Donnerstag, 9. Juli 2026

Was verbirgt sich hinter der Nagoldsperre?

Vorsperre Freizeit

Die Nagold, einer der bedeutenden Schwarzwaldflüsse, entspringt in Urnagold, einem Ortsteil von Besenfeld in der Nachbarschaft nördlich von Freudenstadt. Heute haben sich die verschiedenen kleinen Gemeinden zur Gemeinde Seewald zusammengeschlossen. Sein Ende findet die Nagold nach 90 km in Pforzheim, da sie dort in die Enz mündet. Sie führen weiter zum Neckar und waren dadurch eine wichtige Floßverbindung über den Rhein nach Holland.

Das riesige Einzugsgebiet der Nagold entwässert den nordöstlichen Teil des Schwarzwaldes und bildete immer wieder vor allem im Winter den Grund für verheerende Hochwasser wie 1851 oder 1947/48 als jeweils das gesamte Nagoldtal überschwemmt war. Schon um die Jahrhundertwende kam der Plan auf, durch ein Rückhaltebecken oberhalb Altensteig die Nagold zu zähmen. Der ursprüngliche Plan, eine Talsperre oberhalb Altensteigs mit 50 Mio m³, der alle Probleme lösen sollte, hätte sich nur unter größten Schwierigkeiten verwirklichen lassen können. Deswegen entschlossen sich die Behörden für 4 kleinere Einzelspeicher bei Nagold, Zinsbach, Waldlach und Steinach. Der größte Speicher sollte aber mit 5,5 Mio m³ Wasser die Nagoldsperre werden. Insgesamt bringen die Speicher insgesamt 15 Mio m³ Wasser in ihren Becken zusammen.

Die Nagoldsperre dient dem Hochwasserschutz, lässt in Dürrezeiten mehr Wasser ins Tal fließen, dient gleichzeitig als Stromlieferant und erbringt 100 KW/h Dauerleistung an 300 Tagen im Jahr. In den letzten Jahren hat sich die Nagoldsperre zu einem weit über die Region bekannten Erholungspark entwickelt mit Schwimmen, Tauchen, Segel-, Surf- und Rudermöglichkeiten.

Von 1965 bis 1970 wurde das Projekt Nagoldsperre, das ein Einzugsgebiet von 39 km² beträgt, verwirklicht. Problem in der Planungsvorphase war, ob der Buntsandstein in diesem Gebiet sich überhaupt für ein Staubecken eignet. Der bewaldete Buntsandstein ist stark zerklüftet und deshalb ein ergiebiger Grundwasserspeicher. Aber für eine Stauhaltung ist er aber nicht dicht genug. 15.000 t Zement wurden im Gebirge eingepresst, um zu verhindern, dass zu viel Wasser unkontrolliert versickern kann oder der Erddamm möglichweise umströmt oder unterströmt werden kann.

Die Nagoldsperre besteht aus Becken: der Vor- und der Hauptsperre. Die Vorsperre mit 422.000 m³, hat ein Länge von 800 m und besitzt eine Fläche von 87.000 m². Der Damm der Vorsperre ist 11,50 m hoch, oben 4 m, am Fuß 55 m breit und 147 m lang. Die nachfolgende Hauptsperre mit 4.500.000 m³, hat ein Länge von 2.050 m und besitzt eine Fläche von 376.000 m². Der Damm der Hauptsperre ist 32,10 m hoch, oben 9,20 m, am Fuß 145 m breit und 145 m lang.

Das Gebiet um die Talsperre ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und umfasst eine Fläche von 650 ha. Segeln und Surfen ist nur auf der Hauptsperre vom 1.4. bis 30.9. erlaubt, Baden dagegen nur in der Vorsperre. Die Vor- und Hauptsperre dürfen mit kleinen Fahrzeugen ohne Motor befahren werden. Ebenso darf in beiden Becken getaucht werden.