit dem Zusatz „Irrstein“ in Klammern. 1753 erfolgte dann die Gewannbezeichnung „Gierstein“ in einem Art Grundsteuerverzeichnis.

 

Der Besucher kann das interessante Naturgebilde mit dem herrlichen Rundblick auf das Murgtal verbinden. In Bermersbach befindet sich in der Festhalle des Ortes unter Führung des Heimatvereins das Murgtalmuseum, das sich mit den Lebensumständen früherer Generationen in der Region beschäftigt.