Freitag, 1. Februar 2019

Was verbirgt sich hinter dem Mühlstein-Bergbau bei Waldshut?


Dass Mühlsteine in Stollen –zuerst im Tagebau und ab dem 18. Jahrhundert mit Hilfe von Schwarzpulver dann unter Tage abgebaut wurden, ist wenig bekannt. Im Schmitzinger Tal bei Waldshut gab es eine Gesteinsformation, die sich zum Mühlstein-Bergbau eignete: Ein ausgebleichter, stark verkieselter Sandstein mit hartem Korn und weichem Bindemittel. Er wurde 1393 erstmals erwähnt. Absatz fanden die Mühlsteine in den Mahlmühlen für Korn, Gips, Zement, Farben und sogar in Edelsteinschleifereien.



Ab 1531 wurde der Bergbau so rege, dass die Stadt Waldshut eine „Steingruoben-Verordnung“ erließ.  In ihr wurde unter anderem festgelegt, dass ein Gulden pro Mühlstein an die Stadt abzuführen sei. Aber auch die gemeinschaftliche Unterhaltung von Wassergräben, Karrenwege, das Verhalten untereinander und Alkoholverbot in den Gruben waren geregelt.



Über 400 Jahre hat sich dieser Zweig des Bergbaues erhalten können. 1840 wurden 125 Mühlsteine pro Jahr gebrochen. Für den Absatz wirkte sich der Bau der Eisenbahnstrecke am Hochrhein 1860 günstig aus. Aber auch die Steine aus Konkurrenzgebieten waren leichter zu transportieren und drangen in die Märkte ein. Durch die Champagnersteine aus Frankreich ging die Produktion 1860 auf 100 Mühlsteine pro Jahr zurück. Ab 1870 verdrängten sie die Steine aus dem Schwarzwald.



Diese Steine aus der Champagne hatten ein Herzstück aus Sandstein, die Mahlflächen waren aber aus Platten mit porösem Süßwasser zementiert. Mit diesen Mahlsteinen konnte der Müller im Mahlstuhl das Korn schälen und mahlen, ohne dass die Mahlbahnen glatt wurden. Durch das widerstandsfähige und porige Material blieben sie lange rau und mussten nicht so oft geschärft werden. Aber auch der Champagnerstein konnte sich nur noch 30 Jahre halten. Er wurde ab 1900 durch Porzellanwalzen verdrängt.

Zwar nahm ein Maurermeister aus Waldshut nochmals den Mühlstein Bergbau 1888 auf. Dies aber nur in der Winterszeit, um seine Arbeiter zu beschäftigen. Der Zugang zu den leeren Gruben wurde 1924 durch einen Erdrutsch verschüttet. 

Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof: Ölmühle 1848