Freitag, 27. Februar 2026

Was verbirgt sich hinter dem Stausee bei Vöhrenbach?

Nach dem Ersten Weltkrieg waren erhebliche Reparationsleistungen in Form von Kohlelieferungen an die Alleierten zu tätigen. Das führte dazu, dass wo immer es möglich war, der Einsatz von Kohle durch Elektrizität ersetzt wurde. Das Laufwasserkraftwerk Laufenburg, das den Hauptbedarf des Stroms im südlichen Schwarzwald deckte und 1914 ans Netz ging, konnte bald nicht mehr den steigenden Strombedarf decken. Ständig kam es zu Störungen bei der Stromversorgung, der Strom wurde rationiert, es gab Stromsperrtage. Für die Industrie ein unhaltbarer Zustand. Hinter diesem Hintergrund entstand die Planung eines Kraftwerkes im Linachtal, das auch von der damaligen Regierung unterstützt wurde: Nutzt die „weiße Kohle“ als Energieerzeugung.

So entstand 1922 bis 1925/26 der Stausee bei Vöhrenbach. Eines der Probleme war die Hochinflation (1 l Milch kostete 12 Mio Papiermark) Trotz des großen Waldbestandes von Vöhrenbach, hätte es die Gemeinde beinahe an den Rand des Ruins getrieben. Ein weiteres Problem war die geplante Staumauer. Sie sollte in offener Bauweise entstehen, die aus Gewölben, Wandscheiben und Querriegeln sich zusammen setzen sollte. Vorteil dieser Bauweise, es sollten nur 6.500 cbm Beton anstatt 32.500 cbm wie für eine Vollmauer verwendet werden.
Vor allem die Behörden hatten große Bedenken wegen der in den USA üblichen Bauweise und insbesondere wegen des Untergrundes, der zu porös sei. Was sich im Nachhinein als richtig erwies, denn es wurden deswegen 4.500 cbm mehr Beton verwendet und die gesamte Anlage war, wie es sich später herausstellte, nie ganz dicht.

In den Jahren 1922 bis 1825 entstand eine 143 m breite Staumauer, die etwa 3 m stark und 25 m hoch war. Diese Eisenbetonmauer in aufgelöster Bauweise ist heute einzigartig in Europa. Das besondere an der Gewölbemauer sind ihre Pfeiler, die den Wasserdruck auf den Felsenuntergrund übertragen. Die Gewölbe, es gibt davon dreizehn, sind 10,80 m weit gespannt und geben der Talsperre ihr Gepräge. Die Fundamente sind bis zu 14 m tief im Erdreich verankert.

1923 konnte erstmals mit Hilfe der Talsperre Strom erzeugt werden, 1925 war die Anlage fertiggestellt. Die Linach war ein Kunstsee mit 1 km Länge, der 1,1, Mio cbm Wasser beinhaltete und eine Fläche von 110.000 m² überflutete. Was die Talsperre gekostet hat, lässt sich auf Grund der Inflation nicht beziffern. Die Inflation war derart eskaliert, dass Vöhrenbach auf Grund seiner umfangreichen Wäldereien eigenes Geld drucken musste.

Die Zeitenwende aber kam in den 1960er Jahren. 1968 konnte die Stadt Vöhringen noch 65.000 DM Gewinn erwirtschaften. Eine falsche Finanzpolitik der Stadt ließen die Defizite aus dem Kraftwerkbetrieb immer größer werden, denn die Gewinne wurde für andere Dinge verwendet. Es fehlten die finanziellen Mittel für den Ausbau des Ortsnetzes, für notwendige Sanierungen. So beschloss der Stadtrat 1969 die Stilllegung der Talsperre. Das Kraftwerk Laufenburg steuerte sogar 250.000 DM für den Abbruch der Staumauer bei, was glücklicherweise ausblieb. 1988 wurde aus Sicherheitsgründen das Wasser abgelassen.

Im Gefolge der Energiekrise von 1973 (autofreie Sonntage) und des Atomunglücks von Harrisburg kommt es mit der Zeit zu einem energiepolitischen Umdenken. Verschiedene Politiker sprechen sich für einen Erhalt der Linachtalsperre aus. Allein die Finanzierung von 5 Mio DM ist das große Problem. Die Zusage vom Denkmalamt für den Erhalt des Kulturdenkmals ist der erste Schritt neben den beharrlichen Bemühungen des visionären Bürgermeisters von Vöhrenbach, Robert Sgurmberger. Es gründet sich eine private Initiative GEDA Linach KG, die das Kraftwerksgebäude und die technischen Anlagen sanieren. 1998 wurde der erste Strom wieder erzeugt. Verschieden Initiativen, Zuschüsse, willige Behörden und gute Beziehungen in die Politik ermöglichten das Wunder: Die Talsperre wurde mit 6,5 Mio € saniert und speist 1,2 Mio Kw ins Stromnetz ein.

 

 

 

 

 

Freitag, 20. Februar 2026

Was verbirgt sich hinter der Schwarzwälder Handels- und Poststraße?


Diese führte von Frankfurt und Straßburg über Offenburg, Hausach, Hornberg, Villingen und Donaueschingen nach Schaffhausen, München und Konstanz und ist heute als B 33 über Triberg und St Georgen eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen über den Schwarzwald.

 

Der frühere Straßenbau vermied alle engen schluchtenartigen Täler mit reißenden Gebirgsbächen, weil diese bei jedem Hochwasser die Straße aufrissen. Deswegen wurden damals die Straßen möglichst gerade auf und ab über Berg und Tal gebaut. Das offene Kinzigtal lud zwar den Reisenden ein, aber beim Aufstieg auf die Baar oder dem oberen Neckarland schickt es den Ahnungslosen auf einsame Pfade, um die manch lichtscheues Gesindel beutegierig lauerte.

 

Die Personenbeförderung über den Schwarzwald wurde ab 1700 vom Kronenwirt in Schaffhausen übernommen. Er fuhr alle 10 Tage mit der Kutsche über den Schwarzwald nach Frankfurt. 1742 wird ein reitender Briefpostkurs von Augsburg über Ulm durch das Höllental bis Freiburg eingerichtet. Stimmen, die eine Postlinie durch das Kinzigtal forderten wurden überhört. Erst 1752 wurde die Strecke festgelegt: Die damalige Straßenführung über Hornberg (358 m), das offene Reichenbachtal mit bis zu 15% Steigung zur Benzebene (900 m), fällt mit 10% Gefälle hinab nach Krummschiltach (775 m), mit 15% Steigung zum Brogen (895 m) hinauf nach Peterzell und Villingen. Zusätzlich wurden auf dem Weg von Offenburg bis Villingen 6 verschieden Territorien durchfahren: die freien Reichstädte Offenburg, Gengenbach und Zell, das Fürstlich Fürstenbergische Gebiet von Hausach, von Hornberg bis Peterzell württembergisches Gebiet und danach Vorderösterreich. Von Kehl bis Schaffhausen waren es sogar 12 Zollstationen. Zuerst waren es berittene Postillions, die die Verbindung aufrecht hielten, später wurde dann die mit 4 Pferden bespannte Postkutsche eingesetzt.

 

Zu jener Zeit waren die die Karrenwege bis Ende des 18. Jahrhunderts in einem erbärmlichen Zustand. Noch 1786 schickte der Posthalter Stölker von Haslach einen „Kontingentsoldaten“ zur Bewachung mit. Die Ordinaripost fuhr ab 1755 zweimal wöchentlich über den Schwarzwald. Thurn und Taxis schloss sich ebenfalls ab 1760 regelmäßig von Kehl nach München und zurück an.

 

Die damaligen Postwagen waren nicht sonderlich bequem. Sie hatten keine Federn sondern die Bänke hingen in Lederriemen. Wegen der enormen Steigungen im Reichenbachbachtal gab es in Krummschiltach eine Posthalterei, die bis zu 40 Pferden für den notwendigen Vorspann bereithielt. Der Posthalter von Gengenbach verriet: „Wer einmal die Strecke mitgefahren ist, kommt nie wieder.“ Vor allem im Winter mit seinen Schneeverwehungen benötigte ein Postwagen für die wenigen Kilometer von Hornberg nach Krummschiltach 8 Stunden.

 

Erst 1836 wurde die wichtige Poststraße aufgegeben und 1836 bis 1839 die neue Trasse der der heutigen B 33 über Triberg und St Georgen gebaut. Dies insbesondere da Triberg und St Georgen als Uhrenzentren nur über Karrenwege zu erreichen waren.

 

Mit dem Bau der neuen Straße war die alte Straße im Reichenbachtal leer und tot. Der letzte Posthalter in Krummschiltach verkaufte seine Posthalterei und kaufte in St Georgen die Post. Hier hielten wiederum die Postkutschen, um nach dem Aufstieg die Pferde zu wechseln.     



Freitag, 13. Februar 2026

Was verbirgt sich hinter den Ursprüngen der Kinzigtäler Fasnacht?

Eintrittskarte Bürgerball 1835

Die Kinzigtäler Fasnacht ist für 1483 verbürgt, denn der Pfalzgraf Philipp hielt vom 7.- 9. Februar in Offenburg eine Herrenfasnacht ab.   Anlässlich dieser Fasnacht gab er ein großes Turnier. Die Gengenbacher Ratsprotokolle berichten 1499 von einem allgemeinen Fasnachtsverbot. 1543 erlässt Wilhelm von Fürstenberg mit seiner Kinzigtäler Landesordnung ein Fasnachtsverbot: „Fassnacht als ein heidnische Onsinnigkeit ist hiervor und soll auch yetzt von neuem gar verpoten sin und abgestellt“. Denn immer wenn die Fasnacht aus den Fugen geriet und die Exzesse mit oder ohne Alkohol sich nicht mehr mit den Moralvorstellungen der Obrigkeiten vereinbaren ließen, kamen die Verbote.

 

1600 wurde der Wolfacher Michael Knoller bestraft, weil er „in der Fasnacht in Mumerey Scheltung gegen jung Jacob Duppelin getrieben“. In Gegenbach wurde 1620 die Fasnacht gänzlich verboten: „Des männlins und des weiblins umbführen in der Faßnacht solle hiermit bei ernstlicher Straff verbotten sein“. 1660 wird in Zell a.H. „der Jung Hosenstrickeler wegen Fasnacht Narrendey straff 5 Schilling“ bestraft.

 

Aber mit der Zeit musste die Obrigkeit einsehen, dass die Fasnacht konnte nicht gänzlich verboten werden konnte. Sie versuchte nur die Auswüchse zu bekämpfen. 1751 wurden zwei Biberacher bestraft, weil sie am Aschermittwoch noch maskiert „im Dorf herumloffen“. Im gleichen Jahr wurden vier Wolfacher Bürgersöhne „wegen dem verbottenen Narroo Gassenlaufen über letztverstrichene 3 Fasnachts Täg im Schloß in ein Zimmer in Arrest gesetzt worden“.

 

Die Fasnachtsbräuche waren aber zu sehr bei der Bevölkerung verwurzelt. So überstanden sie Pest, Kriege und Verbote. Das Begräbnis der Fasnacht wurde versucht auf den Aschermittwoch auszudehnen. Von 1788 war an Fasnacht „das Gassenlaufen den Jungen und Alten verwilligt“. Und an 1804 ist das Maskenlaufen an 3 Fasnachtstagen Donnerstag, Montag und Dienstag unter Bedingungen erlaubt. 1789 hatte sich eine Komödianten Companie in Wolfach gebildet. Dieser hatte der Fürstenbergische Schulvisitator Georg Anton Bredelin aus Hausach wohl sein Singspiel „Die Weibermühle von Tripstrill“ übergeben, die es dann auch zur Aufführung brachte.

 

1808 wurde die Narrensteuer abgeschafft, die Narren erlangten immer mehr Freiheit, so dass aus der damaligen Komödianten Companie 1816 die heutige Narrenzunft von Wolfach entstanden ist.  Zur gleichen Zeit wurde der Wolfacher Wohlauf aufgeführt. Eine Parodie auf das Lied eines Nachtwächters, das er noch um 1800 im Advent sang. Der Wohlauf dürfte wie das Elzacher Taganrufen und der Katzenmusik vieler Narrenorte auf altheidnisches Winter- und Dämonaustreiben zurückgehen.  In dieser Zeit dürften auch die verschiedenen Hansel im Kinzigtal mit ihren Masken entstanden sein. In einigen Städten sind noch alte Holzlarven aus Ende des 18. Jahrhundert und Anfang 19. Jahrhunderts vorhanden. Die Larven gab es später auch aus Papier und Blech. Aber auch in den anderen Hochburgen des Kinzigtales –wie in Offenburg, Haslach, Gengenbach, Zell a. H. - hatten sich Narrenzünfte mit ihren verschiedenen Fasnachtsfiguren gebildet.

 

Hansjakob erzählt uns im Buch Waldleute vom Theodor dem Seifensieder aus Mitte des 19. Jahrhunderts, dass „am Aschermittwoch Nachmittag begruben die Wolfacher die Fasnacht. Ein Strohmann wurde von 4 Mann durch die Straßen getragen, und die Narren gingen hintennach. Vor dem Tore war er auf einem Acker beerdigt. Hierauf begab sich der Zug zum Stadtbrunnen zurück, allwo die leeren Geldbeutel gewaschen wurden“.

Damit war das Tor zur heutigen Fasnacht geöffnet, und es gab kein Halten mehr.

Freitag, 6. Februar 2026

Was verbirgt sich hinter St Maria Magdalena in Tiefenbronn?


Tiefenbronn südlich von Pforzheim am Übergang des Schwarzwalds zum Oberen Gäu gelegen mit seinem gut 6.000 Einwohnern im Enzkreis ist bekannt für seine Kirche.

Die eher unscheinbar wirkende gotische katholische Pfarrkirche St Maria Magdalena in Tiefenbronn beherbergt bedeutende Kunstschätze.

St Maria Magdalena ist eine Schenkungskirche, die in der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts erstmalig mit dem Ort erwähnt wird. Fromme Stiftungen in den Jahren 1347 und 1395 bezeugen das alte Marienpatrozinium der Tiefenbronner Kirche mit ihren Wallfahrten. 1621 wird erstmals statt der Jungfrau Maria das Patrozinium der hl Maria Magdalena (Patrozinium 22.7.) genannt, das 1683 päpstlich bestätigt wurde.

Die Kirche beherbergt fünf spätgotische Altäre: Der Hochaltar von Hans Schüchlin (1469) ist eine der bedeutendsten Flügelaltären Südwestdeutschlands. Der geöffnete Altar zeigt alle wichtigen Szenen aus der Passions- und Ostergeschichte. Das große Retabel mit beidseitig bemalten Flügel, Predella und Gesprenge ist ikonographisch ein Marien- und Passionsaltar. Der Magdalenenaltar von Lucas Moser (1431/32) an der Stirnseite des rechten Seitenschiffes ist dem Thema Reue-, Buße-Umkehr gewidmet, exemplarisch dargelegt am Schicksal der hl Maria Magdalena. Die Tafelbilder zeigen im oberen Bereich das Gastmahl und die schöne Sünderin, links die Irrfahrt auf dem Meer, mittig die Rettung und Mission in der Heidenstadt, rechts die letzte Kommunion und unten die fünf klugen und die fünf törichten Jungfrauen. Der Altar ist ein Hauptwerk der deutschen Tafelmalerei des 15. Jahrhunderts von europäischem Rang. Daneben gib es den Muttergottes-Altar (1517) im nördlichen, den Kreuzaltar (1524) im südlichen Seitenschiff und den Familien-Altar (1520) unter der Orgelempore.

Drei Altärewand-Gemälde (1400) an der Stirnseite des Langhauses. Daneben gibt es in der Kirche wunderschön erhaltene Glasfenster (um 1370 in Straßburg entstanden) mit Szenen aus dem Marienleben, Maria und Maria Magdalena, die Patroninnen dieser Kirche sind als zwei Stein-Skulpturen von etwa 1350 vertreten, einer wertvollen Turmmonstranz (um 1500) im Chorraum, einem eindrucksvollen Chorgestühl (um 1500) und einen wertvollen Sakristeischrank von 1464.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche schwer beschädigt. Von 1947 – 1951 wurde das Kircheninnere umfassend renoviert.

Magdalenenaltar