Freitag, 17. Januar 2025

Was verbirgt sich hinter den frühen Plänen der Hotzenwaldgruppe?

 


Die Schluchsee AG hat 1929-1951 die Schluchseegruppe mit ihren Pumpspeicherkraftwerken bis zum Rhein fertig gestellt. Der stetig steigende Strombedarf ließ weitere Pläne mit der Hotzenwaldgruppe Mitte der 50iger Jahre entstehen. Denn der Hotzenwald mit seinen nach Süden geneigten, stufenweisen Abdachungen, die bis zu einer Höhe von etwa 600 m ansteigen, garantieren genügend Fallhöhe für Kraftwerke. Gleichzeitig war die geplante Wasserzuführung das größte Wasserableitungsprojekt, das in Mitteleuropa verwirklicht werden sollte.

Durch die Ableitungen sollten vier Zuflüsse der Alb erfasst werden: Das Schwarzenbächle südöstlich von Todtmoos sollte beim Woog-Gumpen im Lindau-Stausee, der Ibach beim Schlossfelsen (Gemarkungen Wilfingen und Rotzingen) im Ibachbecken jeweils gesammelt werden. Der Vogel- und Sägbach durch einen Hangkanal dem Ibachbecken zugeleitet werden. Die Hauensteiner Murg soll bei der Schlagsäge abgeleitet und durch einen Fallschacht dem Verbindungsstollen zwischen Ibach- und Seelbachbecken zugeführt werden. Der Seellbach  als Nebenfluss wird bei der Wickartsmühle zu einem dritten Becken aufgestaut. Der Lindau-Stausee würde eine 82 m hohe Staumauer bekommen und eine Fläche von 297 ha einnehmen. Die Staumauer des Ibachbeckens hätte immerhin noch eine Höhe von 32 m, das Seelbachbecken eine von 35 m.

Ein Kawernenpumpspeicherkraftwerk würde im Berg bei Hierholz entstehen, das das Wasser aus einem 400 m langen Druckstollen vom Lindaustausee erhält. Von dort fließt es ins Ibachbecken. Das Wasser des Ichbach- und Seelbachbeckens würde dem Kavernenkraftwerk  über 16 km zugeleitet. Umgekehrt wird das Wasser bei Säckingen aus dem Rhein entnommen, in den Nachtstunden in das Kawernenkraftwerk Säckingen, von dort in das Ibachbecken und dann mit Pumpen des Kraftwerkes Hierbach in das Lindaubecken hochgepumpt.

Die konzipierte Anlage mit den Kraftwerken Hierholz und Säckingen betragen eine Turbinenleistung von 449 MW sowie eine Pumpleistung von 358 MW. Die Kraftwerke mit ihren 6 Generatoren der konzeptierten Anlage würden nahezu die gleiche Leistung erbringen wie die 12 Generatoren des Schluchseegruppe. Dies wird durch die größere Falltiefe erreicht, denn sie beträgt maximal 640 m.

Was vorauszusehen war, der Widerstand gegen dieses  Mammutprojekts wuchs stetig an: Zunächst sollten drei Stauseen entstehen, deren Wasserstand sehr schwanken wird. Beim Lindau-Stausee würden es 59 m, Ibach- 18 m und dem Seelbachbecken 28 m sein. Die Ufer würden verschlammen und verschlicken, ohne dass sich pflanzliches Leben entwickeln kann. Wichtige Naturschutzgebiete und Naturdenkmäler wie die Gletschermühle beim Woog Gumpen würden einfach geflutet.  Die Murg, Ibach und Alb würden durch die rigorose Wasserentnahme trockenliegen und versteppen. Der Hauensteiner Murg würden 95% ihrer bisherigen Wasserführung entzogen. Industrie- und Handwerksbetriebe verlieren die Wasserkraft für ihre Mühlen und Turbinen. Dabei wären nur 16% des Turbinenwassers vom Gebirgswasser, der Rest wäre Rheinwasser. Warum dann nicht gleich nur Rheinwasser?

Inzwischen hat die Schluchsee AG 1958 für eine weitere Kraftwerksanlage im Wehratal die Konzession beantragt: Die Wehra wird 2 km oberhalb Wehr durch eine 30 m hohe Staumauer aufgestaut. Dadurch wird ein Becken von 1,3 km Länge und einem Fassungsvermögen von 2,7 Mio m³ entstehen. Von hier soll zum künstlich angelegten Hornbergbecken mit einem Fassungsvermögen von 3 Mio m³ das Wehra-Wasser hin und her gepumpt werden. Allein hier ergeben sich einen Turbinenleistung von 910 MW und Pumpleistung von 980 MW bei 625 Fallhöhe. Zusätzlich sollte vom Hornbergbecken eine Überleitung zum Lindau-Stausee geben.

Wegen des erheblichen Widerstandes von Verbänden, Bevölkerung und Verbänden wurden nur das Kraftwerk Säckingen mit dem korrespondierenden Eggerbecken zwischen 1961-1967 und das Kraftwerk Wehr mit dem korrespondierenden Hornbergbecken zwischen 1968-1976 erbaut.



Freitag, 10. Januar 2025

Was verbirgt sich hinter Vier Täler und Titisee-Neustadt?



Der Titisee war seit 1111 unter dem Namen “lacus Titumse“ bekannt aber eine geheimnisvolle ansonsten völlig unbekannte Gegend im Hochschwarzwald. Am Rande jeweils von ihm lagen Villingen und Freiburg alte Gründungen der Zähringer, die später den Fürsten zu Fürstenberg gehörten. So wurde schon um 1100 nachgewiesen, dass das Höllental die älteste Verbindung zwischen Villingen und Freiburg war. Der alte Weg von Villingen, über Vöhrenbach, Hammereisenbach, das spätere Neustadt, durch das Altenwegtal und die Falkensteig (Höllental) nach Freiburg war nur öfters durch Hochwasserschäden, fortgerissene Brücken und Wege für Fuhrwerke immer wieder unbefahrbar.
So gewann schon 1310 der „nuwe weg“ immer mehr an Bedeutung. Die Straße wurde von Villingen nicht über Vöhrenbach gebaut sondern über Herzogenweiler, Fischerhof im Bregtal, Bregenbach, Urach hinauf zur Kalten Herberge. Von dort führte die Straße durch den Hohlen Graben, Thurner, Wagensteigtal, Burg und schließlich nach Freiburg. Damit gewann das Jostal als Weg zur Wagensteigverbindung an Bedeutung. Dazwischen lag das Schildwendetal als Seitental zum Jostal und weiter zwischen dem Altenwegtal das Spriegelsbachtal. Die vier Täler bildeten als Verwaltungseinheit 1525 die Vogtei Vier Täler mit eigenem Dorfgericht.

Vier Täler war seit jeher Fürstenberger Land. 1491 kamen Saig und Lenzkirch unter Fürstenberger Herrschaft dazu. Damit war auch das südliche Ufer des Titisees im Herrschaftsbereich der Fürstenberger, der 1806 auf das Großherzogtum Baden überging. Damit galten auch die Unteilbarkeit der Höfe und das Anerbenrecht und waren damit gesetzlich geschützt. Nach dem Übergang 1806 blieben die Bezeichnungen Vogt und Gericht beibehalten, wenn auch mit anderen Funktionen. Die Verwaltungsräume wurden in einem kleinen Rathausgebäude in der Spiegelhalde untergebracht. 1934 zog die Verwaltung in der vom Schwarzwaldhotel erbauten „Villa Jäger“ in Titisee.

Der Titisee war bis Mitte des 19. Jahrhunderts völlig unberührt. Es gab überhaupt nur 2 Höfe in der Nähe des Sees: den Seehof auf der Gemarkung Saig und den Hermeshof auf  der Gemarkung Vier Täler. Mit dem Bau der Straße um den Titisee zum Feldberg  mit Abzweigung in Bärental zum Schluchsee 1885, den Bau der Höllentalbahn 1887 und Dreiseenbahn 1928 kamen die Besucher, weckten Interesse an diesem schönen Fleckchen Erde. Als erste Fremdenverkehrseinrichtung wurde 1867 am See eine Blockhütte gebaut, 1873 das erste Hotel am See, das „Hotel Titisee“. Schon nach 10 Jahren wurde das Hotel auf die doppelte Größe ausgebaut. Nachdem die Entwicklung so rasch Fahrt aufnahm, wurde das Fremdenverkehrszentrum 1929 als kleinster Teil mit dem Namen „Titisee“ bezeichnet und gleichzeitig der Ortsname Vier Täler in Titisee umgewandelt.

1971 wurde Titisee (heute 2400 Einwohnern) mit Rudenberg (heute 180 Einwohnern) nach Neustadt (heute 9.500 Einwohnern) eingemeindet. Der neue Ortsnamen lautete ab dann Titisee-Neustadt. Im gleichen Jahr wurde ebenfalls Schwärzenbach (heute 250 Einwohnern) eingemeindet, 1973 kam Waldau (heute 400 Einwohnern) und 1974 Langenordnach (heute mit 240 Einwohnern) hinzu. Durch die Täler bedingt weist die Gemarkungsfläche 90 km² auf, damit ein Bevölkerungsdichte von nur 138 Einwohnern auf den km².

Allerdings besaß Titisee nur den kleinsten Teil vom Titisee, während den Großteil die Anliegergemeinden Hinterzarten und Saig am Südufer besaßen. Am 1.1.1978 stimmten die jetzige Gemeinde Lenzkirch-Saig zu, die Gemarkungsgrenze vom Südufer des Sees bis hinter die B 317 zurück zu verlegen. Dadurch kamen 53,45 ha –die Hälfte der Seefläche- zu Titisee-Neustadt. Die Gemeinde Hinterzarten hat am Nordufer 27,60 ha Seefläche abgegeben. So besaß Titisee von 107 ha Seefläche 95 ha  und Hinterzarten nur noch 12 ha. Soweit der Weg von der Bauerngemeinde „Vier Täler“ zur Fremdenverkehrsmetropole „Titisee“mit nahezu 2 Millionen Besucher pro Jahr  am Titisee.

Vier-Täler


Freitag, 3. Januar 2025

Was verbirgt sich hinter dem Blick vom "Bergle" über Gengenbach?


Der Name „Kastelberg“ über Gengenbach, auch liebevoll „Bergle“ genannt, hat seinen Ursprung in einem römischen Kastell, das über die römische Straße im Kinzigtal wachte. Ein Votivstein, Münzfunde belegen die römische Anwesenheit. Alemannen lösten diese ab und wurden selber von den Franken verdrängt.

Die Franken bauten unterhalb des Bergles ihrem heiligen Martin eine Kirche, die heutige Friedhofskirche St Martin. Gleichzeitig gründete Abtbischof Pirmin in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts nach seiner Vertreibung von der Reichenau ein Kloster östlich angrenzend an das Dorf unterhalb des Kastelbergs. Die Lage war klug gewählt, da die römische Straße, die links der Kinzig führte, hier die Kinzig queren musste, da sie rechts der Kinzig weiter führte.

Das Kloster kam schon früh zur Blüte, wurde 820 Reichskloster, orientierte sich an Bamberg, wurde von St Georgen reformiert und wuchs als Benediktinerkloster  mit seinen Besitzungen in der Ortenau und seinem Silberbergbau auch zu einem Wirtschaftsunternehmen auf. Mit der Bedeutung des Klosters wuchs auch das Dorf und wurde immer mehr zu einer Einheit zwischen beiden. 1139 wurde Gengenbach erstmals urkundlich erwähnt. In jener Zeit wurde mit der Stadtgründung die Siedlung und Kloster mit Mauerring und Stadttoren befestigt, denn beide waren aufs engste miteinander verknüpft.1366 wurde Gengenbach „freie Reichsstadt“ mit Sitz beim Kaiser in Wien.

Auf dem „Bergle“ war schon aus keltischer Zeit ein Hain, Gläubige bauten eine kleine Kapelle und wallfahrten heimlich zur Göttin Einbethe. Um vom Kloster alles in die richtigen Bahnen zu bringen, wurde 1294 auf dem „Bergle“ eine Kapelle gebaut und dem heiligen Jakobus geweiht, die nun über Kloster und Stadt wachte. Neben der Kapelle wurde eine Grabkapelle gebaut, um den Ort auf dem ein heidnischer Altar stand, christlich zu vereinnahmen. Die heutigen beiden Kapellen stammen von Abt Thalmann aus den Jahren 1681/82.

Die Reformation hinterließ auch ihre Spuren, 1525 wurde das Kloster unter dem „wilden“ Grafen Wilhelm von Fürstenberg protestantisch, kehrte aber 1547/48 zum katholischen Glauben zurück. Auch der 30jährige Krieg, die Erbfolgekriege brachten wie überall Belagerung, Zerstörung so auch in Gengenbach die völlige Zerstörung 1689 durch die Franzosen. Auf wirtschaftlichem Sektor gehörten die Leistung des Klosters einer Glashütte, sowie eine Blaufarbenfabrik im Moosgebiet.

In der Geschichte Gengenbachs ist im Lauf der Jahre immer wieder die Rede von Kämpfen, die die Stadt mit wechseldem Erfolg, aber mit gleichbleibender Zähigkeit hindurch mit dem Kloster um ihre Privilegien und ihrer Selbstständigkeit als Kommune führte. Diese Selbständigkeit wurde durch das 1784 gebaute prächtige Rathaus dokumentiert.

Der Schlag, der für die Stadt und das Kloster alles veränderte, war die Säkularisierung und Mediatisierung1803 und 1806: Gengenbach verlor den Status und Privilegien der „freien Reichsstadt“ und wurde beschauliches Provinzstädtchen, das sich um Wein und Industrie bemühen musste. Das Kloster wurde aufgehoben, zwar war es „Auffangbecken“ für das Personal der Klöster Schwarzach und Ettenheimmünster. Aber im Jahr 1807 war trotz aller Hoffnungen Schluss für das Kloster Gegenbach: Die jüngeren Patres kamen als Pfarrgeistliche in die verschiedenen Gemeinden, die älteren wie der Abt wurden pensioniert. Das Hauptgebäude wurde Pfarrhaus, Schule und Obervogteiamt, die Klosterkirche wurde die Pfarrkirche. Kulturelles Gut, Kirchenausstattung und vor allem die Bibliothek wurden in alle Winde zerstreut.

Unvergesslich ist der Blick vom „Bergle“ hinab auf das Städtchen. Vorne am Fuß des „Bergle“ die Abteikirche mit dem eleganten Barockturm, aus den alten Dächern das hohe Walmdach des spätbarocken Rathauses, außerdem die drei Türme der Stadttore.

St Marien


Donnerstag, 26. Dezember 2024

Was verbirgt sich hinter dem Haldenhof von St Peter?


Der Haldenhof St Peter ist einer der 50 Höfe auf der Gemarkung von St Peter. Die ehemalige Vogtei Rohr liegt am Südhang des Kandels. Die Höfe waren seit 1526 in der Gerichtsbarkeit und der Steuerhoheit dem Kloster St Peter unterstellt.

Der Haldenhof liegt oberhalb von Sägedobel, einem Ortsteil von St Peter, an der Verbindungsstraße L 186 zwischen Kandel und St Peter gelegen. Oberhalb dieser Straße Richtung St Peter an dieser mächtigen Halde liegt der Haldenhof, der Kandelhöhenweg führt am Hof vorbei.

Der Haldenhof umfasst gut 52 ha und wurde 1416 mit Conrad an der Halden 1416 erstmals urkundlich erwähnt. Heute umfasst der Hof, von dem die Stallungen 1958 und der Wohnteil 1979 umgebaut wurde sowie das Leibgedinghaus „Haldenstöckle“, 1688 erstmals erwähnt. Auf diesem wie öfters in der Gegend üblich ein Glockenturm mit einer Glocke von 1847 sitzt.

Die Familie Linder waren von 1803 mit Christian Linder aus dem Glottertal durch Kauf Besitzer des Hofes. Die Familie Linder bewirtschaftete 3 Generationen bis 1892 den Hof. Durch die Heirat  der Tochter Theresia Linder 1892 mit Stefan Ketterer wurde die Familie Linder/Ketterer bis heute Besitzer. Der letzte Bauer Ketterer Stefan verstarb 2017. Die drei Töchter hatten andere Berufe erlernt. Heute betreibt die Tochter Monika in 7. Generation mit ihrem Mann den Hof mit Ferienwohnungen.

Josef Linder und seine Frau Franziska Ruf vom Neubauernhof bewirtschafteten von 1829 bis 1867 den Haldenhof. 9 Kinder wurden ihnen geschenkt. Am 1. April 1840 gingen zwei Buben, Georg 9 Jahre alt, Josef 4 Jahre alt mit einer Schwester zum Schlittenfahren. Die mächtige Halde unterhalb des Hofes lud gerade dazu ein. Als die Schwester merkte, wohin die Reise ging, ließ sie sich noch rechtzeitig vom Schlitten fallen, denn die beiden Jungs fegten direkt mit ihrem Schlitten auf eine von 2 Linden zu, die unterhalb am Ende des Hangs standen. Es kam wie es kommen musste, die beiden Jungs knallten mit voller Fahrt auf die Linde und erlagen noch am Ort ihren schweren Verletzungen.

An der Unglücksstelle zwischen den beiden Linden ließen die Eltern ein Kreuz zum Gedenken des schrecklichen Unfalls errichten. Mit dem Ausbau der Kandelstraße 1960 musste dieses weichen und wurde versetzt. 1984 ist diese vor Altersschwäche zusammengebrochen und 1989 durch ein neues Holzkreuz mit Schindelwalmdach ersetzt worden. Es wurde wohl vom letzten Hofbauer, Stefan Ketterer gesetzt. Auf dem Stamm zeigt das von Franz Metzger geschaffene Landschaftsbild- oben der Haldenhof unten am Hang die tödliche Schlittenfahrt der Kinder mit folgendem Text:



Freitag, 13. Dezember 2024

Was verbirgt sich hinter dem Adventskranz?



 Der evangelische Theologe Johann Wiechern (1808 – 1881) gründete in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in Hamburg das „Rauhe Haus“, in welchem er Waisenkinder eine Heimat gab. Im  „Rauhen Haus“ wurde am 1. Advent ein Holzkranz aufgehängt, auf dem eine Kerze brannte. An jedem Abend, wenn die Waisenkinder zum Singen und Beten abends zusammenkamen, wurde eine weitere Kerze aufgesteckt. 

Am Heiligen Abend brannten 24 Kerzen. Die jungen Leute haben den Holzkranz, auf dem die Kerzen aufgesteckt waren, in der Folgezeit mit Tannenreisig geschmückt. So entstand der Adventskranz. Da der Aufwand mit 24 Kerzen jedes Jahr zu groß war, wurde er auf vier Kerzen für jede Woche reduziert.

 

Dieser Tannenkranz mit den brennenden Kerzen ist im protestantischen Norddeutschland bald ein bürgerlicher Familienbrauch geworden. Nach dem Ersten Weltkrieg verbreitete sich langsam der Adventskranz. Erst 1930 wurde er im deutschen Sprachraum üblich, um mit dem Adventskranz die Adventszeit zu verschönern. Schon 1935 hing ein „katholischer Adventskranz“ in der Stiftskirche von Berchtesgaden. 1938 brannte in einer katholischen Kirche von München der erste Adventskranz und breitete sich dann langsam nach Österreich aus.

 

In Europa hat sich der Adventskranz nur in evangelischen Ländern richtig durchgesetzt. Frankreich und Spanien kennen den Adventskranz nicht. Im Jahre 1954 fand ein Adventslied erstmals Eingang in die Gesangbücher beider Konfessionen.

 

Samstag, 7. Dezember 2024

Was verbirgt sich hinter "Stille Nacht, Heilige Nacht"?

Kapelle Oberndorf

Kein Lied wie dieses „Stille Nacht, Heilige Nacht“ bewegt so sehr die Menschen und gibt die sentimentalen Gefühlen der Deutschen zu Weihnachten wieder. Ob draußen im Schnee oder im Wüstensand kein anderes Weihnachtslied wird von mehr Menschen gesungen –mittlerweile in über 200 Sprachen. Um kein Lied ranken sich aber auch so viele Geschichten und Legenden.

 

Mittlerweile gilt es als gesichert,  obwohl das Originalmanuskript verschollen ist, das der Hilfspfarrer Joseph Mohr den Text 1816 verfasst hat. Und zwar mit 6 Strophen, die die Weihnachtsgeschichte  erzählten und nicht nur mit 3 wie heute üblich.  Ein von Mäusen zerfressener Blasebalg der Orgel von St Nicola in Oberndorf im Salzburger Land hätte dazu geführt, dass die Weihnachtsmette ohne feierliche Musik hätte begangen werden müssen. Eine Christmette ohne Musik war unvorstellbar.  Da erinnerte sich Joseph Mohr seines Freundes, des Dorfschullehrers und Organisten Franz Xaver Gruber, der ihm vielleicht aus der Klemme helfen konnte. Dieser vertonte dann auch den Text für Gitarre. Zu Weihnachten wurde das Lied vom „holden Knaben mit lockigem Haar“ zur Weihnachtsmette mit Gitarre und zwei Singstimmen aufgeführt, wobei Mohr die Oberstimme und Gruber den Bass dazu sang.

 

Joseph Mohr verließ im folgenden Jahr Oberndorf, das Lied geriet in Vergessenheit. 1819  beauftragte die Gemeinde Oberndorf wegen ständiger Defekte der Orgel den Orgelbaumeister Karl Maurach  aus Fügen diese in Ordnung zu bringen. Dieser entdeckte auf der Empore -oder andere sagen hinter der Orgel- die Verse mit den Noten. Er bat Gruber um eine Abschrift und nahm  diese mit zu den Wandersängern der Familie Rainer ebenfalls aus Fügen, die durch Europa zogen und das Lied in ihr Repertoire aufnahmen. 1822 saßen der Kaiser von Österreich, Franz I und der Zar von Rußland, Alexander I, bei einer Konferenz auf Schloss Fügen und auch hier wurde das Lied von den Rainer-Sänger in erlauchtem Kreise vorgetragen. So wurden die Rainer-Sänger in alle größeren Städte  Europas eingeladen und stimmten das Lied „ vom holden Knaben im lockigen Haar“ an.

 

1833 wurde das Lied erstmals in Dresden auf einem Flugblatt mit drei anderen „ächten Tyroler Liedern“ gedruckt. Die Komponisten Gruber und Mohr ahnten nichts vom Siegeszug ihres Liedes durch Europa. Schließlich stieß der Preußen König, Friedrich Wilhelm IV, der das Lied besonders liebte, an einer Christmette darauf, dass die Komponisten unbekannt seien. Umgehend befahl er seinem Kapellmeister die Komponisten zu finden, denn das Lied wurde immer wieder Michael Hayden zugeschrieben.

 

Durch Zufall kam die Wahrheit an Licht. Der Chordirektor von Salzburg, ein Bekannter des königlichen Kapellmeisters,  ärgerte sich immer wieder über einen Schüler, Felix Gruber, der die Melodie „Stille Nacht…“ dauernd falsch sang. Auf Vorhaltungen hin, meinte er, dass sie das Lied zu Hause immer so singen würden. Er musste es ja wissen, da sein Vater der Komponist war.

 

Nach 36 Jahren  wurde dem Chorleiter Franz Gruber noch die späte Ehre des Komponisten zu teil. Während Josef Mohr arm wie eine Kirchenmaus schon verstorben war.

Stille Nacht, Heilige Nacht


 

Was verbirgt sich hinter dem heiligen Nikolaus?

N


Nikolaus wurde um 300 zum Bischof von Myra ernannt und wurde in der heutigen Türkei geboren. Im Zuge der Christenverfolgung geriet er 310 in Gefangenschaft,  wurde schwer misshandelt. Trotz der Folterungen trat er auf dem Konzil von Nicäa auf. Das ungefähre Sterbedatum des Bischofs in Myra lag um den 6. Dezember 350. Dies sind die wenigen Daten aus seinem Leben.

 

Der Nikolaus erscheint am 6. Dezember –an seinem Namenstag- im Gewand eines römisch-christlichen Bischofs und beschenkt aber auch rügt die Kinder. Das Beschenken der Kinder mag auf die Legende zurückgehen, dass er drei armen Mädchen drei Goldsäckchen oder Goldkugeln geschenkt habe, um sie vor der Prostitution zu schützen. Zumindest ist dies seit 1555 verbürgt. Die Reformatoren, insbesondere Luther, lehnten die Heiligenverehrung und damit das Überbringen der Geschenke durch den Nikolaus ab. Sie versuchten diesen zu verdrängen. Luther fragte seine Tochter Lenchen: Was wird Dir der Heilige Christ wohl bringen“? So wurden auch zur Reformationszeit in Straßburg die Nikolausumzüge verboten.

 

Ab dem Mittelalter beschenkte der Nikolaus nicht nur, er prüfte den Katechismus, die Schulaufgaben aber auch die Klausenhölzle. Dies waren vierkantige Hölzchen, in denen die Anzahl der gebeteten Vaterunser eingekerbt waren.

 

In vielen Gegenden wird der Nikolaus vom Knecht Ruprecht bekleidet. Dieser wilde Begleiter ist mit einem Sack ausgestattet, in dem Geschenke aber auch unartige Kinder gesteckt werden. Diese Figur ab dem 17. Jahrhundert bekannt geht auf vorchristliche Bräuche zurück und ist wohl auch ein Verwandter der Prechtenfiguren der Alpenländer. Sie versuchen in den Rauhnächten vom 13. Dezember bis in den Januar die Dämonen der dunklen Jahreszeit zu vertreiben.

 

Im Kinzigtal haben sich zwei Sonderformen beim Umzug mit dem Nikolaus erhalten: die Klausebigger in Steinach. Sie als Begleiter des Nikolauses sind seltsam bekleidete Ungetüme, von denen ein undefinierbares „Quick“ und „Brr“ zu hören ist. Es sind dies der Bigger und der Rupelz. Der Brauch geht auf das Mittelalter zurück.

 

In Haslach wird der Nikolaus durch den Pelzmärtel, Knecht Ruprecht beide mit schwarz gefärbtem Gesicht, dem Christkindle, das früher Weihnachtsengel genannt wurde, und dem Biggeresel begleitet. In Entersbach sind dies der Biggeresel aber anders verkleidet und mit schwarzgefärbtem Gesicht  der Rupelz. Sie treffen sich vor dem Rundgang zum Klausern und schwärzen sich aber mit Ruß und Schuhwichse. Mit Kettenrassel und besonders mit den charakteristischen Schreien ziehen sie durch das Dorf und wehe dem Mädchen, das ihnen begegnet…Die einzelnen Häuser im Dorf werden besucht. Die Kinder müssen beten und singen, bekommen ihre „Sünden“ vorgehalten, wobei der Biggesel einen fürchterlichen Krach macht. Es folgen Ermahnungen und zum Schluss gibt es die Gaben.

 

Im Lärm und im Gegensatz vom Schwarz der Gesellen und dem Leuchten des Nikolauses wird der Kampf zwischen Hell und Dunkel, Nacht und Tag, Winter und Sommer gesehen.

 

Viele Pfarrkirchen im Schwarzwald wurden dem hl Nikolaus geweiht. So wurde schon 1179 im hinteren Wolftal eine „Cella Nicolai in predio Rippoldesowe“ gegründet. Auch die Kirnbacher Pfarrkirche ist ursprünglich eine dem Nikolaus geweihte Kirche. Auch die Kirchen und Kapellen von Schluchsee, Kappelrodeck, Elzach, Waldau, Unterentersbach, Schönenbach und Seebach sind dem Heiligen geweiht. Bekannt ist die Klausen Kapelle in Achern und das Wahrzeichen von Calw, die Nikolaus Kapelle. Die Verehrung des Nikolaus wurde vor allem von den Klöstern St Georgen und Hirsau aus verbreitet.
Nikolauskapelle Calw