Freitag, 12. Oktober 2018

Was verbirgt sich hinter dem Bergbauende am Schauinsland?


Das Ende des Bergbaues im Schwarzwald –außer dem Abbau von Fluss- und Schwerspat- zeichnete sich Mitte des 19. Jahrhunderts ab. So wurde einer der letzten Bergwerkvereine im Schwarzwald, der badisch-englische Bergwerkverein, 1865 am Schauinsland aufgelöst. Der Silbergehalt des geförderten Erzes war zu gering, da zu viel wertlose Zinkblende enthalten war.



Zink wurde zunehmend als Korrosionsschutz von Eisen und Stahl gebraucht. Das führte dazu, dass Carl von Roggenbach 1878 die bisher wertlose Zinkblende von alten Halden am Schauinsland durchkutten ließ. Es wurde sogar ein noch tieferer Stollen, der von Kappel nach Hofsgrund führen sollte, aufgefahren.



Die Nachfolgegesellschaft, die Gewerkschaft Schwarzwälder  Erzbergwerke, trieb den Abbau der Zinkblende voran. 1899 wurde vom Kappler Mundloch eine 5,3 km lange Materialseilbahn zur neuen Aufbereitungsanlage am Ende des Kappler Tales mit Anschluss an die Höllentalbahn gebaut. In Oberried wurde ein Kraftwerk zur Stromversorgung gebaut.



Die Nachfrage nach Zink und Blei steigerten den stetigen Ausbau der Bergbauaktivitäten. Auch nach dem Ersten Weltkrieg wurden über 250 Bergleute in den Gruben beschäftigt. Erst 1930 erzwangen stark sinkende Blei- und Zinkpreise des Weltmarktes wieder die Stilllegung der Gruben am Schauinsland.



Die Materialwirtschaft des 3. Reiches garantierte Festpreise für Zink und Blei, so dass 1936 die Stolberg Zink AG den Erzabbau am Schauinsland wieder voran trieb und ausbaute. Schon nach kurzer Zeit waren über 300 Bergleute in den Gruben wieder beschäftigt. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war 1950 die Förderleistung der Vorkriegszeit wieder erreicht.



Anfang der 50er Jahre setzte der Plastik-Kunststoff mit  seinem enormen Siegeszug ein. Der Zinkbedarf ging zurück und gleichzeitig überschwemmte Zink aus Australien, Peru und Nordamerika die Weltmärkte. Die Preise stürzten in den Keller. 1954 wurden die Gruben mangelnder Rentabilität stillgelegt, die Materialseilbahn abgebaut und die Mundlöcher verbaut. 1970 wurden von der Stollberg Zink AG Geräte und Gelände verkauft. Damit war das Ende besiegelt, und die herrliche Gegend um den Schauinsland konnte sich erfolgreich dem Fremdenverkehr und Erholungssuchenden erfolgreich öffnen. Zurückgeblieben als Erinnerung an die 40 km langen Gruben ist das Besucherbergwerk Gegenturm.



Anna Hochegger aus Bad Ems erinnerte sich, dass sie von 1926 bis 1930 mit anderen Kindern der Bergleute aus Kappel im Winter mehrere Kilometer durch den Kappler Stollen zur Schule nach Hofsgrund trotz aller Gefahren gingen. In der einen Hand hielten sie die Karbidlampe, in der anderen die Schultasche. Im Sommer ging es über den Schauinsland zur Schule.

Kraftwerk Oberried