Freitag, 21. Juni 2019

Was verbirgt sich hinter Bad Antogast im Renchtal?


Im Renchtal nach Oppenau im Lierbachtal auf der K 5730 rechts ab ins Maisachtal K 5300 abbiegen. Am Talende liegt Bad Antogast.



Im Buch „Das Renchtal und seine Bäder“ von 1827 wird über den Sauerbrunnen von Bad Antogast vermerkt: „Er reinigt (soweit er innerlich gebraucht wirdt,) das flüßig Haupt und alle Glieder des ganzen Leibes von aller Uberflüssigkeit. Selbst gewärmtes Sauerwasser benehme, wenn es lange im Mund gehalten wird, das Zahnweh“.



Der im Tannenwald gelegene Gesundheitsbrunnen wird schon 1336 erwähnt. Ursprünglich war er wohl nur eine Kapelle des heiligen Antonius von Padua, die von einem Antoniusbruder betreut wurde. Seit 1250 war die Quelle bekannt. 1519 wurde im „Tractat der Wildbeder“ und 1560 im „Badenfahrt-Büchlein“ erstmals über die Antoniusquelle berichtet.



Ab 1590 begann der Straßburger Bischof Johann IV die Heilquelle zu fördern. Von 1760 bis zum 1.Weltkrieg gehörte die kohlesäurehaltige Mineralquelle der Familie Huber aus Maisach. Von 1850 bis 1914 erblühte Bad Antogast unter ihrer Führung zu einem weithin bekannten und modernen Heilbad. Adelige Gäste aus Holland, Frankreich, England, Russland und Amerika gaben sich die Ehre. Selbst Zar Alexander II von Russland beehrte 1871 mit seinem Gefolge Bad Antogast während eines Kuraufenthaltes in Bad Peterstal.



1914 wurde das Anwesen von der Familie Huber an den  „Mannheimer Gesundheitsfonds“ verkauft. Dieser veräußerte das Bad 1918 weiter an die „Versicherungsgesellschaft des Kreises Baden“, die eine Lungenheilanstalt einrichtete. Nach dem 2. Weltkrieg diente das Bad als Flüchtlingslager und um 1953 die Flüchtlinge aus der DDR sowie 1956 aus Ungarn unterzubringen.



Dr Herbert Kienle aus Bad Wildungen erfüllte zwischenzeitlich ab 1964 mit umfangreichen Renovierungen das Heilbad als Kurhotel wieder mit Leben. 1969 wurde die Antoniusquelle offiziell als Heilquelle anerkannt mit der Erlaubnis, den Bad-Titel zu führen. In den 1980er Jahren verfiel leider das Heilbad wieder. Zwischen 1990 bis 1994 diente es unter dem neuen Besitzer, Hubert Fröhlich aus Kassel, den Spätaussiedlern aus dem Osten als Unterkunft.



Schließlich erwarb 1995 der Verein „Kunst des Lebens Deutschland e.V.“  den Komplex. Seither wurden von Freiwilligen aus der ganzen Welt die Renovierungen der Gebäude vorangetrieben. Heute bietet das Mineralbad vielen Gästen ein Ayurvedazentrum mit unzähligen Anwendungen. Gleichzeitig wird die „Liz Lüdemann Art of Living“ Kosmetikserie hier entwickelt und hergestellt. Ebenso stellt „Art of Living Produktionsbüro für Medien“ die Aufnahmen, Übersetzungen und Transkriptionen des Inders Sri Sri Ravin Shandkars Wissen für ganz Europa her und vertreibt dies



Unter dem renovierten Quellensaal, in dem die Yoga- und Meditationskurse stattfinden, befindet sich die Heilquelle. Neben der Antoniusquelle gibt es noch die Bad- und Talquelle. Die Petersquelle ist derzeit versiegt und müsste neu gefasst werden.