Freitag, 5. Juni 2026

Was verbirgt sich hinter dem Gassenfeger "Schwarzwaldmädel"?


Vor 75 Jahren wurde der erfolgreichste Film überhaupt über und mit dem Schwarzwald sowie seinen Trachten in die Kinos gestellt. Im Laufe der Jahre hat er 16 Mio Zuschauer begeistert und erwies sich als der erfolgreichste Gassenfeger aller Zeiten. Ursprünglich war er die Verfilmung der gleichnamigen Operette von Leon Jessel. Sie war schon dreimal ohne nennenswerten Erfolg verfilmt worden (1920, 1929 und 1933).

Aber kurz nach dem 2. Weltkrieg, nach Leid, Entbehrung und Hunger traf der Film die richtige Grundstimmung der Bevölkerung. Als erster Farbfilm mit seinen farbenträchtigen Trachten und den Schwarzwälder Erholungslandschaften vermittelte der Film die Sehnsucht nach Frieden, Erholung und einfach nach besseren Zeiten. Der Kassenreißer war ab 1950 nicht nur in deutschen Kinos zu sehen sondern auch in Frankreich, 1953 in Portugal und 1955 in der damaligen DDR.

Sonja Zimmermann, Rudolf Prack und Paul Hörbiger in den Hauptrollen drehten den Film im Juni mit der herrlichen Kulisse von St Peter, mit seinem ehemaligen Benediktienerkloster und barocken Klosterkirche – heute Pfarrkirche. In der lieblichen Umgebung blühten zu jener Zeit die Obstbäume, der Blick schweifte bergaufwärts zum höher gelegenen ehemaligen Kloster St Märgen und dem Feldberg. Weitere Drehorte waren Baden-Baden und Garmisch sowie immer wieder Landschaftsaufnahmen vom Schwarzwald. Alle Innenaufnahmen wurden in den Studios der UFA Berlin-Tempelhof gedreht.

Im Mittelpunkt standen die farbprächtigen Trachten des Schwarzwaldes und hier vor allem der rote Bollenhut. Die beschwingten Operettenlieder, die üppigen Revueeinlagen und aufwendigen Kamerafahrten durch eine zauberhafte Schwarzwaldlandschaft machten den Film legendär. Garniert wurde dies mit einer Eisrevue und Bauerntanz, Bühnenball, Spielbankszenen in Baden-Baden, einem schwäbischen Volksfest und erstmals in Farbe einen Trachtenumzug. Die Handlung, eine Dreieckgeschichte sorgt für Verwicklungen, doch die harmoniesüchtige, heitere Welt endet als happy end –und die Geigen erklingen dazu.

Zur Premiere des Films am 7. September 1950 im Universum-Lichtspiel-Theater in Stuttgart erschien Sonja Zimmermann in einer zusammengewürfelten Schwarzwälder Tracht und einem roten Bollenhut. Die Schwarzwaldmaler Hasemann und Liebig sowie der Film vermittelten den Eindruck, dass der rote Bollenhut Schwarzwälder Tracht sei. Dieser wird allerdings nur in Gutach, Reichenbach, einem Ortsteil von Hornberg, Kirnbach einem Ortsteil von Wolfach und nur von unverheirateten Frauen getragen. Die verheirateten Frauen tragen einen schwarzen Bollenhut.

Das ZDF brachte 1973 mit dem Wagner-Sänger, Wolfgang Windgassen, und der amerikanischen Sopranistin, Janet Perry, sowie Dick Laan in den Hauptrollen den Film „Schwarzwaldmädel“ ins Fernsehen. Diesmal haben die Kirnbacher Kurrende (Bollenhut), die Volkstanzgruppe Oberwolfach, Trachtenkapelle St Ulrich und die Freiburger Domsängerknaben mitgewirkt.

Der Film „Schwarzwaldmädel“ erhielt 1951 ein Bambi für den geschäftlich erfolgreichsten Film. Die Filmkulisse von St Peter war von da an in aller Munde. Unzählige Touristen zog es nach St Peter und zum ehemaligen Kloster. Als 1993 Frau Ziemann anlässlich der 900 Jahrfeier des Ortes in St Peter logierte, wurde sie unter großem Beifall und in Begleitung der Dorf- Honoratioren vom Ortszentrum zum Festplatz mit der Kutsche gefahren.