Freitag, 28. Oktober 2022

Was verbirgt sich hinter der Steingutfabrik in Hornberg?

Horn Georg Friedrich 1817
Im 18. Jahrhundert ließ das Stuttgarter Bergamt überall in den Bergen in ihrem Herrschaftsbereich nach abbauwürdigen Erzlagern schürfen. Dabei wurde beim Hinteren Bauer im Offenbachtal unter dem Karlstein ein bedeutendes Lager abbauwürdiger „weißer Erde“ entdeckt. Seit den 1780er Jahren wurde es von der Calwer Zeughandelskompanie zur  Prozellanfabrik nach Ludwigsburg abgefahren. Mit dem Übergang Hornbergs an das Großherzogtum Baden kam der Abbau der „weißen Erde“ zum Erliegen, denn das Großherzogtum hatte bei Baden-Baden- und Malsch genügend Vorkommen, die leichter abzufahren waren.

Dem badischen Obereinnehmer in Hornberg, Georg Friedrich Horn, kam die Überlegung, die „weiße Erde“ in Hornberg an Ort und Stelle zu verarbeiten. Wasserkraft und Holz für eine Produktion vor Ort waren vorhanden. Schon 1817 ließ Horn zwei Fabrikationsgebäude links der Gutach Richtung Niederwasser erbauen. So entstand die „G.F. Horn, Porcelaine Fabrick“. Wobei die Produkte als Porzellan zu bezeichnen übertrieben war, denn die Produkte waren nicht durchscheinend wie echtes Porzellan. Kaum kamen die Hornberger Waren auf den Markt, riefen die Zeller Keramisch Fabrik nach der Staatsgewalt, denn diese hatte die Zusage vom damaligen Markgrafen Karl Friedrich: Keine Konkurrenz im Umkreis! So hagelte es auch folgerichtig: Kein Porzellangeschirr aus Hornberg! Horn vermied es geschickt in Zukunft von Porzellan zu sprechen, denn er verkündete, dass er nur feuerfestes Kochgeschirr produziere, also nur als Steingut.

Georg Friedrich Horn übergab 1822 seine Firmenanteile an beide Söhnen Karl und Hermann, da er zunehmend Ärger mit der staatlichen Aufsicht bekam. Das Amt mit dem Obereinnhehmer –also leitender Beamter- und Fabrikant ließen sich nicht mehr vereinbaren. Die Söhne bekamen 1830 vom Großherzog die endgültige Erlaubnis, die Steingutfabrik ohne Beschränkung betreiben zu können. Sie überwand die darniederliegende Zeit der 1840/50er Jahre und die Einführung der Gewerbefreiheit 1862, wobei die Fabrik stetig erweitert wurde. 1884 zog sich die Familie Horn aus dem Unternehmen zurück, es beschäftigte damals 300 Arbeitnehmer.

1903 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, da der Kapitalbedarf immer größer wurde. Die Feuerung musste von Holz auf Kohle umgestellt werden. Dies war möglich, da die Schwarzwaldbahn schon 1873 fertiggestellt worden war und Kohle herbei transportieren konnte. Auswärtiges Kapital griff nach der „Steingutfabrik Schwarzwald GmbH“. Die Straßenseite der Gutach wurde mit den langen Werkhallen bebaut, die bisherigen Rundöfen zum Brennen des Steinguts wurden durch Tunnelöfen ersetzt.

1905 wurde eine folgerichtige Entscheidung getroffen: Neben dem Steingutgebrauchsgeschirr wurden auch Sanitärartikel in die Produktpalette aufgenommen. Mit dem zunehmenden Bewusstsein der Hygiene in der Bevölkerung kam eben die Spezialisierung des Unternehmens auf den reinen Sanitärbereich. Das Ergebnis der Spezialisierung drückte sich im Erfolg aus, denn vor dem Zweiten Weltkrieg wurden 500 Arbeitnehmer beschäftigt. Da der Sanitärbereich keine kriegswichtige Produktion war, wurden die Materialzuteilungen immer geringer, so dass die Produktion 1944 geschlossen wurde, ab 1946 wieder anlief und bis 1948 unter französischer Verwaltung stand. Durch die Mahlung, Mischung der Grundstoffe sowie die neuen Glasuren entstand 1950 das Duravit-Porzellan, das das bisherige Hartsteingutes ersetzte und die Tür für den weltweiten Erfolg öffnete.

Duravit hat die Geschichte des Bades neu erfunden und weltweit erfolgreich vermarktet, so dass die Geschichte des Bad Designs untrennbar mit der Geschichte von Duravit verbunden ist.



Freitag, 21. Oktober 2022

Was verbirgt sich hinter dem wieder entdeckten Thermalbad im Murgtal?

Rotenfels Trinkhalle 1841

Markgraf Wilhelm ließ 1839 am Fuße des Schanzenberges  –heute rechts der B 462- am Ortseingang von Gaggenau nach Steinkohle bohren. Nachdem bei Umweg, Neuweier und Müllenbach Steinkohlenfelder zutage traten, wollte er auf seinem Mustergut auch vom „schwarzen Gold“ profitieren. Doch anstatt Kohle kam klares, farbloses Wasser 19 °C warm. Der Markgraf ließ die Quelle fassen und gab ihr den Namen „Elisabethenquelle“ nach dem Namen seiner Gattin.

Zunächst kämen die Leute aus der Umgebung. Als Badgebäude diente den Kranken und Erholungssuchenden eine einfache Trinkhalle, in der Mitte die gefasste Elisabethenquelle.  1843 folgte zum erstellten Kurpark ein dreistöckiges Badhotel. 1858 fertigte der erfahrene Chemiker und Physiker Bunsen eine Wasseranalyse an.

Da Rotenfels kein Staatsbad war, wurde es von Pächtern betrieben. So baute der Pächter Franz Hämmerle einen großen Saalbau an und ließ zur Freude der Bevölkerung die Rastatter Militärkapelle zum Konzert und Tanz aufspielen. Da das Bad aber durch verschiedene Hände ging, kam es, wie es kommen musste. Es fand sich kein Pächter mehr. Die markgräfliche Vermögensverwaltung ließ das Inventar versteigern und die Gebäude 1906 niederreißen.

In der Mitte der 30er Jahre erwarb die Gemeinde Rotenfels das Gelände und ein kleines Brunnenhaus erinnerte an vergangene Zeiten.

In den 50er Jahren erinnerte sich die Verwaltung von Rotenfels der verwahrlosten Quelle und prüfte das Wiederverwenden der Elisabethenquelle. Verschiedene Bohrungen ließen Optimismus aufkommen, aber die arthesische Schüttungen der Elisabethenquelle reichten für die heutigen Anforderungen nicht aus, obwohl mittlerweile eine Kurgesellschaft gegründet, ein Kursanatorium mit Kurmittelhaus gebaut werden konnte. Die Zuversicht wuchs, als das 19°C warmes Natrium-Chlorid-Wasser 1962 als Heilwasser anerkannt wurde. In den 60er und 70er Jahren wurden durch ausdauernden Einsatz der Stadtverwaltung und Verwendung von Haushaltsmittel mit der gegründeten Kurgesellschaft immer wieder Versuchs- und Tiefenbohrungen auf dem umliegenden Gelände vorgenommen. Rotenfels liegt in der Baden-Badener Senke, die ein Teil des Oos-Saale-Troges ist und im französischen Zentralmassiv beginnt und sein Ende in Thüringen hat.

Endlich Mitte der 70er Jahre wurden die zahlreichen Bemühungen und Bohrungen vom Erfolg gekrönt. Zur bisherigen Elisabethenquelle wurde die Schanzenberg mit 24°C und Laurentiusquelle mit nahezu 28°C erschlossen. Dabei hatten die Natrium-Chlorid-Thermalwässer noch bessere Werte als die Elisabethenquelle.

1971 erhielt das 1970 von Gaggenau eingemeindete Rotenfels das Prädikat „Heilbad“ verliehen und 1972 als erste Stadteilteil in Baden-Württemberg den Titel „Bad“ verliehen. 1981 konnte die neue Heilbad- und Freizeitanlage „Rotherma“ in Betrieb genommen werden.

Mit einer modernen Konzeption hat Rotherma Abschied genommen von der freudlosen „Kur“ der Vergangenheit: In Bad Rotenfels soll Gesundbaden Spaß machen bei Frische und Entspannung sowie Bewegung im gesunden Wasser bei aktiver Gesundheitsvorsorge.

Die Erlebniswelt „Rotherma“ beinhaltet ein Thermalbad  28°C bis 35°C mit Vitalbad (40°-48°C) -eine moderne Interpretation des römischen Caldariums- und Amorbad (50°C)- stärken ätherische Öle die Lebensgeister- einem Saunapark von 5.000 m², Felsenauna, Eisgrotte und Salzwelt.

Bad Rotenfels Erlebniswelt "Rotherma"


Freitag, 14. Oktober 2022

Was verbirgt sich hinter der Familiendynastie Furtwängler aus Neukirch?


I
n Neukirch –heute einem Ortsteil von Furtwangen- liegt im oberen Heubachtal nahe der Grenze zu Furtwangen und Urach der Oberheubachhof. Ein Anwesen, das erstmalig 1495 unter einem Furtwengler Werlin erwähnt wird. Karoline Furtwängler, als Hoferbin, heiratete 1902 Otto Faller, und die Fallers bewirtschaften bis heute damit über 500 Jahre den Hof im Familienbesitz. Der Oberheubachhof ist der Ursprung unserer Furtwängler Dynastie und nicht der Furtwänglerhof in Furtwangen Katzensteig, der von1480 bis 1634 von einer Familie Furtwängler bewirtschaftet wurde.

Martin Furtwängler (1670-1737) als 5. Kind vom Hofbauer Georg (1639-1700) und damit als weichender Erbe kam durch Kauf zum Bachwirtshof im Vogtsgrund südlich von Gütenbach. Als Zweitgeborener und damit als weichender Erbe ließ sich sein Sohn Michael (1698-1771) im Vogtsgrund von Gütenbach nieder. Dessen Sohn Martin (1729-1798) zog in Schmidthäusle am Bach in Gütenbach. Dies muss eine alte Schmiede gewesen sein, denn sein Sohn Bartholomäus (1772-1845) wurde immer noch „Schmitebartli“ genannt, obwohl er einen Fruchthandel betrieb. Mit seiner Frau, Helena Dold vom Ecklehof in Gütenbach, begründete er drei weltbekannte Familiendynastien.

Sein Sohn Lorenz (1807-1866) war eben der „Schmitelenz“, da er im Schmithäusle am Bach wohnte und war bei seinem älteren Bruder Johannes in die Uhrmacherlehre gegangen war. Nach seiner Heirat mit Mechthilde Volk aus Vöhrenbach gründete eine eigene Werkstatt und zog 1839 in den „Schwefeldobel“, einem Talgrund an der Gemarkungsgrenze von Neukirch und Gütenbach. Hier erwarb er ein kleines Haus. Der tüchtige Uhrmacher bekam manche Auszeichnung für seine vorzüglichen Arbeiten. Er wurde sogar in den Verwaltungsrat des Uhrengewerbevereins in Furtwangen berufen. Er versäumte auch nicht seine 4 Söhne Gustav Adolf (1839-1905), Karl Hektor (1840-1911), Julius Theophil (1843-1897) und Oskar (1850-1908) bestens als Uhrmacher auszubilden. Sie zogen zwei Jahre nach dem frühen Tod des Vaters 1866 nach Furtwangen und gründeten das weit über den Schwarzwald hinaus bekannte Uhrenunternehmen „Lorenz Furtwängler & Söhne“, das erst 1932 erlosch.

Ein weiterer Sohn des Ehepaars Furtwängler war der aufgeweckte Wilhelm (1809-1875) Dank des Zuspruchs des Pfarrers wurde ihm der Weg zum Gymnasium ermöglicht. So studierte er zuerst auch Theologie wandte sich aber später der klassischen Altertumswissenschaft zu. Ergebnis war der spätere Direktor des Bertold Gymnasium in Freiburg. Sein Sohn Adolf (1853-1907) war der später international anerkannte Archäologe, dem es mit zu verdanken ist, dass Mykene und Olympia in Griechenland ausgegraben wurden. Dessen Sohn Wilhelm (1886-1954) war der später wohl der bedeutendsten Dirigent im 20. Jahrhundert. Dessen Enkelin ist die 1966 geborene Ärztin, und Schauspielerin Maria Furtwängler verheiratete Burda.

Philipp (1800-1867) war wie seine Brüder zum Uhrmacher ausgebildet und brachte später sich den Orgelbau autodidaktisch bei. 1822 zog er nach Elze bei Hildesheim, produzierte zuerst Schottuhren, die wenig Anklang fanden, widmete sich mit Erfolg dem Turmuhrenbau zu. Er trat zum protestantischen Glauben über und produzierte  ab 1826 über 220 Orgeln  in katholischen und evangelischen Kirchen in der norddeutschen Region. Die bedeutendste Leistung war die Orgel in der evangelischen Kirche von Gronau. Sie sollte 48 Register haben, er fügte aber unentgeltlich 9 weitere Register hinzu. Seit 1952 steht die Orgel unter Denkmalschutz. Auch die Gütenbacher Orgel stammt von ihm. Von den Söhnen Wilhelm und Pius, beides bekannte Orgelbauer, wurde das Unternehmen bis 1883 unter „Philipp Furtwängler & Söhne“ weitergeführt.

Haus von Lorenz Furtwängler Gütenbach abgerissen 1927


Freitag, 7. Oktober 2022

Was verbirgt sich hinter dem stillen Blindensee?


Der Blindensee an der Gemarkungsgrenze von Schonach und Schönwald –aber auf Schönwälder Gemarkung- liegt in einem Hochmoorgebiet am Westweg der Blindensee auf 1.000 m Höhe. Er versteckt sich hinter einem Ring aus verkrüppelten Legföhren und ist nur über zwei Holzstege von Schönwälder und Schonacher Seite inmitten des Hochmoorgebietes zu erreichen.

Beim Hochmoorgebiet mit dem Blindensee entstanden durch Hebungen der Gesteinsmassen und Gletscherwirkungen viele kleinere und größere Lücken und Höhlungen. Diese füllten sich mit Wasser und Erde. Es bildeten sich Sümpfe, die in der Zeit der Trockenheit Gräser und Buschwerk wachsen ließen. Bei Hochwasser wurde wieder alles überflutet und vermoderte im Laufe der Jahrhunderte. Neue Schichten setzten sich darüber und so entstanden mit der Zeit nach und nach die Moorböden, die Torfmoore. Aus ihnen entstand dann der brauchbare Brenntorf: Im Hochmoorgebiet des Blindensees bis zu 8 m dick. An manche Stellen blieben große Wassertümpel zurück –der Blindensee. Durch die Vermoorung lässt sich die Tiefe des Sees nicht ermitteln.

Dieser hat keinen Zu- oder Abfluss. Außer Mücken und Wasserflöhen sind keine Lebenswesen im Wasser erkennbar. Manche Leute glaubten daher komme der Name „Blindensee“. Doch weit gefehlt: Der Blindensee gehörte zum früheren Hofgut „Blindenhof“. Dieser Hof wurde 1908 abgebrochen, ist aber nachweisbar seit 1564. Der 6. Bauer von 1718-1760, Gabriel Kern, war völlig blind. Daher resultiert der Hof- und Seename. Der 5. Bauer, Kern Bartholomäus, soll noch keinen Hoferben sondern nur Töchter bekommen haben. In seiner Not beschwor er den Teufel, dieser möge ihm einen Nachfolger schenken, auch wenn er mit Blindheit geschlagen zur Welt käme. Sein Wunsch ging wie erzählt in Erfüllung. Das dürfte aber in den Bereich der Sage gehören.

Das Hochmoorgebiet hat eine Fläche von 20 ha (entspricht 200.000m²), Seefläche von 34 Ar (entspricht 3.400 m²).

Das Hochmoorgebiet mit dem geheimnisvollen Blindensee lädt natürlich zu verschiedenen Sagen ein. Denn die früheren Generationen hatten noch keine wissenschaftlichen Erklärungen für eine solche geheimnisvolle und auch gefährliche Gegend. Eine Rettung aus einem Moor ist äußerst aufwendig und gefährlich.

Deswegen nur eine Legende: Nach dieser soll das Hochmoorgebiet größer gewesen sein und bedeutete für Schwarzenbach und Triberg eine Gefahr, da dieses ausbrechen könnte. Angesichts der Gefahr einer Flutkatastrophe nahm die Bevölkerung von Triberg Zuflucht zu der als Wallfahrt in einer Tanne verehrten Muttergottes Maria. Diese soll erschienen sein und ein feingewobenes Netz gesponnen haben, damit der See nicht mehr ausbrechen kann, und die Bevölkerung vor einem Unglück verschont bleiben wird. Jedes Jahr verfault jedoch ein Faden des Schutznetzes. Ist der letzte Faden verfault, bricht die Katastrophe über Triberg herein. Dies soll zu dem eintreten, wenn in Triberg ein großes Fest gefeiert wird.

Freitag, 30. September 2022

Was verbirgt sich hinter dem Fressbädle Bad Sulzbach?


Im hinteren Renchtal sind die Sauerbäder Bad Peterstal und Bad Griesbach seit Mitte 1500 als Heilbäder  anerkannt und bekannt. Leider in Vergessenheit geraten ist im mittleren Renchtal das „Fressbädle“ Bad Sulzbach.

 

Bad Sulzbach wurde bereits im Jahre 1233 erstmals wegen seiner Heilquelle erwähnt. Aus dem Jahre 1605 stammt ein Bericht des württembergischen Stadthalters an seinen Herzog. „Das Sulzbad sei dem der Hub (damals Modebad) gleich, sei aber ganz in Abgang gekommen“.  Daraus geht hervor, dass Bad Sulzbach damals die besten Zeiten der Blüte schon hinter sich hatte.

 

Neuer Aufschwung brachte eine Familie Rohrer nach dem Dreißigjährigen Krieg. Sie bauten das Badgebäude wieder auf. Das Geheimnis des Erfolges waren die Kochsalzthermen, die mit 22° aus dem Boden kamen. Sie brachten als Badekur Kranken mit Rheuma und Gicht, als Trinkkur den Kranken mit Magen- Nieren- Blasenkatharr und Gallensteinen Linderung und Heilung.

 

1756 gelang es Lorenz Spinner durch Investitionen in Gebäuden wieder neues, glanzvolles Leben einzuhauchen. Er ließ auch die heute noch existierende St Laurentius Kapelle für seine Kurgäste errichten.

 

Joseph Zentner beschreibt 1827 in seinem Buch „Das Renchtal und seine Bäder“: Das Bad besteht aus drei Gebäuden. Das eigentliche Badgebäude steht südwestlich des Wirtschaftsgebäudes, mit welchem ein bedeckter Gang verbindet; freundliche Wohnzimmer und ein heiterer Speisesaal mit freier Aussicht laden ein. Der Tisch für die Billigkeit der Preise sei sehr gut bestellt. An Sonn- und Feiertagen war gewöhnlich Tanzmusik bestellt, die Gäste bis Oberkirch anzog.

 

Nachdem das Renchtal 1803 zum Großherzogtum Baden kam, wurde Bad Sulzbach wie die anderen Renchtäler Bäder stärker gefördert und von staatlicher Seite kontrolliert. Zu Beginn der Badezeit war die Aufgabe des Landesphysikus, die Badeanstalten zu visitieren und Mängel beheben lassen. Besonders hatte er zu achten, dass Nahrungsmittel einer der Kur anpassenden Auswahl getroffen wurde und reine Weine gehalten wurden. In der Zeit zwischen 1868 stieg die Zahl der Badegäste von 250 bis auf 500 jährlich.

 

Die Gästezahl reduzierte sich ab 1910, da der Besitzer des Bades Ludwig Börsig „die einer im Interesse der starken Konkurrenz notwendigen Modernisierung der Hoteleinrichtung und des Hotelbetriebes wenig Verständnis entgegenbrachte“. Damit wurde das langsame Ende des Bades eingeläutet. Denn 1919 wurde es an den „Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter“ verkauft. Nach dem 2. Weltkrieg zog die französische Armee ein. Nach der Freigabe brachte  die Gewerkschaft ÖTV wiederum die Mittel zur Sanierung der Gebäude auf. 1968 wurden die Gebäude abgerissen, denn ein Neubau sollte entstehen. Aber dazu kam es aus finanziellen Problemen der Gewerkschaft ÖTV leider nicht mehr.

 

Übrig blieben das Personalhaus, das heute im privaten Besitz ist, die Kapelle und die Heilquelle, die seit 1999 über einen Brunnen der Allgemeinheit zu Gute kommt.

St Laurentiuskapelle


 

Samstag, 24. September 2022

Was verbirgt sich hinter dem Kleinod der Hexenlochmühle?


Dreistegen, ein Gewann, das heute zu Furtwangen-Neukirch gehört, liegt am Zusammenfluss des Heubachs von Neukirch kommend, dem Glaserbach aus dem Gebiet St Märgen und bilden ab dann die Wilde Gutach. Sie fließt durch das Simonswäldertal ab.

 

Im Gewann Dreistegen liegt die Dreistegen-Mühle, heute Hexenlochmühle, genannt. Sie wurde 1825 in dem damals bewohnten Zinken nahe der Dreistegen-Wirtschaft als Nagelschmiede von Stefan Trenkle und drei Bauern aus der Umgebung gebaut. In der Nagelschmiede wurde der Schmiedehammer vom oberen alten Teil der Hexenlochmühle mit seinem Wasserrad angetrieben. Stefan Trenkle stellte damals handgeschmiedete Nägel her.

 

Im Schwarzwald stand die Uhrmacherei im 19. Jahrhundert in voller Blüte. So entschied der Sohn von Stefan Trenkle, Karl Friedrich, 1883 die Nagelschmiede um die Uhrengehäusemacherei zu erweitern. Dafür wurde an die Nagelschmiede mit seinem Wasserrad ein größeres Gebäude mit einem zweiten Mühlrad gebaut – das heutige untere Gebäude. Um die notwenige Wasserkraft für zwei Mühlräder zu sichern, wurde 200 m oberhalb der Mühle der Heubach zusätzlich gestaut, das Wasser über einen Kanal herangeführt. Damit konnte neben der Nagelschmiede mit dem zweiten Mühlrad eine Hochgang- und Kreissäge betrieben werden. Die Hochgangsäge von 1880 sägt bis heute Stämme bis zu einem Meter dick.

 

1839 übergibt Stefan Trenkle seinen Drittelanteil an seinen Sohn Karl Friedrich Trenkle. Dieser reichte seinen Anteil 1930 an seinen Sohn Stefan jun. weiter. Ab 1957 war dieser alleiniger Besitzer der Hexenlochmühle, da er Anteile von anderen Teilhabern übernehmen konnte.

 

1950 hatte Stefan Trenkle jun ein Wohnhaus gegenüber der Mühle gebaut. Hier konnten die Feriengäste Souvernirs erwerben, in der Werkstatt der Mühle konnten sie Uhrengehäuse bewundern.  Schon ein Jahr später machten die Feriengäste Stefan jun darauf aufmerksam, dass er doch gleich Uhren als Souvenir verkaufen solle. Am nächsten Tag kaufte er  bei einem Bekannten 20 Kuckucksuhren, diese waren schon nach Tagen verkauft. Amerikaner, Engländer, Franzosen und Norddeutsche interessieren sich mittlerweile für die Mühle und kaufen ihre Souvenirs von der Hexenlochühle. An sonnigen Tagen besuchen bis zu 200 Besucher diesen Ort.

 

Karl Friedrich Trenkle jun, der die Holzbildhauerei erlernt hatte, übernimmt 1987 die Hexenlochmühle. Infolge des Ansturms der Feriengäste baute er das frühere obere Gebäude – die frühere Nagelschmiede- zu einem Kiosk um. Besucher konnten jetzt Getränke und ein Vesper erwerben. Die Wand zur Sägemühle lässt er verglasen, so dass die Besucher aus sicherem Abstand die Hochgangsäge von 1880 mit ihrem ohrenbetäubenden Lärm arbeiten sehen können.

 

Die Söhne Benjamin und Pascal haben einmal den Uhrmacherberuf und zum anderen Koch erlernt. Damit waren die Voraussetzungen für eine Gastwirtschaft und einem erweitertem Schwarzwälder Souvernirhandel geschaffen, wobei das Äußere der Hexenlochmühle alles unverändert blieb. Im Untergeschoß der alten Nagelschmiede, in der später die Uhrengehäuse produziert wurden, ist ein Restaurant eingerichtet worden. Die Terrasse unterhalb der Säge hat ein beheiztes Zelt bekommen, um größere Veranstaltungen zu ermöglichen.



  

Freitag, 16. September 2022

Was verbirgt sich hinter den Viehhütten auf dem Feldberg?

Todtnauer Hütte 19. Jahrhundert
Die Feldbergweiden ziehen sich oberhalb der Baumgrenze über die Gipfel des Feldberges und seiner Flanken in der Höhe zwischen 1.200 und 1.500 m hin. Um weitere Weideflächen zu gewinnen, wurden an der Baumgrenze durch Abholzung die Weideflächen stets vergrößert. Sie sind auch heute noch Gemeinschaftsweiden, wobei die Menzenschwander, die Todtnauer und die Zastler Weide Gemeindeweiden sind, die Wilhelminer und Baldenweger Weide Genossenschaftsweiden sind. Um das Vieh, das ab der zweiten Maihälfte bis September über auf den Feldbergwiesen gehütet wurde, über Nacht und vor der großen Mittagshitze im Sommer zu schützen, baute man Unterstände als Viehhütten. In denen übernachteten auch die Herder –die Verantwortlichen der Viehhütte- und ihre Hirten.

Die seltenen Besucher des Feldberges fanden in den Viehhütten Unterkunft und Bewirtung. Erst 1841 begannen amtliche Stellen sich um den Wirtschaftsbetrieb auf den Hütten zu kümmern. Das Bezirksamt St Blasien hatte keine Einwände, dass der Hirte der Lenzkircher Hütte als Erfrischung der Besucher Wein ausschenke. Aber Tanzveranstaltungen, das war zu viel! Das gemeine Volk hätte das ganze Jahr über Gelegenheit zum Tanzen. Aber bis heute wird vom Almwirt der Hütte das Vieh gehütet und gleichzeitig bewirtet.

Auf dem Feldberg lagen oder liegen folgende Viehhütten: Menzenschwander Hütte (1220 m) unterhalb des Zeigers, ursprünglich lag sie am alten Weg vom Bärental. 1840 wurde eine Konzession von Menzenschwand beantragt, um die Kosten für die Viehhütte zu senken. Die Erlaubnis wurde aber nach vielen Schwierigkeiten 1899 erteilt, vor allem sollte dem Feldberger Hof keine Konkurrenz entstehen. Mittlerweile hieß die Menzenschwander Hütte „Jägermatt“ und wurde vom Wirt des Feldbergerhofs übernommen. 1923 brannte sie ab. In der Nähe wurde ein Hotel gleichen Namens gebaut. 1923 wurde von Menzenschwand am Zeiger bis heute ein neues Hirtenhaus gebaut, das auch vom Feldbergerhof übernommen wurde. Zastlerhütte (1261m) im Zastlerloch stammt von 1869 und gehört seit 1962 der Gemeinde Zastler. 1883 wurde sie abgerissen, neu und größer mit Wirtschaftsrecht aufgebaut. Nach einem Brand 1912 neu eingeweiht. Seit 1938 gibt es keinen Viehauftrieb mehr. 1942 wurde sie teilweise durch eine Lawine zerstört aber wieder neu hergerichtet. Lenzkircher Hütte (1296 m) 1591 erwähnt- Eigentum von Lenzkirch später Menzenschwand stand am Aufstieg vom Feldberger Hof zum Seebuck. 1900 wurde sie abgerissen. Baldenweger Hütte (1321 m) am Baldenweger Buck gehört zur Gemeinde Hinterzarten mit nebenstehender bewirtschafteter Wohnhütte seit 1941. 1757 wurde sie erwähnt, da sie zwei Längsstelle aufweist. Todtnauer Hütte (1321 m) stand 1537 ursprünglich am Seebuck, liegt jetzt am Fuß des Feldbergs. Die Hütte wurde 1774 vergrößert, 1902 abgebrannt und größer aufgebaut, 1931 abgebrannt und 1934 als geräumiges Gasthaus wieder aufgebaut. 1945 wurde die Laurentius Kapelle aus Dankbarkeit der Rückkehr des Sohnes aus dem Kriege gebaut. Am 10. August findet der Lorenzimarkt (10.8.) statt auf der Todtnauer Hütte mit einem Gottesdienst und der Segnung der Herden statt. Anschließend findet ein Hüttentreiben mit und auf den verschiedenen Hütten statt. St Wilhelminer Hütte (1378 m) von 1701 erwähnt mit bewirtschafteter Wohnhütte seit 1773. Sie dürfte neben der Baldenweger Hütte die älteste erhaltene Viehhütte am Feldberg sein.

Die ehemaligen Viehhütten gingen mit der Zeit: Waren es anfänglich zuerst reine Viehhüten mit den Herdern, wurden später die Wanderer verköstigt und auch einfache Schlafplätze angeboten. Mit Zunahme des Fremdenverkehrs machte die Viehhütten aus der Not eine Tugend, Bewirtung und Übernachtung wurden immer mehr den Anforderung eines modernen Fremdenverkehrs angepasst. Mit dem Wintersport ab den 50er Jahren kam für die meisten Hütten eine zweite Saison hinzu.