Freitag, 30. September 2022

Was verbirgt sich hinter dem Fressbädle Bad Sulzbach?


Im hinteren Renchtal sind die Sauerbäder Bad Peterstal und Bad Griesbach seit Mitte 1500 als Heilbäder  anerkannt und bekannt. Leider in Vergessenheit geraten ist im mittleren Renchtal das „Fressbädle“ Bad Sulzbach.

 

Bad Sulzbach wurde bereits im Jahre 1233 erstmals wegen seiner Heilquelle erwähnt. Aus dem Jahre 1605 stammt ein Bericht des württembergischen Stadthalters an seinen Herzog. „Das Sulzbad sei dem der Hub (damals Modebad) gleich, sei aber ganz in Abgang gekommen“.  Daraus geht hervor, dass Bad Sulzbach damals die besten Zeiten der Blüte schon hinter sich hatte.

 

Neuer Aufschwung brachte eine Familie Rohrer nach dem Dreißigjährigen Krieg. Sie bauten das Badgebäude wieder auf. Das Geheimnis des Erfolges waren die Kochsalzthermen, die mit 22° aus dem Boden kamen. Sie brachten als Badekur Kranken mit Rheuma und Gicht, als Trinkkur den Kranken mit Magen- Nieren- Blasenkatharr und Gallensteinen Linderung und Heilung.

 

1756 gelang es Lorenz Spinner durch Investitionen in Gebäuden wieder neues, glanzvolles Leben einzuhauchen. Er ließ auch die heute noch existierende St Laurentius Kapelle für seine Kurgäste errichten.

 

Joseph Zentner beschreibt 1827 in seinem Buch „Das Renchtal und seine Bäder“: Das Bad besteht aus drei Gebäuden. Das eigentliche Badgebäude steht südwestlich des Wirtschaftsgebäudes, mit welchem ein bedeckter Gang verbindet; freundliche Wohnzimmer und ein heiterer Speisesaal mit freier Aussicht laden ein. Der Tisch für die Billigkeit der Preise sei sehr gut bestellt. An Sonn- und Feiertagen war gewöhnlich Tanzmusik bestellt, die Gäste bis Oberkirch anzog.

 

Nachdem das Renchtal 1803 zum Großherzogtum Baden kam, wurde Bad Sulzbach wie die anderen Renchtäler Bäder stärker gefördert und von staatlicher Seite kontrolliert. Zu Beginn der Badezeit war die Aufgabe des Landesphysikus, die Badeanstalten zu visitieren und Mängel beheben lassen. Besonders hatte er zu achten, dass Nahrungsmittel einer der Kur anpassenden Auswahl getroffen wurde und reine Weine gehalten wurden. In der Zeit zwischen 1868 stieg die Zahl der Badegäste von 250 bis auf 500 jährlich.

 

Die Gästezahl reduzierte sich ab 1910, da der Besitzer des Bades Ludwig Börsig „die einer im Interesse der starken Konkurrenz notwendigen Modernisierung der Hoteleinrichtung und des Hotelbetriebes wenig Verständnis entgegenbrachte“. Damit wurde das langsame Ende des Bades eingeläutet. Denn 1919 wurde es an den „Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter“ verkauft. Nach dem 2. Weltkrieg zog die französische Armee ein. Nach der Freigabe brachte  die Gewerkschaft ÖTV wiederum die Mittel zur Sanierung der Gebäude auf. 1968 wurden die Gebäude abgerissen, denn ein Neubau sollte entstehen. Aber dazu kam es aus finanziellen Problemen der Gewerkschaft ÖTV leider nicht mehr.

 

Übrig blieben das Personalhaus, das heute im privaten Besitz ist, die Kapelle und die Heilquelle, die seit 1999 über einen Brunnen der Allgemeinheit zu Gute kommt.

St Laurentiuskapelle


 

Samstag, 24. September 2022

Was verbirgt sich hinter dem Kleinod der Hexenlochmühle?


Dreistegen, ein Gewann, das heute zu Furtwangen-Neukirch gehört, liegt am Zusammenfluss des Heubachs von Neukirch kommend, dem Glaserbach aus dem Gebiet St Märgen und bilden ab dann die Wilde Gutach. Sie fließt durch das Simonswäldertal ab.

 

Im Gewann Dreistegen liegt die Dreistegen-Mühle, heute Hexenlochmühle, genannt. Sie wurde 1825 in dem damals bewohnten Zinken nahe der Dreistegen-Wirtschaft als Nagelschmiede von Stefan Trenkle und drei Bauern aus der Umgebung gebaut. In der Nagelschmiede wurde der Schmiedehammer vom oberen alten Teil der Hexenlochmühle mit seinem Wasserrad angetrieben. Stefan Trenkle stellte damals handgeschmiedete Nägel her.

 

Im Schwarzwald stand die Uhrmacherei im 19. Jahrhundert in voller Blüte. So entschied der Sohn von Stefan Trenkle, Karl Friedrich, 1883 die Nagelschmiede um die Uhrengehäusemacherei zu erweitern. Dafür wurde an die Nagelschmiede mit seinem Wasserrad ein größeres Gebäude mit einem zweiten Mühlrad gebaut – das heutige untere Gebäude. Um die notwenige Wasserkraft für zwei Mühlräder zu sichern, wurde 200 m oberhalb der Mühle der Heubach zusätzlich gestaut, das Wasser über einen Kanal herangeführt. Damit konnte neben der Nagelschmiede mit dem zweiten Mühlrad eine Hochgang- und Kreissäge betrieben werden. Die Hochgangsäge von 1880 sägt bis heute Stämme bis zu einem Meter dick.

 

1839 übergibt Stefan Trenkle seinen Drittelanteil an seinen Sohn Karl Friedrich Trenkle. Dieser reichte seinen Anteil 1930 an seinen Sohn Stefan jun. weiter. Ab 1957 war dieser alleiniger Besitzer der Hexenlochmühle, da er Anteile von anderen Teilhabern übernehmen konnte.

 

1950 hatte Stefan Trenkle jun ein Wohnhaus gegenüber der Mühle gebaut. Hier konnten die Feriengäste Souvernirs erwerben, in der Werkstatt der Mühle konnten sie Uhrengehäuse bewundern.  Schon ein Jahr später machten die Feriengäste Stefan jun darauf aufmerksam, dass er doch gleich Uhren als Souvenir verkaufen solle. Am nächsten Tag kaufte er  bei einem Bekannten 20 Kuckucksuhren, diese waren schon nach Tagen verkauft. Amerikaner, Engländer, Franzosen und Norddeutsche interessieren sich mittlerweile für die Mühle und kaufen ihre Souvenirs von der Hexenlochühle. An sonnigen Tagen besuchen bis zu 200 Besucher diesen Ort.

 

Karl Friedrich Trenkle jun, der die Holzbildhauerei erlernt hatte, übernimmt 1987 die Hexenlochmühle. Infolge des Ansturms der Feriengäste baute er das frühere obere Gebäude – die frühere Nagelschmiede- zu einem Kiosk um. Besucher konnten jetzt Getränke und ein Vesper erwerben. Die Wand zur Sägemühle lässt er verglasen, so dass die Besucher aus sicherem Abstand die Hochgangsäge von 1880 mit ihrem ohrenbetäubenden Lärm arbeiten sehen können.

 

Die Söhne Benjamin und Pascal haben einmal den Uhrmacherberuf und zum anderen Koch erlernt. Damit waren die Voraussetzungen für eine Gastwirtschaft und einem erweitertem Schwarzwälder Souvernirhandel geschaffen, wobei das Äußere der Hexenlochmühle alles unverändert blieb. Im Untergeschoß der alten Nagelschmiede, in der später die Uhrengehäuse produziert wurden, ist ein Restaurant eingerichtet worden. Die Terrasse unterhalb der Säge hat ein beheiztes Zelt bekommen, um größere Veranstaltungen zu ermöglichen.



  

Freitag, 16. September 2022

Was verbirgt sich hinter den Viehhütten auf dem Feldberg?

Todtnauer Hütte 19. Jahrhundert
Die Feldbergweiden ziehen sich oberhalb der Baumgrenze über die Gipfel des Feldberges und seiner Flanken in der Höhe zwischen 1.200 und 1.500 m hin. Um weitere Weideflächen zu gewinnen, wurden an der Baumgrenze durch Abholzung die Weideflächen stets vergrößert. Sie sind auch heute noch Gemeinschaftsweiden, wobei die Menzenschwander, die Todtnauer und die Zastler Weide Gemeindeweiden sind, die Wilhelminer und Baldenweger Weide Genossenschaftsweiden sind. Um das Vieh, das ab der zweiten Maihälfte bis September über auf den Feldbergwiesen gehütet wurde, über Nacht und vor der großen Mittagshitze im Sommer zu schützen, baute man Unterstände als Viehhütten. In denen übernachteten auch die Herder –die Verantwortlichen der Viehhütte- und ihre Hirten.

Die seltenen Besucher des Feldberges fanden in den Viehhütten Unterkunft und Bewirtung. Erst 1841 begannen amtliche Stellen sich um den Wirtschaftsbetrieb auf den Hütten zu kümmern. Das Bezirksamt St Blasien hatte keine Einwände, dass der Hirte der Lenzkircher Hütte als Erfrischung der Besucher Wein ausschenke. Aber Tanzveranstaltungen, das war zu viel! Das gemeine Volk hätte das ganze Jahr über Gelegenheit zum Tanzen. Aber bis heute wird vom Almwirt der Hütte das Vieh gehütet und gleichzeitig bewirtet.

Auf dem Feldberg lagen oder liegen folgende Viehhütten: Menzenschwander Hütte (1220 m) unterhalb des Zeigers, ursprünglich lag sie am alten Weg vom Bärental. 1840 wurde eine Konzession von Menzenschwand beantragt, um die Kosten für die Viehhütte zu senken. Die Erlaubnis wurde aber nach vielen Schwierigkeiten 1899 erteilt, vor allem sollte dem Feldberger Hof keine Konkurrenz entstehen. Mittlerweile hieß die Menzenschwander Hütte „Jägermatt“ und wurde vom Wirt des Feldbergerhofs übernommen. 1923 brannte sie ab. In der Nähe wurde ein Hotel gleichen Namens gebaut. 1923 wurde von Menzenschwand am Zeiger bis heute ein neues Hirtenhaus gebaut, das auch vom Feldbergerhof übernommen wurde. Zastlerhütte (1261m) im Zastlerloch stammt von 1869 und gehört seit 1962 der Gemeinde Zastler. 1883 wurde sie abgerissen, neu und größer mit Wirtschaftsrecht aufgebaut. Nach einem Brand 1912 neu eingeweiht. Seit 1938 gibt es keinen Viehauftrieb mehr. 1942 wurde sie teilweise durch eine Lawine zerstört aber wieder neu hergerichtet. Lenzkircher Hütte (1296 m) 1591 erwähnt- Eigentum von Lenzkirch später Menzenschwand stand am Aufstieg vom Feldberger Hof zum Seebuck. 1900 wurde sie abgerissen. Baldenweger Hütte (1321 m) am Baldenweger Buck gehört zur Gemeinde Hinterzarten mit nebenstehender bewirtschafteter Wohnhütte seit 1941. 1757 wurde sie erwähnt, da sie zwei Längsstelle aufweist. Todtnauer Hütte (1321 m) stand 1537 ursprünglich am Seebuck, liegt jetzt am Fuß des Feldbergs. Die Hütte wurde 1774 vergrößert, 1902 abgebrannt und größer aufgebaut, 1931 abgebrannt und 1934 als geräumiges Gasthaus wieder aufgebaut. 1945 wurde die Laurentius Kapelle aus Dankbarkeit der Rückkehr des Sohnes aus dem Kriege gebaut. Am 10. August findet der Lorenzimarkt (10.8.) statt auf der Todtnauer Hütte mit einem Gottesdienst und der Segnung der Herden statt. Anschließend findet ein Hüttentreiben mit und auf den verschiedenen Hütten statt. St Wilhelminer Hütte (1378 m) von 1701 erwähnt mit bewirtschafteter Wohnhütte seit 1773. Sie dürfte neben der Baldenweger Hütte die älteste erhaltene Viehhütte am Feldberg sein.

Die ehemaligen Viehhütten gingen mit der Zeit: Waren es anfänglich zuerst reine Viehhüten mit den Herdern, wurden später die Wanderer verköstigt und auch einfache Schlafplätze angeboten. Mit Zunahme des Fremdenverkehrs machte die Viehhütten aus der Not eine Tugend, Bewirtung und Übernachtung wurden immer mehr den Anforderung eines modernen Fremdenverkehrs angepasst. Mit dem Wintersport ab den 50er Jahren kam für die meisten Hütten eine zweite Saison hinzu.

Freitag, 9. September 2022

Was verbirgt sich hinter dem "Kastelstein"?


Bad Rippoldsau war schon im Mittelalter als Kniebisbad weit über die Region bekannt, oft besucht und Stelldichein der Prominenz. Das Sauerwasser war bekannt zum Trinken und Baden, aber auch viel lockeres Leben wurde in der Badehütte geführt, wie die Chronik berichtete. Geblieben sind heute nur noch die Rippoldsauer Mineralbrunnen, die das kostbare Sauerwasser in die Welt hinaus verteilen. Über all die Jahrhunderte wacht aber unverändert der“ Kastelstein“ über Bad Rippoldsau.

 

Nahezu 4 km vom Bad bequem über einen Spazierweg zu erreichen, liegt auf 823 m Höhe der „Kastelstein“. Der Träger des“ Kastelsteins“ ist ein schön geformter Berggrat, der von der Dolly Hütte sich südwärts zieht, 2 km  weit zum Kreuzkopf. Dieser nahezu horizontale Grat ist im Westen begrenzt vom Wolftal, das durchschnittlich 270 m tiefer liegt; im Osten vom Tale des Kastelbach , der  sich durchnittlich 200 m tief eingenagt hat. Hier liegt also der prachtvolle Erosionsrest des „Kastelsteins“ in Form einer flachen riesigen, griechischen Trinkschale.

 

Heute nach der Verwitterung durch die Jahrhunderte steht nur noch der letzte Rest als eine 11 m lange und 5 m breite Felsplatte, die auf einem 4 m hohen Fuß ruht. Mehrere unterschiedliche Verwitterungsplatten erheben sich nahezu 8 m hoch.

 

Der Name „Kastelstein“ lässt naheliegend ein römisches Castel vermuten, das zur Verteidigung gedient haben könnte. Aber nichts ist zu finden, das nur einen schwachen Fingerzeig in diese Richtung geben könnte, so dass die Namensherkunft im Bereich der Phantasie liegt.

 

Der „Kastelstein“ trägt eine bronzene Gedenktafel, die wenigstens an den hohen königlichen Besuch des Großherzogs und der Großherzogin Luise im Sommer 1858 erinnert, als sie zur Kur in Bad Rippoldsau weilten.

 

Natürlich hat der „Kastelstein“ im Laufe der Jahrhunderte auch so manches Liebespaar begleitet, das sich heimlich und verschwiegen bei ihm trafen. So berichtet auch die Sage von 1330 von einem Fräulein Cölestine, die sich am „Kastelstein“ heimlich mit ihrem Liebhaber traf, obwohl sie schon einem anderen versprochen war. Sie heckten heimlich dort oben einen Plan aus, wie sie zwar mit militärischer Gewalt aber ihr Glück doch noch erreichen konnten. 


Bad Rippoldsau 1850



 

Samstag, 3. September 2022

Was verbirgt sich hinter der "Eisernen Hand" bei Lörrach?

Die „Eiserne Hand“ ist ein 44 ha großes, knapp 1,7 km langes und maximal 300 m breites Gebiet, das als schweizerisches Gebiet neben Lörrach in deutsches Gebiet hineinragt. Der Gebietszipfel ist ein bewaldeter Bergrücken, zu dessen Füßen die deutsche Trabantensiedlung Salzert liegt. Er gehört politisch zu der Schweizer Gemeinde Riehen und damit zum Kanton Basel Stadt. Der Grenzverlauf ist seit über 500 Jahren unverändert und durch historische Grenzsteine markiert. Er ist damit einer der ältesten in Europa.  Die „Eiserne Hand“ trennt die deutschen Gemeinden Lörrach-Stetten und Inzlingen. Der grüne Grenzverlauf der „Eisernen Hand“ lud in der Vergangenheit zum Schmuggel und zur Flucht über die Grenze ein.

 

Wie kam es zu diesem Kuriosum? Das heutige schweizerische Riehen und deutsche Stetten waren schon immer zwei getrennte Gemeinden und Grenzstreitigkeiten wegen der „Eisernen Hand“ sind schon seit 1510 schriftlich bekannt. Am äußersten Punkt des Gebietes zeugt ein Bannstein aus 1790 von der Gebietsaufteilung der beiden Gemeinden. Denn Riehen gehörte seit 1270 zum Bischofbistum von Basel und ab 1522 zur Stadt Basel und Stetten zum Damenstift von Säckingen. So wurde der Bannstein eben bei der Entstehung der Nationalstaaten zum Grenzverlauf.

 

So tragen die Grenzsteine noch heute je nach Alter auf deutscher Seite Wappen der Markgrafschaft Baden, des Großherzogtums Baden, der Republik Baden und von Baden Württemberg. Aber auch die Wappen der Herren von Schönau und von Reichstein sind zu finden. Auf schweizerischer Seite sind dies die Wappen des Fürstbistums von Basel und der Stadt Basel.

 

Schon zu den Revolutionszeiten von 1848/49 wurde die „Eiserne Hand“ für die Flucht in die Schweiz genutzt. Hecker und Struve und viele andere entkamen so der Verhaftung. Schmuggel war zu jederzeit lukrativ. Im 1. Weltkrieg überließ die Eidgenossenschaft gleich den ganzen Geländestreifen dem deutschen Militär. 1919 wollte die Schweiz das Gebiet tauschen, aber es kam zu keiner Einigung mit der deutschen Seite.

 

Im 2. Weltkrieg wurde die Grenz zur Schweiz von deutscher Seite stark befestigt, um den Flüchtlingsstrom im Rahmen der „Endlösung“ zu unterbinden. Nur das Gebiet der „Eisernen Hand“ blieb unberücksichtigt, da alles zu verwinkelt war. Es wurde nur von Zöllner mit Wachhunden geschützt. Das deutsche Reich wollte den schmalen Eingang zur „Eisernen Hand“ am Maienbühl schließen. Aber dies untersagte die Schweiz. Allerdings muss die Eidgenossenschaft eingestehen, dass immer wieder an der Grenze Flüchtlinge zurückgewiesen wurden oder nach geglückter Flucht an das Deutsche Reich übergeben wurden. In den 70er Jahren suchte der Bundesgrenzschutz hier nach den RAF-Terroristen unter anderem nach Christian Klar, der aus Lörrach stammte.

 

Am Eingang zur „Eisernen Hand“ liegt ein Bauernhof, der Maienbühlhof. Er gehört der schweizerischen Gemeinde Riehen. Er wird zur Zeit von einem deutschen Pächterehepaar bewirtschaftet und hat Gelände auf deutscher und schweizerischen Seite zum Bewirtschaften.




Waldgebiet hinter der Siedlung "Eiserne Hand"


Freitag, 26. August 2022

Was verbirgt sich hinter den Klöstern als Glashüttenbetreiber?

Kloster St Blasien 1734
Die großen und auch bedeutenden Klöster waren nicht nur Orte des Glaubens, der Wissenschaft sondern ihre Äbte waren auch Landesherren und Unternehmer, um ihren Wohlstand zu mehreren. Über all die Jahrhunderte und Jahrzehnte waren dies sicherlich die Glashütten. Sie waren genossenschaftlich organisiert. Die Glashütte bezahlte für das Holz einen Hüttenzins, die Glasbläser arbeiteten jeweils auf eigene  Rechnung.

Abt Paul des Klosters St Peter hat 1683 im Knobelwald, eine Schlucht vom Thurner bis zur Wildgutach, eine Glashütte errichten lassen. Der Vertrag hatte eine Laufzeit von 50 Jahren, jedoch war das Holz nach 42 Jahren aufgebraucht. 1725 zogen die Glaserfamilien nach Bubenbach weiter, eine Glashütte von Bräunlingen, die 1872 aufgelöst wurde. Geblieben ist der Ort Glashütte auf der heutigen Gemarkung von St Märgen. Gegenüber der Kapelle stand die Glashütte.

Aber auch schon früher hatte das Kloster St Peter eine Glashütte nordwestlich von Waldau 1426 bis 1660 betrieben, wie der Zinken Glashöfe uns bestätigt.

Das wohl bedeutendste Kloster St Blasien hatte schon im Albtal 1424 und in Bernauer-Tal 1480 Glashütten gegründet. Aber mit Ende des 30jährigen Krieges setzte wiederum eine Gründungswelle ein. Abt Martin von St Blasien gründete im Muchenland im Blasiwald südlich des heutigen Schluchsees die erste Glashütte mit einer Laufzeit von 20 Jahren. 1622 als der Waldbestand aufgebraucht war, zogen die Glaserfamilien weiter nach Süden im Blasiwald in die Althütte. Nach 42 Jahren zogen die Familien weiter ins Windbergtal bis 1716. Ab dann erfolgte der Sprung nach Äule am Schluchsee. 1806 ging mit der Säkularisierung des Klosters die Glashütte an den badischen Staat über. 1892 wurde die Glashütte wegen Unrentabilität geschlossen. Die Johanneskapelle erinnert heute noch an die Glashütte.

Auch der Ort Glashütte westlich von Bonndorf, eine Wiedergründung des Klosters St Blasien zeugt davon, dass Abt Franciscus I eine klösterliche Glashütte von 1645 bis 1705 betreiben ließ. Nördlich davon wurde im Glaserloch bei Grünwald unweit von Kappel ab 1611 von Abt Martinus I veranlasst bis 1715 Glas geblasen, dann war das Holz aufgebraucht.

Auch im Wehratal in Todtmoos Glashütte gab es seit 1560 eine Glashütte, die 1662 unter Abt Francicus I mit dem Gebiet zum Kloster St Blasien kam und bis 1790 betrieben wurde. Dann war der Holzbestand aufgebraucht.

Aber auch im Kinzigtal betrieb das Kloster Gengenbach unter Abt Placidus ab 1695 bis 1708 im Quellgebiet des Dörrenbachs (Altglashütte) einen Glashüttenbetrieb, der zumindest lange Zeit eine Unternehmerglashütte war. Die Glasbläser waren Leibeigne.  Die Glashütte wurde von Abt Augustinus 1708 auf die westliche Seite des Moosgebiets bis 1748 zur Neuglashütte auf dem Mitteleck verlegt. Ab 1750 konnte er das begehrte Kobaltglas blasen lassen. 1776 verlegte Abt Jakob die Glashütte in den Ortsteil Nordrach Fabrik, die klösterlich war bis zur Säkularisierung des Klosters 1803/1807. Anschließen kam sie in fremde Hände und konnte sich bis 1848 unter verschiedenen Besitzer recht und schlecht selbstständig halten.

Auch das Kloster Tennenbach 1160 gegründet, hatte in Glashausen bei Reichenbach im Breitenbachtal schon 1218 und 1291 unter den Äbten Berchildus und Meinhardus von Munzingen Glashütten entstehen lassen.

Das Kloster Frauenalb betrieb mit Hilfe der Glashütte auf dem Mittelberg ab 1707 Äbtissin Maria Salome eine Glashütte Albtal an der Einmündung der Moosalb. Dort wurde beidseitig im Albtal talaufwärts die Glashütte in die jeweiligen Gebiete mit Holz verlegt. Das Moosalb-Tal war tabu, um die markgräfliche Jagd nicht zu gefährden. 1743 waren die Holzvorräte erschöpft.

Auch das Damenstift in Säckingen, deren Äbtissin Elisabeth von Bussnang 1307 in den Reichsfürstenstand erhoben, ließ 1257 in Rickenbach und 1303 in Bergalingen, heute einem Ortsteil von Rickenbach, Glashütten errichten.

Freitag, 19. August 2022

Was verbirgt sich hinter dem erfolgreichen "Furtwanger Modell"?

Joseph Koepfer 1895

Das „Furtwanger Modell“ ist ein Beispiel für eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte von tüchtigen Schwarzwälder Unternehmer in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Verbunden ist dies mit drei Unternehmerpersönlichkeiten, deren Unternehmen heute noch in Furtwangen produzieren und in der ganzen Welt zu Hause sind: Benedikt Ketterer (1805-1871), Salomon Siedle (1830-1890) und Joseph Koepfer (…) Alle drei begannen Werkzeuge, Metallteile, Zahnräder und Uhrenketten für die aufstrebende Uhrenmanufakturen in Furtwangen zu produzieren. Benedikt Ketterer 1842 kam als wohlhabender junger Mann von England zurück und eröffnete eine mechanische Werkstatt in Furtwangen. (siehe: Was verbirgt sich hinter den Ketteres in Furtwangen?). Salomon Siedle 1868 kaufte die Bühlsäge und gründete 1868 die „S. Siedle & Söhne“. (siehe: Was verbirgt sich hinter dem Schwarzwälder Unternehmen „S. Siedle & Söhne“. Joseph Koepfer baute nach 10 Jahren 1877 eine Fabrik in Furtwangen und gründete mit Eintritt seiner 4 Söhne um die Jahrhundertwende die „Joseph Koepfer & Söhne“.

 

Joseph Koepfer begann 1867 im Häuschen seiner Schwiegereltern am Rößleplatz im 2. Stock der „Stube“ mit drei Schraubstöcken,  zwei Drehbänken und einer Feldschmiede in der Küche präzises Uhrmacherwerkzeug herzustellen. 1877 baute er dann auf der Dorfmatte eine Fabrik samt Wasserkraftanlage und produzierte Fräser, Werkzeug für die Uhrenproduktion und die dazu gehörenden Maschinen.

 

Mit 1910 begann aber der Niedergang der Uhrenindustrie in Furtwangen. Ketterer wich aus auf Gas- und Wasseruhren und später auf Getriebe, Siedle erkannte die Bedeutung der Schwachstromtechnik und legte für später die Grundlage für die Gebäudekommunikation. Koepfer hatte rechtzeitig sich von der Uhrenfertigung  gelöst und schon 1890 Zahnräder für die Musik- und Feinwerktechnik ins Programm hinzugenommen. Neben den Fräser- und Verzahnungsmaschinen wurde mit diesen die Lohnfertigung für Zahnräder und Getriebe begonnen.

 

In den zwanziger Jahren kamen zum bisherigen Programm Wälzfräsmaschinen hinzu, die Gebäude mussten immer wieder erweitert werden, denn die Mitarbeiterzahl war 1939 auf 200 angestiegen. Das Kerngeschäft aus Verzahnungsmaschinen, Verzahnungswerkzeugen und Zahnräder mit Sondergetrieben ermöglichte diesen Erfolg.  Im Gegensatz dazu richtete die traditionelle Uhrenindustrie wie „Fürtwängler & Söhne“ oder  die „Badische Uhrenfabrik“ viel zu spät ihre Sortimente neu aus und verschwanden somit vom Markt. Die erfolgreiche Expansion in die Absatzmärkte  in West- und Osteuropa und den USA wurde durch den 2. Weltkrieg jäh unterbrochen. Nachdem die Firma „Joseph Koepfer & Söhne“ schon vor dem Weltkrieg immer wieder von der Partei vergeblich bedrängt wurde, sich auf Parteilinie zu bewegen, kamen mit dem Krieg der Verlust von gut ausgebildeten Fachkräften hinzu sowie nach dem Kriege  die Demontage durch die Franzosen. 203 Werkzeugmaschinen im Wert von über 800.000 RM musste das Unternehmen abliefern.

 

Mit der Wirtschaftswunderzeit und dem noch vorhandenen erfahrenen Mitarbeiterstamm begann der erfolgreiche Aufschwung nach dem 2. Weltkrieg, der zwangsläufig zu Erweiterungen und 1963 zu einem weiteren Neubau führte, um die auf über 300 Arbeitnehmer angestiegenen Belegschaft unterzubringen. 1998 wurde aus den drei Geschäftsbereichen der „Josef Koepfer & Söhne GmbH“ die drei eigenständigen Unternehmungen „KOEPFER Verzahnungsmaschinen“, „KOEPFER Verzahnungswerkzeuge“ und die „KOEPFER Zahnrad und Getriebetechnik“ aufgespalten, um eine strategische bessere Marktbearbeitung zu ermöglichen. Kooperation mit strategischen Partnern ermöglichten nicht nur die Produktionen in Furtwangen, Ludwigsburg, sondern auch 2013 Changzhou in China und  2019 Smederevo in Serbien wie einer der Geschäftsführer Dr Alexander Koepfer in 4. Generation, mitteilte.

Furtwangen Dorfmatte 1890