FX Wehrle1819-85
Das seit über 180
Jahre bestehende Unternehmen produziert heute Durchflussmessgeräte für Wasser,
Wärme und Dienstleistungen. Verbunden ist die Herstellung von Gehäusen,
Zählwerken und Getrieben aus Metall und Kunststoff. Das Unternehmen beschäftigt
260 Mitarbeiter und erreichte einen Umsatz 2024 von 38 Mio €. Für das Jahr 2025
rechnete das Unternehmen mit 43 Mio Umsatz laut Angaben aus „Wirtschaft im
Südwesten“ der IHK Südlicher Oberrhein. Und doch wurde die Branche und
Mitarbeiter aufgeschreckt, denn das Unternehmen wurde im Februar 2025 an die
Schweizer Unternehmensgruppe „Sontex Group“ wegen Unternehmensnachfolge verkauft. Und
dennoch ist es interessant auf den Werdegang des Unternehmens, das in 5.
Generation Wehrle/Herth geführt wurde, zu schauen.
Das Unternehmen E.
Wehrle ist aus der 1842 gegründeten Werkstatt für Spieluhren von Franz Xaver Wehrle
(1819-1885), des „Wannen-Xaverle“ geboren in Langenbach, sesshaft in
Schönenbach, hervorgegangen. Wehrle baute hauptsächlich Musikwerke, Drehorgeln
und Spieluhren, die er nach Russland, Frankreich, Holland und England lieferte.
Ebenso lieferte er für den Orchestrionsbauer „Imhof & Muckle“ komplette
Spieluhren und Walzen. 1847 gehörte er zu den Mitbegründern des „Gewerbevereins
für den uhrmachenden Schwarzwald“. Er beteiligte sich ebenfalls kapitalmäßig an
der 1853 gegründeten Aktiengesellschaft für Taschenuhr-Fabrikation jeweils in
Furtwangen.
E. Wehrle 1832-96
Direkt in der
Nachbarschaft zu F. X. Wehrle hat ein Emilian Wehrle kunstvolle Kuckucks- und
Trompetenuhren hergestellt. Nachdem Emilian Wehrle Norma, die Tochter von F.X.
Wehrle, geheiratet hatte, wurden 1866 beide Werkstätten zusammengelegt. Sie wurden
unter „Trompetenuhrenfabrikation E. Wehrle & Comp“ zusammengeführt,
produziert wurde in den Räumlichkeiten von F. X. Wehrle. Die Erfahrung von F.
X. Wehrle als Spieluhrmacher und Emilian Wehrle als genialer Uhrmacher
ergänzten sich sehr erfolgreich. Die Trompeten- und Singvögeluhren von höchster
Qualität, die sie produzierten, erhielten weltweit Auszeichnungen und Medaillen
der großen Messen jener Zeit. Mittlerweile wurde als „E. Wehrle & Cie in
Furtwangen – Trompeter-, Flöten- u. Mechanische Singvögel-Uhren-Fabrik“
produziert.
Nachdem 1880 die Konjunktur
für Musikuhren zurückging, wurde die Firma A. Zimber, die elektrotechnische
Artikel herstellte, übernommen. Die Fertigung von elektrischen Uhren hatte
nicht richtig eingeschlagen. Aber mit Addiermaschinen und Schalter von
Treppenhausbeleuchtungen konnte sich das Unternehmen über Wasser halten. 1885
starben F. X. Wehrle und 1896 Emilian Wehrle. Damit geht die Zeit der
Uhrenherstellung endgültig zu Ende. Die Kinder von Emilian Wehrle wandern nach
Amerika aus.
So übernimmt
Julian, der Sohn von F.X. Wehrle, das Unternehmen. Er, der nicht nur Schreiner
und Uhrmacher gelernt sondern auch die Musikschule besucht hatte, konnte
mechanische Laufwerke herstellen. 1923 übergab Julian das kleine Unternehmen
seinem Sohn Erwin, der ein neuer zukunftsweisendes Fabrikationsprogramm
entwickelte. 1930 begann er mit der Herstellung von Bestandteilen für
Wasserzähler. Damit ging die Entwicklung des Unternehmens wieder aufwärts. Mit
der Bearbeitung von Reinnickel, ein Material, das beim Wasserzähler damals
Vorschrift war, erreichte er große Erfolge. 1938 beschäftigte er schon 38
Mitarbeiter. Die Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde mit Kriegsfertigung
überwunden. Unglücklicherweise wurde der
Betrieb von den Franzosen nach dem Kriege vollkommen demontiert.
Aber schon 1940
hatte sich Erwin Wehrle mit seiner Erfindung einer eigenen Spritzgussmaschine
beschäftigt. Damit war mit dem Kunststoff eine neue Ära der Wasserzähler
eröffnet. 1959 wird Eduard Herth, der die Tochter Friedhilde geheiratet hatte, Leiter der
kaufmännische Abteilung. Erwin Wehrle stirbt 1971, seine Frau Renate übernimmt
mit einem Herrn Vossler die Geschäftsführung. Da sie kinderlos 2001 stirbt, geht mit ihrem Tod der Besitz auf
die Familie Herth über. Mit Georg Herth tritt 2002 die 5. Generation im
Unternehmen an.