Dienstag, 8. September 2026

Was verbirgt sich hinter dem Naturschutzgebiet Kaltenbronn - damals?

Kaltenbronn Wildsee Moor 1920er Jahre

Das Naturschutzgebiet Kaltenbronn liegt im Nordschwarzwald zwischen dem Murg und Enztal bzw den Städten Gernsbach und Bad Wildbad. Es erstreckt sich nordöstlich und südwestlich der Landstraße L 76 b aus dem Enztal kommend. Das Gebiet umfasst 1750 ha und die zwei Kilometer voneinander entfernten Naturschutzgebiete um den Wildsee, den Holohsee und die umgebenden Moore sowie die verbindenden Bann- und Schonwälder beim Gernsbacher Ortsteil Kaltenbronn.

Die Kaltenbronner Waldungen sind wahrscheinlich ursprünglich königliches Eigentum gewesen und dürfte um 1000 n. Chr. den Grafen Eberstein als Lehen gegeben worden sein. Der Ebersteiner Besitz verminderte sich in der Folgezeit durch Schenkungen, Erbteilungen und schlechte Wirtschaften immer mehr, so dass sie immer mehr Anteile des Waldbesitzes an die Grafen von Württemberg und die Markgrafen verkaufen mussten. Im Staatsvertrag von 1807 wurde dann die endgültige Grenze zwischen Baden und Württemberg festgelegt.

Der Zustand der Waldungen war in früheren Jahrhunderten sehr schlecht und mit heutigen Verhältnissen nicht zu vergleichen. Die Belastung des Waldgebietes mit zahlreichen Weide- und anderen Berechtigungen und der Mangel an Aufsichtspersonal machten eine Pflege des Waldes und die Wahrung einer nachhaltigen Nutzung fast unmöglich. Die erlassene Wald- und Forstordnungen beschäftigten sich mehr mit der Jagd als mit dem Forst. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Kaltenbronner Waldungen verwüstet und von großen Weidefeldern unterbrochen. Eine Besserung ergab es erst nach dem Verbot der Waldweide. Zahlreiche Köhler gewannen ihre Holzkohle, die damals für die Verhüttung der Erze unentbehrlich waren. Dazu kamen Pottaschesieder, Harzer, Pechsieder und Zundelschneider. Gleichzeitig fingen diese das Wildern an, stahlen das gute Holz und verkauften es. “Weiß ein Forstmann im Wald keinen Bescheid, der Zundelschneider kann ihn gewiß geben”, soweit der Volksmund.

Dazu kamen die Flößer, die schlagweise die Altbestände an Bäumen fällen ließen, um Floßholz zu gewinnen. Die Forstverwaltung ließ noch 1780 zusätzlich einen Seegraben anlegen, um das Wasser als Schwallwasser zum Flößen für das Scheitholz über die Eyach in die Enz zu benutzen. Durch das alljährliche Absenken des Wildsee entwickelte sich in der Umgebung ein Latschenurwald. Ein wilder See in einer scheußlichen Gegend wurde die Gegend um den Wildsee 1820 an der badisch württembergischen Grenze bezeichnet. Die Forstverwaltung wollte die kahlen Hochflächen mit Fichten anpflanzen und obendrein hat man das Torf abgestochen, um dies zum Heizen oder als Torfziegel zu verwenden. Da das Torf einen niederen Brennwert hat, wurde das Torfstechen bald wieder eingestellt. Ebenfalls hat das Trocknen der Torfstücke beim häufigen Regen unüberwindliche Probleme bereitet. Trotzdem tauchten immer wieder neue Pläne zur Torfgewinnung auf. Noch 1889 sollte eine Torfstreufabrik auf dem Holoh gebaut werden. 1902 wurde im Landtag ernsthaft die Idee einer Drahtseilbahn vom Murgtal auf den Holoh diskutiert, um das Torf kostengünstig ins Tal zu transportieren. 1919 wurde infolge der Kohleknappheit durch die Besetzung des Ruhrgebietes der Torfabbau auf der württembergischen Seite nochmals versucht. Baden hatte dies abgelehnt. Erst ab 1924 hat man das Moor sich selbst überlassen.

1856 wurde in Kaltenbronn ein 15 m hoher hölzerner Aussichtsturm gebaut, der 1897 diesen als 22 m hohen runden Steinturm, Kaiser-Wilhelm-Turm, ersetzte. Dieser wurde 1968 auf 27 m Höhe aufgestockt und bietet als Holoh-Turm heute einen herrlichen Ausblick auf das Naturschutzgebiet.

1927 wurde der badische Teil des Wildseemoors zum Naturschutzgebiet erklärt. Ein Jahr später folgte auch der württembergische Teil und 1940 wurde auch noch das Holohgebiet integriert. 1970 wurde das gesamte Wildseemoor zum Bannwald, 2000 zum Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn. Seit 2008 informiert im Ort Kaltenbronn das Infozentrum Kaltenbronn mit einem Naturmuseum über das 5760 ha große Natur- und Schutzgebiet Kaltenbronn.