Freitag, 16. Mai 2025

Was verbirgt sich hinter Vier Täler und Titisee-Neustadt?


Der Titisee war seit 1111 unter dem Namen “lacus Titumse“ bekannt aber eine geheimnisvolle ansonsten völlig unbekannte Gegend im Hochschwarzwald. Am Rande jeweils von ihm lagen Villingen und Freiburg alte Gründungen der Zähringer, die später den Fürsten zu Fürstenberg gehörten. So wurde schon um 1100 nachgewiesen, dass das Höllental die älteste Verbindung zwischen Villingen und Freiburg war. Der alte Weg von Villingen, über Vöhrenbach, Hammereisenbach, das spätere Neustadt, durch das Altenwegtal und die Falkensteig (Höllental) nach Freiburg war nur öfters durch Hochwasserschäden, fortgerissene Brücken und Wege für Fuhrwerke immer wieder unbefahrbar. So gewann schon 1310 der „nuwe weg“ immer mehr an Bedeutung. Die Straße wurde von Villingen nicht über Vöhrenbach gebaut sondern über Herzogenweiler, Fischerhof im Bregtal, Bregenbach, Urach hinauf zur Kalten Herberge. Von dort führte die Straße durch den Hohlen Graben, Thurner, Wagensteigtal, Burg und schließlich nach Freiburg. Damit gewann das Jostal als Weg zur Wagensteigverbindung an Bedeutung. Dazwischen lag das Schildwendetal als Seitental zum Jostal und weiter zwischen dem Altenwegtal das Spriegelsbachtal. Die vier Täler bildeten als Verwaltungseinheit 1525 die Vogtei Vier Täler mit eigenem Dorfgericht.

Vier Täler war seit jeher Fürstenberger Land. 1491 kamen Saig und Lenzkirch unter Fürstenberger Herrschaft dazu. Damit war auch das südliche Ufer des Titisees im Herrschaftsbereich der Fürstenberger, der 1806 auf das Großherzogtum Baden überging. Damit galten auch die Unteilbarkeit der Höfe und das Anerbenrecht und waren damit gesetzlich geschützt. Nach dem Übergang 1806 blieben die Bezeichnungen Vogt und Gericht beibehalten, wenn auch mit anderen Funktionen. Die Verwaltungsräume wurden in einem kleinen Rathausgebäude in der Spiegelhalde untergebracht. 1934 zog die Verwaltung in der vom Schwarzwaldhotel erbauten „Villa Jäger“ in Titisee.

Der Titisee war bis Mitte des 19. Jahrhunderts völlig unberührt. Es gab überhaupt nur 2 Höfe in der Nähe des Sees: den Seehof auf der Gemarkung Saig und den Hermeshof auf  der Gemarkung Vier Täler. Mit dem Bau der Straße um den Titisee zum Feldberg  mit Abzweigung in Bärental zum Schluchsee 1885, den Bau der Höllentalbahn 1887 und Dreiseenbahn 1928 kamen die Besucher, weckten Interesse an diesem schönen Fleckchen Erde. Als erste Fremdenverkehrseinrichtung wurde 1867 am See eine Blockhütte gebaut, 1873 das erste Hotel am See, das „Hotel Titisee“. Schon nach 10 Jahren wurde das Hotel auf die doppelte Größe ausgebaut. Nachdem die Entwicklung so rasch Fahrt aufnahm, wurde das Fremdenverkehrszentrum 1929 als kleinster Teil mit dem Namen „Titisee“ bezeichnet und gleichzeitig der Ortsname "Vier Täler" in "Titisee" umgewandelt.

1971 wurde Titisee (heute 2400 Einwohnern) mit Rudenberg (heute 180 Einwohnern) nach Neustadt (heute 9.500 Einwohnern) eingemeindet. Der neue Ortsnamen lautete ab dann Titisee-Neustadt. Im gleichen Jahr wurde ebenfalls Schwärzenbach (heute 250 Einwohnern) eingemeindet, 1973 kam Waldau (heute 400 Einwohnern) und 1974 Langenordnach (heute mit 240 Einwohnern) hinzu. Durch die Täler bedingt weist die Gemarkungsfläche 90 km² auf, damit ein Bevölkerungsdichte von nur 138 Einwohnern auf den km².

Allerdings besaß Titisee nur den kleinsten Teil vom Titisee, während den Großteil die Anliegergemeinden Hinterzarten und Saig am Südufer besaßen. Am 1.1.1978 stimmten die jetzige Gemeinde Lenzkirch-Saig zu, die Gemarkungsgrenze vom Südufer des Sees bis hinter die B 317 zurück zu verlegen. Dadurch kamen 53,45 ha –die Hälfte der Seefläche- zu Titisee-Neustadt. Die Gemeinde Hinterzarten hat am Nordufer 27,60 ha Seefläche abgegeben. So besaß Titisee von 107 ha Seefläche 95 ha  und Hinterzarten nur noch 12 ha. Soweit der Weg von der Bauerngemeinde „Vier Täler“ zur Fremdenverkehrsmetropole „Titisee“ mit nahezu 2 Millionen Besucher pro Jahr  am Titisee.

Vier Täler


Freitag, 9. Mai 2025

Was verbirgt sich hinter den Fressbädern im Dreisamtal?

Kybbad Kappel

Im ausgehenden Dreisamtal liegt der Ortsteil Littenweiler, der
  1914 nach Freiburg eingemeindet wurde. Kappel seit 1974 ein Ortsteil von Freiburg, liegt in einem südlichen Seitental des Dreisamtals am Fuße des Schauinsland.

1466 errichtet Benz Ved bei dem auf seinem vom Priorat Oberried gekauften „zuerst im Kappler Tal“ ein Bad, nachdem er „unten im Kibfelsen“ eine heilkräftige Quelle entdeckt hatte. Es handelte sich um kaltes Wasser, das aus einem alten Stollen austritt und das man als heilkräftig ansah. In Gutachten von 1568 und 1571 wird bestätigt, dass das Wasser des Kydbades Kupfer und etwas Schwefel enthalte. Es helfe gegen kalte Glieder, böse Augen,  Nieren- oder Blasengries, bei Beinbruch und Krätze.

Von 1586 wird berichtet, dass ein Prior des Kloster Oberried sein Amt verlor, weil er den lockeren Sitten des Bades erlegen war und sich mit einer „Weibsperson sehr eigentlich gehalten habe“. Das im 30jährigen Krieg eingegangene Bad wurde 1650 neu aufgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs. Deswegen erließ der neue Prior des Klosters Oberried 1659 eine ausführliche Badeordnung, um das ausgelassene Leben im Bad nicht ausufern zu lassen. Die Badgästen hatten „mit reinen Hembden“ in die Bädekästen zu steigen, die Badknechte mussten das Wasser richtig wärmen, der Wirt hatte reichliche Speisen und gute Weine bereitzuhalten und auf ein sittsames Verhalten der Badegäste zu achten.

Französische Truppen des Marschalls Taillard zerstörten 1704 das Kybbad. Dadurch ruhte 130 Jahre der Badebetrieb. Ein Peter Roth, der den Hof landwirtschaftlich betrieb, wurde durch den Freiburger Archivregistrator Leichtlin auf das einstige Bad aufmerksam gemacht. Roth fand auf seinem Anwesen eine Quellfassung mit der Jahreszahl 1621. Im Jahre 1835 bestätigte eine Analyse des Wassers der Regierung, dass kaum Mineralien im Wasser vorhanden seien und wurde aus der Liste der Heilbäder gestrichen. Es konnte nur als Reinigungsbad mit Gastwirtschaft, also als „Freßbädle“ weitergeführt werden.

Im gleichen Jahr erhielt Roth durch die Regierung die Genehmigung zum Bau einer Restaurationswirtschaft, so lange das Bad besteht. 1850 wurde von amtlicher Seite ihm bestätigt, dass die Einrichtung des Kybbades zweckmäßig erscheine und die erforderliche Reinheit herrsche. Auch im Winter kamen bald Badegäste. 1896 berichtet das Bäderverzeichnis, dass das Bauernbädle gerne besucht werden würde. Allerdings konnte Peter Roth es wegen Eigenverschulden nicht halten. Das Bad wurde 1909 versteigert, 1910 von einem Ehepaar Hoven übernommen. 1915 wurde das Bad geschlossen.

Auch im Freiburger Vorort Littenweiler wurde 1841 beim Graben eines Brunnens eine Stahlquelle entdeckt, die mit der Kappler Eisenquelle Ähnlichkeit habe. Im Jahre 1844 errichtete der Freiburger Joseph Ziegler ein Badhaus. Er wollte die Wirtschaftsgerechtigkeit von der gekauften Gemeindestube auf sein Badhaus überragen. Das Landamt genehmigte dies aber nur, wenn das neue Haus nicht „Badstube“ genannt würde und keine Heilbäder sondern nur gewöhnliche Reinigungsbäder verabreichen würden. Der nächste Besitzer, Anton Pleiner, richtete 1855 einen Pferdeomnibus vom Schwabentor zu seinem „Bad“ ein.

Ein weiterer Badwirt, Karl Hensler, baute ein neues Badhaus mit Badzellen und Zimmern. Er veröffentlichte ein Büchlein „Das Bad Littenweiler bei Freiburg. Seine Heilkraft und Wirkung“. Die neu gefasste Quelle würden rheumatische Leiden, Blut- und Schleimflüsse, Hautkrankheiten sowie Schwächen des Nerven- und Muskelsystems geheilt. 100 Bäder könnten abgegeben werden. Eine Molke- und Schröpfanstalt seien angeschlossen. Die Quelle könne sich wegen des Eisengehalts mit Franzensbrunn und Marienbad vergleichen.

Noch 1915 ist vom Badhotel die Rede. Anfang der 20er Jahre wurde das Anwesen von den Gengenbacher Schwestern erworben, in den 30er Jahre wird es „Stahlbad“ genannt und heute ist es Altersheim.



Stahlbad Littenweiler

Freitag, 2. Mai 2025

Was verbirgt sich hinter dem Staufen Putsch 1848?


Staufen ein schmuckes Städtchen am Ausgang des Münstertals mit seinen knapp 10.000 Einwohnern, 770 erstmals urkundlich erwähnt, bekannt durch den  Blei- und Silberbergbau im Mittelalter, heute bekannt durch die Schladerer Obstbrände, berüchtigt durch die Geothermie-Bohrungen, die zur Hebung der Altstadt und Rissen in vielen Häusern geführt haben. Staufen schmückt sich mit dem Zusatz „Fauststadt“, weil Burgherr Anton von Staufen den Alchemisten, Astrologen und Schwarzkünstler als Goldmacher angestellt haben soll. Faust soll 1539 im Zimmer Nr 5 im Gasthaus Löwen bei einer Explosion ums Leben gekommen sein. Goethe hat die Begebenheit in der Tragödie „Faust“ 1790 beschrieben.

Gustav Karl Christian von Struve (1805-1870), der 1847 den Adelstitel abgelegt hatte, war neben Friedrich Hecker einer der führenden Köpfe der badischen Revolution 1848/49. Auf einer Volksversammlung zu Offenburg am 19. März 1848 verlangten Struve und Hecker in einer Erklärung eine Revision der Badischen Verfassung und ein deutsches Parlament. Nachdem der erste Putsch unter Hecker auf der Scheideck bei Kandern am 20. April 1848 blutig niedergeschlagen wurde, entkamen die Rädelsführer damals in die Schweiz.

Struve zog am 21. September 1848 mit Getreuen über Basel nach Lörrach, setzte die rote Fahne der Revolution, rief vom Rathaus die Deutsche Republik aus und gründete eine provisorische Regierung. Er ließ die Kassen beschlagnahmen und hob Truppen aus. Mit 600 bis 700 Mann rückte er gegen Freiburg vor, wobei eine Abteilung durchs Wiesental vorrücken sollte. Geplant war von dort nach Karlsruhe weiter zu ziehen. Dabei schlichen sich, je brenzliger die Situationen wurden, manche Freischäler wieder von dannen. Der kommandierende Löwenfels hatte seine liebe Not mit dem marschfaulen Haufen. So musste er den direkten Angriff auf Freiburg aufgeben. Die Freischäler sollten dafür von Heitersheim Richtung Todtnau ziehen und sich mit den Wiesentäler Freischäler vereinigen. Und die Kolonnen, die Rückendeckung und Flankenschutz geben sollten, hatten bei Erscheinen eines Trupps Dragoner schnell die Flucht ergriffen und erreichten dezimiert Staufen. Aber anstatt sich Richtung Gebirge zu verbarikadieren, ließen sie sich in den Wirtshäuser nieder und verlangten erstmal lärmend Verköstigungen. Struve ließ die Kasse von Staufen requirieren und rief die Republik aus.

An Aufbruch war nicht mehr zu denken. Also musste Löwenfels sich auf eine Verteidigung in Staufen einstellen, denn 800 Mann badische Truppen waren unter Generalleutnant Friedrich Hofmann von Freiburg kommend hinter ihnen her. Die sogenannten „Hoffmannstropfen“ bekamen den Freischälern in Staufen schlecht. Schafschützen, Dragoner folgten dem Beschuss der Sechspfünderkanonen nach Staufen hinein. Von den Freischälern kämpften nur die wenigsten, der Rest versuchte sich abzusetzen oder versteckte sich in den Häusern von Staufen. Nach zwei Stunden hatten die badischen Truppen dem Spuk ein Ende bereitet. Die verbarikadtierten Fenster mussten geöffnet werden, die Kriegskasse von Struve war gefunden, die Häuser wurde nach versteckten Freischälern durchsucht. Struve konnte mit seiner Frau versehen mit bäuerlicher Kleidung ins obere Münstertal und dann nach Wehr flüchten. Dort wurde erkannt und verhaftet. In Freiburg wurde er zu 8 Jahre Zuchthaus verurteilt.

Ein Kriegsverbrechen eignete sich nach der Niederschlagung des Putsches. Nach der Beerdigung des einzigen Gefallenen der badischen Truppen, stellten sich die Soldaten zur Parade auf dem Marktplatz auf. Da fiel aus einem der Häuser ein Schuss, sogleich ertönte der Ruf „die Freischäler kommen“! Beim Durchsuchen der Häuser wurden im Hinterhaus des Kreuzwirts 5 Musikanten herausgezerrt. Ein sechster entkam mit einer Bäckerverkleidung. Die 6 Musikanten sollten in Weil zu einer Hochzeit aufspielen. Die Freischäler zwangen sie aber als Militärmusik mitzukommen und Marschmusik zu spielen. Sie wurden auf der Stelle ohne Untersuchung erschossen, da die Soldaten glaubten, Freischäler vor sich zu haben.

Freitag, 25. April 2025

Was verbirgt sich hinter dem letzten großen Flößer?

Trautwein 1818-1898

Im Schwarzwald haben sich hauptsächlich an der Kinzig, Murg, Enz und Nagold immer mehrere kapitalkräftige Unternehmer zu einer Handelsgesellschaft, der Schifferschaft, zusammengeschlossen. Nur so konnten die Flüsse und Bäche zu Floßstraßen mit Wehren, Stauweieren zum Flößen vorbereitet, große Holzmengen eingekauft, zu Flößen zusammengestellt und das Flößen des Holzes finanziert werden.

In solch eine Schifferschaft wurde –hier die von Schiltach- Adolf Christoph Trautwein (1818-1898) hineingeboren. Der Vater Christian Wilhelm war Schiffer und Holzhändler, seine  älteren Brüder Ulrich und Johannes hatten sich als Flößer auch schon bewährt. Schon als Neunjähriger durfte der kräftige Bursche mit seinem Vater auf dem Floß von Schiltach nach Kehl flößen. So lernte er als Junge das harte Leben der Flößer kennen: Am Ende des Winters die Holzstämme, die auf der Polter lagen, im eiskalten Wasser zu Flößen zusammen zu binden. Die gefährliche Floßfahrten auf reißenden Bächen, das Umbinden zu größeren Flößen auf der Kinzig und dann das Flößen mit dem Überwinden der verschiedenen Wehren. Nicht umsonst stand dem Flößer für die harte arbeitsreiche Arbeit 3 Liter Wein oder 5 Liter Bier pro Tag zu. Nur so war die harte Arbeit zu ertragen.

Die Französische Revolution 1789-1799 führte zu einem starken Rückgang der Kinzigflößerei, da auch Straßburg mit in die Revolution hineingezogen wurde. Was lag näher als das Augenmerk auf den Hochschwarzwald zu richten. Um von Schiltach nach Rothaus, dem Standortquatier zu kommen, war immer ein 14stündiger Fußmarsch notwendig, der später immer nachts durchgeführt wurde, um möglichst wenig Zeit zu verlieren. Riesige Waldbestände, billiges Holz, die auf das Flößen warteten, fanden sie hier. Mit ihrem Wissen waren die Schiltacher Flößer gleich dabei, die Wutach 1832 floßbar zu machen und Schwallweiher mit Wehren anzulegen. Bei Unterlauchingen wurde, um die Stromschnellen zu umgehen, ein Kanal von 120 m in den Fels gesprengt. Auch wurden zwei Sägewerke bei Stühlingen und Bannschachen am Rhein bei Waldshut errichtet.

Als Sechzehnjähriger wurde Adolf Christoph Trautwein beim Floßbarmachen der Steina und dem Flößen der Holzbestände eingesetzt. Das Problem auf der Wutach und Steina war, dass das Schwellwasser im klüftigen Kalkfels immer wieder verschwand. Die Flöße lagen dann trocken. Trotz der Schwierigkeit wurde große Mengen Holz für billiges Geld gekauft und über Steina und Wutach abgeflößt.

Als besonderes Geschäft von Trautwein galt der Kiefern-Akkord mit dem Grafen von Bodmann. Am Bodensee wurden die Kiefernstämme eingebunden, mit dem Dampfschiff nach Konstanz gezogen, den Rhein bis Schaffhausen geflößt und mit dem Wagen um den Wasserfall transportiert. Dann konnten die wieder zu Flößen zusammengebauten Kiefern rheinabwärts bis Laufenburg geflößt werden. Wegen der Stromschnellen musste das Floß den Laufenknechten übergeben werden. Von Basel bis Kehl konnte wieder in eigener Regie geflößt werden. Nach Abzug der Kosten blieb ein Verlust übrig. Deswegen verfolgte Trautwein diesen Geschäftszweck nicht mehr weiter und verlegten sich wieder auf das Geschäft auf der Kinzig und dem Oberrhein. Dieses brachte viel Arbeit und Geld in das obere Kinzgtal.

Aber die Anzeichen, dass die Flößerei zur Neige gehen würde, waren unübersehbar. Mitte der 1860er Jahre wurde die Straße von Wolfach nach Schiltach gebaut. Durch den Krieg 1870/71 flohen viele Straßburger Holzhändler nach Frankreich, der Handel brach ein. Mitte der 1880er Jahre wurde die Kinzigtal-Eisenbahn fertigstellt.

Es war viel effizienter das Holz auf Straße oder Eisenbahn zu transportieren als zu flößen. Dies führte dazu, dass Trautwein 1889 den Holzhandel aufgab, denn er hatte feststellen müssen, dass das Alter dem noch so robusten Körper seinen Tribut forderte. Er ließ sich schon 1889 zum Bürgermeister von Schiltach und 1889 zum Kreisrat in Wolfach wählen, bis dann 1898 der Tod an seine Haustür klopfte.

Freitag, 18. April 2025

Was verbirgt sich hinter dem Engländerdenkmal am Schauinsland?


Eine Wandergruppe bestehend aus 27 Schülern zwischen 12 und 17 Jahren und der junge Deutschlehrer von der Strand School in London brachen zu einer Schwarzwaldwanderung im Jahre 1936 auf. Als sie am 16. April nach langer Zugfahrt in Freiburg ankamen, genossen sie noch unbekümmert die Schwarzwaldstadt.

Am nächsten Morgen sollte es dann losgehen: Von der Jugendherberge Petershof in der Innenstadt über den Schauinsland, Notschrei zur Jugendherberge Radschert in Todtnauberg. Eine über km 20 km lange und mit 1000 Höhenmetern selbst für geübte Wanderer anspruchsvolle Wanderung. Der Lehrer, Kenneth Keast, 27 Jahre alt, hat sich die Reise im Reisebüro empfehlen lassen. So unbekümmert waren auch die Vorbereitungen. Trotz winterlichen Verhältnissen trugen die Schüler Sommerkleidung, leichte Schuhe, kurze Hosen, keine Kopfbedeckung. Statt einer guten Wanderkarte diente dem Lehrer nur eine Übersichtskarte vom Reisebüro im Maßstab 1:100.000. Als Wanderproviant gab es zwei Brötchen für jeden sowie eine Orange. Das war’s!

Am Vortag war der Lehrer schon vor einem drohenden Unwetter informiert worden, er meinte jedoch, dass Engländer schlimmeres Wetter gewohnt seien. In der Jugendherberge hing am Wandertag der Wetterbericht aus, der auf einen Wetterumschwung hinwies, denn es fing schon morgens an zu schneien. Als Mahnung gab der Herbergsvater mit auf den Weg, dass sie auf keinen Fall die zugeschneiten Wanderwege nutzen sondern auf der Fahrstraße bleiben sollten. Trotz aller Mahnungen verließ die Gruppe in Günterstal die Fahrstraße Richtung Berggasthof St Valentin. Prompt verlief sich Lehrer Keast, denn er wanderte wieder Richtung Freiburg zurück. Als er nach nahezu zwei Stunden wieder beim St Valentins vorbeikam, erkundigte er sich bei der Wirtin nach dem Weg. Doch auch hier riet die Wirtin dringend von einer Wanderung zum Schauinsland ab, denn Wege und Schilder seien zugeschneit. Aber unbekümmert erwiderte Keast, dass sie eben den Schnee abwischen würden. Am Kiberfelsen hatten sie sich wieder verlaufen. Eine Stunde später hatten sie erst den Sohlacker erreicht.

Mittlerweile war es 15 Uhr und am Kohlerhau traf die Gruppe zwei Forstarbeiter, die wegen des Schneesturms die Arbeit eingestellt hatten und rieten ihnen dringend, die Wanderung abzubrechen. Aber Keat versuchte über das obere Kapplertal weiterzukommen. Dort traf die Gruppe den Postmann Steiert. Er riet ihnen ebenfalls dringend ab, bei diesem Unwetter weiterzugehen und bot an, sie ins nahe Bergwerkzechheim  zu bringen. Keast lehnte ab und ließ sich weiter den Weg zum Schauinsland beschreiben. Die Wandergruppe kam im hohen Schnee nur noch kräftezehrend voran. Querfeldein ging es die steile Kapplerwand hinauf, so dass die Wandergruppe die ganze Wucht des Schneesturms ins Gesicht bekam. Verbissen hielt Keast am Ziel fest, wenn nicht der Schauinsland zu erreichen war, dann wenigstens nach Hofsgrund zu kommen. Die Gruppe irrte schon über 10 Stunden im Gebiet herum, sie waren durchnässt und verfroren, dehydriert und völlig erschöpft durch das Waten im Tiefschnee. Die Ersten mussten getragen werden andere brachen zusammen.

Gegen 18.30 Uhr hörten die ersten Schüler das Abendläuten der Hofsgrunder Kirche, und um 20 Uhr erreichten die ersten den Dobelhof in Hofsgrund. Dort berichteten die erschöpften Ankommenden, dass Schüler krank im Berg liegen würden. Nun hörte man auch die Hilferufe der am Berg Zurückgebliebenen. Mit ihren Skiern und Hornschlitten gingen die Bauern auf Suche nach den Vermissten und Zusammengebrochenen, die über den gesamten Südhang des Schauinsland verstreut lagen. Nur 15 hatten Hofsgrund erreicht, der Rest hielt jeweils Wache bei den Zusammengebrochenen oder sogar Bewusstlosen. Ein Arzt, der im nahen Gasthaus Halde urlaubte, brachte erste ärztliche Hilfe. Um 23.30 Uhr waren alle geborgen. Vier Schüler konnten nicht wieder belebt werden, der fünfte starb am nächsten Tag in der Klinik.

Die deutsche Regierung ließ anlässlich des Unglücks das Engländerdenkmal bei Hofsgrund 1938 errichten, während der Vater des ums Leben gekommenen Jack Alexander Eaton 1937 an der Stelle, an der sein Sohn starb, ein Eton-Kreuz als „Kleines Engländerdenkmal“ setzen. In der Kirche von Hofsgrund ließen die Eltern der Gerettenden eine Gedenktafel, zum Dank für die spontane Hilfe der Einwohnerschaft, anbringen.

Hofsgrund Eatonstein




Freitag, 11. April 2025

Was verbirgt sich hinter dem "Vaterunserloch"?


„Vaterunserloch“, der Spitzname des bekannten Wallfahrtsort „Todtmoos“ im oberen Wehratal, hat mit seinen 13 Ortsteilen und 2.000 Einwohnern 500.000 Übernachtungen zu verzeichnen. Eine Erfolgsgeschichte, die sicherlich mit der Abgelegenheit im tiefen Hotzenwald auf 700 m Höhe zusammenhängt. Denn bekannt war der Wallfahrtsort bei den Pilgern schon lange, aber er war  für die wohlhabenden Bevölkerungen der wachsenden Großstädte nur schwer zu erreichen.

Aber der Holzabfuhrweg im Wehratal wurde ab 1849 als Landstraße ausgebaut und für den allgemeinen Verkehr freigegeben – Höchstgeschwindigkeit 25 km/h. Auch eine Eisenbahnverbindung von Wehr nach Todtmoos war 1914 nur durch den Ersten Weltkrieg gestoppt worden. Sie sollte die Wiesen-/Wehratalbahn nach Norden verbinden, ebenso wie eine später geplante elektrische Straßenbahn. Denn 1856 war die Hochrheinbahn von Basel bis Bad Säckingen fertiggestellt worden.

Somit war Todtmoos an die Welt nach draußen angebunden, denn schon 1877 waren die ersten Kurgäste angemeldet. Aber nicht nur diese sondern auch Lungenkranke nutzten die frische Waldluft zur Kur. Gaststätten, Pensionen, Lungensanatorien und prunkvolle Hotels wurden gebaut und waren bald bezogen. Die Krönung dieser Entwicklung war 1901 die Eröffnung des privaten Sanatoriums Wehrawald. In dieses hochmoderne, luxuriöse Sanatorium kamen die Tbc-Kranken aus ganz Europa, vor allem aus Russland an. Es war nicht vermessen, aber Todtmoos konnte sich mit Davos hinsichtlich Kurmöglichkeiten, Publikum und Geldadel vergleichen.

Aber der rasante Aufschwung wurde durch den Ersten Weltkrieg gestoppt. Im und nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Familien aus den großen Städten, die dem Bombenhagel entflohen waren, bis das Wirtschaftswunder langsam anlief. Der Rückgang von Tbc-Kranken und die Heilung mit Antibiotika verminderten die Kuraufenthalte mehr und mehr. 1983 verließ der letzte Tbc-Kranke das Sanatorium. Glücklicherweise erfolgte eine Indikationsanpassung auf Krankheiten des Atmungs- und Kreislaufsystems. In kurzer Zeit kamen noch die verschiedenen Krebspatienten hinzu. Parallel  beschloss die Deutsche Rentenversicherung ihr Haus „Sanatorium Wehrawald“ neu zu errichten, um sie den Erfordernissen der heutigen Technik und medizinischen Möglichkeiten anzupassen. Mit 200 Patientenzimmer und zusätzlichen Indikationen ist der Wehrawald der größte Arbeitgeber in Todtmoos.

Manches Kurheim fand auch in der Möglichkeit als Kinderheim Erholungsstätte,  das Überleben bis weit in die 70iger Jahre hinein zu verlängern.

In Todtmoos-Rütte konnte sich ebenfalls eine bleibende Institution etablieren. 1950 begann Graf Dürckheim mit seiner späteren Frau, Maria Hippius,  eine Existentialistische Bildung- und Begegnungsstätte aufzubauen, die exquisite Besucher aus der ganzen Welt anlockte.  Neben Bischöfen, Äbten, Minister, berühmten Patres, Professoren, verschiedene japanische Großmeister und Psychologen, Kinder sehr reichen Industrieller weilten teilweise mehrere Jahre und versuchten durch Meditation und spezielle Therapien, Sinn für das  Leben zu finden. Graf Dürckheim  hat in Deutschland den Zen Buddhismus eingeführt.

Ebenso existieren in Todtmoos-Au das Kama Kagyu Chö Khor Ling e.V., ein Verein für Studium & Praxis des Tibetischen Buddhismus. In Todtmoos selber in der Hochkopfstraße hat sich das Unity-Lehrzentrum Lichtquell, ein überkonfessionelles Seminarzentrum etabliert. Nicht zu vergessen, im katholischen Pfarrhaus hat der Paulinerorden  ein Kloster gegründet.

Freitag, 4. April 2025

Was verbirgt sich hinter den Rennwochen von Baden-Baden?


Die Spielbank in Baden-Baden wurde nach dem Vorbild französischer Schlösser erbaut und 1855 mit viel Pomp eingeweiht. Gleichzeitig übernahm ein unternehmungslustiger Mann von Welt, Edouard Bénazet, als Pächter die Spielbank. Er machte sich Gedanken, wie er verstärkt reiche und illustre Gäste in das Weltbad Baden-Baden bringe könne: Pferderennen nach englischem und französischem Muster sollten ein extravagantes Vergnügen für die erlauchte Gesellschaft sein.

 

Ein geeigneter Platz wurde im Dorf Iffezheim gefunden, und Eduard Bénazet stellte 300.000 Francs zur Verfügung. Nach zwei Jahren war es soweit, Gelände war mühevoll planiert und an der Westseite drei Pavillons erbaut. Einer war für die fürstlichen Familien, einer für geeignete Personen wie geladene Gäste, Clubmitglieder, Pferdebesitzer Reiter und Presse und der dritte für die Zuschauer höheren Ranges gedacht.

 

1858 wurde die Pferderennbahn mit dem „Preis von Schloß Favorite“ eröffnet. Am zweiten Tag erfolgte das mit 14.000 Goldfrancs dotierte Hauptrennen „Großer Preis von Baden-Baden“. Sieben französische und ein deutschen Pferd waren am Start. Das zeigte deutlich, wer in Baden-Baden das Sagen hatte. Die bedeutendste französische Gesellschaftsschicht beherrschte damals Rennen, Spielbank sowie die ganze Stadt. Baden-Baden wurde damals als Vorort von Paris bezeichnet.

 

Die Glanzzeit der Franzosen in Baden-Baden war mit dem 1870/71er Krieg vorbei. Sie schickten keine Pferde mehr nach Iffezheim. Die Zeit wurde durch Armeerennen überbrückt. Zu allem Leidwesen verbot Bismarck das Glücksspiel, so dass die erheblichen Mittel der Spielbank fehlten. Die Iffezheimer Pferderennen wurden aber durch den „Internationalen Club“ –Reitsport begeisterte Adelige aus ganz Deutschland- gerettet und ein glänzender Aufstieg begann, der nur durch zwei Weltkriege unterbrochen wurde.

 

Ab 1921 wurden die Iffezheimer Rennen bürgerlicher und internationaler. Selbst die Franzosen kamen wieder. Selbst 1941, 42, 43 und 44 fanden Pferderennen statt. Die französische Besatzungsmacht beschlagnahmte die Bahn bis 1949 und führte Rennen für französische Offiziere und Unteroffiziere durch. Erst Ende des Jahres wurde die Pferderennbahn freigegeben.

 

Nach der Instandsetzung von Gebäude, Anlage und Gelände wurde 1951 die Pferderennbahn wieder eröffnet und 1958 das 100jährige Jubiläum trotz eines vernichtenden Unwetters mit vielen Schäden an Gebäude und Anlage gefeiert. Die Renntage in Iffezheim überstrahlten mittlerweile die anderen Rennveranstaltungen – selbst das Hamburger Derby hatte ein Nachsehen.

 

Von drei Tribünen: Der Bénazet-Tribüne erbaut 2014, Große Sattelplatz- und die Iffezheimer Tribüne erbaut 1890- können die Rennen verfolgt werden.

 

Mittlerweile veranstaltet die Galopprennbahn Baden-Baden in Iffezheim: Ein Frühjahrsmeeting im Mai/Juni, die Große Woche August September und das Sales & Racing Festival im Oktober. Diese Turniere machen Baden-Baden zum Internationalen Turfsport-Zentrum. Dreimal im Jahr fallen mehrere 10.000 Besucher über Iffezheimher. Nach den Rennen kehrt der Alltag wieder in das Dorf und bis auf  einige Open-Air-Konzerte verfällt die Rennbahn wieder in einen Dornröschenschlaf bis zum nächsten Event.