Freitag, 7. Februar 2020

Was verbirgt sich hinter der "Alten Steig" bei Oppenau?


Oppenau Oberes Tor um 1900
Im hohen Mittelalter herrschten die Zähringer von der Ortenau bis zum Genfer See und vom Rhein bis zur Schwäbischen Alb. Sie legten sicherlich die Grundlagen für eine Verkehrsanbindung durch das Renchtal über den Kniebis in das Schwabenland, denn diese war die kürzeste Verbindung von Straßburg nach Stuttgart. Dort wo die Oppenauer oder auch Alte Steig beginnt, musste Vorspann genommen werden. Es entstanden Herbergen und Gastwirtschaften, Handelsleute ließen sich nieder. So wurde Oppenau 1070 erstmals erwähnt.



Nach dem Aussterben der Zähringer und Staufer verfielen die großen Machtblöcke im späten Mittelalter in zahlreich kleine Herrschaften, denen das strategische Gewicht und Möglichkeiten fehlten, die großen Verkehrsachsen auszubauen oder zu unterhalten. So kümmerte die Alte Steig im 16. Jahrhundert als steiler Fußpfad durch unwegsames sumpfiges Gelände vor sich hin.



Erst Herzog Friedrich I von Württemberg erlangte 1604 das Pfand des Oppenauer Tales vom Straßburger Bischof. So war es ihm möglich, seine Besitzungen in Württemberg mit dem burgundischen Mömpelgard zu verbinden. Dadurch wurde die Alte Steige für ihn von strategischer Bedeutung, ließ sie ausbauen und auf dem Kniebis einen langen Bohlenweg durch das Moor anlegen. Die Alte Steig überwand 600 m Höhe mit bis zu 20% Steigung. Die Gründung von Freudenstadt 1599 sollte die Verbindung absichern.



Wein und Getreide gelangte von Burgund und dem Elsaß nach Schwaben, Salz, Kupfer und Vieherden auf dem Rückweg nach Straßburg. 1629 wurde eine regelmäßige Postverbindung eingerichtet, 1687 eine wöchentliche Personenverbindung und 1757 betrieb Thurn und Taxis die Postlinie. Die zahlreichen Gasthäuser in Oppenau weisen auf den strapaziösen Aufstieg hin. Gleich hinter dem Lierbacher Tor, das heute noch steht, ging es am Fuße der Steig mit dem Ansetzen los. Es musste Vorspann genommen werden. Aus ihm entstand der heutige Ortsteil „Ansetze“. Beim Zinken „Überknie“ hatte der Weg damals 20 % Steigung ebenso beim Roßbühl, da die Strecke direkt zum Schwarzwaldkamm zwischen Sandkopf und Roßbühl ankam. Beim Steighof musste weiterer Vorspann geholt werden. Beide Steigungen sind heute durch groß angelegte Serpentinen entschärft.



Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, welche Strapazen der Auf- wie auch der Abstieg für Mensch und Tier bedeutete. Der Pass war nicht befestigt. Regen und Schnee hinterließen tiefe Furchen, die das hinab schießende Wasser ausspülte. Zugtiere glitten aus, Fuhrwerke stürzten in den Abgrund. Umgefallene Bäume oder hoher Schnee versperrten den Weg. Im 17. Jahrhundert gab es noch Wölfe und Bären.  Die damals üblichen Gabelfahrzeuge, bei denen die Tiere hintereinander gespannt werden, hinterließen tiefe Rillen. Erst später wurden diese nach einem Verbot durch Deichselfahrzeuge ersetzt. Erst im 18. Jahrhundert wurde er an den gefährlichsten Stellen ausgeschottert. Auf damals 8 km mussten genau 613 Höhenmeter überwunden, 4 Zollstationen passiert und bei Regen der rutschige Bohlendamm überwunden werden. Wehe dem Wagen, der daneben ins Moor abrutschte.



Um die Mühen der Alten Steig zu verhindern, wurde 1813 die heutige B 28 von Oppenau über Bad Peterstal mit der Griesbacher Steige zur Alexanderschanze gebaut.