Im Wald 2 km von Kuhbach, einem Ortsteil von Lahr, und 3 km von Heiligenzell, einem Ortsteil von Friesenheim, entfernt, liegt an der Brudertalstraße die Kapelle „Zur Schmerzhaften Muttergottes im Brudertal“.
Da das Kloster
St Gallen die Christianisierung auch weit nach Norden vorantrieb, waren die
ältesten Kirchen und Kapelle dem hl Gallus (Patrozinium 16.10.) geweiht. So wurde
auch die erste Kapelle im Brudertal dem hl Gallus geweiht. Die Jahreszahl 1024 unter
dem Christuskopf, eingemeißelt in den an der Hinterfront eingemauerten Stein,
gibt die mutmaßliche Entstehung des Kirchleins an. Vom Bischof in Straßburg,
kam die Reliquie des „heiligsten Blutes Christi“ und anderer Reliquien. Der
Bischof erteilte Ablässe und Papst Clemens XI
ein besonderes Privileg für den Altar des Heiligen Kreuzes und Blutes.
Das alljährlich
am Freitag nach dem Weißen Sonntag abgehaltene Fest vom „kostbaren Blute“ wurde
von zahlreichen Wallfahrern besucht. Die Reliquie des „hl Schweißtuches“ wurde
der Wallfahrtskapelle im Brudertal zur Verehrung übertragen. 1490 heißt die
Kapelle „Zum Schweißtuche Christi“.
Zahlreiche Wallfahrer aus dem Schutter- und Kinzigtal kamen am kostbaren
Blutfeste dorthin. An der Decke des damals restaurierten Kirchleins war das
Hauptgemälde das „hl Schweißtuch Christi“. Wegen der zunehmenden Bedeutung der
Wallfahrten zur Brudertalkapelle entstand am Standort der Kapelle ein
Bruderhaus, in dem Mönche lebten und eine kleine Landwirtschaft betrieben.
Die Bauernkriege
um 1525 setzten der Kapelle und dem Bruderhaus zu. Noch härter traf diese die
Reformation, die durch Markgraf Bernhard III eingeführt wurde. Die dem Kloster
inkorporierten Pfarreien des Kloster Schuttern wurden mit protestantischen
Pfarrern besetzt: 1562 Oberschopfheim, 1564 Friesenheim, 1570 Oberweier. So
wurde von diesen Pfarreien die Wallfahrt lahm gelegt. Die Kapelle zerfiel
langsam vor sich hin.
Erst nach dem
30jährigen Krieg erlebten die Wallfahrten 1648 erneut einen Aufschwung, denn
die Rekatholisierung der inkorporierten Gemeinden des Kloster Schuttern wurde
nach und nach durchgeführt. Das Kirchlein wurde wieder aufgebaut, der
„Schmerzhaften Mutter Gottes“ geweiht und eine Pieta gestiftet. Die Wallfahrer
strömten. Denn zusätzlich entsprang unweit der Kapelle eine Quelle, die
Augenkrankheiten heilte. Ein katholischer
Knecht aus Lahr, so die Sage, hörte davon und fragte seinen lutherischen Herrn,
ob er nicht wegen seinem Augenleiden zur Bruderkapelle gehen dürfte. Dieser
spottete: „Gehe nur zu, du Tor und nimm gleich auch meinen blinden Schimmel
mit!“ Gesagt getan, am Gnadenort zeigt ihm eine arme Frau die Quelle. Mit dem
Wasser wusch er seine Augen und die des Schimmels aus, jeweils unter Anrufung
der barmherzigen Fürbitte Marias bei Gott. Der armen Frau gab er den Auftrag
noch drei Ave Maria für ihn zu beten. Unterwegs wurde der Schimmel sehend.
Nachdem das dritte Ave Maria gebetet war, wurde er ebenfalls sehen. Als er dies
freudig seinem Herren meldete, sprach dieser: „Ihr seid sehend, aber ich bin
dafür blind“. Er hatte für seinen Spott für immer das Augenlicht verloren.
1787 jedoch, als
Schuttern österreichisch wurde, verbot Kaiser Joseph II die Wallfahrt erneut.
1805 wurde die Mutter-Gottes-Figur nach Kuhbach gebracht, wo sie auf dem
Speicher lagerte. Zwei Bauern aus Mühlenbach kauften die Statue und stellten
diese 1891 in der Kirche zu Mühlenbach auf. Zwischenzeitlich zerfiel die
Kapelle mehr und mehr und dämmerte 80 Jahre vor sich hin. Erst 1887 wurde sie
dank der Initiative des Oberweier Joseph Himmelsbach neu aufgebaut. Und siehe
da, die Wallfahrt kam sogleich wieder in Schwung.
2009 wurde die Brudertalkapelle generalsaniert. Eine Pieta sowie der Stein mit dem Schweißtuch schmücken die Kapelle.
![]() |
Brunnen der Brudertalkapelle |