| Bad Teinach 1852 |
Jedes gute Restaurant in Europa stellt das Teinacher Mieneralwasser dem Genießer auf den Tisch, aber kaum einer kennt das schwäbische Provinzbad Bad Teinachi ím Teinachtal Landkreis Calw, das Städtchen mit mal gerade 500 Einwohnern.
Dabei fing alles
angeblich mit einem Hirsch an, der einen Jäger zur Quelle führte und so wurde der
“Sauerbronne zu Dainach” 1472 erwähnt. Das kleine Teinach tat sich damals
schwer, da Herrenalb, Liebenzell und Wildbad in nächster Umgebung ebenfalls
Mineralwasser zu bieten hatten. Im Jahr 1710 ließ Herzog Eberhard Ludwig von
Württemberg ein Palais als Sommerresidenz errichten. Durch König Wilhelm I von
Württemberg wurden in Teinach Badhaus, Trinkhalle, Badhotel erbaut und neue
Quellen gebohrt. Deswegen führte Teinach schon sehr früh nämlich 1864 den Titel
“Bad”, wenn auch die Führung des Prädikats “Heilbad” erst 1928 vom
Innenministerium in Stuttgart verliehen wurde. 1864 war auch der Moment, in dem
das gesamte Bad in private Hand verkauft wurde.
Carl Heinrich August
Hofmann, der neue Besitzer des Bades, ließ kräftig ausbauen und erneuern, um
1865 die Wasserheilanstalt und das Mineralbad neu eröffnen zu können.
Gleichzeitig wurde Dr Wilhelm Wurm die ärtzliche Direktion der
Wasserheilanstalt und des Mineralbades übertragen
Wilhelm Albert
Wurm (1831-1913) in Nürnberg geboren,
hatte in München Medizin studiert, sich intensive mit Hydrotheraphie
beschäftigt, in verschiednen bayerischen Bädern und Wasserheilanstalten viel
über Wasserheilverfahren erlernt.
In Bad Teinach
entwickelte er sich mit wissenschaftlichem Ehrgeiz nicht nur zu einem
hervorragenden Balneologen, wobei er durch sein speziellen Wasserkuren
bemerkenswerte Heilerfolge erzielt hat. Die Wasserkuren waren häufig mit Diät,
Gymnastik, Massage sowie etwa nötigen pharmazeutischen Präparaten verbunden.
Dem Wandern schrieb er einen bedeutenden Wert zur Gesundheitsförderung zu.
Gerade der überreizte Stadtmensch findet hierbei die Harmonie für Körper und
Seele. Hier empfahl er das herrliche Gebirgsklima um Teinach und die
balsamische Ausdünstung der Nadelholzwaldungen. Sein Engagement auf diesem
Gebiet führte dazu, dass er eines der Gründungsmitglieder des Württembergischen
Schwarzwaldvereins wurde.
Kranken, denen
eine direkte Kur an der Quelle unmöglich war, wurden
“Teinacher-Hirschquelle-Pastillen” als Hausmittel bei katarrjlischen Zuständen,
Husten angeboten und zugesandt.
Auch literarisch
wurde Bad Teinach auch versorgt. Dr Wurm schrieb 1866 sein erstes Buch über das
“Königliche Bad Teinachi m württembergischen Schwarzwald”. Diese Abhandlung war
ein solcher Erfolg, das im Laufe von 38 Jahren noch weitere sieben erweiterte Ausgaben
folgten.
Die erfolgreiche
Arbeit zwischen Dr Wurm und dem Besitzer Carl Hoffmann ging leider durch
Krankheit von Carl Hoffmann zu Ende. Eine Zeit lang konnte Dr Wurm bei den
verschiedenen Besitzern des Bades Modernisierungen und erfoderliche
Unterhaltungsprogramme durchsetzten. Aber es war unverkennbar mit der Zeit,
dass der Hauptaugenmerk von Bad Teinach auf der Vermarktung des Mineralwassers
lag, als auf dem Kurbetrieb.
Heute hat die Krokusblüte
in freier Wildbahn im Ortsteil Zavelstein mehr Aufmerksamkeit als der
Badebetrieb in Bad Teinach.