Freitag, 6. März 2026

Was verbirgt sich hinter den Waldhufendörfern des Nordschwarzwaldes?

Beinberg Skizze

Der siedlungsleere Schwarzwald wurde abgesehen von den Randbezirken erst um 1000 n. Chr. besiedelt. Vor allem waren es die Klöster, die die landwirtschaftliche Besiedlung vorantrieben. Aber auch die Betreiber der Waldgewerbe hatten vor allem im Nordschwarzwald einen Anteil an der Besiedlung. Diese begann im 12. und war im 14. Jahrhundert abgeschlossen.

 

Im mittleren und am Rande des Nordschwarzwaldes waren es die Einzelhöfe, die die Rodungsarbeiten vorantrieben. Im siedlungsfeindlichen Gebiet der Murg oder die tiefeingeschnittenen Täler der Enz oder Nagold waren es eher die Haufendörfer, die zur Siedlung sich eigneten. Ansonsten waren es vor allem die Hochflächen zwischen Alb-, Enz- und Nagoldtal, die die Anlage von Waldhufendörfer zu ließen. Die nährstoffarmen Böden waren am zweckmäßigsten dafür. Allerdings sind die Bewohner nach Ende der strengen Hufenverfassung und dem Aufkommen der Realteilung näher zusammengezogen und dadurch sind ebenfalls Haufendörfer entstanden.

 

Eine Hufe drückte im Mittelalter eine Fläche aus, deren Größe es einer Familie erlaubte, durch landwirtschaftliche Bearbeitung und Nutzung den Lebensunterhalt nebst Abgaben daraus sicherzustellen. Die Größe war also kein Einheitsmaß sondern hing von der Bodenbeschaffung ab. In der Regel war es ein Geländestreifen von 50 bis 100 m Breite und 1000 bis 2000 m in der Länge.

 

Die Siedler erhielten Geländestreifen (Hufe) zur Rodung und Urbarmachung zugewiesen. So lag Hufe neben Hufe. Von einem Weg aus wurde zuerst das Wohnhaus gebaut. Dahinter wurde das Gelände vom Wald gerodet- einmal für den Gemüsegarten, anschließend für das Feld, Wiese oder Weide und dann folgte der Wald. Die Höfe waren in gleichen Abständen nebeneinander an der Dorfstraße aufgereiht. Jeder Siedler erhielt seinen geschlossenen Besitz, seine Hufe, als breiten Streifen quer zur Dorfstraße. Dadurch ist die Gemarkung in etwa gleich große Streifen gegliedert. Die Siedlung wird so lang wie seine Gemarkungsfläche. Die Siedler deponierten die Steine des Feldes, so dass mit der Zeit die Hufen durch einen niedrigen Steinwall getrennt waren. Dies war auch durch Wege oder Büsche und Bäume geschehen. Solch angelegte Dörfer wurden als Waldhufendörfer bezeichnet.

 

Beinberg, eingemeindet nach Bad Liebenzell, ist heute noch ein Beispiel für die Anlage eines Waldhufendorfes.

 

Um das Wissen über die Entstehung der Waldhufendörfer auch an Besucher weiter zu geben, wurde in Beinberg ein Themenpfad eingerichtet. Auf zwölf Stationen erlebt der Besucher die mittelalterliche Welt, mit der die damaligen Verhältnisse ein Stück weit erlebbar gemacht werden.

Beinberg im Nordschwarzwald