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| Hirschsprung im Höllental 1887 |
Im Dreisamtal führt die B 31 von Freiburg nach Hinterzarten hoch. Nach dem lieblich einladenden Himmelreich werden die Felsen immer höher und engen die Straße und Bach immer mehr ein. An der engsten Stelle, an der nur noch Straße und Bach Platz haben und Felsen beidseitig senkrecht herabbrechen, steht auf dem rechten Felsen ein bronzener Hirsch. Dem staunenden Besucher wird erzählt, dass der Hirsch da oben stände, weil er in seiner Not der Verfolgung durch Jäger und Hund den Sprung über das Tal gewagt hatte, um seinen Häschern zu entkommen. Ungläubiges Staunen bei den einen, ein prüfender Blick nach oben, um das Erzählte wegen der Entfernung nicht zu glauben.
In Wirklichkeit wurde der erste
Hirsch aus Holz im September 1856 anläßlich der Hochzeit von Großherzog
Friedrich II von Baden mit Luise von Preußen durch die Gemeinde Falkenstein
aufgestellt. Das jungvermählte Paar besuchte die Insel Mainau und der Weg dahin
führte über Freiburg, Höllental und Donaueschingen.
Der hölzerne Hirsch hielt bis 1874
den Stürmen und Regen stand und wurde anläßlich der Versammlung der deutschen
Forstämter in Freiburg erneuert, denn diese unternahmen einen Ausflug ins
Höllental. Vier Jahre hielt der Hirsch dem widrigen Wetter stand, bis ein
kräftiger Sturm den morschen Hirsch vom Felsen fegte. Acht Jahre blieb der
Felsen ohne Schmuck.
Zur Einweihung der Höllentalbahn 1887
durch den Großherzog Friedrich II musste natürlich ein neuer Hirsch wieder auf
den Felsen. Neumann beschreibt die Stelle in seinem Buch “Der Schwarzwald”: Die
Felsen treten von beiden Seiten sich so nahe, dass die Straße nur durch
Sprengung neben dem Bach Raum gewinnen konnte, während die Bahnlinie der
Bergwand in drei Tunnels durchbricht. Die Enge, der Hirschsprung, ist die
großartigste Stelle des Tales und darf sich mit den wildesten Talschluchten
aller Mittelgebirge an die Seite stellen.
Dieses Mal hielt der dritte hölzerne
Hirsch bis 1904 bevor er durch Wind und Wetter zu Grunde ging. Der Initiative
von Hermann Fauler, Mitbesitzer der Eisenwerke Freiburg und Falkensteig ist es
zu verdanken, dass unter Mithilfe der Behörden und zahlreicher Unterstützer ein
Hirsch in Kupfertreibarbeit 2 m hoch und 200 kg schwer 1907 auf den Felsen kam.
Dort hielt er erstaunliche Weise 103
Jahre die Wacht über den Hirschsprung, bis er 2010 im Zuge von
Felssanierungsarbeiten vom Sockel geholt wurde, um aufgefrischt zu werden.
Erstaunlicher Weise mussten die Schlosser feststellen, dass der Hirsch 35
Einschusslöcher aufwies. Diese stammten wohl von den vorbeiziehenden
französischen Truppen, die 1945 ihre Siegesfreude am Hirschen auf dem Felsen
ausließen.
Und nun wird den Besuchern auch
weiterhin die Geschichte vom verfolgten Hirsch erzählt werden, der sich durch
einen Sprung über das Höllental gerettet haben soll.

