Freitag, 16. Oktober 2026

Was verbirgt sich hinter dem alten Schluchsee?

Schluchsee vor dem Aufstau

Der Schluchsee im Hochschwarzwald bei der gleichnamigen Gemeinde war ein ehemaliger See des Feldberggletschers. Er war 3 km lang und hatte eine Tiefe bis zu 30 m, mit einer Fläche von 103 ha. Konrad Günther aus Freiburg hatte Anfang der 20er Jahre noch herrliche Tage am Schluchsee mit seinem Schilfgürtel verbracht und berichtete: “Welche Eindrücke gab das Waldufer im Südwesten, aber wie prächtig stieg auch das Nordostufer an bis zur Heidelandschaft, die im August rot blühte, von Wachholdern unterbrochen, von Schmetterlingen und wilden Bienen überflogen!”

Im Jahr 1921 erfolgte die Gründung der Schluchseewerk AG infolge des stark zunehmenden Stromverbrauchs mit dem Ziel der Aufstauung des Schluchsees. Mit einer 65 m hohen und 250 m langen Staumauer -gebaut 1929/32- würde der ursprüngliche See um ein Vielfaches auf 514 ha aufgestaut werden. Eine 124.000 m³ Beton als Staumauer werden eine Wassermenge von 112 Mio m³ Wasser zurückhalten. Er würde dadurch eine Länge von 7,5 km, Breite von 1,5 km und eine Tiefe von 62 m bekommen.

Realisiert werden soll dies durch die Zuläufe der Flüsse aus einem 360 km² großen Gebiet. Als erstes war da der Zulauf der Schwarza, aber auch die Alb soll durch einen Stollenzug herbeigeführt werden, von der anderen Seite die Mettma und die Schlücht und vom Feldberghang und Bärental durch einen Hangkanal der Seebach, der in den Windgefällweiher mündet und von dort in einem offenen Überleitungskanal in den Schluchsee geleitet wird. Die Aufstauung der Wutachschlucht war zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen.

Ein Aufschrei aus allen Kreisen erfolgte, als die Pläne an die Öffentlichkeit kamen. Hat solche eine  Umdrehung des Bewässerungssystems nicht Einfluss auf die Waldungen, die großteils verdorren könnten? Ferner was passiert mit den wildromantischen Flußtälern, deren Oberläufe abgeleitet werden und nun wasserleer sein werden. Felder, Moorgebiete im Zulauf und mindestens 15 Anwesen sollten in den Wassermassen versinken. Der schwankende Wasserspiegel würde Ungeziefer und Unrat für den Kurort Schluchsee bedeuten. Insekten und Fischbrut würden aus dem Uferbereich vertrieben.

Ab 1925 hat auch der Schwarzwaldverein, der größte Widersacher neben der Gemeinde Schluchsee sich mit dem Schluchseeprojekt abgefunden, da die volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten der Stromversorgung das Projekt unvermeidlich erschienen lassen. Dies um so mehr, da Überlegungen für ein Kraftwerk im Glottertal und Höllental auftauchten.

1928 wurde die Konzession dem Badenwerk erteilt, nachdem es großzügige Entschädigungszahlungen für die gewaltigen Veränderungen und Nachteile zugesagt hatte. Die zugesagte Absenkung des Sees auf 888 m wird nicht wahrgenommen sondern die Absenkung wird die 924 m nicht unterschreiten, um das Stauziel von 930 m kaum zu unterschreiten. Damit wurde der touristischen Bedeutung des Sees Rechnung getragen.

Um die Staumauer bauen zu können, musste der Natursee um 13 m abgesenkt werden. Dabei wurde ärgerlicherweise bekannt, dass 1925 schon mit ungenehmigten Bauarbeiten für Stollen und Schachtarbeiten begonnen worden war. Dabei wurde ein Einbaum gefunden, der belegt. dass der See schon 650 n Chr befahren wurde.

Bundesweit wurde der See als Schlucksee bekannt, da 1982 die deutsche Fussballnationalmannschaft im Trainingslager durch übermäßigen Alkoholgenuss aufgefallen war.