Freitag, 17. Juli 2020

Was verbirgt sich hinter der Schwarzwaldfahrt von Maria Antoinette?


Kaiserin Maria Theresia hatte beschlossen, ihre Tochter, die 1755 geborene Erzherzogin Maria Antonia Josepha Johanna (15 Jahre alt) mit dem Enkel des französischen Königs Ludwig XV (16 Jahre alt), dem Thronfolger Louis Auguste und späteren König Ludwig XVI von Frankreich, zu verheiraten. Fünf Jahre hatte die Kaiserin über alle diplomatischen Kanäle verhandelt, um den gewaltigen Widerstand am französischen Hof gegen diese Hochzeit zu brechen. Am 19. April 1770 wurde in der Wiener Hofkirche der Augustiner die Trauung durch Prokuration (Stellvertretung) vom päpstlichen Nuntius und Erzherzog Ferdinand, einem Bruder der Braut, an Bräutigams Stelle vollzogen. Festigung von  Bündnissen war wichtiger als jugendliches Leben.



Am 21.4.1770 war es soweit, die 24 tägige Reise nach Frankreich wurde mit einem unvorstellbar aufwendigen Brautzug angetreten. Staatsminister Georg Adam Fürst Starhemberg hatte die Braut in Versailles zu übergeben. Die technische Reiseleitung war dem Obristen-Postmeister Fürst von Paar übertragen und Fürstin von Paar hatte als Obrist-Hofmeisterin die Braut zu betreuen. Mitgeschickt wurden alleine 73 Bedienstete. Das ganze Gefolge bestand aus rund 250 Personen, 57 Kutschen und Wagen –davon 57 sechsspännig- und 450 Zug- und Reitpferden wurden mitgeführt. Auf jeder Umspannstation mussten 330 Pferde vorgehalten werden.



Der Brautzug rastete  mit seiner 11. Übernachtung vor der beschwerlichen Schwarzwaldreise beim Fürsten von Fürstenberg in Donaueschingen. Die eigentliche Verkehrs- und Handelsstraße nach Freiburg führte damals von Breitnau die Wagensteige herab. Für diese Mengen aber war diese Strecke nicht brauchbar. Deswegen musste der alte Karrenweg und Saumpfad im Höllental, der durch Hochwasser immer wieder zerstört war, hergerichtet und durch Sprengungen verbreitert werden. Nach einer Einkehr  und mit dem notwendigen zusätzlichen Vorspann in Hinterzarten im „Weißen Rössle“ versehen, ging es die steile Falkensteig hinab zu einer kurzen Rast im „Hofgut Sternen“, und dann weiter durch „das Tal der Hölle“ nach Freiburg. Auf ihrem Durchzug im Höllental standen die Bauersleute in ihren schönen Trachten an der Straße, um ihr Fürstenkind zu grüßen.



Der 12. Tag in Freiburg diente der Erholung der reisemüden Dauphine, die durch die vielen Ehrungen und Empfänge mehr als strapaziert wurde. Böllerschüsse und Glockengeläute der Kirchen kündigten jeweils die Ankunft des Brautzuges. Alleine in Freiburg wurden drei Ehrenpforten aus Holz und Stuck errichtet, zahlreiches Militär und die gesamte Bevölkerung hießen Marie Antoinette willkommen. Auf dem Münsterturm brannten 1.000 Lichter und sie brannten 12 Stunden trotz Sturm und Regen. Festgottesdienste, Empfänge sowie Theateraufführungen wehselten sich ab.



Marie Antoinette nahm Quartier im Kageneckschen Haus an der Salzstraße, die vorübergehend in Dauphinegasse umbenannt wurde. Die Übernachtungen und Versorgung des Brautzuges stellten die Regierung von Vorderösterreich und die Ratsherren von Freiburg vor eine schier nicht zu bewältigen Aufgabe: Tafeltische, Schränke, Bettstatten, Stühle aufs prächtigste waren bestellt. Mit einer Liste aus Wien wurden Weißzeug, Trinkgläser, Caraffinen, Bouteillen, Cafe-Service, dann in den Zimmern an Lichtstöcken, Lavors, Pots de chambre sowie an Küchengeräte bestellt. Zum mitgebrachten Personal hatte Freiburg noch 23 Weiber in der Küche zu stellen. Bäcker und Metzger in der gesamten Umgebung von Freiburg wurden angewiesen, ihre Waren nur nach Freiburg zu verkaufen, um die Versorgung des Brautzuges zu gewährleisten. Nachdem der Herzog von Württemberg sich geweigert hatte, sein Ballett zur Verfügung zu stellen, musste das kurfürstliche Theater in Mannheim aushelfen.



Am 13. Tag ging es über  das festlich geschmückte Emmendingen, Herbolzheim, Übernachtung im Kloster Schuttern weiter und am nächsten Tag Übergabe des Hochzeitszuges auf einer unbewohnten Rheininsel vor Straßburg an das französische Königreich.