Freitag, 26. Juli 2024

Was verbirgt sich hinter der Glashütte des Klosters Gengenbach?

Nordrach  Glaserkirchle St Nepomuk

Das Benediktinerkloster Gengenbach verfügte im Gebiet des Mooskopfs mit dem Mooswald, der sich um Nordrach-Kolonie legt, über riesige Wälder, die abgelegen waren und damals nicht genutzt werden konnten, da das Holz nicht geflösst werden konnte.

So beschloss der Abt Placicius Thalmmann eine Glashütte zu bauen, die 1695 im Quellgebiet des Dörrenbachs –später auch Glasbach genannt- mit acht Arbeitsplätzen errichtet wurde. Holz war zur Genüge vorhanden, das Kloster erhielt gleichzeitig gerodete Flächen, um Ackerland für die neuen Höhenhöfe zu gewinnen. Entgegen der sonst üblichen Glashütten war die Glashütte in Nordrach im Klosterbesitz, denn die Bewohner und damit die Arbeiter der Hütte von Nordrach-Kolonie waren Leibeigene des Klosters.

Der erste Hüttenmeister war der böhmische Glasmacher Christoph Schneider. Der Griff hat sich nicht gelohnt, denn Schneider steckte schnell in Schulden und musste entlassen werden. Sein Nachfolger wurde Johann Sigwarth aus Solothurn, ein Familienname, der in den verschiedenen Glashütten immer wieder auftauchte. Mit diesem Glasmeister kam die Glashütte vorwärts und musste 1705 auf das Mitteleck verlegt werden. Die Glashütte verbrauchte im Jahr 40.000 Klafter Holz -umgerechnet 133.000 m³. Über 100 Mitarbeiter verdienten hier ihr Brot. Spiegelscheiben, Schoppengläser,  Sauerwasserfläschlein, Weihwasserkessele und vieles andere wurden geblasen.

Johann Sigwarth  ging zur Ausbildung in der Farbglaskunst nach Italien, wo er wegen des Notierens von Geschäftsgeheimnissen gefangen genommen wurde. In ihrer Not gelobte Frau Sigwarth, sie wolle den Grundstock für eine Kapelle in der Glashüttensiedlung stiften, wenn ihr Mann unversehrt zurückkommen würde. Was nach einem Jahr geschah.1724 verstarb Johann Sigwarth und 1725 wurde die Kapelle –das Glaserkirchlein- eingeweiht. Zuvor war die Glashütte weiter gewandert und auf die andere Seite auf die Höflematt verlegt worden, wo die Reste das alten Glasofens und des Kirchleins noch vorhanden sind.

Das Modell „Kloster ist Eigentümer der Glashütte“ bereitete immer wieder Probleme. Die
Effizienz der Hütte litt unter der Ertragskraft im Gegensatz zu Hütten, die auf eigene Rechnung arbeiteten. Um die Ertragskraft zu steigern, wurden die Arbeitsplätze einzel verpachtet. Aber so konkurrierten die Glasbläser gegenseitig und unterboten sich.

Abt Benedikt Rischer hatte 1750 eine Kobalt- und Blaufarbenfabrik bei der Glashütte   gegründet. Sie hatte mehrere Teilhaber, die sich finanziell beteiligten konnten.  Der jeweilige Abt war in der AG gleichzeitig Direktor. Die Kobalterze kamen aus Böhmen, dafür wurde mit dem österreichischen  Kaiser Franz I ein Vertrag abgeschlossen. Der Kaiser erhielt ein Viertel des Ertrags der Fabrik. Problematisch waren nur die vielen Zollstationen, bis die Waren in Gengenbach waren.

Damit im Waldbezirk nicht alles Holz verschwinde, wurde die Hütte und Kobaltfabrik nebst Glaserkirchle 1776 nach Nordrach-Kolonie verlegt. Eine große Schuldenlast drückte den Abt, dessen Konvent sich gegen die Glashüttenpolitik wandte, so dass dieser sogar von Gengenbach nach Nordrach-Kolonie zog. Die Napoleonische Kriege und die Säkularsierung brachten den Betrieb 1803 bis 1897 zum Stillstand und 1808 vernichtete ein Großbrand große Teile des Betriebs. Das Anwesen ging durch verschieden Hände. Die Blütezeit der Glasherstellung war vorbei. Das Ende ist schnell erzählt: Der Lungenfacharzt Dr Walther kaufte das ganze Anwesen und gründete eine Lungenheilanstalt, die beste Lösung mit den großen Wälder, die mittlerweile alle wieder aufgeforstet worden waren, mit der reinen Waldesluft.

Flaschen Museum Triberg


Freitag, 19. Juli 2024

Was verbirgt sich hinter dem Tüftler Ernst Leitz aus Sulzburg?

Ernst Leitz 1843-1920

Ernst Leitz wurde 1843 in Sulzburg als Sohn des Lehrerehepaars Ernst August und Christina Elisabeth Leitz geboren. Nach dem Wunsch des strenggläubigen, katholischen Ehepaars sollte der Sohn Priester werden. Aber die Interessen des Jungen hingen an der Mechanik und nicht an Bibel und Kruzifix. So erhielt er bei Christian Oechsele, dem Sohn des Weinwaage Erfinders, Ferdinand Oechsle, in Pforzheim eine fünfjährige Mechanikerausbildung und besuchte gleichzeitig die dortige Gewerbeschule. Seine Lehrjahre führten ihn anschließend in die Schweiz zur Telegrafen- und Uhrenfabrik Mathias Hipp, wo er nach dem Tüfteln bei Öchsle die Vorzüge der Serienfertigung erlernte.

Durch einen Hinweis wurde er auf das optische Institut Carl Kellner in Wetzlar aufmerksam. Dort wurden in einer kleinen Werkstatt in veralteter Art Mikroskope hergestellt.  1864 trat er in das kleine Unternehmen ein, obwohl es eine Herkulesarbeit war, die Fertigung zu organisieren. Erleichtert wurde sein Aufenthalt in Wetzlar durch seine spätere Frau, Anna Löhr, eine Gerberstochter vor Ort.

1865 wurde er Teilhaber des optischen Unternehmens, 1870 konnte er den Betrieb gänzlich übernehmen und trieb die Qualitätsverbesserung der Mikroskope als auch die Serienfertigung voran. Erheblichen Aufschwung erfuhr die Werkstatt nach dem Ende des 1871er Krieges, als das Mikroskop zum wichtigsten Hilfsmittel der Wissenschaft wurde. Vor allem gelang ihm dank Serienfertigung beste Qualität mit Preiswürdigkeit zu verbinden. Wichtig war Ernst Leitz der Kontakt zur Wissenschaft, denn er demonstrierte auf Naturforscher- und Ärztetagungen seine Mikroskope selbst. Durch diese Zusammenarbeit konnten die erfolgten Anregungen direkt eingesetzt und optimiert werden.

Ab 1880 wandte sich Ernst Leitz mit seinem ältesten Sohn, Ludwig Leitz, anderen Feldern der Optik wie der Mikro- und Makrophotographie, Objektiven mit verschiedenen Brennweiten  oder Kinoprojektoren und Ferngläser zu, um nur einige Beispiele zu nennen. Da Ludwig mit 31 Jahren verstarb, trat Ernst Leitz II 1906 als Teilhaber ins Unternehmen ein und wurde nach dem Tode des Vaters 1920 Alleingesellschafter. Das Unternehmen beschäftigte damals 1.400 Mitarbeiter.

Der Name Leitz errang seinen Weltruf durch hervorragende Qualitätserzeugnisse der Optik. 1907 erhielt Robert Koch das 100.000ste Mikroskop als Geschenk. Den Welterfolg erreichte Leitz vor allem durch den Fotoapparat Leica, deren Erfinder Oskar Barnack, ein stiller, bescheidener Werkmeister der Firma war. Ernst Leitz hatte den Mut, in der armen Nachkriegszeit ab 1918 die kostspielige und riskante Serienfertigung der Leica aufzunehmen. 1928 erhielt Dr Eckner die 10.000ste, 1929 Sven Hedin die 25.000ste, 1937 Dr Filchner, Geophysiker und Antarktisforscher, die 250.000ste, 1946 Dr Schneider, der Erfinder des Farbfilms, die 400.000ste Leica als Geschenk.

Das Unternehmen Leitz eilte nicht nur von Welterfolg zum nächsten sondern hatte auch auf sozialem Gebiet Vorbildfunktion. Schon 1908 führte das Unternehmen den Acht-Stunden-Tag ein, lange vor der gesetzlichen Regelung. Ebenso gab es eine Ruhegeld- und Betriebskrankenkasse für Mitarbeiter.

1956 nach dem Tode von Ernst Leitz II hatte das Unternehmen 6.000 Mitarbeiter, und es übernahmen drei Söhne das väterliche Unternehmen, das Anfang der 70iger Jahre in dem Schweizer Optikunternehmen Wild überging.

Freitag, 12. Juli 2024

Was verbirgt sich hinter dem Film "Schwarzwaldklinik"?

Carlsbau Glottertal

Wer kennt nicht den Gassenfeger „Schwarzwaldklinik“ oder hat von ihm gehört? Der Film wurde 1984 bis 1988 produziert und erstmals von 1985 bis 1989 ausgestrahlt. Bis zu 28 Millionen Zuschauer pro Woche hatten den neuen Serien entgegen gefiebert. In 38 Länder wurden die Filmrechte verkauft. Die Innenaufnahmen stammten aus einem Studio in Hamburg. Aber die Außenaufnahmen wurden im Schwarzwald aufgenommen.

Die Klinik, in Form des Carlsbaus, steht im ehemaligen Glotterbad im Glottertal: 1488 ist die erste urkundliche Erwähnung des Bades „ad capellam in glotter prope balneum“ (bei der Kapelle nahe dem Bad) wird die Erlaubnis erteilt, einen Tragaltar aufzustellen. 1560 beschrieb Dr Georg Pictorius das „Bad Gloter“ in seinem Badbüchlein. Die Heilkräfte des Bades wurden selbst über die von Badenweiler gehalten, die Frequenz der Kurgäste wurde 1824 mit der von Baden-Baden verglichen und war wohl die stärkste vaterländische Heilquelle.  1894 verfügte das Bad über Kneipabteilung, Dampfbäder und über 60 Zimmer. 1901 wurde ein neues Kurhaus mit 40 Zimmern gebaut und in ein modernes Sanatorium umgewandelt. Mit der „Naturheilanstalt Glotterbad“ wurde das „Glotterbad“ zu einer Kurklinik. 1906 wurde das Sanatorium um den „Alexanderbau“ mit 40 Zimmer und Speisesaal erweitert. 1913/14 wird auf dem Gelände des Badburenhofs der Carlsbau errichtet. Der Luxus der Anlage erlaubt das Glotterbad als Cóte d’Azur des Schwarzwalds zu bezeichnen. 1916 kamen auf der 112 ha hochmodernen Kuranstalt Gäste aus ganz Europa. 1944 werden nach der Bombardierung von Freiburg Teile der Uniklinik ins Glotterbad verlegt. Berühmte Besucher waren 1908 der Großherzog von Baden und 1950 für einen Nachmittag Ibn Saud von Saudi Arabien. 1997 wurde das Glotterbad in eine moderne Rehabilitationsklinik zusammengefasst, in der psychische und psychosomatische Erkrankungen erfolgreich behandelt werden.  Dies betrifft vorwiegend Kinder- und Familienrehabilitation. 2004 zog die Klinik in einen nahe gelegenen Neubau um. Der alte Carlsbau, der für die Schwarzwaldklinik verwendet wurde, stand dann leer. Heute befindet sich eine psychosomatische Akut- und Rehaklinik mit Namen „Thure-von-Uexküll-Klinik“.

 

Das Hüsli in Grafenhausen- Rothaus in der Nähe der Rothaus Brauerei diente als Wohnsitz von Prof. Brinkmann. Es wurde 1911 im Stil eines Schwarzwaldhauses als Ferienwohnsitz der aus Lörrach stammenden und in Berlin lebenden Konzertsängerin Helene Siegfried-Aichele erbaut. Über die Jahre hinweg sammelte sie Einrichtungsgegenstände aus anderen Schwarzwaldhäusern und baute diese bei sich ein. Das Haus erhielt ein Glockentürmchen mit einer Betglocke, die vom Schlafzimmer zu bedienen war. Nach der Zerstörung ihrer Wohnung 1944 in Berlin, wählte sie das Hüsli bis 1966 zu ihrem Wohnsitz in der Schwarzwälder Einsamkeit. 1973 ging das Ganze als Museum an den Landkreis Hochschwarzwald – heute Landkreis Waldshut. Das Hüsli diente auch schon als Kulisse für den Film „Schwarzwaldfahrt aus Liebeskummer“ mit Roy Black. Aber während des Schwarzwaldfilms stieg die Besucherzahl von 30.000 auf 130.000 im Jahr.

 

Als fiktiver Ort, an dem die Klinik und das Wohnhaus stehen sollten, wurde die Stadt Schiltach im Kinzigtal gewählt. Dies obwohl das Glottertal 30 km und Grafenhausen 90 km Luftlinie entfern sind. Schiltach, ein altes Flößerstädtchen im Kinzigtal mit seinen 4.000 Einwohnern, ist bekannt durch seinen Marktplatz mit dem malerischen Rathaus und die Firma Sanitär „Hansgrohe“. Es war zur Römerzeit Durchgangstadt der Römerstraße von Straßburg nach Rottweil, über Jahrhunderte Flößerstadt bis der Bau der Kinzigtalbahn Mitte der 1880er Jahre die Flößerei zum Erliegen brachte. Die Stadt war ewiger Zankapfel zwischen Baden und Württemberg. Die mittelalterliche Altstadt, der Ort der Außenaufnahmen, steht seit 1971 unter Denkmalschutz und ist immer eine Reise wert. Bekannt und sehenswert ist der Silvesterzug, eine evangelische Prozession,  die seit 1853 bis heute durchgeführt wird.

Schiltach Rathaus

Hüsli Museum Grafenhausen


Freitag, 28. Juni 2024

Was verbirgt sich hinter der Bleibacher Beinhauskapelle?


In Bleibach, einem Ortsteil von Gutach im Elztal, liegt neben dem Rathaus die 1520 vom Margaretenstift Waldkirch erbaute Pfarrkirche St Georg. Durch einen Durchbruch ist die Beinhauskapelle mit ihrem berühmten Totentanz zu erreichen.

 

Seit dem 14. Jahrhundert entwickelten sich bildliche Darstellungen der Macht des Todes über das Menschenleben. Dabei wird in verschiedenen Bildern die Unbestechlichkeit des Todes gezeigt. Für den Tod sind irdische Reichtümer, Stellung und Ansehen ohne Bedeutung, er kommt zu jedem Einzelnen und holt ihn ab zum Totentanz. Der Tod als Gleichmacher, dem niemand entrinnen kann.

 

Das Beinhaus wurde 1720 durch Pfarrvikar Johann Marin Schill errichtet und 1723 darin im früher freistehenden Gewölbe ein Totentanz mit 34 Bildern in Öl auf Tannenholz gemalt. Er ist dem Walkircher Maler Johann Winter (1663-1746) zuzuschreiben. Der Totentanz lehnt sich in Gestaltung und Aussage an die Totentänze von Basel (1440) an. Er ist einer der wenigen, noch erhaltenen Totentänze Europas. Das Beinhaus diente als würdige Aufbewahrungsstätte der Gebeine, die vom Friedhof ausgegraben wurden. Es wurde 1976/77 renoviert und durch den Lebensraum aus Buntsandstein aufgewertet.

 

Der Bleibacher Totentanz ist ein ganz besonders kulturhistorisches Juwel im süddeutschen Raum. Er besteht aus 34 Bildern, einem Bild mit einer Gruppe musizierender Totengerippe und 33 Bilder des Todes mit seinen Tanzpartner. Über dem eigentlichen Tanz der Paare ist auf der Südseite eine Eingangsmusik dargestellt. Sechs Sensenmänner spielen mit merkwürdigen, makaberen Instrumenten die Weise vom Tod. Der Todestanz beginnt mit der Darstellung wie der Tod ein Kind mit einem roten Apfel zum Tanze lockt. Ihm folgen die anderen Tanzvorstellungen in der üblichen absteigenden Rangordnung: Papst, Kardinal, Bischof, Abt, Priester, folgend die weltlichen Würdenträger Kaiser, König Herzog und Edelmann. An sie reihen sich die männlichen Ämter, Stände und Berufe: Amtmann, Jurist, Doktor, reicher Mann, Bürger, Junggeselle, Soldat, Krämer, Koch, Bauer, Taglöhner, Spielmann, Blinde, und alter Mann. In kirchlicher Prozession folgen die Frauen: Jungfrau, Kaiserin, Äbtissin, Edelfrau, Bäuerin, Pilgerin und altes Weib.

 

An jedem Bild sind oben vierzeilig Verse jeweils mit der Anrede des Todes an einen Todgeweihten vermerkt. Die Totentanzgemälde und die Begleitverse wurden mehrfach - 1908, 1963 und 1977- restauriert.

Totentanz Eingangsmusik


 

Totentanz Kind, Papst, Kardinal, Bischof

 

 

Totentanz Pilgerin, altes Weib

 

 

Freitag, 21. Juni 2024

Was verbirgt sich hinter der Eisenbahnstrecke Straßburg - Ulm?


Der Eisenbahnbau im Rheintal nahm Formen an. Nach der Strecke Mannheim – Heidelberg 1840 eingeweiht, wurde 1843 Karlsruhe erreicht, es folgt Offenburg 1844. 1865 wurde mit dem Bau der Schwarzwaldbahn begonnen.

Bald wurde auch im Renchtlal erkannt, welche Vorteile der Bau einer Eisenbahnlinie dem heimischen Gewerbe bringt. 1864 wurde eine Petition der Renchtalgemeinden  an die badische Regierung eingebracht, um auf die Notwendigkeit einer Eisenbahnlinie im Renchtal hinzuweisen. Es wurde auf die Produkte der harzverarbeitenden Gewerbe im Renchtal, den zunehmenden Mineralwasserversand und Sommertourismus der Mineralbäder, die Steingutprodukte aus Oppenau und den Obst- und Weinbau der Region Oberkirch hingewiesen, die eine Eisenbahnverbindung im Tal  dringend benötigten. Außerdem sei es wichtig eine Verbindung nach Straßburg, dem Hauptabsatzplatz Renchtäler Produkte, zu haben. Aber die badische Regierung lehnte ab, da sie nur die Hauptlinien finanzieren wolle. Denn auf einen Präzedenzfall im Renchtal mochte man sich nicht einlassen, denn hier waren es nur Lokalinteressen vorhanden. Höchstens mit einer Aktiengesellschaft könnte man das Projekt unterstützen. Diese soll den Bau vornehmen und finanzieren, die Verwaltung und Betrieb der Renchtalbahn würde die Staatsbahnverwaltung, gegen Überlassen von 50 % der Einnahmen, übernehmen.

Durch den preußische-österreichischen Krieg 1866 und den deutsch-französischen Krieg 1870/71 wurde der geplante Bahnbau verzögert. Und vor allem hatte sich die wirtschaftliche und politische Situation geändert. Das Elsaß und vor allem Straßburg waren Teil des Kaiserreichs geworden. Zusätzlich kamen jetzt die Militärs mit dem Generalstabschelf, Helmut von Moltke, ins Spiel. Sie wollten aus strategischen Gründen eine Eisenbahnverbindung der beiden Festungen Straßburg und Ulm. Eine Interessengemeinschaft zwischen Militärs, Verwaltung, Honorationen, Badbesitzern und Unternehmern fanden zu einer Lobbygemeinschaft zusammen. Denn der Plan wurde weitergesponnen: Eine europäische Transversale Wien-Straßburg-Paris auf der kürzesten Linie durch das Renchtal und über den Kniebis muss her. Eine Anzahl von Geldinstituten konnten für das Projekt gewonnen werden. Sie sprachen beim Reichstag wegen einer Konzession einer Fernbahn vor.

1872 legte die Eisenbahninspektion einen Kostenvoranschlag vor. Zum Bau einer Bahn von Appenweier bis Freudenstadt waren 5.984.000 Mark Erforderlich Das Kniebismassiv sollte durch drei große und drei kleine Tunnel überwunden werden. Ein großer Kehrtunnel sollte in Griesbach gebaut werden, der zweite sollte den Durchstich der Holzwälder Höhe ergeben und ein dritter sollte die Höhe zwischen Rippoldsau und dem Forbachtal unterqueren. In der Wilden Rench und gegen Griesbach sowie vor Freudenstadt waren kleinere Tunnel geplant. Finanziers, Politiker und Ingenieure beugten sich immer wieder über das Projekt, denn jetzt sollte alleine der 2.060 m lange Kniebistunnel 6.046.000 Mark kosten. Der Börsenkrach 1873, der Zusammenbruch des Strousbergs Eisenbahnimperiums, der Hauptförderer des Projekts war, ließ das Projekt auf die lange Bank schieben und schließlich verschwand die europäische Eisenbahnanbindung des Renchtals in der Versenkung.

Übrig blieb schließlich eine Eisenbahnverbindung 1876 über Oberkirch bis Oppenau. Weitere 50 Jahre später wurde die Eisenbahn bis Bad Peterstal verlängert. Weitere 20 Jahre vergingen bis Bad Griesbach angeschlossen wurde. 1923 wurde den Renchtalbahn unterbrochen, da  französische Truppen Offenburg und Appenweier besetzten, und so der Kopfbahnhof der Renchtlbahn fehlte. Trotz aller Unkenrufe, dass die Eisenbahnstrecke still gelegt werden würde, noch heute wird die 29 km lange Strecke stündlich mit Triebwagen befahren.

Freitag, 14. Juni 2024

Was verbirgt sich hinter der Draht- und Schraubenfabrik Falkau?

Falkau wird 1658 erstmals als Holzfällersiedlung erwähnt, zählt heute ca 800 Einwohner, die sich auf drei Ortsteile verteilen: Vorder-, Mittel- und Hinterfalkau sind seit 1971 ein Ortsteil der Gemeinde Feldberg. Der Name „Falkau“ geht zurück auf den „vom Falckhauw oder Holz Schlag“. Der Ortsteil lebt heute vorwiegend vom Fremdenverkehr. Wer Falkau heute besucht, kann sich nicht vorstellen, dass im 19. Jahrhundert für 100 Jahre der gesamte Hochschwarzwald auf Falkau blickte.

In Falkau wurde im Jahr 1827 eine Werkstatt, in der bisher grobe Schmiedeketten hergestellt wurden, in eine Drahtzieherei umgewandelt und einige Jahre später durch eine Holzschraubendreherei erweitert. Die hergestellten Waren fanden bei den Uhren- und Bürstenmacher guten Absatz. Der „Drahtzug“ entwickelte sich zur „Draht- und Schraubenfabrik Falkau“ und wurde vom Handelsmann Mathä und Schuster Joseph Wehrle gegründet, nach und nach aufgebaut und erweitert. 1844 waren schon 10 Mitarbeiter beschäftigt. Die Fabrik bestand aus einem Drahtzug nebst Walzen, Drahtplattesel, Stiftenschleife, Hammerwerk und Knochenstampfe.

Trotz der zufriedenen Entwicklung, kam Joseph Wehrle in finanzielle Schwierigkeiten und verkaufte zwischen 1846/50 das Unternehmen an die Elsässer Kompanie, die ab 1845 auch Uhrenfabriken erwarb. Die von der Kompanie eingesetzten drei Brüder Benetz brachten das Unternehmen schnell wieder zur Blüte und beschäftigten schon bald zwischen 100 und 200 Mitarbeiter. Eine Umwandlung in eine Aktiengesellschaft war 1870 geboten. Auch im sozialen Bereich war das Unternehmen tätig. Zu den Werksgebäuden zählten auch ein Kost- und Wohnhaus für15 Arbeiterinnen sowie ein weiteres für 35 Arbeiter samt der Mühle. Sie bot 8 weiteren Arbeitern eine Unterkunft.

Auch der deutsch-französische Krieg 1870/71 änderte nichts an der positiven Entwicklung des Unternehmens. Mit der Zeit wirkten die ungünstigen Verkehrsverhältnisse im hohen Schwarzwald hemmend. Erst 1905 wurde mit der Bahnlinie Neustadt über Lenzkirch nach Bonndorf begonnen, die schon seit 1845 in der Planung war. Der damalige Reichstagsabgeordnete Friedrich Faller als Posthalter in Bonndorf konnte diese großzügige Planung der Weiterführung nach Schaffhausen  verhindern. Er fürchtete um sein Geschäft. Auch die Auswirkungen der Schutzpolitik von Bismarck wirkten sich negativ aus.

 

In den 80er Jahre verbesserte sich die Unternehmenslage trotz fehlendem Eisenbahnanschluss stieg die Anzahl der Beschäftigten auf 300 an. Die Draht- und Schraubenfabrik war der Lieferant der Schwarzwälder Uhrenindustrie. Mit der Zeit wurde die Draht- und Schraubenfabrik das Rückgrat der Finanzierung des Gemeindehaushaltes von Falkau. Schließlich erwirtschafte das Unternehmen bis zu 70% des Haushalts.

 

Verheerend für die Entwicklung war der Erste Weltkrieg, die anschließende Wirtschafts- und Finanzkrise der 20er Jahre sowie die schlechten Verkehrsanbindungen. 1912 fiel erst die Entscheidung, wie St Blasien an die Höllentalbahn angeschlossen werden sollte. Die Bahn wurde 1926 als Dreiseeenbahn gebaut aber nur bis Schluchsee. Obwohl die Arbeitszeit halbiert wurde, konnten nur noch knapp 100 Arbeitnehmer beschäftigt werden. Nicht nur das Unternehmen sondern auch die Gemeinde Falkau riefen bei den Behörden um Hilfe. 1930 musste der Direktor Dr Walter Tritscheller die Stilllegung des Werkes beantragen. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Deutschen Holzschraubenverband in Düsseldorf hatte die Stilllegung nicht verhindern können. Auch die Versuche die Gebäude einer anderen Verwendung zu zuführen, schlugen fehl. Grund war vor allen die ungünstige Verkehrslage in Lenzkirch. 


Schließlich wurde 1936 mit den Abbrucharbeiten begonnen. Der Direktor Dr Tritscheller wurde in die Verbandsleitung des Deutschen Holzschraubenverbandes übernommen, die Maschinen kamen im rheinischen Industriegebiet zum Verkauf. Nur die Arbeiter mussten sich nach einer anderen Tätigkeit umsehen. Die Gemeinde Falkau sah im Fremdenverkehr die einzige Möglichkeit, die Selbstständigkeit damals zu wahren.


Freitag, 7. Juni 2024

Was verbirgt sich hinter dem Ingenieur Robert Gerwig?

Gerwig Denkmal Triberg

Robert Gerwig (1820-1895) wurde am 2.Mai als Sohn des großherzoglichen Ministerialrevisors in Karlsruhe geboren. 1834 kam er auf die junge Polytechnische Schule, der heutigen TH Fridericiana in Karlsruhe, und schloss 1841 mit ausgezeichneter Beurteilung ab.

 

Im Bereich der Oberdirektion beteiligte er sich an Flusskorrektionen, Fassung der Heilquellen von Baden-Baden und Badenweiler oder der Wasserversorgung von Karlsruhe und Radolfzell. Auf Grund seiner Universalausbildung wurde er zum Direktor der Uhrmacherschule als noch nicht 30Jähriger ernannt. Auf ihn geht die Entwicklung der Bahnhäusleuhr der späteren Kuckucksuhr zurück.

 

Mit dem Aufblühen der verschiedenen Industriezweige wie Uhren- und Metallindustrie, der Strohflechterei im Schwarzwald wuchs die Notwendigkeit der Verbesserung und Anlage neuer Straßen. So ging auf seine Arbeit der Bau der engen Albtalstraße von St Blasien nach Albruck zurück. Ebenso die Hauensteiner Murgtalstraße von Todtmoos nach Murg, die Dreiseeenstraße von Neustadt über Titisee und Aha zum Schluchsee sowie die Straßen von Vöhrenbach nach Villingen, von Neustadt nach Hammereisenbach und von Furtwangen nach Schönwald. Neu projektiert wurde von ihm auch die Strecke vom Simonswäldertal über Gütenbach nach Furtwangen, um die berüchtigte Kilpensteige zu umgehen, denn dort mussten bis zu 14 Vorspannpferde eingesetzt werden.

 

1856 übernahm er die Fertigstellung der Hochrheinbahn von Waldshut nach Konstanz. Sein Lebenswerk war jedoch von 1863 - 1873 die 150 km lange Schwarzwaldbahn. Sie überwindet 650 Höhenmeter und durchläuft 39 Tunnels. Die Steigung konnte durch seine Trassenführung unter 20 Promille gehalten werden und enthält damit keine Steilstrecke. Die zweigleisige Gebirgsbahn wurde zur wichtigsten Schwarzwaldverbindung. Die Besonderheiten sind die zwei Verkehrsschleifen bei Niederwasser und bei Triberg.

 

1871 schlug er ein lukratives finanzielles Angebot als Oberingenieur der Bötzberg-Bahn bei Basel aus. Das brachte ihm zwar eine 50ige Gehaltserhöhung und die Beförderung zum Baudirektor ein. 1872 bekam er das Angebot als Oberingenieur zum Bau der Gotthard-Bahn. Seine Kündigung wurde akzeptiert mit der Zusicherung nach Beendigung des Projektes in den Staatsdienst zurück zu kehren. Mit 249 Ingenieuren machte er sich ans Werk. Allerdings kündigte er 1875 nach Meinungsverschiedenheiten vorzeitig seine Stelle.

 

Auf Grund seiner überaus großen Popularität wurde er 1855 als Abgeordneter Triberg-Wolfach in die zweite Kammer der Landstände gewählt. 1863 bis 1871 wurde er ebenso in den Landtag gewählt. Von 1875 bis 1878 war er für Pforzheim in die Zweite Kammer der Landstände gewählt und 1881 in den Reichstag.

 

Seine letzten Eisenbahnprojekte waren die Verlängerung der Schwarzwaldbahn  in Richtung Wolfach und Schiltach Sein letztes größeres Projekt war der Bau der Höllentalbahn von Freiburg nach Neustadt mit dem Ravenna-Viadukt. Die Vollendung 1887 erlebte er nicht mehr, da er 1885 unerwartet an einem Hirnschlag starb.

Bau der Schwarzwaldbahn