Freitag, 22. Juli 2016

Was verbirgt sich hinter dem 22.Juli 1849?



Die Hungerkrise 1846/47 traf die Bevölkerung des Schwarzwaldes hart. Die Eltern wussten nicht wie sie die hungrigen Mäuler ihrer Kinder stopfen sollten.  Dies war der fruchtbare Nährboden für die revolutionären Ideen aus Frankreich: Brüderlichkeit, Freiheit und Gleichheit. Es konnten nach Anfangserfolgen der Revolution 1948/49 die Monarchen  die Revolution unterdrücken. Aber Hecker, Struve und Fickler als bekannteste Anführer hatten es verstanden, neben der Not der Landbevölkerung das aufgeklärte Bürgertum mit zu reißen. Es waren schon 1948 auf einer zentralen Kundgebung 20.000 Teilnehmer nach Offenburg gekommen.  Am 13. Mai 1849 trafen wiederum unzählige Menschen in Offenburg zusammen. Aufgeklärte, angesehen und unabhängige Bürger sowie Hitzköpfe verkündeten die neuen Ideen der Revolution. Am Abend hörten sie dann die Nachricht, der badische Großherzog sei geflohen. Es haben sich provisorische Revolutionsregierungen gebildet. Doch die Aufständischen hatten nicht damit gerechnet, dass die Preußen dem Großherzog zu Hilfe geeilt waren. Sie warfen die Revolutionsarmee zurück.



Die Metzger Chronik aus Wolfach von 1860 schilderte die damalige Situation authentisch:



Im Alten Rathaus war es auch, wo das hiesige Aufgebot der damaligen provisorischen Regierung im 49iger Rummel aufgestellt wurde und auszog mit Heckerhut und Freischälerbluse zum Kampf für Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit. In Durbach bei Offenburg halfen sie mit anderen, den großherzoglichen Weinkeller in dem dortigen Keller leersaufen, die einzige und größte Heldentat, die sie im ganzen Feldzug verrichteten. Und als sie die wackeren Kumpanen kanonenvoll waren, da tobten, lärmten und schrien sie: „Jetzt sollen sie nur kommen.“ Und als sie wirklich kamen, die fürchterlichen Preußen, stoben die Krakeler auseinander wie die Streu vor dem Winde und jeder lief, soweit ihn seine Beine tragen konnten.  Bei Nacht und Nebel schlichen sie wieder heim und wurden von ihnen über alle Maßen frohen Wolfacher Eheweibern wieder mit offenen Armen aufgenommen – so die Chronik.



Tatsächlich rückten am 22. Juli 1849 die Preußen mit 2 Kompanien Infanterie und 30 Husaren in Wolfach wie auch in den gesamten badischen Landen ein. Es wurden zahlreiche Bürger verhaftet und zum Verhör nach Freiburg gebracht, darunter auch Theodor der Seifensieder. Erschossen wurden damals 9 Bürger.



Die freiheitlichen Ideen und Gedanken konnten die Preußen unterdrücken aber aus ehemaligen fürstenbergischen und jetzt badischen Bürgern wurden trotzdem keine Preußen. 1849 wurde verbotenerweise folgendes Wiegenlied gesungen


Schlaf‘, mein Kind, schlaf leis‘,

Draußen geht der Preuß‘,

Deinen Vater hat er umgebracht,

Deine Mutter hat er arm gemacht,

Und wer nicht schläft in guter Ruh‘

Dem drückt der Preuß‘ die Augen zu.

Schlaf‘, mein Kind…..
Preußischer Soldat verhaftet den Theodor der Seifensieder