Freitag, 26. Januar 2018

Was verbirgt sich hinter dem Rudolf-Fettweis-Werk?



Schwarzenbachtalsperre

Das Rudolf-Fettweis-Werk der „EnBW Kraftwerk AG“, bekannt unter dem früheren Namen „Murg-Schwarzenbach-Werk“ ist der „kleinere Bruder“ des Schluchsee-Kraftwerkes im Südschwarzwald. Die ursprünglichen Planungen gingen auf Prof Rehbock 1905 zurück. Allerdings konnten damals das württembergische Murggebiet nicht mit einbezogen werden sondern nur das badische. Nach seinen Plänen wurde 1914 begonnen und bei Kirschbaumwasen die Murg durch ein 17 m Wehr gestaut. Dadurch entstand ein 900 m langer See, der 359.000 m³ Wasser als Tagesausgleichsbecken fasst. Durch den 5,6 km langen Murgwerkstollen wird ein Gefälle von 140 m ausgenützt. Das Wasser fließt oberhalb Forbach in ein von der Murg aufgestauten Wasserbecken, das immerhin noch 230.000 m³ fasst. Das Murg-Hochdruckwerk ging 1918/19 mit 22.000 KW ans Netz.



Der rasch steigende Energiebedarf zwang aber zum weiteren Ausbau des Kraftwerkes, die Schwarzenbachstufe. 1922 wurde mit dem Bau der Staumauer (67 m hoch und 380 m lang) im Schwarzenbachtal begonnen. Aus dem 247 km² großen Einzugsgebiet konnte ein 2,2 km langer und 600 m breiter See aufgestaut werden, der 1922 abgeschlossen war und 15 Mio m³ fasst. Durch den 1,7 km langen Druckstollen wird eine maximale Fallhöhe von 362 m erreicht und dadurch 43.000 KW Strom gewonnen.



Die Pumpspeicherkraftwerke können ihre Pumpen innerhalb von 3 Minuten von Turbinen- auf Pumpbetrieb umstellen. Vorwiegend nachts werden mit der Schwarzenbachstufe im Pumpspeicherbetrieb aus dem Staubecken von Kirschbaumwasen Wasser in das 230 m höher gelegenen Staubecken Schwarzenbach mit billigem Nachtstrom gepumpt. Bei Spitzenstrombedarf müssen nur die Schieber geöffnet werden, um in Mannheim oder Stuttgart oder sonst wo den Spitzenstrom abzudecken.



Übrig geblieben ist das 1922 errichtete Raumünzachwerk, das die erforderliche elektrische Energie beim Bau der Talsperre geliefert hat und noch heute mit einer Fallhöhe von 62 m 630 KW liefert.



Mittlerweile haben sich Segler, Ruderbote, Angler und Badegäste der Schwarzenbachtalsperre bemächtigt und zu einem Freizeitgebiet gemacht.

Stausperrwerk Raumünzach

Freitag, 19. Januar 2018

Was verbirgt sich hinter den Kleysers aus Titisee-Langenordnach?



Holzräderuhr mit Glasglocke 1789
Die Kleysers waren Bauern auf dem Schwarzenhansenhof in Langenordnach, einem der großen geschlossenen Hofgüter im Tal. Im Altlochhäusle, das zum Hofe gehörte, begann Lorenz Kleyser, geboren 1712, Uhren zu bauen. Die Söhne packten diese auf die Krätze und vertrieben sie.



Hölzerne Uhren aus dem Schwarzwald waren billiger als Uhren mit einem Laufwerk, das ganz aus Metall hergestellt wurde. Dadurch konnten eine ärmere und weniger wohlhabende Bevölkerung als Kunden gewonnen werden. Das führte dazu, dass der Import von solchen Uhren 1782 in Berlin und damit in Preußen verboten wurde, um die heimische Uhrenindustrie zu schützen.



Deswegen schauten sich die Uhrenhändler der Kleysersippe rechtzeitig in der Weltstadt London um. Ab 1782 verkauften sie Schwarzwälder Uhren von einem Stand auf einer Themsebrücke. Zwar waren die Importbedingungen in London genauso streng wie in Berlin. Aber die Zünfte der City hatten nur in einem begrenzten Gebiet -heute die City of London- eine Autorität. Die Kleysers hatten in Erfahrung bringen können, dass die Autorität an einem bestimmten Punkt der Brücke endete. Sie konnten da ihre Uhren verkaufen, ohne in die Fänge der Justiz zu geraten.



Sie waren aber ungeschützt dem Wetter ausgesetzt. So zogen sie nach kurzer Zeit nach Little Tower Hill um, eine kleine Häusergruppen, die früher ein Kloster beim Tower war. Da diese nach der Säkularisierung der Krone gehörte, galten auch hier nicht die Gesetze der City. Die Kleysers konnten hier also Handel treiben, ohne den Vorschriften der City zu unterliegen.



Ab dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts wurde die Insel zum wichtigsten Markt Schwarzwälder Uhren. Eine Anzeige von 1797 verriet das Marketing der Kleyser-Brüder, die sich mit ihrem Schwager Tritschler zusammengetan hatten.  Sie stellten in der Oxford Street in London modernste Spieluhren aus, verlangten Eintritt und vergüteten diesen zurück, wenn auch nur eine einfache Uhr gekauft wurde. Denn eine Acht-Tage-Uhr war für Arbeitende in der Manufaktur unerschwinglich. Es genügte eine Schwarzwälder Holzuhr, um der arbeitenden Bevölkerung zu sagen, wie spät es ist.



Der Bankier Franz Simon Meyer lieferte noch ein Beispiel der Kleysers mit ihrer Schwarzwälder Schlitzohrigkeit: Der Zoll auf Schwarzwald-Produkte betrug 50%. Deswegen gaben die Schwarzwälder nur die Hälfte des Wertes beim Zoll an, was immer wieder zur Konfiskation ihrer Ware führte. Die Zollbeamten versteigerten die Ware öffentlich, vergüteten den angegebenen Warenwert und behielten den Überpreis für sich. Um endlich Ruhe zu bekommen, ließ einer der Kleysers eine große Sendung Uhren kommen, ließ aber aus jeder Uhr ein Zahnrad entnehmen und getrennt zu sich nach London schicken. Die Ware von 200 Pfund wurde mit der Hälfte deklariert. Sie wurde sofort konfisziert, der deklarierte Wert von 100 Pfund ausbezahlt und dann öffentlich versteigert. Da die Ware unbrauchbar war, bot unser Schwarzwälder  Kleyser 60 Pfund. Die Zollbeamten mussten trotz ihres großen Ärgers dankbar sein, denn sie mussten nur 40 Pfund aus ihrer eigenen Tasche zahlen. Ab dann war eine Zeitlang Ruhe mit der verminderten Zolldeklaration.



Über 10 Kleysers waren in London im Laufe der Jahre als Uhrenhändler tätig. Der letzte Simon verstarb 1839 nach kinderloser Ehe.

Freitag, 12. Januar 2018

Was verbirgt sich hinter dem olympischen Dorf am Feldberg?



Mit der Überlegung die verschiedenen Gemeindeteile am Feldberg zu einer selbstständigen Gemeinde „Feldberg“ zusammen zu legen, entstand beim Reichstatthalter Robert Wagner die Idee eines „Olympischen Dorfes“. Mit dieser Idee sollte in wenigen Jahren „St Moritz“ durch „Feldberg“ geschlagen werden.



Die Gutachten legten 1939 fest: Am Dreieck Zeiger-Feldbergerhof-Jägermatt sollte der Dorfmittelpunkt mit dem Rathaus, Gendamerieposten, Postgebäude und unterirdischem Bahnhof entstehen. Neben den Gebäuden sollte eine KdF-Halle mit Schwemme und Platz für Großveranstaltungen, ein Kurhaus in den unteren Stockwerken eines Großhotels, ein Parteihaus entstehen, zusätzlich Skilifte und Eislaufstadion. Ball- und Tennisplätze waren in der Nähe der Hotels geplant.



An der Grafenmatt war eine Sportsiedlung auf 6 ha als Olympisches Dorf mit verschiedenen Jugend- und Sportverbänden der NSDAP vorgesehen.



Richtung Menzenschwander Hütte sollte das Freibad gebaut werden. Mit dem Freibad wäre das Eislaufstadion kombiniert worden. An dem „Fremdenverkehrsplatz ersten Ranges“ war auch an Wohnhäuser, Schulhaus gedacht, nur für Kirchen und Friedhof war kein Platz bereitgestellt.



Die Vorplanungen waren angelaufen und im Sommer 1939 sollte mit dem Bau begonnen werden. Für das Feldberggebiet wurde das Projekt für die Dauer des Krieges als nicht erforderlich angesehen.



Der Zweite Weltkrieg brachte viel Leid und Zerstörung über ganz Deutschland und Europa. Aber durch ihn konnten diese gigantischen Pläne verhindern werden, so dass der Feldberg weiterhin mit seiner Naturschönheit dem natur- und sportliebenden Gast zur Verfügung stehen kann.


Freitag, 5. Januar 2018

Was verbirgt sich hinter dem Hohlohturm?








Der Hohlohturm liegt am Westweg, der von Dobel durch das Hochmoorgebiet Kaltenbronn zum Hohloh (988)und dann weiter nach Gausbach im Murgtal führt. Auch der Mittelweg führt über den Hohloh. Auch die Alte Weinstraße von Gernsbach nach Besenfeld führt hier durch.



Der Hohlohturm (28,6 m) wurde ursprünglich als Holzturm (15 m) 1856 gebaut. 1887 wurde ein neuer runder Steinturm (20 m) wegen Baufälligkeit des alten Turms durch den Schwarzwaldverein als Kaiser-Wilhelm-Turm gebaut. Der Schwarzwaldverein schlug damals den Namen vor, da Kaiser Wilhelm regelmäßig zur Auerhahnjagd hierher kam. Wegen der höher wachsenden Bäumen wurde er 1968 auf die heutige Höhe aufgestockt. So führen heute 158 Stufen hinauf zur Aussichtsplattform.



Vor der Aufstockung des Turmes 1968 war der Turm so baufällig, dass sogar an ein Abriss oder Verkauf an die Nato gedacht war. Doch der Schwarzwaldverein entschloss sich zur Sanierung und Aufstockung zur Freude vieler Wanderer.


Die Orkan Wiebke 1990 und Lothar 1999 haben den Waldbestand hier oben auf dem Holoh stark dezimiert, so dass freie Sicht in alle Richtung möglich ist. Auch die Schutzhütte neben dem Turm musste auch erneuert werden.



Der Hohlohturm bietet von seiner Aussichtsplattform einen grandiosen Blick ins Murgtal und das Hochmoorgebiet Kaltenbronn, den gesamten Schwarzwald, nach Westen zu den Vogesen und bei guter Sicht zu den Alpen im Süden.



Alte Weinstraße beim Hohlohturm