Freitag, 30. Januar 2026

Was verbirgt sich hinter einer Schwarzwaldreise vor 250 Jahren?

Hornberg 1823

In der Schwäbischen Chronik von 1786 schilderte ein Besucher seine Reiseeindrücke von Straßburg kommend
  über das Kinzigtal in den Hochschwarzwald. Die Wanderung ging  zuerst durch das Kinzig- und Gutachtal zur damals württembergischen Oberamtsstadt Hornberg: „Ich brauche nur zu bemerken, dass man durch das wegen seiner Schönheit und Fruchtbarkeit allgemein bekannte Künziger Thal kommt, um zu sagen, dass der Weg der angenehmste ist.“ Seine weniger reizenden Eindrücke aus dem Gutachtal schilderte der Besucher wie folgt: „Nach und nach rücken die Berge zusammen und ihre steilen Rücken werden immer unfruchtbarer. Der wütende Bach, die Gutach, dessen Geräusch sich hier in einem Donner ähnliches Getöse und zischendes Geheule verwandelt, ist in einer enge toten Wildnis eingeschlossen“.

Der Besuch des Triberger Wasserfalls scheint damals ein Wagnis gewesen zu sein, jedenfalls mehr Rutschpartie von übereinander liegenden Felsstücken als ein angenehmer Spaziergang: „Hier erregt die unglaubliche Schnelligkeit, mit welcher man Welle auf Welle herabstürzen sieht, beinahe Schwindel und der unglaubliche, der von den gewaltigen Stößen wiederhallt, mit welcher die trotzigen Felsen geschlagen werden, durchschüttert den ganzen Körper. Dreimal stürzt das Gewässer des Bachs in Klüfte hinein und dreimal wird es von nachstürzenden Wellen herausgepeitscht, ehe es den untersten Kessel erreicht“.

Auch ein Ausflug auf den Karlstein wurde unternommen: „Ein Felsen auf dem Gipfel des höchsten Berges, der seit 1770 durch den Herzog von Württemberg bestiegen wurde und seither diesen Namen führt. Durch die ungemeine Weitsicht kann man die Schweizer Gebirge und das Straßburger Münster sehen“.

Mit einem Hornberger Freund wird ein Besuch beim Hinterbauernhof im Offenbach, einem Seitental von Hornberg, gemacht, um einen Eindruck von der bäuerlichen Einrichtung zu bekommen. Nachdem Leib und Seele gestärkt waren, geht es unter Führung des Bauern an die umfassende Besichtigung des stattlichen Hofs. Beim Besuch der Stallungen klagt der Bauer sehr, dass sein Hof, sowie mehrere Höfe in der Gegend, die unsägliche Eigenschaften haben, dass alles Rindvieh, welches auf den Hof gebracht würde, nach einem halben Jahr mehr oder weniger die Dörrsucht bekäme. Das Vieh werde von Tag zu Tag mägerer und wollte nicht mehr fressen. Bei der ersten Äußerung dieser Krankheit müsse man das Vieh zu einem anderen Hofe bringen. Die Höfe mit dieser Erscheinung der Dörrsucht würden Dörrhöfe genannt. Was der Bauer nicht wissen konnte, es handelt sich um eine Knochenkrankheit, die vom kalkarmen Futter herrührt, so dass die eigentliche Ursache an den Bodenverhältnisse liegt.

Über die rausten Gegenden des Schwarzwaldes bei Triberg, St Georgen und der Abtei St Blasi erzählt unser Besucher: „Die Einwohner füllen ihre müßigen Stunden mit Schachtelmachen, Strohhutflechten und Verfertigen hölzerner Uhren aus, da beinahe kein Ackerbau betrieben werde. Dieser Handel mit Uhren dauere schon anderthalb Jahrhunderte und zwar soll ein fürstenbergischer Untertan, Friedrich Dilger, der Urheber gewesen sein. (Friedrich Dilger aus Schollach war einer der Stammväter der Schwarzwälder Uhrenindustrie) Außer den Uhren mit hölzernen Rädern werden auch schon solche mit Triebwerk verfertigt, dazu die messsingen Räder und Glocken. Was den Handel mit Uhren in fremde Länder betrifft, so habe den Grund dazu vor ungefähr 50 Jahren wiederum ein Fürstenberger, Namens Mathes Höfler gelebt. Er war als Uhrenträger in der Pfalz unterwegs, Holland und schließlich in Constantinopel, woselbst er dem Gros Sultan ein Glockenspiel verehrte und dafür einen Firmann erhielt, der ihn ermächtigte ohne Abgaben in der Türkei handeln zu dürfen. (Anstatt Mathes Höfler war dies Mathias Faller aus Friedenweiler 1794 in Galata/ Istanbul ermordet)

Triberger Wasserfall 1838


Freitag, 23. Januar 2026

Was verbirgt sich hinter der "Brennet AG"?


Der Hotzenwald war geprägt durch eine ärmliche, wenig ertragreiche Landwirtschaft. Die vorherrschende Realteilung der schon kleinen Höfe führte zum berechtigten Begriff des Armenhauses des Schwarzwaldes. Den Bewohnern  blieb neben der Landwirtschaft oft nur die Hausweberei, um die hungrigen Mäuler zu stopfen oder die Auswanderung.

So zog um das Jahr 1873 ein schäffiger Schwabe, Carl August Hipp, in den Hotzenwald, um als Rottweiler Textilunternehmer eine jener typischen Hotzenwälder Textilfirmen zu übernehmen, die mit den in den Bauernhäusern der Umgebung hergestellten Stoffen von hoher Qualität handelten. In Görwihl, am Albtal gelegen, wurde er fündig. Das Unternehmen, das über eine große Bleiche verfügte, funktionierte als Fegerei, d.h. die Garne wurden roh gekauft, gefärbt, gespult und geschlichtet. Die im Hause hergestellten Ketten wurden von den Handwebern der Umgebung abgeholt, die im Gegenzug die in Heimarbeit hergestellten Stoffe für Schürzen, Kleider, Hemden und Betten ablieferten.

Hipp brachte einen engen Mitarbeiter, Anton Denk, mit, der zusätzlich noch Hipps Schwester heiratete. Das Trio wurde noch durch Joseph Carl Schenz ergänzt, der bei Hipp eine Lehre in Rottweil absolviert hatte. Das Quartett hatte sich die Aufgaben aufgeteilt: Hipp war der Finanzier, Denk war für den Außendienst, Schenz für die technischen Abläufe in der Firma und Maria Anna Denk neben 11 Kindern großziehen für Verpackung und Versand zuständig.

Da die mechanischen Webstühle sich immer mehr gegen die Handwebstühle durchsetzten und die Verkehrsverhältnisse in Görwihl zu schlecht waren, übernahm das Quartett die Weberei „Fahrländer & Bauer“ mit 100 mechanischen Webstühlen, die 1881 in Konkurs geraten waren: als „Mechanische Buntweberei Brennet, C.A. Hipp&Co“. Genannt nach dem Ortsteil Brennet von Ölfingen an der Mündung der Hasel.

Um an qualifizierte Fachkräfte für hochwertige Produkte zu kommen, bildeten Denk und Schenz persönlich Weber an mechanischen Webstühlen aus, um auf diesem kraftraubenden Weg Fachkräfte nachzuziehen. Das war auch dringend notwendig, da schon nach 3 Jahren die Ölfinger Buntweberei mit 200 Webstühlen neben den eigenen 350 einverleibt wurde. Nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft „Mechanische Buntweberei Brennet“ wurde die Mechanische Weberei „F.A. Baumgartner&Co“  mit 200 Webstühlen eingegliederten. Um die Vollstufigkeit der Textilproduktion zu erreichen, wurde in Hausen die „Krafftsche Kammgarnspinnerei“ gekauft und 30 Jahre später die Weberei „Vortisch& Co“.

Bis zum Ersten Weltkrieg betrieb Brennet 1250 Webstühle, 31588 Spindeln sowie 1439 Mitarbeiter. Nach und nach wurde die Gründergeneration durch die Kinder von Anton Denk ersetzt, die das Unternehmen durch den Ersten Weltkrieg und die Zeit der Weltwirtschaftskriese brachten. 1921 wurde eines der ersten Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland gebaut. Gleichzeitig wurde die dritte Generation der Denks eingearbeitet, denn Anfang der 30er Jahre wurden 1486 moderne Webstühle, 58124 Spindeln und 1760 Mitarbeiter beschäftigt. Um auch den Markt einfacher Ware abdecken zu können, wurde 1937 die Pfälzer Großspinnerei Lampertsmühle mit 57164 Spindeln und 854 Webstühlen übernommen.

Nach der Überwindung des Zweiten Weltkrieges und die Aufbauzeit Ende der 40/Anfang der 50er Jahre wurde die verschiedenen Werke modernisiert und sogar eine Weberei in Berlin errichtet. Dies trotz dass von 1955 bis 1980 400.000 Arbeitsplätzen in der deutschen Textilindustrie verloren gingen. Im Jahr 2011 traf es Werk Hausen zusätzlich mit einem Großbrand, bei dem 1.180 t Baumwolle verbrannten. 2012 wurde bekannt, dass Brennt nicht nur das Werk Hausen sondern den gesamten Betrieb einstellen wird. 

Brennnet wurde in eine Immobiliengesellschaft mit Liegenschaften in Wehr, Brennet, Hausen, Bad Säckingen umgewandelt mit dem Ziel der Entwicklung, Bau und Instandhaltung und Verwaltung von Gewerbe- und Wohnungsimmobilien sowie Bewirtschaftung von Energie umgebaut.


Freitag, 16. Januar 2026

Was verbirgt sich hinter dem Schwarzwälder Bad Gastein?


Im Mai 1957 entdeckten die Werkstudenten Manfred Lutz und Thomas Bock im Krunkelbach bei Menzenschwand auf der Suche nach Flussspat zufällig Uranglimmer und lösten eine kleine Sensation aus. Das Albtal bei Menzenschwand ist ein Hochtal unterhalb des Feldberges. Der Fund von Pechblende und Uranglimmer hat sofort die Frage aufgeworfen, wie kann die Erzgewinnung in einem Naturschutzgebiet in unmittelbarer Nähe eines bedeutenden Fremdenverkehrsortes getätigt werden?

 

1961 erwarb die „Gewerkschaft Brunhilde“ aus Uelze die Schürfrechte. Die Erkundungen ergaben, dass ein Gesamtvolumen von 5.000t Uranoxid vorhanden sei. Damit wäre die Grube die reichste Lagerstäte in Westeuropa, und es könnte 20 Jahre damit ein großes Kernkraftwerk versorgt werden.

 

Tatsächlich wurden bis 1982 Uranerz von der Gewerkschaft Brunhilde abgebaut, das immer wieder zu großen Schwierigkeiten und Widerstände in der Bevölkerung hervorrief. Der Abbau war aber nur möglich, weil sich die Gemeinde Menzenschwand bereit erklärte, dass ab 1972 noch 20.000 t Uranerz abgebaut werden dürfen. Im Gegenzug dafür sollte aber die „Kurbetriebs GmbH“ über die Gewinnung von medizinisch verwertbaren Radongas und –wasser aus der Grube erhalten.

 

Als Visionär kam der Verleger Franz Burda aus Offenburg und gründete im August 1971 mit der damals selbstständigen Gemeinde Menzenschwand eine „Kurbetrieb Menzenschwand GmbH“. Das Ziel dieser GmbH war, ein großes, exklusives Radonheilbad zu bauen. Zusätzlich sollten 9 Hotels und Appartements mit 2000 Betten nebst den zugehörenden Kureinrichtungen –wie Kurmittelhaus, Schwimmhalle und Kursaal- gebaut werden. Kein Geringerer als Albert Speer sollte das verwirklichen. Geplant waren Investitionskosten von 150 Millionen.

 

Segensreich war die Eingemeindung 1974 von Menzenschwand nach St Blasien. Die Stadt St Blasien stemmte sich in Zusammenarbeit mit den Behörden und dem Landschaftsschutz mit Erfolg gegen diesen Baugigantismus. Im Dezember 1974 musste die „Burda GmbH“, wie sie in der Bevölkerung hieß, Konkurs anmelden. Mit Hilfe der Landesregierung wurde die Förderung des Uranerzes erschwert und schließlich getoppt. Da der Preis für Uran stark fiel, wurde die Aufbereitungsanlage gestoppt, 1990 musste die Urangrube geschlossen werden.

 

Im Jahre 2005 wurde dann an die Verhältnisse angepasst, ein kleines Radon Revital Bad mit einem 120 m² großen Bewegungsbecken mit Inn- und Außenbecken gebaut. Es ist das einzige in Süddeutschland und damit ein Kleinod im Schwarzwald für Gesundheit, Radontherapie und Erholung in einer traumhaften Landschaft. Das aus der Uranlagerstätte stammenden Wasser versorgt die Therme mit fluoridhaltigem sowie radonhaltiges Heilwasser für den Therapiebereich bei rheumatischen Erkrankungen. Insbesondere bei Erkrankungen des Bewegungsapparats, bei Arthrose und Beschwerden der Wirbelsäule oder nach Bandscheibenoperationen. Als Schwierigkeit stellte sich heraus, dass die Kassen die Behandlung nur eingeschränkt vergüteten.


Das heimelige Menzendenschwand am Rande der Naturschutzzone des Feldbergs mit seinem kleinen Bad, zwar mit einem radonhaltigen Heilwasser, das aber künstlich erwärmt werden musste, einem Gradierwerk konnte sich mit dem Weltbad Gastein nicht vergleichen. Deswegen kam es so wie es kommen musste: Der Gemeinderat von St Blasien hat im Oktober 2025 beschlossen, das Bad zum Jahresende 25 zu schließen. Die Gemeinderäte waren einstimmig nicht bereit, den jährlichen Verlust von bis zu 700.000 € zu tragen. Es gibt zwar Pläne für ein Golfresort oder den Bad- und Saunabetrieb von Einheimischen betreiben zu lassen. Aber die Zeit drängt und vor allem durchfinanzierte Pläne müssen auf den Tisch. Ansonsten wird das Bad abgerissen und ein Minigolfanlage errichtet.




Freitag, 9. Januar 2026

Was verbirgt sich hinter der ältesten Sägemühle des Schwarzwaldes?

Straubenharder Mühle

Der Nordschwarzwald zeichnet sich durch eine geringe Besiedlung und dadurch bedingt durch großflächige Wälder aus. Die Römer nutzten schon die Nagold und ihren Nebenflüssen Enz und Würm zum Transport von Holz.

Im 14. Jahrhundert besaß das Haus Baden die waldreichen Ämter Liebenzell und Altensteig an der oberen Nagold im sonst württembergischen Gebiet. Wobei die württembergische Flüsse Würm und Enz sich im badischen Pforzheim mit der württembergischen Nagold vereinen. Folglich hatten beide Häuser großes Interesse die Flößerei auf der Nagold und ihren Nebenflüssen zu regeln. Tatsächlich wurde 1342 auf zusätzliches Bitten von Heilbronn 1342 ein Floßvertrag unterschrieben, der die Flößerei auf Enz, Nagold, Würm und Neckar regelte.

Sobald neben der Trift die Langholzflößerei aufkam, entstanden an den Flüssen und Bächen Sägemühlen, die Bretter sägten, um sie als Oblasten auf den Flößen zu transportieren. Sägemühlen waren Sägen, die die Wasserkraft als Antrieb nutzten.

Auf der württembergischen Seite des Schwarzwlddg galt die Straubenhart-Sägemühle im Enztal mit der Urkunde vom 17. Juni 1372 als die älteste Sägemühle des Landes. Graf Eberhard von Württemberg hatte den Edelknechten von Straubenhart den Bau einer Sägemühle an der Enz genehmigt.

Im Jahr 1695 erfahren wir, dass am Fuß der abgegangenen Burg Straubenhardt eine neue Sägemühle -Sägemühle bey der Röthenbach- am alten Wehr der Straubenhardt-Sägmühle errichtet wurde. Im 18. Jahrhundert sind die verschiedenen Besitzer Besitzer bekannt.

Die spätere Entwicklung zum größten Sägewerk Württembergs verdankt die Sägemühle der Blütezeit des Schwarzwälder Holzhandels und der Tatkraft Abraham Krauths (1747-1818) und seiner Nachfolger. Sie erkannten die günstige Lage mit der großen Wasserkraft und dem Holzreichtum der Wälder, die von Enz und Eyach durchflossen werden. 1811 erwarb er die ersten Anteile an der Sägemühle. 1856 gehörte sie schon der Familie. Abraham Krauth brachte es schon früh vom Floßknecht nach 10 Jahren zum Schiffer und Flezer.

Es setzte eine  Aufwärtsentwicklung ein, denn das Geschäft mit Holland blühte, da Holz für Schiffsbau benötigt wurde, ferner für die Fundamentierung der Gebäude im Hafen. Diese Zeit nutzten die 2. Generation, Johann Jakob Krauth, (1778-1836) und gar die dritte mit Johann Philipp Krauth (1778-1836), der auch der “Flößerkönig” genannt wurde, aus. Aus der ehemaligen Sägemühle wurde ein Sägewerk, die Firmenbezeichnung war dann “Krauth & Co”

Die günstige Weiterentwicklung führte dazu, dass das Werksgelände zuletzt 10 ha umfasste. Neben dem Rotenbachwerk gehörten die “Eisenfurt” in Neuenbürg sowie die “Untere” und “Obere Mühle” in Höfen zum Unternehmen. Das angelieferte Rundholz wurde von Bauholz, Spundbohlen bis zum Parkett verarbeitet. Die Werksiedlung umfasste sogar eine eigene Schule. 1950 galt das Unternehmen als das größte Sägewerk in Württemberg.

In den 1960iger Jahren kippte die Wachstumkonjunktur der 1950er Jahre. Für die Firma Krauth erwies sich die Verzettelung der verschiedenen Produktionsstandorte als sehr nachteilig und geriet in eine Kriese. Zunächst wurde 1962 das Sägewerk stillgelegt. Kistenfabrikation und Parketterie folgten. Der Betrieb auf der “Oberen Mühle” in Höfen wurde eingestellt und der auf der “Unteren Mühle” war schon vor längerer Zeit eingestellt worden. Unglücklicherweise ist das Sägewerk noch abgebrannt.

Heute ist die Firma “Krauth GmbH & Co KG eine Vermögensverwaltung über Vermietung, Verpachtung der eigenen Grundstücke, Gebäude und Wohnungen. 22.000 m² Freilagerfläche und Lagerkapazitäten von 17.000 m² in geschlossenen, teilweise beheizten Hallen. Strom wird durch das eigene Kraftwerk gewonnen.

Neuenbürg Krauth & Co



Freitag, 2. Januar 2026

Was verbirgt sich hinter "Hettich Schonach"?


Der Name „Hettich“ ist in Schonach im Schwarzwald fast schon ein Allerweltsname, weil er auf vielen Klingelschildern im beschaulichen Ort steht. Dieser Allerweltsname läßt aber im Kreise der Wintersportler weltweit aufhorchen: Urban und Georg sind bekannt.

Urban Hettich, geboren 1953, wuchs auf dem Bauernhof „Vordere Vogte“ am Blindensee oberhalb von Schonach auf. Was lag näher als im Winter auf Skiern mit seinen Brüdern in die Schule zu wedeln. Dies war der Grund neben seinem Talent, dass er sich in den Schülerwettbewerben und den  deutschen Jugendwettbewerben behaupten konnte. Seinen ersten deutschen Titel holte sich Hettich 1971 mit nur 18 Jahren bei den nordischen Winterspielen der deutschen Skijugend in Schonach. Die Nordische Kombination mit dem Skispringen und dem Skilanglauf gilt als „Königsdisziplins“ des Nordischen Skisports. Schon zwei Jahre später erzielte er die Bronzemedaille bei den Junioren-Weltmeisterschaften 1973 in Kawgolowo (Sowjetunion). Er nahm an drei Olympischen Winterspielen von 1972 bis 1980 teil. So erzielte er 1976 in Innsbruck die Silbermedaille in der Nordischen Kombination.

Möglich wurden die Leistungssteigerungen durch die Möglichkeit, als Sportsoldat bei der Panzerdivision in Todtnau Fahl zu dienen, wie er auch Trainer am Skiinternat Furtwangen 1984 wurde.


Kaum ein Vierteljahrhundert später wird wieder eine Sportskanone Hettich in Schonach geboren, der von seinem Vater im Alter von drei, vier Jahren während der langen Winter einfach auf die Ski gestellt wurde. Die Verantwortlichen des SV Rohradsberg, für die der kleine Georg an den Start ging, teilten dem Vater mit: „Der kleine Schorsch muss mehr trainieren, wenn er vorwärts kommen will“! Der Durchbruch kam bei ihm mit dem Ski-Internat in Furtwangen.

Der erste internationale Erfolg stellte sich bei der Junioren-Weltmeisterschaft 1997 in Calgary ein, bei der er Staffel-Silber gewann. Aber auch bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City, WM in Val die Fiemme, bei der WM 2005 in Oberstdorf. Seinen größten Erfolg erreichte Hettich in der Nordischen Kombination bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin im Einzelwettbewerb mit der Goldmedaille, gleichzeitig erhielt er die Silbermedaille mit der Mannschaft und im Sprint die Bronzemedaille.

Trotz dieser Erfolge wurde die Berufsausbildung nicht vernachlässigt. Nach dem Skiinternat folgte ein Studium an der Medical Engineering an der Hochschule in Furtwangen und anschließend promovierte er an der Uni Freiburg zum Thema „Gleichgewichtskontrolle“.

Schonach hat sich mit der Zeit zum Eldorado des Skisports entwickelt: Seit 1966 richtete der SV Schonach zwölf Mal den internationalen Kombinationswettbewerb um den Schwarzwaldpokal für Senioren und Junioren aus. 1981 hatte der Internationale Skiverband die Junioren Weltmeisterschaft in den klassischen nordischen Disziplinen nach Schonach vergeben. Nicht verwunderlich, da es seit 1924 ein e Sprungschanze in Schonach gibt, die 2010 umgebaut und erneuert wurde. Sie ermöglichte 2022 einen Schanzenrekord von 110 m.

Eine weitere Sportattraktion im Schonacher Sportprogramm ist der Internationale Skimarathon seit 1974 über 60 km von Schonach nach Hinterzarten durch die schönsten Teile des Schwarzwaldes. 1978 kam der Wälder-Cup über 100 km als Rucksacklauf von Schonach nach Mulden am Belchen hinzu. Der erste Sieger dieses Wettbewerbs war ein anderes großes Schwarzwälder Skiass: Georg Thoma aus Hinrerzarten in 6. Stunden 39 Minuten. Seit 2006 wurden beide Wettbewerbe zusammengelegt, wenn der Schneemangel keinen Strich durch die Rechnung macht.

Montag, 29. Dezember 2025

Was verbirgt sich hinter dem "Bähnle" im Harmersbachtal?


Die Hamersbachtalbahn ist eine 10,6 km lange Nebenbahn der Schwarzwaldbahn, die in Biberach abzweigt und in Oberharmersbach-Riersbach endet. Sie wird heute noch im annähernden Stundentakt mit batterieelektrischen Triebzügen betrieben.

1845 war die Rheintalstrecke bis Freiburg fertiggestellt.1865 hatte der Bau der Schwarzwald begonnen. Das Eisenbahnbaufieber war überall ausgebrochen, denn es bedeutete den Anschluss an die große Welt. So erging es auch der ehemaligen freien Reichsstadt Zell, die unbedingt einen Eisenbahnanschluss haben wollte: Die Schwarzwaldbahn von Offenburg kommend, könnte mit einer Tunnellösung bei der Gemeinde Schönberg elegant Zell in den Verlauf der Schwarzwaldbahn integrieren. Die verantwortlichen Planer hatten bei der Tunnellösung von einer halben Million Mark Kosten, die Lösung gleich zu den Akten gelegt.

Um den Zeller Wünschen etwas entgegen zukommen wurde der Verlauf der Schwarzwaldbahn auf die rechte Seite -also die Zeller Seite- verlegt. Um die Krücke etwas zu kaschieren, wurde der Bahnhof in Biberach sehr zum Ärger der Biberacher in „Biberach – Zell a.H.“ bis 1919 benannt. Erst ab dann hieß er „Biberach/ Baden“. Weiterhin wurde eine ordentliche Straße von Zell nach Biberach zugesagt.

Um dem immer stärker werdenden Drängen der Gemeinden wegen des Holz- und Steintransportmöglichkeiten aus dem Harmersbachtal, dem zunehmenden Fremdenverkehr Rechnung zu tragen und nicht zu vergessen die Steingutwaren aus Zell, wurde nachhaltig eine Eisenbahn im Hamersbachtal gefordert. Entsprechend waren auch die Interessen der Gemeinden unterschiedlich: Zell ja, Unterharmersbach nein und Oberharmersbach unbedingt. So legte der Ingenieur Rudolf Meyerle, Freiburg, eine Planung  mit der Endstation „Zuwald“ im Waldersbach vor. Man könne ja noch den Löcherberg untertunneln und am Fremdenverkehr von Bad Peterstal zusätzlich partipizieren.

Aber die Grundstücksverhandlungen waren so schwierig, dass die Beteiligten  sich  nach längerem Zögern in Oberharmersbach auf die Endstation in Oberharmersbach-Riersbach einigten. 1900 wurde das Planungsbüro gewechselt und war mit Vering & Wächter, Berlin, für die Projektarbeit verantwortlich. Sie legten auf das wiederholte Drängen von Oberharmersbach einen Planungsvorschlag über 1,2 Mio Mark vor. Aber auch jetzt musste die Gemeinde die auseinanderlaufenden Interessen der Talgemeinden zusammenführen und vor allem die Finanzierung des Projekts sichern. Um endlich voran zu kommen, die vielen Bedenken und Einsprüche zu beseitigen, beschloss der Bürgerausschuss von Oberharmersbach mit 45:1 Stimmen das gesamte Risiko des Geländeerwerbs zu tragen.  1902 erhielten die Talgemeinden die Zusage der Konzession und 30.000 Mark Zuschuss für das Projekt. Oberharmersbach war bereit 68% der Kosten zu übernehmen, Unterharmersbach 8% und Zell 29%.

Auch schloss die Gemeinde Oberhamersbach mit der Projektfirma Vering & Wächter den Vertrag über den Bau und Betrieb der Bahn. Baubeginn war endlich 1904 und die ersten 25 Italiener trafen im Tal ein. Die Mannheimer Firma Rösch & Sänger beschäftigte für den Eisenbahnbau ausschließlich Italiener. Hitziges südländisches Temperament stieß auf die Schwerfällig- und Bedächtigkeit der Oberhamersbacher Bauern. Aber nach 8 Monaten war das Projekt realisiert und die erste Lokomotive konnte Probe fahren. Im Dezember 1904 erfolgte die Eröffnung der Nebenbahn Biberach – Oberharmersbach. Gleichzeitig wurde die bewährte Postkutsche in den Ruhestand verabschiedet.1964 wurde das Bähnle zum Bedauern der Talbevölkerung mit seiner Dampflock durch einen modernen Triebwagen ersetzt. Zu bestimmten Anlässen erschien das Bähnle mit seiner Dampflock im Tal. Letztmalig 1989 bei der 850 Jahrfeier von Oberharmersbach.

Freitag, 26. Dezember 2025

Was verbirgt sich hinter einem Weihnachtsbaum?


Gegen Ende der Adventszeit spricht die Bäuerin vom Josenhof im hinteren Rieselbach den Bauer wegen eines Weihnachtsbaums an: “Vatter, es wird Zit für e Wiehnachtsbaum”. Der Bauer nickt bedächtig und überlegt, dass es nur noch zwei Tage bis Heilig Abend sind. Langsam steht der kräftige Bauer auf, greift nach seinem Joben, der am Haken des Kachelofens hing. In der Werkstatt suchte er nach einer starken Sichel, prüft die Schärfe, legt diese wieder weg, da ihm eine andere besser geschärft vorkam. Ein paar kräftige Hiebe ins Leere zeigten seine Entschlossenheit.

Langsam steigt er bedächtig den Hang hinauf, seinem Jungwald entgegen. Unterwegs streift sein Blick das Feld mit dem gesäten Winterweizen. Der Jungwald oberhalb des Feldes hat sich prächtig entwickelt, nachdem er diesen vor einigen Jahren angepflanzt hatte. Die innere Zufriedenheit huschte über sein Gesicht, denn die Bäumchen waren gerade für Weihnachten wie gemalt.

Der Blick des Bauern schweifte auch zum Nachbargrundstück, den auch hier hatte sein Nachbar vor Jahren junge Tannen gesetzt, die nun buschig und groß geworden waren. Warum sollte er einen Baum aus seinem Bestand schlagen, wo doch der Nachbar so viele kräftige Bäume stehen hatte. Ob er überhaupt merkt, wenn einer fehlen würde?

Die Entscheidung war gleich gefallen, eine paar kräftige Schritte zum Nachbar hin, zwei, drei kräftige Hiebe und ein schöner, gleichmäßig gewachsener Weihnachtsbaum lag zu seinen Füßen. Ein kurzer prüfender Blick, aber niemand hat wohl was bemerkt. Mit kräftigen Schritten ging es mit dem Baum unter dem Arm Richtung Hof zurück. Als er aber aus dem fremden Jungwald trat, bemerkte er, dass sein Nachbar mit einem prächtigen Bäumchen unter dem Arm aus seinem Jungwald kam. Beide gingen, ohne sich eines Blickes zu würdigen, zurück zu ihren Höfen.

Am Heilig Abend war die Familie des Bauern um den geschmückten Weihnachtsbaum mit seiner bäuerlichen Krippe versammelt. Die Bäuerin lobte den Bauer, “da hesch aber e schööner Baum g’holt”. Der Bauer nickte abwesend, denn er war mit seinen Gedanken irgendwo ganz anders.

Nur das Chrituskind in der Krippe lächelte zifrieden vor sich hin, denn es kannte ja die ganze Geschichte des Weihnachtsbaums, es hatte beiden Sündern verziehen, denn zu Schaden war niemand gekommen.