Wer die Bundesstrasse B 294 von Freudenstadt Richtung Pforzheim fährt, kann schon nach wenigen Kilometern die K4772 ins Enztal hinabfahren. Das Tal der Großen Enz, ein Tal voll geschichtlicher Hinweise auf die frühere wichtige Flößerei. Schon nach zwei, drei Kilometern liegt linker Hand ein geheimnisvoller See, der Poppelsee. Dieser wird vom Poppelbach, einem der Quellflüsse der Großen Enz, gespeist. Ebenso wie der seitliche Kaltenbach, der den “kleinen Bruder” des Poppelsees, den Kaltenbachsee, speist.
Bedeutend war
für dieses abgelegene Gebiet der Vertrag 1342 zwischen dem Markgrafen von Baden
und dem Grafen von Württemberg, in dem die Flößerei auf Würm, Nagold, Enz und
Neckar geregelt wurde. Spätestens 1613 wurde die oberste Enz oberhalb der
heutigen Petersmühle floßbar gemacht. 1750 wurde der Poppelsee und 1782 der
Kaltenbachsee als Schwellweiher angelegt.
Der Poppelsee, zu
dem früher ursprünglich die damals rechtsliegenden “Seewiesen” gehörten, soll
eine Fläche von 21.000 m² mit einem Wasservorrat von 500.000 m³ umfasst haben.
Nachweislich ist in einer alten Beschreibung des Kirchspiels Göttelfingen
nachzulesen, dass 1750 der Poppelsee neu eingedämmt wurde. Er soll gegen 500
Schritt lang, 200 Schritt breit und an der tiefsten Stelle 9 m betragen haben.
Das waren sicherlich um die 2 Mio m³ Wasservorrat. Auf einem 80 Fuß dicken Damm
stand ein kleines Seehaus mit einer Haspel, mit der der Ausfluss des Sees für 6
Tage zur Flößerei gesteuert werden konnte. Während vom Kaltenbachsee der
Wasservorrat nur für einen halben Tag zum Flößen reichte.
Aus den riesigen
Wäldern der Umgebung, ja sogar aus dem württembergischen oberen Murgtal wurden
mit Pferdewagen das Scheitholz auf die “Besenfelder Schwenke” gezogen und
gelagert. Im Winter wurde das Holz mit Hornschlitten zum Spielberg gezogen und
dort über ein Holzriese zum Kaltenbachsee gebracht. Durch enge Schleusen wurde
dann das im Winter und Sommer aufgestaute Wasser mit der Holzfracht im Frühjahr
und Herbst abgelassen. Dieses Wasser trug das Scheiterholz flußabwärts.
Teilweise wurde das Holz bis Bietigheim-Bisingen geflößt. Als die Flößerei dann
Mitte des 18. Jahrhunderts auch auf das Stammholz ausgedehnt wurde, mussten die
Stauvorrichtungen vergrößert und dauerhaft umgebaut werden. Damals wurde von
den Sägemühlen das geschnittenen Dielenholz auf Ochsenkarren hierher gezogen,
um es auf Flößen Enz abwärts als Oblast transportiert werden zu können.
Im November 1944
brach der Damm nach sehr starken und lang anhaltenden Regenfällen aus, wobei
der Damm restlos zerstört wurde. Die mächtigen Wassermassen des Popelsees, in
einem mächtigen Schub frei und losgelassen, überschwemmten das ganze Enztal und
erschreckten die Bewohner. So schnell wie das Wasser kam, so schnell war es
auch wieder weg, deswegen hielten sich die Schäden in Grenzen und nicht wie bei
einem verheerenden Hochwasser. Seit jener Zeit war der Poppelsee nahezu 30
Jahre ein vergessener stinkender Tümpel. Erst im Jahre 1969 wurde die Idee
aufgegriffen, den Poppelsee durch Aufstauung des Poppelbaches wieder
herzustellen. Es dauerte aber bis Anfang der 70er Jahre bis das Projekt nach
vielfachen Auflagen realisiert werden konnte.
Heute ist er ein
Idyll, der mit dem Kaltenbachsee zusammen zum Rundwandern einlädt, die Stille
dieser Landschaft zu genießen.
