Ettenheim 1849 |
Das Erzbistum Straßburg wurde schon 343 n. Chr. erwähnt und umfasste das Oberelsaß und die Ortenau. Staufer Kaiser Friedrich II hat mit seinen Erlassen 1220 und 1232 die Rechte der geistlichen und weltlichen Großen erheblich erweitert und die Entstehung der Territorialhoheit entstehen lassen. Das Erzbistum Straßburg wurde nach und nach zum Hochstift Straßburg, der Bischof zum Fürstbischof und geriet im 17. Jahrhundert immer mehr unter französischen Einfluss.
Von 1704 bis 1790 residierten vier
Fürstbischöfe aus dem Geschlecht der Rohan in Straßburg. Sie erhielten für die
rechtsrheinischen Besitzungen die Rechte eines deutschen Reichsfürsten. Sie
waren somit Untertanen des französischen Königs und des deutschen Kaisers. Der
letzte der Fürstbischöfe war Ludwig Renatus Eduard Prinz von Rohan-Guémenée. Er
ließ sich das Schloss Zabern und das Palais Rohan in Straßburg neu aufbauen und
führte dort ein fürstliches Leben mit allen weltlichen Genüssen. Er war auch
der Initiator der „Halsbandaffäre“, jenes phänomenalen Diamantencolliers, das
der Königin Marie Antoinette zum Verhängnis wurde.
Am 14. Juli 1789 wurde in Paris die
Bastille gestürmt, drei Tage später griff auch die Revolution auf Straßburg
über. Über Zabern floh der Fürstbischof 1790 in seine rechtsrheinische
Besitzungen, da er den Eid auf die Zivilverfassung verweigerte. Zu seinen
Besitzungen gehörten die Städte Ettenheim, Oberkirch und Oppenau. Nachdem er
selbst im Kloster Ettenheimmünster und sein Domkapitel im Kloster Allerheiligen
untergebracht waren, wählte er Ettenheim zu seinem Wohnsitz und richtete im
fürstbischöflichen Amtshaus seine Residenz ein. Die französische
Nationalversammlung hatte 1791 alle linksrheinischen Besitzungen eingezogen und
den Titel als Bischof von Straßburg entzogen. Geblieben war ihm der Titel eines
Reichsfürsten und Kardinal seiner rechtsrheinischen Besitzungen wegen.
In kürzester Zeit entwickelte sich in
dem idyllischen Städtchen Ettenheim ein buntes Leben und Gewimmel von
Emigranten, eidverweigernder Priester aus dem Elsaß, vertriebenen elsässischen
Adligen und übergetretenen Soldaten königlicher Regimenter. Daraus versuchte
der Kardinal eine Armee zu formen, um so eine Gegenrevolution in Frankreich zu
starten. Aber immer wenn französische Truppen den Rhein überquerten, um französische
Interessen durchzusetzen, musste der Fürstbischof sich auf die Flucht begeben.
So auch 1796 als er bis Regensburg vor General Moreau flüchten musste.
1802 musste der Kardinal Rohan die weltliche Besitzungen an den
badischen Markgrafen abtreten. Wenige Tage vor Eintritt der Säkularisierung
1803 des kirchlichen Besitzes im Deutschen Reich verstarb er am 16. Februar und
wurde nicht in Straßburg sondern in der Pfarrkirche Ettenheim beigesetzt.
Nach der Säkularisierung hielten sich in
Ettenheim noch viele Flüchtlinge auf. Unter ihnen auch 1801 der geflüchtete Duc
d’Enghien als Erbprinz der königlichen Hochadelsfamilie der Condés. Er war
verbunden mit Prinzessin Charlotte, einer Nichte des Kardinals Rohan und führte
ein unpolitisches Leben. Napoleon verdächtigte in missverständlich eines
Komplotts und ließ ihn in einem Kommandounternehmen französischer Dragoner und
Gendarmerie mit seiner Begleitung nach Frankreich entführen. Geblieben ist die
Anekdote, dass sein treuer Hund, Mohiloff, trotz seiner Verhaftung ihm über den
Rhein bis Paris folgte und nach dem Todesurteil an seinem Grab wachte. Die
Empörung über den Bruch des Völkerrechtes und den Justizmord war einhellig aber
wirkungslos.
Erschießung von Duc Enghien in Paris 1804 |