Freitag, 3. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter dem schwäbischen Provinzbad Bad Teinach?

Bad Teinach 1852

Jedes gute Restaurant in Europa stellt das Teinacher Mieneralwasser dem Genießer auf den Tisch, aber kaum einer kennt das schwäbische Provinzbad Bad Teinachi ím Teinachtal
  Landkreis Calw, das Städtchen mit mal gerade 500 Einwohnern.

Dabei fing alles angeblich mit einem Hirsch an, der einen Jäger zur Quelle führte und so wurde der “Sauerbronne zu Dainach” 1472 erwähnt. Das kleine Teinach tat sich damals schwer, da Herrenalb, Liebenzell und Wildbad in nächster Umgebung ebenfalls Mineralwasser zu bieten hatten. Im Jahr 1710 ließ Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg ein Palais als Sommerresidenz errichten. Durch König Wilhelm I von Württemberg wurden in Teinach Badhaus, Trinkhalle, Badhotel erbaut und neue Quellen gebohrt. Deswegen führte Teinach schon sehr früh nämlich 1864 den Titel “Bad”, wenn auch die Führung des Prädikats “Heilbad” erst 1928 vom Innenministerium in Stuttgart verliehen wurde. 1864 war auch der Moment, in dem das gesamte Bad in private Hand verkauft wurde.

Carl Heinrich August Hofmann, der neue Besitzer des Bades, ließ kräftig ausbauen und erneuern, um 1865 die Wasserheilanstalt und das Mineralbad neu eröffnen zu können. Gleichzeitig wurde Dr Wilhelm Wurm die ärtzliche Direktion der Wasserheilanstalt und des Mineralbades übertragen

Wilhelm Albert Wurm (1831-1913)   in Nürnberg geboren, hatte in München Medizin studiert, sich intensive mit Hydrotheraphie beschäftigt, in verschiednen bayerischen Bädern und Wasserheilanstalten viel über Wasserheilverfahren erlernt.

In Bad Teinach entwickelte er sich mit wissenschaftlichem Ehrgeiz nicht nur zu einem hervorragenden Balneologen, wobei er durch sein speziellen Wasserkuren bemerkenswerte Heilerfolge erzielt hat. Die Wasserkuren waren häufig mit Diät, Gymnastik, Massage sowie etwa nötigen pharmazeutischen Präparaten verbunden. Dem Wandern schrieb er einen bedeutenden Wert zur Gesundheitsförderung zu. Gerade der überreizte Stadtmensch findet hierbei die Harmonie für Körper und Seele. Hier empfahl er das herrliche Gebirgsklima um Teinach und die balsamische Ausdünstung der Nadelholzwaldungen. Sein Engagement auf diesem Gebiet führte dazu, dass er eines der Gründungsmitglieder des Württembergischen Schwarzwaldvereins wurde.

Kranken, denen eine direkte Kur an der Quelle unmöglich war, wurden “Teinacher-Hirschquelle-Pastillen” als Hausmittel bei katarrjlischen Zuständen, Husten angeboten und zugesandt.

Auch literarisch wurde Bad Teinach auch versorgt. Dr Wurm schrieb 1866 sein erstes Buch über das “Königliche Bad Teinachi m württembergischen Schwarzwald”. Diese Abhandlung war ein solcher Erfolg, das im Laufe von 38 Jahren noch weitere sieben erweiterte Ausgaben folgten.

Die erfolgreiche Arbeit zwischen Dr Wurm und dem Besitzer Carl Hoffmann ging leider durch Krankheit von Carl Hoffmann zu Ende. Eine Zeit lang konnte Dr Wurm bei den verschiedenen Besitzern des Bades Modernisierungen und erfoderliche Unterhaltungsprogramme durchsetzten. Aber es war unverkennbar mit der Zeit, dass der Hauptaugenmerk von Bad Teinach auf der Vermarktung des Mineralwassers lag, als auf dem Kurbetrieb.

Heute hat die Krokusblüte in freier Wildbahn im Ortsteil Zavelstein mehr Aufmerksamkeit als der Badebetrieb in Bad Teinach.