Freitag, 20. September 2019

Was verbirgt sich hinter der Herkunft des Balzer Herrgotts über der Wilden Gutach?


Balzer Herrgott heute

Der Zufahrtsweg führt von Gütenbach, Vogtsgrund oberhalb des Fallengrunds nach Süden zum Waldparkplatz. Von dort sind es noch 1,5 km zum Balzer Herrgott zu Fuß. Der Wanderweg führt dann weiter nach Dreistegen zur Hexenlochmühle.



Da weder in der Chronik von Gütenbach noch sonst schriftliche Unterlagen zum Balzer Herrgott vorhanden sind, ist man auf das Hörensagen von Generation zu Generation angewiesen. Hugenotten hätten ihn auf der Flucht aus Frankreich an dem steilen Hang liegen lassen. Andere behaupten es seien Royalisten gewesen, die während der Revolution aus Frankreich geflohen seien. Ein Bauer namens Balzer hätte auf Grund eines Gelübdes ihn um 1800 aus Glashütte erstellt. Ein Jäger habe aus Wut Arme und Beine wegen einer entgangenen Beute abgeschossen. Der Herrgott sei dann an den Baum gelehnt worden und dort angewachsen. So einige der unzähligen Gerüchte, die in Umlauf waren.



Der Forstamtmann Wilhelm Rombach, Gütenbach, erzählt, dass der Herrgott 1929 nur an den Lenden am Stamm angewachsen gewesen sei. Das Eisenkreuz war ebenfalls eingewachsen. Er sägte die freien Spitzen der Stäbe 1930 ab. Arme und Beine waren schon abgebrochen. Rombach vermutete, dass der Herrgott von 1750 stammte und zwischen 1870 und 1880 an die Buche angelehnt worden sei. Er meinte, dass das Kreuz ein Wetterkreuz gewesen sei. Auf alle Fälle umschloss die Rinde nach und nach den Körper.



Im Dritten Reich sollte die Buche gefällt werden, weil sie beim Holzladen im Wege sei. 1950 wurde das Gelände um den Baum freigehauen. 1959 wurde der Balzer Herrgott unter Denkmalschutz gestellt. Der Name Balzer kommt wohl von einem Auerhahn Balzplatz, der hier war.



Der bekannte Forstmeister Fritz Hockenjos  verfasste im März 1956 eines von mehreren Gedichten, die dem geheimnisvollen Balzer Herrgott gewidmet sind und heute noch auf einer Holztafel geschnitzt ist.

                        „Doch sieh, der Baum umfangen hält,

                        das viel verachtet Bild aus Stein

                        und nimmt ihn ganz in sich hinein

                        den Schmerzenmann, den Herrn der Welt.“



Oswald Scherzinger aus Gütenbach berichtet vom damals 80jährigen Pius Kern, der 1940 erzählt habe, dass das Kreuz vom Königinnenhof stammte, der am 24.2.1844 einem Lawinenunglück zum Opfer fiel. Auch das Hofkreuz wurde zerschlagen und blieb liegen, da der Hof nicht mehr aufgebaut wurde. Zwei junge Bauernknechte aus dem Fallengrund haben den Korpus mit Richtung Fallengrund mitgeschleppt. Wegen des Jagdaufsehers blieb der Korpus im Wald liegen.


Die damals 85jährige Rosalinde Kiefer erzählte 1959, dass ihr Mann, Karl Kiefer, mit Gerhard Schmidt einen sonntäglichen Gesellenspaziergang gemacht hätten und den Korpus im Wald liegen sahen. Sie hätten ein Eisenkreuz erstellt, den Korpus befestigt und das Kruzifix an einer Buche fixiert.

1974 schloss sich die Rinde unterhalb der Brust des Herrgotts. Dieser drohte ganz unter Rinde zu verschwinden. 1986 erreichten die Gemeinde und Schwarzwaldverein Gütenbach, dass der Kopf sorgfältig freigehauen wurde.
Balzer Herrgott heute

Balzer Herrgott 1928