Sonntag, 1. Dezember 2019

Was verbirgt sich hinter den bekannten Engstellen der Schwarzwaldtäler?


Um die Bevölkerung im frühen Mittelalter und das aufkommende Handwerk des Schwarzwaldes zu versorgen, mussten Straßen gebaut werden. Nach heutigen Maßstäben waren dies aber Karrenwege oder Saumpfade, die nur ein mühsames Fortkommen ermöglichten. Außerdem wurden nicht wie heute üblich die Straße im Tal entlang den Flussläufen gebaut sondern sogleich auf die Berghöhen geführt. Dadurch wurden Talengen, Felsvorsprünge und die immer wiederkehrenden zerstörenden Hochwasser umgangen.



So wurde beispielsweiseweise die „Alte Weinstraße“ -1227 schon erwähnt- von Gernsbach im Murgtal auf die 904 m hohe Teufelsmühle und weiter über den Hohloh 988 m nach Besenfeld geführt. Mit ihr wurde das unwirtliche, felsige und enge Murgtal umgangen, in dem es vor 1795 überhaupt keine durchgängige Verbindung gab. Bis 1842 war es nur möglich einen Postreiter durch das Murtal zu schicken. Ab dann war eine Fahrpost möglich. Ab 1895 konnte man von einem durchgängigen Fahrweg sprechen. Der heutige Ausbau der B 462 erfolgte ab 1955. Der Hördelstein bei Ottenau erinnert, dass 1786 die Felsen wegen der Straße  und 1869 wegen der Eisenbahn gesprengt werden musste, um im Tal Fluss, Straße und Eisenbahn notfalls mit Tunnels unterzubringen. Allein auf den sieben Kilometern zwischen Weisenbach und Forbach  mussten sieben Tunnels und drei große Brücken für die Eisenbahn gebaut werden.



Die Höllentalstraße –früher auch Falkensteig- wurde schon 1301 urkundlich erwähnt und verband den Breisgau mit der Baar und dem Bodenseegebiet. Sie trat sehr bald in Konkurrenz zur Wagensteigtalstraße. Nachdem ein Hochwasser 1747 den holperigen Saumweg völlig zerstört hatte, wurde der Weg befestigt, Felsen gesprengt und der Höllenbach umgeleitet. So konnte die Kaisertochter  Marie Antoinette mit ihrem Hochzeitszug 1770 die Engstellen des Höllentales beim Hirschsprung durchholpern. Anders kann man dies nicht ausdrücken. 1887 wurde die Höllentalbahn mit einem Tunnel durch die Engstelle beim Hirschsprung gedrückt. Die heutige Strecke wurde 1851-1858 ausgebaut.



Das Tal der Hauensteiner Alb führt von St Blasien nach Albbruck am Hochrhein.1788 kaufte das Kloster St Blasien das Hüttenwerk in Albruck. Eine Verbindung durch das felsige Tal war unmöglich. Der Weg führte über Häusern, Höchenschwander Berg und Waldshut. Zwischen 1858/60 wurde der schwierigste Straßenabschnitt in der siedlungsfreien Albschlucht gebaut. Die Straße wurde über der Schlucht mit 5 Tunnels durch die Felsen geführt. Daher auch der Name Axenstraße des Schwarzwaldes. Erst 1863 war ein durchgängiger Weg durch das Albtal möglich.




Das Schlüchttal verbindet Rothaus mit seiner gleichnamigen Brauerei mit Waldshut-Tiengen. Vor 1875 führte unterhalb Ühlingen kein Weg durch das Schlüchttal. Ab Riedersteg verengt sich das Tal und geht in eine siedlungsfreie Schlucht über. In dessen Sohle findet die Straße kaum Platz neben der Schlücht. Nach der Mettmamündung folgt im Schlüchttal der schönste Teil der Schluchtstrecke, der mit alpin anmutenden Felsen bis unterhalb Witznau reicht. Unterhalb der Mettmamündung wurde beim Bau der Straße in der felsigen Enge ein Tunnel 6 x 9 m für die Schlücht in den Felsen gesprengt und verlegte die Straße 1881 in das ehemalige Flussbett.