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| Glasbläserei 1820 |
Die klassischen Glashütten zählten acht bis zehn Glasbläser, die pachteten von der Obrigkeit einen Bezirk Wald zum Ernten des Holzes, stellten Holzfäller, Schürer und Pottaschesieder an und entrichteten ihren Obolus immer gemeinsam. Aber jeder Glasbläser hatte seinen eigenen Ofen und vertrieb die Glaswaren über Glasträger auf eigene Rechnung. Später entwickelten sich auch Unternehmerglashütten. Die Glashütte vor Seebach sollte einzigartig im Schwarzwald eine Dienstleistungs-Glashütte werden.
Ausgangspunkt
aller Überlegungen waren die riesigen Waldungen des Fürsten von Fürstenberg im
Seebachtal und dem heutigen Glaswaldsee 5 km unterhalb von Bad Rippoldsau im
Wolftal. Graf Albrecht zu Fürstenberg hatte der Stadt Straßburg 100.000 Klafter
(300.000 m³) Brennholz angeboten aber keine Kaufzusage erhalten. Die Sorge der
Verwendung des Holzes drückte den Grafen sehr. Außerdem hatte er zusätzlich
Sorgen wegen der Verhältnisse in seinem „Sauerbrunnen“ in Rippoldsau. Hier
bedurfte es einer ordnenden Hand. Vielleicht ließe sich beide Probleme
miteinander lösen, überlegte der Wolfacher Oberamtmann Branz und verfolgte die
Idee einer Glashütte vor Seebach. Ein lediger Glasbläser muss her, der auch die
Tochter des Rippoldsauer Bademeister Jergen Schmidts heiratet, um diesen auch
noch ersetzen zu können.
Branz fand
schließlich einen jugendlichen Glasmacher namens Haug, dessen Eignung war
zumindest nicht verheiratet zu sein. Mit diesem wanderte er 1587 das Seebachtal
hinauf, um dessen Eignung zur Herrichtung eine Glashütte zu erkunden. Denn so
könnten „hauß und güeter nit in fremde händ kommen“. Aber Haug erklärte dem
Oberamtmann, „es sey viel zu winterlich und das Tdall auch zu eng; er besorg,
man wirde auch mangel an sandt haben. Holz sey sonst genuog vorhanden“. Ob der Eindruck von Jergen Schmidts Tochter
auch das Urteil des jungen Glasmachers beeinflusst hatte, ist nicht
überliefert. Auf jeden Fall wurde die Idee einer Glashütte für die Botteln des
Sauerbads nicht mehr aufgegeben.
Erst 100 Jahre
später erzählen die Akten wieder was über die Glashütte vor Seebach. Wie
erwartet erwiesen sich die Arbeitsmöglichkeiten als ungünstig, so dass der
damalige Glasmacher sich mit seinen Klagen an den Grafen Maximilian Franz in
Stühlingen wandte. Die Holzversorgung war so schlecht, dass der Graf 1681 die
Saumseligkeit des Hüttenmeisters Peter
Schmidt für die Beschaffung der nötigsten Roh- und Betriebsstoffe rüffelte und
auch die Bereitschaft des Wolfacher Oberamts tadelte, der Hütte die nötigen
Holzarbeiter zur Verfügung zu stellen.
Um alle Probleme
zu lösen und um die Ertragskraft schlesischer Glashütten zu erreichen, wurde
1681 ein einzigartiger Dienstleistungsvertrag mit dem Glasmacher Johann Sigmund
von Ellwangen geschlossen. Er wurde zum Glasschreiber für vier Stände der
Seebacher Glashütte bestellt und war durch einen Eid an den Landesherrn
gebunden. Meister wie Helfer waren allesamt Angestellte des Grafen und mussten
ihren Erlös abgeben. Als jährliche Besoldung erhielt Johann Sigmund neben der
Wohnung und Besoldung fünfzig Gulden und Korn von der Wolfacher Schaffnei. Diese
Organisationsform sollte 3 Jahre halten und war dem Bergbaubetrieb
nachgebildet.
Nach dem Tode des Grafen verpachtete seine Frau die Glashütte 1684 an den Physikus der Herrschaft Kinzigtal, Dr Chorhummel und Johann Vogt aus Wolfach. Die Pacht sollte bis Ende 1687 dauern. Die Lösung die Glashütte an Unternehmer zu verpachten kann nicht lukrativ gewesen sein. Aus Unterlagen geht hervor, dass die Glasmacher Thomas Sigwarth und Samuel Staadler die Hütte für nur 30 Gulden Jahreszins gepachtet hatten. Wie lange die Hütte noch nach 1688 in Betrieb war ist nicht bekannt. Ein erneuter Versuch 1795 eine neue Hütte zu gründen, wurde auf Grund der gemachten Erfahrungen vom Fürsten abgelehnt.
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