Freitag, 22. Juli 2022

Was verbirgt sich hinter der Bürgerwehr von Oberharmersbach?



Bürgerwehr Oberharmersbach 1934

Die Bürgerwehren sind militärähnliche Einrichtungen –auch Fahnen genannt, die aus der Waffenpflicht der Bürger, dem Landsturm oder der Landmiliz entstanden sind. Typisches Beispiel hierfür ist die Ankunft von Marie Antoinette auf ihrer Reise von Wien nach Paris am 4.5.1770 in Freiburg. Vor dem Martinstor trat zum Empfang die neu aufgestellte Bürgerwehr zur Begrüßung an. Damit hat Freiburg die älteste Bürgerwehr im Schwarzwald. Natürlich paradierte innerhalb der Stadtmauern das reguläre vorderösterreichische Militär.

 

So traten in Oberharmersbach zwar schon 1660 die Bürger zum Huldigungseid mit Gewehren an. Aber den waffentragenden Bürgern oblagen eigentlich die Begrüßung von honorigen Gästen mit entsprechendem Aufmarsch. So wurde am 13.1.1777 der Gengenbacher Abt zur Amtseinführung des neu gewählten Vogtes empfangen. Dies wird als Geburtsstunde der Oberharmersbacher Bürgerwehr und damit als der zweitältesten im Schwarzwald angesehen.

 

Ansonsten marschierten die Bürgerwehrmänner an Prozessionen wie Fronleichnam mit ihren Gewehren mit. Aber schon gleich mit der Auflösung der Reichsfreiheit des Harmersbachtales 1806  und der Trennung des Tales 1812 in Unter- und Oberharmersbach fand bei der Bürgerwehr auch eine Unterbrechung statt. 1830 fand dann eine Neugründung statt, da es in Zukunft Bürgerwehren von Unter- und Oberharmersbach gab.

 

Im Nachgang der Revolution 1848/49 fand die Obrigkeit, dass Waffen und Säbel nicht in die Hände der Bürger gehörten und entwaffnete 1849 die Bürgerwehren. Erst 1862 durften die Bürgerwehr wieder bei besonderen Anlässen Waffen tragen. Dazu gehörten kirchliche Feiertage und die Geburtstage von Großherzog und Kaiser.

 

Die Gründung des Deutschen Reiches 1870/71 brachte auch eine Militarisierung für damalige Bürgerwehr. Ab 1874 mussten die Mitglieder „in Ehren im deutschen Heer“ gedient haben. Die Mitglieder erhielten militärische Ränge. Aus der Bürgerwehr wurde der Militär-Verein.

 

Nach dem 1. Weltkrieg wurde aus dem Militär-Verein wieder die freiwillige Bürgerwehr. Die Trachtenkapelle von Oberharmersbach wurde als Miliz- und Trachtenkapelle bei Veranstaltungen integriert. Der Neustart nach dem 2. Weltkrieg war dagegen viel schwieriger. Die französische Armee zog auch alle alten Vorderladergewehre ein und vernichtete sie.

 

Erst 1949 kam es wieder zur Neugründung der Bürgerwehr und ab 1952 konnten nach und nach wieder die alten Vorderladergewehre als Nachbildung beschafft werden. Die Bürgersoldaten tragen die Gewehre mit aufgepflanztem Bajonett und die Offiziere die Degen. Und ab nun präsentiert sich der Verein seit 1975 als historische Bürgerwehr.

 

Trommler und Pfeifer haben seit jeher die Bürgerwehr bei ihren Auftritten begleitet. Anlässlich der Wiedergründung 1949 wurde spontan ein Spielmannszug in die Bürgerwehr integriert. 1963 kam ein Fanfarenzug hinzu, denn man hatte zufällig Fanfaren auf dem Rathausspeicher gefunden. Der Spielmanns- und Fanfarenzug marschieren bei den Umzügen grundsätzlich vorne weg.

Bürgerwehr Oberharmersbach Appell


Freitag, 15. Juli 2022

Was verbirgt sich hinter dem Pfarrdorf, das zur Kurstadt wurde?

Herrenalb  1900

Bad Herrenalb mit seinen Mineral- und Thermalquellen liegt am Ende des Albtales hat mit seinen Eingemeindungen 7.300 Einwohner und gehört verwaltungsmäßig zum Kreis Calw.

 

1148 kam nach einem Kreuzzug Graf Berthold III von Eberstein wohlbehalten zurück und stiftete aus Dankbarkeit und um seines Seelenheiles Willen im hinteren Albtal das Zisterzienserkloster Herrenalb. Zu Anfang müssen es mindestens 12 Mönche und ein im Mutterkloster –hier Neuburg im Elsaß- gewählter Abt gemäß den Vorschriften gewesen sein. Ebenso mussten die Mönche ihr Kloster ohne fremde Hilfe, also nur mit ihren Laienbrüdern, selber bauen. Im Winter gab es zwei, im Sommer nur eine armselige Mahlzeit, alle Arbeiten mussten selber verrichtet werden, um 2 Uhr morgens begab man sich zum ersten der sieben Gottesdienste und für alle Mönche galt Schweigepflicht.

 

Durch den Fleiß und die billige Arbeitskraft kamen die Klöster schnell zu Reichtum und Macht. Schon im 13. und Anfang des 15. Jahrhunderts konnten zahlreiche Grundstücke, Höfe ja ganze Dörfer gekauft werden. Ende des 15. Jahrhunderts waren dies 42 Weiler und Dörfer mit etwa 300 bis 340 km².

 

Die Bauernkriege 1524/25 führten auch im Kloster Herrenalb und in ihren Besitzungen zu schweren Plünderungen und Zerstörungen. Ein noch härterer und schwerer Schlag war jedoch die Einführung der Reformation 1535 durch Herzog Ulrich. Mit der vorläufigen Aufhebung des Klosters wurde Herrenalb 40 Jahre lang eine evangelische Klosterschule. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Kloster Herrenalb 1643 von einem französisch-weimarischen Heer zerstört. 1645 wurde das Kloster endgültig aufgehoben.

 

Im Bann des Klosters hatten sich einige wenige Handwerker, Händler und Taglöhner angesiedelt, so dass die seit 1738 bestehende  Pfarrgemeinde 1791 eine politische Gemeinde wurde. Allerdings war dies ein „Verein besitzloser Klosterinsassen“, wie ein Zeitgenosse feststellte.

 

Einen Segen für die Entwicklung von Herrenalb war Siegmund Hahn (1664-1742), der das „einfache, kalte Wasser in den Mittelpunkt seiner reizphysiologischen Untersuchungen und Therapievorschläge machte. Mit Dr Weiß, dem großen Förderer, wurde 1840 die Kaltwasserheilanstalt in Herrenalb gegründet. Im Laufe der Jahre gelang es, sich mühsam aber zäh sich zwischen den Bädern Wildbad und Baden-Baden mit Kaltwasser und der reinen Luft einen Namen zu machen und den Bewohnern ein gesichertes Einkommen zu schaffen. 1880 wurden schon 2.000 Wasser- und Luftkurgäste beherbergt. Wenn auch zögerlich kam mit der Zeit der Adel und Hochadel zum 1891 gebauten Kurhaus und flanierte 1900 im angelegten Kurpark, denn die 1898 fertiggestellte Albtalbahn schloss Herrenalb an die große Welt an.

 

Mit dem 1921 erbohrten Tafelwasser und dem Titel „Heilklimatischer Kurort“ 1954 gab man sich aber nicht zufrieden. Was fehlte war Thermalwasser, um in der Liga der Bäder mit zu spielen. Aber dann nach mehreren Versuchen wurde 1964 auf der Schweizerwiese endlich Thermalwasser mit einer Temperatur von 35° gefunden. Da war es nicht mehr weit zum Bau der „Siebentäler Therme“ 1969/70 und folgerichtig wurde Herrenalb 1971 zur Führen des Titels „Bad“ berechtigt.

Ruine der Vorhalle des Klosters





Grabmal Bernhard von Baden 1364-1431

 

Freitag, 8. Juli 2022

Was verbirgt sich hinter der Waldgenossenschaft Langenbach-Übelbach?


Seit uralten Zeiten –vermutlich seit dem 13. Jahrhundert- hat sich ein gemeinschaftlicher Wald erhalten, der den „armen Leuten“ gehört. Die „armen Leute“ sind heute noch die Mitglieder der Waldgenossenschaft Langen-Übelbach der ehemaligen  Stabsgemeinde Kinzigtal, heute ein Ortsteil von Wolfach im Kinzigtal. Der Genossenschaftswald liegt im Hinteren Heubach und dehnt sich vom Stirnle über den Lachenkopf bis Hinteren Hals aus.

 

Der Ursprung der Waldgenossenschaft ist unbekannt und liegt im Bereich einer Sage: Eine Gräfin von Hohengeroldseck war auf dem Weg zum Kloster nach Wittichen und wurde von einem heftigen Unwetter in den unwegsamen Wäldern überrascht. In ihrer großen Not fand sie bei einem Langenbacher  Köhler Unterschlupf, der die Herrin in seiner Hütte gepflegt und behütet hat. Die Gräfin sei mit einem späteren hochgeachteten Spross der Geroldsecker Familie in Hoffnung gewesen und habe in der Köhlerhütte ein Kind geboren. Als Dank für die Fürsorge habe die Gräfin den „armen Leuten“ obigen Wald geschenkt.

 

Es gibt keine gesicherten Belege dafür, wie die Waldgenossenschaft und wann sie entstand. Es gibt zwei frühe Hinweise: An der Einmündung des Wildschapbachtales auf Schloß Romberg lebte die Hohengeroldsecker Frau von Ochsenstein. Sie verbot den Bauern über ihre herrschaftlichen Güter bei St Roman in ihre Allmend zu fahren. Auf Beschwerde der Allmend Bauern bei der Gräfin von Fürstenberg in Wolfach wegen der Behinderung, verfügte diese, die Sperre der Durchfahrt auf der Wolf und dem Talweg von Schapbach nach Wolfach. Schnell war Frau von Ochsenstein bereit, klein beizugeben. Um 1400 wurden die gegenseitigen Sperren aufgehoben.

 

Um 1430 brannte dem fürstenbergischen Bauern Hans Mayer im Tiefenbach bei Oberwolfach der Hof ab. Er wandte sich an die Gräfin von Fürstenberg zu Wolfach mit der Bitte, das notwendige Holz für den Wiederaubau im Lagenbacher Allmend schlagen zu dürfen, was auch geschah. Umgehend beschwerten sich die Langenbacher Bauern bei ihrer Landesherrin, dass nur Ihnen nach „altem Herkommen“ allein die Nutzung der Allmend zustehe und niemand sonst. Diese zog ihre gegebene Genehmigung zurück und bestätigte ihre alten Rechte. Auch kein Hohengeroldsecker widersprach.

 

Als frühester Nachweis gilt ein Endurteil aus dem Jahre 1487, das noch heute aufbewahrt wird. In diesem haben der Schultheiß und die 12 Geschworenen des Gerichts  der Stadt Schiltach entschieden, dass der Wald im Hinteren Heubach der rechtmäßige Besitz der „armen Leute“ sei. Geklagt hatte der edel- und wohlgeborenen Herr Gangolf, Herr zu Hohengeroldseck und Schenkenzell, gegen die „armen Leute“, die seinen Wald im Hinteren Heubach seinem Besitz entzogen hätten. Das Gericht kam zur Überzeugung durch Befragung mehrerer alten Leute darunter ein Hundertjähriger, dass schon seit ihren Kindesbeinen niemand etwas bekannt gewesen sei, als dass die Langen- und Übelbacher Waldeigner und Waldgenossen gewesen seien.

 

Als in den 1830er Jahren die alten Feudalrechte am Grundbesitz wie Drittel, Fall oder Zehnten aufgehoben wurden, glaubte die Gemeinde Kinzigtal, sie könnte die Allmend als Gemeindewald an sich ziehen. Aber auch hier prallten die Forderungen an den „alten Rechten“ ab.

 

Mitglied der Waldgenossenschaft ist, wer mit eigenem Wohnhaus in den beiden Tälern Langen- und Übelbach ansässig ist. Geändert hat sich nur, dass es heutzutage gleichgültig sei ob Mann oder Frau.


Die Waldgenossenschaft  umfasst 124 ha Wald und besteht heute aus über 42 Anteilen, die sich einmal im Jahr zur Abrechnung und Rechenschaftsbericht zusammenfinden. Der Überschuss wird bis zum heutigen Tag bei dieser Versammlung in bar an die Waldgenossen ausgezahlt.

Wallfahrtskirche St Roman (Kinzigtal-Wolfach)


Freitag, 1. Juli 2022

Was verbirgt sich hinter dem ehemaligen Furtwanger Hippenseppenhof?


Das Benediktinerkloster St Georgen trieb ab dem 12. Jahrhundert die Besiedlung des Schwarzwaldes voran. Die Wälder wurden gerodet, Lehensbauern, die leibeigen und zinspflichtig dem Kloster gegenüber waren, wurden angesiedelt. So entstanden auch im Katzensteig, einem langgetreckten Tal bei Furtwangen, die sogenannten Erbhöfe.

 

So wurde um 1440 der heutige Hippenseppenhof erwähnt, der als älteres Heidenhaus wahrscheinlich auf der gegenüberliegenden Winterseite gebaut worden war: Wohnteil zum Berg, Stallseite zum Bach, wegen den rauen Wetterbedingungen das mit Schindeln bedeckte Eindach auf der Wetterseite ganz herunter gezogen. Das Kloster verlangte, dass die Höfe ab Ende des 15. Jahrhunderts zusammengelegt werden sollten, um mit größeren Höfen ein vernünftiges Wirtschaften zu ermöglichen. Die Bewohner waren ja Leibeigene.

 

So wurde der Hippenseppenhof auf der Sommerseite im Katzensteig als neueres Heidenhaus gebaut: Das Haus wurde „gedreht“, damit von zwei Seiten Licht einfallen kann, rückte die Stube und Küche an zwei Außenwände. „Hus“ und Stall schauten quer zum Tal. Der Hof ist ein Firstständerbau – die tragenden Ständer reichen vom Boden bis unter den First. Am höchsten Ständer ist ein mumifizierter Ochsenschädel angenagelt,  der den Hof gegen Blitz und Unglück schützen sollte. Es war traditionsgemäß der Ochs, der das Holz zum Bauplatz gezogen hatte.

 


Der Heidenhof ist ein durchdachtes Wärme- und Isoliersystem. Über der Stube und Küche befinden sich im Obergeschoss die Kammern. Über diesen ist als Isolierung Heu gelagert. Der Stall lag immer zur Wetterseite, um den rauen Wind abzuwehren. Über dem Stall waren die Kammern der Knechte und Mägde. Durch die Ritzen der Bretter des Fußbodens konnte das Vieh beobachtet werden. Die Stallluft  wirkte wie eine Fußbodenheizung. In der guten Stube stand der große Kachelofen, die Kunst, der von der Küche aus befeuert wurde.

 

Die Familie Beha bewirtschaftete 6 Generationen von 1480 bis 1660 den Hof. Durch die Heirat der Tochter Barbara in das Geschlecht der Fehrenbach wurden es  2 weitere Generationen bis 1744. Der 23. Besitzer des Hofs, Mathias Pfaff, starb 1845. Der Hof ging dann in staatlichen Besitz über. Der Namen des Hippenseppenhof stammt von Joseph Fehrenbach, 1749-1759 der vom Hippenhof im Schützenbach kam.

 

Durch die staatliche Verpachtung blieb der Hof ohne die üblichen Umbauten und war aus früherer Zeit erhalten. 1965 wurde der Hippenseppenhof abgebaut und ein Jahr später originalgetreu im Freilichtmuseum „Vogtsbauernhof“ in Gutach wieder aufgebaut. So findet sich in der Rauchküche noch der Tischherd, an der Wand im Herrgottswinkel sind Hinterglasmalereien zu sehen, daneben ist der Löffelriemen angebracht, an dem die Löffel hingen, die man zum Essen brauchte. Der Rauch des Feuers in der Küche zog durch die darüber liegende Rauchkammer mit Speck, Würsten und Dörrobst und strömte durch das ganze Haus. Der Hof insgesamt ist ein Spiegelbild des früheren bäuerlichen Lebens.

 

Im Museum sind die ganze Konstruktion und Details zu sehen. Selbst die Ritzzeichen auf der Wand der Dreschtenne, darunter der Halleysche Komet, der 1607 am Himmel auftauchte und den Menschen als Vorbote eines kommenden Unheils galt.

Stube Hippenseppenhof




Kunst (Kachelofen) Hippenseppenhof

 

Samstag, 25. Juni 2022

Was verbirgt sich hinter dem Fürstbischofssitz Ettenheim?

Ettenheim 1849

Das Erzbistum Straßburg wurde schon 343 n. Chr. erwähnt und umfasste das Oberelsaß und die Ortenau. Staufer Kaiser Friedrich II hat mit seinen Erlassen 1220 und 1232 die Rechte der geistlichen und weltlichen Großen erheblich erweitert und die Entstehung der Territorialhoheit entstehen lassen. Das Erzbistum Straßburg wurde nach und nach zum Hochstift Straßburg, der Bischof zum Fürstbischof und geriet im 17. Jahrhundert immer mehr unter französischen Einfluss.

 

Von 1704 bis 1790 residierten vier Fürstbischöfe aus dem Geschlecht der Rohan in Straßburg. Sie erhielten für die rechtsrheinischen Besitzungen die Rechte eines deutschen Reichsfürsten. Sie waren somit Untertanen des französischen Königs und des deutschen Kaisers. Der letzte der Fürstbischöfe war Ludwig Renatus Eduard Prinz von Rohan-Guémenée. Er ließ sich das Schloss Zabern und das Palais Rohan in Straßburg neu aufbauen und führte dort ein fürstliches Leben mit allen weltlichen Genüssen. Er war auch der Initiator der „Halsbandaffäre“, jenes phänomenalen Diamantencolliers, das der Königin Marie Antoinette zum Verhängnis wurde.

 

Am 14. Juli 1789 wurde in Paris die Bastille gestürmt, drei Tage später griff auch die Revolution auf Straßburg über. Über Zabern floh der Fürstbischof 1790 in seine rechtsrheinische Besitzungen, da er den Eid auf die Zivilverfassung verweigerte. Zu seinen Besitzungen gehörten die Städte Ettenheim, Oberkirch und Oppenau. Nachdem er selbst im Kloster Ettenheimmünster und sein Domkapitel im Kloster Allerheiligen untergebracht waren, wählte er Ettenheim zu seinem Wohnsitz und richtete im fürstbischöflichen Amtshaus seine Residenz ein. Die französische Nationalversammlung hatte 1791 alle linksrheinischen Besitzungen eingezogen und den Titel als Bischof von Straßburg entzogen. Geblieben war ihm der Titel eines Reichsfürsten und Kardinal seiner rechtsrheinischen Besitzungen wegen.

 

In kürzester Zeit entwickelte sich in dem idyllischen Städtchen Ettenheim ein buntes Leben und Gewimmel von Emigranten, eidverweigernder Priester aus dem Elsaß, vertriebenen elsässischen Adligen und übergetretenen Soldaten königlicher Regimenter. Daraus versuchte der Kardinal eine Armee zu formen, um so eine Gegenrevolution in Frankreich zu starten. Aber immer wenn französische Truppen den Rhein überquerten, um französische Interessen durchzusetzen, musste der Fürstbischof sich auf die Flucht begeben. So auch 1796 als er bis Regensburg vor General Moreau flüchten musste.

 

1802 musste der Kardinal  Rohan die weltliche Besitzungen an den badischen Markgrafen abtreten. Wenige Tage vor Eintritt der Säkularisierung 1803 des kirchlichen Besitzes im Deutschen Reich verstarb er am 16. Februar und wurde nicht in Straßburg sondern in der Pfarrkirche Ettenheim beigesetzt.

 

Nach der Säkularisierung hielten sich in Ettenheim noch viele Flüchtlinge auf. Unter ihnen auch 1801 der geflüchtete Duc d’Enghien als Erbprinz der königlichen Hochadelsfamilie der Condés. Er war verbunden mit Prinzessin Charlotte, einer Nichte des Kardinals Rohan und führte ein unpolitisches Leben. Napoleon verdächtigte in missverständlich eines Komplotts und ließ ihn in einem Kommandounternehmen französischer Dragoner und Gendarmerie mit seiner Begleitung nach Frankreich entführen. Geblieben ist die Anekdote, dass sein treuer Hund, Mohiloff, trotz seiner Verhaftung ihm über den Rhein bis Paris folgte und nach dem Todesurteil an seinem Grab wachte. Die Empörung über den Bruch des Völkerrechtes und den Justizmord war einhellig aber wirkungslos.


Erschießung von Duc Enghien in Paris 1804



Freitag, 17. Juni 2022

Was verbirgt sich hinter den Glashütten im Schwarzwald?




Seit über 800 Jahren wird auf dem Schwarzwald Glas geblasen. Dies war zu Beginn hauptsächlich den Klöstern zu verdanken. In einer Basler Urkunde wird der Weiler Glashütten 1257 in der Gemeinde Altenschwand bei Rickenbach erstmals erwähnt, 1303 folgt die Glashütte in Bergalingen heute ebenfalls ein Ortsteil von Rickenbach. 1296 wird Glashütte, das heute zu Bonndorf gehört, erwähnt, 1316 die „alte Glashütte“ bei Lenzkirch, 1424 hatte das Kloster St Blasien im Albtal und 1480 im Bernauer-Tal Glashütten gegründet. 1426 wurde der Zinken Glashöfe vom Kloster St Blasien nordwestlich von Waldau betrieben  und 1343 wird eine Glashütte auf dem Schöllhorn bei Freudenstadt erwähnt sowie 1425 in Moosbronn. Bezeichnungen wie Glasberg, Glashof oder Glashausen sind im Schwarzwald überall zu finden und weisen auf die Glasbläserei hin.

Unzugängliche Wälder, die sich nicht zum Flößen eigneten, gab es genügend im Schwarzwald. War noch ein Bächlein vorhanden und Quarzsand in der Nähe zu finden, eignete sich diese Stelle zum Bau einer Glashütte. Diese hinterließen gerodetes Land, das sich zum Ansiedeln von Bauern eignete.

Grundstoff für die Glasherstellung ist die Kieselsäure, die in Form von Quarzsand auftritt. Problem war nur der hohe Schmelzpunkt von 1500° C, der  durch Zugabe eines Flussmittels als Pottasche (Kaliumkarbonat) oder später nach seiner Erfindung als Soda (Natriumkarbonat) die Glasblase auf 850° C heruntergesetzt hatte. Häufig war Eisenoxyd im Quarzsand, der zur Grünfärbung des Glases führte (Waldglas).

 

Außer dem Naturprodukt Quarzsand und Pottasche ist Holz in großen Mengen Voraussetzung für die Glasherstellung. Für ein Kilo Glas verbrauchten die Glasbläsereien 2 cbm Holz. Der Schmelzvorgang benötigte die Glasbläser nur 3 % des Holzverbrauches. Die restlichen 97 % wurden für die Gewinnung der Pottasche benötigt. Das begehrte Salz wurde durch Auslaugung der Asche und anschließendes Eindämpfen gewonnen. Holz wurde nur deswegen verbrannt, um die Asche zu gewinnen. Einige Meister konnten in wenigen Jahren gewaltige Holzflächen kahlschlagen.

 

Die Glashütten waren  meist genossenschaftlich organsiert. Die Klöster oder die  weltliche Standesherrschaft hatten mit 5 bis 10 Glasbläsern und deren Familien zeitlich befristete Verträge abgeschlossen. Die Glasbläser beschäftigten jeweils wiederum Holzfäller, Fuhrleute, Heizer und Pottaschesieder. Die fertigen Produkte verkaufte jeder Glasbläser separat, so dass diese in einem Konkurrenzkampf sich befanden. Die Glashütte bezahlte für das Holz einen Hüttenzins und musste zumindest bei den Klöstern Naturalprodukte wie Glasscheiben, Gläser oder Kelche abliefern. Die Familien durften zumeist eine bescheidene Landwirtschaft betreiben. War das Holz aufgebraucht, wurde die Glashütte versetzt, die Glasbläserfamilien zogen weiter zu einer anderen Glashütte oder siedelten auf den gerodeten Flächen. Deswegen tauchten immer wieder die gleichen Familiennamen wie Sigwarth, Greiner oder Maler auf. Es war billiger die Glashütte zu versetzen, als die Holzmengen über eine größere Entfernung zu transportieren.

 

Der Vertrieb der Glaswaren erfolgte durch Glasträger, die als Hausierer mit Rückenkörben -  „Krätzen“- die Ware von Haus zu Haus anboten. Die Glasträger arbeiteten anfänglich in Abhängigkeit von den Glasmeistern, die sie aussuchten und den Holzfällern gleichstellten. Aber später kehrte sich das Verhältnis um, denn die Glasträger organisierten sich in Glasträgergesellschaften und suchten sich die Glashütten aus. Einzelne Glasträgergesellschaften übernahmen sogar Glashütten.

Das Ende der Glashütten war der zu Ende gehende Holzvorrat, die späte Umstellung auf Soda und die Umstellung der Holzfeuerung auf Kohle. Die Glashütten lagen zumeist in abgelegenen Gegenden, ein Eisenbahnanschluss zum Transport der Kohle oder der Abtransport der fertigen Ware war nicht möglich.

 

Die Glashütte Buhlbach wurde deswegen mit Erfolg von Buhlbach nach Achern verlegt und ist 2012 aus strategischen Gründen vom amerikanischen Konzern geschlossen worden. Ansonsten gibt es Schauglashütten in Alpirsbach, Todtmoos, Ballrechten-Dottingen und Altglashütten. Die Dorotheenhütte in Wolfach ist eine Neugründung nach dem 2. Weltkrieg, um Glasbläser aus Schlesien zu beschäftigen.

                                              Schnapsbuddel in Tierform Museum Triberg



Glasbläser am Ofen Drotheenhütte Wolfach



 


 

Freitag, 3. Juni 2022

Was verbirgt sich hinter dem ehemaligen Kurhaus Ruhestein?

 

Anna Ludwig Klumpp

Der Sattel an der Schwarzwaldhochstraße zwischen Ottenhöfen und Baiersbronn hieß ursprünglich „Ruhstein“. Auf ihm liegt ein tonnenschwerer Findling, auf dem die Händler ihre Warenkörbe abstellten bevor es abwärts ihrem Bestimmungsort entgegen ging.

 

1864 wurde der vielbenutzte Saumpfad zwischen Ottenhöfen und Baiersbronn zur Straße ausgebaut. Da errichtete Michael Glaser aus Baiersbronn, der mehrere Jahre in den USA gelebt hatte, eine Waldschenke. Aber schon 1869 konnte das Ehepaar Ludwig und Anna Klumpp geb. Nübel vom Waldhorn auf dem Kniebis für 7000 Gulden die Waldschenke erwerben.

 

Nun begann für die neuen Besitzer viel Arbeit. Wald wurde abgeholzt und eine Wiese angelegt, um Vieh halten zu können. Dank der neuen Straße nahm der Verkehr zu. Nahezu täglich fuhren die Lastwagen von der Flaschenfabrik Böhringer in Bulbach zur Flaschenfabrik nach Achern. Es zeigten sich auch die ersten Wanderer und nach einigen Jahren waren die ersten Übernachtungsgäste mit Professor Euting aus Straßburg zu Gast. Dieser machte den Ruhestein in seinen Kreisen bekannt und ermunterte gleichzeitig den Wirt, einen zweigeschossigen Anbau zu machen. So wurde das Anwesen wie auch die Familie jedes Jahr vergrößert, so dass schließlich 13 Kinder den Ruhestein bevölkerten.

 

1890 konnte erstmals der prächtige Winter touristisch genutzt werden. Es wurden vorwiegend Schneewanderungen durchgeführt. Da waren die vielen Kinder ein Segen für das Haus, denn mit zunehmendem Fremdenverkehr wurden viele fleißige Hände gebraucht. Vier Jahre später tauchten die ersten Schneeschuhe auf. Und ein Jahr später wurde der erste Ski-Club-Schwarzwald gegründet. 1897 fand das erste Rennen vom Ruhestein aus statt. 1901 verstarb Ludwig Klump völlig unerwartet.

 

Aber seine tüchtige Frau Anna führte das Haus weiter wie auch die stetigen Erweiterungen des Ruhesteins und Ausbesserungen. 1907 errichtete die Familie Klumpp unterhalb des Vogelkopfes die erste Sprungschanze und führte auf ihr die ersten Wettkämpfe statt.

 

1909 übernahmen die beiden Söhne Karl als Koch und Fritz als Hotelfachmann  das Hotel, firmierten unter Gebrüder Klumpp und trieben den Ausbau des Hotels voran. Gleich zum Kriegsbeginn 1914 wurde das Hotel zum Militärgenesungsheim umgewandelt. Karl als wichtige Stütze des Hotels verstarb in Belgien. Fritz gelang gleich nach dem Kriege das Hotel seiner eigentlichen Bestimmung wieder zu zuführen. 1939 stand das Hotel mit 140 Betten in seiner Blüte, als Kurhaus hatte es im ganzen Reich einen vorzüglichen Ruf.

 

Aber der Zweite Weltkrieg brachte wieder neues Leid über die Familie Klumpp und dem Kurhaus Ruhestein. Drei Söhne von vier fielen im Felde, 1942 wurde die Hotelanlage zur Kinderlandverschickung umfunktioniert. Nach dem Krieg wurde die Hotelanlage von der französischen Armee beschlagnahmt. 1949 nach der Freigabe war das Anwesen völlig heruntergewirtschaftet.

 

Junior Fritz Klumpp versuchte mit seinem Vater nach der Freigabe des Hotels wieder an alte Zeiten anzuknüpfen. Die Erneuerung des Ostflügels der Hotelanlage konnte nur begrenzt an die alten Erfolge anknüpfen. Auch die Eröffnung der Grenzschänke für junge Leute zum Après-Ski und eine Skischule brachte nicht den durschlagenden Erfolg. 1970 konnte die Familie Klumpp die Hotelanlage an die Baugesellschaft „Neue Heimat“ verkaufen. Nach 102 Jahren war damit dieses Kapitel geschlossen. Die „Neue Heimat“ ließ die Hotelanlageabreißen und wollte eine Hotelanlage mit 318 Betten bauen. Nach finanziellen Turbulenzen wurde das Projekt der "Neuen Heimat“ beerdigt. In der  damaligen Villa Klumpp residiert heute das Naturschutzzentrum Ruhestein.
Ruhestein 1864