| Waldshut 1852 |
Am oberen Tor
prangt auf blauen Wappengrund ein roter Löwe, weiß verziert, während das
„Waldshuter Männle“ als Wappen über der Rathaustür auf die Häuser mit den
Hotzenhauben blicken. Löwe und Hotzenwälder sind Wahrzeichen der Waldshuter
Geschichte. Als Vorderösterreichische Festungsstadt hielt Waldshut 1468 den
wochenlangen Angriffen der Schweizer Eidgenossenschaft tapfer stand und
verhinderte so, dass das rechte Rheinufer schweizerisch wurde. Zum Dank wurde
den Waldshutern der rot-weiß-rote Löwe als Wappentier zuerkannt. Noch heute
wird jedes Jahr am Wochenende nach Maria Himmelfahrt 5 Tage lang die „Waldshuter
Chilbi“ mit dem Schafsbock gefeiert. Der Legende nach wurde der letzte
Schafsbock gemästet und auf der Festungsmauer auf und ab geführt. Die Schweizer
sollen daraufhin die Belagerung abgebrochen haben, obwohl die Festungsmauern
schon teilweise sturmreif geschossen worden waren.
Die Stadtbewohner
schlossen sich 1524 mehrheitlich der Reformation an. Mit dem Prediger Balthasar
Hubmaier gelang es, die Waldshuter Bevölkerung zur religiösen und politischen
Revolution mit einer radikalreformatorischen Bewegung zu begeistern. Es kam zu
einem regelrechten Bildersturm, kirchlichen Geräte wurden zerschlagen, Bilder
und Statuen vernichtet. Die Reaktion der Regierung ließ nicht lange auf sich
warten: Am 6. September 1525 wird die Stadt von österreichischen Truppen
eingenommen, um wieder Ruhe und Ordnung herzustellen. Waldshut verlor viele
Privilegien, wie die Selbstwahl des Bürgermeisters, denn in Zukunft war dies
der Waldvogt der Regierung oder der rot-weiß-rote Löwe im Wappen durfte nicht
mehr geführt werden.
In den folgenden
Jahren wurde Waldshut von einer verheerenden Pestepedemie 1611 heimgesucht.
Aber nicht nur diese sondern der 30jährige Krieg und die Erbfolgekriege
brachten Durchzüge, Besetzungen und viel Leid in die Stadt. Dazu kamen die Salpeterkriege
1728-1748, in denen ein Teil der Bauern aus dem Hotzenwald ihre alten Rechte
und Freiheiten vor allem gegen das Kloster St Blasien verteidigten. Zweimal
versuchten die Salpeterer Waldshut zu stürmen, um dort inhaftierte
Gesinnungsgenossen zu befreien.
Im Frieden von
Lunéville wurde 1801 der Breisgau und Ortenau und damit Waldshut dem Herzog von
Modena, einem Habsburger als Entschädigung von Napoleon für die Gebietsverluste
in Italien zugesprochen. Im Frieden von Pressburg wurden 1805 dagegen der
Breisgau und die Ortenau dem Großherzogtum Baden endgültig zugesprochen. Zuvor war die
Grenzziehung zwischen Württemberg und Baden sehr ungenau, so glaubten, die
Württemberger große Teile des Breisgaus darunter auch Waldshut besetzen zu
können. Was die Franzosen dann endgültig klärten.
Die Waldshuter
Bürger waren über die neue Herrschaft unglücklich: Ein katholisches Land
–Vorderösterreich- sollte von einem evangelischen Landesvater regiert werden.
Auch das Prinzip der Selbstverwaltung der kommunalen Ebene der Wiener wurde
durch die zentralistischen Grundsätze der Karlsruher ersetzt werden. Und das
brachte viel Unruhe auf den Wald.