Samstag, 17. Juni 2023

Was verbirgt sich hinter dem Staatsbad Wildbad?

Wildbad 1667

Bad Wildbad liegt an der Großen Enz, die sich im eingemeindeten Calmbach mit der Kleinen Enz vereint und in Pforzheim in den Neckar mündet.

 

Vermutlich legten Hirsauer Mönche im 12. Jahrhundert das „Wildbader Urbad“, das bei Brückenbauten vor dem König Karlsbad 1904 wieder entdeckt wurde. Dass ein verwunderter Eber seine schmerzenden Wunden in der Quelle gekühlt hatte, muss wohl in Sagenwelt verwiesen werden. 1367 wurde Wildbad vom Grafen Eberhard der Greiner befestigt und das damalige „Wiltpad“ wurde zur Stadt erhoben. 1612 gab es schon ein Fürsten-,  Herren-, Bürger-, Frauen- Armen- und Tierbad. Nach dem Abbruch der alten Badhäuser entstand 1826 das „Katharinenstift“, eine wohltätige Einrichtung für württembergische, vermögenslose Bewohner, die unentgeltlich kuren konnten. 1839/47 kam das „Graf-Eberhard-Bad“ sowie das „König-Karl-Bad“ 1882/83 und 1891/92 dazu und damit rückte Wildbad in die erste Reihe der deutschen Badeorte. Allerdings stand im puritanischen Württemberg und im wildesten Teil des württembergischen Schwarzwaldes die Kur und Gesundheit im Mittelpunkt. Kein Glücksspiel, kein lockeres Leben wie in Baden-Baden und keine üppigen Wirtstafeln waren hier zu finden. Trotzdem dauerte die Glanzzeit vor allem durch die Besuche der Zarenmutter 1856, 57, 60 bis 1870, da damals der europäische Adel zur Kur weilte.

 

Zu allen Zeiten war Bad Wildbad das Bad der württembergischen Könige. In Brötzingen, heute ein Vorort von Pforzheim, wurde extra die Königskurve gebaut. So konnte der württembergische König mit der Nagold- und Enztalbahn ab 1868 sein Staatsbad erreichen, ohne badisches Gebiet benützen zu müssen. Noch heute ist es im Besitz des Landes Baden-Württemberg.

 

Das „Graf-Eberhard-Bad“ ist heute nur noch die Fassade des „Palais Thermal“. Die Badelandschaft verbindet Fürstenbäder, Saunawelt mit Wellnessoase. Die Annehmlichkeiten des Orients in der Maurischen Halle wurden mit denen des Okzidents verbunden. Darüber hinaus kann das Thermalwasser und medizinische Bäder auch im Gesundheitszentrum „Vital Therme“, das Bad für die Familie- genossen werden. Das „König-Karl-Bad“ war bis 2010 Haus des Gastes und ist heute Tagungs- und Konferenzzentrum.

 

Das zu den verschiedenen Zeitpunkten gebohrte Thermalwasser strömt täglich mit 12 l/s mit einer Temperatur von 35 – 42 ° aus den Quellen. So können innerhalb eines Tages sämtliche Becken inhaltlich erneuert werden, denn es werden täglich eine Million Liter Thermalwasser  von den Quellen in die Leitungen gegeben.  Dadurch wird auch das Duschen mit Thermalwasser ermöglicht.

 

Schon 1699 wurde durch Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg mit einer Hainbuchenallee die Grundlage für den heutigen Kurpark gelegt. 1,5 km lang erstreckt sich heute der Naturpark über 35 ha beidseitig an der Enz entlang. Im Kurpark liegt das „Königliche Kurtheater“, es gehört zu den schönsten Theatergebäuden Süddeutschlands und wurde 2014 völlig renoviert. Ebenso wurde alte Trinkhalle von 1879 neu 1934 im Kurpark errichtet.

 

Ein lohnendes Ausflugsziel ist der Sommerberg. Seit über 100 Jahren verbindet die heute modernste Seilbahn Deutschlands Bad Wildbad mit dem Hochplateau des Sommerberges in 300 m Höhe. Ein wunderbarer Rundblick über den Schwarzwald entlohnt den Wanderer.


Ehemaliges Graf Eberhard Bad

                                                                                                              Palais Thermal


Freitag, 9. Juni 2023

Was verbirgt sich hinter dem Aha- und Habsberg am Schluchsee?

Ahaberg (1) Habsberg (2)

Die Pläne für das Pumpspeicherkavernenkraftwerk Atdorf wurden 2017 zu den Akten gelegt. 2014 war schon die RWE AG mit ihrer 50% Beteiligung
  aus der Planung und Finanzierung des Projekts ausgestiegen. 2017 hat auch die EnBW AG bekannt gegeben, das Projekt nicht weiter zu verfolgen.

Naturschutz-, Fremdenverkehrsverbände und Gemeinden waren Sturm gegen dieses Projekt gelaufen. Der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) hat stattdessen den Habsberg (2) im Blasiwald und den Ahaberg (1) zwischen der B 500 und dem Fischbachtal am Schluchsee als Alternativstandorte für das Pumpspeicherkraftwerk vorgeschlagen. Das Wasser würde von dem jeweils genannten Berg in den Schluchsee hinabstürzen und auf diesem Weg die Turbinen antreiben. Der Schluchsee wäre das Unterbecken mit all den negativen Auswirkungen. Die Wasserstände würden mehrere Meter variieren und „dreckige Ränder“ hinterlassen. Negative Auswirkungen wären für den Bootsverkehr und Badespass vorgezeichnet. Bürgermeister von Schluchsee, Jürgen Kaiser, wies sofort auf die katastrophalen Folgen dieses Vorhabens hin. Die Seegemeinde Schluchsee als Fremdenverkehrsort mit seinen 800.000 Übernachtungen pro Jahr wäre schwer geschädigt.

Auf dem Ahaberg, über den der Premiumweg „Jägerpfad“ führt, soll laut BUND mit 1.100 m Höhe, seinen 900 m Länge und 400 m Breite ein Muldenbecken ohne Staumauer aufnehmen. Der Schluchsee wäre das Unterbecken. So könnte auf den Bau eines Unterbeckens verzichtet werden und trotzdem wäre ein Pumpspeicherbetrieb möglich. Die Fallhöhe von nur knapp mehr als 100 m würde Dank der heute sehr effizienten Wasserturbinen eine hohe elektrische Ausbeutung zulassen. Die  elektrische Einspeisung in die drei Kilometer entfernte Freiluftleitung wäre möglich.

Alternativ wurde vom BUND der Habsberg im Blasiwald vorgeschlagen. Der würde 150 m mehr Gefälle bieten als der Ahaberg. Allerdings müsste der Schluchsee wegen eines Unterwasserstollens für mindestens ein Jahr mehrere Meter abgesenkt werden, was eine erhebliche Beeinträchtigung wäre. Und auch hier müsste mit mehreren Metern schwankenden Wasserständen von mehreren Meter gerechnet werden. Außerdem wäre beim Standort Habsberg eine Überlandleitung über den See zu bauen, um den gewonnen Strom abzuführen. Die FFH-Schutzgebiete für Vögel und Rotwild wären betroffen. Aber im ausgedehnten Schutzgebiet würde ein gleicher Lebensraum des Auerwildes sich entwickeln können. Das Rotwild würde nicht zu den geschützten Arten zählen, der Schutzstatus als Brutgebiets des Dreizehenspecht habe sich nicht bestätigt, so die Aussagen von BUND

Aber eine endgültige Entscheidung ist über ein vorläufiges Planungsverfahren nicht gekommen, da auch hier Naturschutz und Fremdenverkehrsverbände und zusätzlich die Gemeinde Schluchsee als direkt betroffene Gemeinde Sturm gelaufen wären.

Konkrete Form hat dagegen die Realisierung von 3 Windkraftanlagen der EnBW auf dem Ahahberg, einem Waldgebiet des Fürst von Fürstenberg, angenommen. Diese sollen mit einer Nennleistung von je 5,6 MW und 166 m Nabenhöhe sowie 162 m Rotordurchmesser 43 Mio KW Strom pro Jahr liefern. Das wäre der Strombedarf von 12.000 Haushalten im Jahr. Die Genehmigung der Anlage ist im 2. Quartal 2022 erfolgt. Die Realsierung dürfte im 4. Quartal 2023 abgeschlossen sein.

Schluchsee vom Bildstock


 

 

Freitag, 2. Juni 2023

Was verbirgt sich hinter dem Bühlhof in Schönwald?

Bühlhof 1980

Wer durch Schönwald Richtung Triberg fährt, hat am Ortsende im Gewann der „Niederen Gutach“  links an der Straße im Blickfeld den liebevoll restaurierten Bühlhof. Der Hof hatte immerhin 1782 über 57 Hektar umfasst.    

 

Wie an den Bügen (Kopfbänder im Fachwerk) noch schwerlich zu lesen ist, wurde der Hof von Andreas Ketterer kurz vor seinem Tode 1775 und seiner 3. Ehefrau Maria Anna Neininger 1771 erbaut. Alle drei Ehen waren kinderlos geblieben. Allerdings war der Hof durch Heirat über 220 Jahre im Familienbesitz gewesen.

 

Der Hofbauer Andreas Ketterer war allerdings schon die 8. Generation der Hofbauern. Um 1564 ist mit Walther Michel die erste Hofbauerngeneration nachgewiesen.

 

Allerdings wurden dann in der Zeit von 1790 bis 1844 aus welchen Gründen auch immer vom Nachfolger des Ketterer Andreas die Grundstücke nach und nach und schließlich auch der Hof bis auf das Wohnrecht verkauft. Sicherlich hat auch mitgespielt, dass der Bühlhof ein Teil des Dorfes wurde. Die Lage an der Verkehrsstraße war dann auch mitbestimmend. Der Bühlhof ging dann im Laufe der Jahre durch viele Hände. Kurz vor dem endgültigen Zusammenbrechen kam der Hof 1986 an Lukas Duffner jun. vom Schneiderjockenhof in Schönwald Schwarzenbach. Auch er ein ähnlich altes aber heute noch geschlossenes Hofgut.

 

Lukas Dufner änderte die vorhandenen Pläne des Landesdenkmalamts ab und verhinderte damit den Einbau von mehreren Schaufenstern. Stattdessen wurden die üblichen kleinen Fenster eingebaut, die die ursprüngliche Charakteristik hergeben. Das Dach wurde wieder mit Zedernholzschindeln gedeckt. Zuvor musste das Dach angehoben werden, da zuvor einzelne Gebälkstücke heraus gesägt worden sind. Die Statik und das neue Gebälk wurden durch eine Fachfirma erstellt. Ansonsten renovierte Lukas Duffner und sein Bruder den Hof in Eigenarbeit.

 

Der Boden musste im Inneren neu betoniert werden, die gesamte Fassade musste neu gemacht werden. In der Stube und in den früheren Kammern der Mägde und Knecht im oberen Stockwerk wurden Verkaufsräume geschaffen, in denen Alterhaltenes und Neuergänztes an bemalten Uhren,  Schnitzereien aller Art, Souvenirs und traditionellen Schwarzwälder Geschenkartikel gekauft werden können.

 

Vier Jahre hat der Umbau gedauert bis der Hof nach und nach restauriert war. Auch das alte, verschollene Hofkreuz konnte ausfindig gemacht und zurückerworben werden. In der Zeit des Ersten Weltkrieges wohnte eine Familie im hinteren Hofteil. Die Mutter legte ein Gelübde ab, dass sie dem Bühlhof ein Hofkreuz schenken würde, wenn beide Söhne gesund wieder aus dem Krieg zurückkommen würden. Das geschah, nur war das Hofkreuz 1973 verschwunden. Seit der Restaurierung schmückt auch dieses Utensil wieder den schmucken Bühlhof in Schönwald.



 

Freitag, 26. Mai 2023

Was verbirgt sich hinter der Papierfabrik Neustadt?

Bad Boll 1889

Bad Boll, ein kleines Schwarzwaldbad, am Rande der Wutachschlucht war der Geheimtipp für Angler aus ganz Europa. Nicht nur die Mineralwasser führende Badquelle, die landschaftliche Schönheit des Tals sondern der Fischreichtum der Wutach lockte die Urlauber. Um 1900 war die Wasserqualität der Wutach so gut, dass 1894 eine Gruppe reicher Engländer das Badhotel kauften. Der exklusive „Bad Boll Fishing Club“ pachtete auf einer Länge von 80 Kilometer die Angelrechte auf der Wutach. Der Reichtum an Forellen und Lachse machten die Wutach zum besten Forellengewässer Europas. Allein der exklusive englische Fiching Club garantierte 12.000 Übernachtungen pro Jahr.

Doch ab 1905 1884 kamen die Gebrüder Sutter nach Neustadt, da sie eine Fabrik zur Zellulose betreiben wollten. Dies kam den Stadträten sehr gelegen, da vor der Stadt die Heinrich Ganterschen Kunstmühle große Zahlungsschwierigkeiten hatte. 1887 begann die Brüder die Kunstmühle für ihre Bedürfnisse umzubauen. 1894/96 kam zur Zellulosefabrik eine Papierfabrik als Ergänzung hinzu.

Das Geschäft florierte und expandierte, denn die Rahmenbedingungen stimmten: Zellulose- und Papierfabrik standen beieinander, das Werk war mit der Höllentalbahn verbunden und genügend Strom kam vom Kraftwerk Laufen. 1897 wurde die Gesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1938 übernahm der Fürst zu Fürstenberg die Papierfabrik.

Die Folge des ungebremsten Wachstums waren die Abwässer, die ungeklärt in die Wutach eingeleitet wurden. Es kam was kommen musste, ab 1905 führte die Verschmutzung des Wassers der Wutach erst langsam und dann immer schneller zu einem raschen Rückgang des reichen Fischbestandes. Natürlich blieben nach und nach die Fischer weg. 1912 zog sich auch der Fishing Club Ltd wieder aus dem früheren Anglerparadies Bad Boll zurück. Die Forellen und Lachse waren mit der Zeit gänzlich verschwunden. 1939 wurde die Wutachschlucht als Ausgleich für den Bau des Schluchseewerks unter Naturschutz gestellt. Aber das Fischsterben ging trotz Naturschutz munter weiter.

Anfang der 70er Jahre trat der Natur- und Umweltschutz auf breiter Front ins Bewusstsein der Menschen ein. Naturschutzverbände wurden plötzlich politisch aktiv, der „BUND“ entwickelte Regionalverbände, denn so konnte es nicht weiter gehen. Bäche und Flüsse haben sich zu stinkenden Kloaken degeneriert, Asbest Gefahren wurden verharmlost oder Schweizer Atommüll wurde im Meer versenkt. So verteilte die Freiburger Aktion Umweltschutz 1972 bei den Donaueschinger Musiktagen Infoblätter über die Kloake Wutach und forderten endlich die längst überfällige Abwasserreinigung. Sponsor der Musiktage war der Fürst zu Fürstenberg, der auch der Besitzer der Papierfabrik Neustadt war.

Nach langen Streit, Aktionen, wirtschaftlichen Verwerfungen und Eigentümerwechsel wurde endlich eine Kläranlage gebaut. Die alte Papierfabrik war aber nicht erfolgreich geführt und ging 1989 in Konkurs. 1990 übernahm endlich die Firma „Schoeller Technocell“, ein Unternehmen der „Felix Schoeller Group“ Osnabrück, die Papierfabrik, investierten 105 Mio € im Laufe der Jahre in die Gewässerreinhaltung. Trotz all dieser Maßnahmen sind extreme Wasserverschmutzungen durch Störfälle doch noch möglich. So 1982 durch auslaufendes Kunstharz in der Papierfabrik, das 95% des Fischbestands zerstörte oder 1993 hat einer Fehler in der Galvanikanlage zu einem verheerenden Fischsterben geführt. Die Firma „Schoeller Technoel“ Neustadt beschäftigt 112 Mitarbeiter und produziert 30.000 t Spezialpapier.

Wutachschlucht



Freitag, 19. Mai 2023

Was verbirgt sich hinter dem Karlstein?


Der Karlstein ist ein Stein, auf dem prägenden Bergrücken des Hauensteins im mittleren Schwarzwald, liegt am Westweg von Norden über Büchereck kommend, Prechtäler Schanze, Huberfelsen (6,5 km), von Süden über die Wilhelmshöhe (7 km) oder von Westen über Hornberg den Dreitälerweg.

 

Der Hauenstein (Hohe Stein oder Hagstein = Grenzstein) symbolisiert seit Jahrhunderten die Wasserscheide zwischen Gutach und Elz,  die kirchliche Bistumsgrenze (Konstanz im Osten – Straßburg im Westen), die Grenze von Baden (Markgrafschaft Baden-Baden) und Württemberg (Amt Hornberg), Fürstenberg (Herrschaft Prechtal) und Österreich (Herrschaft Triberg). Seine Bedeutung war nicht nur die Grenzregion sondern ganz in der Nähe  ist ein verschütteter Bergwerkstollen, der mit „weißer Erde“ bis 1810 die Königliche Porzellanmanufaktur in Ludwigsburg belieferte.

 

Der Herzog Karl Eugen von Württemberg hatte sich vorgenommen mit einem großen Gefolge den entferntesten Teil seines Reiches von Stuttgart aus gesehen, „den Schwartzwald und wie die Wälder daselbst beschaffen seyen? zu visitieren“. Diesen bekannten 971 m hohen Hauenstein wollte er im Jahr 1770 nach einer Kur in Bad Teinach auf seiner Besichtigungsfahrt kennen lernen. Er wollte seinen höchsten Berg selbst besteigen. Das war damals noch etwas ganz Ungewöhnliches. Der Wald war ungepflegt, Wanderwege, Wegweiser oder Beschreibungen gab es nicht.

 

Die Gesellschaft brach früh morgens um 5 Uhr in Schiltach auf, um nach St Georgen zu kommen, nahm aber aus Bequemlichkeit  den Weg über das fürstlich fürstenbergische Wolfach, Gutachtal nach Hornberg.

 

Nach einer standesgemäßen Begrüßung durch den Rat, der Bevölkerung und nach einer Stärkung in Hornberg, wurde zum Aufbruch geblasen. Der Weg sollte den Herzog und Gefolge mit einem einstündigen Ritt durch das damals wilde Offenbachtal führen. Zuletzt mussten alle über drei Leitern an den Felsen hinaufsteigen. Damals konnte die Gesellschaft das Straßburger Münster, vermutlich die drei Burgen Richtung Freiburg: Hoch-, Schwarzenberg- und Kastelburg, den Zollerberg mit der Burg Hohenzollern und zwei Türme von Freudenstadt sehen.

 

Der Herzog hatte auf dem Hauenstein noch zwei kleine Bäume, nämlich eine Tanne und eine Birke, zum Andenken an seine Anwesenheit gepflanzt. Außerdem hat er seinem Regierungsrat und Oberamtmann zu Hornberg befohlen, dass man den heutigen Tag in den Fels hauen und markieren solle. Dann ging es über das Reichenbacher-, Krummen-, Schiltachertal über die Benzebene zurück nach St Georgen.

 

Wie befohlen wurde ein Stein 1m hoch, 80 cm breit und 20 cm dick mit einer Tafel errichtet. Auf dieser ist in lateinischer Schrift vermerkt, dass Herzog Karl am 23. Juli 1770 hier oben war, 2 Bäume gepflanzt habe und, dass der Stein Karlstein heißen solle. Auf der Rückseite sind die anwesenden Personen aufgeführt, die Herzogskrone und das auf 5 Wappenschilde verteilte herzogliche Wappen: Oben links die Rauten (Teck), rechts die Reichssturmfahne, links untern zwei Barben (Mömpelgard), in der Mitte Hirschstangen (Württemberg), rechts ein Heidenkopf (Heidenheim).

 

1903 wurde der verwitterte Stein restauriert. Alle umliegenden Gemeinden haben Arbeiten um den Karlstein untersagt. Heute steht der Karlstein unter Denkmalschutz.



Freitag, 12. Mai 2023

Was verbirgt sich hinter Forbach, dem letzten Zipfel im Murgtal?

Forbach 1890

Forbach im Murgtal mit seinen heute 4.500 Einwohnern umfasst eine Fläche von 132 km² und 10 Ortsteile: Forbach, Kirschbaumwasen, Raumünzach, Ebersbronn, Hundsbach, Viehschlag, Herrenwies und Schwarzenbach. 1974 wurden die ehemaligen Gemeinden Gausbach, Langenbrand und Bremersbach eingemeindet.

1360 wurde Forbach erstmals urkundlich erwähnt. Die armen Teufel, die sich in diese Gegend verirrt hatten, waren Leibeigene der Grafen von Eberstein und 1387 zum Teil der Markgrafen von Baden, mussten täglich eine Person pro Familie zum Frondienst abstellen. Die Leibeigenschaft wurde erst 1783 aufgehoben.

Eine weitere Besonderheit waren die sogenannten Waldkolonien  Raumünzach, Kirschbaumwasen, Ebersbronn und Hundsbach sowie Schwarzenbach. Hier wurden Holzfäller aus  dem Kinzigtal und Tirol mit ihren Familien angesiedelt, die für die Glashütte in Herrenwies und die großen Flößergesellschaften  Holz einschlugen. Die Kolonisten konnten keinen Grund und Boden erwerben, nur die Hütte, in der sie wohnten, war persönliches Eigentum, sie waren nur geduldet. Zuständig für sie war auch für Eheschließungen  bis 1870 das staatliche Forstamt. Erst 1970 waren die Kolonisten den anderen Bürgern gleichgestellt, da sie auch Grund und Boden erwerben durften. Bis 1805 hatten die Waldkolonisten keine eigentliche Schule. Die Kinder ließ man den Winter über von ausgedienten Soldaten und sonstigen herumwandernden ein Obdach suchenden Individuen gegen geringes Entgelt in einer geräumigen Hütte eines Waldkolonisten unterrichten.

Forbach war vom unteren Murgtal nicht zu erreichen, da es nur über die alte Weinstraße möglich war, die von Gernsbach über die Höhe nach Württemberg führte. Erst 1782/88 wurde die Straße im Tal von Gernsbach nach Forbach gebaut. 1790/93 wurde diese zur württembergischen Grenze fertiggestellt, so dass Forbach direkt von beiden Seiten erreicht werden konnte. Die Straße nach Baden-Baden über Bremersbach wurde erst 1906 angelegt. Mit der Eisenbahn war Forbach mit vielen Tunnels 1910  und Freudenstadt erst 1928 zu erreichen.

Schon im 16. Jahrhundert war eine Holzbrücke in Forbach über die Murg errichtet worden, um den kurzen nachbarlichen Verkehr zu ermöglichen, die aber immer durch Hochwasser weggerissen wurde. Markgraf Karl Friedrich ließ eine Holzbrücke nach einer Besichtigung 1774 anfertigen, die 1809 ein Dach erhielt. Noch heute hat Forbach als Wahrzeichen eine solche, die vom PKW befahren werden. Als weiteres Wahrzeichen liegt über dem Ort die Wallfahrtskapelle „Maria-Hilf“, die 1590 erbaut und 1682 schon erweitert werden musste.

Der unerschöpfliche Holzreichtum der riesigen Waldungen von Forbach ermöglichte schon im Mittelalter die Holzflößerei. Vor allem die Murgschifferschaft erschloss die ganzen Seitentäler der Murg mit Schwallungen, um den Holznachschub zur Flößerei auf der Murg zu garantieren. Da die Murg oberhalb Raumünzach nicht floßbar war, musste die Württemberger das Holz über den Berg zur Enz transportieren.

Wenn auch Forbach abgelegen war, wurde doch erkannt, welche Bedeutung die Wasserkraft hier bekommen kann. 1914 wurde mit dem Kraftwerk Kirschbaumwasen der Grundstein für das Murgkraftwerk gelegt, 1922 mit der Schwarzenbachtalsperre als erstes Pumpspeicherkraftwerk und dem Raumünzachkraftwerk zum Murg-Schwarzenbach-Kraftwerk weiterentwickelt. 1956 wurde dieses in „Rudolf-Fettweis-Werk“ der EnBW Kraftwerk AG umbenannt. Heute ist dieses in der Lage kurzfristig bis zu 68.000 KW an Stromenergie bereitzustellen.

Alte Holzbrücke

Kapelle Maria Hilf


 

Freitag, 5. Mai 2023

Was verbirgt sich hinter dem Rosendorf Nöggenschwiel?


Der zum Rhein abfallende Südschwarzwald, der Hotzenwald, ist das Armenhaus des Schwarzwaldes. Landschaftlich sehr schön, landwirtschaftlich karg und arm. Bei guter Sicht liegt das gesamte Schweizer Alpenpanorama vor einem.

 

Im Schwarzatal im Hotzenwald liegt Nöggenschwiel, das Rosendorf. Unzählige Rosen-Anlagen prägen das gesamte Dorfbild.  Ursprünglich ins Leben gerufen wurde das Rosendorf 1965 vom damaligen Bürgermeister Karl Tröndle, der mit den Bürgern sich am Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ beteiligte und Sieger des Wettbewerbs wurde. Dadurch wurde der ehemaligen Gartendirektor der Mainau und Ehrenpräsidenten der Gesellschaft Deutscher Gartenfreunde, Josef Raff, auf Nöggenschwiel aufmerksam. 1968 wurden die ersten 8.000 Rosen gepflanzt.  Karl Tröndler und Josef Raff gingen das Risiko ein, das Dorf trotz der 750 m Höhe mit Rosen noch schöner werden zu lassen. Wenn auch die ersten strengen Winter die ersten Rosen teilweise nicht überstanden, ließen die Nöggenschwieler nicht von ihrem Vorhaben ab. 2004 blühten 20.000 Rosensträucher in dieser kleinen Gemeinde, die von Rosenschulen aus ganz Deutschland besichtigt werden.

 

Die Überlegungen eines Rosen-Wanderwegs, der die einzelnen Ortsteile von Weilheim verbinden könnte, war eher ein Zufallsprojekt. Der damalige Bürgermeister von Weilheim, Roland Arzner, war von den Überlegungen so sehr begeistert, dass er diese Idee vorantrieb.  Auch hier konnte der schon in Nöggenschwiel bekannte Josef Raff von der Insel Mainau gewonnen werden. Dieser  suchte die Rosen für den gesamten Weg aus und legte die geeigneten Stellen für die einzelnen Rosensorten entlang des Weges fest. Heute verbindet ein 32 km langer Rosenwanderweg Nöggenschwiel mit 15 anderen Ortsteilen von Weilheim. Heimische Wildrosen, die durch intensive forst- und landwirtschaftliche Nutzung immer mehr zugedrängt worden waren, blühen heute wieder mit über 6.500 Rosenpflanzen und 250 Sorten.

 

2008 entstand der Schwarzwald-Rosen-Sortimentsgarten –eine Präsentation von 2.000 Rosen in 187 Sorten. 2013 kam als Ergänzung der Rosen-Duft-Garten am Kirchplatz mit 440 Duft-Rosen in 140 Sorten. Die Rosengärten dienen aber nicht nur der Verschönerung der Gemeinde sondern auch einem wissenschaftlichen Zweck: Prüfung der Rosen auf Frosthärte für die Verwendung in geographischen Höhenlagen.

 

Damit ist das Rosendorf Nöggenschwiel seit 1970 das einzige Dorf im Schwarzwald und mit 750 m das höchstgelegene in Deutschland. Anstatt Dunghaufen im Dorf sind die Zäune mit Kletterrosen überzogen, die die Giebel bis unters Dach  mit Rosenholz beranken. Die Dorfbewohner haben sich verpflichtet, die Rosenstöcke in ihre gärtnerische Pflege zu nehmen. So entwickelte sich die Rosenpracht aus ursprünglich 1000 Rosenstöcken und 170 verschiedenen Arten.  Heute blühen im Rosendorf insgesamt 17.000 Rosen in 650 Rosensorten. Diese werden von 100 freiwilligen Rosenpflegerinnen betreut.

 

Jedes Jahr findet am 2. Juli Wochenende die Rosentage mit umfangreichen Veranstaltungen statt. Nicht nur aus dem Inland sondern aus ganz Europa kommen die Besucher in das Rosendorf und bedeuten mittlerweile mehrere zigtausend Übernachtungen für diese kleine Gemeinde.  Im September und Oktober kann eine 2. Rosenblüte genossen werden.

 

Am Wege von Nöggenschwiel nach Weilheim liegt noch eine der wenigen „Zahnkäppele“ des Schwarzwaldes, die vom Zahnweh Geplagten beteten dort zur heiligen Apollonia, um sich Linderung zu erhoffen.