Donnerstag, 27. August 2026

Was verbirgt sich hinter "WEHRLE Präzision als Prinzip" aus Furtwangen?

FX Wehrle1819-85

Das seit über 180 Jahre bestehende Unternehmen produziert heute Durchflussmessgeräte für Wasser, Wärme und Dienstleistungen. Verbunden ist die Herstellung von Gehäusen, Zählwerken und Getrieben aus Metall und Kunststoff. Das Unternehmen beschäftigt 260 Mitarbeiter und erreichte einen Umsatz 2024 von 38 Mio €. Für das Jahr 2025 rechnete das Unternehmen mit 43 Mio Umsatz laut Angaben aus „Wirtschaft im Südwesten“ der IHK Südlicher Oberrhein. Und doch wurde die Branche und Mitarbeiter aufgeschreckt, denn das Unternehmen wurde im Februar 2025 an die Schweizer Unternehmensgruppe „Sontex Group“  wegen Unternehmensnachfolge verkauft. Und dennoch ist es interessant auf den Werdegang des Unternehmens, das in 5. Generation Wehrle/Herth geführt wurde, zu schauen.

Das Unternehmen E. Wehrle ist aus der 1842 gegründeten Werkstatt für Spieluhren von Franz Xaver Wehrle (1819-1885), des „Wannen-Xaverle“ geboren in Langenbach, sesshaft in Schönenbach, hervorgegangen. Wehrle baute hauptsächlich Musikwerke, Drehorgeln und Spieluhren, die er nach Russland, Frankreich, Holland und England lieferte. Ebenso lieferte er für den Orchestrionsbauer „Imhof & Muckle“ komplette Spieluhren und Walzen. 1847 gehörte er zu den Mitbegründern des „Gewerbevereins für den uhrmachenden Schwarzwald“. Er beteiligte sich ebenfalls kapitalmäßig an der 1853 gegründeten Aktiengesellschaft für Taschenuhr-Fabrikation jeweils in Furtwangen.

E. Wehrle 1832-96

Direkt in der Nachbarschaft zu F. X. Wehrle hat ein Emilian Wehrle kunstvolle Kuckucks- und Trompetenuhren hergestellt. Nachdem Emilian Wehrle Norma, die Tochter von F.X. Wehrle, geheiratet hatte, wurden 1866 beide Werkstätten zusammengelegt. Sie wurden unter „Trompetenuhrenfabrikation E. Wehrle & Comp“ zusammengeführt, produziert wurde in den Räumlichkeiten von F. X. Wehrle. Die Erfahrung von F. X. Wehrle als Spieluhrmacher und Emilian Wehrle als genialer Uhrmacher ergänzten sich sehr erfolgreich. Die Trompeten- und Singvögeluhren von höchster Qualität, die sie produzierten, erhielten weltweit Auszeichnungen und Medaillen der großen Messen jener Zeit. Mittlerweile wurde als „E. Wehrle & Cie in Furtwangen – Trompeter-, Flöten- u. Mechanische Singvögel-Uhren-Fabrik“ produziert.

Nachdem 1880 die Konjunktur für Musikuhren zurückging, wurde die Firma A. Zimber, die elektrotechnische Artikel herstellte, übernommen. Die Fertigung von elektrischen Uhren hatte nicht richtig eingeschlagen. Aber mit Addiermaschinen und Schalter von Treppenhausbeleuchtungen konnte sich das Unternehmen über Wasser halten. 1885 starben F. X. Wehrle und 1896 Emilian Wehrle. Damit geht die Zeit der Uhrenherstellung endgültig zu Ende. Die Kinder von Emilian Wehrle wandern nach Amerika aus.

So übernimmt Julian, der Sohn von F.X. Wehrle, das Unternehmen. Er, der nicht nur Schreiner und Uhrmacher gelernt sondern auch die Musikschule besucht hatte, konnte mechanische Laufwerke herstellen. 1923 übergab Julian das kleine Unternehmen seinem Sohn Erwin, der ein neuer zukunftsweisendes Fabrikationsprogramm entwickelte. 1930 begann er mit der Herstellung von Bestandteilen für Wasserzähler. Damit ging die Entwicklung des Unternehmens wieder aufwärts. Mit der Bearbeitung von Reinnickel, ein Material, das beim Wasserzähler damals Vorschrift war, erreichte er große Erfolge. 1938 beschäftigte er schon 38 Mitarbeiter. Die Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde mit Kriegsfertigung überwunden.  Unglücklicherweise wurde der Betrieb von den Franzosen nach dem Kriege vollkommen demontiert.

Aber schon 1940 hatte sich Erwin Wehrle mit seiner Erfindung einer eigenen Spritzgussmaschine beschäftigt. Damit war mit dem Kunststoff eine neue Ära der Wasserzähler eröffnet. 1959 wird Eduard Herth, der die Tochter Friedhilde geheiratet hatte, Leiter der kaufmännische Abteilung. Erwin Wehrle stirbt 1971, seine Frau Renate übernimmt mit einem Herrn Vossler die Geschäftsführung. Da sie kinderlos  2001 stirbt, geht mit ihrem Tod der Besitz auf die Familie Herth über. Mit Georg Herth tritt 2002 die 5. Generation im Unternehmen an.