Montag, 29. Dezember 2025

Was verbirgt sich hinter dem "Bähnle" im Harmersbachtal?


Die Hamersbachtalbahn ist eine 10,6 km lange Nebenbahn der Schwarzwaldbahn, die in Biberach abzweigt und in Oberharmersbach-Riersbach endet. Sie wird heute noch im annähernden Stundentakt mit batterieelektrischen Triebzügen betrieben.

1845 war die Rheintalstrecke bis Freiburg fertiggestellt.1865 hatte der Bau der Schwarzwald begonnen. Das Eisenbahnbaufieber war überall ausgebrochen, denn es bedeutete den Anschluss an die große Welt. So erging es auch der ehemaligen freien Reichsstadt Zell, die unbedingt einen Eisenbahnanschluss haben wollte: Die Schwarzwaldbahn von Offenburg kommend, könnte mit einer Tunnellösung bei der Gemeinde Schönberg elegant Zell in den Verlauf der Schwarzwaldbahn integrieren. Die verantwortlichen Planer hatten bei der Tunnellösung von einer halben Million Mark Kosten, die Lösung gleich zu den Akten gelegt.

Um den Zeller Wünschen etwas entgegen zukommen wurde der Verlauf der Schwarzwaldbahn auf die rechte Seite -also die Zeller Seite- verlegt. Um die Krücke etwas zu kaschieren, wurde der Bahnhof in Biberach sehr zum Ärger der Biberacher in „Biberach – Zell a.H.“ bis 1919 benannt. Erst ab dann hieß er „Biberach/ Baden“. Weiterhin wurde eine ordentliche Straße von Zell nach Biberach zugesagt.

Um dem immer stärker werdenden Drängen der Gemeinden wegen des Holz- und Steintransportmöglichkeiten aus dem Harmersbachtal, dem zunehmenden Fremdenverkehr Rechnung zu tragen und nicht zu vergessen die Steingutwaren aus Zell, wurde nachhaltig eine Eisenbahn im Hamersbachtal gefordert. Entsprechend waren auch die Interessen der Gemeinden unterschiedlich: Zell ja, Unterharmersbach nein und Oberharmersbach unbedingt. So legte der Ingenieur Rudolf Meyerle, Freiburg, eine Planung  mit der Endstation „Zuwald“ im Waldersbach vor. Man könne ja noch den Löcherberg untertunneln und am Fremdenverkehr von Bad Peterstal zusätzlich partipizieren.

Aber die Grundstücksverhandlungen waren so schwierig, dass die Beteiligten  sich  nach längerem Zögern in Oberharmersbach auf die Endstation in Oberharmersbach-Riersbach einigten. 1900 wurde das Planungsbüro gewechselt und war mit Vering & Wächter, Berlin, für die Projektarbeit verantwortlich. Sie legten auf das wiederholte Drängen von Oberharmersbach einen Planungsvorschlag über 1,2 Mio Mark vor. Aber auch jetzt musste die Gemeinde die auseinanderlaufenden Interessen der Talgemeinden zusammenführen und vor allem die Finanzierung des Projekts sichern. Um endlich voran zu kommen, die vielen Bedenken und Einsprüche zu beseitigen, beschloss der Bürgerausschuss von Oberharmersbach mit 45:1 Stimmen das gesamte Risiko des Geländeerwerbs zu tragen.  1902 erhielten die Talgemeinden die Zusage der Konzession und 30.000 Mark Zuschuss für das Projekt. Oberharmersbach war bereit 68% der Kosten zu übernehmen, Unterharmersbach 8% und Zell 29%.

Auch schloss die Gemeinde Oberhamersbach mit der Projektfirma Vering & Wächter den Vertrag über den Bau und Betrieb der Bahn. Baubeginn war endlich 1904 und die ersten 25 Italiener trafen im Tal ein. Die Mannheimer Firma Rösch & Sänger beschäftigte für den Eisenbahnbau ausschließlich Italiener. Hitziges südländisches Temperament stieß auf die Schwerfällig- und Bedächtigkeit der Oberhamersbacher Bauern. Aber nach 8 Monaten war das Projekt realisiert und die erste Lokomotive konnte Probe fahren. Im Dezember 1904 erfolgte die Eröffnung der Nebenbahn Biberach – Oberharmersbach. Gleichzeitig wurde die bewährte Postkutsche in den Ruhestand verabschiedet.1964 wurde das Bähnle zum Bedauern der Talbevölkerung mit seiner Dampflock durch einen modernen Triebwagen ersetzt. Zu bestimmten Anlässen erschien das Bähnle mit seiner Dampflock im Tal. Letztmalig 1989 bei der 850 Jahrfeier von Oberharmersbach.

Freitag, 26. Dezember 2025

Was verbirgt sich hinter einem Weihnachtsbaum?


Gegen Ende der Adventszeit spricht die Bäuerin vom Josenhof im hinteren Rieselbach den Bauer wegen eines Weihnachtsbaums an: “Vatter, es wird Zit für e Wiehnachtsbaum”. Der Bauer nickt bedächtig und überlegt, dass es nur noch zwei Tage bis Heilig Abend sind. Langsam steht der kräftige Bauer auf, greift nach seinem Joben, der am Haken des Kachelofens hing. In der Werkstatt suchte er nach einer starken Sichel, prüft die Schärfe, legt diese wieder weg, da ihm eine andere besser geschärft vorkam. Ein paar kräftige Hiebe ins Leere zeigten seine Entschlossenheit.

Langsam steigt er bedächtig den Hang hinauf, seinem Jungwald entgegen. Unterwegs streift sein Blick das Feld mit dem gesäten Winterweizen. Der Jungwald oberhalb des Feldes hat sich prächtig entwickelt, nachdem er diesen vor einigen Jahren angepflanzt hatte. Die innere Zufriedenheit huschte über sein Gesicht, denn die Bäumchen waren gerade für Weihnachten wie gemalt.

Der Blick des Bauern schweifte auch zum Nachbargrundstück, den auch hier hatte sein Nachbar vor Jahren junge Tannen gesetzt, die nun buschig und groß geworden waren. Warum sollte er einen Baum aus seinem Bestand schlagen, wo doch der Nachbar so viele kräftige Bäume stehen hatte. Ob er überhaupt merkt, wenn einer fehlen würde?

Die Entscheidung war gleich gefallen, eine paar kräftige Schritte zum Nachbar hin, zwei, drei kräftige Hiebe und ein schöner, gleichmäßig gewachsener Weihnachtsbaum lag zu seinen Füßen. Ein kurzer prüfender Blick, aber niemand hat wohl was bemerkt. Mit kräftigen Schritten ging es mit dem Baum unter dem Arm Richtung Hof zurück. Als er aber aus dem fremden Jungwald trat, bemerkte er, dass sein Nachbar mit einem prächtigen Bäumchen unter dem Arm aus seinem Jungwald kam. Beide gingen, ohne sich eines Blickes zu würdigen, zurück zu ihren Höfen.

Am Heilig Abend war die Familie des Bauern um den geschmückten Weihnachtsbaum mit seiner bäuerlichen Krippe versammelt. Die Bäuerin lobte den Bauer, “da hesch aber e schööner Baum g’holt”. Der Bauer nickte abwesend, denn er war mit seinen Gedanken irgendwo ganz anders.

Nur das Chrituskind in der Krippe lächelte zifrieden vor sich hin, denn es kannte ja die ganze Geschichte des Weihnachtsbaums, es hatte beiden Sündern verziehen, denn zu Schaden war niemand gekommen.

Freitag, 19. Dezember 2025

Was verbirgt sich hinter dem Wallfahrtskirchlein St Jakob über Wolfach?


Wie immer spielen beim frühen Bau einer Wallfahrtskapelle Sage oder falsche Überlieferung mit, so auch hier bei St Jakob in Wolfach. So wird im St Jakobbruderschaftsbuch berichtet, dass der Eremit   Conrad von Kalb (Calw) 1033 beim Landesfürsten Heinrich VI von Fürstenberg in Wolfach um die Erlaubnis zum Bau eines Kapellchen nachgefragt habe.  Nur Heinrich VI hatte eine Regierungszeit von 1419 bis 1490. Allerdings war bis 1432 eine Vormundschaft durch einen Onkel gegeben. Wir müssen also davon ausgehen, dass die Anfrage sich nicht 1033 sondern 1433 abspielte.

Während der Wirren der Reformation Anfang des 16. Jahrhunderts wurde das erste Kapellchen 1540 abgebrochen. Es war die Zeit von Graf Wilhelm von Fürstenberg, der bekannt als der „wilde Graf“ zum evangelischen Glauben übergetreten war. Dabei konnte ein kleines Glöcklein aus der Kapelle mit der Jahreszahl 1427 gerettet werden und wurde auf den Turm der Pfarrkirche gebracht.

Wie das Bruderschaftsbuch berichtet entdeckten Kinder 1655 beim Spielen die Ruine der Kapelle, errichteten dort einen kleinen Altar und veranstaltetem spielerisch Andacht und Prozession. So zogen anlässlich des Jakobusfests  (25.7.) im gleichen Jahr 200 Kinder mit „Creutz und fähnlein“ nach St Jakob hinauf. Trotz der Verarmung der Bevölkerung durch den 30jährigen Krieg wurde Geld für den Wiederaufbau der Wallfahrtskapelle gesammelt. Und tatsächlich wurde 1880 mit einer großen Schar Gläubigen die Einweihung der Kapelle gefeiert. Da auch das Alte Gnadenbild gefunden wurde, wird dieses auch heute noch jeweils am Patroziniumsfest gezeigt.

Da im Zuge der aufkommenden Wallfahrten vor allem die Jakobuswllfahrt auch nach Santiago di Compostela „in Mode“ kam, war ein Ersatz der Jakobuswallfahrt nach St Jakob ein erträglicher Ersatz. Insofern gewann die „Bruderschaft zu heiligen Apostel Jakobus um einen guten Tod“ Zulauf und großes Ansehen über den süddeutschen Raum hinaus. Da sie und die Kapelle von den Päpsten Alexander VII 1663 und Clemens IX 1668 mit Ablässen ausgestattet worden waren, setzte ein großer Pilgerstrom ein. Das ermöglichte 1680 einen Abriss des bescheidenen Kirchleins und einen größeren heute noch existierenden Neubau nebst reichhaltiger Innenausstattung. Ebenfalls wurde die Einsiedlerhütte durch einen großen massiven Neubau ersetzt. Durch die vielen Pilgergelder konnte Ende 17./ Anfang 18. Jahrhundert die wertvolle Innenausstattung vorgenommen werden. Teilweise nahmen am Jakobitag bis zu 4.000 Pilger am Gottesdienst teil.

Durch die aufkommende Aufklärung nahm nach ungefähr 100 Jahren der Zuspruch zu den Pilgerfahrten allgemein stark ab. So auch diese nach St Jakob. Als durch die Mediasierung 1811 Wolfach von Fürstenberg nach Baden kam, sollte die St Jakobskapelle sogar abgerissen werden. Ein Jahr zuvor war sogar erwogen worden, die Kapelle abzureißen und das Baumaterial für die Pfarrkirche in Wolfach zu verwenden. Aber der Stadtpfarrer konnte die Behörden von beschwerlichen Mühen und den geringen Erträgen dieser Maßnahmen überzeugen.

1826 genehmigte die Stadt Wolfach die Wirtschaftsgerechtigkeit des Mesners, um sein Einkommen zu erhöhen. Für das Pfarramt ein Ding der Unmöglichkeit: Schnaps und Bier in der Nähe der Kapelle, das geht nicht, deswegen keinen Gottesdienst mehr in St Jakob. Aber ein Teil der Gläubigen drangen in den Glockenturm der Pfarrkirche ein, läuteten die Glocken, ergriffen die Fahnen und zogen als Prozession nach St Jakob. Den Wolfacher war die Wallfahrt nach St Jakob eben nicht zu nehmen. Auch während der Unruhen 1848/49 konnten die Hitzköpfe auf St Jakob vom Bier gestärkt, ihre Vorstellung von Freiheit und gegen die Obrigkeit kundtun.

In den Jahren 1883/84 wurde die Innenrenovierung durchgeführt, 1899 der Kreuzweg wieder neu errichtet, 1902 folgten die Fenster, 1911 das Dach und 1983 die Turmspitze. Noch heute lädt der Pfarrgemeinde zur Wallfahrt am Patroziniumsfest am 25. Juli und am darauffolgenden Sonntag zu einem Wallfahrtgottesdienst mit Speis und Trank ein. Der Reinerlös kommt St Jakob zu Gute.



Freitag, 12. Dezember 2025

Was verbirgt sich hinter Ernst Köpfers Skifabrikation?

Köpfer als Skilehrer

Ende des 19. Jahrhunderts war auch im Schwarzwald die Zeit für die Schneeschuhe gekommen, wie die Skier damals hießen: 1888 ließ sich der ehemalige Schiffsarzt Dr August Tholus aus Todtnau diese kommen, um sie bei seinen Patientenbesuche einzusetzen. Aber Körperfülle und Ungeschicktlichkeit ließen die Angelegenheit scheitern. 1891 fuhr der französische Diplomat Dr Pillet mit Schneeschuhen auf dem Feldberg. Ein vorbeikommender Bauer fragte ihn, woher er das Fasnachtskostüm habe? Im gleichen Jahr tauchten in Schönwald die ersten Norweger zum Erstaunen der Bewohner auf Schneeschuhen auf.

So geschah es auch dem 12 jährigen Ernst Köpfer in der Schule Bernaus. Im Winter 1890 schaute er gelangweilt zum Fenster in die herrliche Schneelandschaft hinaus. Als plötzlich sechs Männer mit langen Brettern sich im tiefen Schnee elegant fortbewegten. Neugierig folgte er nach Unterrichtsende der Spur im Schnee und sah die Bretter vor dem Gasthaus „Schwanen“ an der Wand sehen. Die Gäste waren wohl eingekehrt. Er machte sich gleich Notizen und Skizzen auf seiner Schiefertafel über das, was ihn fasziniert hat. „Vater i ha öbbis gseh, undas hät mir gfalle un des git bestimmt emol e Gschäft!“ Soweit der überlieferte Satz des Jungen.

Sein Vater, ein Holzschneffler, der in seiner Werkstatt Krauthobel fertigte, ließ sich vom Gesehenen des Sohnes begeistern. Sie probierten verschieden Hölzer aus, sägten und hobelten bis sie glaubten, das richtige Maß gefunden zu haben. Die gebogen Spitze erreichten sie durch Anwärmen des Holzes, um es dann eine Woche über ein Wagenrad zu spannen. Die Bindung ermöglichte eine aufgeschraubte Rinderlederkappe, in der die Schuhspitze steckte, eine Schlinge aus Fettgarleder umschloss die Ferse, eine Schnalle gab Halt und ermöglichte das Laufen. Ein Fangband verhinderte, beim Sturz, dass der Ski sich selbstständig machte.

Mit den ersten handproduzierten Skiern erlernte Ernst 1892 das Skifahren, damals nur mit einem Stock als Bremse. Im gleichen Jahr endete für Ernst die Schulpflicht und sogleich konnte er bei seinem Vater in die Lehre gehen. 1896 kauften die Gendarmerie und Forstbeamte ihre ersten Skier bei Köpfer. Genauso wie die Einheimischen anstanden, um an Skier zu kommen. Ein völlig neues Lebensgefühl mit den Skiern auf dem Weg zur Schule. Auch der „Feldberger Hof“, der Anziehungspunkt für begeisterte Skifahrer, kaufte Skier bei Köpfer in Bernau.

Was lag näher, als eine Firma „Karl Köpfer Söhne, mechanische Skier- und Holzwarenfabrik“ zu gründen. Der Bedarf von Skiern stieg so stark an, dass die Einzelfertigung völlig überfordert war und zur Serienfertigung umgestellt werden musste. Die gemachte Erfahrungen führte zur Modellierung der Skier: Neben dem gefundenen Taillierung wurde auch das Längsprofil genau bestimmt. Am stärksten war der Ski unter der Fußsohle und flachte allmählich zur Spitze und Ende jeweils ab, aber  nicht auf ganzer Breite, sondern es blieb ein Kern durch seitliches Abfräsen stehen. Dadurch kamen erstmals Maschinen zum Einsatz, ebenso für die Spurrille auf der Unterseite. Sie war zum Spurhalten erforderlich.

Am 5. Februar meldetet Ernst Köpfer für seine Firma beim Kaiserlichen Patent- und Markenamt in Berlin für seine Skier die „Marke Feldberg“ an. In den folgenden 60 Jahren gingen ca. 10.000 paar Ski aus Bernau in die Welt. Veränderungen an den Skiern gab es nur durch eine Metallkante an den Seiten in den 40er Jahren. Mehrfache Verbesserungen gab es an den Bindungen, um das das Lenken der Skier und das Abheben der Ferse während des Laufens möglich zu machen. Knochenbrüche und Verrenkungen konnten dadurch verringert werden.

Köpfer perfektionierte für sich das Skilaufen, erzielt 40 Siege bei Wettbewerben, wurde 1940 staatlicher Sportwart. 1953 legte Ernst Köpfer die Skier aus der Hand und verstarb im gleichen Jahr. Sein Enkel, Walter Strohmeier, richtete im Geburtshaus seines Großvaters das „Ski Köpfer Museum“ in Bernau ein.

Köpfer mit Skiflyer

Freitag, 5. Dezember 2025

Was verbirgt sich hinter dem Zoller Bernhard Hörmann?


Ab 1708 kamen die ersten Siedler auf den Kniebis, so dass hundert Jahre später schon eine Siedlung aus 12 Häusern auf den Gemarkungen von Baiersbronn und Freudenstadt entstanden war. Um 1780 gründete die Fürstlich Fürstenbergische Verwaltung eine Holzhauersiedlung im südlichen Teil des Kniebisgebietes. Im Zuge der Gründung des Großherzogtums Baden wurde das fürstenbergische Gebiet 1806 Baden zugesprochen.

 

Bernhard Hörmann wurde 1784 im Holzwald –dem badischen Teil des Kniebis- geboren. Er musste wie damals üblich bei nahender Franzosengefahr Schanzdienste leisten. Noch heute sind sie gut sichtbar, die Alexanderschanze auf dem Kniebis von 1734, die Schwedenschanze links der L 92 nach Oppenau, nicht weit davon die Schwabenschanze bzw Röschenschanze nach dem württembergischen Major Rösch von 1794 auf dem Roßbühl bei der Zuflucht. Wegen Übernachtens bei den Schanzarbeiten auf dem feuchten Waldboden wurde er an einem Fuße lahm. Da er gut lesen und schreiben konnte, wurde er Schulmeister und war in der ganzen Gegend als der „krumme Schulmeister“ bekannt.

 

Zusätzlich übernahm er das Wirtshaus, das neben der Schule stand und gleichzeitig die Zollstation war. Es trug früher als Wirtshauszeichen eine „Sonne“ und wurde später bekannt unter dem Namen „Zum krummen Schulmeister“. Das alles lag nahe bei dem späteren Kurhotel Lamm nahe dem badischen Grenzpfahl, das 1985 abgebrochen wurde.

 

Das sonderbare Äußere des „krummen Schulmeisters“ war mit Witz und Laune gepaart, verschaffte ihm stets zahlreichen Zuspruch, vorzüglich von den Gästen der benachbarten Kniebis- und Renchtalbädern. Zudem fand man bei ihm stets gute, reingehaltene Weine, namentlich trefflichen Klingelberger. Das in seiner Art berühmt gewordenen Bild des Mannes war in der Gegend da und dort in den Wirtshäusern aufgehängt.

 

Einer seiner früheren Schüler bestätigte als Greis, dass er den Tatzenstecken, den er auf dem Bilde unter dem Arm trägt, zwar auch benutzt habe. Aber er habe sie als, wenn sie nicht in die Schule gekommen seien, zur Strafe unter dem Tisch sitzen lassen.

 

Mit 21 Jahren verheiratete er sich 1805 mit Magdalena Kern aus Bad Rippoldsau, denn das war schon bei seiner Nebentätigkeit als Wirt von Nöten. 1848 trat er nach dem Tode seiner Frau 1848 zum zweiten Male an den Traualtar, um Magdalene Kern vom Kniebis zu heiraten. Bis er als Bürger und pensionierter Schullehrer 1862 starb.

 

Aus seiner Zeit als Lehrer auf dem Kniebis wurde von diesem berichtet: „Es gab 42 zerstreut liegende Familien, eine Seelenzahl von mehr als 300 bildend. Sie teilen sich in 2 Gemeinden, die man protestantischen und katholischen Kniebis nennt. Schon ihr Anzug und der Zustand ihrer Wohnungen geben auch auf Grund des schlechten Bodens ihre dürftigen Verhältnisse kund. Die Bewohner des württembergischen Teils zeichnen sich durch Sittlichkeit und Arbeitsliebe aus. Die des badischen Teils dagegen beschuldigt man des Bettels und häufiger Holzfrevel. Wagenschmiere, aus Kienholz bereitet, ist ein Hauptnahrungszweig der Kolonie. Der kärgliche Gewinn, welcher dieser Handel abwirft, wird aber gewöhnlich bei dem „krummen Schulmeister“ verzehrt.

 

Das Leben in dieser kargen Gegend war so mühsam, dass zwischen 1851/57 insgesamt 145 Kniebiser auf Kosten des Fürsten von Fürstenberg und dem badischen Staat nach Amerika ausreisen konnten. So konnte der Fürst den verlassenen Wald wieder aufforsten lassen.

 

Freitag, 28. November 2025

Was verbirgt sich hinter dem Erzkasten bei Freiburg?

Tullafenster Freiburger Münster 14. Jahrhundert

Der Erzkasten bei Freiburg– der Spitznamen für den Schauinsland wegen seines Silberbergbaus- liegt südöstlich von Freiburg und ist 1284 m hoch. Der Hausberg von Freiburg hat einen eigenwilligen Aussichtsturm, den Eugen-Keidel-Turm, eine Seilbahn, die zum Gipfel führt und war bekannt wegen seiner legendären Autorennen, die bis 1984 durchgeführt wurden. Seit 1997 kann mit einem Besucherbergwerk teilweise die Geschichte des Erzkastens erlebbar gemacht werden.

Die ersten Anzeichen für einen aktiven Bergbau am Schauinsland weisen auf das 13. Jahrhundert hin. Mit einigen Unterbrechungen dauerte er bis 1954 und ist mit 100 km Grubenlänge verteilt auf 22 Sohlen das größte Grubengebäude des Schwarzwaldes. Der Bergbau wurde nicht wegen Erschöpfung der Lagerstätte geschlossen sondern aus rein wirtschaftlichen Erwägungen.

Der mittelalterliche Bergbau vom 13. bis 15. Jahrhundert wurde hauptsächlich wegen des Silbers betrieben. Der Reichtum Freiburgs, die Fenster des Freiburger Münsters und der europäische Handel der Freiburger zeugen von den Erträgen des Silberbergbaus.

Der neuzeitliche Bergbau dauerte vom 16. bis zum 18. Jahrhundert und stand unter dem Abbau von Bleierzen neben dem Silberabbau. Blei wurde für das aufkommende Schießpulver und Kanonenkugeln bei den unzähligen Kriegen dringend gebraucht. Aber auch im zivilen Bauwesen oder Glasuren wurde Blei benötigt. Durch den Abbau von Blei konnte der Bergbau am Schauinsland sich auch im 16./ 17. Jahrhundert während des Goldrausches nach der Entdeckung von Amerika 1492 durchsetzen. Für viele andere Gruben im Schwarzwald bedeutete dies das Ende der Bergbautätigkeit. Ab 1620 kam das Schwarzpulver, das 1325 vom Franziskaner Mönch Berthold Schwarz aus Freiburg erfunden wurde, zum Einsatz im Bergbau. Das führte zu einer enormen Steigerung der Abbaumengen im Bergbau.

Ende des 19. Jahrhunderts begann ein neues Kapitel des modernen Bergbaus, nachdem der Bergbau zuvor zum Erliegen gekommen war. Im Jahr 1835 wurde der „Badische Bergwerkverein“ gegründet, der mit den Untersuchungen der Haldenerze am Schauinsland beauftragt wurde. Wahrscheinlich mit wenig Erfolg, denn es wurde bald wieder still am Erzkasten, wie auch andere Versuche zeigten.

Im Jahre 1889 begann mit der Auffahrung des Kappler-Stollens durch die Gewerkschaft „Schwarzwälder Erzbergwerke/ Köln“ eine neue Epoche am Schauinsland. Alle Aktivitäten am Schauinsland wurden zusammengefasst. Eine Erzwäsche wurde am Nordhang des Kappler Tales errichtet, um Erze von taubem Stein zu trennen. Um die Fuhrwerke von der Grube zur Erzwäsche zu sparen, wurde eine 5,3 km lange Materialseilbahn errichtet. Die Erzverladebunker standen in unmittelbarer Nähe der 1887 fertiggestellten Höllentalbahn und ermöglichten einen problemlosen Abtransport. Mit der Wasserkraft des Reichenbachs wurden Kompressoren betrieben, die Druckluft zum Antrieb der Bohrhämmer erzeugten.

Im Ersten Weltkrieg wurden viele Bergleute und Grubenpferde eingezogen und nach Ende Krieges fielen die Preise ins Bodenlose, so dass die Gruben langsam zum Stillstand kamen. 1935 übernahm die Stolberger Zink AG/Aachen den Grubenbetrieb und modernisierte ihn nachhaltig. Die Einrichtung von Bei- und Zinkflotationen erhöhte die

Effizienz der Gruben, die Einrichtung von Schlammteichen diente dem Umweltschutz. Im Zweiten Weltkrieg war natürlich höchstmögliche Förderung angesagt. Nach diesem war die Förderung erst wieder langsam angelaufen, 1952 wurde eine Tiefe von 900 m erreicht. Die Erträge enttäuschten, die Metallpreise fielen immer wieder, so dass schließlich wegen Unrentabilität am 31. Oktober 1954 die Gruben am Erzkasten für immer geschlossen wurden. 



Freitag, 21. November 2025

Was verbirgt sich hinter den Ruinen, die von einer vergangenen Zeit verkünden?

Allerheiligen 1680

Die Allerheiligen Wasserfälle, die im hinteren Lierbachtal -einem Seitental des Renchtals- in sieben Stufen insgesamt 66 m in die Tiefe fallen, sind heute ein bekanntes Besuchermagnet. Leider finden die oberhalb liegenden Ruinen des Klosters Allerheiligen dagegen weniger Beachtung.

Das Kloster Allerheiligen wurde 1196 von Herzogin Uta von Schauenburg nach dem Tode ihres Mannes,  Welfs VI, als Prämonstratenser-Chorherrenstift im hinteren Lierbachtal gegründet. Kaiser Heinrich VI und Papst Innozenz III haben 1204 die Gründung des Stifts bestätigt. Das eng gehaltene Gebiet umfasste den Bereich unterhalb des Schliffkopfs, Sohl-, Braunberg sowie bis unterhalb der Wasserfälle und das Patronatsrecht über Nußbach –später über das Patronatsrecht der Kirchen von Appenweier und Oberachern. Bei der Gründung wurde dem Kloster die Reichsunmittelbarkeit, Vogtei-, Steuerfreiheit sowie Immunität vor jeglicher Strafverfolgung im Klosterbereich gewährt. Allerdings kollidierte dies ab dem 14. Jahrhundert mit den Expansionsbestrebungen des Straßburger Bistums.

Ziel der Gründung des Klosters war die Erschließung des weitgehenden unbesiedelten Lierbachtales und Umgebung. Hier entstand in dieser einsamen schwer zugänglichen Bergregion ein kulturelles Zentrum und landwirtschaftliches Anwesen zur Selbstversorgung. Die Besitzungen erstreckten sich mit der Zeit auf den Rench- und oberes Achertal.

Aufgabengebiet der Prämonstatenser war vor allem die Seelsorge der Umgebung, Schreiben und Kopieren von Bücher sowie die Lehrtätigkeit und die Betreuung von Wallfahrten wie die von Nußbach zur Wallfahrtskapelle St Wendel oder der Bau der Wallfahrtskirche von Lautenbach. Noch heute wird die Wallfahrt von einem Prämonstratenser zu Pferde angeführt. 1594 wird erstmals ein Gymnasium mit bis zu 50 Schülern erwähnt, das aus der mittelalterlichen Klosterschule hervorgegangen war. Weitere Einnahmen waren aus der Klosterschänke oder Herberge von Reisenden und Pilgern aus der Klosterapotheke zu erzielen und auch aus der Landwirtschaft.  Prämomstratenser waren Chorherren d. h. Priester mit Ordensgelübde aber keine Mönche. Die Laienbrüder bestimmten das Klosterleben gleichberechtigt mit.

Ende des 16. Jahrhunderts wurde vom lutherischen Markgrafen versucht das Kloster „auszubluten“, um es zu übernehmen. Aber Dank der Hilfe von Kaiser Rudolf konnte dies verhindert werden. 1657 wurde das Kloster Allerheiligen von der Probstei zur Abtei erhoben,  und damit von einem Abt geführt.

1802/03 wurde das Kloster gemäß dem Regensburger Reichsdeputationshauptschluss von Karl Friedrich von Baden aufgelöst und abgewickelt. Die 29 Patres mussten das Kloster verlassen und wurden in den umliegenden Gemeinden als Pfarrer sofern das nicht möglich war als Lehrer eingesetzt. Ein Jahr nach der Aufhebung des Klosters leitet ein Blitzschlag den Zerfall der Anlage ein. 1806 wurde noch versucht die restlichen Gebäude mit einer Spinnerei nützlich zu gebrauchen. Aber die Abgeschiedenheit war zu groß. 1812 wurde die Kirche von Allerheiligen ausgeräumt und die Gegenstände auf die umliegenden Kirchen und Kapellen verteilt worden, die Gebäude wurden auf Abbruch versteigert oder für andere Kirchen wie in Achern genutzt. Die Bestände der umfangreichen Abtei wurden zwischen der Hofbibliothek Karlsruhe und Uni-Bibliothek Heidelberg verteilt. Die Entscheidung war gefallen, keine Kirchengemeinde in Allerheiligen zu gründen und damit waren Gottesdienste überflüssig.

Im Forsthaus des Westflügels wurde 1844 eine Gaststätte eingerichtet, nachdem die Wasserfälle touristisch erschlossen worden waren. 1871 wurde die Gaststätte zu einem dreistöckigen Kurhotel erweitert. 1887 entstand ein zweites Hotelgebäude. Der Caritasverband Mainz wandelte das Hotelareal in ein Kinderheim um. Seit 1978 befindet sich darin ein Landschulheim. Seit 2013 betreibt EOS Erlebnispädagogik ein Tagungszentrum in den Räumen. Seit 1991 wird in den Resten des Kirchenschiffs im Juli Freilichtaufführungen durchgeführt.


Allerheiligen heute

Freitag, 14. November 2025

Was verbirgt sich hinter der Familie Siedle?

Salomon Siedle 1830-1890

Mathäus Siedle (1757-1816) stammt vom Bregenbachhof in Neukirch, heute ein Ortsteil von Furtwangen, bewirtschaftete ab 1794 den Hof. Er baute zum Hof eine Gießerei, um Metallglocken zu gießen, die die Glasglocken bei den Uhrenbauern ablösten. Sein Sohn Salomon (1787-1857), auch Bregeme-Salomon genannt, erlernte das Glockengießen bei seinem Vater und erwarb 1816 den Oberbregenbachhof, der früher vom Bregenbachhof abgetrennt worden war. Drei Söhne erlernten bei ihm das Glockengießen:

Salomom II (1830-1890) zog 1868 nach Furtwangen und betrieb dort eine Gießerei. Die inneren Teilen der Uhr wurden in Sandformen aus fließendem Metall gegossen, nach Erkaltung derselben mit einer Zange abgebrochen, sortiert, im Rauhen fein gedrechselt und auf besonderen Maschinen mit Zähnen versehen. Die Messingrohlinge wurden also einzeln verzahnt. Später wurden die Zahnräder aus dem Rohling gestanzt. Auf Anregung seines Sohnes Robert, steigt Salomom II Siedle in die Prodiktion elektrotechnischer Artikel ein: 1887 beginnt Siedle wegweisend mit dem Telefonbau. 1884 kommt es zur Gründung der Firma „S. Siedle & Söhne“ (SSS Siedle) Die Furtwanger Zulieferer spürten natürlich auch den weltweiten Konkurrenzkampf der Uhrenhersteller. Deswegen zog sich Siedle sich langsam aus dem Uhrengewerbe zurück und widmete sich ab 1900 den Fernsprechapparaten und deren Zubehör zu. Damit wandelte sich Siedle gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum deutschen Pionier der Telegrafie und Telefonie. Wegen des Fernmeldemonopols der Post 1928 spezialisierte sich „SSS Siedle“ auf Haus- und Fernsprechanlagen. Horst Siedle (1938-2019) führte ab 1970 bis 2019 das Unternehmen und danach seine Frau, Gabriele bis 2023 das Unternehmen mit knapp 500 Mitarbeitern zur heutigen Größe. Siehe: Was verbirgt sich hinter dem Schwarzwälder Unternehmen „S. Siedle & Söhne“.

Vinzens gründete 1836 in Triberg eine Gießerei, um Uhrenräder und anderes für die Uhrenindustrie zu gießen. Mit von ihm erfundenen und Wasserkraft betriebenen Maschinen verzahnt Siedle 1858 Rohlingen zu Zahnrädern und zwar zum gleichen Preis wie der rohe Guss. Aber auch Ketten werden maschinell hergestellt. 1873 traten die Söhne Alfred und Hubert in die elterliche Firma ein. Zur Messinggießerei kam noch die Eisengießerei hinzu, so dass 400 Mitarbeiter beschäftigt wurden. Durch unglückliche Dispositionen kam es 1901 zur Liquidation des Unternehmens.

Josef gründete 1854 in Schönwald eine Gießerei, die er schon 1905 nach Vöhrenbach verlegte, da es in Schönwald keine Erweiterungsmöglichkeit gab und Vöhrenbach zusätzlich einen Eisenbahnanschluss ermöglichte. Mit seinen Söhnen und mehreren Hilfsarbeitern goss er hauptsächlich Fahrradglocken. Ein weiterer Bruder, Paul (1889-1976), stieß hinzu und sie verlegten den Betrieb 1920 in einen Neubau in der Nähe des Bahnhofes und firmierten „Gebrüder Siedle, Glocken-Gießerei und Galvanisierungsanstalt“. Mit der Elektrizität kamen elektrische Läutwerke an der Haustür, bis zu Läutwerken für Straßenbahnen hinzu. 1925 wurde ein Presswerk hinzu gebaut, denn zahlreiche Gegenstände für Maschinen lassen sich anstatt formen und gießen, in einer Warmpressverformung in einem Arbeitsgang herstellen. Die Gießerei ging zurück und eröffnete der Presstechnik ein neues Tätigkeitsfeld. In den 60er Jahren kam das Hohlschmieden von Konstruktionsteilen hinzu d.h. die Teile werden am Computer entwickelt, bis der Kunden die Teile genehmigt, die dann erst gefertigt werden. 1999 übernahm eine Firma Allbrass aus Holland, ein Spezialist im Warmpressen von Messingteilen das Unternehmen Siedle. 2022 wurde die gesamte Produktion nach Holland verlegt.

Ein Unternehmen „SSS Siedle“ in Furtwangen blieb als Unternehmen von den drei Brüdern übrig und wird als Familienholding von fremden Managern geführt.

Nebenbei bemerkt war das 6. Kind von Matthäus Siedle, der Mathias (1770-1846), einer der bedeutendsten Spieluhrmacher, der in Gütenbach wirkte.

Freitag, 7. November 2025

Was verbirgt sich hinter der Wiesentalbahn?

Einweihung 1889 in Todtnau

Die heutige Wiesentalbahn ist eine 29 km lange elektrifizierte Hauptbahn vom Badischen Bahnhof in Basel immer der Wiese entlang –anfangs auf schweizerischen Gebiet, über Lörrach, Schopfheim nach Zell i. W. (Siehe Was verbirgt sich hinter dem Badischen Bahnhof in Basel?)

Was staatliche Stellen nicht geschafft hatten, gelang einer privaten Initiative. Mit Hilfe Basler Industriellen, die Produktionsstätten im Wiesental oder zumindest wirtschaftliche Interessen hatten, wurde eine private Eisenbahn, die „Wiesental-Eisenbahn-Gesellschaft AG“, 1860 gegründet. Der Badische Bahnhof war also ursprünglich der Kopfbahnhof der Wiesentalbahn und führt mit 4 km über Schweizer Gebiet mit mehreren Haltestellen.1862 wurde das erste Teilstück bis Schopfheim eingeweiht.

1876 wurde die „Hintere Wiesentalbahn“ zwischen Schopfheim und Zell i. W. durch die private „Schopfheim-Zeller Eisenbahn-Gesellschaft“ in Betrieb genommen. Die 1889 durch Großherzog Friedrich I eingeweihte Fortsetzung von Zell i.W. nach Todtnau als „Obere Wiesentalbahn“ wurde aber als Schmalspurbahn, wie für Nebenbahnen üblich, erstellt. Um die verstärkte Nachfrage der Gewerbebetriebe nach Güterverkehr zu befriedigen, wurden normalspurige Güterwagen auf Rollböcke geführt, um die verstärkte Nachfrage zu bedienen. Dieser Abschnitt der „Oberen Wiesentalbahn“ wurde in den 1960er Jahren stillgelegt und zu einem Bahntrassenweg umgebaut.

Das Deutsche Reich verlangte vom Großherzogtum Baden aus militärischen Gründen eine leistungsfähige Eisenbahn Weil – Säckingen. Für vorhandene Strecke Weil-Schopfheim sollte die Wiesentalstrecke mitbenutzt werden. Aus diesem Grunde kaufte das Großherzogtum 1889 die gesamte Strecke Basel – Zell i. W. und gliederte sie in die Großherzoglichen Badischen Staatsbahnen ein. Wie immer, wenn das Militär mitbestimmt, war es möglich, dass die Strecke mit der Wehratalbahn als eine der ersten in Deutschland elektrifiziert wurden. Allerdings war es verboten, die schweizerischen Haltestellen zwischen Badischen Bahnhof und der Grenze zu bedienen.

Natürlich war der Wunsch verständlich, eine Verbindung vom oberen Wiesental Richtung Freiburg zu bekommen. Der Verwaltungsmittelpunkt hat sich nach der Säkularisierung von St Blasien nach Freiburg verlagert. Außerdem wollte man nicht unbedingt im Ausland und im teuren Basel sondern in Freiburg einkaufen.

Die kürzeste Strecke von 22 km wäre Todtnau, Brandenberg, Fahl, ein 4,5 km langen Tunnel unter dem Feldberg bis St Wilhelm, Oberried und Kirchzarten mit Anschluss an die Höllentalbahn zu bauen. Kosten wären allerdings 15,4 RM gewesen. Als Alternative wurde die Lösung Untertunnelung des Feldbergs mit Richtung Titisee oder Schluchsee vorgeschlagen. Die Untertunnelung wäre kürzer, aber ein Höhenunterschied von 300 Meter wäre zu überwinden gewesen.  Hinzu gekommen wäre, dass die gesamte Strecke von Zell i. W. bis Todtnau auf Normalspur hätte gebracht werden müssen, denn sie war ja nur eine Schmalspurbahn. Die Lösungen wurden wegen der hohen Kosten bis zum 1. Weltkrieg diskutiert und verschwanden dann in der Versenkung.

Ankunft der Skifahrer in Todtnau, Weiterfahrt per Bus zum Feldberg


Freitag, 31. Oktober 2025

Was verbirgt sich hinter Laufenburg, der Erzstadt an den Rheinstromschnellen?

Laufenburg 2010

Laufenburg, eine der vier Waldstädten neben Waldshut, Bad Säckingen und Rheinfelden, besteht aus zwei Städten: Laufenburg/ Baden mit seinen 10.000 Einwohnern
  und Laufenburg AG im schweizerischen Kanton Aargau mit seinen knapp 4.000 Einwohnern. Laufenburg wurde als Erzstadt bekannt, wegen seiner Stromschnellen –den Kleinen Laufen- berüchtigt und seinem Lachsfang berühmt.

Seit der Karolingerzeit besaß das Reichsfrauenstift Säckingen weite Ländereien entlang des Rheins. Die Zehnten für das Kloster wurden in der Gegend um Laufenburg abgeliefert. Daraus entstand mit der Zeit ein bedeutender Marktplatz. Im Jahr 1173  belehnt Kaiser Friedrich I Barbarossa die Grafen von Habsburg mit dem Gebiet Laufenburg, der Engstelle und den Stromschnellen im Rhein, die sich zum Bau einer Rheinbrücke und damit zum Bau einer Stadt eignete. Die Stromschnellen bildeten sich, da die Rheinfluten die gerade zwölf Meter schmale Flussenge an der Spitze der felsigen Halbinsel passieren musste.  

1315 erlangte Laufenburg das Stadtrecht. Das südliche Ufer von Laufenburg war geschützt, da das Fricktal –heute zum Kanton Aarau gehörend- seit 1386 hoheitlich zu Vorderösterreich gehörte wie das gesamte Gebiet nördlich des Rheins. Laufenburg war „Erzstadt“, denn das Rohmaterial kam aus dem Fricktal, Kohlholz aus dem Hotzenwald und das „Hännerwuhr“ brachte das Wasser. Dies berichtete schon Sebastian Münster (1488-1552) in seiner Cosmographia, denn schon 1494 gründeten 33 Hammerschmiedemeister den Hammerschmiedbund. Die Kleine Laufen bildeten die Grundlage für ein weiteres einträgliches Gewerbe. Oberhalb der Stromschnellen mussten die Schiffe entladen werden, diese wurden auf Karren geladen, die leeren Schiffe an Seile durch das tosende Wasser gezogen und unterhalb wieder beladen. Auch die Flöße wurden oberhalb entbunden, einzelne Stämme durch die Stromschnellen geschickt und unterhalb wieder zusammengebunden. Im 19. Jahrhundert fuhren 2.500 Flöße durch Laufenburg. Auch der Flößer Trautwein musste mit seinem Floß vom Bodensee nach Straßburg seine bittere Erfahrung machen. Unterhalb der Stromschnellen sammelten sich die Lachse auf dem Weg zu ihren Laichplätzen flußaufwärts. Mit großen Netzen, die an Kranen befestigt waren, wurden diese aus dem Fluss gefischt. Dies war das dritte einträgliche Gewerbe in der Stadt.

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Nach dem Frieden von Lunéville wurde Laufenburg in zwei Teile geteilt. Die südliche Rheinseite mit Großlaufenburg und 800 Einwohnern wurde 1802 der Eidgenossenschaft zugewiesen, das nördliche Ufer mit der damaligen Vorstadt und 270 Köpfen dem Großherzogtum Baden.

Ab 1908 setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung mit dem Bau des ersten großen Fließwasserkraftwerk –Kraftwerk Laufenburg- flußabwärts ein.  Um den erforderlichen Rückstau für das Wasserkraftwerk zu bekommen, wurde das Flussniveau um 10 m angestaut, die Felsen auf der schweizerischen Seite wurden gesprengt. Einige darauf gegründete Häuser mussten weichen. Durch das Aufstauen verschwanden die Stromschnellen. Es verschwand im Stadtbild nicht nur Romantik sondern wirtschaftliche Interessen gingen verloren. Der Gütertransport wurde vom Fluss auf die Eisenbahn verlagert, Überfischung und Uferbereinigung vertrieben die Lachse. Die alte Holzbrücke wurde durch eine leistungsfähigere ersetzt.

Beide Laufenburgs konnten 1914 das erstmals quer zum Rhein stehende Kraftwerk abschließen, ist heute immer noch Vorbild für Laufwasserkraftwereke und ist heute Motor für die wirtschaftliche Entwicklung beider Städte. Es produziert 700 Mio KW und versorgt 750.000 Kunden mit dem alltäglichen Strom.

Laufenburg 1789


Freitag, 24. Oktober 2025

Was verbirgt sich hinter dem Wendelinusheiligtum in Bottenau?


Wendelin als Hirte mit Schaf oder Schwein abgebildet ist ein katholischer Heiliger, der in der Wendelinusbasilika in St Wendel im Saarland beerdigt ist. (Patrozinium 20.10.) Er soll im 6. Jahrhundert im Bistum Trier missionierend tätig gewesen sein. Wendelin ist der Patron der Bauern und gilt als Schutzheiliger der Bedrängten.

Erster Hinweis auf eine Wendlinskapelle in Bottenau bei Nußbach im Renchtal ist ein Lehensbrief 1591. Dort ist vom „Fröschberg“ in Bottenau „unterhalb des Kernenehofs bei St Wendel“ die Rede. Es handelte sich wohl um eine private Hofkapelle, die St Wendel geweiht war. 1714 fand ein Bauerngericht in Bottenau statt und diese beschloss mit Zustimmung der Gemeinde, die alte Wendelinuskapelle abzureißen und ein größeres Kirchlein zu bauen. Gründe waren die furchtbare Pest 1634/35, der 30jährige Krieg, die nachfolgenden Erbfolgekriege. Denn mit dem Friedensschluss 1714 wollte die Bevölkerung mit dem Kirchleichlein Gott und St Wendelin für die Errettung Dank sagen.

Der Aufschwung der St Wendelinuswallfahrt war so stark, dass schon 1756 eine neue größere Kirche gebaut werden musste. Die Wallfahrer kamen nicht nur aus der näheren Umgebung sondern auch aus dem ganzen Renchtal und der Ortenau. Am Pfingstdienstag und am Wendelinstag wurden feierliche Prozessionen mit Musik, Kreuz, wehenden Fahnen und dem Bild des hl Wendelin  abgehalten. Die neue Kapelle bot die Möglichkeit den ansteigenden Zahlen der Wallfahrer, eine feierliche Prozession zu erleben.

Aus den steigenden Zahlen der Pilger floss mittlerweile ein stetiger Strom an Spenden. So konnte das Bottenauer Bauerngericht die Schulden und Zinsen vom Bau der Kapelle abbezahlen. Weiterhin war es möglich Bau und Unterhalt des Mesnerhauses, die Gottesdienste, die jährliche Armenunterstützung, Meßgewänder, Kelche und Kerzen zu bezahlen. Bis in das 20. Jahrhundert brauchte die Kirche keine Gelder für die Kapelle aufwenden.

Französische Revolution, die Aufklärung unter dem Österreichischen Kaiser Josef II, der Kulturkampf in den 1860er Jahre in Baden, die Naziherrschaft konnten St Wendel und ihrer Wallfahrt nichts von dem Zutrauen und Bedürfnis der Pilgerwallfahrt nehmen. 1945 verwechselte ein französischer Panzerfahrer die Statue des hl Wendelins auf dem Kapellenturm mit einem deutschen Beobachter und schoss mit einer Panzergranate den Turm der Kapelle ab.

Nach dem 2. Weltkrieg kam sehr schnell das Bedürfnis wieder eine Wendelinuswallfahrt festlich zu feiern. Über 10.000 Besucher verfolgten die Wallfahrt nach St Wendel mit anschließender Pferdesegnung. Auch berühmte Personen ließen es sich nehmen, wie Franz von Papen 1954 und 1956 oder der Erzbischof von Straßburg 1957 an dieser Reiterwallfahrt teilzunehmen. Selbst 2023 waren 104 Pferde und eine Kutsche bei der St Wendelinuswallfahrt.

Die einschiffige Kapelle findet ihren Abschluss in der Apsis. Die kniende Gestalt des heiligen Wendelin krönt den Altar und ist einbezogen in das Chorapsisgemälde, das Decke, gewölbte Chorwand und Langhaus verbindet. Es stellt den hl Wendelin dar, die Schafe hütend, ein anbetendes Ehepaar, eine Vision mit Engeln, darüber die Allerheiligste Dreifaltigkeit, im Hintergrund Nußbach mit der alten romanischen Kirche.

Neben der Kapelle steht eine kleine Waldkapelle. In ihr wird ist das barocke Gnadenbild von St Wendel, Pfarrei Nußbach-Bottenau untergebracht. Es wurde 1936 vom Dachboden geholt und restauriert. Unterhalb der der Wendelinuskapelle liegt der Wendelinbrunnen. Bei Viehkrankheiten tränken die Bauern ihre Tieren mit diesem Wasser, um sie vor Krankheit zu schützen.



 

 

Donnerstag, 16. Oktober 2025

Was verbirgt sich hinter dem Schicksal der Anna Maria H.?

 


Seit dem 14. Jahrhundert wird von der Wallfahrt zum hl Romanus am 9.8. (Patrozinium) berichtet: „Suchst du einen Mann, wallfahre nach St Roman“! Das Sakramentshäuschen der Wallfahrtskirche zeigt gotische Stilelemente, die auf 1481 zurückweisen. Weil die Bedeutung und Einnahmen der Wallfahrt so zunahmen, wurde 1784 St Roman eine eigene Pfarrei eingerichtet. 1902 erhielt die Wallfahrtskirche ihren Turm. Die jetzige Kirche wurde durch die großzügigen Spenden und Spanndienste der Bauern von St Roman in der heutigen Größe 1922/23 gebaut. Die Hofzeichen in der Kirche zeugen noch heute vom Opfersinn der St Romaner Höfe.

Politisch gehörte St Roman ab 1246 zum Stab Kinzichental und bis 1800 zu Fürstenberg, ab 1832 war es eine eigene Gemeinde Kinzital und wurde 1971 nach Wolfach eingemeindet. Zu St Roman gehört das Sulzbächle, Elmlisberg, St Roman, der obere Langen- und Übelbach mit dem Sargenberg sowie der Waldlehne.

In der Abgeschiedenheit der Wälder liegt der Elmlisberg mit seinen wenigen Höfen umgeben von riesigen Wäldern. Aber hier schlug das tragische Schicksal zu. Eine der jungen und hübschen Töchter des Bauern stellte fest, dass sie schwanger geworden ist. Man kann heute nicht mehr ermessen, welches Schicksal das in der Zeit des 18. Jahrhunderts bedeutete. Standesgemäße Hochzeit auf einen der Höfe ade, ein Leben lang als Magd herumgestoßen zu werden. In einer dunklen Stunde der Not brachte Anna Maria ihr Neugeborenes um. Es kam, wie es kommen musste, die Tat ließ sich nicht verheimlichen, die Obrigkeit erfuhr von der schrecklichen Tat und forderte Bestrafung und Sühne.

Das Malefizgericht wurde in Wolfach als Amtsstadt einberufen, das sich jeweils aus 6 Wolfacher und Hausacher Ratsherren, unter diesen meist der Schultheis, zusammensetzte. Mindestens sieben Richter mussten auf „schuldig“ plädieren. Was auch geschah und deswegen das Urteil „Tod durch Schwert“ lautete. Für den Todestag durfte sich die Verurteilte ein von ihr selbst gewähltes Henkermal bestellen. Zur bestimmten Stunde ertönte das Armsünderglöcklein. Von Henkersknechten und Wächtern wurde sie zu Fuß begleitet, gefolgt von den Beamten, Richtern und der Geistlichkeit, Schultheis und Amtsbürgermeister hoch zu Ross. Von allen Seiten strömte das schaulustige Volk herbei und schließt sich drängend dem Zug an. Bei dem „Cäpelin“ unweit der Siechenbrücke wird kurz Halt gemacht. Vor dem Bild des Gekreuzigten und der beiden Schächer erweckte die Verurteilte Reue und Leid. Die Menge erflehte Gottes Barmherzigkeit. Doch schon setzte sich alles wieder in Bewegung zur Richtstätte auf dem Galgenbühl, dem heutigen Gelände der Fa Sachtleben AG, Nähe der Einmündung des Kirnbachs in die Kinzig..

Jakob Seidel als Scharfrichte will mit der Hinrichtung sein Meisterstück bestehen. Dagegen hat sich der Oberamtmann von Schwab an die Regierung von Donaueschingen gewandt. Seine Bedenken waren, dass es wie beim Vater sich ereignen könnte, ein Fehlschlag beim Meisterstück der Hinrichtung. Dafür hatte Anna Maria einen zu starken Anhang und kam von einem der angesehensten Höfe aus St Roman. Er befürchtete Unruhen bei einem unglücklichen Streich. Deswegen wurde bei Anna Maria der Triberger Scharfrichter Johann Georg Steinmayer vorgesehen, sehr zum Ärger der Familie Seidel.

Der Kapuzinerpater Vicarus der Vätter zu Haslach begleitete Anna Maria zur Richtstätte, 8000 Schaulustige wohnten der Hinrichtung bei. Die arme, gezopfte und geputzte Sünderin, musste kniend vor der Hinrichtung „den unterthänigsten Dank für ihr gnädiges Urtheil öffentlich aussprechen“ und zeigte viel Zerknirschtheit und reumütige Ergebenheit. Sie ging tapfer, wie ein Mensch, der weiß, warum er mit dem Leben abgeschlossen hat, in den Tod. Sie wurde nach sehr selten erteilter Gnade auf dem Wolfacher Friedhof begraben, anstatt an der Richtstätte verscharrt zu werden.

Galgen von Triberg heute


Freitag, 10. Oktober 2025

Was verbirgt sich hinter der Rußhütte von Freudenstadt?

Freudenstadt Rußhütte 1979

Bisher bekannt als steinerner Zeuge eines ausgestorbenen Waldgewerbes ist die Rußhütte in Enzklösterle, 1829 erbaut und 1992/94 vollständig restauriert. (Was verbirgt sich hinter Enzklösterle?)

Beim Kienrußbrennen wurde der begehrte Kohlenstoff gewonnen, der vor allem für schwarze Ölfarbe, Stiefelschmiere, Ofenschwärze, Druckerschwärze, Tusche, Pigmentpaste und sonstige Färbemittel benötigt wurde.

Benötigt wurde harzhaltiges Material wie Harz- oder Pechgrieben, Pechreste beim Salbenbrennen oder harzige Nadelholzzapfen und Nadelholzreisig von Tanne, Fichte und Kiefer. Dieses Material wurde unter Luftmangel verbrannt bzw verschwelt. Die rußbeladenen Verbrennungsgase leitete man in den Rußfang d.h. in ein Stein-Gewölbe. Der Brennofen stand entweder im Freien daneben und musste über den sog. Rußfang verbunden sein oder der Ofenstand in einem angrenzenden Raum und entließ den rußigen Rauch durch eine Wandöffnung direkt in den Rußfang.

Die gröberen Partikel setzten sich in den Rußsäcken ab. Das waren schlauchartige zusammengenähte Säcke. Der grobere Ruß setzte sich früher ab wie der feinere, so dass verschieden Qualitäten gewonnen werden konnten. Die Filtertücher mussten von Zeit zu Zeit ausgeklopft werden, im Gewölbe des Rußfangs wurden ebenfalls Wände und Boden abgekehrt. Die unterschiedlichen Qualitäten des Rußes wurden in Fässern gelagert und kamen zum Verkauf.

Aber auch in Freudenstadt gibt es eine Rußhütte, was den Wenigsten bekannt war: Am 21. April 1725 richteten die beiden Freudenstädter Bürger und Taglöhner Hannß Georg Rubin und Frantz Buchmann ein Gesuch um Errichtung einer Rußhütte an die herzogliche Rentkammer. Sie sollte in einem abgelegenen, abgesonderten Feld hinter den Salpeterhüttenplatz innerhalb des Walls errichtet werden. Gleichzeitig wurde versichert, dass die notwendigen Rohstoffe wie Brennholz und Harz bei den Bauern im Alpirsbacher Amt und im Fürstenbergischen und nicht im Freudenstädter Forst beansprucht werden sollte.

1849 wurde die Rußhütte in Betrieb genommen und dürfte wohl 20 Jahre in Betrieb gewesen sein. Es wurde Ruß z. B. für Pflegemittel und Druckerschwärze gewonnen. Sie bestand aus zwei Vollgeschossen mit Dachstuhl darüber, unter der Grasnarbe befand sich der Gewölbekeller. Die Spuren der Rußproduktion konnte man im Rußkeller noch sehen. Nach 20 Jahre in Betrieb wurde die Rußhütte zu einem einfachen Wohnhaus umgebaut - mit mehreren Anbauten. Die habe man mittlerweile aber entfernt, so das Denkmalamt. So war die Rußhütte in der Stuttgarter Straße dahin geschlummert.

Wegen der Verlegung der B 28 vom Kniebis – Freudenstadt- Stuttgart herkommend mit der B 462 Baiersbronn – Freudenstadt vierspurig unter Tage als Tunnellösung, war die Rüßhütte in der Stutttgarter Straße im Weg. Deswegen wurde sie vom Regierungspräsidium,  Denkmalamt und der Stadt Freudenstadt 5 Kilometer weiter in die kommende Gartenschau im Christophstal verlegt. Jeder der 10.000 Buntsandsteine wurde einzel abgetragen und mit Nummern versehen und im Chistophstal wieder aufgebaut. Auch das Dach wird noch wie früher die Holzschindeln bekommen. Die Stadt Freudenstadt sucht für die Nutzung nach der Gartenschau einen Pächter. Die Kosten dürften im Bereich von 1.8 Mio € liegen. Wobei die Stadt Freudenstadt 200000 € zu tragen habe.

 

Rußhütte wieder aufgebaut





Rußhütte Schema

Montag, 6. Oktober 2025

Was verbirgt sich hinter dem ehemaligen Eisenwerk Hausen im Wiesental?

Eisenwerk Hausen um 1800

Hausen im Wiesental mit seinen knapp 2.500 Einwohnern wurde um 800 n. Chr. wohl gegründet und gehört heute zum Kreis Lörrach. Es lag direkt an der Grenz zwischen der badischen Markgrafschaft und an den vorderösterreichischen Besitzungen der Habsburger, die ab Zell begann. Mit Einführung der Reformation in Baden-Durlach durch Markgraf Karl II im Jahr 1556 war dies auch eine konfessionelle Grenze.

Im 17. Jahrhundert nahmen die Gründungen der Eisenhüttenbetriebe am südlichen Schwarzwaldrand zu, denn die Industrialisierung und Aufrüstung beim Militär forderten Eisen. Neben Laufenburg standen Eisenwerke in Wehr, Murg, Säckingen, Albruck und Eberfingen – alle am Rhein. Dazu kamen im südlichen Schwarzwald St Blasien, Kutterau, Tiefenstein und Gutenburg. Bei Hausen boten drei Gründe für die Ansiedlung eines Eisenwerks: Keine ertragreiche Landwirtschaft, Wasserkraft der Wiese und den Holzreichtum des oberen Wiesentals.

1680 schlossen Markgraf Friedrich Magnus und ein gewisser Löwel einen Vertrag über den Bau und Betrieb eines Eisenwerks in Hausen, das nur Eisenerz verarbeiten soll. Der Margraf stellt dem Unternehmen kostenlos Erz aus landeseigenen Gruben und Holz aus herrschaftlichen Wäldern zur Verfügung. Der Bau des Eisenwerkes stand unter Aufsicht von markgräflichen Beamten. Beschäftigt werden sollten nach Möglichkeit die eigenen Untertanen. Eigentümer des Werkes wurde der Markgraf, für jeden Zentner Eisen sollte eine Abgabe bezahlt werden, mindestens aber 600 Reichstaler im Jahr. Und schon 1682  wurde das erste Eisen im Werk Hausen gegossen.

Auf Eseln und Mauleseln gelangte das Erz von Kandern ins Werk. In einer Scheuer lagerte die Holzkohle, in der Nähe der Schmelzofen, in dem vom Eisen die Schlacken getrennt wurden. Die Eisenklumpen wurden in der Hammerschmiede von schweren Hämmer, angetrieben von der abgeleiteten Wiese, bearbeitet.

Die Betriebsführung blieb auch nach Löwel –er wurde 1688 von den Behörden verhaftet- in der Hand von Pächtern. Von 1718 bis 1736 nahm die Markgrafschaft wenig erfolgreich die Betriebsführung selber vor. Erst mit der Verpachtung an den Basler Samuel Burkhardt und seinen  Familiennachfolgern begann ein anhaltender Aufschwung bis 1770. Das Werk gab nicht nur vielen Leuten Arbeit, im Dorf nahmen Huf-, Nagel-, Ketten- und Spangenschmiede das Eisen  des Werkes ab, der Rest wurde in die Schweiz verkauft.

Die markgräfliche Verwaltung war dieses Mal besser auf die Übernahme des Eisenwerkes vorbereitet und brachte es gerade in der Zeit von 1800 bis 1865 quantitativ und qualitativ auf den Höhenpunkt. Mittlerweile gehörten über sieben Groß- und vier Kleinhämmer zum Eisenwerk, 1822 wurde das Hammerwerk in Zell dazugekauft. Es wurden 12.000 Zentner Draht- sowie Flach- und Rundeisen produziert. Nach 1806 war in der Amtssprache vom bisherigen „Eisenwerk“ zur „Großherzoglichen Badischen Hüttenverwaltung“ die Rede.

1836 trat das Großherzogtum dem deutschen Zollverein bei und kamen mit der Zeit in turbulente Schwierigkeiten, denn billiges Steinkohleeisen eroberte den Markt. Der Bau der Eisenbahn bis Basel schaffte die Möglichkeiten des billigen Transportes, die Eisenproduktion mit Holzkohle war nicht mehr rentabel. 1861 wurde das Zeller Werk versteigert und 1865 ging das Hüttenwerk ein. Schon 1828 hatte der Finanzausschuss des Landtages der Regierung empfohlen, das Werk zu verkaufen, da der Staat nicht der beste Unternehmer sei.

Für 125.000 Gulden erwarb Carl Grether aus Schopfheim 1865 das Hüttenwerk, da er eine Florettseidenspinnerei darin errichtete. 1880 wurde das Gebäude zu einer Kammgarnspinnerei ausgebaut. 1894 ging es an die „Mechanische Buntweberei Brennet“. 1992 wurde es stillgelegt, später abgerissen, um heute als „Gewerbegebiet Eisenwerk“ neu erschlossen zu werden.

 

Freitag, 26. September 2025

Was verbirgt sich hinter dem Konkurrenten des Triberger Wasserfalls


Der berühmte Triberger Wasserfall ist in ganz Deutschland  als der höchste Wasserfall des Schwarzwaldes bekannt. Er ergießt sich über 163 m in sieben Stufen in die Tiefe und endet in Triberg im Ort. Siehe „Was verbirgt sich hinter der Talsperre über dem Wasserfall von Triberg?“

Wer vom Feldberg über den Stübenwasen nach Todtnau wandert, kommt im Grenzbereich zwischen Todtnauberg, Aftersteg und Todtnau zum Todtnauer Wasserfall. Das Stübenbächle vom Feldbergmassiv kommend stürzt sich in fünf Stufen teils frei insgesamt 97 m in die Tiefe. Die vorletzte und höchste Stufe beträgt 60 m und ist damit die bei weitem höchste Einzelstufe der deutschen Mittelgebirge.

Er durchfließt das Hochtal von Todtnauberg. Unterhalb des Zinkens Hangloch stürzt der Bach unvermittelt in eine Felskerbe mit zwei wenige Meter hohen Fallstufen. Nach kurzer Fließstrecke folgt ein polternder Fall von ungefähr 12 Metern Höhe, um dann über eine breite Fallkante von rund 60 m in einer vielfach gegliederten Hauptstufe hinabzustürtzen. Nach einem letzten 4 m hohen Absatz rauscht das Stübenbächle weitere 140 m steil hinab dem Schönenbach entgegen. Seit 1987 steht der Wasserfall unter Denkmalschutz. In kalten Winternächten gefriert der Wasserfall zu einem bizarren Gebilde überdimensionaler Eiszapfen.

Von der Straße Todtnau zum Notschrei ist der Wasserfall in der ersten großen Kurve rechts zu sehen. Vor allem während der Schneeschmelze oder nach heftigem Regen spritzt der Wasserregen umher und bildet bei Sonnenschein einen Regenbogen.

In einer Entfernung von 300 m östlich der oberen Fallstufe befindet sich der Monolith „Schatzstein“. Der Felsblock weist merkwürdig eingemeiselte Zeichen auf. Die einen behaupten, dass es sich um Markscheider-Zeichen über die Lage der Gruben oberhalb des Wasserfalls handelt. Andere behaupten, dass es die genaue Lage eines Geldschatzes bezeichne, der zur Zeit des französischen Einfalls um 1795 von Feinden auf der Flucht vor den Österreicher vergraben worden sein soll. Ein französischer Offizier aus Nancy habe um 1830 seinen Todtnauer Quartierleuten in einem offenen Brief die genaue Stelle des vergrabenen Schatz bezeichnet. Es wurde schon oft gegraben, aber nichts wurde gefunden.

Der Wasserfall ist von Parkplätzen der Orte Todtnauberg und Aftersteg erreichbar. Oberhalb und unterhalb der Hauptstufe queren Stege den Wasserfall. Mittlerweile besuchen 500.000 Besucher im Jahr den Wasserfall. Als besondere Attraktion wurde 2023 eine 450 m lange Hängeseilbrücke „Blackforestline“ beim Todtnauer Wasserfall eröffnet, die 120 m über dem Talgrund verläuft. 5 Mio Euro wurden dafür investiert.

Todtnaubeg Schatzstein