Freitag, 21. August 2026

Was verbirgt sich hinter den Wuhren im Südschwarzwald?

Heidenwuhr mit Abzweigung

Der südliche Schwarzwald ist eine typische Gletscherlandschaft mit tiefen Trogtälern und trockenen Hochebenen, aus denen das Wasser rasch abstürzt. Die Wuhren waren künstlich angelegte Wasserläufe mit geringem Gefälle, die das verhinderten. Aus den Hochebenen von 700 bis 800 m Höhe mit wasserreichen Gletschermulden wurden entwässert und trockene, tiefer liegende Gebiete mit wenig Wasservorkommen versorgt und für landwirtschaftliche Erzeugung nutzbar gemacht. Mühlen aller Art, Sägen, Hammerwerke, Dorfbrunnen oder später Gewerbe- und Industriebetriebe und deren Turbinen mussten mit Wasser versorgt werden. Es gibt 3 größere Wuhrensysteme

 

Heidenwuhr: 10 km lang. Beginnt in einer Wiese bei Atdorf als „Schneckenbach“. Der größte Teil des Baches wird unterhalb von Atdorf bei der „Hasnrütti“ gefasst und fließt in vielen Windungen zwischen Bergalingen und Willaringen durch, Jungholz und am Kühmoos vorbei. Schließlich auf den letzte 70 m durch einen Stollen in den Bergsee, und aus diesem wieder im Stollen heraus. Mehrere Kanäle dienten zur Versorgung einzelner Betriebe und das zog sich bis nach Bad Säckingen und als „Gießen“ zum Rhein hinunter. Der Bergsee diente seit 1805 als Ausgleichsbecken zur Gewährleistung einer konstanten Wasserversorgung.

 

Hännerwuhr: 11,5 km lang. Entnimmt nördlich von Hottingen aus der Murg Wasser (Parkplatz), führt es beim Dreispitz über die Wasserscheide, verläuft im Wald bis bis zur Wasserteile oberhalb Hänner und vereinigt sich in Oberhof mit dem Sägebach Bei Oberhof lief es sogar über Dämme, Brücken und über die Straße und führt bei Laufenburg in den Rhein. Die älteste Urkunde des Hännerwuhrs stammt von 1207 zwischen der Fürstäbtissin von Säckingen und dem Grafen von Habsburg. Den Unterhalt des Wuhrs wird heute von einer Genossenschaft geleistet.

 

Hochsaler Wuhr: 21,4 km lang. Sie beginnt im Quellgebiet der Murg südlich von Herrischried, Hogschier, bei Oberwihl wird sogar die Wasserscheide überwunden. Das Hochsaler Wuhr hat das Seltenwuhr als seitliches Wuhr zur Verstärkung der Wassermenge hinzu, und von ihr zweigt 1,3 km nördlich von Rotzel das Rotzelwuhr (1,8 km lang) mittels Wasserteiler ab. Das Rotzelwuhr vereinigt sich mit dem Andelsbach und fließt bei Laufenburg in den Rhein. Das Hochsaler Wuhr verzweigt sich dann nochmals in zwei Arme. Der eine fließt bei Luttingen, der andere bei Laufenburg in den Hochrhein. Die älteste Urkunde weist von 1335 des Klosters Säckingen auf eine „wasserfurte“ hin. Der Unterhalt der Wuhre leistet heute der Wasser- und Bodenverband „Hochsaler Wuhre“

 

Zu den drei genannten größeren Wuhrensystemen kommen neben anderen kleinen Wuhren noch das Rüsswihler Wuhr 2,7 km lang bei Rüsswhil südlich von Görwihl, hinzu

 

Eine technische Meisterleistung war sicher das Berauer Wuhr (ursprünglich 10 km lang), das als ehemalige Wuhr inzwischen wieder freigelegt wurde. Es führte Wasser der Mettnau nach Berau, um das Kloster Berau mit Wasser und zusätzlich zwei Mühlen zu versorgen. So wurde auf der Höhe mit Wasser aus der Mettma die Klostermühle angetrieben. Vieles spricht dafür, dass das Wuhr nicht 1117  mit dem Kloster errichtet wurde sondern aus der Bronzezeit stammt.

 

Das Wassersystem der Wuhren ist schon sehr alt. 1207 bestätigt eine Urkunde einen Vergleich  zwischen dem Kloster Säckingen und dem Grafen Habsburg-Laufenburg über den Wasserverbrauch aus dem Heidenwuhr. Die älteste Urkunde vom Hännerwuhr stammt ebenfalls von 1207, vom Hochsaler Wuhr von 1453.

 

Für die Verteilung des Wassers bestanden genaue Absprachen, die auf Holztafeln geschrieben waren und später als Wässerungsbriefe wichtige Dokumente der Eigentümer waren. Nach den Ortsvögten war der Wuhrenknecht der wichtigste Mann im Dorf und der Umgebung. Er wurde vom Wuhrenausschuß und dem Wuhrenmeister gewählt, eingesetzt und überwacht, denn die Einhaltung der seit Jahrhunderten geltenden Wuhrenordnung war die lebensnotwendige Voraussetzung für das Funktionieren der Wirtschaft im Hotzenwld.

Hännerwuhr mit entnahmestelle aus der Murg