Felsdurchbruch für die Schlücht
Die Schlücht mit
einer Länge von 29 km entspringt in der Nähe von Rothaus und fließt durch den
Schlüchtsee, nimmt die Mettma und Schwarza auf, die im System Schluchsee
integriert sind. Nach der Mettmamündung ist das Tal so eng, dass der Fluss
einen Felsdurchbruch bekam, um Platz für die Straße zu schaffen. Der Unterlauf
der Schlücht wird mit der Witznauer Mühle von 1349 eingeläutet. Der Fluss
zwängt sich zwischen den Steilhängen weiter nach Süden und mündet bei Waldshut
in die Wutach.
Die Burg Gutenburg
wurde im 10. Jahrhundert vom Kloster St Gallen zum Schutz seiner Besitzungen
zwischen Alb und Schlücht errichtet und im 30jährigen Krieg zerstört. Abt Franz
I von St Blasien ließ den verbliebenen Rest der Burg sprengen und
niederbrennen, um zu vermeiden, dass Fremde diesen Stützunkt weiterhin
verwenden könnten. Der Weiler Gutenburg bestehend aus ein paar Meierhöfe und
der Mühle zur Versorgung der Burg war bis in die 30er Jahre des 20.
Jahrhunderts eine selbstständige Gemeinde. Ab dann ein Ortsteil von Aichen,
seit 1975 ein Ortsteil von Waldshut –Tiengen.
Bereits um 1538
wurde hier eine „Schloßmüli zu Guttenpurg“ zugehörig zur Burg Gutenburg
genannt. Abt Franziskus von St Blasien verpflichtete sich 1660 in einem Vertrag
mit Graf Johann Ludwig von Sulz zum Bau eines Eisenwerkes mit Drahtzug an der
Schlücht oberhalb des Burgstalls der Gutenburg in der Schlüchtaue zu bauen.
Wasserkraft war ja vorhanden. Das Kloster St Blasien hatte, wie zu jener Zeit
üblich, schon verschiedene Eisenwerke gegründet: Tiefenstein 1519, Kutterau
1651 jeweils an der Alb, Eberfingen 1622 an der Wutach. Erz aus eigenen Gruben
und Holz aus eigenen Wäldern fanden Verwendung.
Für 30 Jahre
sollte Eisen geschmolzen und bearbeitet werden. 1661 war der Schmelzofen
bereit. Die Voraussetzungen waren ideal, die Führung in Form des
Hüttenverwalters und Laboranten jedoch nicht. So waren die Ergebnisse
enttäuschend. Produziert wurden Guss- und Schmiederohren, auch Geschützrohre
waren dabei, die meist gut waren aber auch starken Schwankungen in der Qualität
unterlagen. Bei schlechtem Geschäftsgang wurden die Bohnerzgräber und
Erzfuhrleute mit Schmiedeeisen bezahlt, die sie selbst zu Geld machen mussten.
Auch Gläubiger des Klosters wurden mit schwer verkäuflichen Gütern aus
Gutenburg bezahlt. Die Nachfrage nach Eisen ließ von 1687 nach, da das neue
Hochofenwerk Albbruck große Mengen in hervorragender Qualität produzierte. Dazu
kamen Konkurrenzunternehmen im badischen Markgräflerland (Oberweiler bei
Badenweiler, Kandern, Hausen im Wiesental)
Das Kloster
kündigte 1698 den Vertrag mit seinem damaligen Geschäftspartner von
Schwarzenberg, da alle Möglichkeiten das Eisenwerk in unterschiedlichen
Möglichkeiten weiterzuführen, scheiterten und schloss die Produktion zugunsten
des Eisenwerks Eberfingen. Die Einrichtung wurde versteigert, der Schmelzofen
und Gebäude eingerissen.
Die vorhandene Wasserkraft nutzte wieder ein Sägewerk, das Wehr liegt oberhalb an der Mündung des Elbachgrabens und garantiert ein Gefälle von 17 m. 1902 wurde ein Elektrizitätswerk von Ernst Oskar Tröscher aus Atzenbach erbaut und versorgte die umliegenden Gemeinden bis Tiengen mit Strom. 1904 wurde mit der überschüssigen Energie in der eigenen Holzschleiferei betrieben. 1920 erwarb ein Hugo Henselmann aus Laiz bei Sigmaringen das Unternehmen, produzierte Handels-Holzschliff, der an die verschiedenen Papierfabriken verkauft wurde. 1930 wurde die Herstellung von Pappe zusätzlich aufgenommen. Ab 1932 wurden erstmals Holzfaserdämmplatten, die bisher unbekannt waren, unter dem Namen „Gutex“ auf dem Markt vertrieben. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Werksanlage erneuert und erweitert. Heute wird das Familienunternehmen mit 300 Mitarbeitern in 4. Generation von Claudio Thoma geführt.