Freitag, 9. Oktober 2026

Was verbirgt sich hinter der Strohflechterei im Raum Furtwangen?

Strohflechterei Furtwangen 1910

Die weibliche Mode im Raum Furtwangen war ein Impuls für die Strohflechterei, wie uns die Votivtafeln der Triberger Wallfahrtskirche zeigen. Erst in den Jahren 1716 und später erscheinen die Frauen mit dem zylindrischen Strohhut. Davor haben es Filzhüte getan. (Was verbirgt sich hinter der Schwarzwälder Strohflechterei)
  Unvergessene Verdienste hat der Obervogt Huber (1756-1816) und seine Frau, um mit der Strohflechterei der hungernden Bevölkerung eine Verdienstmöglichkeit zu geben. (Was verbirgt sich hinter Theodor Huber, Obervogt von Triberg)

Nach dem Tode des Obervogts Huber 1816 wurde leider nach und nach die Feinflechterei mit gespaltenem Stroh vernachlässigt. Man wandte sich wieder dem groben Geflecht zu. Die Uhrmacherschule, 1850 gegründet, übernahm gewisse zentrale „Führungsaufgaben“ wie Ausbildung von Flechterinnen, Neugründung von Strohflechtschulen und Anbau von geeigneten Strohsorten, um der minderwertigen Entwicklung bei der Strohflechterei entgegen zu wirken. Mit Unterstützung der Uhrmacherschule wurde auch das Strohflechten im armen Odenwald eingeführt. Aber auch in heimischen Gefilden, wie dem armen Wiesental, wurde wie in St Blasien das Strohflechten eingeführt. Diese Aktivitäten waren insbesondere dem Leiter der Uhrmacherschule, Robert Gerwig, zu verdanken.

Mit Hilfe des Vorstands des Uhren-Gewerbevereins, Dr Joseph Duffner, war es möglich, eine Anfrage an das Großherzogliche Bezirksamt in Freiburg wegen Gründung einer Strohflechtschule zu richten: Gibt es eine geeignete Person dafür, welche Gemeinden beteiligen sich und welche Kosten übernimmt die Staatskasse?

Tatsächlich wurde in Cölestine Eisele geb. Kirner eine äußerst begabte Flechterin gefunden. Schon ab 1849 erteilte sie interessierten Mädchen in Ihrer Wohnung Flechtunterricht. Dieses Provisorium hatte sich verstetigt, so dass die 1850 gegründete Strohflechtschule ihr Domizil in der Privatwohnung von Frau Eisele hatte. Sie blieb mit wachsendem Erfolg mit ihrem Flechtunterricht bis zu ihrem Tode 1865 als Leiterin der Flechtschule. Erst mit dem Antritt der dritten Leiterin der Flechtschule, Fortunata Hippach, die von 1868 bis 1877 wirkte, wurde im Rathaus ein Raum für die Felchtschule eingerichtet.

Die Flechtschule bestand 77 Jahre bis 1927 und bildete zwischen 40 und 80 Mädchen pro Jahr aus. Allerdings ging mit 1927 die Zeit der Strohflechterei zu Ende. Sie wurde wegen mangeldem Interesse und zu schlechter Bezahlung des Geflechts mit Zustimmung des Bürgerausschusses geschlossen.

Neben verschiedenen Geflechthändler haben sich drei Strohhutfabrikanten etabliert. Die älteste Strohhutfabrik war die Firma „Jos. Duffner Söhne“, die 1860 von Dr Joseph Benedikt Duffner gegründet wurde. Im kamen die enge verwandtschaftliche Beziehungen zur weltbekannten Strohhuthandelsgesellschaft Faller Tritscheller & Cie in Lenzkirch zu Gute. Nach dem Tode 1865 übernahmen die beiden Söhne Gustav und Oskar das Unternehmen des Vaters und begannen mit der Fabrikation von Strohhüten. Im Jahre 1872 übernahm Gustav Duffner die Anteile von seinem Bruder. Er ließ Hüte aus Stroh, Litzen, Hanf, Roßhaargeflecht und Palmblättern flechten. Dazu kamen Strohtaschen und Körbchen. Er stellte von der früher üblichen Handbügelei auf hydraulische Pressen um. Verkauft wurde in alle europäischen Länder sowie Amerika. Mit dem Tode von Gustav Duffner 1895 wurde nur wenige später die Firma aus dem Firmenverzeichnis gestrichen.

Vollständigkeitshalber sei darauf hingewiesen, dass noch die „Strohutfabrik Joseph Kaiser“ in Furtwangen und „Strohhut-Fabrik Salomon Fehrenbach Sohn“ in Schönenbach produzierten.


Eisele Cölestine 1798-1865