| Hornberg 1823 |
In der Schwäbischen Chronik von 1786 schilderte ein Besucher seine Reiseeindrücke von Straßburg kommend über das Kinzigtal in den Hochschwarzwald. Die Wanderung ging zuerst durch das Kinzig- und Gutachtal zur damals württembergischen Oberamtsstadt Hornberg: „Ich brauche nur zu bemerken, dass man durch das wegen seiner Schönheit und Fruchtbarkeit allgemein bekannte Künziger Thal kommt, um zu sagen, dass der Weg der angenehmste ist.“ Seine weniger reizenden Eindrücke aus dem Gutachtal schilderte der Besucher wie folgt: „Nach und nach rücken die Berge zusammen und ihre steilen Rücken werden immer unfruchtbarer. Der wütende Bach, die Gutach, dessen Geräusch sich hier in einem Donner ähnliches Getöse und zischendes Geheule verwandelt, ist in einer enge toten Wildnis eingeschlossen“.
Der Besuch des
Triberger Wasserfalls scheint damals ein Wagnis gewesen zu sein, jedenfalls
mehr Rutschpartie von übereinander liegenden Felsstücken als ein angenehmer
Spaziergang: „Hier erregt die unglaubliche Schnelligkeit, mit welcher man Welle
auf Welle herabstürzen sieht, beinahe Schwindel und der unglaubliche, der von
den gewaltigen Stößen wiederhallt, mit welcher die trotzigen Felsen geschlagen
werden, durchschüttert den ganzen Körper. Dreimal stürzt das Gewässer des Bachs
in Klüfte hinein und dreimal wird es von nachstürzenden Wellen
herausgepeitscht, ehe es den untersten Kessel erreicht“.
Auch ein Ausflug
auf den Karlstein wurde unternommen: „Ein Felsen auf dem Gipfel des höchsten
Berges, der seit 1770 durch den Herzog von Württemberg bestiegen wurde und
seither diesen Namen führt. Durch die ungemeine Weitsicht kann man die
Schweizer Gebirge und das Straßburger Münster sehen“.
Mit einem
Hornberger Freund wird ein Besuch beim Hinterbauernhof im Offenbach, einem
Seitental von Hornberg, gemacht, um einen Eindruck von der bäuerlichen
Einrichtung zu bekommen. Nachdem Leib und Seele gestärkt waren, geht es unter
Führung des Bauern an die umfassende Besichtigung des stattlichen Hofs. Beim
Besuch der Stallungen klagt der Bauer sehr, dass sein Hof, sowie mehrere Höfe
in der Gegend, die unsägliche Eigenschaften haben, dass alles Rindvieh, welches
auf den Hof gebracht würde, nach einem halben Jahr mehr oder weniger die
Dörrsucht bekäme. Das Vieh werde von Tag zu Tag mägerer und wollte nicht mehr
fressen. Bei der ersten Äußerung dieser Krankheit müsse man das Vieh zu einem
anderen Hofe bringen. Die Höfe mit dieser Erscheinung der Dörrsucht würden
Dörrhöfe genannt. Was der Bauer nicht wissen konnte, es handelt sich um eine
Knochenkrankheit, die vom kalkarmen Futter herrührt, so dass die eigentliche
Ursache an den Bodenverhältnisse liegt.
Über die rausten
Gegenden des Schwarzwaldes bei Triberg, St Georgen und der Abtei St Blasi
erzählt unser Besucher: „Die Einwohner füllen ihre müßigen Stunden mit
Schachtelmachen, Strohhutflechten und Verfertigen hölzerner Uhren aus, da
beinahe kein Ackerbau betrieben werde. Dieser Handel mit Uhren dauere schon
anderthalb Jahrhunderte und zwar soll ein fürstenbergischer Untertan, Friedrich
Dilger, der Urheber gewesen sein. (Friedrich Dilger aus Schollach war einer der
Stammväter der Schwarzwälder Uhrenindustrie) Außer den Uhren mit hölzernen
Rädern werden auch schon solche mit Triebwerk verfertigt, dazu die messsingen
Räder und Glocken. Was den Handel mit Uhren in fremde Länder betrifft, so habe
den Grund dazu vor ungefähr 50 Jahren wiederum ein Fürstenberger, Namens Mathes
Höfler gelebt. Er war als Uhrenträger in der Pfalz unterwegs, Holland und
schließlich in Constantinopel, woselbst er dem Gros Sultan ein Glockenspiel
verehrte und dafür einen Firmann erhielt, der ihn ermächtigte ohne Abgaben in
der Türkei handeln zu dürfen. (Anstatt Mathes Höfler war dies Mathias Faller
aus Friedenweiler 1794 in Galata/ Istanbul ermordet)
![]() |
| Triberger Wasserfall 1838 |


