Freitag, 23. August 2019

Was verbirgt sich hinter dem Bodensee-Abenteuer der Gebrüder Trautwein?


Christian Trautwein  1819-1898

Noch einmal wagten Schiltacher Schiffer ein Engagement außerhalb des Kinzigtals. Nach dem Krimkrieg 1853 gestalteten sich die Holzpreise immer besser. Der Schiffsbau und Bergbau benötigte immer mehr Kiefernholz. Diese wurden in Herzogenweiler, Vöhrenbach und Bregenbach durch die Floßherren „Gebrüder Trautwein“ aufgekauft. Die Stämme kamen mit dem Fuhrwerk nach Gutach Turm und wurden kinzigabwärts geflößt.



Als besonderes Geschäft galt der Kiefern Akkord mit dem Grafen von Bodmann. Am See wurden die Kiefernstämme eingebunden, mit dem Dampfschiff nach Konstanz gezogen, den Rhein bis Schaffhausen geflößt und mit dem Wagen um den Wasserfall in Schaffhausen transportiert. Trautwein konnte die wieder zu Flößen zusammengebauten Kiefern rheinabwärts bis Laufenburg flößen. Wegen der Stromschnellen musste das Floß den Laufenknechten übergeben werden. Von Basel bis Kehl konnte wieder in eigener Regie geflößt werden.



Nach Abzug der Kosten für das Dampfschiff, Kosten für den Transport um den Rheinfall und die Laufenknechte, dazu kamen Durchgangsgebühren, Zölle für die Schweiz und die Löhne der Rheingenossen, verfolgten die Gebrüder Trautwein diesen Geschäftszweck nicht mehr weiter. Sie verlegten sich wieder auf das Geschäft auf der Kinzig und dem Oberrhein.



Dabei hatten die Gebrüder Trautwein schon 1838 versucht ihren Geschäftsradius auf die Bodensee-Wälder auszudehnen und den See und Rhein als Transportweg einzubeziehen. Mit modernem Hilfsmittel, dem Dampfschiff, sollten die Flöße über den See gezogen werden.



Schon 1609 und 1782 tauchten Überlegungen auf, den Rheinfall zu umgehen, um eine durchgängige Floßrinne zu erhalten. 1817 wurde der Schaffhauser Kantonsregierung ein Vorhaben unterbreitet, mit einem unterirdischen Kanal den Rheinfall zu eliminieren. Aber Schaffhausen hätte damit ihr Wahrzeichen und den Verdienstausfall für das händische Umgehen des Rheinfalls gehabt.

Dampfschiff Leopold zum Ziehen der Flöße über den Bodensee