Freitag, 30. Januar 2026

Was verbirgt sich hinter einer Schwarzwaldreise vor 250 Jahren?

Hornberg 1823

In der Schwäbischen Chronik von 1786 schilderte ein Besucher seine Reiseeindrücke von Straßburg kommend
  über das Kinzigtal in den Hochschwarzwald. Die Wanderung ging  zuerst durch das Kinzig- und Gutachtal zur damals württembergischen Oberamtsstadt Hornberg: „Ich brauche nur zu bemerken, dass man durch das wegen seiner Schönheit und Fruchtbarkeit allgemein bekannte Künziger Thal kommt, um zu sagen, dass der Weg der angenehmste ist.“ Seine weniger reizenden Eindrücke aus dem Gutachtal schilderte der Besucher wie folgt: „Nach und nach rücken die Berge zusammen und ihre steilen Rücken werden immer unfruchtbarer. Der wütende Bach, die Gutach, dessen Geräusch sich hier in einem Donner ähnliches Getöse und zischendes Geheule verwandelt, ist in einer enge toten Wildnis eingeschlossen“.

Der Besuch des Triberger Wasserfalls scheint damals ein Wagnis gewesen zu sein, jedenfalls mehr Rutschpartie von übereinander liegenden Felsstücken als ein angenehmer Spaziergang: „Hier erregt die unglaubliche Schnelligkeit, mit welcher man Welle auf Welle herabstürzen sieht, beinahe Schwindel und der unglaubliche, der von den gewaltigen Stößen wiederhallt, mit welcher die trotzigen Felsen geschlagen werden, durchschüttert den ganzen Körper. Dreimal stürzt das Gewässer des Bachs in Klüfte hinein und dreimal wird es von nachstürzenden Wellen herausgepeitscht, ehe es den untersten Kessel erreicht“.

Auch ein Ausflug auf den Karlstein wurde unternommen: „Ein Felsen auf dem Gipfel des höchsten Berges, der seit 1770 durch den Herzog von Württemberg bestiegen wurde und seither diesen Namen führt. Durch die ungemeine Weitsicht kann man die Schweizer Gebirge und das Straßburger Münster sehen“.

Mit einem Hornberger Freund wird ein Besuch beim Hinterbauernhof im Offenbach, einem Seitental von Hornberg, gemacht, um einen Eindruck von der bäuerlichen Einrichtung zu bekommen. Nachdem Leib und Seele gestärkt waren, geht es unter Führung des Bauern an die umfassende Besichtigung des stattlichen Hofs. Beim Besuch der Stallungen klagt der Bauer sehr, dass sein Hof, sowie mehrere Höfe in der Gegend, die unsägliche Eigenschaften haben, dass alles Rindvieh, welches auf den Hof gebracht würde, nach einem halben Jahr mehr oder weniger die Dörrsucht bekäme. Das Vieh werde von Tag zu Tag mägerer und wollte nicht mehr fressen. Bei der ersten Äußerung dieser Krankheit müsse man das Vieh zu einem anderen Hofe bringen. Die Höfe mit dieser Erscheinung der Dörrsucht würden Dörrhöfe genannt. Was der Bauer nicht wissen konnte, es handelt sich um eine Knochenkrankheit, die vom kalkarmen Futter herrührt, so dass die eigentliche Ursache an den Bodenverhältnisse liegt.

Über die rausten Gegenden des Schwarzwaldes bei Triberg, St Georgen und der Abtei St Blasi erzählt unser Besucher: „Die Einwohner füllen ihre müßigen Stunden mit Schachtelmachen, Strohhutflechten und Verfertigen hölzerner Uhren aus, da beinahe kein Ackerbau betrieben werde. Dieser Handel mit Uhren dauere schon anderthalb Jahrhunderte und zwar soll ein fürstenbergischer Untertan, Friedrich Dilger, der Urheber gewesen sein. (Friedrich Dilger aus Schollach war einer der Stammväter der Schwarzwälder Uhrenindustrie) Außer den Uhren mit hölzernen Rädern werden auch schon solche mit Triebwerk verfertigt, dazu die messsingen Räder und Glocken. Was den Handel mit Uhren in fremde Länder betrifft, so habe den Grund dazu vor ungefähr 50 Jahren wiederum ein Fürstenberger, Namens Mathes Höfler gelebt. Er war als Uhrenträger in der Pfalz unterwegs, Holland und schließlich in Constantinopel, woselbst er dem Gros Sultan ein Glockenspiel verehrte und dafür einen Firmann erhielt, der ihn ermächtigte ohne Abgaben in der Türkei handeln zu dürfen. (Anstatt Mathes Höfler war dies Mathias Faller aus Friedenweiler 1794 in Galata/ Istanbul ermordet)

Triberger Wasserfall 1838