Freitag, 14. April 2023

Was verbirgt sich hinter der Aufhebung des Klosters St Blasien?

Fürstabt Rottler



Durch den plötzlichen Tod von Fürstabt Mauritius bei seinem Besuch im Kloster St Peter 1801 wurde Bertold Rottler zum neuen Fürstabt des Kloster St Blasien gewählt. Die Zeiten standen auf Sturm. Denn im Frieden von Lunéville wurde 1801 festgehalten, dass die deutschen Kleinstaaten für ihre linksrheinischen Gebietsverluste durch rechtsrheinischen Kirchenbesitz entschädigt werden sollten. Im Reichsdeputationshauptbeschluss von 1803 wurde die Säkularisierung der geistlichen Territorien festgeschrieben.

 

Zwar unternahmen die beiden Fürstäbte Rottler und Speckle von St Peter alles Erdenkliche, um die beiden Stifte zu erhalten. Aber nach anfänglichen Vertröstungen erfolgte durch Großherzog Karl Friedrich 1806 die definitive Auflösung der beiden Stifte „als mit den Einrichtungen des souveränen Großherzogtum unvereinbarlich“.

 

Baden zuvor kamen aber die Württemberger, die im Januar 1806 mit 80 Soldaten und 30 Berittenen im Namen des Königs von Württemberg das Kloster besetzten. Um ihre Besitzansprüche zu unterstreichen wurde überall die württembergischen Wappenschilder angebracht, die Klosterkasse verlangt und Fürstabt Rottler gezwungen ein Handgelübde auf den König von Württemberg abzugeben. Auch eine Abordnung der Malteser Komturei aus Heitersheim hatten Besitzansprüche anmelden wollen wurden aber durch die württembergische Kanonen vertrieben. Nach und nach sickerte aber die Ergebnisse des Pressburger Friedensschluss durch, dass die Klöster und österreichische Gebiete im Südschwarzwald dem Großherzogtum zufallen werden. Den Württemberger fiel es schwer, das schon Besetzte wieder zu verlassen und weigerten sich abzuziehen. Erst die Intervention des französischen Generals Monard bewirkte am 18. Februar 1806 den Abzug der württembergischen Soldaten. Die badischen Hoheitszeichen ersetzen die württembergischen.

 

In seiner Not wandte sich Fürstabt Rottler an den Erzherzog Ferdinand in Wien um Hilfe. Dieser versicherte auch, dass  Wien die Treue des Schwarzwaldklosters nicht vergesse und notfalls ein Unterkommen des Konventes im Lande schaffe.

 

Nachdem 1807 Joseph Albrecht von Ittner mit der Auflösung des Klosters beauftragt wurde, begann der Auszug von Fürstabt Rottler und dem Großteil der Mönche mit den restlichen Kunstschätzen, darunter das kostbare Adelheid-Kreuz sowie den Gebeinen von 14 hier begrabenen Habsburgern. Es ging zunächst ins Stift Spital am Pyhrn in Oberösterreich und schließlich 1807 ins Stift St Paul im Lavanttal in Kärnten.

 

Das große Vermögen, Grundbesitz, Unternehmen wie die Brauerei Rothaus, Hammerschmiede Kutterau und das Eisenwerk Albbruck fielen dem Großherzogtum zu. Dazu gehörten auch die Priorate und Propsteien in Berau, Bürgeln, Gurtweil, Krozingen, Mengen und Oberried. Allerdings  war es doch verwunderlich, dass kostbare Geräte und Gefäße nicht mehr auffindbar waren. Gelder wurden über die schweizerischen Besitzungen  nach Zürich rechtzeitig transferiert, unersetzliche Archivalien wurden über das Kloster Einsiedeln für St Paul gerettet. Auch eine dreibändige Gutenberg-Bibel aus 1560 fand ihren Weg nach St Paul und wurde an die Libary of Congress verkauft, um die vernachlässigte Stiftskirche wieder den alten barocken Glanz verleihen zu können.

Kloster St Blasien 1783


 


Freitag, 7. April 2023

Was verbirgt sich hinter der Schwarzwaldbahn?

Gerwig Denkmal Triberg

Für den badischen Großherzog war es von äußerster Wichtigkeit, einen Weg der Eisenbahn über den Schwarzwald zu finden,  um den Hegau und badischen Teil des Bodensees mit seinem übrigen Territorium zu verbinden. Gleichzeitig sollten die südbadischen Gemeinden im Schwarzwald erschlossen werden, denn sie waren bisher nur mit dem Pferdefuhrwerk zu erreichen. Die Eisenbahn war der Schlüssel für die Industrialisierung des Schwarzwalds.

 

Erste Planungen wurden in den 1840er Jahren gemacht. Aber die damals leistungsschwachen Lokomotiven forderten eine flache, technisch zu aufwändige und damit unbezahlbare Streckenführung. Die Überlegungen waren dann, mit der Schwarzwaldbahn einen Zubringer zur Gotthardbahn zu verbinden. Der Endpunkt sollte Waldshut sein mit Übergang über Koblenz in die Schweiz. Aber die geologischen Probleme der Wutachschlucht verhinderten dies. Stattdessen wurden in den Überlegungen der Kanton Schaffhausen weiträumig zu umfahren und Singen als Endpunkt festgelegt.

 

Es standen 3 Planungen zur Diskussion:

 

1.     Bregtallinie (Haslach – Prechtal – Furtwangen – Donaueschingen) Sie war die teuerste Variante und schied deswegen aus.

2.     Schiltachlinie (Haslach – Schiltach – Schramberg – Villingen) Sie hatte den größten Nachteil, sie musste württembergisches Gebiet überfahren. Der württembergische Uhrenstandort Schramberg wäre eine unliebsame Bevorzugung des badischen Uhrenstandorts Furtwangen gewesen.

3.     Sommeraulinie (Hausach – Triberg – Sommerau – Villingen) Der auf Sauerbeck zurückgehende betriebliche Nachteil waren 2 Spitzkehren.

 

Ingenieur Robert Gerwig mit der Planung betraut, begann 1865 mit dem Bau der Sommeraulinie. Die Strecken von Offenburg bis Hausach und von Engen bis Singen waren unproblematisch. Sehr schwierig war die 38 km lange Strecke von Hausach bis St Georgen, da 565 Höhenmeter überwunden werden musste. Gerwig verwendete 39 Tunnels mit insgesamt 10,686 km Länge, zwei großen Doppelschleifen, um nicht 2 % Steigung zu überschreiten und drei Kreiskehrtunnels. Eine Realisierung galt damals als unmöglich.

 

Die Trassierung wurde für den zweigleisigen Ausbau durchgeführt, obwohl sie anfänglich nur eingleisig fertiggestellt wurde. 1866 waren die Abschnitte Offenburg-Hausach und Engen bis Singen fertiggestellt, 1868 folgten Donaueschingen-Engen, 1869 Villingen-Donaueschingen und 1873 die gesamte Strecke mit 149 km. Erst 1921 war sie durchgehend zweigleisig befahrbar.

 

Die Trassierung und Linienführung machten die Schwarzwaldbahn zu den bekanntesten, doppelgleisigen Gebirgsbahnen. Denn von Hausach bis St Georgen müssen 14,8 m/km an Steigung überwunden werden. Die Orte liegen Luftlinie 21 km auseinander, die Bahnstrecke beträgt aber 38 km. In Hornberg musste ein 150 m langes und 28 m hohes Viadukt errichtet werden sowie zweimal musste die Wasserscheide überwunden werden.

 

Bremsenhersteller aus der ganzen Welt unterwerfen auch heute noch ihre Bremssysteme Leistungstests auf dieser Strecke. Legte im Eröffnungsjahr der Schnellzug die Strecke von Offenburg nach Singen in 4 Stunden 10 Minuten zurück, ist es heute unter 1 Stunde 45 Minuten. Die Schwarzwaldbahn ist in ihrer Gesamtheit ein Kulturdenkmal des Landes Baden-Württemberg.

Trasse bei Triberg


 
Schwere Dampflokomotive Triberg

Samstag, 1. April 2023

Was verbirgt sich hinter Schutt und Asche in Todtnau?


Um das Jahr 600 ließ sich ein Landsiedel namens Totto an der Gabelung der Wiese und des Schönenbachs mit seiner Sippe nieder. Die Nachbarn nannten es „Tötrnouua“, das heisst „Au des Totto“. 1114 kam das spätere Todtnau schenkungsweise an das Kloster St Blasien. Der Ertrag der Silbergruben kamen ihm sehr zustatten.

Todtnau wuchs und gedieh: Der Bergbau, das Spinn- und Webgewerbe, die Bürstenindustrie trugen dazu bei, dass Todtnau sich in dieser unwirtlichen, kargen Gegend unterhalb des Feldbergmassivs entwickeln konnte. Mitten in saftigen Wiesen, am Zusammenfluss des Schönenbachs und Wiese lag Todtnau um 1850 mit 1.300 Seelen und 141 aus Holz mit Schindeln gedeckten Häusern.

Im Juli 1876 brannte die Sonne auf die Schindeldächer, und ein scharfer Südwestwind lauerte außen im Tal. Da brach um die Mittagsstunde im oberen Dachraum der Emil Zieglerischen Papierfabrik vermutlich durch ein schadhaftes Kamin ein Feuer aus. Die Arbeiter waren in der Mittagspause im Garten und bemerkten den Brand zu spät. Das Fabrikgebäude war extra 400 m von der Innenstadt auf die grüne Wiese wegen der Feuersgefahr gebaut worden. Mit Hilfe der Todtnauer Feuerwehr versuchte man den fortgeschrittenen Brand unter Kontrolle zu bringen.

Aber der aufkommende unselige Südwestwind wirbelte brennende Lumpenfetzen und Papierschnitzel hoch, trug sie weiter und ließ sie in einem wahren Funkenregen auf die sonnendurchglühten Dächer niederfallen, die sofort lichterloh brannten. Rasend schnell verbreitet sich die Feuersbrunft über die Häuser, das kaum fertiggestellte Spital, das Rathaus, die Post und Apotheke, die Kirche mit 4 Glocken und Pfarrhaus mit unbarmherziger Rücksichtslosigkeit. Die Leute, welche dem Fabrikbrand zur Hilfe gerannt waren, mussten beim Zurückkommen zusehen, wie ihre eigenen Häuser in Flammen standen. Alles was vor den Flammen ins Freie gerettet werden konnte, verbrannte in der unausstehlichen Hitze. Nur das Vieh stand geschützt aber unruhig auf der Weide.

Der Feuersbrunst konnte nichts entgegengehalten werden. Erst am Nachmittag trafen aus dem ganzen Amtsbezirk die Feuerwehren mit ihren Löschmannschaften ein. Die Pumpen der Wehren von Menzenschwand, Bernau, Schopfheim, Fahrnau, Lörrach und St Blasien wurden langsam der Feuerwalze Herr. Am nächsten Morgen wurde das Ausmaß des Grauens aus den rauchenden Trümmerhaufen sichtbar. Der gesamte Stadtkern und das Oberdorf waren verloren, ein Trümmerfeld. Nur wenige Häuser im Hinterdorf und am Rande wurden verschont. 973 Bewohner waren obdach- und mittellos.

Noch in der Nacht setzte die Hilfe in dieser schrecklichen Not ein. Wer noch was hatte, teilte Essen, Kleider und Bettzeug. Hilfe und Unterkommen gab es in den Nachbarorten. Aus dem gesamten Großherzogtum, vom Militär kamen Hilfe, Geld und Sachspenden, so dass das erhaltene Schulhaus die Spenden kaum fassen konnten. Die geliehenen Marktbuden von Freiburg dienten als Unterkunft. Aus Basel, ja selbst aus Norddeutschland, Holland und England kamen Kleider, Geld und Lebensmittel.

Bald blühte neues Leben aus den Ruinen, 1877 wurde ein neuer Stadtplan für den Aufbau von Todtnau festgelegt. Eine Bauordnung legte fest, dass die Häuser durchgehend aus Stein ausgeführt und mit Ziegel oder Schiefer gedeckt sein müssen. Die Bauaufwendungen betrugen 1,5 Mio Mark, die Brandversicherung betrug aber nur 600.000 Mark. Für die Differenz übernahm die Gemeinde eine Hypothek und verpfändete einen Teil des Waldes. 1879 war alles soweit wieder aufgebaut, nur die Kirche erinnert in ihrem neuen dominierenden Platz an das unsägliche Unglück.

Todtnau 1875




Todtnau Ende 1876


                                                                                       

Freitag, 24. März 2023

Was verbirgt sich hinter den Wanderungen der Glashütten Im Schwarzwald?


Die frühen Glashütten ab dem 13. Jahrhundert hatten als Grundlage einen Vertrag über eine bestimmte Laufzeit zwischen einem Kloster oder der weltlichen Standesherrschaft zur Ausnutzung der unzugänglichen Waldgebiete. Es waren zumeist zwischen 5 bis 10 Glasbläser, die gemeinschaftlich eine Glashütte mit dem notwendigen Hilfspersonal betrieben aber zur Verkaufsseite selbstständig waren: Jeder hat für sich seine eigene Erzeugnisse geblasen  und verkaufte sie als Hausierer selber oder dem Glasträger. War das zugewiesene Waldstück kahl geschlagen, wurde die Glashütte im neu zugewiesenen Waldstück wiederum errichtet. Die Glasbläser genossen verschiedene Privilegien wie Steuerfreiheit, keine Fronarbeit oder Wehrdienst. Erst später wurden die Glashütten gemeinsam oder durch Einzelpersonen als Unternehmerglashütten betrieben.

Beispiel hierfür war die Gründung einer Glashütte des Klosters St Blasien 1597 im Muchenland, Althütte bis 1684, Wildbergtal bis1716 –alles Blasiwald. Dann der Sprung nach Äule am Schluchsee. 1807 nach der Säkularisierung  des Klosters kam der Übergang zum Großherzogtum Baden. 1825 übernahmen die Glasbläser von Äule die Hütte in einer eigenen Gesellschaft. 1878 wurde der Betrieb still gelegt.

Die Glashütte des Kloster St Peter, gegründet 1683 hatte verschiedene Standorte im Knobelwald, da die Laufzeit 50 Jahre betragen sollte. Nach 42 Jahren war aber der gesamte Holzvorrat aufgebraucht, so dass die Glasbläser ins Vorderösterreichische Bubenbach bei Bräunlingen vermittelt wurden. 1872 waren aber auch dort alle Holzvorräte aufgebraucht.

Die Fürstliche Fürstenbergische Rotwasserhütte wurde 1636 bis 1706 im Gebiet Altglashütten betrieben, von 1706 bis 1721 wurde sie nach Neuglashütten verlegt. Nachdem der Holzvorrat erschöpft war, bot die Fürstliche  Fürstenbergische Verwaltung den Glasmachern den Zinken Herzogenweiler für 50 Jahre. 1818 schlossen sich Glasbläser zu einer Unternehmerglashütte zusammen, aber das Aus kam 1855. Faller & Co aus Lenzkirch betrieb die Glashütte noch bis 1880.

1698 wollte der badische Markgraf Ludwig Wilhelm ebenfalls eine Glashütte haben und vereinbarte mit den Glasbläsern aus  dem Klostergebiet von St Blasien eine Glashütte auf dem Mittelberg im Nordschwarzwald als traditionelle Glashütte zu betreiben. Nach 60 Jahren waren die Holzvorräte aufgebraucht, eine weitere Wanderung der Glashütte war wegen der Murgtalschifferschaft nicht möglich. 1760 trat Anton Rinderschwender aus Gaggenau als Pächter an und erklärte sich bereit, das geschlagene und liegende Holz zu verfeuern. 1772 bekam er die markgräfliche Genehmigung, die Glashütte nach Gaggenau zu holen und betrieb sie als Unternehmerglashütte. 1869 ging die erfolgreiche Glashütte in Konkurs. Aber die Pfälzer Glasträgercompanie übernahm die Glashütte. 1910 war diese froh, das Gelände der Eisenwerke AG zu verkaufen.

1758 wurde die Glashütte Buhlbach, heute ein Ortsteil von Baiersbronn, gegründet und kam 1800 in den Besitz der Familie Böhringer. Der letzte Glasofen wurde 1909 gelöscht. Wegen der Abgeschiedenheit von Baiersbronn übernahm 1874 Mathäi Josef Böhringer die 1846 gegründete Glashütte in Wolterdingen. Aber diese wurde ebenfalls 1909 geschlossen.

Trotz Umstellung des Glasbetriebes von Pottasche auf Soda als Flussmittel und von Holz auf Kohlefeuerung waren die Glasbetriebe manche trotz Eisenbahnanschluss zu weit von den Kohlezechen und den Märkten abgelegen. Nur die Glashütte Achern, ein Ableger aus Buhlbach, überlebte erfolgreich und wurde 2012 aus strategischen Gründen von den Amerikanern geschlossen. Die Dorotheenhütte in Wolfach ist eine Nachkriegsgründung, um Glasbläser aus Schlesien zu beschäftigen.

Glasbläserin Dorotheenhütte Wolfach


Freitag, 17. März 2023

Was verbirgt sich hinter dem Orgelbauer Philipp Furtwängler?

Furtwängler mit L.Ebeling

Philipp Furtwängler (1800-1867) war das 3. Kind von 12 Kindern des Fruchthändlers und Bauers Bartholomäus Furtwängler und seiner Frau Helena Dold im Vogtsgrund von Gütenbach.

Schon früh lernte er bei seinem  ältesten Bruder Johann das Uhrmacherhandwerk und bald kam der Wunsch auf, raus aus dem engen Schwarzwald und in der Fremde sein Glück zu suchen. Das sonntägliche Gequietsche der Gütenbacher Orgel weckte in ihm als Uhrmacher das Interesse für die Orgel.

1820/21 verließ er Gütenbach, landete in Elze bei Hildesheim, kam bei einem Orgelbauer unter und erwarb dort das Bürgerrecht. Er baute dort seine Schwarzwälder Schottenuhren, die aber im Norden nur auf mäßige Gegenliebe stießen.

Um sesshaft zu werden, heiratete er 1828 Christine Heuer und trat mit der Hochzeit zum protestantischen Glauben über. Nach dem frühen Tod seiner Frau 1844 heiratete er eine Bekannte seiner Frau, Luise Ebeling.

Schon bald wurde ihm klar, dass es mit den Schwarzwälder Uhren keine Zukunftsperspektive gab. So verlegte er sich auf den Turmuhrbau, baute Uhren für  die hannoverischen Bahnhöfe und Kirchen. Alle Bahnhöfe zwischen Göttingen und Hannover sind mit seinen Uhren ausgestattet. 1823 wurde ihm die Wartung der St-Peter-und-Pauls-Kirche von Elze übertragen. Aber schon bald machte er sich einen Namen als Orgelbauer und belieferte anfänglich dörfliche Kirchengemeinden mit Orgeln. Aber nach und nach sprachen sich seine perfekten Arbeiten herum, denn er baute Orgeln in Münder, Buxtehude, Lüneburg, Soltau, Münster und Hannover. Sein Meisterwerk war aber die Orgel der St-Matthi-Kirche von Gronau 1860, die 1952 unter Denkmalschutz gestellt wurde.  1858 hatte er schon eine Orgel mit 26 Registern für seine Heimatgemeinde Gütenbach angefertigt, die beim Abriss der Kirche 1961 zerlegt wurde und heute in der Lutherkirche Baden-Baden Lichtental weiter gespielt wird. 1865 fertigte er auch für die Gütenbacher Kirche die Turmuhr an.

1863 gewann er in Hamburg einen Wettbewerb, bei dem alles was Rang und Namen im Orgelbau hatte, einen Entwurf zum Bau der Orgel abgab. 1864 hatte er neues Wohnhaus in Elze gebaut mit einer nebenstehenden Fabrik, denn er beschäftigte neben seinem Sohn Wilhelm bis zu 20 Mitarbeiter.

Nach seinem frühen Tode 1867 übernahmen seine Söhne Wilhelm und Pius die Firma und führten sie als „Philipp Furtwängler & Söhne“ weiter. Insgesamt wurden 220 Orgeln im Unternehmen gebaut, die selbst in Brasilien und Venezuela zu finden sind. Allerdings ist das Unternehmen mit dem Tode von Wilhelm 1883 erloschen.

Pius musste Zahlungsunfähigkeit anmelden und tat sich mit Adolf Hammer aus Herzberg zusammen und firmierte „P. Furtwängler & Hammer“ mit Sitz in Hannover. Auch nach dem Ausscheiden von Pius Furtwängler 1892 behielt das Unternehmen seinen Namen bis 1937. Noch heute firmiert das Unternehmen unter „Emil Hammer 1838“.


Freitag, 10. März 2023

Was verbirgt sich hinter den Römerstraßen des südlichen Schwarzwalds?

Römischer Meilenstein

Zur Sicherung ihrer Macht bauten die Römer im ganzen Land ein Straßennetz mit Stützpunkten auf. Bereits im Jahr 73/74 n Chr ließ Kaiser Vespasian in Folge eines Feldzugs des Gnaeus Pinarus Cornelius Clemens, eine Straße von Straßburg (Argentorate) nach Rottweil (Arae Flaviae) anlegen. Die befestigte Straße führte nach Offenburg-Gengenbach-Haslach-Wolfach Schiltach- Brandsteig-Waldmössingen. Heute ist bekannt, dass die Römer oft die vorhandenen Trassen und Siedlungsplätze der Kelten zurückgegriffen haben. An vielen Stellen im Kinzigtal belegen römische Fundstellen sowie Gräber die römische Anwesenheit. Sie zeigen neben der landwirtschaftlich orientierten Besiedlung sogar gewerbliche Tätigkeiten wie einen Ziegelbrennofen bei Gengenbach oder der römische Meilenstein von Offenburg, der 74 n Chr die Kinzigtalstraße erwähnt.

Gesichert ist, dass die Römerstraße durch das Kastell Offenburg führte, immer der Kinzig entlang, Vor Eulersbach bei Schiltach am unteren Hang des Gumpenbergs ansteigend über den Hohensteinfelsen, um die Engstelle der Kinzig zu vermeiden. Die Schiltach wurde in der Nähe ihrer Einmündung in die Kinzig in einer Furt durchschritten. Die Straße führte von Schiltach Richtung Schenkenzell an den unteren Berghängen in das vordere Kaibachtal hinauf auf den flachen Brandsteigpass. Dort befand sich eine Mansio- eine Straßenstation. Sie diente auf der beherrschenden Höhe, die Wegstelle zu sichern, bot den Reisenden Unterkunft und Verpflegung, war auch als Umspannstation für Pferde- und Wagenwechsel. Es wurde auch ein Votivstein der Göttin Abnoba, Göttin des Schwarzwaldes, gefunden.

Weiter ging es nach Waldmössingen zum Kastell.

Kastell Waldmössingen

Tatsächlich hat man die Reste von zwei sich ablösenden Militärlagern, von jeweils etwa 2 ha Innenflächen, nachweisen können und ausgegraben. Dem Steinkastell ging ein Holz-Erdlager an derselben Stelle voraus. Beim Steinlager waren an drei von vier Seiten Toreinfahrten. Neben den 4 Ecktürmen war die Mauer mit Zwischentürmen bewehrt. Spätestens mit Ausgabe des Limesgebietes rechts des Rheins und nördlich der Donau wurde auch Waldmössingen ca 260 n Chr verlassen.

In den letzten Jahren hat sich die Vermutung verdichtet, dass es auch südlich im Schwarzwald eine Römerstraße gegeben hat, die wohl zuvor aus der Eisenzeit stammte, von den Römern und bis ins frühe Mittelalter benutzt wurde. Hier war die Entfernung zur Durchquerung nur 100 km anstatt 160 km wie im Kinzigtal. Der nördliche Zweig führte durch das Glottertal, wo römische Fundstücke zu Tag kamen, über St Peter hinauf nach St Märgen. Auch hier wurden römische Münzen gefunden. Der südliche Zweig führte über Freiburg-Zartner Becken- wobei das keltische Tarodunon als römische Station ausgebaut war. Weiter ging es ins Dreisamtal-durch das Wagensteigtal hinauf. In diesem wurden nahe dem Metzgerbauernhof beim Aushub für Fundamente ein längeres Stück gepflasterte Straße entdeckt, das auf römische Befestigung schließen lässt. Am Thurnerpass vereinten sich  die beiden Zustiege und verliefen entlang der Wasserscheide –Hohler Graben, nördlich des heutigen Titisee-Neustadt weiter nach Osten Richtung Villingen oder südlich Richtung Bräunlingen und Hüfingen.

Thurnerstraße


Freitag, 3. März 2023

Was verbirgt sich hinter den beiden Klosterorten des Klosters St Georgen?

Kloster St Georgen

Das Kloster Hirsau, eines der einflussreichsten des Schwarzwalds, wurde 830 gegründet und erfuhr 1049 eine Wiedergründung. Was lag also näher, den Abt Wilhelm von Hirsau um Beistand für eine weitere Klostergründung zu gewinnen. Als erste Maßnahme setzte er als Ort der Klostergründung den „Scheitel Alemaniens“ dem heutigen St Georgen durch. Bei anderen Orten würde er die Mitarbeit verweigern.1084 erschienen die ersten Klosterbrüder von Hirsau und 1085 konnte die frisch errichtete Holzkapelle vom Konstanzer Bischof geweiht werden. Um den Start des Benediktinerklosters St Georgen zu garantieren, kamen die ersten Äbte ebenfalls aus Hirsau.

Das Kloster wuchs und gedieh erfolgreich und eine der wichtigsten Aufgaben war die Besiedlung des Mittleren Schwarzwalds. Das Kloster vergab Flächen an Bauern, die die Wälder rodeten, ihre Behausungen bauten, Landwirtschaft betrieben und dem Kloster gegenüber zinspflichtig oder Leibeigene waren.

Die Katastrophe brach über das Kloster herein, als an Weihnachten 1534 der herzogliche Befehl eröffnet wurde, alle katholische Pfarrer zu entfernen. Anstatt deren muss der Abt evangelische Prädikanten (Prediger) einsetzen. Im April wurde Hans Spreter als erster evangelischer Pfarrer nach St Georgen entsandt. Der katholische Abt verweigerte ihm die Kanzel und bat bei der Standesherrschaft um die Abberufung Spreters. Die Lage des Klosters verschärfte sich immer mehr: Auf der einen Seite der Abt, der das Evangelium vom Kloster fern halten wollte, auf der anderen Seite der württembergische Herzog, der das Evangelium im ganzen Land einführen wollte. Im Januar 1536 war es soweit, den Mönchen wurde vom württembergischen Vogt empfohlen, nach  dem Kloster Maulbronn zu gehen oder sich pensionieren zu lassen. Daraufhin wurden Kisten und Kasten aufgebrochen, aus der Kirche die Monstranz, Kelche und Messgewänder mitgenommen. Die Klosterpforte wurde hinter dem letzten abziehenden Mönch geschlossen. Diese zogen über Rottweil mit Hilfe des Erzhauses Österreich zu den St Georgenschen Besitzungen in Villingen. Das Kuriosum trat 1566 dann ein: Das Kloster St Georgen hatte zwei Äbte –einen evangelischen in St Georgen und einen katholischen in Villingen.

1633 wurde St. Georgen durch Villingen angegriffen, das Kloster fast ganz zerstört und nicht wieder aufgebaut. Die Klosterreste verfielen weiter. Nach dem großen Brand des Ortes 1865 wurde das verfallene Kloster als Steinbruch für den Wiederaufbau St Georgens verwendet.

Es gab an Stelle des zerstörten Klosters ein württembergisches Klosteramt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde St. Georgen im Jahre 1648 endgültig württembergisch. Bis 1704 residierten im Klosteramt St. Georgen evangelische Äbte.

Nachdem es nach dem 30jährigen Krieg 1648 keine Hoffnung auf eine Rückkehr der katholischen Äbte nach St Georgen mehr gab, wurde der Pfleghof in Villingen –ein Besitz des Klosters St Georgen- zum Kloster St Georg mit einem viergeschossigen Konventhaus mit Sakristei, Kapitelsaal, Refektorium und Bibliothek zwischen 1688 und 1725 erweitert. 1756 kam die barocke Klosterkirche mit einer Silbermannnorgel hinzu. Ab 1650 wurde ein Gymnasium aufgebaut, dem 1774 die Schule der Franziskaner angegliedert wurde und das die österreichischen Behörden 1777 zu einem auf das Universitätsstudium vorbereitenden Lyzeum aufwerteten.

1805/06 wurde Villingen anfangs Württemberg, dann aber Baden zugeschlagen; die neuen Herren hoben das Kloster St. Georg in Villingen sofort auf. Am Schluss beherbergte der Konvent immer noch gut zwei Dutzend Patres und einen Laienbruder. Sie wurden mit Pensionen oder mit Pfarrstellen abgefunden.

                                                         Kloster St Georg Villingen 1805