Freitag, 2. Oktober 2026

Was verbirgt sich hinter dem Unterlauf der Schlücht?

Felsdurchbruch für die Schlücht

Die Schlücht mit einer Länge von 29 km entspringt in der Nähe von Rothaus und fließt durch den Schlüchtsee, nimmt die Mettma und Schwarza auf, die im System Schluchsee integriert sind. Nach der Mettmamündung ist das Tal so eng, dass der Fluss einen Felsdurchbruch bekam, um Platz für die Straße zu schaffen. Der Unterlauf der Schlücht wird mit der Witznauer Mühle von 1349 eingeläutet. Der Fluss zwängt sich zwischen den Steilhängen weiter nach Süden und mündet bei Waldshut in die Wutach.

Die Burg Gutenburg wurde im 10. Jahrhundert vom Kloster St Gallen zum Schutz seiner Besitzungen zwischen Alb und Schlücht errichtet und im 30jährigen Krieg zerstört. Abt Franz I von St Blasien ließ den verbliebenen Rest der Burg sprengen und niederbrennen, um zu vermeiden, dass Fremde diesen Stützunkt weiterhin verwenden könnten. Der Weiler Gutenburg bestehend aus ein paar Meierhöfe und der Mühle zur Versorgung der Burg war bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts eine selbstständige Gemeinde. Ab dann ein Ortsteil von Aichen, seit 1975 ein Ortsteil von Waldshut –Tiengen.

Bereits um 1538 wurde hier eine „Schloßmüli zu Guttenpurg“ zugehörig zur Burg Gutenburg genannt. Abt Franziskus von St Blasien verpflichtete sich 1660 in einem Vertrag mit Graf Johann Ludwig von Sulz zum Bau eines Eisenwerkes mit Drahtzug an der Schlücht oberhalb des Burgstalls der Gutenburg in der Schlüchtaue zu bauen. Wasserkraft war ja vorhanden. Das Kloster St Blasien hatte, wie zu jener Zeit üblich, schon verschiedene Eisenwerke gegründet: Tiefenstein 1519, Kutterau 1651 jeweils an der Alb, Eberfingen 1622 an der Wutach. Erz aus eigenen Gruben und Holz aus eigenen Wäldern fanden Verwendung.

Für 30 Jahre sollte Eisen geschmolzen und bearbeitet werden. 1661 war der Schmelzofen bereit. Die Voraussetzungen waren ideal, die Führung in Form des Hüttenverwalters und Laboranten jedoch nicht. So waren die Ergebnisse enttäuschend. Produziert wurden Guss- und Schmiederohren, auch Geschützrohre waren dabei, die meist gut waren aber auch starken Schwankungen in der Qualität unterlagen. Bei schlechtem Geschäftsgang wurden die Bohnerzgräber und Erzfuhrleute mit Schmiedeeisen bezahlt, die sie selbst zu Geld machen mussten. Auch Gläubiger des Klosters wurden mit schwer verkäuflichen Gütern aus Gutenburg bezahlt. Die Nachfrage nach Eisen ließ von 1687 nach, da das neue Hochofenwerk Albbruck große Mengen in hervorragender Qualität produzierte. Dazu kamen Konkurrenzunternehmen im badischen Markgräflerland (Oberweiler bei Badenweiler, Kandern, Hausen im Wiesental)

Das Kloster kündigte 1698 den Vertrag mit seinem damaligen Geschäftspartner von Schwarzenberg, da alle Möglichkeiten das Eisenwerk in unterschiedlichen Möglichkeiten weiterzuführen, scheiterten und schloss die Produktion zugunsten des Eisenwerks Eberfingen. Die Einrichtung wurde versteigert, der Schmelzofen und Gebäude eingerissen.

Die vorhandene Wasserkraft nutzte wieder ein Sägewerk, das Wehr liegt oberhalb an der Mündung des Elbachgrabens und garantiert ein Gefälle von 17 m. 1902 wurde ein Elektrizitätswerk von Ernst Oskar Tröscher aus Atzenbach erbaut und versorgte die umliegenden Gemeinden bis Tiengen mit Strom. 1904 wurde mit der überschüssigen Energie in der eigenen Holzschleiferei betrieben. 1920 erwarb ein Hugo Henselmann aus Laiz bei Sigmaringen das Unternehmen, produzierte Handels-Holzschliff, der an die verschiedenen Papierfabriken verkauft wurde. 1930 wurde die Herstellung von Pappe zusätzlich aufgenommen. Ab 1932 wurden erstmals Holzfaserdämmplatten, die bisher unbekannt waren, unter dem Namen „Gutex“ auf dem Markt vertrieben. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Werksanlage erneuert und erweitert. Heute wird das Familienunternehmen mit 300 Mitarbeitern in 4. Generation  von Claudio Thoma geführt.

Gutex in Aichen