Freitag, 23. Januar 2026

Was verbirgt sich hinter der "Brennet AG"?


Der Hotzenwald war geprägt durch eine ärmliche, wenig ertragreiche Landwirtschaft. Die vorherrschende Realteilung der schon kleinen Höfe führte zum berechtigten Begriff des Armenhauses des Schwarzwaldes. Den Bewohnern  blieb neben der Landwirtschaft oft nur die Hausweberei, um die hungrigen Mäuler zu stopfen oder die Auswanderung.

So zog um das Jahr 1873 ein schäffiger Schwabe, Carl August Hipp, in den Hotzenwald, um als Rottweiler Textilunternehmer eine jener typischen Hotzenwälder Textilfirmen zu übernehmen, die mit den in den Bauernhäusern der Umgebung hergestellten Stoffen von hoher Qualität handelten. In Görwihl, am Albtal gelegen, wurde er fündig. Das Unternehmen, das über eine große Bleiche verfügte, funktionierte als Fegerei, d.h. die Garne wurden roh gekauft, gefärbt, gespult und geschlichtet. Die im Hause hergestellten Ketten wurden von den Handwebern der Umgebung abgeholt, die im Gegenzug die in Heimarbeit hergestellten Stoffe für Schürzen, Kleider, Hemden und Betten ablieferten.

Hipp brachte einen engen Mitarbeiter, Anton Denk, mit, der zusätzlich noch Hipps Schwester heiratete. Das Trio wurde noch durch Joseph Carl Schenz ergänzt, der bei Hipp eine Lehre in Rottweil absolviert hatte. Das Quartett hatte sich die Aufgaben aufgeteilt: Hipp war der Finanzier, Denk war für den Außendienst, Schenz für die technischen Abläufe in der Firma und Maria Anna Denk neben 11 Kindern großziehen für Verpackung und Versand zuständig.

Da die mechanischen Webstühle sich immer mehr gegen die Handwebstühle durchsetzten und die Verkehrsverhältnisse in Görwihl zu schlecht waren, übernahm das Quartett die Weberei „Fahrländer & Bauer“ mit 100 mechanischen Webstühlen, die 1881 in Konkurs geraten waren: als „Mechanische Buntweberei Brennet, C.A. Hipp&Co“. Genannt nach dem Ortsteil Brennet von Ölfingen an der Mündung der Hasel.

Um an qualifizierte Fachkräfte für hochwertige Produkte zu kommen, bildeten Denk und Schenz persönlich Weber an mechanischen Webstühlen aus, um auf diesem kraftraubenden Weg Fachkräfte nachzuziehen. Das war auch dringend notwendig, da schon nach 3 Jahren die Ölfinger Buntweberei mit 200 Webstühlen neben den eigenen 350 einverleibt wurde. Nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft „Mechanische Buntweberei Brennet“ wurde die Mechanische Weberei „F.A. Baumgartner&Co“  mit 200 Webstühlen eingegliederten. Um die Vollstufigkeit der Textilproduktion zu erreichen, wurde in Hausen die „Krafftsche Kammgarnspinnerei“ gekauft und 30 Jahre später die Weberei „Vortisch& Co“.

Bis zum Ersten Weltkrieg betrieb Brennet 1250 Webstühle, 31588 Spindeln sowie 1439 Mitarbeiter. Nach und nach wurde die Gründergeneration durch die Kinder von Anton Denk ersetzt, die das Unternehmen durch den Ersten Weltkrieg und die Zeit der Weltwirtschaftskriese brachten. 1921 wurde eines der ersten Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland gebaut. Gleichzeitig wurde die dritte Generation der Denks eingearbeitet, denn Anfang der 30er Jahre wurden 1486 moderne Webstühle, 58124 Spindeln und 1760 Mitarbeiter beschäftigt. Um auch den Markt einfacher Ware abdecken zu können, wurde 1937 die Pfälzer Großspinnerei Lampertsmühle mit 57164 Spindeln und 854 Webstühlen übernommen.

Nach der Überwindung des Zweiten Weltkrieges und die Aufbauzeit Ende der 40/Anfang der 50er Jahre wurde die verschiedenen Werke modernisiert und sogar eine Weberei in Berlin errichtet. Dies trotz dass von 1955 bis 1980 400.000 Arbeitsplätzen in der deutschen Textilindustrie verloren gingen. Im Jahr 2011 traf es Werk Hausen zusätzlich mit einem Großbrand, bei dem 1.180 t Baumwolle verbrannten. 2012 wurde bekannt, dass Brennt nicht nur das Werk Hausen sondern den gesamten Betrieb einstellen wird. 

Brennnet wurde in eine Immobiliengesellschaft mit Liegenschaften in Wehr, Brennet, Hausen, Bad Säckingen umgewandelt mit dem Ziel der Entwicklung, Bau und Instandhaltung und Verwaltung von Gewerbe- und Wohnungsimmobilien sowie Bewirtschaftung von Energie umgebaut.