Der Name „Hettich“ ist in Schonach im Schwarzwald fast schon ein Allerweltsname, weil er auf vielen Klingelschildern im beschaulichen Ort steht. Dieser Allerweltsname läßt aber im Kreise der Wintersportler weltweit aufhorchen: Urban und Georg sind bekannt.
Urban Hettich,
geboren 1953, wuchs auf dem Bauernhof „Vordere Vogte“ am Blindensee oberhalb
von Schonach auf. Was lag näher als im Winter auf Skiern mit seinen Brüdern in
die Schule zu wedeln. Dies war der Grund neben seinem Talent, dass er sich in
den Schülerwettbewerben und den
deutschen Jugendwettbewerben behaupten konnte. Seinen ersten deutschen
Titel holte sich Hettich 1971 mit nur 18 Jahren bei den nordischen
Winterspielen der deutschen Skijugend in Schonach. Die Nordische Kombination
mit dem Skispringen und dem Skilanglauf gilt als „Königsdisziplins“ des
Nordischen Skisports. Schon zwei Jahre später erzielte er die Bronzemedaille
bei den Junioren-Weltmeisterschaften 1973 in Kawgolowo (Sowjetunion). Er nahm
an drei Olympischen Winterspielen von 1972 bis 1980 teil. So erzielte er 1976
in Innsbruck die Silbermedaille in der Nordischen Kombination.
Möglich wurden die
Leistungssteigerungen durch die Möglichkeit, als Sportsoldat bei der
Panzerdivision in Todtnau Fahl zu dienen, wie er auch Trainer am Skiinternat
Furtwangen 1984 wurde.
Kaum ein Vierteljahrhundert später wird wieder eine Sportskanone Hettich in Schonach geboren, der von seinem Vater im Alter von drei, vier Jahren während der langen Winter einfach auf die Ski gestellt wurde. Die Verantwortlichen des SV Rohradsberg, für die der kleine Georg an den Start ging, teilten dem Vater mit: „Der kleine Schorsch muss mehr trainieren, wenn er vorwärts kommen will“! Der Durchbruch kam bei ihm mit dem Ski-Internat in Furtwangen.
Der erste
internationale Erfolg stellte sich bei der Junioren-Weltmeisterschaft 1997 in
Calgary ein, bei der er Staffel-Silber gewann. Aber auch bei den Olympischen Winterspielen
2002 in Salt Lake City, WM in Val die Fiemme, bei der WM 2005 in Oberstdorf.
Seinen größten Erfolg erreichte Hettich in der Nordischen Kombination bei den
Olympischen Winterspielen 2006 in Turin im Einzelwettbewerb mit der
Goldmedaille, gleichzeitig erhielt er die Silbermedaille mit der Mannschaft und
im Sprint die Bronzemedaille.
Trotz dieser
Erfolge wurde die Berufsausbildung nicht vernachlässigt. Nach dem Skiinternat
folgte ein Studium an der Medical Engineering an der Hochschule in Furtwangen
und anschließend promovierte er an der Uni Freiburg zum Thema
„Gleichgewichtskontrolle“.
Schonach hat sich
mit der Zeit zum Eldorado des Skisports entwickelt: Seit 1966 richtete der SV
Schonach zwölf Mal den internationalen Kombinationswettbewerb um den
Schwarzwaldpokal für Senioren und Junioren aus. 1981 hatte der Internationale Skiverband
die Junioren Weltmeisterschaft in den klassischen nordischen Disziplinen nach
Schonach vergeben. Nicht verwunderlich, da es seit 1924 ein e Sprungschanze in
Schonach gibt, die 2010 umgebaut und erneuert wurde. Sie ermöglichte 2022 einen
Schanzenrekord von 110 m.
Eine weitere
Sportattraktion im Schonacher Sportprogramm ist der Internationale Skimarathon
seit 1974 über 60 km von Schonach nach Hinterzarten durch die schönsten Teile
des Schwarzwaldes. 1978 kam der Wälder-Cup über 100 km als Rucksacklauf von
Schonach nach Mulden am Belchen hinzu. Der erste Sieger dieses Wettbewerbs war
ein anderes großes Schwarzwälder Skiass: Georg Thoma aus Hinrerzarten in 6.
Stunden 39 Minuten. Seit 2006 wurden beide Wettbewerbe zusammengelegt, wenn der
Schneemangel keinen Strich durch die Rechnung macht.